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Full text of "Forschungen zur deutschen Geschichte"

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(forfd^niigeit 



int 



^eutjdien ©efilltdite. 






stuf SBeranlaffung 

deiner Hqellai des Königs üon ßanern 
6<t to Ji9niflC. ^abernte ber ^tlfenf^aflen. 



SJertag ber S)ieteTid^fd^en Sud^l^anblung. 

1885. 




- Zip . 



y 



31 n M n. 



SHe maffi 8eo)>oIbd I. aum tdmif^en Sta\\tt. 93on Dr. <S(. ^eibe 

ingfitti 6. 1 

3itr e^dfi^ beS eiJ^moIEalbet SutibeS. 9)on ^ttectot (8. € d( m i b t 

in ^ttetflobt - 69 

Hebet hit btei (Sebtd^te Don ben bütgetlid^en llntu^ ju SRaina 

1428-1430. Son ^rd^ÜKix 9(. 3B^6 in ^amftabt .... — 99 
3ttT 9ted^iigttng ^Botbd bed 93ü)gtat)l^n Ottod t>Qn 193amBetQ. 

95ün ?ioflot 2Ö. aOßiefenet in SBtanbä^Qßen ../...— 113 
3)ad St^i^um ^Jletfebntg untet ben ©Ad^fift^en üaifetn. 9)on $Tof . 

3. b. $fluö!«©atttttnö in Tübingen — 152 

^einete Slittl^ilnngen. 

Jlo6^mal% bie (Btabfd^ft bed (St}btfd^ofd Sut SBon $tof. (£. 

SJümmlet in ^oüe , ... — 177 

%n SSc^ff ^'ofltitia* im Sinne Stegotd VII. S3on $tof. 3. 

Wo^ in Offenbutg — 179 

Hebet bie @oIbene SSuIIe. 6ine Snigegnung bon $tof . @. 8 i n b n e t 

in:3Rflnf!et — 184 

gfünfunbatoonjigfle ^lenatbetfantmlung bet l^ißotifd^ Somntiffton 

bei bet ftdntglid^ SBa^fd^ ^fobentie bet SBiffenfd^aften. ^^ 

tid^t beS eectetotiatd — 189 

SaS Tkatifcologptm 9lot!etd nnb feine IBettomnbten. SDon $tof. (S. 

S)fininilet in ^aUe — 195 

Oetl^tb bon iStogne nnb bie Abflettefotm in 9liebetlotl^ingen nnb 

Sflonbetn. 18on Dr. m. Sd^nll^e in SBetlin — 221 

Det ^iflotilet ^ubeth^ Xl^maS SeobiuS. SBon $tof. ft. ^ottf elbet 

in ^eibelbetg — 278 

3itt «efd^id^ie ftana5fif(i^ ^mfd^ft am 9Qein 1792. 1793. 1797. 

Son etoatSatd^ibot Dr. 9t 9otät in äBe^lat — 291 

lOeinete ^tiü^eilungen. 

3» ®nei{enou3 $Ian einet (nreu^ifd^n Segion. 9ton 6taotdatd^ibat 

Dr. Doebnet in ®etlin — 838 



»» 



.70 



^fh^ einmal auT Stai^ttm^l ItatlS Y. 9)on Dr. 8. 91 euflabt 

in SBrcSlau ©.337 

gfinanateOe 9iatl^fd^lAge aud ber 3eit ^reti^t ^d^iUd. S3on OBei> 

leistet Dr. gf. aößagnct in SBctlin — 342 

^ttZtahai über bie ^opfltoal^l bed ^al^ted 1159. SBon Krd^itis 

offtflent Dr. m. SliBBeif in SRünflcr — 354 

3ttr IBoteranf^nobe beS afa^reS 1059. Söon $rof. 3- t). ^fluöt 

^atttung in 2:ilbingen — 365 

3u bet ©teile übet M Stampfwc^iX bei äBibnünb. SBon $Yof. 

SB. ©imfon in gf^eibuTg ~ 369 

3ttt DueHenhitil. Söon 5ptof. ®. ©imfon in gfreibutg. 

I. 3um Libellus de imperatoria potestate in urbe Borna — 374 
II. Hebet bie Annales Laubacenses nnb t)ettoanbte ^nnalen — tS75 

9lad^tta(s. S3on ^of. (S. kümmlet in ^aOe - 

3ut ftritil Ungotifd^et @ef d^id^iSquellen. ^on Dr. O. 9t a b e m o (1^ e t 

in SRerfebutg , - 

Sambett bon ^eteffelb bet SBetfaffet bet Gesta Heinrici qaarti 

metrice. fßon Oberle^tet Dr. %. '^anntnhot^ in Odttingen. — \ '*> 
S)ie nnmittelbaten ^ol^tn bed gftiebend Don ^nebig. 9}on Dr. @. 

Sötoenfelb in »etlin - 

S)et Sd^toäbtfd^e ^nnb unb bie ftdnfifd^en ^ol^ei^apHetn. (gfotifej^ung 

3U f&h. XXÜ.) SOon Obetle^tet Dr. g. äBagn et in Sdetlin , - 
S)ie ©d^lad^t ]^i $atoia. SBon ©tabtatd^iDat Dr. I?. ^& biet in 

S)te8ben — Sil 

2)et ®toge fttttfütfi vmb gftiebtid^ tion J^ombtttg 1670-1673. SDon 

Dr. 3. 3ungfet in »etlin — .^';" 

illeinete SRittl^^ilungen. 

nitida ton 9lid^ental. SBon Dr. db. ^e^(f in Satldtul^e « . — 
9tod^ eifimal Q^ttfyyf^ twn 9(eid^etgbetg. SBon 9ltd^it)<9fftfiint Dr. 

SB. IRibbed in 9Jlünftet , . . - 

3ft bad Bredingen Ißambetid SBteitenbacl^ obet 93teitungen? äton 

Obetfilientenant lt. ftöfllet in $affau - 

Ükintbett unb SibiuS. S3on Dr. 9lpdtol§t in ^Oe ...»-'•" 
Aitd^en in Saienbefi^ toAl^tenb M 7— 11, 3^16?^Hnbettg. äSon 

fjfattet Dr. D. gall in 3Rombadj , , — uu 

2)aS {Ad^fifdie gteiemäBetgelb. fOon Stl^. 8. to. S9t$ in 3mid> 

btttdC ,...,, -7- 579 

(Sxliainng. S^ Qr. ^gtnddC in ^iigtmi^ ^633 



2)ie Söa^l ßeo))üIb^ I. jum rbmifc^en Äaifer. 



Sott 



(K^tiflira ^üht 



XXV. 



35ie folgenbc Darfteüung bcr SBa^I ficopolb« I. jum xbmu 
fc^cn Äönig ift gcfd)ö})ft au8 bcit bctrcffenbcn SBa^Iaftcn bc8 fö* 
nigL bat)x. ®el). ©taatd-arc^iod (3 goI.^JBbc), bcr Sorrefponbenj 
bcr ©rafcn Jcrb. ©igm. unb ajiaf. Äurj, bcr ®rafcn Sgon 
unb ßcrmann görftcnbcrg mit bem (enteren, bcn WanmUmten 
bc^ ©c^. 9lat^c3 Dr. Dejlc unb bcm &ef). SBercin6arungi^*3tt* 
ftrumcnt jtoifc^cn Surbaljem unb Ccftcrreic^ ü. 3. 1658. ©n 
trcrt^üoDcr Settrag n^orb mir in einem üon £)rn. Slarctta, ^äf. 
b. fgl. «fab. b. ffiiff. ju lurin, für bic g^ede bicfcr «rbeit 
oefertigten Su^jug aud bcm im bortiacn 2Lxd)it> befinblic^en 
Sricfmcd^fet bcr ba^r. Surfür[tin Sbel^eib mit bcr ^crjogin 
S^riftine üon @aüot;en ju t^eil. Sem liebeni&mürbiacn Sntgc» 
gcnfommcn bicfed aud) um bic bat^rifc^e ®c[ci^ic^tdfor)c^nng Dcr^^ 
bienten ©clc^rtcn bin ic^ ju ni^t geringem 25anfc l?cr})flid&tct. 
35e3 weiteren möge mir ^icr geftottet fem, ber mo^lwoDenbcn 
fjBrbcrung ju gcbcnfen, totld)t xä) bei Äbfaffung bicfcr Arbeit 
feiten^ bcr Ferren ®e^. ^ofrat^ ^rof. öon 9iotfingcr, SBorftanb 
beö fgl. bo^r. &eh. Staat« » Strc^ioö , ?Prof. ©rbmanni^börffer ju 

^cibclbera, in erfter ßinic aber ?Prof. 6. I^. ^cigcl in SRün* 

|cn erfuhr. 



%te mit bcm am 2. Äpril 1657 erfolgten «bieben ^erbi* 
nanb« III., ba beffen erftgcborcncr unb 1653 jum römifd^cn Äö* 
nig getoä^rter glei^namigcr ©o^n bereit« üor im, Sater ge* 
ftorben »ar, ein 3nterrcgnum eintrat, fc^ien man im SRcic^c biefem 
Sreigniffc feine fonberli^e Iragtocitc beijumcffen. 25a§ bic ju 
granffurt tagcnbe Meid^Sbeputation biefen «niafe benu^tc, um bcn 
fc^on im mcftfälifc^en ^rieben angcfünbiatcn "An^ian ber Mcic^«* 
üerfaffung nac^brücflic^er ju forbem nno and) ba« gürftcnfoÖc^ 

S'um bei ber »bfaffung ber bem fünftigen Ä'önigc auf juerlegcnben 
apitulation gel^ört n^erben motltc, tuar fo jicmitd^ aDc«, n^a« an 
äteformgebanfen (aut n^urbe; aud^ lieg fic^ au« bem ©dboge be« 
Sleic^«förpcr« fclbft feine Stimme üemc^men, baft man bic gün^ 
ftige ®elegen^ett oenu^en foQc, um, n;it l^ei^i ^Cigebraii^ten ba« 




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gQtfi^itttgeit 



3ur 



^entldjen (Bt\ü^i^tt 



üiifttiib}t»att;i|ßer 6aiii. 



stuf Seranlaffung 

deiner Hajellai des Königs oon Magern 
fiel ker Jtinidf. ^abernte ha ^fffcnf4|aften. 



SJerlag ber S)teterl(l^fd^en Sud^l^anblung. 

1885* 



10 @. ^eibc, 

ten Einreißen lieB, in [türmifi^cn ©gcncn xf)xe Steckte ju rcHamic^ 
rcn; ber fiurfürft, eine ftißc, pictätüollc 3tatnx, toufetc bei bcm 
cnblofcn ^aber ber bcibcn grauen nichts bcffercS ju t^un, afö ju 
fd^meigen unb nad^^^geben *. 

Slußer ben SJorigcn fommt für bic folgcnbc SDarftcKung nur 
nod^ ber Dberft^of^ unb Sanb^ofmeiftcr unb Sorfifcenbcr be« ®e* 
l^cimen Sfiat^eö ®raf SRafimilian üon Surj in Sctrac^t, ein 972ann 
)7on täd^tigen ®runbfä^en unb trefflid^er ^an^aikt an eigenem 
@ut, ber bicfen feinen perfönlic^en ß^arafter and) ber üon i^m 
unbefc^ränft unb unbeftritten bi« ju feinem Jobe geführten ©taatS* 
leitung aufjuprägen üerftanb. SWit ben eingelnen ©fiebern ber 
furfürftUd^en gamilie üerfnü^jften i^n bie mannigfad^ften SBanbc; 
bem ^urfürften mar er Seigrer unb Srjie^er gemefen unb be* 
^errfd)te aud^ je^t nod^ öermöge. feiner ftaatömännifc^en ®rfa§* 
rimg unb ber Ueberlegen^eit feinet ®eiftcö beffen lenffomeS unb 
^ingebenbeg ®emüt^; bie ff urf ürftin^äJiutter , eine ^absburgerin, 
fc^ä^te i^n megen feiner audgef)}rod^enen ^2lbneigung gegen aQed 
granjöfif^e, unb »enn er fi^ and) inxij benfelben 3ug bie Uju 
gnabe unb jule|t ben grünbüd[)ften ^ofe ber ffurfürftin 9[belbt>b 
jujog, fo ijai er bodj burc^ fein ritterUd^ei^ Stuftreten beren ^&: 
tung fid^ ^u aflen Seiten ju erbalten gemußt. 

63 ift begreiflich, bap biefer latente unb burc^ Sorfommiu ■ 
ber öerfd^iebenften ?trt fortmä^renb lebenbig erhaltene ®e^ei. .> .. 
innerhalb ber furfürftfic^en gamifie mit üerftärfter ^eftigfeit mv 
aeltenb ma^te, ate bag franjöfifd^e ^rojeft ber ©r^ö^ung •-. 
baljrif^en ffur^aufeg in ©i^t fam. 2)ie grauen trieben na.* , 
lid) ^ßolitif be« ©crjen« ; bie Äurfürftin^9Jiutter füllte al« ^abSl . 
aerin *, beö ff nrjürften ®ema^Un, ber ba« f aiferlic^e Diabem ttjii , 
folgte ben fim leicht entfc^ulbbaren febftfüc^tigen 3lntrieben ; malere 
jene®efanbte empfing unb üerbefd^ieb wie eine regierenbe fjür • » 
fnüpfte biefe über bie ff öpfe ber baprifc^en Staatsmänner ^in» '•• 
SBejie^ungen ju auStüärtigen SWäc^ten an, fo baJ3 mir balb . 
ffurftaat' in jmiefadEie Unter^anbluujjen üermitfelt fe^en tvex'^r. 
offijieHe unb gebeime, beren (Srgebnlffe ficb fortmä^rcnb auf . 
bireftefte tt?iberfpred)en unb bie pofitifd}e SBelt lange barfiber ' 
Unflaren laffen, toeld^eS bie tvaijxc Abfielt ber ba^rifd^en 9Je 
rung fei. SBie fid^ ber fturfürft ju ber grage, bie bo^ in ei 
Sinie i^n felbft anging, ftcüte, barüber üerlautet nirgenbmo ett 
beftimmte«; er betf eiligte fic^ jmar an ber poütifc^en fforrefp 

V» 

» ©aubcnaio (Slaretta Berietet in feinem 1877 crfc^ienenen S3ud^i" Ade- 
laide di Savoia e i suoi tempi über bie bamatigen SJer^filtniffe ar a^t. 
^ofe fe^t auöfü'^Iid^. 

• .3)flQn gäbe gtoße ^ulbt bcm (»raffen Äl^ur^en, tote mtd^ unfern An« 
frauen. bie ba#3ntercffe i^reö ^Qufed it)ren aignenÄinbcm Dorgejogen", @d^r, 
b. Äurf. 3of. eiemens non ^öln an feinen iBruber 3Kaj (Jmanucl ö. 95oDern. 
Bei Ä. %}). ^eigel, Äurf. 3of. €lem. to. ^öln k., in ben 6i^ung«ber. b. hatat. 
9lfab. b. SBiffenfd^. 1883, ^. 3. 



i 



Xie 29a^[ ^^copotb^ I. junt töntifc^en Aönig. 11 

benj feiner ®emafßn mit ^ranfreic^ unb @aüot)en , unb gtoor in 
ber SBeife, ba% beibc 9Jföd|te geraume Qext ^inburc^ ber Hoff- 
nung fid^ bingaben, ber Äurfürft merbe fid^ für Ännal^mc ber 
Äronc entfqeiben; ber ©c^merpunft ber JBer^anblungen unb bie 
fc^Iie^Iic^e (Sntfc^etbung lagen aber ganj anbersmo, nämlic^ in 
ben |)änben beg ®rafen Äurj, ber aU erfter STOinifter bie äußere 
$oIttir beS ^trftaateS leitete. 

Unterm 20. Wlai toaxen nun, mie oben ermähnt, bie 9m 
trage granfreid^ö burd| ^anbfd^reiben beö Surfiirften üon Söln 
nad^ SWünc^en mitget^eilt toorben; in einem beqleitenben ©^rei:» 
ben be« ®rafen Sgon gürftenberg an fiurj ^ie| eg, ®e. 5)urc^* 
lauAt ju Söln UJürbe e« gerne fe^en, tt)cnn man fid^ ba^rifd^er* 
feitS über bie gemachten ^ropofitionen beö näbern ^erau3lie|e; 
ber franjöftfdie ©efanbte babc merfen laffen, bafe, loenn man eine 
Serfidderung üon beren Hnnabme nicf|t erhalte, auc^ leine ©e« 
fanbtfdiaft in biefer Angelegenheit nat^ äJiünd^en gefc^icft «werben 
folle. 3n bem ?(nttt)ortfcf|reiben öom 30. beff. ÜWt«. bebanhe fic^ 
be*- ba^rifc^e fiurfürft für bie Don ber Shrone gi^anfreic^ unb Äur^ 
r^^ beJEunbete Äffeftion jur ßr^ö^ung feine« |)aufe«, lieft fic^ aber 
in >* r ©ac^e ba^in üernebmen, ed falle i^m fc^tt?er, fid^ tt)ie be* 
ge^rt, fategorifc^ ju erflären, n?eil ein ^aftieren üor ber SBa^I 
nac^ ben Seflimmungeu ber ©olbenen SBufle unjuläffig fei, unb er 
a c^ nicftt bie SKeinung ermecfen toolle, afö bewerbe er ficft um 
ei. '- 3Bürbe, beren SBerlei^ung ®otte« ^ügung unb ber fiurfürften 
Sß..dm an^eimgefteUt bleiben foHte. 2)em ®rafen ©gon aber er* 
tv'^^eü gleic^jeitig fturj, man möge cö nic^t tabeln, »enn ©e. 
% irc^Iauc^t üor allen anbern ®rtt7ägungcn ber Stimme ber ^flic^t 
f ,ie, bebauert im übrigen, baft befd^Iojfen toorben, fie burc^ feine 
®e)anbtfcbaft ju befcbidfen, bis man fi^ nic^t über bie franjöfi- 
f^en Sorfd)Iäge enbgültig refolüiert, unb befennt unummunben, 
bafe man bieftortö ber jugcbac^ten ®I)re, bie man fonft toie billig 
fe^r ^o(^ fc^ä^, lieber entratben alg fid& bei gegenwärtiger iton* 
junitur bem Sierbac^t ausfegen wolle, als fübre man eine ^eimlic^e 
fiorrcfpotvbcui , waö nur unliebfamen 3^if* 1"^* ^^^ SReic^e jur 
5olgc f)ab€n unb bem üanbe aUerbanb ®efa^ren ^eraufbefc^wören 
toüroe. ^nrd) Schreiben oom 10. 3uni jerftreut nun ßurföln 
bie oeäugerten Sebenfen über bie ^"löffig'^it be« ^aftirenö üor 
ber fea^I unb ftellt bie ganj beftimmte gragc, ob ber Äurfürft 
für bell gfaD, baß bie übrigen SRitfurfürften bemfelben i^re©tim* 
men jeben würben, bie Jhrone annehmen wolle. 2)a3 barauf^in 
am 2V. 3uni ergangene furfürftlidje |)anbfc^reiben faßt, ber ab= 
gefc hörten befinitiüen ©rflärung üorftc^tig au3Weid|enb , bie ob* 
Wal V üben JBebenfen in f olgenbem gufammen : e§ fei üor allem gu 
erwägen , Weld^e bebeutenben finanjiellen SWittel bie gü^rung ber 
foiferlic^en S33ürbe erbeifc^e, unb ob unb inwieweit man ficb ba* 
bei auf einen 3"f^"6 au« SReid)«mitteln öerlaffen bürfe; in weld^* 
öerwirrtem unb unfic^erem ©taub fic^ ba« 9?eic^ bermalen befinbe, 



12 @. ^eibc, 

toic c8 an Sinigf cit unb ^wf^nttnen^alt unter bcn ©tänbcn mangele 
unb tüie leidet eine Spaltung unter benfelben, oome^mlid^ bei 
auswärtiger ®efa^r, aber baS 9ieic^ neue Unruhen bringen lönnte, 
toobti bem Oberhaupt bte ^auptfäc^Iid^fte fiaft unb auc^ bie meifte 
SSerantmortung, neben ber eigenen Sanb*®efa^r, obliegen würbe; 
ob nid^t (mit ber Slnna^me ber ^rone) bie turfürftli^e äBilrbe 
bed ba^rifc^en ^aii\t& aufS @piel gefegt unb baffelbe ftd^ bid^er 
befreundete 9J2ä^te }u |$einben mad^en wärbe, unb meffen man 
fid^ in bemgatle auf anbermärtige SBerfpred^en ju üerlaffen ^aben 
möchte *. „3)ie§ aber unangefe^en", fc^liegt baö beben tfame ©c^rift^ 
ftücf, ^.werbe ic^ jeberjeit me^rerd beS gemeinen äBefenS unb ber 
fat^oltfc^en 9ieligion, auc^ be« ^. SReid^eö Äonferüation unb Suf^ 
nehmen meinem ^rioatintereffe öorjie^en". 

Wlxi berfelben $oft ging auc^ ein Schreiben bed ©rafen ^vj 
an Dr. Dejle, ben batjr. Söeüoümäd^tigten bei ber SReii^öbcputation 
in ^ranffurt, ab, welches bie in bem mitget^eilten (Schreiben an 
Äöln vorgetragenen Sebenfen SBort für SBort »ieberbolte unb 
bem Slbreffaten ben Sluftrag ert^eilte, fid^ jum ^urfürften nac^ 
SRaing ju begeben unb oon bemfelben ein ®utac^ten über biefe 
5ßunfte eiuju^olen. ^SBenn biefe Söebenfen ber iKot^burft nad^ bi* 
luciert würben", fügte ®raf Surj bei, „liege fi^ baS SBerl nod^ 
Weiter überlegen", ^^fl^^i^l toirbDejIe jur ftrengften ®e^eim]^al* 
tung biefer Unter^anblungen üerpfUc^tet, ba aufer i^nen beiben 
nur ber ^rfürft um bie Sac^e wiffe. 

Dejle begibt fid^ am 30. 3uni na^ SÄaing, eine SBaCfa^ 
jimi §. Sreug, eine |albe ©tunbe üor ber ©tabt gelegen, oorge» 
benb, um feinen ©erbaut ju erregen, unb entlebigt fic^ beim Äur* 
fürften feine« Sluftrag«. äfö OeEle anbern läge« wieber Dor 
i^m erfcl)ien, um bie Slntwort entgegenzunehmen, „fragte fic^ 
fer öfter« l^inter bem Äopfe unb meinte, ba f)ahe man i^m 
fd^were iJeftion aufgegeben, barauf er bisher fleißig ftubiert, 
fid^ flarju werben; er wolle inbeffen mit bemSoineburg bar- 
gu SRat^e ge^en; wenn feiner au^ bem ßaufe Defterreid^ S' • 
werben woue, wiffe er niemanb al8 fiuroai?ern. S^t^ä^ft ^ ^ 
fönne er ein Judicium über bie im SBege üegenben ©ifficult;: . 
nic^t fällen, fic^ auc^ nicfet über bie modi et medii, wie fi 
befeitigen, äußern, weil i^m bie Sircumftantien jum Ibeil u* ' 
fannt ; er fönne fic^ alf o nid^t gutac^tlid^ üemebmen laffen. SK-« 
er aber näd^fter iage gu bem ^errn Äurfürften nad^ Äot'. 
fomme, wo aud^ ber ©roß^ofmeifter ®raf gürftenberg gu erwar* 
ten fei, wolle er quasi motu proprio Don ber ©ad^e fpredien" *. 
2y«t biefem Söefd^eib fe^rte Cejle nac^ ^ranffurt gurüd, üon 

* 2)tefet letzte $unlt Beatebt f\ä^ auf ben t)otQe[el^enen Stavap^ mit Oeflerrettj^. 

' Oe^le QttAuta, 8. 3uli: »3.KfI.(S)n. tooOen ftd^ no^ in particolari 
ni^td l^etau§taffen, fonbem biefelben toeTben, toie id^ too^l tatmtdi, unb felbfl 
etlid^ex ^agen toorgemerft l^ben, bte ^nferenj ^n J^oolena mi^ .Xtiet unb 






)D0 er bad SBorfte^enbe unterm 7. ^ult naä) 9Ründ^en be« 
rid^tete. 

2)ie ftonfereng, auf bereit (Srgebnid Oe^Ie ju äRainj üertDte« 
fen tuurbe, fanb mabrfc^einlic^ nod^ in ber erften ipälfte bed dult 
}u ftarlic^, einem @c^(offe bed ^trfürften üon Xrier bei ßoblenj, 
ftatt. ^er SEßunfc^, in ber ^anbibatenfraae eine ^emeinfame SBer^ 
ftänbigung ^beiguffi^ren, ffattt fc^on früher ^u etnem SF^einungd« 
audtaufA unter ben geiftlid^en Surffir[ten Knlag gegeben. JBoi« 
neburg ünb ®raf Sgon ^ürftenberg ^atteif an ben betl^eiltgten 
Öfen üerfönlic^ Informationen eingebogen. Ganftein* erfuhr )u 
ionti 8(nfängd 3uni, ba§ man bort mit SBa^em nic^t red^t oor« 
toärtd ju fommen glaubte; ber SBiberftanb ber 5turfärftin'9Rutter 
unb etlicher Z)iener fei gu grojs; aucb ^abe ettoad t&f)l geftimmt, 
bap man fic^ oeme^men laffen, bad Steic^ mügte auf biefen ^aO 
etliche äRibionen jä^rlic^ ^ergeben. ®raf @gon ^ärftenberg lieg 
fic^ gegen i^n bed mehreren über bie Sr^ebung bed (^rg^ergog^ 
SeopolD SBil^elm aud, bem Oefterreic^ in biefem ^aO einiges 
fianb abtreten muffe ; man ^offte bie fic^ babei ergebenoen @i)to\t* 
ngfeiten mit ber 3)ro^un0 einer fianbibatur ^^^anfreit^« au8 bem 
äßege gu räumen; ber Stimmen üon äRaing unb Girier fei man 
ftc^er; boc^ mürbe man Sägern immer nod^ ben Sorjuq geben ^. 
9tö ungefähr üier Sßoc^en nac^ biefer Unterrebung bie ^urffirften 
Don äJ^ainj unb Syrier unb ®raf (Saon ^^firftenberg in ^ärlic^ 
jufammenfamen, Dereinbarten fie fic^ oort junäc^ft auf bie ^erfon 
2eopoIb SBiI^e(mi$| „bafeni felbiger nic^t acceptieren mollte, foÖe 
mon femer belibeneren unb eine« anbem subjecti [xdi oerglel^en, 
aiic^ fei t>on bem gefaxten ^efc^Iuffe unüergfiglic^ ^nxiatfnn WtxU 
^lung }u mad^en unb baffetbe gur Cooperation einjulaben'' *. 
9Rit biefem unb anbern fonfurrierenben Aufträgen tourben öoine« 
bura unb ®raf SBil^elm gürftenberg (©ruber ®gon8, ebenfalls 
in $ö(nif(^en S)ienften) betraut, n^eld^e um bie äRitte 3uli i^e 
9letfe nac^ SRünc^en antraten^. 

Defle toartete inbeffen ju granffurt »ergeben« auf bie SJilu^ 
cierung ber benjugten Sebenlfen. am 17. Qfuli fc^rieb er an ®raf 
fturj: „V\t brci geiftlic^en Äurfürften unb bero ©efanbten finb 
be« ®rauben« , bafe ber Äurfürft üon JBatjem bie römifc^e Ärone 

nic^t annehmen toerbe; man foUe fid^ Dörfer gegen fie e^peltorie« 

« 

' S^etfelBe betetfle alS Btanbenbutdfd^er dkfanbtet bie betfd^tebenen btt« 
ffiifilicl^n ^öfe, um beten ©teSuitg in oet SBol^lftage audauforfc^en ; am ha^» 
rifd^n ^ofe tourbe ex betanntlid^ ntd^t augelaffen , toeil fein Srebitib auf ber 
»tefTc nid^t ben Stitel ^max bed Steic^ed" enthielt. 

' €on|lein tt. b. Puxf., JBoim, 22. u. 24. 3Woi (1. u. 3. guni) 1657, 
in ben Ulf. m. «ft. ©b. VIII, ©. 440 ff. 

' Xriet an Min, 28. @e^t. Stop. 2)te Itonferena bon i^fttli^ ertoA^nt 
aaäf SBagnet, Bist. Leop, Magn. L. I, ®. 31 ; er toar ober auf falf^er 
Sa^rie aU er fd^ieb : Mos a Ferdinandi obitu Carlichii convenerant tres 
Electorea Arobiepiecopi, in oommnne consoltari, et in hoo eoetn de- 
eretcun ferebator: Bayarnm Im perl o admovendum. 



14 &. ^eibe, 

rcn, c^c fie gebadete ^one formaliter antragen. SÄit Sluflöf ung 
bcr nodorum, toelc^e Äur-fiöln üorgcftcDt tüorben unb id^ Äur^^ 
mainj contmunicieren ntüffen, tt^oQen fie tpeber befümmert no^ 
bemüht fein". 

Ueber bie Setoeggrünbe, üon bcncn fid^ bie geiftlid^en Äur- 
fürften bei S(uffteIIung bed Srj^erjogd fieopolb äSil^etm old ßan- 
bibaten für ben erlebigten I^ron leiten ließen, üerlautet an feiner 
©teile etn^ad Slutl^entifc^ed. ^anfreid^ ^atte jmar anf audna^md- 
lofe {(ui^fc^IieBung famtlic^er ©lieber bed ^abdburgifc^en J^aufeS 
üom Äaifert^um gebrungen*. äOein ein (Srfafe »ar nic^t fo 
leidet ju finben. Sägern machte fitf; ju treuer * ; gegen bie SEBa^I 
beö Don granfrei^ mit üorgefd)lagenen ^erjogg üon Nienburg 
fträubte fid^ energifdi ber Äurfürft üon SBranbenburg. ®o mod^te 
fic^ bie Sr^ebung eineiS ©eitenf^^roffen be^ öfterrei^ifc^en ^aufcS 
üon felbft afö Äugmeg barbteten. äRan fonnte erwarten, bafe fic^ 
granfreic^ am ßnbe mit ber ©rric^tiing einer ^absburgifd)en ©e= 
lunbogenitur unter ^odtrennung anfe^nlid/er ©ebietsttieile oon ben 
@rbtanben bei ber baburd^ gefd)n7äd}ten ^audmac^t ber ©tamm^ 
linie jufriebcn geben toürbe. Slud^ bem ©treben ber ©tänbe nac^ 
greil^eit unb Autorität gegenüber bcr oberften SReic^Saetoalt toare 
mit ber S)urd^fü^rung biefer Sbce fein geringer SJorfqub geleiftet 
iDorben*. 3)ag ^ab^bur^ifdEie ^auS in feiner beutfd^en unb \pa^ 
nifd^en fiinie , infonber^eit aber ben ftönig üon JBöl^men , ^offte 
man burc^ eine fingierte (Seaenfanbibatur granfreid^« bem ^ßro- 
jeft geneigt gu machen. Sn Der I^at begegnete baffelbe im 9ieic^e 
an manchen Orten feiner üblen aufnähme, ©o erfubr ^ort« 
mann fc^on Snbe äRai in |)eibelberg, bafe e« oermutf)lic^ auf 
einen folc^en SJergleic^ hinauslaufen werbe*. Sluc^ ®raf ^? - 
Äurj meinte, „e^er foHe baö ^an^ Defterreid) bie Srone \ '•. 
laffen , alö bie ÜKittel ju beS Electi Unterhalt , »enn er « - 
^aufe Oefterreid^ fei, üermeigern ; am 6nbe bebürfe eö gar ' • 
divisio provinciarum , bie $offeffion ber römifd^en Ärone 
baiJ Uebrige fc^on fc^tid^ten". Äurg »ill übriäenS bem M • 
nid^t rec^t trauen unb oermut^et in bem 5ßrojeiEt eine |)intei • :■ 
bie fid^ ber Äurfürft offen ^alte, um fid^ gegebenen gaüeg ' 
biefelbe ju faloieren*. 

3n ber Umgebung fiubmigiS XIV. urt^eilte man ä. 
3Ran »ollte bort toiffen, baß ba« ©(^reiben, in welchem t* 

» «b. aöolf, gürfl ßobfohjit, ®. 86 hcf^auptti bagcQcn, bo6 granftcidti I 
ben geiftlid^cn Äurfürfien ben 9lot^ ^^^tben, enttocbet ben (Sx^^^o^ gerbinonb 
Don X^ol ober ben ^of« unb ^eutf^meifiei aum ^aifer ju tc&^len, ift aber 
bie Belege l^ierfüt fd^ulbtg geblieben. 

* gonfletn a. b. Äurf., SBonn, — ' ~!—. , Urf. u. Slft. S3b. VIII. 

3. 3uni 

» danflein a. b. Äutf. 5/16. Btpt, llri it. «!t. SBb. VIII. 

* äottmann a. b. Stuxf,, 26. SWai, Urf. u, Sttt. ®b. VUI, @. 489. 

* mta an €>nU, 8. u. 22. Ilug. 



2)» fSkäfi Seo})olbd I. aun tömifd^n ftfinig. 15 

mtfc^e ihrone für Seopolb SBit^elm angeboten mürbe, an %utt^ 
pttQ abrefftert toax, üon bem man boc^ miffe, ba§ er nic^tö fo 
|e^r färd^te d^ ben Sri^erjoa in SBorfd^Iag S^tad^t gu fe^. 
2)arnm fa^ auc§ SJ^ajarin in Dem Schritt bed SRaingeri^ nur eine 
fiift, um, nac^bem er mit {(nerbietung feiner guten 2)ienfte be« 

Sonnen, oon benen er freiließ nur gu aut tonnte, bag fie unfe^t 
ar abgelehnt märben, befto unangreifbarer unb um fo aere<^tfer^ 
tigter ba}ufte|^en in aDem, mad er gegen bad öfterreic^ifd^e 3nte« 
reffe t^un mürbe ^ 

Stuf Seite bed ^önigd oon SBöl^men mar man iebod^ inAmi« 
fc^en ntc^t unt6ätia geblieben. (Snbe äRai mar ®raf SBoIfenftein 
oon ^ranffurt nacQ äßün^en beorbert morben, S^rautfon (am im 
3uli ebenba^iu oon SBien ^er, 9{ott^aI unter^anbelte in 3)rei^ben, 
Sifola in ^ntg^berg. SSoImar, ber öfterreic^ifc^e 83eooDmöc^tigte 
bei ber 9teic^dbeputation in ^ranffurt, ^atte gemeinfc^afttic^ mit 
bem ®rafen Oettingen bie r^einifc^en ^urfürjten „and IBrett }u 
bringen", moüite aber, beoor er feine SRunbreife antrat, bie Se« 
ri^te and äRünd^en unb ^redben abmarten, bie, mie er ^offte, 
iffm bei ben aufgetragenen Unter^anblungen gu ftatten (ommen 
foQten. 9Bad inbeffen bie SSeric^te 2;rautfond unb äBoKenfteinS 
betrifft, fo liegt über biefelben bie beftimmte Steugerung bed ®ra^ 
fen fiun oor, bag fie bem S3oImar nic^t oiel nü^en merben, unb 
bad miu mobi nic^td anbered fagen , ald bag jene ©efanbten in 
SRünd^en btd^er feinen Srfolg gu oergeic^nen Ratten'. 3m 3utt 
no(^ machten fic^ bann Sßolmar unb Dettingen nac^ ben r^eini« 
f(^en ^r^öfen auf ben t&ea, unb unterm 31. beff. üßtd. (onnte 
Oejrle an fturg berid^ten, bap fie gleich bei ßurmaing einen „axo^ 
mächtigen ßorb" belommen l^ätten; ber Srgtangler fei auf ber 
äBa^I Seopolb SBil^elmd ober aud^ bed Srj^ergogd gerbinaub üon 
I^rol unb auf ber ^ut^cilung gemiffer ©tücfe üon ben öfterrei;» 
c^ifc^en (Srblanben an ben SBa^IIanbibaten beftanben, bamit ber« 
felbe in ben @tanb gefegt merben fönne, ben (aiferlid^en (Stat gu 
fuhren; barauf ^abe äiolmar ermibert, bag fein ^önig e^er bie 
römif^fe ^one aud feinem J^aufe laffen, ald fic^ gu einer fo(c^en 
I^eüung t>etfte^en merbe. „SBir oerf6^mä|^en", fügt Dejle biefen 
äßttt^tlungen piquiert bei, „ba^ bie geiftlic^en ^rfürften unfern 
ften ^errn etft tertio loco, menn nämlid^ bie oorgebad^ten 
(Srg^ergoge bie römifc^e ^one nid^t annehmen mouen ober 
Knnen, üorf erlagen, afö menn ©e. Sfl. 2)rl. erft ber Hnbem 
fifidenbüger fein mfiBte**. Site SReuigfeit beridbtet Dejie metter, 
ba§ üon ßönigdbera bie ^ad)xx6)i angelangt fei, fiifola f)aie ben 
bronbenburgtfd^en ^urfürften in ber äBa^Ifrage gang oon ber 

* TttuL b. Jvana. @ef. t). 12. @eptbt. 2B^. fSh, I. 

' %U um jene S^it SSolmar in gftanffutt t)erbteiiete , man l^abe t>om 
batft^ä^ i^urfürften bad votum pro di^nitate Imperatoria füt ben Stbni^ 
iwn )85^mnt btteüd exl^lien, mugte er fS^ hon SlRünd^ aud ein fd^rfcd %>tß 
meitü gefdUen loffen. 




16 &, igeiht, 

fd^tpebifd^en gartet ab unb auf bie @ette Oefterret(^d gebrad^t; 
ber Äurfürft oon SKainj fei barübcr ganj „ptxplti" gctoorbcn 
unb bemühe \xd) mm fc^r, ben ^faljgrafcn fiir feine päne ju 
gewinnen. SRac^ Sn^alt eine» SriefcS OesIeS Dom 10. Äuguft 
fprad^cn fid^ SJoImar unb Dettingen über ben @rfoIg i^rer bijjlo- 
matif^en Siunbreife aegen benfelben ba^in au^, „ba| fte üon äßaing 
eine jtueifel^afte uno bilatorif^e, Dm Söln eine gute, Don Xrier 
bie aUerbefte @rflärung erhalten; }ule|t ffait anq äKainj, noc^- 
bem Seopolb 3Bi(^eIm abgelehnt, 93efc^lüffe gefaxt, tüelc^e beut 
Äönig öon Ungarn nic^t entgegen feien". 5Die ©efanbten Don 
äßain} unb ftöln üerfid^erten aber in 3Rün6)m bad ©egent^U. 

Soineburg unb. ®raf S33il{)elm gürftenberg, ©ruber beä 
®rafen ®gon unb tt?ie biefer in lölnifc^en 5)ienften, maren, tote 
oben ertoä^nt, an ben batjrifd&en ^of entfanbt njorben, im ha- 
felbft über ben Seitritt gu ben Särlid^er SBefc^lüffen ju Untertan* 
beln, eüentueü bie beftimmte Srflärung ber iBeioerbung g^rbinanb 
äßariad um bie römifc^e ^rone eingu^olen; jugleic^ patten fie 
fic^ über bie ©teHungnal^me ^urba^emS ju ber grage ber Qn^ 
laffung bed naä) ben uieid^§gefe|en noc^ aU minberjä^rig gu be- 
trac^tenben Äönig^ üon JBö^men jum SBa^ttonoent fotoie bejüg^ 
lid^ ber üon ^anfrei^ angeregten ©rünbung einer engeren Siga 
ju üergemiffem. 5Die ©efanbten teilten ®nbe 3utt unb anfangt 
nuguft in SD^ünd^en; fie besagten fic^ nac^ i^rer Slücflunft t7on 
bort bitter, bag man fie auf bad emj^finblid^fte Dernad^Iäffigt unb 
üiele 2;age umfonft in fiangetueile Ipabe gubringen laffen, ouc^ 
Bätten fie njeber beim ®rafen Äurg eine ^iüatunterrebung nod^ 
oeim Äurfürften eine Äubieng erlangen fönnen, rühmten im übri- 

en ben Äurfürften auf 8 l^öc^fte unb bebauerten nur, „bag @e. 

je. nid^t fo geneigt gur ©ad^e wäre toie @e. Äfl. S)rL; benn 
fonft toürbe man balb ad scopum gelangen fönnen" • bai5 erfte 
unb ^auptfäc^Iic^e ^inbemiiS aber bilbe bie Äurfürftin*3Ruttcr. 
®raf Äurg feinerfeit« [teilte aud^ gar nid^t in äbrebe, ba§ er ge* 
fliffentlid^ eine 9}riüatunterrebung mit ben ®efanbten Dermieben 
l^abe, unb begei^nete in einem ©(^reiben an O^Ie üom 22. 9[u- 

(|uft ate ®runb feiner ßurüdE^altung, bag jene in ben bret Ron* 
erengen, bie mit i^nen gehalten ttjurben, nid^t im geringften 
äßiene gemacht, fid^ über bie üon Sägern feinergeit gefteUten ©or* 
fragen gutachtlich gu äußern. 3m übrigen t^ern^a^rte er fic^ ent« 
fc^ieben bagegen, bajs il^m irgenb meiere ©d&ulb beigemeffen werbe, 
toenn bie SBer^anblungen ni$t ben aemünfd^ten SSerlauf nähmen; 
„er Wiffe fe^r Wo^I, mit meld^er JBef^eiben^cit i^m gu bienen gc» 
bü^re , unb ®ott habt @r. Äff. 3)rr. fo üiel SBerftanb gegeben, 
baß fie feine Urfad^e l^abe fid^ an baS Urt^eil eine» emgelnen 
Wieners gu binben, unb wenn biefelbe in bergleic^en fc^wierigen 
3)ingen umfid&tig Dorge^e, fo werbe fie barum üiel mebr gu 
loben fein , ate wenn \xt gleid^ gu aKem \a gefagt l^ätte : eoenfo* 
Wenig fei wa^r, baß bie Rurf ürftin « SRutter irgenb Weid^e $in« 



I 



berimgcn in ber bctuu^ten ®ad)c bereite, tüeil fie barum nid^t ba« 
©eringftc tüifjc, unb [i^ in SRegicrung^bönblungcn meber cin^ 
tntfd)e itoc^ ju benfelben gejogen tuerbe. SBad aber bie mainj^ 
fölitifc^e ®efanbtfc^oft al« Sftefultat i^rer Unter^anbhingen naq 
^aufc brachte, tvax lüeiter nic^tö, ate ba% SBotjem für bie 3«* 
laffung Äönig 2eo))oIb§ jum 3Ba|[|tfoniDente eintreten werbe, ein 
5ßaftieren aber jeneÄ Drtö ni(^t für angezeigt era^tet »orben fei. 
3n bemfelben 9)2onat Stu^uft ttüc^ bolljog fic^ bie entfdbei^ 
benbe SBenbung in ber baprtfct|en SBa^IpoIitif. 3)er baijrifd^e 
Äurftaat ^atte fic^ n?a^rlid^ nidjt üor^ebrängt unb n?ar nur auf 
toieber^olteg anbranden Äöing an^ feiner ))affiöen Haltung ^er* 
ausgetreten, lüobei bie bei ÜKainj unb Sföln nad^gefuc^te gutac^t* 
lid^e ?leu6ening über geioiffe 5ßräliminarfragen jur ©aft« Weiterer 
Ser^anblungeii bieneu foüte. 2)a§ nun biefe bcibcn SBa^lmäd^te, 
anftatt bem an fie gerichteten Sege^ren nadjjufommen , fic^ oon 
SBaijern ab= unb bem ^rojeft ber iSrbebung üeo|)oIb SBU^elmÄ 
juiüanbten, ^atte in 9Jfönd}en bie 2uft an toeiteren Unter^anb* 
hingen mit benfelben grünblid) verleibet, unb e« toar nur eine 
Heine Sieüanc^e, Wenn man Ijier f^äter ber mainj^fölnifd^en ©e* 
fanbtft^aft eine fo wenig freiinblid^e unb entgegenfommenbe Suf^ 
na^me ju t^eil werben ließ. Slls bann üon jener, ber erhalte* 
neu Snftruftion gemäß, bie Stufforberung ju einer fategorif^en, 
bebingungSlofen Srflärung ber ännal)me ber Äanbibatur Wieber^* 
^ott würbe, würbigte man biefelbe feiner SBeac^tung me^r; „man 
bürfe nid^t blinblingS in einer Sac^e getien, war ber leitenbe @e» 
banfe be§ (Srafen Kurg, bei ber, wenn bie SBürfel einmal ge* 
fatten, bie 9ieue ju fpät fommen würbe." SKit bem 24. äuguft 
war bie ©c^Wenfung JBaljernS an bie Seite Defterreid^g üoB^ogen ; 
unter biefcm 55atum gin^ ein §anbfd^reiben gerbinanb aJiariaÄ 
nad) ^rag ab, welches bie Slnerbietiuig ber SBa^Iftimme unb bie 
JBitte um (Einleitung üon Scr^anblungen be^ufä ©rric^tung einer 
SJefenfiüaflianj jWifd^en beibeu äWäd|ten enthielt, um gegen frembe 
Sergewaltiaung , wel(^e biefen ©d)ritt jum SBorwanb nehmen 
würbe, a^fd)ü|t ju fein. Unb feltfam, in benfelben Jagen, ba 
ber Äurffirft freiwillig auf bie Gr^ö^ung feine« §aufe8 ju @un* 
ften Defterreic^« Serjid^t leiftete, ^atte infolge beS energif^en ©in* 
reifend ber injwifc^cn am SBa^Iort erf^ienenen frangöfifd^en ®e» 
anbtfc^aft in bie ^räliminarüer^anblungen bie 3bee, ©altern jum 
fiaifert^um ju berufen, erft fo rec^t gleifd^ unb 93(ut angenommen 
unb gewann, ba nunmel^r auc^ Srj^erjog Seopolb SBili^elm befi^ 
nitiö abgelehnt, im SBafjIfoHegium immer mel^r an JBoben. 

5)er §erjog üon ®ramont unb ber 3)?arquiS be Sionne 
Waren am 19. ?luguft mit einem gläujenben ®efoIge bon faft 
600 ?ßerfonen in granffurt eingetroffen, nad) bem tag« jubor ber 
©rjfanjler be« 9teid^eg, Surfürft 3o^ann ^bilipp bon ©c^önborn, 
feinen (Simug in bie SSSa^lflabt gehalten. 3n ben Sagen bis 
jum 28. Siuguft langten bann na^einanber bie S3e)7oQmäd^tigten 

XXV. 2 



8 



l ' 



u 



18 &. $etbe, 

ber eiujeluen Surfürften an. Stöln mar burd^ bic ®rafcn Sgon 
unb aBU^cIm gürfteuberg üertrctcn, au^ ber XrierifAcn ^c* 
fanbtfc^aft ragte als bebeutcnbcr Äopf ber Äanjier Stnct^an ^cr* 
üor, ber bö^mifc^e ^rinjipalgefanbtc n?ar gürft Jiob!otüife, f8at)ttn 
ftatte ben Dberl^ofmarfddaU ©rafen ^ermann ®gon öon gürftcm 
berg unb ben geheimen 9iat^ Dr. Dejle beöoHmäc^tigt , öon ben 
©efanbten ber übrigen SBa^Iinäc^tc ücrbicnen nur bic SBranbcn* 
burgg , Sanftein unb ^ortmann , befonbere 9?cnnung ; öon aug* 
lüärtigen ©taaten »arcn üertreten u. a. bie Äurie burd^ ben 
SRuntiuö ©an g^lice, ©aüo^en burd^ ben Sontc JBigliori, enbltc^ 
©^ttjeben burd^ ©noitef^, bem fpäter Söjörnflou jur ©cite trat. 

2)ie Sröffnung bcS SBa^Itageg, urfprünglic^ auf ben 14. Äu* 
guft anberaumt, fonnte inbeffen auc^ jefet nod^ nic^t ftattpnben, 
ba eg fic^ ^eraugftellte , baß bie furfäd^fifc^en ©efanbten mt vn-^ 
genügenben SßoHmac^ten öerfe^en n?aren unb neue einholen mii\r / 
SDiit um fo größerem (Sifer mürben bafür bie SSorüer^anbl: ^- • 
meitergefü^rt, bie bem SBa^lmerf ^jtöfelid) eine unermartetc *lV'* • 
bung geben unb gleid^fam eine neue $^afe beffelbcn inaugu^iv. 
füllten. 

2)ie franjöfifd^en (Sefanbten l^atten nämli^ üon ben ®. y 
gürftenberg . üernommen , bafe ber Äurfürft üon äWaing für 
SJa^l S8ai)ern§ nic^t fonberli^ eingenommen, tot^fjalb . • . 
anä) nid^t gemagt, i^ren |)errn, ben Surfürften öon Äöln. :/ 
ben legten 8(nftrengungen bei feinem ?ieffen ju bemegen; ■ 
mad^ten nun bem 2)iairijer bar über SBorftellungen ', inbem fie 
tonten, bag man nad& bem maS ©ratjel in beffen eigenem Suft 
an ben Knigli^en ßof übermelbet, bort niemals gejmeifelt t)^ *. 
ia^ ber Äurfürft feine ©timme Satjern geben merbe. 2) 
Verlegte fid& auf Äugflüc^te unb berief ficfi auf bie SReic^Sgefi.' 
meldje ein 3}af tieren üor ber S33a^I unterf agten ; im übrigen fi i ' 
ber Sönig feine Slbfid^ten, unb fei ein Orunb jum SKigtrauer 
if)n nid^t gegeben; man möge bod^ bebenfen, meiere folgen 
für il^n l^aben fönnte, menn er ie|t bie beftimmtc erflärung •. 
gebe, für ^at^ern ju Dotieren, baS i^n niemals nur barum ai •:. 
gangen; man |^abe übrigens biefem fiurfürften gefogt, l. ■ 
er i^m feine ©timme geben mürbe, aber ba in beffen SBer^ah»; 
nidjt baS ®eringfte barauf f erließen taffe, ba^ berfclbe nad^ b^ ^ 
Äaifertl)um SSerlangen trüge ober cS überhaupt annähme, fci: 
eS ibm angeboten mürbe, fo fönne eS gefd^e^en, baß er i- 
burcö ein foId^eS ©ntgegenfommen fc^Iieglid; nur ©elegen^eit gä! 
fic^ burd^ 3)enuncierung bicfeS ©d^ritteS bei Defterreid^ ein JB- 

> 2)te Ser^mblungen bet fronjöfifd^cn (»efanbten mit SWoina unb Äut» 
pfala gebe ic^ naä) beten SWcmoriolien öom 10—12. 6c|jtbt. tDicbet, toeld^e 
bem Äuticr öon ben Sonbäfd^en abgenommen unb bem ^ommanbanten tjon 
ßujemburg übergeben tourben, ber btefelben fetnerfeitd m^ ^rag oudlieferte; 
toon bort fom eine ^bfd^rtft ber SRemorialien naci^ SJlünd^n, bie fid^ nun im 
1. f&h. b. SB^. ^topoM I. t>orfinbet. 



bienft ju cmertcn. „®e[c|t icboc^", fu^r bcr Äurfürft mit 3lai)^ 
brucf fort, „ba§ eS gelingen würbe, ben grieben jn?i[c^en Spanien 
unb ^ranfreid^ juftanbejubringen, fo märbe ic^ mein l@otum 
Sägern unbebenflic^ geben unb and) fieser fein, bag baffelbe feine 
»weiteren @c^n?ierigleiten me^r ergeben mirb, tpeil aldbann bad 
9iei(^ unb granfreic^ üerpflid^tet lüären ben fiurftaat im Sefift 
ber oberften 9ieic^dgen?alt gu erhalten, falld er barin Don Oefter« 
reic^ bebro^t werben foUte". ®ie (Sefanbten machten bagegen 
geltenb, ba^ eS einmal fe^r fraglich fei, ob fic^ ©üanien ju jVrie« 
bendunter^anb(ungen ^erbeilaffe, unb Wenn ja, baß c^ atö ^eid 
feiner SinwiQigung bie @rt|altung bed Siaifert^umd bei bem ^abi^- 
burgifc^en §aufe forbem werbe, woju fid^ nun f^ianhtxd) nie 
unb nimmermehr üerfte^en tonnte; ?ßenneranba (ber fpanifd^c 
SBa^Itag^gefanbte) werbe in fnrjem eintreffen- wenn er, wie oor* 
auSiufe^en, o^ne ^JoIImac^ten fei, muffe um folc^e nad) Spanien 
gefc^icft werben; ba§ atle^ werbe nur ba^u bienen, ber (Gegen- 
partei 3^t ä" oerfc^affcn, um eine ÜJfajontät für Defterreid^ ju 
ftanbe ju bringen, unb ber Jturfürft bann nid^t me^r wie je^t 
^rr ber Situation fein \ Qmn ©c^Iuffe unterließen bie ©efanbten 
nic^t noc^mald ju betonen, bag bie äRitt^eilung , bie ba^rifc^e 
35?a^I fto^e noc^ immer auf ©c^wierigfeiten, am föniglic^en |)ofe 
eine unangenehme Ueberrafc^ung l^eroorrufen würbe, befonberö 
nac^ bem , \va^ ®raoeI an ben Starbinal berichtet. 35er fiurfürft 
bra^ bie Unterrebung ai, iubem er betf)euerte, wenn bie ©panier 
bie griebenSanerbietungeu ^urücfwiefeu , bie er im übrigen für 
Jranfreic^ möglic^ft oort^eil^aft entwerfen woße, fo würbe bai^ 
»ollegium fie aU ]olijt betrad)ten, bie ben ewigen jhieg in ber 
ß^riften^eit wollen, unb bann folle ber Sönig jebe ©atiSfaftion 
unb einen Äaifer ^aben 'selon son d6sir'. 

3)en ©efanbten fam ber SBorfd)lag beS SRainjeriJ, jwifc^en 
granfreid) unb ©panien eine griebcnsoermittlung ju oerfuc^en, 
beüor man jur SBa^l fd^ritte, ebenfo unerwartet afö ungelegen, 
unb fic oer^et|lten fic^ nic^t, ba§ ein ernfttid^eö SSerfotgen biejer 
3bee iören eigenen planen fe^r I)inberlic^ werben Würbe. Ueoer 
bie Seweggrünbe biefer mainjifd^en ©onberpolitif glaubten fie 
ganj richtig }u urt^eilen, wenn fie an SKajarin f ^rieben: „S)ie 
Spaltung biefe^ fturfürften ift fe^r fd^wanfenb , aber gefd^irft unb 
nur JU geeignet, bad SEBa^twerf in bie :^äuge gu jie^en unb i^n 
JU einer gewid^tigen ?ßerfönlic^feit unb jum Oegenftanb eifriger 
Umwerbung burc^ bie beiben gegnerifd^en Parteien ju machen; 
er wirb fi^erlic^ üon ber einfluBreidjen ©tefiung, ju ber i^n bie 
Sreigniffc erhoben, fid^ fo fpät wie nur möglid^ oerbrängen laffen 
unb injwifc^en alle möglichen ©ad|en in Eingriff nehmen. Sw« 

* S3gL bamit bie »efcauptung ^to^fcnö, (Scfci^. b. picufi. ^olii. »b. III, 2, 
6. 363: „gfür bad 3ntereffe ^xantxeiä^ toax e^ aun^^ft boiS SQßid^tigfte, buxd^ 
ein tätiget ^nteiregnum ben (Sinflug bed äBiener $ofed im Steige au lö^men'(!). 

2* 



20 ®. $etbe, 

©ni. mirb beffer al§ tüir beiirtl^eilen fönnen, ob er ni^t titoa 
barauf abjicit Qdt ju gctüinnen jur SBtIbung einer äWajoritat 
für Öefterreid) , ober ob ber toal^re ®runb feiner üeränberten 
^Qltung ber ift, ben er gegen ben ®rafen SKil^elm geäußert, baß, 
ujenn man einmal einen Äaifer auS einem anbem al3 bcm öfter- 
reic^ifdjen ßaufe ^abe, unb ber griebe wäre nod^ nid^t ju ©tanbc 
gebrad^t, granfreid) benfelben bann nic^t me^r tooHe unb nur 
barauf bebac^t fein tt?erbe, baS $aug ^absburg nod^ me^r unb 
am ®nbe gar mit Unterftüfeung beg neuen Saiferg ju bebrängen. 

^atte fid) fo eine ©tüfee ber ©adje granfreic^S in 35eutfc^' 
lanb minbeften« afö nic^t fe^r juoerläffig ermiefen, fo bro^tc bau) 
barauf ber Serluft einer jUjeiten, auf bie man nic^t weniger fieser 
gered^net ^atte. Auf i^rer 9ieife nad^ granffurt j^atten nämlic^ 
bie franjöfifc^en ©efanbten ^eibelberg berührt unb fic^ ber ©timmc 
beS bortigen Surfürften in einem JBertrage uerfic^ert, bemjufolge 
berfelbe 60000 St^Ir. naä) erfolgter Statififation, 40000 I^Ir. nac^ 
ber SBa^l unb 50000 %f)lx, am lommenben 1. Sanuar erhalten 
foflte\ 'et cela seulement en cas que TEmpire sorte de la 
Maison d'Autriche'. 2)a aber ben®efanbten ber wanfelmüt^ige 
ß^arafter Sari SubtoigS befannt tt?ar, fo hielten fie e« für ange* 
jeigt, i^n auf ber ©teile burc^ eine fc^riftlic^e (Srflärung im 
©inne biefeS Vertrags ju toerpftic^ten, bie ber Äurfürft anij auS* 
fteHte. ©ie glaubten nun biefe Angelegenheit in Drbnung; ba 
erhielten fie oon bem Dberften ©atttjafar auä ßeibelber^ bie 
9?ac^rid^t, baß man an bem Äurfürften eine auffauenbc ©mne^- 
änberung toaljrneljme , al^ ob er bereit wäre, bie ?ßartei Oefter- 
reid)8 ju ergreifen; jugleid; oerriet^ i^nen ®raf (Sgon dürften* 
berg, baß P. Sluguftin SJJoel, ein politifc^er Slgent beö fpanifc^en 
®efanbten am öfterreic^ifd)en §ofe SKarquii^ be la guenteö, i^m 
große Stnerbietungen in ®elb gemacht, unb afe er fie jurütfge* 
liefen, geäußert, er Werbe baö ®elb nun anwenben, um ben 
fiurfürften üon ber ?ßfalj ju gewinnen, beffen ©timme man für 
100000 3:f)Ir. ^aben fönne. 

3)ie franjöfifd)en ®efanbten befc^Ioffen nun , fofort na^ Cp- 
penl^eim aufäubredden , Wo ber Äurfürft Don ber 5ßfalj gcrabe 
Weilte, e8 ®raüel unb ben beiben gürftenberg überloffenb, bei 
pafjenber ®elegenl)eit gegen ben Äurfürften Don SRainj ba8 fran= 
jöfifd}=fpanifd)e griebenswerf wieber jur Sprache ju bringen, i^n 
an bie frflt}eren Slbmad)ungen jn erinnern, unb il^m womöglich 
ba« ^ßrojeft an^ bem ©inn i\u brinaen. Qu Oppenheim aber er- 
fuhren bie ®efanbten oom ?ßfaljgrafen , baß i^m fein Stefibent in 
$ari^ mitgetljeilt, fie Ratten SJoümac^t gehabt, in bem JBcrtrage bie 

^ ^n ben Memoiren ©romont^^ finb biefe SBetttagdbebingungen einigermageii 
anberS angegeben, ^äuffer in feiner ®efc^. b. r^in. ^ßfalj Sb. II, @. 616 
ertuö^nt nur bie ^t)atfad^e bed ^ertraggabfci^Iuffed, l^ält ober irriger Sßetfe 
baftir , ba6 berfelbe bie SBabl ßubtotgd XIV. autn Stoecf (atte. Ol^uel l^t 
bie eingaben (S^romontö toieberl^olt. 



^ie 2Bä^l l'(opoIb«> I. jtim iömijd)cu ^^ötilg. 21 

100000 3^Ir. gu betoilligen, gleic^Diel wddfen äuögaiig bie 2Öa^l 
neunte; ber^falggraf marf i^nen auä) üor, fie Ratten Die Silaufel, 
ba| bic 40000 i^(r. erft au^bcja^It »erben follten , menn bic 
^affl naii bem Sßunfc^e bed ßönigd audijefaHen tnäre, otjnc fein 
SSifjen ^injugefügt, unb ald fie bem entgegenhielten, bafe er fclbft 
gegen ®raöel erllärt, er tt?erbc bie 40000 I^Ir. nic^t annehmen, 
menn bad ^au^ Oefterreic^ nic^t oom 5{aifert^um audgefc^Ioffen 
werbe, leugnete er baö ranbmeg ab. ©ie erfannten nur ju beufc^ 
lic^, an^ ber JRebe beS ^faljgrafen fpredje ber bloße Söerbrufe, 
ba§ er [ic^ für bie franjöfifc^en Subfibien, bie i^m, toie er 
glaubte, o^ne^in nid|t entgangen wären, fo^efä^rfidje Sebingun» 
.gen ^atte fteüen laffen. ' 33a aber feine stimme für bag ®e* 
fingen ber fran^öfifd^en $(äne unentbehrlich war, mugten bie @e^ 
fanbten wo^I ooer übel nad^geben; ber 3n>ifc^enfaII warb bamit 
erlebigt, bafe jene in bie Tilgung ber Älaufel, welche bem ^ißfalj* 
grafen foüiel ©orge üerurfa^t, einwilligten, unb bem JBerfpredjen, 
bie oon biefem au^geftellte fd^riftlic^c Verpflichtung bemfelben 
na^ ber SBaljl mieber au^ju^änbigen, bie Srflärung t|ingufügten, 
t>a% eS ©e. 2Raj. billige, wenn ber ^fatggraf bie fc^webenbe ?ln* 
gelegen^eit mit 95a^ern auf eine für i^n möglicl)ft öort^eil^afte 
xBeife orbne, bafe berfelbe aber unter aßen Umfiänben, ob nun 
ein folc^er ©ertrag gu ©tanbe fomme ober nid;t, fein Sotum für 
S3a^em abzugeben f)aU, fonform feinem eigenen S8erfprecf)cn, 
wann unb fo oft eö üon i^m »erlangt werbe. 9?acl^ iljrer 9iücf* 
fünft üon Oppenheim üeranlafeten ©ramont unb fiionne ben ®ra* 
fen SBitbelm gürftenberg , fid^ nac^ ^eibelberg ju begeben, um 
bort für eine SBerftänbigung mit Äurba^ern nai) fträften ju 
wirfen. 2)ie beiben wittelsbac^ifc^en Sinien ftritten fic^ nämlic^ 
bamafö um baö 9leic^öüifariat im fübli^en ^eutfdjlanb, unb ber 
fionflift nabm eine Derfd)ärfte 5^^"^ ^"» ^'^ ^i" furbatjrifc^eS 
(Sjecutiongforpö ben Jlbjug ber pfälgifdien ©efa^ung aug ber 
Stabt SBeiben erjwang. 2)ie gegenfeitig fcljroffe .^altung ber 
ipöufer ^faljbatjern uno Äurbaljern, obwohl man fie gerne be- 
feitigt gefe^en ^ätte, erf^ien ben ®efanbten gi^anfreic^g boc^ ni^t 
al^ ein äRoment, bad bagu anget^an wäre, i^re $läne gu bnxdj^ 
freujen; fie üertrauten auf ba« ausbrüdlic^e SJerfpredjen Äarl 
SubwigS, bei ber SBa^l für 95aijern gu dotieren, unb waren im 
übrigen ber SKeinung, baß, Wenn biefeS einmal mit bem Smpe* 
dum audgeftattet wäre, bad SSifariat üon felbft ber $falg gu^ 
fallen würbe. 

3tt granffurt Ratten wä^renb ber Äbwefenljeit ®ramontd unb 
Sionne« bie beiben gürftenberg unb ®rat?el mehrere Unterrebun^ 
gen mit Soineburg unb bem flurfürfteu üon SKaing. SJabei foQ 
®raoel bem lefeteren in« ®efid)t gefagt ^aben, bafe berfelbe feiner^ 
geit au^brücfli^ unb wieber^olt erflärt, wenn S3ai)eni fic^ um 
ba« ftoifert^um bewerbe, fo ^abe ba« feine ©c^Wierigfeiten. SKit 
SBegug auf bie franjöfif c^ * f panif c^e grieben^üermittlung wanbtc 



22 &. ^cibe, 

bamalS ber ^urfürft ba^ Slott um uitb bemerfte, ni^t er f)aie 
}uer[t boüon gefprod^en, t}ielniel)r tuären e§ gerabc bie ®efanbten 
getücfen, bie bei i^rer Slnlunft bie ®eneigt^eit i^re^ ^errn jum 
^rieben bezeugt; im übrigen tücrbe aHz^ jur öoöftänbigen Söefrie* 
biguna beS ÄönigS enben. 2)afjelbe erflärte er beu franjöfifcfccn 
®efanoten, bie er nad) beren SRücffel^r üon Oppenheim jur iafel 

Selaben. 2113 biefelben il|rer SBeforgniS mieberl^olt SluSbrucf ga^ 
en, baß bie in Sluöficl)t genommene SBerjögerung nur ber @egen= 
Partei gum SJort^eit gerei^en unb bem Sönig üon S3ö^men 3^^* 
aeben toürbe, bie SoUjä^rigfeit unb bamit baS SBal^lredit ju cr== 
fangen, ertoiberte ber fiurfürft, ein altju meiteö $inauSfc^ieben 
fei mijt ju befürd^ten, unb er ^offe in fed^S SBoc^en nad^ ber 
Slnlunft be^ ®rafen ^ennerauba entn^eber ben ^rieben ju ©tanbe 
aebrad^t ober bem SBa^tfoIlegium ben fflemei« geliefert ju ^aben, 
baJ3 Spanien ben g^ieben nidbt n^olle, unb feiftete in bie ^anbe 
ber ©efanbten baS ©elöbniö: „3d) fd}tt)öre einen ©ib ate^^rie= 
fter, ber l^eute bie 2)?effe gelefen, unb gebe ®uc^ mein gürften* 
toort, loenn Spanien ben ^rieben uic^t w'xü, fo tt?irb fein ^aii^ 
ba§ ^aifert^um toerlieren , unb tüenn bann öaljern feine 2uft 
trägt baffelbe anjune^men , fo mag e§ lieber ber nä^fte beftc er= 
galten, aU baß man e§ in ben ^änben berer beläßt, bie ben 
grieben üerfd^mä^en!" Sejtiglid^ ber SBefc^Iüffe üon ÄärliÄ gab 
ber Surf ürft bie bem^igenbe 9?erfic^erung, bafe biefelben nur einen 
prot)iforifrf)en ßljarafter Ratten unb nur ju bem Qxvede gefaßt 
Sorben n^ären, um eine 3^i^fplitterung ber geiftlid^en SBa^Iftim- 
men ju uerbinbern ; tüenn man einmal beim SBal^Itage üerfammclt 
toäre, fo fte^e nidE)t§ im SJBege, jene SBereinbarung nac^ gemein^ 
famer SSerftänbigung ben ücränbcrten Umftänben entfpred^enb unb 
jum .^eile be« 5BaterIanbe§ abäuäubern. 

^ngefidjt« biefer Se^arrlid^feit beö Äurfürften üon SP^ainj 
blieb ben frangöfif^en ©efanbten nichts übrig aU ba§ Unüermeib* 
lidfie über fi^ ergefjen ju laffcn. ®aß baö gauje ^rojeft erfolglog 
fein n?ürbe, baran jmeifelten fie feinen Slugenblicf, unb tourben 
in ibrer Uebergeuguna nod| beftärft burd) eine bamate furfterenbe 
Sleußerung be§ P. SJcoel, ba^ ber fpanifdie Staatsrat^ fid^ tüo^I 
^üten merbe, biefen fj^eben in ®eutfd^Ianb üerbanbefn ju laffen, 
unb nod^ mel^r, bie Vermittlung beffelben bem ÄurfürftenfoDegium 
gu übertragen, ba man in Spanien baö Sat)x 1648 nod^ nid^t 
üergeffen f)abe. dagegen ging 3Kainj, bem fic^ nun au^ Äöln 
anf^Iofe, auf bem betretenen Söege unbeirrt meiter üor. ®raf 
SBil^etm gürftenberg tourbe an ben franjöfifd^en ^of nad& ©eban 
entfanbt, um bie ©inmilligung beä Sönig« in bie grieben^inter^ 
pofition gu erttjirfen, fonnte jebocb bamals nic^t mebr erlangen, 
als baß eine fold^e Vermittlung lebiglid^ ben brei geiftlid^en ^ur= 
fürften unb nur unter ber JBebingung geftattet fein foÖe, ba% ba§ 
lauS Defterreic^ bei ber SBaf|I übergangen tt?erbe. SJon biefem 
lugeftänbnis ni^t befriebigt, fnüpfte Äurmaing »eiter^in mit 



!£ie ^BSdfjH Seo|)olb4 I. jum tömtfc^en Stbnx%. 23 

ber franjöfifc^eit ®efanbtfc^oft jjii ^^anffiirt an unb erreichte enb* 
lic^, bofe 2fronfrcid^ btc ^räliminorfricbcn^^anblung bem gefamtcn 
furfürftüc^en ÄoIIcgium itfeerticg, bod^ ^abe biefelbc, tt?tc au^brüd^ 
fic^ ücriongt tüurbc, bem SBa^Igcfc^äft öoraugjugc|cn '. 

SaSenn ®raniont unb Sionnc fo um ben Dttobcr bcn ©tanb 
i^rcr @ad)e abwogen, fonntcn fte mit bem bisher Errungenen fd&on 
gufricben fein, fturpfalj unb Ä'öln toaren bereits für ba« 3n* 
tereffe granfreic^« gewonnen ^ 3)er Äurfürft üon SKainj ^atte, 
noc^ üorüberge^enbem ©d^wanfen, neuerbing«, toenn audi etwa« 
üerttoufulierte, fo boc^ im ganjen befriebigenbe 3up^^^"9^ 9^ 

* aOßann btefe leitete ^ntoilliguiig ert^etlt toutbe, lägt ftd^ annod) nid^t 
genau bcflimmen; Dgl. 8onbot|), S3b. VIII, S. 321, unb N^g. de paix, Parie 
1658, ©. 2; toaW^einlid^ traf pc crfl im Of tobet ein ^afi gtonheid^, 
nad^bem ed bie lange angeftrebie ^Uiana mit ^glanb glüdnidE) erteid^t , toett 
baöon entfernt toax, ben ffrieben mit ©ponien ju fud^en, liegt auf ber ^onb ; 
toemt ed nun gletd^loo^l bie ^Vermittlung beffelben burd^ bad ^urfüiflenfoaes 
gium julieft , fo gefti^a^ baS nur , um |td^ bie 3f«"nbld^aft bon Äurmain^ ^u 
fte^em, loa« ouc^ aud ber bei Chäruel T. HI, ©. 10:^104 im ?lu«aug mit» 
geteilten 3^epef(^e aWagorinS an bie SBal^lgefanbtft^aft (o'^ne ®atum) Har ^r* 
borgest. €benfo ifl bie gforberung, bofe ba§ fJriebenStoer! t)or ber 2öa^l be* 
trieben toerben fotte, auf einen bon Äurmainj mtfyc^a^ enttoicfelten öJcbanfen 
jurfidjufüftren ; benn toenn ed gelang bie IRefultotlofigfeit ber batouf gert^tetcn 
SSerl^nblungen toor ber SBa^il i|u fonftatieren unb bie ©c^ulb baoon ben 
©paniem auf^ubürben — einet SKajarinfd^en ©taaiöfunft loäte bo» ein 
ßeid^teS getoefen — fo f^aüt ja Äiitmainj, ha% über bie ge)oi*tigftc SB>af|ls 
fKmme unb einen nam^jaften tln^ang gebot, bie beftimmteftc ^Berfi^mmg gege= 
ben, ba6 In biefem gfaHe ba« ^aud ^abäburg bei Skrgebung ber römifc^en 
Ihcone leer au^e^n fotte. 1)afyx audft bie (Irjti^einung , bafe öJramont in 
feinen Wemoircn fo tenbctisiö« bemüht ift, für bie Vereitelung ber bomniigen 
griebenetoetlKinMungen ben ©rafen 5pennetanba toeronttoortlid) ju machen. 
Jie ^hiotitat be§ 5Bermittelung§gebonfenÄ ift unbebingt ilurmainj .W"» 
filteren ; ba§ beftötigen nid^t bio§ bie Oon mir benu^ten aut^entif(l)en Elften» 
ftüde, fonbern oor ottem bie SJ^emoiren beä .f)er,^og§ t)on ©ramont (58b. 11, 
©. 89. Ed. 1717), getoifi bed fompetenteften .^eugcn in ber ganzen ?lngele= 
gen^t , unb p attem Ueberfluft fagt ed ber Äurfürft unb nod^ baju an Ijod^* 
bebeutfamer ©tette felbft (in bem ©d^r. on Äonig ßubtoig Dorn 18 5Jlai, 
Simborp »b. VIII, ©. 321 u. f. tt).); toenn frcilid^ 3o^ann ^t)ilipp einmal 
in feiner ?Rebe einpiefeen logt, boft gfranfreit^ pcrft ben 9luf nad^ ^rieben er« 
^oBen, fo erfal^ren loir hei Cb^ruel T. III, ©. 103/104 flenou , toie baS ge» 
meint loar, inbem boS bort mitget^eilte ©d§reiben ÜWa^orind ben ®efanbten 
ben Auftrag ertl^lt, bem Äurfütfien na^e ju legen , toie e* rein t)on feinem 
SBttten anfinge , ber ©^riftenl^eit einen fo nam^ften ^ienft ju leiften , toie 
bcn, ba% ^au8 Ceflerreid^ tjom Äoifert^um auSjufd^liefeen, »puisqu' il 
ponrrait, en m^me temps, par ce moyen faire conclure la paix 
CT ^ n ^ f a 1 e • 

» Um hit (Brafen ^gon unb ©il^lm gürflenberg, toeld^e ben Äurfürften 
IRaiimilian ^einrid^ t)on Äöln tjöttig betjerrfd^tcn, mögliddft an pd^ au ^leljen, 
«igten i^en bie fronai>fifd^en ©efanbteu bie SBlanquete ber S8ret)ctS für ben 
bifc^dfüd^en ©tul^l t)on m^ unb bie ?lbtei ©t. 3lmoulb in berfelben ©tabt, 
bie na^ ber gQÖal)l mit i^en Flamen auSgcfüüt toerben fottten. S^aS »i^t^um 
toie bie Abtei trugen je bei 3000 8. SleOenuen ; 3nl^aber tjon beiben toar ba» 
maß HRo^arin. W&%. S3b. I unb Clement, Lettrea de Colbert T. I, 
App. XIV. 



24 a^etbc, 

geben, unb üon ©ehe granfreic^S gcfc^«^ nur ba§ 9KögItd)e, um 
enfclben in guter fioune ju erljalten. Äurtrier hoffte man wie 
ben ?ßfalggrafen mit SBe^feln gu gewinnen, bie nad? ber SSk^I 
cinjulöfen wären. Singer ber fä^fifct)en SSa^lftimmc, bie, wie 
man Wufete, bereite für Defterreid^, unb jwar mit fpanifdjem 
®elbe, gefauft war, unb ber bö^mifd^en fonnten alfo nur noc^ 
bie branbenburgif^e unb bie ba^rifc^e für bie Qto^ät ^Jranfrei^ö 
in Sctrac^t fommen. 

Auf JBranbenburg ^atte man oon ?lnfang an fic^cr gegäljlt, 
bcfonberö ia Surfürft griebric^ SBil^elm burc^ bie ©ntfenbung 
fcineg Äammerberm 6l^rifto))l^ üon SBranb an ben franjöfif^en 
^of feine ©eneigt^eit gur iperftellung engerer SBejie^ungen mit 
bemfelben angefi($tg ber burc^ ben %o\) beä Äaiferö üeränberten 
Sage befunbet ^atte; namentlid) rief ba^ biefem ©efanbten er* 
t^eilte Srebitiü einen günftigen ©nbrucf ^erüor, inbem e« ben= 
fclben anwieö bie ©ebanfen unb Sh5üufc^e be^ StönigS ju t?emet|* 
men unb beffen Sntereffen afö mit benen ber 3lUgemein^eit gleid)^ 
bebeutenb ^infteflte, bereu SluBeradjtlaffung ober SJerna^Iäffigung 
bie S)inge in einen gefä^rlid^en unb für lange 3^it unl^eilbaren 
©taub bringen fönnte. 3a, alö 9Jf agarin um jene Qüt bie 6Dcn:= 
tualität einer Sanbibatur fiubwig« XIV. erwog, fdjeint er barauf 
gerechnet gu ^aben, baß biefelbe in erfter üinie üon JBranbenburg 
unterftüfet Werben würbe \ unb (Sanftein war gang überrafd^t, 
ate er in fflonn erfuljr, baß man am furfölnif^en |)of biefelbe 
anficht t^eilte. Sebeufall« bewirfte bie Hoffnung, in ^^ebric^ 
SBil^elm einen ^ßarteigänger gu befi^en, bafe bie üon JBranb be^ 
triebene ©ubfibienleiftung oljne SBiberftanb in ber ^ö^e i>on 
100000 I^alern bewilligt würbe; gleicbgeitig erl)ielt 5ran<:oi§ 
JBlonbel ben ?luftrag fid^ uad^ Söuig^berg gii begeben, um bie 
ferneren SSerljanblungen mit bem Jfurfürften an Ort unb ©teile 
iu führen unb alle gegnerifd^en Umtriebe wirffam gu befäm^)fen. 
allein war e« fc^on ein bebenHid|er9JJi«griff, auf einen fo fd|Wie- 
rigen ?ßoften einen biplomatifd^en SReuIing gu berufen, ber fid^ 
bann aud& feiner Aufgabe fo wenig gewac^fen geigte, bag man 
am föniglidben |)ofIager gu 2Tie^ unb ^ari§ met beffer über bie 
Gattung beS Surfürften unterrid^tet war als ber eigene Agent, 
ber tagtäglidi mit bemfelben üerle^rte, fo beging man im Rabinet 
fiubWigiS XIV. einen nid)t geringeren geiler, ba man aHgu fieser 
mit einem gaftor red^nete, bem boc^ nur ein fe^r imaginärer 
ffiJertl^ gu!am , b. i. ber eintritt Defterreic^« in bie Koalition 

* Chöruel 1. c. 6. 100; ttettcid^t in ßtinncrung on ein bom Jhttfüt: 
ßen gef^od^ene^ äBort : er todte im Stanbe, ben ^önig \)on f^ronhei^ für htn 
il^ron a« proflomieren , unb toürbe fidjer |ein, bei biefem Sd^ritt fofort einen 
®enoffen ^u ^oBen (in Äöln). 'Les deHsins de Henri le Grand ne sont 
pas tous mort8\ rief er bem ®efanbten be Sumbreg ^n, aU biefer bemerfi 
latte, ba6 Sranheid^ nid§t on baS 3mperium benfc. Urf. u. 5ttt. ©b. II, 

|. 2, 6. 52. 



^ie ^^n()l l'eopülbö I. ^um tömifcl^n HöntQ 25 

gegen ©(^lüeben^Sranbenburg. Slieb freilid^ ba^ fflünbniö jtoU 
fc^en beiben leiteten aJt'ac^ten für bie näc^fte 3"^i"f^ ^^ ftraft, 
)o toax bic branbenburgifc^e SIBa^Iftimme für ben öftcrrcic^if^ien 
Settjerber wnbebingt ücrioren. StUein cö foBtc anberd fommen. 
%t^ Jriebrid^ miiidm mit bem »eginn bed Sa^re« 1656 fic^ 
mit ©c^toebcn alliierte, fo gefc^a^ baS unter bem ßtüangc bcr 
brutalften SBergemaltigung. „3nbem er i^m bie 5)egcnfpi^c auf 
bie JBruft fe^te", fagt 3)rol)fcn, erhielt fiarl ®uftaü ben greunb* 
fc^aftö- unb 2Baffenbunb mit bem Äurfürften. 3)aB berfelbc auf 
bie SJaucr Kid)t bcfte^eu fonnte, bafür forgten bie mannigfac^ftcn 
Umftänbe. (Sine tua^re 3ntereffcngemeinf(^aft ber beiben' 20l&ä)tt 
toax öon t}om herein anegef d}Iof{en , folanac ©c^toeben ben pom* 
merfcfeen SRaub fcft^ielt, bie baltifd)e ©ee^errfd^aft anftrebte, 
unb feine begel}rlid)en 83Iicfe auf bie SBeic^felmünbung unb ha^ 
^erjoglicfee ^reufeen gerichtet maren- ba^ fortȊ^renbe ^^lanieren, 
allerlei iaufc^projelte unb ba§ Unoeftimmte in ben legten Qxüen 
ber fd)n}ebifc^en ?ßolitif l)ielten ben branbenburgifd^en !qo\ felbft 
pr 3^it beö gemeinfamen SKaffengangeS gegen ^^olen unau^ge« 
fe|t in Unrul|*e unb Seforgni^. tS§ ^err)d)tc bort baö ®efü^I 
öor, bafe man fic^ in eine unnatürlid)e, ja gefäljrlic^e SBerbinbung 
eingelaffen, unb feit bem $)erbft 1(556 getüann jene ©trömung, 
»elc^e auf bie iJöfung ber SlUianj mit ©c^meben Einarbeitete, me^r 
unb met)x an 3utenfität unb Umfang, namentlich ald aud bem 
SSdfe immer erneute filagen über öebrürfung burc^ bie fc^ttje* 
bifc^e ©olbateöfa, bie fic^, obmo^l eine öerbünbete Iruppenma^t, 
n?ie in g^inbcslanb geberbete, brangen unb jule^t ber allgemeine 
Unmille über ba§ übemtüt^ige Sluftreten ber Sltliierten auc^ bic 
ärmee ergriff, bie ficfe in ibrer Süaffenelire me^rfac^ befd^impft 
fab. ®er ©ommer 1657 brachte bie Sntf^eibung. 3)änemarf 
cr^ob fic^ gegen ©c^tt^eben unb Sari ®uftaö manbte ficb mit ber 
^auptmac^t feiner ©treitfräfte nad^ ^olftein, inS SSremifc^e unb 
nad^ ©c^ledtDig, bem Surfürften bie 3)ecfung ^reugenS gegen bie 
Don Cften ^eranbrängenben üit^auer unb SJio^foloiter unb bie 
üon ©üben tjorrüdenben ^clen unb Defterreid^er überlaffeub. 
35a ^ielt Sfriebrid^ SSit^elm ben SDJoment für gefommen, in bic 
alten Sahnen ber branbenburgifd)en ?ßoliti!, mie fie bic Sreigniffc 
ber leiten SatjXieffxiie auf baö beftimmtefte Dorgejeid^net Ratten, 
mieber einjuleuf en ; einen tjorjeitigen SBruc^ mit ©rf^n^eben forg* 
fältig oermeibenb, o^ne befonbere§ hinneigen nad^ trüben ober 
brüben, ftetö auf fid| gcfteÜt unb mie Don bem Äritifd^en feiner 
Sage unberührt, an bem 6rtt?orbenen, namentlid^ ber ©ouüerä^ 
nität über ^ßreu^en, ^aij feft^altenb unb fing nad^ weiteren SJor* 
t^eilen auSblicfenb, näherte er fid^ feinen (Segnern jur änfnfipfung 
frieblic^er fflegiebungen. SBon biefen toar bem Surfürften in erftcr 
Üinie Defterreic^ auf mel^r als tjölbem SBege entgegenfommen; aü 
feine ^ülfdtruppen bie @renje dolens überfdbritten, ^attc SBolmar 
an ben rl^einifd^en Surl^öfen bie offizielle (Srilärung abzugeben, 



26 ^. ^cibf, 

bajs bicfclben nur gegen bie ©d^iueben in SJcrmenbnng fommen 
foHten, unb fett bem 3uli tvax ber geroanbte fiifola auf ba« un* 
crmüblid^ftc t^ätig, Sranbenburg auf bie Seite ^olen« unb 
Defterrcic^« ^erüberüujie^en. S3Benn aud^ bie nun eröffneten Ser^^ 
^anblungen noc^ nid}t fo balb jum Qxde führten, fo enrang boc^ 
Defterreid^ in Sürje ben i^m für ben äugen Wie! weitau« toic^^ 
tigften SJort^eil, nämlic^ bie 3"ftc6erung ber branbenburgifc^en 
SBa^Iftimme für ben Äönig üon SöjE^men. JBefanntlid) I)atten bie 
öfterreic^ifd^en SBeüoDmäc^tigten beim 3)eputationetag fc^on im 
3uli in granffurt verbreitet, bafe ber SBranbenburger in ber 
SBal^Ifrage mit i^nen ge^en merbe. SSon Äöln n^ieber^olt ange* 
gangen, feine ®ebanfen bejüglid^ ber SBa^I gu eröffnen, erließ 
griebrii^ SBil^elm enblic^ am 21. Sluguft jeneS benfwürbige 
^anbfc^reiben , in tt?elci^em er feiner Slnfc^auung, ba§ man bei 
ben obhjaltenben Umftänben an ein ?lbge^en üon bem bi^^erigen 
fflrauc^e nicftt benfen fönne, unoer^üflten Slnöbrurf gab, nic^t o^ne 
babei ber Sntriguen granfreid)^ in einigen fc^arf jugef^)i|ten 
SBenbungen gu gebenfen. ?(I§ biefeS ©d|reiben auf bem Ümroeg 
über Äötn nac^ granffurt gelangt tt?ar, üerurfac^te fein ®efannt^ 
Serben in bem frau/jöfifc^en ®efanbtfc^aft§freife, bem man ffialic^ 
auc^ bie beiben göi^ft^nberg jured^nen barf, nicf|t geringe mx^^ 
regung. En fin, quand Volmar aurait fait la lettre, il ne 
Taurait congue en autres termes, fc^rieb Sionne in bitterer 
SRefignation an ben ßarbinal. ®« tt?ar bie erfte unb empfinb» 
lid^fte ©klappe, njeld}e bie franjöfifd^e a33af}Ipo(itif erlitten. Aber 
bie ©efanbten ließen ben S)hitl} nod} nid)t finfen. „SBenn SKainj 
mit un« ge^t", ^eigt e^ in i^rem Sendete üom 12. ©eptbr., „^aben 
tt?ir immer noc^ bie 2)iittel, fflapern gum Saifertt)um ju bringen, 
öorauSgefefet baß e« baffelbe auc^ anftrebt. Stber gett^ife, menn 
e§ gu biefer ^Prätention nid^t gu bringen ift, fü £)aben mx faum 
no^ äuSficfet einem anbem ben Jf^ron ju üerfdjaffen; benn bie 
®egenpartei, tt?enn fie über SBranbenburg unb 93al)ern üerfugt, 
i^It üier ©timmen fid)er (mit ©ad)fen unb JBötjmen); in biefem 
falle tv&xe aui) auf fföln nid)t mef)r ju gäl)len, ba bie gürften* 
berg, bie Sr^ebung JBa^ernö aufgebenb unb noc^ me^r bie beS 
^erjogiS öon 9?euburg, ol^ne 3^^^^' ^^^ SJort^eile annehmen 
»ürben, bie i^nen Defterreid^ bietet". Slber ba^ fa^ man üorauÄ, 
baß man mit Sägern nicf^t fo lei^tl^in gum QxeU fommen tt>erbe. 
®erabe bamafö furfierte eine Sleußerung DefleS, baß fein ^err 
n?o^t an baS Saifert^um benfen fönnte, aber in biefe Pfaffen fein 
JBertrauen fe^e, bie fic^ toie 5ßroteu« in alle ®eftalten üertoan* 
belten, unb einer baoon fei ein befonberS geriebener ©c^elm. 
Sine nod^ fc^limmere 93otfd|aft brachte ®raüel, ber beim faootji- 
f^en ®efanbten ßonte Sigliori einen SBrief ber baijrifc^en Äur* 
fürftin JU lefen befommen, in tt?el^em biefelbe fd^rieb, baß fie 
nun aOmä^lid^ ju üerjtt?eifeln anfange, i^ren ®ema^l je ba^in ju 
bringen, baß er fi^ um bad ^aiferti^um betcerbe; gleid^iuo^I Der« 



Ite 'JE&at)l l'fopolb'^ I. 3um t&mifd^en «ftöutg. 27 

lierc fic ben SKut^ nt^t unb ttjcrbc bi^ jum Snbc auöftarren, 
i^rc fträftc ber gentcinfamcii ©qc^c ju tuibmcn. 3in jenen lagen 
toar aito ajJelani, ein politifd^er Slgent be« Äarbinal«, mit 
©riefen üon bcmfelben unb bem Äönig md) SWünc^en unterttjegö, 
in 5^onffurt eingetroffen; am 13. ©eptbr. fofltc et feine Steife 
an baS furfürftli^e |)ofIager fortfe^en. 

2)ie Sntfenbnng Sltto SJielani^ an ben baljrifdien §of tt?ar 
eine fjotge jener fci^on frfil)ef erroöfinten Ser^anblunaen , tt?el(^e, 
burc^ bie Snitiatioe ber Äurfürftin S(belfteib inS Seben gerufen, 
gtoifc^en ©aüo^en unb granfreic^ ftattfanben, unb bie Uebertra- 
anng ber römifc^en Ärone an ba§ ba^rifc^e Sarf)au8 jum SxotA 
patten. SJiit ber i^r eigenen Seibenfc^af tlid)feit batte fic^ Äbel^eib 
in bie Semegung geftürgt, meiere bie poIitifd)e SBelt mit bem ©in* 
tritt beS Snterregnumg erfaßte, unb ba bie Äurfürftin-SMutter 
nic^t lüeniger als ber @raf Jturj ftrenge barauf hielten, bafe fie 
bei ben nun beginnenben offiziellen Serl^anblungen außer bem 
Spiel bleibe, in gebeimen Unter^anblungen ®rfat^ gefucbt, bie fie 
mit ^ülfe einer Derjmeigten unb lebtjaft unterhaltenen Horrefpom 
benj forttoä^renb in gluß gu erhalten mußte. Cv^re ©riefe an 
bie ^crjogin E^riftine ton Saüo^en , bie 9Jhitter ?(beI^eibenS, an 
bereu gaooritin, 9)(ab. be Sourtenai, an ben fat)o^ifd)en ©efanbten 
®raf ©igliori in g^anffurt, Joieberfjoleu immer biefelben SDiotioe, 
i^re freiließ fe^r begreiflid^e Abneigung gegen baö ^aii^ ^abi^ 
bürg „biefeg pauore ©efc^Ied^t , ba§, beüor ed gum Äaifert^um 
berufen ipurbe, bag einjige iSlfaß befaß", iljre Älagen über ben 
moralifdien 2)rucf, ben bie Surfürftin-aJhitter unb ®raf Surg auf 
il|ren ®emabl aueübten, i^rc unb beS le^teren ©erfidierungen 
beS 3)anfe§ unb ber (Ergebenheit gegen granfreid) unb Saüopen, 
bie baSfiur^au« einer fo t|oben S^re tt?ürbigten, aber jum ©d^Iuffe 
immer ba« leibige ®eftänbuiSi, baß ber Äurfürft fid) ni^t feft 
entfc^Iießen fönne, er molle eben benöefitj feiner Sanbe nicftt um 
ein nngemiffeS fiaifertf)um in ®efa^r bringen. „Sm. fiönigl. .^o^ 
^eit muß bafür ©orge tragen'', fd^rieb bie i^urfürftin am 11. 
©eptbr. on it|re SHutter, „baß bie aüerc^riftlidjfte ÜKajeftät unb 
bie iJürften beö 9{eid)e§ fic^ foId)e Befürchtungen auc^ entfprec^enb 
Oergegenwärtigen , unb bem Äurfürften einen 3"f^"6 ^^n 6 — 7 
SKiQionen für« 3at|r unb, menn er aföfiaifer angegriffen merben 
fönte, ben ©eiftanb beö ganjen Sieic^eS jufic^ern". ©on lurin 
imirben f olc^e Stuträge an' baö fiabiuet üubmigS XIV. übermittelt, 
ber als 9Jeffe ber ^ergogin Ebriftinc in na^en ©egiel^ungen ^u 
bem faüotiifc^en ^aufe ftanb; überhaupt geigte fi^ bie ßergogm 
um ba« ^uftanbefommen ber baljrifc^en SBaljI fef)r bemüpt, unb 
»ä^renb fie ni^t mübe würbe, bem Sarbinat üorgufteüen, baß 
Jerbinanb 3Karia im Sntft an bie ©ett?erbuug um bie Ärone 
benfe ^ entfanbte fie ben äßarquis bi ^ianegga in üermutl^Iid^ of* 

* ^dfxtihm.^a^axini an bie CH^a^t^^efanbien tootn 3. Oft. bei Chdruel 
e. 106. 



28 ®. ^cibc, 

fijicllci' ÜKifpon an bcn ^of nad) SDiünc^en, um bort eine 3)cnl- 
f^rift üorjulegeu, loelc^e mit jiüingcnben ©rüuben für bie am 
mf)im ber Srone fprac^ \ S)a mau in grautfurt oon ber ©en= 
bung $iancjja§ unb ber Äorrefponbenj jtt?if(^en ber Äurfürftin 
unb bcm ©rafen JBigliori fienntui^ ^atte, fo tonnte bag ®e^cim- 
niS biefer aparten Unterf;anbhingen , an toeld^en auf ber ©eite 
SSatfetn^ au^er Slbel^eib nur ber Äurfürft unb ber Sefuit 2Kon* 
tonaro t^eilna^men, nid)t gönjüd^ gema^rt werben, fo baß fc^Ueg* 
lic^ aud) ®raf Äurj baüon erful^r. „S)iefer 3biot", fd^rcibt ber^ 
felbe unterm 19. ©eptbr. an Dejle, inbem er ben SRontonaro 
meint, „bringt unter ber |)anb bie ©ac^en, bie iljm ber ®raf 
SBigliori f ommuniciert , an bie regierenbe Äurfürftin, bie an Set* 
meffen^eit ber engtifc^en ©lifabett) gleid)t, »elc^e ber ^foljgraf 
griebri^ ge^eirat^et ; ®ütt bett^a^r' un§ üor bergleidjen Stuögang ! " 
Dcfle erhält ben Stuftrag, bem faüotjifc^eu ®efanbten ju Derfte|en 
ju geben, ba^ bie batjrifc^e Siegierung eine folc^e Äorrefponbcnj 
nid^t gerne fä^e ; biefelbe bauerte aber gleic^mo^I fort. Site bann 
Sltto i&ielani am SDiündjener ^ofe auftaudjte, fpottete ®raf Äurg: 
„2Bie nun auc^ Jlaftraten* in ia% ©piel gebracht merben, tt^eiß 
ic^ nic^t; aud ben ^a^nen pflegt man Kapaunen ju machen, bie 
iejumalen impertinenter finb aU bie Jpal)nen felbft". ätto, ber, 
um feinen SBerbad)t gu erregen , fic^ ben Slnfd^ein gab , ald öaltc 
er fij^ in Sludübung feiner Äunft am $ofe auf, jeigte ber Äur* 
fürftin alöbalb nac^ feiner Slnlunft in UKündien brieflich an, ba§ 
er ©d)reiben üon feinem Äönig unb bem JJarbinal ju überbringen 
^abe, unb erf|idt fofort eine Slubieuj beim Äurfürften, bie über 

^ ©. Cbernel @. 106; Oerle an Ihtq, 14. Oft.: „Tlan tofinfd^t aud^ 
gern 3U erfahren, toa^ mein gnbft .^ert auf bad, tuaS .... bie ^ergogin 
üermittcld bc§ Tlaxqm^ bi ^taneaaa an @tt). (S^c. gebracht ^cii , geantloortet 
^obcn*. 3)ic furfürftlid^cn |)ofjQ!)lQmtöred^tiunQcn bom 3. 1657 geben jcboc^ 
übet bie ?lntocfcni^eit biete« .ffabalictd am .^ofc feinen Änffd^luß, auc^ tnU 
Italien bie mir borgelegenen ^ften au^er ber t)ter mitgetf^eitten 9emerfung fiber 
^iane^^aS ^tffion ntd^t bad (Si^eringfte. 

^ ^elani luar ein @änger au« $iftoja ; ein 8ruber bon il^m toar ha* 
mal« in ber erjtjer^oglid^en ßapeUe au 3"n^^^"tf engagiert. Ta ed mir gc* 
toiß fd^eint, tag 3ltto im ^luftrog ^lajarin« 1657 bor bem ©eptember ni^t 
in ^ünd^en toax. fo fann bie no(^ immer bunfle ©tede in bem ^Berid^t ^an» 
fteinS on Bä^totxin b. 11. 3uni 1657 (Urf. u. mi 93b. VIII, ©. 445), too« 
rin eined fran^fifd^en SIbctefanbten ^tod^nung gefd^tel^t, „ber mit fd^lecj^tem 
Conteoto loieber (bon ^ünd^en) njeggereifet", nid^t auf i!^n beaogeu tocrben. 
©enn 3Ib. 2ßolf a. a. O. 6. 88 fd^reibt: „Jjfürfl ßobfoloi^ fonnte fd^on im 
3uni (1657) au8 3Wünd^en berid^ten , ba| ©ramont nid^H au§gerid&tet ^abc 
unb fogIei(i^ nad^ $ari8 aurürfgefe^rt fei", fo »Are, faöS l^ier nur eine 95er* 
tuedftfelung borliegen foUte, ba ®ramont bor bem ^ejember nid^t in Ttünd^ 
geloefen fein fann, ein neuer ^cteg für bie 3lnnjefent)eit eincö franjöfif^en @es 
fd^äftSträgerd am bal)r. ^ofc im ?Ö?ai ober 3iini 16^7 gegeben, 3lber tocbet 
bie $)ofjoi^lamtSred)nungen nod^ bie bon mit bcuu^tcn Elften geben über bie 
3bentität beffelben , ober nur bejüglirfi ber Slnttjcfen^eit eined mciteren fran^, 
d^efanbten auger 9ltto unb bem ^erjog bon (S^ramont nid^t ben geringflen 
^uffd^lug. 



^Tic ^af)( SeopotbS I. ^unt tdmtfd^rn ItoniQ. 29 

«Dci ©timbrn toä^rte. tiefer üerftd&erte üon ben SKitt^eilungcn 
attoö unb namcntli^ üon Dem ^onbfcbreibcn beö ÄönigS, in bcm 
bcrfelbc fein SBort üerpfänbete, mit feiner gangen SD^a^t Sapern 
jum ®en?inn ber römifd^en Ätone üerl^elfen gu moHen, fe^r be* 
friebigt ju fein. „6^ fd^eint nun", berid^tet bie Jäfurfürftin un- 
term 10. Dftbr. an i^re SDJutter ßfiriftine, „baß ber fturfürft aO* 
mo^Iit^ anfängt, ben SRat^f^Iägen granfreid)^ (Se^ör gu fd;enfen, 
obwohl er no^ nic^t gang übergengt ift; aber ic^ l)offe, baß it|n 
ber ^immel in einer ®ad)e üon fo großer SBic^tigfeit enblic^ Kor 
fe^en laffen unb er alleS JDiißtrauen oerlieren mirb, menn er fiebt, 
mie mo^lttJoHenb ficb ber fiönig gegen if|n äußert". Ätto ^atte 
fpäter^in noc^ öfter« Äubiengen beim Surfürften unb ber Äur* 
fürftin, unb pflegte ber le^teren feine 93erid)te an ba« !önigli(^e 
fiabinet t?or beren aufgäbe üorgulegen. ?lfö biefe bie Kopien be« 
ertt?ä^«ten §anbfd}reiben« SiubroigS XIV. unb i^rer unb be« Äur* 
ürften äntttjort an bie ^ergogin ß^riftine überfanbte (ll.SDegbr.), 
ügte fie bei, bie 35ingc ftänben auSgegeid^net, unb n?enn ber Äur* 
ürft nid;t§ mebr terberbe, fo fei Hoffnung üorbauben, baß aßeö 
gut unb gum Stumme beö bat)rifd)en «t^aufe« enben ttjerbe ^ 

SEBenn man bie gut)erfid)tlic^e Stimmung, n?elc^e biefe ©riefe 
6id in ben 2)egember f;inein atf)men, unb bte ftd; auc^ auf bad 
Äu^Ianb, namentlich auf g^^nfreid) übertrug, tt?o man trofe aller 
miberfpred)enben 9?ad)ri(^ten bod) baran feftbielt, baß fic^ ber 
baijrifd^e Kurffirft guleftt für bie STnnabme ber ^ronc ertlären 
toerbe , ber narften I^atfadje gegenüber tjält, baß gerbinanb 3)/a= 
ria fc^on im Sluguft burc^ eigenbäubiged (Schreiben an ben ßö« 
nig üon JBö^men gu ®unften Cefterreic^d auf bie ftrone Sergic^t 
^eleiftet unb ben ^erbft 1657 ^inburc^ fortmä^renb mit bemfelbcn 
m Unter^anblungen gum Slbfc^luß einer engern ?llliang ftanb, fo 
ift fein anberer Schluß möglid^ , al§ baß bie Äurfürftin üon bie* 
fen lefeteren Sorgängen nic^t bie geringfte 9l^nung ^atte unb felbft 
oon i^rcm eigenen ®ema^I in abfid^tlic^er läufdjung erhalten 
mürbe. 3)iefe Unaufrid|tigfeit unter ben ©liebem ber furfürft« 
liefen gamilie mar inbeffen bie leicht begreiflid^e ^olgc ber inner* 
^alb bcrfelben befte^nben eigenartigen SJerl^ältniffe. 3)er Surf ürft 
tlieilte, toenn er auc^ feine ®ema^Iin gemäbren ließ unb i^rer &€- 
fü^l^politit mand)e (Eonceffion machte* im ®runbe boc^ üötlig bie 
©nmbfä^e feine« erften TOinifter«; nirgenbmo, unb toa^ bebeut» 
fam ift, ni^t einmal in ben SBriefen be« Äurfürften, too i^n bod^ 
ni^t« ücr^iuberte feine eigenften S33ünf(^e gum 8lu8brurf gu briu« 
en, ift i&m eine äeußerung nad^gumeifen , baß er nad) bem 83e« 
i| ber Äaif erfrone ein Verlangen trug ober beren (Srmerb unter 

* ^^x bie ^atfleDunfl ber julcit beI)onbetten ^pifobe in ben 2öot)lt)ers 
^nbtungen» in ber bie bat|rif(f)e J^UTfürftin btc erfte ^totit fpielt, ^be id^ 
^ttptfdd^Iic^ einen 9ludaug au$ bei im Muriner Staat^ard^iD befinblid^en i^ot^ 
tef^onbena llbel^ibend mit il^ret Butter G^tiftine t>. @QDo^en benu|t, ben id^ 
bet mti M ^erm Glaretta, $tdf. b-fgl. 9IIab. b. 2Biff. auXurin, lievbanfe. 



I 



30 ©. ^cibc, 

bcn bamaligen Umftänben für möolid) f)iclt. SBenn er bann naä) 
3af|ren ju fagen pflegte — fein @üf|ii unb "JJac^füIgcr SJ^aj @ma* 
nuel t)ai e^ ja beftimmt behauptet — , baß e§ i^u fein fieben 
laug reue, bie Sroue nic^t augeuoinmeu ju fiabeu, fo muß man 
fidj eben üergegenipärtigeu , baß mit bem lobe be« ®rafeu Äurj 
unb ber fiurfürftin = Süiutter ber rabifalfte ©ijftemiüedjfel in ber 
auiSmärtigen ^olitit Ded ^urftaatS eintrat unb berfelbe gänjli^ 
in bie Sntereffen graufreid;ö üerftrictt imirbe ; unb baß bann jene 
^erfönlid)feiten, bereu Alaine mit bem entgegengefe^ten ©taatsprinjip 
üerfloi^ten mar, unb biefeö felbft eine abfällige Seurt^eilung er- 
fuhren, ift, loenn aud) nic^t ganj entfc^ulbbar, boc^ minbeftenö 
begreiflich- 3)a6 aber in jenen Sauren, bereu ©efc^ic^te ^ier ibre 
S)arftellung finbct, bie 5ßülitif be^ ®rafen Surj bie DoIle unb 
uneingefd^ränfte SJilligung beö Surfürften befafe, ftc^t außer 3^^?^^= 
el, unb nad^bem einmal bie Surfürftin bie erflärte ©egnerin bie= 
e^ ©Ijftemö toar, fo mar eö in Stnbetrac^t iljrer politifc^en ®on* 
berbeftrebungen unb i^rer SSerbinbungen mit auSmärtiaen äKäc^- 
ten andj für ben Siegenten ein @ebot ber ^flicftt, i^r Die fiennt- 
ni« üon ©taatö^anblungen, bereu ©e^eim^altung unerläßlich mar, 
vorläufig ju entjie^en, ein Sorge^eu, bad burc^ bie obiualtenben 
Umftänbe genügenb gerechtfertigt erfd^eint unb l^on ber SSerftän* 
bigfeit unb bem laft beS jugenblid)en dürften nur bie befte2)?ei= 
nung jU ermeden geeignet ift. 3"^^"^d)ft mar biefer gaQ gegeben 
mit ber fd^on früher ermähnten furfürftlid)en Srfldrung Dom 24. 
Äuguft, momit Satjem auf bie bargebotene Srone jU ®unften 
Cefterrei(^§ üerji^tete. ©d)on bie Umftänbe, unter benen fie er« 
folgte, jeigen an, meld)' ernfte Iragmeite berfelbeu beigemeffeu 
mürbe. S)a^ turfürftlidje ^anbfd}reiben an ben Äönig t?on JBöb^ 
meu mar in ein foldje^ an ben Üleic^^üicefauüler ®rafen gerbi= 
nanb ©igmunb Äurj eingefd)lüffeu , in melc^em ber briugenbc 
SBunfcf) au^gefprocfien mar, baß baö Original be§ eiugefd}lüffenen 
©d^reibenS mieber jurüdgefdjidt merben möge, ba man leicht er- 
a^ten fönne, in meld)e ®cfa^r ein unjeitigeö Sefanutmerben bcS 
Sn^alteö beffelben ben fturfürften bringen mürbe, ^a« ©(^reiben 
an ben Äönig üon 83öf|men * aber meift gunäd^ft auf ben meljr^ 

* S^ad Goncept beS Originals (im baljt. 6taot§atd()it) , ®c^. ^eretnba« 
Tunöds?lft. St. fd^h). 540/9) lautet toic folgt: ©t^leife^eim am 24. 3lug. 1657. 

Obtoo^l B. Af(. Sil. in )Bat)trn fid^ nad^ ^öglid)feit unb in effecto 
ben Stu^fd^lag auf bad löbl. ^aue üon Cefterreid^ ju ri(i)ien bemül)en, fo ftn« 
ben fte bod^, bafi fo^ed uneraditet bei ©etoogen^eit , fo felbiged ))on t^ild 
3nlereffenten berl^offrn, nid^t ol^ne ftarfc ßontrobiction t)iel ^oIkt ^Parteien, 
alfo nid^t njenig ©cfo'^t bet ^clufion bei gemelbetcr 9Bol)l ;ju bcfotgen ^abcn 
toetbe, ba boc^ @. ä^. 3)tl. bet Meinung finb unb tierbleiben, bag bie ^ig^ 
nitöt eined tömifd^en Könige niemanben beffet aU eineS subjecti, fo bon fei» 
btgem ^au3 erfptoffen, toiib (önnen anberttaut toerben, neben ber na^n 
8lut$t)ertoanbtnt# unb bataud ettoad^fenber abfonberlid^er ^ffection, fo @. j^. 
^tL aud^ bar ju ftimulieten ; bannen^ero unb ungead^tet j^öc^ftgebad^ter €. AfL 
Sri. t)on unterfd(|teblid^en unb pmalen ^ot)cn Orten bei je^tgemelbeter fdnig^ 
lic^T £3al^l folc^e Offerten befd^el^en, baß fie ftd^erlic^ allein mit il^rer Sfcia» 



2:ie äßa^l Sfo|>oIbd T. aum tdmifd^n Stbnx^. 31 

fac^ erfolgten ^roteft gegen eine ^absburgifc^e S8a^( unb bie 
md)t geringe ®efa^r be§ Slu^fdjluffeg bicfe^ §aufc§ öom ftaifer« 
t^um ^in, eriDä^ut bann ber bem jlurfürften üon t^erfc^iebenen 
Seiten geworbenen Jlnträge, unb ba§ e^ nur einer 3"fö9^ f^* 
nerfeitd bebürfe, um biefer Sludjeic^nung t{;eil^aft jn werben, bog 
er aber immer ber 2)ieinung gcloefen fei unb bleiben merbe, bie 
SEBürbe eines römifc^en Hönig^ fomnie niemanbem beffer ju aü 
einem ®Iiebe beS Jg^aufe« Defterreic^, baß er andf bieSmal bei je« 
ber ®clegcnl)eit für eine folc^e SBa^I -eingeftanben unb am SBaljt 
tage fein SBotum in biefem Sinne abgeben werbe; ber Surfürfi 
Melange aber, ba§ biefe feine Slbfic^t niemanbem mitget^eilt, fon« 
beni im ftrengften ©e^eimni^ get^alten werbe, unb er ^offe für 
ben gall, ba§ er um biefed @nt)d}(uffeS wiQen bebrängt ober gar 
mit ^rieg überjogen werben füHte, üom König fieopolb fowo^I 
ate bem ©rj^erjog üeopotb 3Sil^eIm ®arantie in ber ©r^altung 
feiner SRei^^würben fowie im ungefc^mälerten 95efi|[tanb feiner 
fianbe. S)ie Stntwortfc^reibcn ftönig ^eopolbs unb beS ®rjl|er* 
jogS finb an^ ^ag unb oom 5. Septbr. batiert unb enthalten 
ben äuSbrud ber ^öd)ften Sefriebigung über bie üon bem ßur* 
fürften bet^ätiate treue ©rgeben^eit fowie bie ©erfic^erung , baß 
bcrfelbe bei aller ju bcforgenben ®etüaltt^at be« ÄönigS unb be« 
ganzen (Srj^aufeS Sc^u^ unfefjibar gewärtigen bürfe. ®a« Sd|rei^ 
ben be§ JReic^ÄüicefanjIerg aber an feinen öruber, ben ba^jr. Dberft- 
^ofmeifter, oom gleichen 23atum, fnüpft an ben einjigen nod^ 
bunflen ^unft ber Sc^Ieife^eimer Srllärung an, Weldje bie baljri^ 
f(^e SBa^Iftimme nur im allgemeinen bem |)aufe Dfterreic^, nid^t 
aber fpejieü bem Äönig Don JBö^men verpflichtete, inbem eS be* 
fagt, man nä^me alleg für Seopolb an, ba bie Srbtanbe nid^t 
jWei ober brei fiönige jugleic^ erfjalten fönnen unb auc^ bie^ßri^^ 
mogenitur nid^t getrennt Werben foHe (nad| bem leftament ger^ 

xatton Bei ber näc^ftfommenben SBa^I btefe ^ol^e ^tgnit&t unb %mi neben aU 
len il^t unb i^xem ^utl^ud boburd^ ^uge^nbeu $ott!)et(en fid^ ^ötie fönnen 
unb anno^ fä^ig mad^n, ;o l^ben fte bod^ dato ni^t zugeben tooden, ba§ 
gemelbeted (h^fyiüi bei biefem SEßa^Itoerf audgefteUt unb au^ bet (^nftberation 
Derbleiben, fonbem aUe 3<it ba^in getrad^tet, bng fold^eS bei biefer 3ufams 
menfunft \>dx anbem Beobad^tet toerbe, beffen fid^ bann gemetbete^ ^au4 ^u 
€r. St^. StL au t»erftd^etn, bod^ aUed mit bem (^ebing, bog @. Afl. ^il. bed 
Secreti unb fopiel Detfid^eii fönnte fein, bag biefed ^eio ^or^ben in ^öd^flex 
@e^tm bei brnjenigen Derbleiben , bie ed gemeint , unb fte fold^e Offerten fid§ 
felbfirn bid ^u if)rem lej^ten QFnbe ge'^im Ratten. Unb toeilen gleid^too^^l au 
feiner 3eit baS SBerf felbfien ^ei^tn rtirb, baß ©. Äfl- ^^rl. mittelft i^reS 
Voti für gemelbeted fyiüi ben anbertDört# offerierten appo(2^gio, @d^u^ unb 
91fftflena toeiter nid^t tier^offen fbnnen, unb fte fid^ fold^ergeftalt aQein auf bie 
(Eonfertxition unb ^anutenierung beiber fur^erafürft liefen ^aufer au Derlaffen 
^brn, alfo getröften fie ftd^, bie gemelbete Sonferbation unb ^anutenena il^t 
unb i^ren Sanben h)erbe 3bto auf aüt unberf)off ten unb gefä^rlid^en ^nfd^läg 
ber Sachen felbigerfeitd nid^t ermangeln unb fte fid^ foüiel ^ilf au bertröften 
^ben, aU fte gegen benen bebürfen möchten, bie fie um SBiUen biefer IRefoIu' 
tion mfolgen, ja too^l böUig au ilberaie^en geftnnt fein möd^ten, berent^alben 
bann bie ^iUigfeit erforbert, beffen mit mel^reren geftd^ert au fein. 



32 0. ^eibe, 

btnanbS n.). SWit Se^ug auf bic aufierorbcntfid^cii Sorfic^tÄ. 
maßregeln, mdcfae JBa^cnt bei ber ganzen ®ad|c beobachtet tuiffen 
tüollte, meinte er, baran t^ue man gan,^ rect|t unb ijabe eg and) 
üonnöttjen. „3^ bitt' allein", festlegt fein Srief, „5r fontinuiere 
alfo mie id> tt?o^I tüeife, bafi Sr oljne ba§ geneigt ift. Seibe uiu 
jere gnbft. ^erren »erben Urfac^ ^aben, nnfere Streu unb 5)eüo^ 
tion ju erfennen" *. 

©0 tüar nun bie .^altung SBaljem^ ju ber SBa^Ifrage prin* 
jipiett entfd)ieben. ®iefe (Sntfc^eibung — fie n?ar fid^erlic^ nic^t 
t)on langer ^anb Vorbereitet ober gar f^on mit bem ©intritt be§ 
3nterregnum§ befd^Ioffene ©ad)e, anij getüiß nic^t ba§ (SrgebniS 
eines jtuifc^en ben beiben ®rafen ^urj abgefarteten ©pieleS. 5§ 
l^atte auc^ ber ba^rifc^e 3Kini[ter auf bic franjöfifc^-fölnif^en Ein- 
träge feineSttjegS able^nenb geantwortet, fonbem nur an 9J?ainj 
unb Äöln bie bei ber furfürftlic^en 9tegierunjj obmaltenben 95e^ 
bcn!en mitget^eilt, üon bereu Sefjebung er bie enbgiltige SrHä- 
rung beS wurfürften abhängig macf)te. ®raf Äurj ^\dt bic Qex- 
ftreuung biefer SBebenfen nid)t für eine unmögliche ®ai)e, unb er 
äufeeric felbft gegen Cejie, baß man bei einer günftigen Antwort 
baS SBer! weiter überlegen ttjolle. ?lu§ mehreren, awd) ^ier be* 

' 3)n3 ®cl^. ©taotdard^it) ju gjlünt^cn enthält in Ä. fd^to. 367/10 einen 
S^eit ber Stoxxt]ponhtn^ ber Oeiben Staatsmänner unb beren ^ngef)drigen, 
loelci^e einen toQen ^üd in bie ^mifc^en ben betbcn f^amifien obmattenben in: 
timen S?eüteT)ungen getoä'^rt. ^icje löricfe be^anbeln inbejfen öome^mlic^ ^ioat« 
angelegen^eiten unb fireifen ba§ |)olitif4e bebtet nur gelegentHi^ unb obenhin. 
@d er^eQt andi aud benfetben pr (i^enüge, baM ber Serbad^t. ed tDäre bai per« 
fönlic^e na!|e ^er^öltnisl ^mifc^en ben beiben @taatSmännern Don (ünflu^ getee« 
Jen barauf. njie ber ba ^rifdje ÜJiinifter feinen ^crrn beriet^, grunbte ift. 3lb* 
gefe'^en babon, baf^ fd§on ber unantaftbore 6f;ara!ter beffelben eine fold^e 9(n« 
na^me t)on born 'herein audfd^lie§t, finbet fid^ in ben ertoä^nten ©riefen eine 
Utt&d)tiiä)t ^n^a^l ton belegen für bad @egent^eil, id^ ^ebe barauf nur foI= 
genbe in einem SBriefe hi^ &x. 'iflax üur,^ an ben ^eid^§t)icefon5ler ö. 5. 9loö. 
enthaltene ©teöe ^crtjor: „3d^ öerfidjerc 3^m, bag feine persuasiooes, feien 
fie aud^ toie fie loollen unb fommen fie tool^ct fie tooHen, bei mir fobiel öer* 
mögen toerben, bag ic^ meinem gnbft. ^erm rat^e, toai id) toiber @ott, miber 
bie »ittigfeit unb ^u ©r. Äfl. ^l. 9luin befinben foHte. ©dalagt e# too^l 
aud, ]o Ifdh id) &oti barum p banfen; im toibrigen ^tl aber toentgftend 
bie ßonfolatton, boft idfjS nid^t toiber ®ott ober ''Jßflid)i getrau*. 

SJlitt^ilen^tuert^ bürfte nodft folgenbe ^pifobe fein. aWan l^atte bem hal^ 
tifd^en Cberftl^ofmeifter bae ®o(bene lOtieg augebnd^t , unb manbie ftd^ an ben 
Sleid^^öicefan^Ier, bei feinem SBruber au fonbiercn ob berfelbe bie ?lu8a«d^nung 
onnel^men toürbe. tiefer ift barübcr „ mebrerä mortificiert at8 erfreut^*; ne^me 
er ben Orben an, fcftreibt er aurürf, fo gebe er ber Äurfürftin ®nmb, i^n bei 
feinem $crrn au öerbäd^tigen ; toeife er il^n aurüdt , fo bcleibtgc er bie Ätoncn 
IBöt)men unb Spanien. S^lid^t onberS fönne er fid^ beaüglid^ ber i^m glei^ 
aeitig angebotenen 50000 %^x. äußern, (h erfud^t ben ©ruber unterm 11. 
Septbr. um ein ©utad^ten. 2)iefer ift toeniger bebenflid^ ; „toenn ber ^r. ©tu« 
ber ben Orben nicf)t f^aUn !ann ober toill, fo fann er auf mid^ birigiert ton- 
ben; toegen ber 50000 lt|Ir. toiI( id^ bie Sad^e fd^on toeiterd i nca minieren ; 
für mi^ ^aben 3. SHoj. aud^ foüiel motu proprio auSgetoorfen. @ott gcb*, 
bo6 toirö long genießen mögen". «Rad^ Hb. SOßolf clü.O. <B. 89 l^at ®r. TOojc 
Bux^ nad^ ber &a^l 20000 X^lr. angeboten erhalten unb angenommen. 



rettö angeffi^en ßorrefponbettjen erbeut jur Qknü^t, ba^ ^r« 
batfttn eine bemfelben üon ben SBa^Iftänben ein^eUtg bargebotene 
ftrone, menn ju^Ieic^ jum Unterhalt berfelben ein B^i^^B ^^^ 
9{eid^dmitteln betDiQigt tporben märe, üieQeic^t burc^ Ueberlaffung 
üon äteic^gftabten \ unb n^enn ed entfprec^enbe ©ic^er^eit em^fam 
gen ^ätte, ba§ bei bem unüermeiblic^en ^onflift mit Oefteneic^ 
oad gonge äteid^ hinter i^m geftanben n^äre, üoraudfic^tlic^ onge« 
nommen ^otte. tlDein ed ift ja betannt, baB SD^ainj mie ^öln 
bie Don SBa^em QefteQten iBorfragen, üon beren 93eantn)ortung 
ber fiurfürft fein ja ober nein abl^ängig machen n^oQte, einfach 
unbeachtet liefen unb fic^ fortan mit bem Srojett ber @r^ebung 
bed Srj^erjogd befc^äftigten. iBa^ern }og fic^ barauf^in üerftimmt 
jurucf unb lie^ ftd^ üon ba an in leinen ^anbel me^r mit i^nen 
ein, fo fe^r fie fic^ auc^«fpäter äRü^e gaben, über üerfc^iebene 
aftueQe Or^agen ein @inoerftänbnid mit bemfelben be^ufd gemein« 
famen Sorge^eni^ ^erjufteOen. 3)a man aber jugleic^ am bir^ 
ffirftüAcn |)ofe — »enigftenS auf ©eite ber ma^gebenben ^cr* 
jönli(^Ieiten — untoiberruflic^ entfd^Ioffen »ar, ein Äaifert^um 
Don 0tanfrei(^iS ®naben, burc^ beffen Snna^me fic^ ^^erbinanb 
ÜRaria gum $enfionär unb @c^u^befo^Ienen biefer Mad)t emie^ 
brigt ^ätte, runbmeg gurücfgun^eif en , fo mochte man ed für rät^^ 
li^ ^Iten, \>nx6) eine frä^jeitige Srßärung }u fünften Oefter- 
reic^d fic^ ben ^ant biefed $aufed unb feinen @^u| unb fßeu 
ftanb in bem immer ernfter fic^ geftaltenben 8}itariatdftreite mit 
ber ^falj ju öerbienen. SDSä^renb nun bie einleitenben ©d^ritte 
erfolgten, um mit Cefterreid^ ben fc^on in ber @c^Ieig^eimer 6r^ 
Oärung geforberten %)f ef urang « Stegeg guftanbe )u bringen, lam 
püißS) üon ^antfurt bie 3laä)nüjt, bag fi(^ mit näc^ftem @raf 
fegon gürftenberg nac^ äßünc^en begeben werbe, — um bie la- 
tegorifc^e (Srüärung ber Xnna^me ber römifc^en ^one Dom ^ur« 
fürften perfönlic^ ju erholen. „2)er fölnifc^e ©rog^ofmeifter toirb 
nur leere« ©tro^ brefc^en unb foDiel erfahren, bag er ni^t Diel 
£uft ^aben n^irb, öfter« nac^ äJ^find^en gu lommen", toar bie la« 
lonifc^e Hnttoort, mit ber ®raf jfurg jene S9otfc^aft Oe^Ie« er« 
toiberte. 

©cit ber abreifc Ätto äRelani« Don ^ranlfurt Ratten ®ra* 
mont unb Sionne an bem begonnenen SBerfe rfiftig meiter gear^ 
beitet. ©citbem SBranbenburg für bie Qtotdt granfreic^« nic^t 
me^r in Setrai^t lommen fonnte, toarfen beffen ®efanbte i^r 9lefe 
junäc^ft nac^ bem ^urfürften Don Syrier au«; boc^ gelang e« i^« 

* 3tana. ®cf. SWcm. b. 12. ©eptbt. (©«. 9Bb. I) , o. e. Sd^r. b. 
Jturf. 9lbel^ib: Sesminietres, appröhendant qa*il se laissät en fin per- 
Boader , ont trouvö moyen de lai mettre en töte entre les craintes 
qo'ila lui ont fait conceroir qu'il fallait qu'il demandät des conditions 
qa*iU Toient bien Stre imposaibles d'obtenir, afin de miner Taffaire 
par \}k corome de demander qa*on lui accorde 7 ou 8 villes imperiales 
ponr ta substance. 

ZXY. 3 



ncn nur, ben Srubcr bcffclbcn unb furfürftlid^cn ^rinji}?algcfanbtcn 
beim SBa^Itag , einen grei^errn öon ber fielen , ju be[ted^en ; ha^ 

äegcn blieb Äarl Äafpar fetbft feft auf ben Abmachungen öon 
Järtic^ befleißen unb erflärte, nur in Uebereinftimmung mit ben 
beiben onbern geiftlid^en a33a^Ifürften unb naä) erfolgter SBerein- 
barung mit benfelben in ber SBa^Ifad^e üorjuge^en. 8lfe fpäter 
befannt tourbe, ba^ Jrier mit Defterrcic^ ge^en njerbe, trad^teten 
bie ©efanbten fc^Ieunigft ipieber ju i^rem ®elbe ju fommen, ba§ 
anä) ber tt?acfere grei^err, fo fe^r er fic^ bagegen [träubte, toieber 
^erauggeben mußte. 2)ie SBejie^ungen jtoifc^en 5ßfalj unb Sägern 
»urben immer gespannter ftatt üerfi5^nlid^er ; äWainj begann be^ 
reiti^ ju f^man!en. @« toax ^ö(f|[te 3^^^ ^i^ SBa^ern ins Meine 
ju fommen, benn fon[t h?ar ein ÄuSeinanberfaöen ber mit %xanh 
mä) öerbunbenen DppofitionSliga nic^t «le^r ju üermeiben. ®raf 
SSitl^elm gürftenberg ^atte üon ©eban bie Slnregung mitgebracht, 
man foHe ben baijrifc^en Siurfürften jum perfönlidjen ©rfc^einen 
in granffurt ju belegen fucften; man f)aie fo e^er Hoffnung, mit 
i^m* fertig ju »erben, alö »enn er, toiein SKün^en, forttoä^renb 
üon feinen Siät^en umgeben fei. Qfm frauiöfifc^en ©efanbtfcj^aftö^ 
jirlel, in bem außer Den beiben JJurftenberg auc^ ®raf ©igliori 
öiel öerfetirte, unb bem ber ba^rifdje ^rinjij?algefanbte ®raf ^cr« 
mann gürftenberg jebenfaUg nidjt ferne ftanb, fc^eint man fid^ 
inbeffen üon einer mieber^olten Sefc^idung beS SKünc^ener J^ofeS 
ein günftigcreS SRefuItat üerfprod^en gu ^aben. 3)enn man ft?ußtc 
aui^ ^Briefen ber Äurfürftin, baß bie Meife na^ granffurt, obwol^t 
bort bie Quartiere für baö furfürftlid^e • 5ßaar bereits befteHt nja* 
ren, öon il^rem ®emal^I fo gut mie aufgegeben mar. ©o übcr^ 
nal^m nun @raf ®gon bie Aufgabe, bie betreffenben SSer^anblun* 
gen in aRünc^en ju fül^ren. SBor feinem Slufbruc^ bort^in tt?urbc 
eine Slrt fombinierten DperationSpIaneS befc^Ioffen. 3n erfter 
fiinie wollte man fic^ ben ®rafen Surj gum ©unbeSgenoffen ina^ 
d^en. ®raf SBigliori üerfud^te barüber beim 2)oftor Deffc auf 
ben Söuf(^ gu Hopfen , erhielt aber eine grünblic^e Abfertigung *. 
aWan üertegte fi^ bann auf ©d^meic^eleien, gu bereu SSermittlung 
fid^ ®raf §ermann gürftenberg Vergab ^. 3)en meiften Srfolg 
üerfprad^ man fic^ jebod^ üon ber Sin^änbigung einer ftattlic^en 
SRemuneration ; ®raf ®gon erl^ielt gu biefem Q^ede 30000 gl. 
angelüiefen. 3)em Äurfürften felbft tjatte ®raf Sgon im 3?amen 
ßubmigS XIV. eine anfel^nlidtje jä^rlid^e ©ubfibienleiftung fotoie 
ben Unterl^alt einer beträc^tlidf|en fte^enben ©olbtruppe gur ©c* 

^ „toeld^en td^ al\o abgefertigt, bag er in ben näd^ften brei %aQ baB 
9Waul nid^t mcl^r toirb bcrfallcn toollcn". Ocjle an ®raf ihirj , 14. Dftbt, 

" ^erm. gfürflcnbcrg an ÖJraf Äurj, ©eptbr. : „Wx. be (Sramont t^«t 
fid^ berofelben obfonberlidi rc!ommanbiercn, tü^mt bie toon 6to. ©je. cm|)fan9e» 
nen (Sourtoifien gar ^od^ unb )^at unter anberm biefe gormalia gegen mir ge* 
ntelbei: Mr. le Gomte Curz a ^ cette henre une occasion irbs-avanUr 
geuse de se montrcr grand ministre comrae il est pour la grandeur 
de Bou maitre. 



^i^rtung bed ftaiM^umS }U}ufic^em. Snblic^ foDte er aOeS 
aufbieten, um ben Kutfürften }ur 9fteife naä) f^rontfurt ju beftim« 
mett. Um in biefem leiteten fünfte befto e^er jum Qkk ju 
lommen, Ratten bie beiben f^ürftenberg bie ba^rifc^en SBal^Itagd« 
bet^oUrnäd^tigten (mit SiuiSna^me Oe^le^) am 5. DH. gu einer 
fionfereng ind ^ominifanerflofter gelaben unb babei bie Srtoä^ 
gnngen umftänbli^ }u $roto!oQ nehmen laffen, n^eld^e einen 
aufcnt^alt beä Äurfürften ju granffurt rät^üc^ erfd^einen liegen. 
3:agd barauf, am 6. Oftober, reifte ®raf (Sgon nac^ äßünd^en ab ; 
„er tooffe mit bem Äurfürften ju JBa^eni einmal beutfc^ reben", 
^atte er fid^ k^or^er Oeme^men laffen, „unb fo einbringlic^e fßou 
teQungen machen , bag ed bieSmal an einer befriebigenben 9{ef o« 
utioa nic^t fehlen foße''. Soineburg aber fanbte i^m ben from* 
men äSunf^ nad^, er möge mit einer nod^ üie( größeren 9tafe 
abjie^en aU feinerjeit bie mainj-fölnifd^e 2)eIegation. 

2Kit begreifli(|er ©<?annung fa^ man in granffurt bem (£r* 
folg biefer SRiffion entgegen, nm 26. Dftober toar @raf ®gon 
mieber jurüd. Sr fu^r fofort gum ^erjog t7on ®ramont unb 
blieb ben S[benb bei i^m. „92iematö fa^ man ein fröl^Iic^ered 
©efid^t", fc^rieb ®ramont ^patex in ber ©rinnerung an jene 2:age, 
„als bad bed ©rafen @gon aU er üon äRün($en jurüdlam; er 
loar üollftänbig überjeugt, ha^ ber ba^rifc^c Äurfürft bie firone 
mit 9}ergnägen annehmen npürbe, aber baS fei ein @e^eimniiS, 
ia^ man noc^ für ficb behalten muffe" *. 2Den folgenben lag 
crftattete er bem ^rfürften tjon SWainj 58eridf|t. „äRan fann ni^t 
onberS glauben", f(^rieb Oejrle nac^ äRünc^en, „al3 ba^ ber ®raf 
gute SBotfc^aft gebracht ^aben muffe", unb njugte julc|t nid^t, toa« 
er beulen foDe, aü er einem aldbalb anlangenben S3riefe bed ®ra« 
fen fturj entnahm , ba^ @raf @gon in allen fünften able^nenb 
öerbef Rieben tt^orben: man l^abe i^m bebeutet, eiS ge^e nid^t an, 
eine Äur, bie beftänoig fei, gegen ein Äaifert^um, ba3 man nur 
üoriiberge^enb befifeen fönnc, ju üertaufc^en, bie no(^ nic^t lange 
innegehabte äieid^gmürbe gleid^fam 'aufs @^iel gu fe^en unb, n^eii 
bie Sintfinfte bed ^urftaatd nid^t ^inrei^en, bie ©täube bed ^eu 
4eS mit ©ontributionen jU befd^tueren, ober aber burc^ annähme 
ouStoärtiger Slffiftenj ate ein römifd^er S'aifcr toon einer fremben 
SMac^t abhängig ju fein : aud^ fein ®efuc^ um Set^eiügung an 
ber franjöfifd^:^fpanifd^en griebenSüermittlung fei runbttjeg üerWor* 
fcn toorbcn; ebenfo f)abe er bie 30000 Zi)lx. toiebcr mitgenom^ 
men, ate i^n Äurj gefragt, ob man benn in granffurt ber SKei* 
nung fei, ba^ bie n?enigen SRat^fc^täge, bie er feinem Äurfürftcn 
auf beffen SJegel^ren ert^eile, auf bem Sanbelmarft feil n^ären. 
Dejcte \d)öp^e JBerba^t, bag ®raf Sgon falfc^eS Spiel treibe unb 
fe^te ft^ mit iBoineburg unb Slnet^an ind Sene^men, üon benen 
et foIgenbeS erful^r: 

* Mto. T. II, ©. 63. 



36 ®. $cibe, 

®raf ®gon ^attc bcm Äurfürften üon Sßainj imb bcn friere: 
fd^cn ©efanbten mit fic^tli^er SSefricbigung ^jä|lt, lüie feine an» 
träge anfangt am batjrifd^en igofe öuf ftarfen Sfeiberfpru^ gefto- 
|en, er I|abe aber ben erften i^m ertl^eilten SBefdjeib jurücfgegebcn 
unb burd^ erneute SJer^anblungen aüe im SBege geftanbenen SBc= 
benfen julefet aufs glüdlid^fte beseitigt, fo bap fic^ ber Jfurffirft 
fategorifd^ jur 8lnnat|me ber römif^en Ärone erflärte unb fic^ ge^^ 
gen \t)n ungefähr ba^in auSf)}rac^: n^enn ®otteg SJorfe^ung unb 
Der Ferren 2)iitfurfür[ten SBo^Imeinung i^m biefe SluSgeic^nung 
gönnen, fe^e er feinen ®runb, warum er biefelbe au^fc^Iagen unb 
oerttjerfen foHe; eg gebül^re i^m jtoar nid|t, felbft banadö ju ftre* 
ben unb unjuläffige SJiittel babei jn gebrauchen; menn eS [\if 
aber o^ne foId)e üon i^m, bem ©rafen Sgon, unb Surföln bc- 
werfftettigen laffe, fo tiabe er fic^ nidjt baioiber ju fe^en, fonbem 
e« gefd^el|en ju laffen unb ju ermarten, tt?aö ber SBiüe ©otteS 
unb ber Äurfürften ©utbefinben mit fic^ bringen n?erbe. S)ie 
©d^wierigfeiten n?egen Sr^altung ber fiurmürbe unb beS ©tatuS 
ber furfürftlicf)en iJanbe erflärte ®raf ®gon für üoHfommen be=^ 
l^oben; aud^ iiaie man in SKünd^en einen Ueberfd^Iag gemacht, 
mag bie faiferlid^e §of ^altung, ber Üteid^g^ofrat^, bie aufeerorbcnt* 
lid^en ausgaben ungefähr erforbern möd^ten, unb ^abe gefunben, 
baß bie Sanbegeinfünfte baju gar tüoi)l erfleden * ; bie furfürft* 
lic^e |)off|aItung fei oljne^in bereits fo fplenbib beftellt, ba^ fie 
feiner erf|ebli^en ©rioeiterung mefir bebürfe; toie aud^ fc^on an^ 
bere bemerft Ratten , fte^e ber furfürftlic^e ^of gegen ben faifer^ 
KdE|en in nid^ts jurüd, als baß man bort nic^t einen 3^erg ober 
SRarren unb bergleid^en l^abe. Sluf ©runb biefer eingaben forbcrtc 
bann ®raf ©gon üom fiurfürften oon äWainj bie unmiberruflid^e 
unb abfohlt üerbinblidje Srflärung, feine SBa^lftimmc öaijern ju 
geben, unb üerfid^erte bafür ben beitritt »J^rbinanb SJiariaS ju 
oer griebenSüermittlung jtt?ifdE)en granfreid? unb ®panxen, bie 
SieblingSibee beS ÜKaiujerS. Slöein biefer liefe fic^ trofe aller gu- 
ten SBorte beS ®rafen ju feiner binbenben Srflärung üerleiten, 
fonbem berief \idj auf bie Vereinbarung öon fiärlid^, meldte i^m 
»erbiete fid) abfeitig in eine Serpflid^tung bejüglic^ ber ^crfonen= 
frage bei ber SBa^I einjulaffen; erft loenn bie Äurfürften öon 
Äöin unb Irier am SBaf)lort eingetroffen n?ären, toürbc man öcr* 
tragSgemäfe unb bann aud^ nur bei gegenfeitiger Uebereinftimmung 
fid^ för einen Äanbibaten entfc^eiben fönnen. SSom Äurfürften 
üon aKainj weg begab fic^ ®raf ®gon ju ben trierfc^cn 3&af)U 

* 3n ber üorrcyp. beS 0rafcn ßetm. gfürflcnBetg mit ®raf Äut^, St. 
fd^to. 297/30, faiib fid^ ein faiferl. ^ofl^artunQgetat aulammcngeftcnt mit \&fyc: 
lid^en ^ue^gaben im äSettog Don 394800 ^. 3lad) ^udtoei^ bet tRegiftex 
bet ^ofjQl^lamtsrcdfinungen Bclicfcn fid^ bie fennol^men bet furfürftl. Äoffc pro 
1657 auf 834632 8fl., bie SluSaaben ouf 938033 gfl., bagegen toatcn ton 
1656 930360 gfl. an Ucberfd^üffen ouS fxü^teii ^a^ten l(|etüb«gcnommen 
tpotbeii. 



S)te aSa^l Scopolb^ I. aum romifc^en j^önig. 37 

gefonbten, machte t^nen btefelben Eröffnungen unb hat [xt, ba er 
mit näc^ftem i^ren §errn auffiK^en unb um fein SJotum für 
^(üfccn angeben tooüt, feine Intention gutachtlich gu unterftü^en. 
8m 5. Sioüember ma^te er fti^ bann auf bie JRcife nad^ Sonn 
unb fud^te untertt^egS ben Slurfürften üon Irier ju Sobleuj auf. 
2)afelbft ^atte fic^ nod^ üor i^m &xa\)d eingefunben unb im'J2a^ 
men unb Auftrag feinet Äönig« an ben Sfurfürften bie Sluffor- 
berung gerichtet, feine SBa^Iftimme Sägern ju geben, für »eld^eö 
bereite oier ©timmen gewonnen tt)ären (SKaiui^, ftöln, ^falj unb 
JBa^em). 3n bemfelben ©innc Ratten injttjifc^en auc^ bie trier- 
fc^en ©eüottmäc^tigten ju g^^^nffurt auf bie SBerwenbung fiionne« 
^in berichtet. Äurfürft ^arl ftafpar tt?ar nun nid^t me^r im 
3»eifel, bafe e^ 95a^em mit ber ^nna^me ber römifc^en Ärone 
@mft fei, lieg fi^ aber gleic^mobl gegen ben ®rafen @gon ju 
feiner ßufage ^erbei, fonbem bejog fic$ mie 3o^ann ^bÜipp Don 
©^önbom auf bie Sefc^Iüffe üon ^ärlic^. 

Dejlc beri^tete nun über ba^ befrembenbe Stuftreten be« 
®rafen ©gpn, baö im üoHenbeten SBiberfpruc^e ju ben an bie 
ba^rifc^e ©efanbtfc^aft ergangenen Informationen ftanb, urnftänb* 
lic^ an feine SReaierung, unb n?ie gu erwarten, erfolgte öon bort 
umge^enb bie ge^amifd^te @rf(ärung ', bag bie eingaben bei^ &xa^ 

* 3n bet 3nfrfuftion an Ceyle ö. 11. 9lotobt. toerbcn bie ^luStaffungen 
be§ (Siafett (Saon gegen Tlain^ unb Xtier relo^ttuliert unb ai\o fortgefahren : 
,@o aber niqit gef^el^en, unb toeilen er und me^retö in substantia nic^t 
borgebrad^t, aU n^ai ber t>on Qoineburg unb @Taf iEÖi(^elm in i^rer ^lefigen 
C^ommtffton nad§ Sängd referiert, ^ben toir nid^t Ürfad^ ge'^abt, tW me^rerd 
ober toeniger ald teie gemeU^eten aloeen 91bgeorbneten lIBerbefc^eib jU jagen, 
toie t% benn aud^ babet unb toad toir und gegen Jturmaina erftärt, t)erb(etben 
laffen, ^umalen totr iin^ fonften ebenfo leidet bei ber erften Sd^idfung ^Atten 
eröffnen fdnnen , aU mit ber 9{efoIution bid auf of terto&^nten trafen ^gond 
9n!unft ^urücfbalten. (^ foS auc^ fürd anbere ausgegeben fjaUn, er ^dtte 
und toegen @tabilientng ber J?urtoärbe aQe !DifftcuUäten aud bem äöeg ge« 
räumt. Sag a(fo nic^td mel^r im Sege liege, fonbem aüe^ ge'^oben fei, toad mo« 
ttiert toorben, fo if! bod§ auc^ bieg ni^t alfo betoanbt, fonbem, gleic^toie er aUt% 
auf unfunbterte praesupposita gefegt, olfo ftnb i^m felbige mit gutem ^imb 
bergeftalt toiberlegt toorben, bog er nid^td bagegen ju replicieren getougt. ®o 
Jturmaina ingleiqen jU fagen, bamit @. Sbbn. nid^t ettoa tiermeinen, bag mir 
aemelbete j^ur fo fc^led^t erad^teten. ®o foU er brittend aud^ borgegeben fyi* 
ben, bag auf Befd^e^ene (Salculation man ad'^ie befunben, bag unfere Mittel 
2u einer faiferltd^en ^of^ltung unb unentbe^rlid^e spesa gar erftecflid^ fein 
follen, ba bod^ feine einaige Galculation basier borgegangen, unb und nid^t 
unbiUig fremb borfommen tofirbe, toenn eine« anbern Stwcs ober ^fii^ften Mi- 
nistro bon und begehren foUte, bag toir ibnen unfer (Sinfommen, i^inna^men 
unb ttudgaben eröffnen, ja too^^I ^ier felbft gar tuenigen bertrauen. ^^o^t 
Vit et fi(| aUed Ortd betoorben, fotd^ed au penetrieren. @d tfl it)m fein an< 
brer ^fd^ib getoorben, ald bag toir ein furfütfilic^e speea ju fiU)ren ber« 
mdd^ten. So Su auc^ gegen ^urmaina ober iemanbd ber Seinigen au ertoA^« 
nen, bamit S. Sbbn. nic^t bermetnen, man berfetbigen ober ben irrigen ber^al« 
ten, toad Oraf ^gon ol^ne l^ifficultöt toäre palefiert toorben. So toiU aud^ 
berkuttn, ald toäre feinem Vorgeben nat^ a^if^^<^ >^"^ ^^^ ^^^ ^audOefter^ 
tetd^ fd^In^te Gorref|)onbena, toeil er ftd^ bcrül^mt, tool^I au toiffen, tote ed atot> 



38 (S(. ^etbe, 

fett in allem unb jebem erfunben feien, ba§ berfdbc jluar oon 
^Jranffurt au§ unterm 31. Df tober ba§ ©rfud&en gefteöt \)abe, bic 
i^m auf ®runb bcr feinerjeit vorgelegten gtoei S)enffci^riftcn er* 
t^eitte furfürftlid^e Sntfcf)lieBung jurüdjunelimen unb eine güufti* 
gere ju fubftituieren, il|m jeboc^ bur^ ßanbfc^reiben üom 11. 9io- 
öember ber 93ef^eib jut^eil geworben , baß l^ieju ein Slntafe nit^t 
beftel^e. @g lag alfo Rar am S^age, ia^ man eS mit einer plan= 
mä§ig angelegten unb ftjftematifd^ burd^gefü^rten ÜRtjftififation ju 
tl^un'l^atte. SBenn man nadj ben 2Kotiüen ju berfelben forft^t, 
fo ttjirb man tüoi)i nic^t fo faft ju ber Slnna^me gelangen, al§ 
ob @raf @gon in t^örid^ter (äitelfeit \\6) für toenige SBoc^en mit 
bem aüenommee eines bebeutenben Diplomaten umgeben njollte, 
bem ber gro§e S33urf gelungen, an bem anberc i^re Äräfte um- 
fonft öerfuc^t Ratten, fonbern vielmehr in feinem SSorge^en einen 
üerjtoeifelten Schritt erfennen, um bie ba^rifd|e ^Regierung baburc^ 
bafe er i^r ben Ijaubgreiflid^en SSetoeiö lieferte, toie eine entfc^iebcn 
juftimmenbe Srflärung i^rerfeits fofort Äonfiftenj unb neue ®ipann^ 
fraft in bie anti*^ab§burgifd|e SBo^Ipartei brächte, unb inbcm er 
ben Äurfürften gleic^fam üor eine DoHenbete 2:^atfad^e ftellte, in 
lefeter ©tunbe nod^ jum Sinlenfcn in bie ^olitif ber franjöfift^^ 
r^einifc^en SBerbflnbeten ju t?ermögen. SBenn man aber nun fie^t, 
wie i^m feine ©pefulation fetbft im eigenen Säger nid^t ben ge^ 
ringften SSortljeit einträgt, inbem bie Äurfürften bon äWainj unb 
Srier, auf welche bie iltixape eigentlich gemünjt mar, fid^ unbe- 
irrt bie gi^ci^^it i^reä SSotumg wahren unb fid^ gu feiner Ver- 
pflichtung gegen S3ai)ern üerfte^en Woßen; ttjenn man ftc^ ferner 
üor Slugen ^ält, Wie unflar, wie wenig bered^net fid^ bag ^anjc 
Vorgehen ®raf SgonS angefid^ts ber erprobt lonfequenten, gielbe* 
wußten ©taatsfunft beS ®rafen Surj barfteUt ; Wenn man enblid^ 
erfährt, bafe jener, über feine ^anblungS weife gur SRed^enft^aft gc^ 
jogen, nid^t einmal ben Serfuc^ mad^t, berfelben ftaatMännifc^c 
SÄotioe unterjulegen, aud^ fic^ feine§weg§ iaixi bequemt, für fein 
üor bem gorum biplomatifcf|er ©ewo^n^eiten nic^t gerabe olg öer- 
werflid^ unb unef)ren^aft gu era^tenbeä Oebabren um Snbemnität 
na(^gufuc^cn, fonbern fi^ einfa^ aufS Säugnen berlegt, ben 6nt- 
rüfteten fpielt unb fi(^ über ba§ i^m bur^ fold^e SSerbäc^tigun- 
gen anget^ane Unred^t befd^wert ', fo wirb man in bem fölnifc^cn 

fd^en uns fiänbe. ©teid^tote aBer barin !eine ^topofition geißelten toorben, 
alfo fjai er t)on unl ntd^ts bernel^men fönnen, aU toad er if^m ettoan felbften 
einflebllbet*. 

' 3n einem red^tfcrtigenben ©d^reiben 0raf @öon8 an ben (trafen Aura 
l^eigt ed u. a.: »Ser allma(|ttge (S^ott mö^e mir auc^ bie ®mht berleil^, bai 
an h^n Sag fomme, tocr ober toetd^er berjenifle ©efett ift, fo ©r. ^fl, a)rl. in 
SBaijern ober aber i^tü. G^c. unb Sbbn. biefen unber!^offten ^erid^t ^ti^n 1^« 
ben maa, aU toenn id^ bei meiner 3urüdfunft bon Tlnn^n auf ^nffutt 
eins unb anberg fpargiert, fo 6r. 2)rl. au einigem risentimento Urfad^ ge« 
%thtn. Xag enblid) einmal biefe falfd^en I3eut' i$ren berbienten So^n emman» 
gen!' 3)er !ölnifc|e Oberff^ofmeiftcr tou^k inbcffen nur ^u gut, toer feine 



Sie SBa^l 2iopoVtA I. .aum t5mifd§en J?5itiQ. 89 

C6erft^ofmdfter nic^t nur einen unglücflid^ unb ^öd^ft ungef^icft 
operierenben Diplomaten, fonbem üüv allem einen ungeh^ö^iüic^ 
nicbrigcn ß^arafter erlennen unb i^m ben ßoI|n rebli^ gönnen, 
ber na^ SBIoglegung feined 93etrugd uon aUen leiten üuer i^n 
^ereinbrad^. ©o äußerte ber Äurfürft üon 3)?ainj gegen Cejle: 
bie @rafen ßgon unb Sßil^elm Ratten eben gerne üiel ju fc^affen ; 
man laffe fie laufen unb t^un mad fie n^oQen ; er ^abt bem ®ra^ 
fen (Sgon nic^t ein SBort, gefd^n^eige ein me^rered in bem 3Sa^U 
unb iJricben^toerf, ja mit »bfid^t nic^t einmal einen ©ruß an @. 
ftp. 3)rl. aufgegeben, bamit berfelbe feinen Stnlag ^abe, iljn in 
feinen |)anbel ^ereinjujie^en, toie er auc^ nad^ beffen Sw^^'unft 
feinen ^uff^Iuß über feine S?errid|tung begehrt, oielme^r biefer 
aus eigenem antriebe i^m S3erid)t erftattet; er ffait fid^ gleid^ 
gebac^t, baß eS mit einer tpiOfä^rigen (Sntfc^Iießung ju Ti\xn(i)en 
nid^t fo fc^Ieunig bergegangen fein werbe; bie üon Defle feiner* 
}eit vorgetragenen ^ebenfen ^abe er bamald fd^on in ooUem äßaße 
aett?ürbigt, unb er bleibe no^ ber SWeiuung, baß biefclben ni(^t 
fo leicht gu begeben feien, toielooljl er im übrigen ®r. Äfl. 3)rl. 
unb beren §auS bie faiferlidie SBürbe üon ^erjen gegönnt ^ättc. 
SBoincburg triumpffiertc fc^abenfro^, nunmehr fei bo^ er nic^t ah 
lein in SÄünc^en mit einer langen 9?afe abgewiefen toorben , fon= 
bem ^abc je^t ®efettfd^aft befommen. 93efonberi8 empört jeiatc 
fic^ ber Rurfürft üon Irier; berfelbe ließ bem ©rafen Sgon fa= 
gen, baß er mit i^m »eitert »eber forrefponbieren nod^ nego= 
eueren fönnc unb üon feinen Delationen unb ^Imputationen unbe:^ 
^ettigt ju bleiben tt?finf(^e. ®egen ben ®rafen fiurj ^atte fid^ 
ber ifölnif(^e Dberft^ofmeifter üor feiner Slbreife üon a)iünd)en er- 
boten, i^m toöc^entticbe SBerid^te üon granffurt auö ju fd^icfen: 
Cejie erlieft nun ben Vluftraa, bemfelben ju bebeuten, baß erfidg 
bcrent^alben nic^t ju bemühen brauche; bem ®rafen SßJil^elm 
aber, ber fid^ nac^ ©eibelberg begeben um bie Differenjen jtoi« 
fc^en Sägern unb ^falj beilegen ju Reifen, l^atte fein 93ruber 
ßermann, ber furba^rif(|e ^ßrinjipalgefanbte am S33a^Itag, in of» 
pjieUer gomi ju erflären, baß er feinem $errn einen ©efaCen 
t^äte, »enn er fic^ mit bergleic^en Äommiffionen ni^t unerfu^tcr 
SBeife belabe. 

Dbtoo^I ba» giai^fo beS ®rafen Sgon eflatant toar, fd^eint 
e§ bo^ auf bie (Stimmung ber franiöjifd)en ©efanbtfc^aftsfreifc 
ju granffurt o^ne nachhaltige SBirfuna geblieben ju fein. SBenn 
man bort immer noc^ nid^t bie Hoffnung aufgab, mit Satjem 
gum Qxdt gu fommen, fo mag bai^ too^t ^auptfäd^Iid^ auf 9{ec^« 
nung ber juüerftc^tli^en JBerid^te ber Surfürftin 8[bel^eib ju 
feftcn fein, tt^elc^c i^ren SBeg über 2;urin nac^ ^ari» unb öon 

Sttheifitten fo toitffam butd^freuat l^aite , unb eS toutben au^ in bex |(oIge 
atoifd^en il^m unb Oe^Ie ein poat SBctefe mit alten unb neuen (^egenfeittgen 
SLi^gen getoed^fett 



40 &. ^txbt, 

ia wad) ber beutfd)eii SBa^Iftabt ju nehmen pflegten, unb üon 
bencn noc^ ber t)om 11. S)cjcmber batiertc mclbcte, bic Singe 
ftänben aitdgejeid}net , unb man bürfe emarten, bag aüt^ gum 
SRu^me beä furfürftlic^cn ßaufc^ enben merbe. 

S33ic )ef)x bie fturfürftin mit einer fo fanguinifc^en Äuffaf^^ 
fung ber Sachlage fid) felbft unb anbere tQufd;te, ge^t genugfam 
an^ ber einzigen £()atfQc^e ^erüor, ba| gerabe im 2)egember bie 
delegierten Sa^ernä unb Defterrcid^g, ber Sriegg* unb Sfammcr^ 
ratl^ STeipnger unb ber ^offriegörat^ gr^r. üon ^ßurd^er bc=^ 
tjufs geftfeftung ber Stipulationen beö j^ifc^en beibcn SDMc^ten 
ju errid^tenben SlffefuranjrecefjeÄ in SBalbmünd^en fonferiertcn, 
ttjclc^' Ic^terer benn auc^ unterm 12. Januar 1658 öftcrrcii^i* 
fc^erfeitd üoDjogen »urbe^ 2)a aber ia^ ®e^eimni8 bicfer 
SSerl^anblungen na^ ouBen ftrengften^ gcmaj^rt blieb, fo ftanb 
baS üon ber Äurfürftin infpirierte Sluölanb in $infi(^t ber hat)^ 
rifdjen SBa^IpoUtif immer noc^ üor einem Slrt Problem, ba 
man fic^ namentlich in granfreid^ unter bem (Sinbrucf ber ?ßri* 
t}atberid)te Äbel^eibenS unb Sltto ÜJJelaniS* nid^t entfi^Iiefeen 
fonnte, bie offizielle Serbcf^eibung ber maiujifd^en unb fölnif(|cn 
Unter^anbler aU eine üerläfelidie unb entf^eibenbe fiunbgebung 
bejüglidi ber ^attung be« Äurfürften in ber SBa^lfrage anguer* 
fennen. Um biefem leibigen ^i^fto^^^ ber Ungettji^^eit , ber jebc 
tl^atfräftige Slftion unmöglid^ machte, ein @nbe ju bereiten, bc* 
fd^Iog nun ber ^erjog üon ®ramont fid) in ^erfon an ben batf^ 
rifc^en $of ju ücrfügen unb bort in ber präcifeften ^Jorm ba« 
'vult aut non vult' ju erholen. 3n aller ©tille traf er Ijieju 
feine Vorbereitungen ; afö er im S)egember mit einem ®efoIgc t)on 
f ünf jig ?ßerf onen au§ granff urt ging, glaubte man bort, eS gelte 
einem 93efud| beim Sfurfürften in ^eibelberg. Srft üon bort^er 

* 3ti bcmfcIBen «Bietet ftd^ ©e. Ägl. SWai., „tn gcBül^nbct dFrfenntnt^ 
bet Don @r. ^fl. ^tl. conteftierten Streue unb Q^o^Imetnung biejelbe gegen aUe 
biejeiiigen, toeld^e fic beffen cntQcltcn loffen tooUten, bon nun an ju gatantieten 
unb 3U befd^ü^en\ 3^ et SBerttag, toeld^er ben Jlutftaat im oHgemetnen gegen 
jebr fiembe Sexgetaaltigung {d^ü|en foQte, ettoö'^nt fpecteU bie feinbfeligen 
^bfid^ten beS ^fal^grafen , bem man bamaü nid^td guted auttaute , unb boit 
beffen Subfibien man an Dielen Dtten glaubte, bag fie beftimmt toäten, t^m 
einen ihieg mit Sai)etn ju etmöglid^en ; gegen biefen ift ©. Ägl. Tia}. etbötig, 
^a^etn ^u affifiieten toie e3 bet Statut unb bie 92otl^butft etfotbett unb nad^ 
3. ^fl. ^tl. (Jtmeffen . fütd etflc abet mit minbeflcnS 7000 aWann au gfu§ 
5000 IReitetn. ®e^. Scteinb. 3nfttum. D. 12. 3an. 1658. ©L %. 

^ ^ag aud^ beffen ^etid^te nut günftig lauteten, ge:^t füt mtd^ aud atoet 
Zfyii^aä^en $üt Genüge l^etDot; einmal t^eilte ^Ibell^eib il)tet !Dluttet ^rifttne 
untetm 6. 9^oD. mit, bag $(ito i^t feine ^nttoottfd^xeiben an ben A5ntg dot« 
gelegt l^aBe; bann fanb fid^ eine SRanbbemetfung Don bet ^anb bed d^tafen 
äuta bet ©teHc eiited S3eti(^t§ Ocxlcä beigefügt, tootin et melbet, baj ®taf 
(?gon in !I72ünd^en ben etften il)m ett^ilten i8efd^eib autüdfgegeben unb 
bann im 5Betlaufe toeitetct ^et^anblungen hit gelegten SBebenfen aufd etfotg* 
tei(^^fle a^i^ftteut l^aben koill, unb toeld^e lautet: „iin ^tto t^ai^ aud^ fo ge* 



er^ett man Stad^ri^t, bag ber $erjog nad^ äRünd^ gel^e. ^fitte 
berfelbe nur eine Sl^nung gehabt, bajs bamold nid^t allein %ntt, 
fonbern fetbft SKaing fid^ bereite für bic SBa^I beö Jtönig» üon fflö^* 
men erflärt Ratten, tuürbe er biefe ^al^rt getüig nic^t nntemontmen 
^aben, über beren ®rgebni8 er fic^ o^ne^in feinen übcrfc^n?äng* 
liefen Hoffnungen l^ngab. @r fomme, nid^t um gu Überreben, 
fonbern nur um ÄufHörung ju erholten, äußerte er fic^ in äWfin* 
^en gegen ben ®rafen ^rg, bot aber boc^ mel^rere Sage ^in^ 
burc^ feine gange SBerebfamfeit auf, um ben ffiurfürften gu einer 
toillfa^rigen Sutfc^üe^ung gu belegen; enblii^ machte ®raf fturg 
bem ^offenfpiel baburc^ ein iSnbe, ba§ er bem C)ergog runb»eg 
erflärte, granfreicft ^abe auf ein Singe^en ^a\:ituii in feine Äb^ 
fiepten unter feiner ^ebingung gu rechnen, ^ad n7irfte. Dl^ne 
fic^ lange Dom ^ofe gu üerabfd^ieben , brad^ er f(^Ieunigft üon 
SRünc^en auf, „toobei er .mit 5^uer unb ©c^tt^ert bro^te", wie 
einige toiffen tooBten, na^ ben Angaben feiner aWemoiren ba*' 
qegen, inbem er eine bcmonftratioe ©elaffen^eit unb toirflic^e ©e:» 
Iriebigung über ba8 (Srgebni^ feiner Snteröention gur ©c^au trug, 
ba man nun toiffe, woran man fei; „ber Äurfurft üon Sägern", 
fpottete er bamals in etwaö erfünfteltem ®Ieid^mut^, m gehört iiit^t 
gu benen, bie über ber $aft, auf einen Äaifertbron gu fommen, 
fi^ ben ^al8 bred^en" \ 

' (Btamoitt i^It in feinen Tltmoxxm SBb. II mit, bog et hamal% 
ben Ihitfürfien anä^ hatton untexrid^tet, toie fein (^fanbtet Dr. Oe^te in ^tanf« 
fuxt m geoen jeben, bet ti ^bxm tooUe, t)emel^men laffe, ex toütbe; felbfl 
toettn aUe jnitfütften ei'nnifit^tg feinem ^errn bie i^rone auffegten , benfelben 
fo longe f^ütteln , bid i^m bie ihone totebet ^runtetfaHe , unb ba% ber Ihix« 
füxfi ftd^ baxtjbex fe|x aufgebxad^t gezeigt unb exfldxt l^obe, ex toexbe ben Dr. 
Cerle auf bex @telle abbexufen unb jux 9)exantn)oxtun^ jiel^n laffen. Ob* 
tDotl biefe d^axaÜextftifd^e ^eugexung, bie feitbem un^d^Itge ^ole xepxobuciexi 
tDuxbe, gaitj bad @e))xäge bed btefem Oxiginal bon einem ©toat^mann eigenen 
bexben $retmut^3 unb bex t)on il^m beliebten bxafiifc^en ^udbxudinieife txägt, 
fo mdc^te id^ bod^ gegen bie ^utl^nticiiät bexfelben ernftlid^e 3to(if't exl^eben. 
I^enn einmal ))exblieb Dr. <Oe;Ie nac^ n)ie tiox unbel^Qigt auf feinem ^ofien; 
and^ exgeBen bie ^ften beS @(e^. Staotöaxd^it)^ ju 9)2ünd§en nid^t ben gexing« 
fien Slnlültg^unft bafüx, bog ex übex bie i^m imputiexte ^eugexung jux ^ed^en« 
fd^ft gebogen touxbe. gfexnex ifl S^atfad^e, bog fic^ Oerle nad^ 9(udtoetd 
feiner nummexnxeid^en i^axxef^onbenj mit bem (5)xafenJhtx3 in getoiffen^afieftex 
9(uffaffung bex il^m auget^ilten Aufgabe nux baxauf befd^x&nfte, exl^altene SBe« 
fe^^ auS^ufül^n unb fibex bie SDorgftnge am Sßa^loxt ^exid^t au exftatten, 
fi(| obex niemals toexmag, fein |)exfönlt^ed Uxt^eil übex bie ^altung feinet 
itttxfüxflen in bex äBal^lfxage au9auft>xed§en obex gax ^olitil auf eigene gfauft 
au txeiben; bag ex in aQen $]^afen beS SBal^lmexfd fkiä auf baS foxxettefie 
ben €tanbpunft feinex Stegiexung t>extxat unb mit nid^t gexingexem Gifex feinex» 
aeit bie Untex^nblungen mit ^aina beaüglid^ bex ^nnal^me bex Axone buxd^ 
$a^exii exöffnete, ald ex jp&tex, ben ex^Itenen 3Beifungen aufolge, mit ben 
oflexxetc^tfd^en ^boQmftd^tigten @d§ultex an Sd^ultex ging; tUn biefe (Sx» 
tDÖgungen, toie nid^t toenigex feine an bielen aut^entifd^en Stellen be» 
glanbigte bebote ^gebenl^it in ben 3BtIIen bed ^xfüxflen, machen abex bie i^m 
— foxmeU aUexbingd gefd^idt — in ben ^unb gelegte xef^elttoibxi^e Sleu* 
fiexung fo un&jo'^dgeinlid^, bag man baxtn laum ettoad anbexeS al3 etne bbS« 



42 (». ^tibt, 

?ltö bcr ^crjog lütcber in g^anffurt avlam, ßottc man bort 
f^on Äcnntnig, bafe fid^ qu^ Der Äurfürft üon SWainj in aDcr 
JJorm für bie SBa^t be§ ftönigS Don Sö^men erÖört. ©c^on 
6nbe Cftober ijatk jener ju ben 'öfterreic^ifc^en SBa^ttagSgc* 
fanbten geäußert, h)enn man njoUe, bag ein ®Heb i^re§ ^aufeS 
getDä{)It tDcrbe, fo fei e§ unerläglid^, bie ^riebenö^anblung jmifc^en 
Spanien nnb granfreic^ nod^ Dor ber 3Bat|l Dorjune^men, ha 
fonft ba§ SWeidi nnfe^Ibar Dor einem neuen fc^tt?eren Jtriegc fte^cn 
tDürbe; er t^eilte i^nen ferner mit, ba§ er ben ©rafen ^enne^ 
ranba (fpanifd^en SBa^ItagSgefanbten , ber aber ftatt nad^ ^xanU 
fürt feinen 2Beg nacf| 5ßrag genommen l^attc unb bort am 17. 
Dftober eingetroffen njar) bur$ Schreiben Dom 20. Cftober ein« 
gelaben tjabe, am 3Ba^Iort behufs Sinleitung be§ griebenSmerfeS 
gu erf cfeeinen ; f aßg fid^ bcrfelbe binnen brei äßod^en nic^t cinf änbe, 
fo würben granfreid^ unb bie ©täube beöSReicfieg bered^tigt fein, 
©panien Dor ber ganjen S33e(t ju befd^ulbigen , bafe eS ben g^ic^ 
ben nid^t toolle; toenn fic^ Ijingegen ©panien in bie gemünf^ten 
Unter^aiiblungen einlaffe, unb ^^ranfreid^ bagegen jeigc, ba§ e§ 
i^m bamit nic^t red^t ernft fei , fo tüerbc man atebalb jur äöa^I 
(freiten, unb nid^t aßein ben Sönig in Ungarn iDäl^Ien Reifen, 
bnbern aud& gu biefem unb ju ©panien J^alten. S)ie öftcrreic^ii 
c^en ©efanbten Ijielten eg nun felbft für i^re tßflic^t, bem fiönig 
ßeopofb nal^ejulegen , i>a% er $ßenneranba jur Steife nad^ fjranl* 
fürt Deranlaffe. »Hein biefer berief fid& auf feine Snftruftionen, 
bie begüglid^ ber projezierten Unter^anbfungen nic^tö enthielten, 
unb blieb in 5ßrag. ®ie ©efa^ren, toeld^e man bort Don ber 
renitenten ^altung be3 fpanifc^en ®efanbten befür^tete, blieben 
inbeffen glen^mo^I an^; ber Sturfürft Don SWainj, ftatt, toie er 
öfters gebro^t, mit Defterreid^ ju bred^en, fe^rte eine immer Der= 
fö^nlid^ere ©efinnun^ l^erDor. „®a8 ^ßoenitere fallet öögemad^ 
an JU fommen", berii^tet Defle, ber bamate Diel mit Soineburg 
Derfe^rte, unterm 20. SRoDbr. an ®raf Äurj; „toann man nur 

totdtge SBetleutnbung ^u erblitfen l^aben bürfte. iBermutl^(id§ ifl mit biefer 
SlngeleQen'^eit bie Stelle eined au^ bet ^^it gegen baS ^be beS äBa^UagS 

iief^tiebenen SBriefed bed Dr. De^Ie an btn ®tafen ^ura in Skrbinbung ^u 
efeen, tootin erflerer feinem Sngrimm gegen ben ber ba^rtfd^en SBal^lgefanbt« 
fdQaft attad^ietten ^oftat^ dtoutenftein , ber Diel bei ber franaöftfd^en (SefanM* 
fd^aft tierfel^te, in ben aUerbing^ jiemlid^ groben SBorten Suft maä^t, et 
l^offe nun bolb ^elegen^tt ju l^oben, ben IRauienftein au aüc^tigen, toxt eri 
bctbient; nur bie e^rfurd^t gegen bie ^ßerfon be^ Äurfürflen, bcffcn ©e« 
fonbtet jener fei, l^obe i^n bid^er ab^el^alten, bemfelben einmal eine auf§ 
Tlanl au geben, ba% i!^m bie 3A^ue m ben ^aU l^inabflopperten. SUIetn, 
tote gefogt, lägt ftd^ mit ©it^erl^cit in ben bon mir eingefe^enen umfanotfid^n 
Elften bed Tl. ^tM, nid^t eine einaige 9lotia, toeld^e auf bie{eS rl^etotifd^e is^t- 
litt $eaug f)ätte, nad^toeifen; nid§t minber bemerfenStoertl^ ifl, bag aud^ niti^t 
nur bie im VIIl. »b. b. Urf. u. mi u. f. to. feit furaem öeröffcntlid^te Äor« 
tef))onbena ber branbenburgifd^en SBal^ltagSgefanbten , fonbem ebenfo bie bot 
ben Snemoiren ®ramontS erfc^ienenen Srucfe, tueld^e bom SDal^Itag 1657—58 
^nbeln, übet ba3 l^iet bef))tod^ene SSotlommntI» ntd^tS entl^alten. 



^ie Mdf^l 8eo|)olb3 I. 3um tömtfii^en jtdtttg. 48 

bte (Safaque mit guter äRanier changieren fdnnte! 3c6 foD bte 
üerfc^nittene ^app' and) Reifen juredjt bringen!" Unb fd^on am 
27. 2)ejbr. fonnte ber Stcic^^mcrfanjler feinem ©ruber, bem bo^* 
rif(^en Dberft^ofmeifter , mittfieilcn: „SWainj f)at un« burc^ ben 
®rafen Cettingen gemaltige ©ac^en üerfpred^en laffen ; e« ift nun 
auc^ bei i^m rein Qtoti^d** ! * 

SKit ^öln gin^ ed nic^t anberS. ®raf @gon flof^fte fc^on 
im 92oüember brieflich in 5ßrag an. (Sine ^ßrooe, toie ^oc^ er 
felbft feinen ©nflufe bei bem fturfürften, ben er aßerbing» ööüig 
be^errfc^te, anfd^Iug, bitben bie bamald genannten Sebingungen, 
um bie er feine ^arteigängerfc^aft anbot: SJerteifinng ber burd^ 
^erfonoI'Union bereinigten gefürfteten Abteien SU^urbac^ unb fiü« 
bcr3 im eifag , bann ber CoabjutorfteQe ju Strasburg unb eine 
S)otation üon 100000 gi. \ 68 ift nidft erfic^tlic^, meldte «uf* 
na^me biefe ma|Iofen gorberungen am föniglid|en ^ofe gefunben 
^aben; nur foüiel ftel^t feft, bafe ®raf ®gon noc^ »ä^renb ber 
SBa^Iüer^anblungen im Sa^rc 1658 bie gefürftete «btei ©tablo 
übertragen erhielt. 9?ad^bem aber bie Sntertoention be« ^erjog« 
üon ®ramont in SWünc^en gefdjeitert unb in granffurt befannt 
getüorben, ba^ ftc§ nun auc^ ber Äurffirft öon SRainj für bie 
x&af)l ^anig fieopolbd erf(ärt, ^ielt ed aud^ ®raf @gon an ber 
3eit xa^d) einjulenfen, um fic^ nic^t üon ben (Sreigniffen über^ 
^olen ju laffen. Unterm 22. Sanuar nimmt er üom ba^rif^en 
Oberft^ofmeifter förmlich «bfcbicb ; „@e. eEC.\ ft^reibter, „fönne 
fic^ öerfid^ert l^alten, ba§ er feinegt^eil^ nie anberc ®eban!en gc* 
^abt unb nod^ ^abe, ate ©e. 3)rl. in SBaijern ttjie au^ be» ge^ 
meinen SBefen^ Sefte ju beförbern; er bebaure nur, ba§ burc^ 
böfer, falfc^er fieute SBerid^t aUeS ju be8 SSaterlanbeS Unbienften 
unb i^reg eigenen §erm l^öd^ftem ^räjubij bergeftalt ^intertrie» 

^ ^ti fßt^na barauf l^igt eS in einem ^anbfd^reiben Stbnia 2topoM 
an ben Bo^t. Stnipixfitn gleichen S^atumS: »©efletn ift mein ®e]^. Äotl^ dJrof 
Detttngen oll^iet anqefommen, unb i)at ratione bet fß^af)! fotd^e SBetftd^etung 
gebraut, ba| be4 ^nt. Jhirfürften a» ^aina Siebben nunmef^t tefolbiett toA» 
ten, mit ^tntanfe^ung anbetet 9legotien au betfelben au fd^teiten, unb toetbe 
aOetfeit^ füt l^öd^ft not^toenbig gel^alten, bag id^ mtd^ allfogleid^ auf bie Steife 
ht^tben unb betgeftalt Befötbetn foHte, bag id^ mid^ fogat auf ben l^alSen Sa- 
nuat au gftonffutt einfinben fönnte*. SlgL bamit Utf. unb 9lft. »b. VIII, 
8. 473, Canftein a. b. ihttf., 10. 3anuat: SBoinebuxg ^be gegen i^n gefius 
fiett, tote fein ^ett gefeiten , bag bte btei toeltlid^en ^tfütflen fid^ füt Oeflet^ 
tei4 fefl erfidtt litten, unb Itiet aud^ bal^in infliniette, fo l&ätte i^nen biefeS 
billig ttrfac^' gegeben, ftd^ allein ben ^i unb SBibettoillen nid^t aufauloben. 

• S^et Äeidbdt)ice?analet an ®taf ?Ul. Äuta, ^tag, 11. «Rob.: „aOßod baS 
fttt ein SBettlet tfl! 8fibet3, SRutbad^, ©ttafebutg, 100000 fl. baaul dtp 
gefletn befornm* i^ biefe§ Sd^teiben bom (Utafen bon Sfütftenbetg, per 11 
Benrizii fattil* Oejle nennt ben (S^tafen (Sgon mit Sotliebe corregens elec- 
toralis Coloniensis, unb in einem @d^teiben bed etfleten toom 14. D!t. l^igt 
cä tt. a., ,bQ§ ed toelt!unbig fei unb man l^in unb toiebet öffentlid^ gar 
fd^imt^piid^ babon tebe, toie ber (Btaf feinen ^ertn totaliter et magistraliter 
gubetniete*. 



44 &. $etbe, 

bcn toorben*". SJicr Sage barauf rid^tct er bann ein mit (Sr* 
gcbcn^eit«^ imb greunbf^aftstjcrfid^erungen h?ol^I gcfpitftcS ©c^rei* 
ben an ben SRcidigülccfanjIer; er ijabe, tjtx^t e§ barin, aleic^ an= 
fangä feinen §errn, ben finrfürften, baju belogen, bap er feine 
SQ3o|lgeneigt{|eit für ba§ ^an§^ Defterreid^ on ben 2;ag lege ; man 
möge e§ i^iien nid)t üerbenfen, ipenn fic^ eine 3^it tätig gegen 
bie 3Saijl be« fiönigö üon 93ö^men mannigfa^e ©d^toierigreiteti 
erhoben; n;enn man bie SRat^fd^Iä^e allerfeits j(ufammentragen 
ȟrbe, fo liegen fic^ f^on SWittel fmben, jene SBebenfen gn bc= 
feitigen, tt?ie benn and^ einige bereits gehoben mären, bie übrigen 
aber burd^ bie 93eförberung be« grieben« jwifc^en Spanien nnb 
fjranfreid^ tiöHig ai\^ bem SBeg geräumt ttjerben fönnten; er 
t|offe, ba§ ©e. iJbben f|iegu nac^Äräften mitiüirfen unb „babur(!^ 
eine ein^eOig' SBa^I anf ©r. Ägt. SKaj. ?ßcrfon mit äp»)Iaubiffc* 
ment aller Äönig' unb Potentaten beförbern nnb alle beforgenben 
Trennungen nni SBeiterungen üer^üten Reifen". 

Irler ^atte ni^t blofi lange Dor 2»ainj unb fiöln bem Äö- 
nig ßeopolb feine Stimme üerfpro^en, fonbern toar überhaupt 
qanj jur öfterreid^ifd^en ?ßartei übergegangen. Am 22. Dftober 
fc^on fonnte ber 9Jeid^Süicefanjler an feinen SJruber nad^ SWfin* 
c^en melben, bafe man mit Srier toie mit ©ad^fen 'di concerto' 
e^e. Äarl Äafpar üon ber ßeljen ^atte fid^ alfo tl^atfäd&Uc^ 
i^on üon ber Äärlid^fd^en Vereinbarung loSgefagt, aU er fic^ 
mit berfelben gegen bie 3"niut^ung be§ ®rafen Sgon, fic^ für 
bie SBa^I beS ba^rifc^en Surfürften ju erffären, ju beden fui^te. 
S)iefe Union üon ftärlid^ nal^m überhaupt ein Snbe o^ne ©ang 
unb Älang, atö äRaiuj fotoo^t tt)ie Söln, jebeS für fid^ unb o^ne 
SRüdfic^t auf jene« Uebereinfommen, fic^ mit Defterreic^ über bie 
Saiferttja^l üerftänbigte. 

©0 Ratten fid^ bann mit Seginn beg Sa^re« 1658 fämtli^c 
SBa^Iftimmen — üieHeid^t mit ber einjigen Ausnahme ber pfät 
jifd^en — auf bie 5ßerfon Äönig SeopolbS bereinigt. S)aö er= 
gebniS ber neunmonatlid^en ^räliminarüerl)anblungen mar, ba§ 
e« bei bem überlieferten SBa^Imobu« blieb; bie öfterreic^ifc^e 
'"egemonie im JReid^e, fo gefd^tüäd^t fie an^ bem SBeftfälifd^en 
neben l^erüorgegangen tt?ar, l^atte fid^ aud^ burd^ biefe Ärife 

* @raf Stux^ cttoicbcttc barouf unterm SOSanuat, er f^aibt erfe^n, bog 
(Sraf %on auf ber SWeinunci bcl^orre, €e. Äft. Tri. toerbe nod§ bereuen, 
büß bie 3ntentionen StbM nit|t mit fold^em (Jifer ^icr to&rcn untcrflütt toor* 
ben, aU bic3 bcd ^ur^au'eS unb bed ßemeincn aBefenä 3ntcrreffe erforberle ; er 
tooHe auf fold^e $^rafcn gar nit^t mel^r anttoortcn, ,unb l^offc id^ ju ®ott*, 
f^ticfet er, ^bie Seit toirb QcBcn, tüie too^I Sc. Stfl. S^rl. mein gnbft. ©crr 
oet^on, ba6 fie bie consilia, fo ftc dato Qcfül)rt, nod§ behaupten, bie Der^ofr 
fentlid^ bem gemeinen* unb ^rit)at=aOöcfen toot)l jU guter ©tatt lommcn tocrben*. 

* Ter 9Ranuols?lft Oc^leS enthält einen Seltel mit ber «luff^rift No- 
tanda ex litteris Anetbani unb bem Tatum bed 5. @eptbr. , Vorauf u. a. 
bie !Roti3 ^n lefen: „Tie bornel^mfte @org' unb ^bfe'^en fei anje^o ba^n ge« 
Ttd^tet, toie man p^ je^t )u ber anbern $artei f dalagen m5ge'. 



s 



tnt 9Ba!^t Seopolbd I. )ttm t5mifd^n lt5mg. 45 

fiegl^aft UlfavOfttt @o ^artnädtg aud^ fjr^anlreid^ frine Op|)oft« 
tion gegen ben ^ortbeftanb bed l^ab^butgifc^en 3nt^eriuind burd^« 
führte, bie Unentfc^Ioffen^eit ber mit i^m ft;mt>at^iftereuben äBal^i« 
mäd^te unb bie Qtx^af)xtnt)t\i i^rer ISeftrebungen ^ätte i^m frü^ 
genug ein t^ingerjeig fein lönnen, bag mit fo fc^n^oc^en ßxäften 
eine Umtt^äljung ber burc^ bie @ef^id^te jmeier 3a^r^unberte 
gefefteten Drbnung ber 3)inge im SReic^e nic^t burd^jufüljren fein 
toei^e. &^ toax ein bel^erjigeni^mert^ed, aber unter ben poIitifd|en 
SBirren beö »ergangenen ©ommerd nnge^ört üer^aUcnbeg SBort, 
mit bem Soineburg feine bamalS befannt geu^orbene 2)iatribe 
f(^Io§: Bes omnis ad unicum Leopoldum, Uungariae Regem, 
redibit. 9in6) Maiaxin belannte fpöter felbft, ba| bie 3bee, baiS 
öfterreic^if^e ^aifert^um 5U [turgen , melc^ed überall im Sfieid^e 
fo tiefe SBurjeln gef^Iagen, — toenn man berücffid)tige , über 
iDie üiele äJättel biefei^ $and gebiete, um fic^ in biefer äSürbe 
ju behaupten, nad^ n^elc^er fonft nur ber einjige ^urfürft Don 
^atftm ftreben fönnte, beffen ©eneigt^eit ^iegu man aber ftart 
bejtoeifcin mu|te, — bafe biefe 3bee t?iel Äe^nlic^feit mit ber 
anbem ffobz, eine gro^e flotte mit jmei ober brei Brigantinen 
fc^Iagen ju tooOen^* ed reue i^n aber nid|td, f^rieb er an bie 
©efanbten, toa^ er für biefen Qtotd getrau ; benn menn man aud) 
m6)t jum QxtU gef ommen fei , fo würben bie aufaemenbeten J8e* 
mü^ungen boc^ n^enigftend fo t^iel eintragen, ba^ man für bie 
bur^ Defterreic^ begangenen Uebertretungen beg »eftfälifc^en 
(^riebenS entfprec^enbe ©enugt^uung unb erforberlic^e @ic^er^eit 
erhalte, bag berfelbe t)on bem fündigen j^aifer beoba^tet n^erbe. 
Sie toeitere, aber bereits in ber ©eneralinftruftion 00m Suli 
t7. 3^. entmidelte Sufgabe ber frangöfifdien S33a^Igefanbtfd^aft be^ 
fc^ränfte fic^ üon je^t an barauf, bie ?(ufna^me ber fd^ärfften 
SBeftimmungen in bie äEBa^IfapituIation burc^jufe^en, um ferneren 
3u»iber^anblungen gegen ben SDiünfterfdjen grieben einen Damm 
entgegenjufe|en , fott^ie bie ®rfinbung einer üiga gu beförbern, 
toelc^e bie Garantie für bie ^Beobachtung ber lt'a)7itu(ation gu 
übernehmen l^ätte. Wlii barauf bejüglic^en @peciaIinftruftionen 
üerfe^en ging ein ©efretär SÖfajarinö, Stouffereau, nod^ im 3ci* 
nuar 1658 nad^ ^ranffurt ab. 



Qu granffurt tpar ber SEßa^Itag am 5, SRoüember 1657 
burc^ ben ©rjfaujler be§ Sleic^eö eröffnet hjorben. Slfö in ber 
uoeiten-Sifeung (00m 7. SRoübr.) bie Vollmachten ber bö^mifd^en 
SBa^lStagSgefanbten jur Verlefung gelangen foUten, n^urbe biei^ 
mit ben ©timmen üon Srier, fiöln , $f al j unb aWainx al« unjus= 
laffig t}ermorfen. Die 97Jajorität ging babei üon ber Vlnfd^auung 

* Ch^rael, a. a. €. T. III, B^. t>, 27. San. 1658 an bie ®ef. 



46 ®. ^eibe, 

au§, bag ba§ ^erlommen bie bö^mifc^en SSSol^ItagSbeüoDmad^« 
ttgtcn üon ben Sonfultationcn bcS ÄoIIegiumö au«[c^Iic§e. Ucbcr« 
^aupt fo^ fic^ bic öfterrcid^ifdjc ?ßartci bei bem cntfd^Ioffcncn 
SJorgel^cn bcg mit bcm SRei^gbireftorium unb ber gübrung bcr 
©efdbäfte am SBa^Itag ücrfaffungggemäfe auögcftattctcn Äurfürftcn 
üon TOainj Dom 83cginn ber ©ij^ungcn an ju ohnmächtiger 5ßaf* 
fiüität üerurt^eilt. ®eraume Qe\i oor Sröffnung berfelbcn ^attc 
jWifc^cn Defterreic^ einerfeits unb ©ac^fen unb Satjcrn anberer* 
Ifeitd über bie mii^tigften 9Jorfragen bejüglic^ beiS SBa^toerfd ein 
SReinuiwSaugtaufc^ ftattgefunben^ Defterrei(| forberte, unb bic 
beiben ^a^Imäc^te ftimmten barm ju, bag bie 9{eic^Sbe)7utation 
nac^ einaetretcnem Snterregnum au^einanberguge^en l^abe, bafe 
bie am SBa^Iort antoefenben fremben ®efanbtfc^aftcn ben öeftim- 
mungen ber ®o(benen SuÜe gemä| auSjumeifen ober aber min* 
beftenä i^r ®efoIge ju rebucieren fei, enblic^ bafe bic franjöfif^ 
fpanif^e grieben^üermittUmg ju Dertoerfen fei, ba biefelbe fd^on 
au8 formellen Srtoägungen nid^t ernftlic^ in angriff genommen 
loerben lönne unb nur bagu biene, baS Interregnum gu üeriän* 
gern unb bei ber gune^menben Uneinigfeit unter ben ©täuben 
beö SReic^eö ernftlid^e ®efal^ren für bie mul^e unb ©ic^er^eit bcö* 
felben ^eraufgubef^mören. JBatjern fefete fie^ in ber golge aad) 
mit ©at^fen in SSerbinbung, unb beibe SWä^te befd^Ioffen burc^ 
ein an ben Srjfangfer gu erlaffenbeS SrinnerungSf^reiben traft 
ber i^nen alg SJüareu guftel^enben Sefugniffc auf SBeoba^tung 
ber burd^ bie gortbauer beS ffieputationötageö tt)ie burc^ bic An* 
wefen^eit üon gremben am SBa^Iort in JJrage geftcQten Widf^- 
gefe^e gu bringen • auc^ ber branbenburgtfc^e Äurfürft beabftc^* 
tigte fi^ biefem ^c^ritte angufc^Iiefeen , unb anbere SBa^Ifürften 
foBten gum ^Beitritt gu bi<fer Äunbgebung aufgeforbert »erben, 
ba fteHte Sägern burc^ ©(^reiben üom 11. Sanuar 1658 felbft 
ben äntrag: in anbetraft ber üeränberten Haltung beö 9}?ain- 
geri^ (ber fic^ eben bamalg für bie SBa^I be« Sönigg toon JBö^» 
men erflärt ö^tte) öon bem befc^Ioffenen ©rinncrungöfc^rciben 
Umgang gu nehmen. Äurmaing ^atte bagegen in allen bicfen 
rragen einen ber öfterreid^ifc^en Sluffaffuna entgegengefefeten 
itanbpunft eingenommen, nnb weigerte fidi entfd^ieben, ben ^e^u^ 
tationötag aufgulöfen, ber fic^ fc^on am 22. Suni in ^ßermaneng 
erflärt ^atte, unb beffen gortbauer namentlich au^ bie®arantie* 
mächte münfc^ten ; aßerbingS liefe fid^ bann baö maingifc^e S)ire!' 
torium boc^ ^i ber Conceffion ^erbei, bie 3)eputation ttjä^renb ber 
®auer beg SJa^ItagS gu feiner ©i|ung gu berufen, fo bafe ein 
I^eil ber deputierten, beS SBartenS mübe, fic^ fd^liepc^ na^ 
>aufe begab. SBag jebod^ bie ber SBerorbnung ber ®oIbenen 
lulle gutoiberlaufenbe Äntoefenl^eit ber fremben ®efanbtfd^aftcn 
am 838a:^torte betraf, fo red^tfcrtigte ^irmaing biefelbe burc^ bie 
ungctoö^nlid^e Sragloeitc bcr in ^ranffurt gu faffenben SBcfc^Iüffe, 
ücrn^al^rtc fi^ inbeffen felbft mit biefem 3"S^Pä"^J^^* f"^ *^^^ 



ifolgesdt ein ^räjiubi} gef^affen ju Babett. 9m aUertoentgften 
aber ließ \\6) SRaing öon feiner ureigenften Sbcc — bcr ^rieben«* 
öerraittüing — obbringen. Sereitg in ber britten ©ifeung (oom 
12. 9{ot7einber) brad^te ed biefelbe üor bad Kollegium. Sluf bad 
einbringli^fte fc^ilberten bamald bie trierifc^en unb fölnifc^en 
SeDoQmäc^tigten ben @cl^aben, n^eld^er ben beiben Srgftiften burc^ 
bie forttoä^renben 3;ru|?penburd)jüge, Einquartierungen unb fton» 
tributionen ertoüc^fe, unter toeld^en in ben baüon betroffenen 
Sanbfd^aften ^anbel unb äBanbel auf bad empfinblic^fte litten unb 
jene faft entoölfert toürben. 3)er Antrag, bie grieben^üermittlung 
noc^ \)ox ber SBa^l üorgunelimen, n^urbe barauf mit ben Stimmen 
üon Irier, Äöln, 5ßfalj unb SJfainj gegen bie öon ©ae^fen unb 
^a\)exn jum iBef^tu^ txi)obtn; bie branbenburgifc^en @efanbten 
Ratten fic^ bei bicfer Äbftimmung auf 2)rängen üon SJiainj ber 
äRajorität angefc^Ioffen, »iberriefen aber in ber folgenben ©iftung 
i^r Ißotum unb tooüten erft Snftruftion einholen. Sricr iebüc$ 
unb mit einiger Sftefcrüc auc^ fiöln I^atten mit i^rem äJotum ju* 
gleich bie @rflärung abgegeben, baß ed bem JloUegium unbenom- 
men fein follc, im galle einer untoermuttjet langen S)auer ber auf 
bie Herbeiführung jeneö griebenö gerichteten SJer^anblungen no^ 
öor beren Stbfc^Iuß jur 2öa^l ju fc^reiten. 3n ber folgenben 
@i|ung üom 22. 9{ot)ember beantragte bann 9){ainj, bad Kollegium 
tootte an ben ju 5ßrag meilenben fpanifc^en SKai|ItagSgefanbten 
trafen ^enneranba ein ©efamtfc^reiben erlaffen unb benfelben 
ju balbigftem Srfc^einen am Si}ai)lort unb iljeilna^me an ber 
JriebenSljanblung aufforbcrn, toie er, ber Äurfürft, ein folc^eö in 
feinem 3?amen bereits unterm 20. Dftobcr an ben ®rafen ^abc 
obge^en laffen. 2)ic SSeüoQmäc^tigten ber meltlic^en Äurfürften 
erflärten barauf einmüt^ig, bafe fic in biefem ißunftc erft tt?eitere 
Snftruftionen einholen müßten*. 

enbe SRoocmber traf, üon ^rag fommenb, P. ©aria, Srg^ 
bifc^of t)on Zxanx, in granffurt ein unb überbrad^te bie äntmort 
bes ©rafen ^enncranba auf baS maingifd^c ©dljreiben üom 20. 
Dftober: ^enncranba bebauerte, feine loeiteren Vollmachten, ate jur 
Snterüention bei ber S33a^I, ju befi^en; e§ fei bei feinem Ab* 
fc^ieb Dom Äönig eine anbere Angelegenheit nid^t jur Sprache 
gefommen, unb er f enne baf)er bie Sntentionen feines ^errn bejüg* 
lic^ ber griebenSüermittlung mit granfreic^ nic^t. SS üerlautete 
bamate auc^, baß ®raf ?ßenneranba nid)t früher als einen lag 
öor Äöntg üeopolb üon ^rag gen granffurt aufbred^en tt?erbc. 
Unb wirflid^ mad^ten fi^, auf bie bringenbe Äufforberung üon 
SKainj ^in, am SBa^lorte ju erfc^einen, iSeopolb am 30. Sanuar 

* Sie SBetat^ngSgegenfiänbe ber bret folgenben Si^ungen t>om 29. 9lot)., 
10. IL 17. i)qbr. Bilbeten bie 9Ieftitution bed ^eraogg )7on Sotl^tingen unb 
Me i^onitoHetfe beaüglid^ bet olbenbutgifd^en üü\ bie 9Befevf(i^ifffa'^xt gelegten 
3&Qe. 



4S i». ^tiht, 

1658, ^cnncranba tag« juüor, auf bcn SEBcg tiac^ bcr SBa^lftabt. 
3tiif bie ftunbc üon bcr bcüorftc^enben ?ln!unft be« ftönigö öon 
SBö^men unb Ungarn ücrboppeltc bcr Äurfürft oon 3Rainj feine 
Semü^ungen bei gürft ßobfott?i^ unb Solmar, um burd^ bereu 
SBermittlung bie ^uftintmung unb ÜJiitmirfung i^re« Äönig« bei 
ber griebcn^^anblung ju gett?inncn. JBon Soincburg unb 8oI* 
mar erfuhr Dejle, ber S?urfürft beabfid^tige, bie fraujöfifc^cn Se* 
bingungen insgeheim bem ©rafen ?ßenneranba mitjut^eilcn, ber fte 
burc^ einen eigenen Äourier nac^ ©panien fc^irfen unb üom fiönig 
bie (Srflärung ermirfen folle, ob er biefetben annehme ober nid^t; 
in längftenö fec^« SBoc^en fönne man biefe erflärung in Rauben 
^aben; bcjiiglic^ ber SBebingungen erfuhr Dejle, ßromttjeU unb 
^ortugal foUten oom grieben auSgcfc^loffen ttjcrbcn; in Katalo- 
nien begef|re granfrei^ nichts alö ?ßerpignan; bageaen foüe in 
ber ®raffc^aft iRouffinon 9tofe§ unb ©alieö, in ben 9fiebcrlanben 
®ieben{)ofen, in Italien aJiailanb reftituiert, unb ber burgunbifc^e 
Ärei« in vorigen ©tanb gefteüt toerben ; bie franjöfifc^e Straten* 
tion enblic^ loegen ber ^eirat^ mit ber Snfantin foüe ceffiercn \ 
ajiit biefen JBorf^Iägen reiften fiobfonji^ unb JBoImar bem Äönig 
nac^ Slfd^affenburg entgegen ; biefer rief barauf ^enneranba, xotU 
d)er bereit« in ©eligenftabt angeJEommen toav, ju fic^ jurüd unb 
ma^te i^n mit ben ?ßropofitionen be« SRainjer« befannt. ^en- 
neranba erflärte fic^ enblid^ auf 3)rängen be« Äönig« gu bem, 
ttja« man üon i^m üerlangte, bereit, bod^ foBc baS SBa^huerf, 
baburc^ unbebinbert, feinen ttjciteren ©erlauf nehmen. Am 14. 
Wl&xi traf ^ßenneranba, am 19. König Seopolb in granffurt ein. 
S)ie ferneren SSerfianblungen führten nun aQmä^Iic^ ba^in, ba^ 
Äurmainj feinen bisher f^artnätfig feftge^altenen ©tanbpunft auf* 
gab. «m 12. «pril fonnte ®raf ^erm. gürftenbcrg nac^ SKün^ 
%en berichten , ba§ SWain j feine Slbfi^t , ben ^rieben oor bcr 
SBa^I JU oerfud^en, nunmehr beifeite gefegt unb fic^ mit Köln 
gur Äborbnung einer ®efanbtfd|aft nac^ granfrcic^ unb ©^)anien 
öerbunben ^abc, um bie ^uftiinmung beiber SRäc^te jur SJorna^me 
ber jjriebengtraftate auc^ nad^ ber SBa^I eiuju^olen *. Srier bt^ 
t^eiligte fic^, obtoo^I e« früher für ba« 3"ftonl>^fö^wicw ^^^ 
tjrieben« ba« leb^aftefte 3ntereffe befunbet l^atte, an ber S)elega- 
tion nic^t, ebenfowenig Saijern, beffen Slnfc^Iug an biefen Schritt 
ber nad^ ÜJiünc^en gefanbte maiujifc^e ©efretair Dr. fiinf ücrgc* 
ben« betrieb, ©efonber« brängte man aber fiönig ßeopolb, ba§ er 
ein ©cparatfc^reiben an ©panicn erlaffe- aücin berfelbe »oUte fi^ 
l^iergu nic^t üerfte^en ; bie öfterreic^ifc^en 9tät^e f firc^tcten, ha% totnn 



» Oeyte an (8tof Aura, 12.3näta; bgl. Utf. u. «ft, SBb.VIII, © 487. 

* SBclonntlid^ Batte gftanheid^ feine (^ntoiHigung au ber gfriebend^nb« 
Inng nur untre ber ^ebingung gegeben, bog biefetbe bor ber äßa^l borgenoms 
men toerben toürbe. Heber bie Dermutl^lid^ien ^ottt» biefer gforberung f. @. 23 
IHnin. 1. 



S^te fBkäfi Seopolbd I. aum tömifc^en itdnig. 49 

i^r fiönig toitfii^ ritt folc^ed ©c^rriben ergej^en laffe, Sturntotttj 
bann bie ^af)l unter aQerIri Sorn^änben ^inaudfd^ieben mürbe, 
bi§ k>on ®))anten eine tategortfc^e @ntfc^Iie§una }urfidgelangt 
todre'. Der 9iei4|Jöicefanjler erhärte au6) bem trafen gfirften* 
6erg mit bürren SBorten, ba% \old)e Sbeen toie bie einer grie* 
bendt^ermittlung unter ben gegentt^ärtioen SBer^ältniffen toeber für 
ba^ oQgenteine noc^ für bad priüate S3o^I unb am aDertpenigften 
für ben 3fricl>cn felbft erfpicllid^ frien. ©o Wieb t^ benn bei 
bem maim4ölnifd^en ©(^reiben, mit meld^em ftd^ Snfangd Sßai 
@raf SßU^dm ^ürftenberg nac^ bem franjöfifc^en $ofe auf ben 
SBeg machte; in SRain) f^Iog fi^ i^m 99Ium an. 

©0 ^atte man f ürd erfte oor bem ebenfo ungelegenen ald üor« 
audfic^tli(| unfruchtbaren äermittIungd))roieIt, auf bad ftc^ 3Rain} 
einmal faprijiiert, auf einige ^^it 9iube; bafür na^m nun bie 
üon fjfrantfurt aufgeworfene ©ati^faftiond- unb ©arantiefrage 
ben SBa^Itör^er unb bie übrigen bet^eiUgten SKäd^te au^fc^Iie^Iid^ 
in Snfpruc^. 

äJSenn SDtajarin mit ber il^m eigenen ©efd^meibigfeit fic^ 
über bie bisherigen äRigerfoIge feiner ^a^l^olitif leicht ^intt)eg:s 
fe|te, fo mag ba§ feine üolle Sled^tfertigun^ barin finben, ba^ er 
üon Dorn herein einer fold^en Süentualität tn l^oUem aRa|e 9ied^« 
nung getragen, unb atö ber eminent )7raftifc^e ^olitifer, ber er 
mar, [eine ^au|)taufgabe t)on Slnfang an barein gefegt batte, ben 
bamols in 2)eutfd^Ianb fid} t^oD^ietienben X^ronlüeclfei infofern 
für S^anfreic^ nu|bar ju machen, a(d Oefterretd^ ^enötl^igt mer« 
ben foQte, fein Sser^älttiii^ ju ©panien als geheimer SlUiierter 
beffelben aufzugeben , bie bemfelben jugefd^idten ^ilfdtrup)7en ßu^ 
rücfgurufen unb für bie 3u{unft bie i^m burd^ ben SSeftfälifdpen 
gricben üorgef^riebene Sieutraütät im franjöfif(|=f})anifc^en Äriege 
pemiffen^aft ju beobad^ten. @o befd^äftigte ficb au^ bie £orre^ 
fponben) bed ßarbinald bei n^dtem me^r mit oer SSßal^IIapituIa^ 
tion unb ber projelticrten ©arantieliga ate mit ber Äanbibaten* 
frage, unb ate bie lefetere um ben gfal^reStt^ec^fel 1657—58 ent* 
gegen ben SBünfc^en ^^ranfreid^iS i^re @rlebigung gefunben l^atte, 
loarf fidb äßagarin mit um fo größerer (Snergie auf bie 9}erfoIgung 
feinet ^'axüpiplan^. 

Die in ben 3anuar 1658 faDenbe ©enbuuQ SftouffereauiS 
nad) granffurt tourbe berriti^ ertoä^nt; rin Äouner toar bem* 
felben auf bem gufee gefolgt. Ueber bie Aufträge, toelc^e bribe 
an bie franjöfifc^e ®efanbtfd^aft überbrad^t l^aben mögen, gibt 
eine Unterrebung S(uffc^Iu§, toel^e £ionne am 29. 3^anuar mit 
bem trierft^en JBeöoHmäditigten l^atte *. Der franjöfifc^e ©efanbte 
eröffnete bemfelben, fein ßönig fei glaubmürbig benac^rid^tigt 



* Oejle an ©tof Äutg, U. «prtL 

' Jla± einem Bä^xiH^d dfpM £atum unb Signum unter ben fS}%, 
Sb. m. 

XXV. 4 



50 ®. ^eibe, 

tt^orbett, ba^ 2eo)}i}Q) mit näd^ftem na^ ^atiffurt fommen tüerbe, 
t^ermutl^Iid^ tüeti er gute Hoffnung erlangt ^abe^ jum römifd^en 
ftönig ertpäp ju toerben, inbem cnttoebcr ein aiiberer Äurffirft 
fiÄ um bie Ärone uid|t bcttjcrbe, ober aber bie fiurfürften leinen 
anberen lüä^Ien ttJoDten; unb n?eil fie nun ba8 Sed^t ber freien 
^afjl i)äücx[, fo tooüt fein ftßnig fid| anä) ipeiter barein nid^t 
mifc|en; na^bem aber befannt toäre, in tt?ie mannigfacher SBeife 
fotoo^I ber üerftorbene alä ber jcfet regierenbe Sönigüon Sö^mcn 
unb Ungarn bem 2Rünfterifd)en grieben gutoiberge^anbelt, fo ffobt 
fein König baS Vertrauen in bie Qeiftlic^en Äurfürften , fie mür- 
ben bie ^anb baju bieten, bamit t^m no^ üor ber äBa^I bie fo 
oft gefugte @enuQtf)uung unb eine fidlere Söürgfd^aft ju tf)ei( 
loerbe gegen bie SBieber^oIung folc^er JBorfommniffc. ßionne be^^ 

äe^rte oann eine in biefem ©inne abjugcbenbe ?ßartifular = ®r- 
Srung oon Srier, tt?ie er eine fol^e bur^ SBoineburg auc^ öon 
SWainj unb burd^ SBil^elm gürftenberg üon Söln geforbert ^abe. 
©ein König toolle einmal njiffen, fu^r er fort, toer grcunb ober 
geinb fei; für einen geinb muffe er ben jenigen galten, ber ju 
einer fold^en ®enugt^uung bie |)anb nic^t bieten loerbe. SÄon 
ffobe in granfreid^ fidlere 9?ac^nd|t, unb bie öfteneic^ifd^en ®c« 
fanbten liefen fi^ auc^ beffen ungefi^eut üerne^men, bafe, tocnn 
nur einmal bie SBa^I Vorüber , ber neue Äaifer ein ^eer nac^ 
glanbern toiber ben ißroteftor unb ebenfo einige SSöIfer jur 9Jer= 
tl^eibi^ung beg ^erjogtl^umS äJiailanb nad^ Statien fd)icfen tocrbe, 
ba betbed ben 93eftimmungen bed Sßeftfälifd^en griebend nid^t ent- 
gegen toäre. 3n fjranfreic^ aber faffe man bie ©ad^e anberS 
auf. ®er Art. *et ut eo sincerior' biefe§ griebenöfd^Iuffe^ fe^e 
auf baÄ unjtoeibeutigfte feft, bafe feiner üon ben Kontrahenten 
be8 anbem gegentpärtige unb, tt?a^ n)oI}l ju bead^ten, auc^ gu* 
fünftige geinbe unter irgenb einem 8Sortt?anb unb in irgenb einer 
SBeife unterftü^en bürfe, unb inSbefonbere erftredte fidb biefe SBe* 
ftimmung auSbrücflid^ auf ben burgunbifd^en Krei«, folange ber 
Krieg barinnen loä^re. 

SBie man fie^t, mar bie KontroDerfe, bereu (Sntft^eibung 
burd^ ba« furfürftlic^e Koßegium Cefterreid) für baö SJergangene 
Snbemnität gemä^ren ober eine moraIifd)e SRieberlage bereiten 
mu^te, bie : gematteten ©inn* unb SBortlaut beg SEeftfälifc^en ^üe^ 
ben» Defterrei^, ben ©paniem anä) im burgunbifc^en Krcife 
geaen bie Gromtoellfc^en , in. Stalien aber gegen jeben geinb bei= 
juftel^en , ober geftatteten fie e§ nid^t ? Stuf franjöftfd^er ©eite 
ttjurbe biefe g^age unbebingt üerneint, auf öfterreic^ifd^er mit 
glei^er (Sntfd^ieben^eit bejat|t; am SBa^UoHegium toar eö nun, 
fid^ für bie eine ober anbere Sluffaffung ju entfdfieiben. 

9Die ©^jannung, meldte einige Qext jtoifc^en ben frangöfifd^en 
©efanbten imb bem Kurfürften oon ajvaiuj, auf ben man in 
granfreid^ fel^r f^Ie^t gu fpredjen toar, beftanben ^atte, toar ba- 
maU bereits einem freunblid^eren SBer^ältniffe geteid^en, nad&beni 



3)ie 2&at)( Seopolb« I. jutn xömifci^eu StbnxQ. 51 

man ftc^ bei einem frö^li^cn Sanlette, oiif htm ber foüide 3o^ 
^ann $^ili^p t^on @^önbom feinen franjöfifd^en (Soften bad be« 
fannte *Non sit jurgium int er fratres!' jugerufen, wieber bie 
^onbe gefc^ättelt. din langei^ @(^moIIen n^äre andj für bie SSer« 
treter finbtoig^ XIV. nur üon 9laä)tt)exi getoefen, unb ba erft je^t 
ber »id^tigere I^il i^rcr Aufgabe an fie Ijeran trat, fo ^ie§ e8 
öor allem bie bebenflic^ lofe gefügte Koalition , mldjt bie ©tü|e 
für bie Änfprüc^e gtanfreid^g unb ba« SBerf jeug ju i^rer SBefriebi* 
gung bilbcn foflte, auf« neue gu befeftigen unb ju Saaten ju be* 
»egen. Da nun in ber erften %eixuaxrüo6)e ju granffurt bie 
Äunbe verbreitet tourbe, ba^ ber $erjog Ulri^ üon SBürtemberg 
im franjöfifc^en auftrage jtt?ei ^Regimenter ju gu^ unb jwei ju 
^erbe im Slfa^ »erbe, toeld^e Armee im fommcnben 3uni marfq^ 
fertig bafte^en folle, unb gugleid; an^ granfrcic^ ba« ®crüc^t 
^crüberbrang, bag ber §of emftlid^ bie (Soentualität eine« Ärieae« 
mit 35cutfc^lanb ermäge, inbem allem Änfdicin nad^ bie Äaifer* 
toa^t JU ®unften be« §aufe« Defterreic^ ausfallen toerbe, fo be- 
eilten fic^ ber Kurfürft üon 2»ainj unb bie ©rafen gürftenberg, 
eine Formulierung be« in bie Kapitulation aufjune^menben äfft« 
ftenjartifel« ju fmben, mit ber fic^ granfreid^ juf rieben geben 
fönnte. ©ie fd^lugen ungefähr folgenbe gaffung öor: ber erwählte 
ftaifer Derpflid^tet fic^, tt^eber im ^JJamen be« 9ieid^e« noc^ feine« 
eigenen ^aufe« noc^ anberer Kronen (b. f), Sö^men« unb Un* 
gam«) ben gegenwärtigen unb ju!ünftigen geinben be« König« unb 
ber Krone granfreic^ fomie beffen gegenn?ärtiger unb ju* 
fünftigcr SSerbünbeten auf feine äüeife unb unter feineriei 
SJottüanb irgenb toelc^e |)ilfe ju leiften * ; in jcbem einjclnen galle 

einer 3«^ii^^^ö^^'^w^9 9^9^^ ^^^f^ Seftimmung foKten bie Kur= 
fürften bem König üon granfrei^ unb beffen )©erbüftbeten mate« 
rießni unb effeftitjen ©d^u^j gett^ä^ren, fott?o^l ipiber biejenigcn, 
mcl^e eine folc^e §ilfe geleiftet, al« »iber bie, bentn fie getetftct 
toorben *. SRit einer folc^cn g^ffung ^^^ Slffiftcngartifel« l^atten 
SKainj unb Köln, bie fonft nur auf ba« an granfreidi öerfaufte 
furpfäljifd^e SBotum fidler jäl|lcn tonnten, anber« feine ?lu«fid^t 
burd^jubringen, al« ttjenn fid^ bie übrigen Stimmen gcrfplittcrten, 
ober minbeffen« einer öon ben übrigen Vier Kurfürften jU i^nen 
überging. Am e^eften noc^ glaubte bie 9Jiinorität auf ben SBei* 
tritt be« SBranbenburger« hoffen m bürfen, ba berfelbe bem bei 
i^m affrebitierten franjöfifc^en ©efanbten »ieberl^olt bie formelle 

^ qdod electus Imperator neque imperii neque propriae suae do- 
mQB neque aliaram coronaram nomine praesentibus et futuris hostibua 
regia et coronae Galliae eorumque confoederatorum praesentinm et 
fatnrorazn ullo modo ant sab ullo praetextu qnaliacumqne anzilia 
praestare debeat. 

■ ,2)te ^ntm (Stafen l^offm butd^ biefcn 3:rn!tot toicbcr ju S^ren ^u 
f ommen ; Pe prettcn ftd^ mit (Er. üfl. ©nabcn (ju ^ain^), toct bet erftc ?(utor 
biefet l^c^^ilfomen ^nbention fei". Oc^lc an ^tof Slnx^ 12. Tlhx^. 



52 ®. $etbe, 

SJcrfid^erung gegeben, ba§ fein Äönig burd^ bie ju ücrfaftenbc Äo* 

f^itulation, tuel(^e bod^ fc^Iiepd^ bie ^auptfoc^e fei, l7oIIfte @atid- 
aftion erl^alten foUe; allein nad^bem burdEi bag om 15. gebr. 
abgefc^lojfene branbenbnrgifd) = öfterreid^if^e Dffenfio- unb 3)efen^ 
ftübünbniS jwifc^en biefen beiben Mäd)kn eine tljatföc^lic^e Sn- 
tereffengemeinfd|aft ^ergeftellt toax, toeldje and) bei ben SBa^toer* 
banblungen i^re äBirfung äugern nutzte, toax bem üorermä^nten 
ÄQlful in SBirfli^feit fc^on aUer SBobcn entzogen. Wan üerfuc^te 
e« aud^ mit JBa^eni; ber ntainjifd^e ©efretär Dr. fiinf* begab 
fid^ ju biefem 93e^ufe nac^ äRündjen; ebenfo machten bie ®rafen 
6gon unb SEBillielm gürftenberg aufg eifrigftc für i^re Snten«^ 
tionen 5ßropaganba. „©ie laufen ^eruni n?ie bie bräOenben fiö- 
»en", f^reibt Dejle an fturj. ©elbftüerftönblic^ fonnte e« babet 
ol^ne Dupienmg^öerfuc^e nid)t abgeben, ©o fprengte ®raf 6gon 
aus, ba| fic^ ber baljrifdEfe fturfürft mit ber mainj-fölnifqen 
^ormel üerglid^cn. 2)arüber auf ©eite ber mit Cefterreic^ ae* 
jenben SBa^lmäd^te gro|e Sllteration, unb Dejte ^at alle SÄü^c, 
bie il^n mit üBefud^en überlaufeuben S)i|)lomaten ju beruhigen. 
3)ie franjöfifc^en Oefanbten übernahmen eg, ben Äurfürften oon 
Irier einjufd^üd)tern ; al^ berfelbe am 9. S^^ril auf bem Sflßmcr 
erfd^ien, liegen fie i^m einen guten 9Korgen toünfd^en unb ju 
toiffen t^un, toenn er nid^t dotieren njerbe, toie eS i^reS SönigS 
Sntereffe erforbre , fo ipürben 10000 SWann , bie ^jarai ftünbcn, 
fein Srjftift überfallen. 2)er fiurfürft Ujollte biefe SJro^ung öor 
bem ftoäegium jur ©pradje bringen, aber ber SJiaiiuer bat i^n 
um ®otteg tt?illen, bieg nid^t ju tt^un, eS irerbe fonft afleä auf ein* 
mal brunter unb brüber ge^en. „S)iefeg ift nun bie fc^öne libertas 
votandi et eligendi!" fc|log Dejle feinen Seri^t, in bem er bie 
Sunbe üon biefen Vorgängen nad^ SDiündjen übermittelte. 

Mm 10. «Ipril , in ber jftjeitcn ©ifeung be^ Sal^reö 1658, 
tourbe enblic^ in bie JBeratl|ung ber Kapitulation eingetreten. Sn^ 
toefenb toaren bie Äurfürften Don SJiainj, Jrier, Röln, ©ac^fcn 
unb ber $falj ; Sattem unb ä3ranbenburg toaren burd^ Seüoll- 
mäd^tigte üertreten. 3)en Seratljungen lüurbe bie SBa^lfapitiila- 
tion gerbinanbiS IV. ju ®runbe geleat. ©(^on bei SSorna^me 
ber Slrt. 1 unb 2 berfelben breite fic^ bie 25ebatte ^au^tföd^Ud) 
um ben Stffiftenjartifel, ber aU Slrt. 11 ber neuen Kapitulation 
einverleibt »erben follte. ©g ergab fic^ bamafö fd^on, bag bie 
JU granfreid^ ^altenbe ®ruppe 9Wainj'Küln=^falj einer gefd^loffe* 
nen JBier'©timmen=9Jiaiorität, bie mit Cefterrei^ ging, gegenüber- 
[tanb. So ^atte nämlid) jtoifd^en bem trierfd^en, fäd)fifc^en unb 
öfterreid^ifdien ®efanbten eine Äorrefponbenj ftattgefunben, gu ber 
für JBa^ern au^ Dejle jugejogen tourbe. S)ie öfterreic^ifd^en 
@efanbten Ratten babei angeregt, bag angefid^td ber breiftimmigen 

^ SQßie beteiid mitgeteilt, untetl^onbclie Dr. £inf aud^ üBex ben 9[nfd^lu§ 
Ott bie moittasfölnifd^e ^^elegation naä) ^xanUtiü^ unb Spanien in €ad^en ber 
Sftiebenöbetnttttlung; natütlid^ in treiben fünften o^iie jeben (hfolg. 



X 



S)te IBo^l SeopoIbS I. jitm tdmifd^ A5idg. 53 

Dpl^ojition jtc^ bic übrigen SBaWfürftcn bcmcntgegcn ju rincr ein* 
^Üic^en Sertretung i^red gemeinfamen ®tanbpunftei^ Sufammen- 
^un foQten, unb babei bie Srnärang abgegeben, bag man auf 
bie branbenburgifdie @timtne fidler jä^Ien fönne, ba bie ©efanbten 
biefed fturftaat^ inftniiert feien, fic^ ju ni^td ^erbeijulaffen, n^ai^ 
ben äSfinfi^en bed Königs Don 93ö[}men entgegen märe'. 2)ag 
bie maing^ölnifc^e Sffiftenjf ormel ju üerttjerfen, barüber »ar man 
balb einig; bagegen bifferierten bie Stnfc^auungen einigermaßen 
barfiber, toaS an beren ©teüe ju fefeen. Irier beantragte, ba^ 
bie ftontroüerfe über bie üon Oefterreic^ an Spanien geleiftete Äf* 
ftftenj einem }u bcrufenben Sleid^^tage ober ber 9ieid^i^beputation 
§ur Sntfc^eibung oorgelegt loerben foHe, ba biefe bei ber fontra* 
biftorif^en Äurfegung beS Art. 'et ut eo sincerior' nur ben üer« 
fammelten ©täuben gufomme; kapern n^ar fUr b(oJ3e ©udpenfton 
i)er$älfdf(|i({un^; ©ac^fen fd^Iua Dor, ben gu ermä^Ienben ftaifer 
nur im augemeinen auf ben Söeftfälifc^en grieben ju Derweifen. 
Sejügltd^ ber im franjöfifc^en SKemoriale üom 22. ©eptbr. 1657, 
erneuert 4. 9Wärj 1658, aufgejäblten ^^rberungen (granfreid^ 
verlangte barin auger ber ofterkoä^nten ®enugt^uung n^egen bed 
griebenöbruc^eö, namentlich ber 3"räcfberufung ber nac^ bem ita= 
ltenif(^cn Äriggfd^aupla| entfaubten öfterreic^if^en 2;ruppen, nod^, 
bag ba^ SteidQdüitariat in Italien bem ^ergog üon äRantua ent* 
jogen unb ba« bemfelben üon Spanien gefc^enfte Irino an @a* 
üopen jurfirfgegeben, bafe bas le^tere mit wontf errat belehnt unb 
bie gegen ben ^erjog üon SDJobena erlaffene Slc^tSerflärung »iber* 
rufen toerbe) fteUten bie öfterrei^ifd^en Oefanbten ben Antrag, 
ba§ bie gorberung ber Qnxüdbmi^xiQ ber öfterreic^ifc^en ©olba* 
tedta aud Italien ald l^infäUig erad)tet merben möae, nac^bem 
biefelbe unter ba§ fpanifc^e Äneggüolf übergegangen fei , uitb ga= 
ben betreffs ber übrigen ?ßunfte bie erflärungab, ba§ ber üer^^ 
lebte JFaifer bad SSifariat niemals h^irflid^ an ilRantua übertragen, 
üielme^r biefer ^erjoa baffelbe mit bem angebotenen ©eneralat 
fid^ aus eigenen ©tüaen angemaßt f)abe unb eS ba^er unnötl^ig 
fei, einen folc^en Slft in bie Kapitulation aufjune^men; bie SRüd^ 
gäbe SCrinoS betreff enb, fo fei baran ju erinnern, baß ber ÄÖnig 
öon Spanien fic^ in biefer Qadje feinen Sinfpruc^ gefaQen gu 
laffen brauche; toa^ enblic^ bie ^ele^nung ©aüo^enS mit äßont^ 
ferrat anlange, fo fei i^r Äönig erbötig, eine änerfennung feiner 
Serpflid^timg ^ieju, n^ie fte i^m fd^on burd^ ben 9}2ünfterifc^en 

> (Einem Bäfttihnt SBotmotS an Oe^Ie bont 11. fiptxl infolge l^Atten 
bie branbenfottgifd^n ^efonbien mit benen bet ju Ceftcrteid^ l^altenben ^dtiU 
mfic§ie engere g^ül^lung gefud^t, unb fid^ indbefonbete @anftein bei bem @tafen 
^oijia bellagt, bo^ man mit ben ttierfd^en unb ba^tifd^en SBoten ettoad ca» 
tnnt V^tte, basier fte aud^ mit i^rer !0?einuno ntd§t te(|t ^ett)Ottreten fönnten ; 
Sanf!ein ^be bann borgef dalagen , 9tanbenbuvg, Xriet, ©ad^fen unb ^o^em 
foHten gemetnfam üotge^n, bamit mon roüiii, tote man fid^ auf ben einen 
rnib anbem berlaffen tionnte. 



54 @. ^eibe, 

[rieben l^orgefd}riebeu fei, ju leiften, boc^ foKe biefclbe nicl^t in bie 
Kapitulation aufgenommen tt^erben. S)iefe Srflärung f^eint jeboti^ 
bamals nur jur Kenntnis genommen morben ju fein- benn inSQBirfs 
lic^feit ftimmte ba§ SBJa^IfoIIegium boc^ für SBeJotUigung ber fran= 
jöfifd^en ©injelf orberungen ^aufgenommen in ber Slffiftenjfrage), unb 
tourbe bementfpredienb aiioj ber 2lrt.4ber Kapitulation abgefaßt*. 
Snjttjifd^en n^aren ba§ folnifdje unb ba§ pfäljifd^e (Separat^ 
öotum ben Slffiftengartifel betreffenb jur SÖerlefung gelangt. 
Defle nennt e§ fci^impflid)e unb und^riftlidie 93ebingungen, bic fic 
barin bem Saifer tiorfd^rieben , unb l^ält für getüife, Safe, tocnn 
Irier, Saijern, ©a^fen unb SSranbenburg ni^t in allem unb je- 
bem übereinftimmenbe SSoten abgäben, fo bafe ni^t ein (Si bem 
anbem ä^nlid^er fein fönnte, ftiirmatnj biefelben al§ unter fic^ 
abmeid^enb unb jerfplittert beim fi'onflufum nid|t berüdfidjtigen, 
üielmef)r nac^ feinem, bem fölnifd)en unb bem pfäljifc^en SSotum, 
ttjeld^e gleidiförmig unb ate folc^e in ber SKaiorität toären , bcn 
©d^Iufe machen tt?'ürbe, tüomit bann ia^ SBa^Itt?erI einen ^o^ft 
ungünftigen unb nad^t^eiligen SBerlauf neljmen müßte. 

3u ber ©ifeung üom 3. Mai tarn nun ba§ branbenburgif^e 
^artifularüotum bejüglic^ beg Slffiftenjdrtüefö jum SSortrag; e§ 
beantragte eine fol^e 5<^if""9 beffelben, baß ber fünftigc Äaifcr 
baburd^ fid; ju einem frieblidjen SSerljalten gegenüber ben 9?ac^- 
barmäd^tcn fott^ie inöbefonbere jn unüerbrü(j^lid)er 93eobad^tung 
ber Cefterreid^ burd) ben SKeftfälifi^en grieben auferlegten J8er- 
pftid^tungen üerbanb, jebodi in tüeber engeren nod^ ttjeiteren ©d^ran« 
fen, afö fie iljm burc^ ben ?lrt. 'et ut eo sincerior' jeneg ^rric- 
benöfd^Iuffe^ geftedt Ujarenl Syrier fd^Ioß fid^ in ber ©i^ung 

* 9Wit SBeaug auf tiefe ^orrefponbcn^ gibt eine futf. ba^t. Snfhultion 
einen für ben Stonb^juiift bicfer ^Rcgictung fc^r bcüd^tcn§toettljen 95>inl. „€b« 
hjo^l tnon e3 fetjt Billigen muffe ", ijeifet e§ bor in , „bie Vota gleidftfönntg mit 
^ricr, @od^fcn unb SBianbenhitg cinjuric^ten, um bie onbcrn, tüelt^c i^te ex- 
trema mit bc3 römifdjcn 9icid()eö ®cfaf)t unb 9lad^t^eil behaupten toollen, beflo 
beffer au begegnen, fo gefalle e^ bod^ nid^t, l^iefüt immer gleid^fam bie fönigL 
bö^mifd()c 3wbifatur unb ßenfur einaut)olen, fonbetn man ^oltc für genug, 
um allet Orten beronttoortlidf) jU fein, bag, toenn man an Seiten ©t. ÄgL 
aOß. unb ßljbn. in SBöIjmcn bie gegenwärtige S3cfd^affen!)cit be§ Ülcid^eS unb ah 
Icr^onb geföl^rlic^e (xonjunfturen nit^t Qpprel}enbieren noc^ aud^ tl^unlt^en 
SRitteln ju ä3ert)ütung neuer Unru!)en im ri^mifd)en fRcic^e ftottgeBen tooViit, 
man berofelben gleit^too^I notl^bürftiglid^ aufpred^en, unb toaS ^e bermalen 
nid^t er'^eben fönnen, enttoeber gar nadftaugeben ober bod^ bergeflalten ju mobe« 
rieren, bamit ber triebe im Dieic^ erl^altm bleibe". 

* aOßörtlid^ lautete bie branbenburgifd^e 9lebaftion beä 9lf fiftenaartifeli : 
»aöir foHen unb tootten aud^ uni baju in 3cit unferer ^Regierung gegen ben 
benad^barten unb onflogenben ©etoalten frieblid^ berl^alten, fein ©e^änf, Un« 
ruV nod^ jtrieg in= unb augert)alb be§ IReid^eS t)on beffelben toegen unter fei« 
nerlei 93ortoanb o'^nc ber ^erren ^urfürften unb fämmtlid^en Stäube ober 
aum toenigften aller unb jeber t'gjerren llurftirften SBortoiffcn, ?Ratl^ unb diu* 
toiCigung anfangen ober t)orneI)men, nod^ oi)ne je^tgebad^ten ^onfend einige 
AriegSböHer ine IReid^ fü'^ren unb führen laffen; abfonberlic^ aber foUen unb 
toollen toir ba^lenige, loag au D^nabrüdf unb SJlünfier atoifd^en unferm $or- 



2)ie fBki^ 2iopoVDi L ^m tömtfci^n AOnig. 55 

üom 6. äRai bem branbenburgtfc^en Sotnm mit einer untuefent« 
lidttn rebaftioneüen 9[enberung ^ an , unb mit bei. fo ^ergefteQten 
gfaffung bei» Srt. 11 erttärten fic^ bann aui) SBa^em unb @ad^« 
fen etnöerftänbcn *. 

Obfc^on bie branbenburgtfc^e Sffiftenjformel in ber @i^ung 
Dom 6. SRai bereite mit üier Stimmen angenommen toax, fo 
machte bod^ äRain} fein ^onHiifum barauf, fonbetn üerfd^ob baf- 
[elbe, bid ber 9rt. 11 effeftiü jur ^eratbung gelangen loürbe; 
fo(ange {oQte aOeS in suspenso üerbleiben. Syrier unb @ac^fen 
brangen üergeblid) auf einen @c^Iug im @inne ber ST^ajorität; 
fte erilärten mit ^ranbenburg, an i^ren äJoten tt)eber ettoad an- 
bem no(^ benfelben etmai^ ^inpfägen gu moOen. äRainj jeboc^ 
be^arrte auf feinem dnterimdf ontlufum, mad bie ba)7on ^Betroffenen 
in nic^t geringe Slufre^ung oerfe^te, unb, toa^ nod^ fcblimmer 
toar, Don t$oIgen begleitet fein foOte, bie bie gange Sachlage mit 
einem @d^laae gu fünften ber bidl^erigen äRinorität umgeftalteten. 

(£S ift 9ier nac^gu^olen, ba^ ÜJ^aing unb ^öln, bie eine ^^or^ 
mulierung bed Sffiftengartifeld beabfid^tigten , n7el^e bie Don bem 
Verlebten ^aifer gum 3lad)ti)eii ^ranfreic^d begangenen 3un7iber« 
^anblungen gegen ben Sßeftfäüfc^en ^^rieben rüate unb folcben für 
bie 3ufunft üorbeugte, fid| fc^on feit längerer ijeit bemüht l^atten, 
bie 3iiftimmung SBranbenburg* hierfür gu gewinnen. Defterreid^ 
^inmieberum ^atte fi^ üeme^men (äffen, baf ed eine SJerpflid^tung, 
gleid^fam mit gebunbenen Rauben gugufe^en, ti)ie bie 92ieber(anbe 
unb SRailanb, alte ^ab^burgifc^e @rb(anbe unb gugleic^ nominelle 
®ebiet§t^eile bed SReic^ed, an ^^ranfrei^ unb gum ^txl and) an 

fal^r im fRtiö^, bem $. xömtfd^en Wi^ unb fämmtlid^en ^tfütflen', fjfütften 
nnb Stdinben an einem, bann ben Snitpacidcietenben im anbem 2^^eil ^el^nbelt 
imb gefd^loffen toorben, unbetbrüd^Itc^ galten, batoibet toeber füt und ettoad 
bome^mm no(^ anbem betgleid^n m t^un gepatten, toobutd^ btefer allgemeine, 
(^tifllid^e unb immetloä^tenbe ^tieoe unb toal^re aufrid^tige gfreunbfd^aft ges 
hänU, betrübt ober gebrod^en toitb, ba^ero toit bann aud^ ^u mel^teter Sefe* 
{itigung je^tgebad^iten f^ftiebend bet ^one gf^onfreid^ gegentpAttigen ober jU' 
fünftigen auSloftrtigen ^inben unter einigem @d^ein ober ^Ste^t ober unter 
einiger ©trittigfeit ober Jhiegdurfad^ toiber %Aaäfit Ihonen (eine äBaffen, QkVb, 
Sou, ^robiant ober anbem 93orfc^ub tl^un ober einigen 93ößem, fo gegen bie 
bem lu Ddnabrüdf unh !Olünfler aufaerid^teten gfrieben 3ugetl^anen bon einem 
oeffi^ toerben muffen, einigen Unterfd^teif , £uartter ober S^iird^jug berflattm 
fo([en nod^ tooUen, gleich bann aud^ bie ^on* gfranfreid^ in oftgebad^tem äöefls 
füifd^n Sf^eben au aUem je^tgebad^ten gegen und, bem $. römifd^en 9teid^, 
{dmmtlid^en Iturfürfien, gfürflen unb @tönben ebenmafien t)erbunben, toie ton 
nnd benn aud^, fotiiel ben burgunbifd^en ^eid unb ben in bemfelben )ur 3^t 
bed getroffenen gfriebend ftd^i befinbenben unb tod^renben Meg betrifft, bem 
Skflfftlifd^ gfrieben gemftg bezeugen tooden unb foDen". 

^ 2:Ticr tooHte ftatt ber SQßorte »ober gum toenigflen aUer unb ieberßer» 
len Ihirfürfien ^ortoiffen' gefegt l^abenf .ober jum toenigflen mit bed tur> 
ffitfUid^ Collegii SSorloiffen*. 

' ,9lad^bem Srter t^on feinem get^anenen 93orfd^log in po. secur. pnbl. 
abgetoic^ (f. B. 53) unb fid^ mit SSranbenburg berftfinbigt, aud§ ©ad^fen ftd^ 
bamii conformiert, fo l^aben bie So^rifd^en jur SBerbütung eineS $artihtlar* 
$oti ein^mmen müffm". ^crm. gürftenberg on (Kraf i^ura, 7. ^ai. 



56 (3. ^tiht, 

(Suglaiib ücrioren gingen, nie unb nimmer eingeben fönnc. fjrie^ 
bri^ SBit^cIm ert^eilte barauf feinen ©efanbten am SBa^ftag un- 
tcrm 20. 2lpril bie SBeifung, bcn öfterret^ifd^en 3lät^en SSorftel^ 
langen jn niod^en, baß eg nadi SBnnfc^ nnb SBißen bcr äWe^r- 
ja^l ber Äurfürften imerläfelici^ fei, barüber etmaS in bie S^apita^ 
lation aufjune^men; eg fofi aber i^r, ber ®efanbten, JBotnm f)xt^ 
bei nid^t anf Sinjel^eiten einge]^en, fonbern nur im allgemeinen 
©id^erung fott?o^l für granfreic^ atö für bag 9ieic^ üerlangen. 
3)a^ branbenburgifd^e SSotum würbe bementfpred^enb eingeri^tct 
unb in ber ®i|ung üom 3. äWai öerlefen. SRit ber bamit gege- 
benen ^ö^wi^^I^^^^^S ^^^ Slffiftenjartifelä fonnte Defterreic^ be^ 
greiftid^er SBeife fe^r aufrieben fein; ber Äontraüentioncn gegen 
Den SBeftfälifd^en ^rieben n?ar barin nid^t nur feine tabeinbe, fon* 
bem überhaupt feine ©rttjö^nung gefc^e^en, unb ber fünftige Äaifer 
in feiner Haltung gegenüber bem franjöfifc^^ponifc^^n Sriegc tote 
rü^cr nur auf bie ^eftimmungen jeneä griebengfd^IuffcS öertoie* 
en, beffen ort. 'et ut eo sincerior' bIo§ üom burgunbifc^en Sreife 
iprad^, f ba§ bem öfterreid|if^en ©uffurg aud^ fernerhin im fpa= 
nifd^en Stauen, in ben 9?ieberlanbcn aber gegen bie 3;nippen 
ßromtuellö, ber nic^t ju ben Kontrahenten beg n?eftfälifd^en gric^ 
beng gel^örtc, ein Hinterpförtchen offen blieb. 

äWit einer folgen S^ffnng beg Slrt. 11 tt?ar aber ben Snte^ 
reffen granfreid^g njenig ober nidjtg gebient; nac^bem biefelbc \e^ 
bod& üon einer 8Sier»©timmen^9Kajorität feftge^alten tourbe, fAien 
eg faum nod^ mögtid^, mit einer gormel im ©inne ber fölnifd^* 
pfäljifd^en SSoten burd^jubringen. Unb boc^ gefd^a^, tva^ mt= 
manb me^r hoffte , niemanb befürd&tete : eine ©timmc löftc fic^ 
Don ber äRajorität loö unb üertialf ber ®egenpartei jum ©iegc 
— es toar öranbenburg. 

9n ber ©i^ung tjom 13. SWai üoHjo^ fid^ biefer benftüürbige 
SSorgang*. Söln gab an biefem läge bie Srflärung ab, ba§ e§ 
fi^ auc^ feinerfeitg mit bem branbenburgifd^en SBotum fonformiere, 
toenn bemfelben afö 8\\\a^ einverleibt lüürbe, bafe ber ffinftige 
Äaifer njeber für fi^ nod| feines §aufeä ttjegen fic^ in ben im 
burgunbif^en ©reis unb inStalien tt?ä^renben Ärie^ einmifc^cn 
nnb ebenfotoenig gegen bie SBerbünbeten gi^anfreic^S afö gc- 
gen biefeS felbft unter irgenb trelc^em SSorloanb beren ®egnem 
^ilfe ober fonft einen SBorfdöub ober SBeiftanb leiften bürfe; beg^ 
gleid^cn foÖte ber Äaifer üerpfüd^tet ttjerben, cttoaige Sünbniffe 
nic^t anberS a(d ungefd^äbigt beS fRei^eS nnb nad^ 3n^alt beS 

* i)ie nun folgenbe S^atf^eHung bej|er6en beruht auf bcn bobon fel^ qu^ 
fü^tli4 ^anbelnben ©i^ungdberid^ten im IL SBb. b. äBfl. im ba^t. &M. 
3^ brauche tool)! nid^t erft borauf l^in^utoeifen, tote toefentltd^ anbetd ber 9ln> 
t^U S^tanbenbutg^ an ben äßa^lbetl^^^nblungen l)ier ertd^eint o(d bei ^ro^fen 
in beffen ®efd^. b. pnni. $olttif III, 2. ^ud^ bie im VIII. f&h. ber Utt u. 
9ßt. betdffenttid^ten Sendbte ber btanbenbutgifd^en äOal^Igefaiibten beruhten 
bie nun au be^anbelnben dteigniffe faum anbeutungStoeife. 



2)tf Süa^I 8eo|ioIb§ I. aum römtfd^cn i^öntg. 57 

ffieftfSßfc^en Rieben« ju [(^Heften, unb jt^ nad^ feiner SBa^t üor 
aßen 2)tngen angelegen fein (äffen, ba% bte franjöftfd^^P^nifd^en 
griebenStraftaten ernftlic^ in Angriff genommen unb nid^t toeniaer 
mie bie f d^n^ebif ^ « pointf c^e Angelegenheit }u einem gebei^Iiqien 
6nbe geführt »erbend 

3m 9(nf(^tu§ an ben tölnifc^en Sufaj^artifel mad^te nun ftur- 
pfol} barauf auftnerffam, bag ed an gen7iffen Orten einiget 9la^« 
benfen oerurfat^en »firbe, toenn immer nur ber Ärone granfreiq 
aDein gcbacöt, ©c^toeben aber gänjlid^ außer Ä^t gelaffen Werbe, 
unb brachten ben Antrag ein, baß enttoeber ^^^^in^^'^, fP«jicÖ 
nic^t ju benennen, Dielme^r nur ber gegenn^ärtig ^rieg fü^renben 
fflääfie (Srmä^nung ju t^un fei, ober aber ©darneben ftet§ neben 
3franfreid^ angeführt toerben fofle. ©ac^fen unb ©apem fanben 
bied nic^t unbiOig. 2)arauf^in nahmen bie branbenburgifc^en 
SeüoOmäc^tigten bie ba^rifd^en unb fäd^fifc^en bei ©eite unb bro^- 
ten, baß, toenn biefelben bei i^rem früheren Sotum nic^t abfolut 
fte^en blieben, üielme^r tt)egen ©c^n^ebeni^ eine Steuerung machten, 
au^ fte i^ SBotum toieber önbem würben. Um allen S)iffibien 
im eigenen Säger, bie gerabe in jenem Iritifc^en äRoment ju ben 
emftlic^ftcn SBeforgniffen Anlaß geben mußten, rafc^ ein ®nbe gu 
machen, gaben nun bie batjrif^en ®efanbten na^ (Sinüema^me 
mit ben fä^fifd^en bie Srflärung ab, baß fie ben pfälgifc^cn Än^ 
trag and) ber Intention JBranbenburgö gemäß gehalten, weil beffen 
Vertreter in i^rem SJotum üom 3. SKai felbft ba^in gejielt, baß 
©d^toeben be3 griebeniR nid^t Weniger gu erfud^en fei; wenn aber 
bie Sranbenburaifc^en beffenungeac^tet bennodö bafür hielten, baß 
biefer Ärtifel auein Don granfreic^ ^anbeln foHe, fo fönnten e« 
bie SBatjrifd^en babei bewenben laffen. 

SBenn bie greunbe ber öfterreid^if^en ©ad^e fid^ nunmehr 
ber Erwartung Eingaben, baß für bie fflranbenburgifc^en ein 8n* 

^ Set t)on Stbln beantragte 3ufa^ au %xi. 11 lautete todrtlid^ tote fol^t: 
.äSßenn loit oud^ ald j^aifer unferet eigenen Sanbe l^albet einige Säfinonine 
maii^n toutben, foH fold^ed anbtergefialt nid^t gefd^el^n ali ungefd^fibiat bed 
IRetc^ unb nad^ 3n^It be3 gfnebendf d^Iuffed , alfo au meisteret Sefefngung 
bcä gftiebend, unb bamit baS SBatetlanb beutfd^er Station ober loit {etb|l in 
eine unb anbete Ungelegen^eit unb i^tieg ni(|t eiugeflod^icn toerben mögen, 
iDoOen toit und in bie Ihiege, toeld^e in stalten unb Dem butgunbifd^en IheiS 
önjefro gefül^tt toetben, in feinetlei Söcg toeber füt un8 aU tömifd^et Äaifet 
nod^ unfered ^aufed toegen einmifd^en, nod^ toiber bie ^rone gfianfteid^ unb 
beto SBunbedtetloanbten in gemelbetent :ätalia unb bem burgunbifd^en Iheid 
unter einiger Streit» ober ÄriegSurfod^ feine ^ilfe fenben, nod^ fonflen auf 
einige Slöeif' SBorfd^uB unb SBeiftanb leifien. ^amit aber hai ^. rbmifd^e 
3leii feine» beftänbigen gfrieben8ftanbe# gefid^ert bleibe, foUcn unb iDoUen toir, 
ftUbaU) nad^ unferer ^^ö^ung aur faiferlid^en 9{egierung, und t»or allen 2)ins 
gen angelegen fein laffen, auf bag Atoijd^en beiben meiftent^rild in bed IReid^ed 
Iheifen unb ^igent^m friegenben Äronen bie ^friebendtraftaten in ^eutfd^lanb 
toirflt^ angefieSt unb bero l^önigreid^ unb bero Untertl^anen toie aud| ber 
allgemeinen €^iften^eit unb bem ganzen Wid) jum bef!en tjermittelfl göttlid^et 
(Snabenticrlei^ung ebeflend befd^loffen , tme aud^ bie |>olnifd^e gfriebend^nblung 
foüiel möglid^ beffttbert unb au toSem Sd^lug gebrad^t Serben mbge*. 



58 @. ^eibe, 

laB, ftd^ üon ber SRajorität ju trennen, ntd^t mcl^r beftSnbc, fo 
fa^en [ic fid^ barin nur ju balb bitter getäuf^t. ®enn biefe ga= 
ben i^r SBotum ba^in ab, ba§ fic jttjar bei ber am 3. 9Kai üon 
i^ncn üorgefd^Iagenen Slffiftcnjformel fte^en blieben, aber aud^ ge* 
len bie 8lufna^me beS fölnifd^en 3"f^6ö^tt'rf^ "i^*^ jw erinnern 
fätten; ben ba^rifi^ = fäcfififd^en Rn^a^ jeboc^ toegen ber Ärone 
©c^toeben hielten fie für überflüffig, weil in i^rer gorntet alle 
paciöcierenben fronen mitinbegriffen mären; jum ©c^Iuffe beban- 
[en fie ftd^ jeboci^, ba§ fie fic^ nic^t gänglic^ tooHten 
erauSgelaffen, fonbern bie redete formelle Srfläs 
rung bis inSlünftig vorbehalten ^aben. 

fturpfalj berul^igte fid^ aber auc^ je^t noc^ nid^t, fonbern 
beantragte mm, in aller gorm bem ärt. 11 nod^ ben tpeiteren 
3ufafe anjufügen, ba^ ber Saifer ftrf| ju beftänbigem ^rieben unb 
aufri^tiger greunbfd^aft gegen @d|n)ebcn üerpflid^te, oa% er bef:= 
fen beutfc^e ^roüinjen toeoer felbft beunruhigen noc^ gulaffen toerbe, 
bafe anbere biefelben mit Sricg übergießen , bal)er and) ben toiber 
©d^toeben bereits errid^teten &ünbniffen entfage unb fid^ fürber- 
l^in in ben ^jotnifi^en Ärieg nic^t einmif^e^ 

darüber entftanb nun jn)if^en ben branbenburgifd^en unb 
ben pfälgif^en (äJefanbten ein 5)i3<3ut. SKainj unb Söln nahmen 
für bie erfteren ?ßartei unb erflärten, ber 8lrt. 11 geße ©c^ttjeben 
nidßt« an unb fei aflein auf fjranfreid^ ju begießen. S)ie ©cene 
tourbe fi^Iiepcß jiemUdß erregt. 2)er Äurfürft öon ©acßfen ent= 
femte fidß mit feinen Slätßen auS ber ©i^ung, unb ein ÄonBufum 
tourbe fo an biefem Sage nidßt meßr möglid). 3^^^ ^^^^ ^^^ 
rauf, am 15. 2Wai, fonformierte ficß bann audß Äurpfalj mit bem 
branbenburgifd^en SSotum unb bem fölnif^en 8"|ö^, unb SKainj 
tonnte nunmeßr ben ©cßtuß nadß ben übereinftimmenbcn SBoten 
üon Äöln, Sranbenburg unb $falj einrichten, benen eS burcß fci:= 
neu ^Beitritt bie SÄajorität üerfd^affte. 

Defterreicß ßalte alfo in bem Äarbinal^}unft ber Kapitulation 
eine 5Kiebertagc erlitten, loel^e für bie ©adße beS ÄaifertßumS 
toic be« ßabSburgifd^en ^aufeS eine moralifdße ©inbufee oßne ^lei* 

^ 3m ^n'^ans ju xi)Xtm bamaligen SOotum l^atten bie Btanbenbutgifc^n 
dkfonbten aufS betocglid^fte bie &z^afycm botgejlellt, toeld^e bem ober« unb nie» 
berfäd^ftfc^en Iheife bon @d^toeben f|et brot)ten, unb bie Sitte baTongefnü^, 
an bie ilöntge t)on 8d|toeben , $oIen unb Ungatn SioUt^iah^dfttiUn mit bec 
^lufforbexung ju ^Mid^tx !Bergleid§ung unb ^exbeifül^Tung eines gftiebend aU 
gelten ju laffen. 

' 2BörtIi(i^: ,,äBtr foUen unb toollen aud^ fotoo^t in= aU auger^IB bed 
dleid^ed mit ber Jhone Sd^toeben beflAnbigen ffrieben unb aufrid^iige gfreunb« 
fd^aft erlitten unb nid^i allein bero in 2)eut{(|tanb gelegenen, butd^ ben gfrie« 
ben^fd^Iug zugeeigneten ^tobincien unb iSanbe nid^t beunruhigen, fonbetn and^, 
ba obengebadE)te $tobincten bon anbeten angefeinbet toerben foKten, btefelbe 
toov fold^en (^etoaltt^aten fd()ü^en unb befd^irmen unb alle SBünbniffe, fo toibcT 
bie Ätone ©d^toeben bon und aufgetid^tet , gAn^lic^ caffieten nnb annuHieten, 
aud^ uns feineStoegS in ben ^olnifd^en Ihieg einmild^cn". 



Die S)q^I &opolb4 I. jum tdmifd^en J?Ontg. 59 

(Jen in fic^ fd^Io^ ; c3 f oHtc f ürberl^in tuc^rlo» jufe^en , toie bie 
9{ieberlanbe , bie Stiege ber ^abdburgifc^en Sßeltmac^t unb einS 
ber ftarfften ä^ormerfe jur 99e^au^timg bed fpanif^^öfteneid^ifc^en 
@egengen?ic^ted gegen bie $otitif ber SSeftmädfte, unaufboltfam 
jertrümmcrt tt^uroen unb fucceffiüe in ben ©efi^ granfreic^Ä unb 
Sn^IanbS übergingen; ber Üinftige ^aifer foQte fic^ üon ben 
SReid^Sftänben felbft bie ^änbe binoen unb ben grcöler ungeftroft 
actoa^ren laflen, ber fic^ am SReid^ggute vergriff. Sn ben Ärei* 
fen, n^o man nod} furj guüor einer fc^einbar unfiberminblic^en 
9)ta)orität üertrauenb auf eine Oefterreic^ günftige Sntfd^eibung 
ber ^jrinjipieDen S^age, bie fid^ an ben Slrt. 11 ber fta|)ituIation 
ftifipfte, juüerfid^tlid^ gered^net ^atte, mad^te \\di nun eine tiefe 
Wiebergefcglagenl^eit geltenb, bie i^ren üeme^mlid^ften Äu^brud in 
ber aQgemeinen @ntrüftung über baS n^ortbrüc^ige Ser^alten ber 
Vertreter fflranbenburgä fanb unb über beren SJerrat^ an einer 
Bad)t, in ber fie üor wenigen lagen fic^ gleid^fam eine gftl^rer* 
rolle angeeignet Ratten. „Die 83ranbenburgifd)en finb leic^tfinnigc 
unb betrughc^e fieute'', fc^rieb De^te am Xage nac^ bem fatalen 
13. SBai bem ®rafen Surj, ,,bie tpeber ®ott nod^ ben SWenf^en 
@(auben galten; fie l^aben ben guten ^önig fieopolb unb anbere 
für i^n SBo^Igefinnte f^änblid^ angeführt. Irier fte^t nun auf 
bem @pntng unb ift fd^on me^r ald ^alb üon ber anbern gartet 
ubenuunben, mad i^m aber nid^t üerfibelt n^erben tann. SBad 
Sägern unb ©ad^fen allein augri^ten foDen, fe^e id^ nid^t ein. 
SBic bie ©a^e enblid^ ablaufen »irb, toei§ ber liebe ®ott ! 3)er 
Sönig öon Ungarn mn^ eine furge 9tefoIution f äffen, e» ^ei|t aut 
Caesar aut cede!'' 

2)a6 bie branbenburqifd^en JBeüoHmäc^tigten eine f<)ejiefle (5r* 
mä^tigung feiten« i^rer Sftegierunq, für ben fölnifd^en 3wfa|artifel 
ju ftimmen, nic^t Ratten unb ni^t ^aben fonnten, gept aM t)tt^ 
fc^iebenen llmftänben, namentli^ aber ai\^ ber i^remJBotum öom 
13. SKai angel^ängten ©(filngüaufel jur ®enüge ^erüor. Snbcm 
fie alfo i^re ©intüillignng jur Äufnafime bcffelben in bie üon \f)^ 
nen bereit« am 3. b. iWt«. üorgefd^tagene unb üon ber SKatorität 
acceptierte Raffung ber Slffiftenjformel ert^eilten, Baubeiten fie ge« 
toifferma^en auf eigene göuft, aber anäi, h?ie fid^ nac^^er ertoic«, 
oanj im ©inne i^rer Siegierung, ba bief e feine SWiene mad^te, baÄ 
Sotum i^rer ißertreter njeber wiberrufen noc^ überhaupt berid^* 
tigen gu laffen. SBenn man nun ben Sn^alt ber fßlnifd^en ^u* 
fa^beftimmung mit ben auf benfelben ®egenftanb gerid^teten Sn^ 
tentioncn ber branbenburgifc^en ^otiti! üergleid^t, fo ergibt fid^, 
bafe fie beibe gegenfeitig auf ba8 innigfte forrefponbieren. S)enn 
cbenfofe^r tt)ie ber Surfürft ba« Sa^r juöor, folange feine ©ejic:» 
jungen ju Defterreidi nod) nid^t üöllig geKört n?aren, feinen ciae:» 
nen SSort^eil barin erfannte, wenn ber Ärieg jtoif^en ©panien 
imb granfreic^ fortbauerte unb bie öfterreic^ifd^e ^cere«fraft burc^ 
bie oon S^it }u Qtxt erfolgcnben irupl^enfenbungen nac^ bem 



SWailänbifd^cn unb bcn 9ttebcrIonben pcrtobtfd^c ©d^trSc^uitgcn er* 
litt, ebcnfofe^r mu^te i^m jefet, nad}bem bic branbcnburoiTO^öftcr^ 
rei^ifd^e Sllliauj ju ftanbe gef ommen unb ber Ausbruch oeö Stiegt 
mit ©^iDeben nur me^r eine gtage ber 3^it tüat, baran liegen, 
baß fold^e Srup^jenfc^übe nadj fremben Ärieggfc^aupläfeen fiftiert, 
Cefterreic^ burd^ ben balbigen ?lbf(^In§ eineg griebenS jtoifc^en 
granfreid) unb Spanien nac^ biefer ©citc entlaftet, unb beffcn 
^ieere§mad^t für ben beüorfte^enben gemeinfamen SBaffengang mit 
3cfimeben üotiftänbig complet erhalten mürben. Ate nun bic 
Äölnifd^en mit i^rem Slntrag ^erDortrateit , ber biefelben ^Jorbe^ 
rungen, wie fie fi^ an^ ber bamaligen Sage ber S)ingc für Sran= 
benburg nid^t tt?eniger bringenb ergaben, enthielt, ftanben fie Dor 
einem fd^toierigen SJifemma : enttoeber fie Dertoeigerten biefem 8fn= 
traj i^re 3ufti'inmung, bann. gaben fie bic Snterejfen be§ Äurftaat§ 
pret«, ober fie ert^eilten biefelbc, bann aber überwarfen fie fic^ 
mit ber öfterrcic^ifc^en 5ßartei. @in giinftiger S^^aU tarn i^rcr 
(Sntfdieibung ju |)Ufe. ©ad^fen unb ^aijem jcigten fiuft, fid^ 
einem Slntrag üon ^ur})falj anjufd^Iießen , ber bic SluSbe^nung 
be§ ?lrt. 11 aud^ auf ©c^tpeben forberte unb bamit ba8 branbcn* 
burgifd)e Sntcreffe an feiner üerWunbbarften ©teil« traf. 9?un 
hielten fid^ bic Vertreter beS lefeteren üon jeber Weiteren JRücffic^t 
befreit: inbem fie gegen i^re politifc^en greunbc ben SSorwurf 
fd^Ieuberten , üon bem übereingefommenen ©tanbpunft abgewichen 
gu fein, erKärten and) fie fid^ an benfelben nid^t me^r gebunben, 
i^ielten jWar i^r Sßotum üom 3. 2Wai aufredet, ftimmten aber ju^ 
gleid^ aud& für bie Slufna^me beg fölnifd&en S^f^l^^ i^ benfelben. 
9iun ^atte eg aber mit biefem Sufa^artifel eine ganj eigenartige 
JBewanbtniÄ ; benn in SBirHid^feit fam ber Kljarafter eine« foId)en 
bem fölnifc^en Eintrag üom 13. Wtax ^ax nid^t ju, ba er feiner 
2;enbenj nad^ bie branbenburgif^c Stffiften jf ormel , weld^e fid^ bic 
äRajorität im SBa^IfoKcgium angeeignet ^atte, t^atfäd^Iic^ aufhob, 
biefelbc üoUftänbig übcrflüffig machte unb an beren ©tcKc nid^t« 
®cringere§ fc^te ate bie 5^ffung biefer gormel im ©innc gfrönf- 
reid^g. ®iefcr Umftanb, fowie ber aBiberfpruc^ jWif^en bem SBo^ 
tnm ber branbenburgifd^cn JBcüoIImäd^tigten üom 3. unb bem üom 
13. SWai mad^ten eg bann aüerbingS erftäriid^, Wenn fid^ biefelben 
fpätcrl^in pegen bic SRät^c Äönig Seopolbg entfc^ulbigten, ftc fönn* 
tcn [xd) md)t me^r red^t erinnern, cd muffe rein im Strt^um gc^^ 
fd^cl^cn fein. SBcnn man aber bic ©tcHung beS Äurfürften felbft 
ju ber ganjen Angelegenheit betrad^tet, fo barf man über feine 
Snftruftion an bic SBa^Igefanbten öom 20. 5S[prit, in i^em 85o* 
tum ni^t auf Sinjel^eitcn cinjuge^cn, fonbern nur im allgemeinen 
©i^erung fowo^l für granfreid^ ate baS Steid^ ju ücrlan^n, 
nid)t feine bem franjöfifd^en ©efanbten wieberbolt ertl^cilte Qu^ 
fidjerung üergeffen, baß Äönig Üubwig in ber Kapitulation üoH* 
ftänbiac ®enugt^uung erhalten foHe, unb cö ift bod^ ein arofeer 
Unterfd^ieb, ob bie üon JBranbenburg öorgcfc^tagcnc Äffiftcnjformct 



2)te Sßal^I Seopolbd I. ^um tömifd^en MniQ. 61 

in i^er utfprütiglic^en Saffung fd^on gegen Defterreid^ gerichtet 
mx, ober ob man in einer Ueberrebaftion and) bcn gegnerifc^cn 
Stanbpunft ju feinem SRed^te gelangen liefe, ®erabe bie ^altuna 
be» Äurfürften bei ben SBerl^anbhmgen über ben äffiftenjartüel ift 
ein neuer Beitrag fär feine c^aralteriftifc^e ^anb^abung ber au^:: 
»artigen ^olitif, inbcm er felbft in ber fc^ttjierigen Sage, in ber 
er pc^ bamaU befanb, fi^ unabhängig unb felbftänbig geigte unb 
fogar bem ®egner feinet engften unb toid^tigften Alliierten ben 
nam^üfteften 2)ienft ertoie^, o^ne ju beforgen, bafe er barüber bie 
greunbfc^aft bed anbern verlieren »erbe; Defterreid^ ^atte er fi^ 
e|ebem burc^ eine frü^jeiti^e @rflärung für bie äßa^l ßönig fieo- 
poM üerpflic^tet , granlreic^ aber nun, inbem er bei ber Äbfaf* 
jung ber Äapttulation beffen SBünfc^en Mec^nung trug. 

3)er ante ©iubrud , ben bieg branbenburgtfd^e SSotum üom 
13. äRai oei einem Sl^eil ber Äurfürften, namentlid^ bei äWainj, 
^erüorgerufen, äußerte feine SBir!ung glei^ bei ben fofgenbenäb* 
ftimmungen. SBie f^on frül^er crtoä^nt, ftanb für JBranbenburg 
ein Srieg mit ©c^toeben in na^er Sluöfi^t. ^arl ®uftaü for* 
berte bamate üom Äurfürften für ben ^aü ber SBieberaufna^me 
ber Jcinbfeligfeiten mit ^olen — jtoifc^en beiben SKäc^ten njar 
ein griebc immer noc^ nid^t ju ftanbe gefommen — bie freigäbe 
ber $affage üon ^ßillau fo»ie ungef^inberten 35urc^gug bur^ brau« 
benburgifä^ 5ßommern unb bie 5Weumarf ; ^Jriebric^ SKil^elm jnufete 
bcibeö nadf bem SBäortlaut be« JBromberger SJertrageg mit ?ßoIen 
öertoeigem. 3)er ©c^mebenfönig na^m barauf eine bro^enbe^al^ 
tung an unb jog feine burdi bie SBeenbigung ie^ bänifc^en gelb:» 
jugeg freigetporbenen ©treitfräfte in SBoUin, fpäter in Äiel, feig^ 
mar unb im SWedEIenburgifd^en jufammen: umlaufenbc ©erücftte 
ließen biefe Armee beftimmt fein, gegen Söranbenburg ju jie^en. 
Äuc^ griebric^ SBil^elm rüftete aufg eifrigfte, traf geeignete 3)iaßs 
regeln jur SBert^eibigung feineg Sanbeg unb fa^ fic^ nac^ h)eiterer 
^ilfe um. 

9m 3. 9Rat Ratten feine ©efanbten am SEBal^Itag eine ^oUe« 
aialbefc^icfung ber Sonige üon ©^meben unb ?ßoIen bel^ufg $er* 
beifu^rung eineg gütlichen Sluggleid^g jtoifd^en benfelben angeregt, 
bie nun am 18. b. 5Ktg.* nebft bem ©rlaß eine« ©^reiben« 

^ 3n bev @i^ung ttom 16. ÜRai "f^aiit f\ä) in ber ©i^ung bed SBa^I« 
fpUegiumä bie befannte 8cene eteignei, loobei, tiad) bex l^erfömmltäen 93erfton, 
ftuijütfi Raxl Subtoig t)on ber ^Jfala bem ba^tifdben föef). ^ai^ Dr. Ce^le 
ba§ ^^intenfag an ben J$!opf getoorfen l^aben foU. ^afi ber ^urfürft eine fcld^e 
tlBftd)t l^oite, mag tool^I jugegeben toerben; richtig ift aber nur, bag er baS 
iintenfag nad^ bem Softer fd^leuberte. S^iefer aber retirierte, aU er ben SBurf ! 

meifte, rafd^ hinter ben fölntid^en i^an^ler ^ufd^mann, fo bag hai SintenfaB 
bid^t an feinem Stop^ üorüber über bie hinter il)m ft^enben l^atKiltere unb &ti \ 

^itnen 9lfttl^e li4 an bie unterfte SBanb be^ S^^^^^^ ^H- n^oit ^at mid^ 
fonberbar bel^ütet*, treibt er am 17. SKai an (Sraf Äitrj, ba|, ^oBtool^I bie 
{n^&laifcj^e gurie auf mid^ oQein angefetjen getoefen, anbere benad^barte iBei* 
fafim fafl me^rerd gelitten ^aben benn \6), toeil bie Or^rberei blog über meine 



62 i». |>etbe, 

gleid^cn Snl^aft« an bcti Äurfilrftcn öon 83tanbenburg bcf d^Ioffett 
ipurbe. yiaäjbem bann in ber ©ifeung üont 25. max SRainj, 
%x'm unb Söln bic ©rflärung abgegeben, ba§ fic fic^ mit S3ran= 
bcnburg gu gegenfeitigcr Äffiftenj üerglid^en, nnb au^ bic übrigen 
Äurfürjten xe\p. beren ©efanbten eine ebenba^ingel^enbc SJerfic^ening 
ert^eilt, fteßten bie branbenburgifc^en Seüoumäd^tigten am 27. 
bcdf. SKtö. ben Slntrag , ba§ bie i^nen üom gefammten ÄurfoDc^ 
gium jugepc^ertc äffiftcnj, im gaüe Sranbenburg oon ©c^weben 
angegriffen tt?ürbe, in baS ©d)reiben an i^ren Äurfürften aufge* 
nommcn, bie mit ber Ueberbringung beffelben fott?ie mit ber 9Hif= 
fion an ben Äöni^ üon ^olen unb ®(^n?eben betraute @cfanbt= 
fc^aft aber f^leunigft abgeorbnet »erben folle, ba fie fonft leicht 
gu fpät fommen fönnte. Am 4. Qfuni bradi biefetbc nac^ JBer= 
lin auf. 

21m 26. aRai toar ®raf SBil^elm gürftenberg öon feiner 
SWiffion an ben frangöfifd^en ^of lieber in granffurt eingetroffen, 
iölum tt?ar in granfreidi gurücfgeblieben unb tt)artete, freiließ öcr^ 
gebend, bie fpanifc^en 5ßäffe ab, um feine 9teife nad^. SHabrib fort^^ 
lufefeen. ©ie Ratten ben Äönig auf ber Sieife t)on Ämienö nac^ 
abbeoille getroffen; er antioortete bamals auf i^r Anbringen nur 
in gang unbeftimmter SBeife ; eine förmliche Sntfdjlie^ung in ber 
©a^e erging bann an bie ®efanbtfdE|aft nad) granffurt, tt?urbe 
üon berfelben an ia^ SReidjSbireftorium ^inübergegeben unb ge= 
langte am 7. Quni im Sottegium gur SSerlefung. ©iefelbc be^ 
fagte, ber Äönig »erlange nidjts mef|r afö ben grieben; er tt?erbe 
benfelben alfo aud^ nac^ ber SEßa^I üer^anbetn laffen unb begehre 
atö SBermittler ben ^apft, bag furfürftli^e SoHegium unb bie 
SRepubüf aSenebig; toeit aber bie in granffurt anmefenben gtt?ei 
fpanifd^en ©cfanbten (@xa^ 5ßenneranba unb SWarquiS he ia 
guenteö) fi(^ bisher mtt bem SÄangel fpegieKer JBoHmac^ten cnt^^ 
fc^ulbigten, ha^ fie gu ber^Ieid^en Serl^anblungen ni^t gu fc^reiten 
üermö($ten, fo fe^e man i^nen alg äußerften 3;ermin, fold^c cin^^ 
gu^olen, ben legten Suli, mit ber SBebingung, ba§, tt?enn bis ba^ 

^anbböjeln, onge^bten fd^toor^cn ^oä unb tor mir gelegene ©d^riftereien ab- 
gelaufen, ^ölt' er mid§ on bic ©d^läf* getroffen, toar* id& tool^rlidj be« Zo^ 
bed gctoefen*. Dejlc ließ ftd^ übrigeng boburd^ im Serlefcn ber Äc^rotefhi= 
tiondfd^ft (ben ba^r.*pfö;^ifd§en Siforiatgftreit betr.), toeld^er au bicfem aSut^ 
audbnic^ bed ^fal^grafen bie S^eranlaffung gegeben, nid^t irre mad^en, fonbem 
^obfolbierte fic big jum @nbe". „3d^ l^ätte bom Sefen nid^t abgeloffcn, tocnn 
aud^ ber Äurfürft auf mid^ gel^ouen unb gcftod^cn l^ättc", bcrfid^crte er fpätcr 
bem (Strafen mx^ ; in ber $^at l^atte jener baju SRiene gemad^t , inbem er 
bfterg an ben 2)egen griff unb in bcbroI)enber Haltung auf Oeicle jufd^rttt. 
gfür feine £apferleit in biefem „ipladfcrifd^en Xintenfrieg", toie €e|Ie einmal 
mit 6umor biefe Sffaire nennt, toarb i^m am 18. ^uli (bem 5lag ber 9Ba^( 
2/topowi) bie tool^Iberbienie ^ner!ennung ju tl^eil, alg i'^m ber neue itatfer 
„tot aKen onbern für feine i^m unb bem ^a^aufe in mannigfaltigem SBcgc. 
tnfonber^eit bei jefeigcm SBal^lhJcrf ertoiefcnen nu^ unb ^od^cripriefilid^cn ^ienflc* 
bie (Sr^bung in ben erblid^cn Stanb unb @rab beg ritterlid^cn ^beld anaeigtc. 
%nia^ erl^telt er eine taiferlid^e Siemuneration bon 10000 ^)Ir. 



Sie SBal^I SeopoIbS I. sunt xbmx^tn ^öntg. 63 

ffin oud @pamm bic getofinfditen Snftruftioncn nid^t eingelaufen 
frin toürbcn, anä) granfrei^ ju »eiteren SJer^onblungcn mdft 
mbunben fein folle. S)iefc ©ntfc^Iießung tourbe bem ®rafen ^en^* 
neranba in Slbfc^rift mitget^eilt, meieret in Seantkoortung berfel^ 
bcn erllärte, ba| fein Äönig, »enn nur bie Äurfürften bem ju 
»a^Icnben fiaifer billige unb e^ren^afte SBebingungen in ber Äa^ 
^itulation matten, gegen i^re iD^ebiation unb bie ^riebendl^anb« 
lung nid^tö au^^aben mürbe. Slöln beantragte bann am 19. 
5uni, bcn Äönig üon Spanien burc^ einen eigenen Äurier erfud^en 
ju laffcn, ^enneranba mit genügenben JBoUmac^ten ju üerfe^en 
unb in bie griebenöunter^anbluugen einjutreten, toomit fid^ bann 
aud^ baS fioCegium einüerftanben erflärte (26. Suni)^ 

3njtt)if(^en »aren öfteneidf|ifd^erfeit§ alle ^ebil in JBetoegung 
gefeit »orben, um für bie ?lrt. 11 unb 36* noc^ in Ie|tcr@tunbe 
eine tpenigftenS annehmbare i^affung burc^iufe|en. 3n einem 
^anbfc^rriben üom 13. Suni fpric^t fi^ üeopolb gegen ben fiur* 
^rften öon JBa^ern ba^in au«, ba§ er mo^I bie SWittcI nid^t 
\)abt, bem fiönig üon Spanien gegen bie SBaffen ErommeBö ^ilfe 
ju leiften, unb toürbe baö 9tei^ alfo beffentmegen feine Sefc^mer 
haben; eS fei aber bod^ eine ju unbiüigc görberung, baß ber 
$rotcftor Don allen ©orgen unb jeber mücffic^t auf baö 9Jeic^ 

* CejTe an örof Äutj, 20. 3imi : „^z\^i toiü man bic anbcm Ihitfür* 
flot per forza nöt^igcn, fid^ neben SWoinj unb Äöln ber 3nteTpofitti)n atoifc^en 
beiben ^onen ju unterfangen, mit aUetj^anb Sebro^ungen, toenn ed nid^t ge« 
fd^^. Sad^fen unb^Etier tDoUen fic^ ^te^u feineetoegd t)erfte^en, fonbem mel« 
ben, koer bie @ad^e o^ne il^r S^ottoiffen unb @inrat^en angefangen unb h'nXyn 
k part ttaÜiext fyihe, foUe ed toUenbd auÄmadjen". 93ei bcx $efd^lu§faffung 
üom 26. 3unt exfi&rten bie Branbenburgifc^en unb bie ba^rifd^en !Bet)oIIm&d^s 
tigten o^ne 3nfttu!tion ju fein , bemerften aber toeiter*, ba| fie nid^t erft mit 
Sin^olung einet fold^en fid^ bie @d§uU) einer ettoaigen 9)er^ögerung ber äBal^l 
anflaben, fonbetn ber ÜTlebiation gern i^ren Ükuf laffen tooQten. Sad^fen be« 
l^rrte in biefer ^ngelegenl^it nad^ toie t)or bei feiner able^nenben Haltung. 

* S^er ^rt. 36 foUte bon ber ^eobad^tung ber Kapitulation l^anbctn. 
@d^on ba§ frani). @ef.s3Rem. to. 12. ©eptbr. ent^ölt eine barauf bcjüglid^e 
2Rittt)etlttng, inbem bort babon bie IRebe ift , bag mehrere S^eputierte bed g^r« 
ffenxatl^ in ber 9leid|#=Xfputotion bie fjorberung fteüen toerben, cS foHe ber 
fünftige Aaifer Ui iBerluft feiner Krone aur Befolgung be^ ^ünfterifd^en gfrie« 
benS beipflichtet toerben (ä observer le trait^ de Munster sur peine de 
perdre la couronne Imperiale, e'il y contre-venait , ipso facto), ^m 
26. ^n. bermelbet ^anftein an bcn Kurfürften, bag „me'^rere Mioistri bor« 
gefd^lagcn, im f^Qe bie ^ontrabcntionen be^ Instr. Pac. fontinuiert toürben, 
ber König ipso iacto ber Krone berluftig fein foQte*. griebrid^ SQßill^cIm 
fprad^ ftd| am 3. ^br. gegen eine folc^e Seftimmung auS. ^m 6/16. ^br« 
fonnte bann (Sanftem berichten, ba% Tlain^ nun au^ „gelinbere terminos' 
betoiUtgen tooKe, nemlid^ bag ^^ieberaeit ben Kurfürften fretftcl^en foUe, ein an* 
bertocitifl ^aupt unb römifd^en König au toa^fim" (S. Urf. u. ?l!t. SBb. VIII, 
8. 515). Sd^Iiegtid^ tourbe in bem betr. ^rt. nur feftgefe^t, ha^ cd ben Kur* 
fnrften auf aUc gfaQe, toann fie e# für nötl()ig unb au Sr'^Itung ber @runb* 
gefe^ unb ber Kapitulation ober fonft bem ^I. römifd^en 9teid^e für notl^toen* 
big ober nii|nd^ befinben toürben, unbenommen fein foHc, aud^ bei &baeiten 
eineg rom. Jcaiferä mit ober o^ne beffen KonfcnS bie äBal^l eined röm. Kdnigd 
botjunel^en. 



64 0. ^eibc 

unb bag iSrjl^aug befreit fein unb er, ber Äönig, fid^ burd^ Äa^* 
tulation unb ©b oerpflid^ten laffen foH, jenen aU granfeeic^ö 
JBcrbünbeten o^ne SBiberftanb in be§ SReid^e« ©gentium »üt^en 
gu laffen; Wenn bie Sri. 7 unb 11 toieber in Umfraoc famcn 
(ber fölnifcfee 3"fö6 ö. 13. ä)?oi toax urfprünglic^ als appenbij 
bem Slrt. 7 angefügt toorben), foHe man bog Unüerträgliqe foU 
ct|er JBeftimmungen nodimafe barlegen ; Jrier unb ©ac^fen toürben 
i^m babei nic^t an^ ber ^avb gelten ; auc^ üerfe^e man fid^ eines 
ebenmäßigen bei Sranbenburg. 

Um barüber mit biefem Surfürftcn geeignete Unter^anblun« 
gen ju führen, mar ein ^err üon @d^ü| nad^ SBerlin gefanbt 
toorben. Sin gIücEIid)cr Qn^aü foßte beffen JSemü^un^en in gang 
unerwarteter SSeife förbern. Um bie äRitte bei^ 3uni toar nem= 
li^ bie Slnfunft beg fc^mebifd^en ©efanbten 9?ite S5ral)e in %xanh 
fürt angelünbigt toorben, ber gemeinfc^aftlic^ mit SBjörnflou über 
einen ©eparatfrieben mit Defterreic^ gu üerl^anbeln ^attc. 3)aS 
mußte aber Söranbenburg um jeben 5ßreii^ hintertreiben; nun toar 
eg an i^m, bei Defterreid) bie verlorene ®unft ttjiebergugetoinnen. 
„S)ie ©ranbenburgifc^en t^un poenitieren" , melbet Dejle unterm 
29. Suni an Oraf Äurj, „baß fic bie majora l^aben mad^en 
Reifen, geben üor, fie erinnerten fid^ nic^t me^r red^t, eg muffe 
nur ex errore gefd^el^en fein unb moHen fid^ näd^ftcnS anberS 
barüber eEpIicieren". 3n einer Sonfereng, ttjeld^e bie branben* 
burgifd^en Oefanbten mit ben trierfc^en unb fäc^fifd^en dtäitfen 
unb Dejle hielten, fd^Iugen fie bann folc^e (Sinfc^ränfungen unb 
©rläuterungen i^reö legten ffiotumS üor, baß ber ba^rifc^e Sc- 
üoIImädEiti^te felbft bafür ^ielt, e« toerbe ^önig Seopolb bamit 
too^I guf neben fein. SBie biefe 2)?obififation gebadet iuar, foHte 
bem ©efamtfoüegium nid^t lange Dorentfialten bleiben. SSom 
27. Suni an tvax ber fiapituIationSenttourf gur SJerlefung gc* 
fommen. Slfö man am 3. Suli bei Art. 14 (bem frül)eren Art. 
11) angelangt lüar, beantragten bie branbenburgifd^en SBeDonmäd^» 
tigten gu btefem 8lrt. folgenben 3"?^^^ ^^^ fie jeboc^ nur al§ 
eine (Sriäuterung i^reS SSotumiS üom 3. Wtax angefe^en »iffen 
»oßten: e8 folle aUeS unb iebeö, toa^ in biefem Srtifel feftge- 
"e^t iDorben, reciproce gu üerfte^en unb bemgemäß auc^ granftreid^ 
ott)ie beffen Serbünbeten unterfagt fein, bengeinben beg Äaiferg, 
feine« ßaufe«, be« SReid^eg ober eingelner ©täube irgenbttjie §ilf e, 
©eiftano ooer ©orfc^ub gu leiften, »ie aud^ aHe« tüaS üom fiaifer, 
beffen $aufe unb bem meiere barin gefagt toorben, gleid^ergeftalt 
aud^ für bereu Sunbeögenoffen gelten foHe *. Sil« bie Sntention 

^ 9Böttltd^: „jebcd^, ba^ oud^ l^ergegen bie Sttom g^tanfreidB unb bero 
ISunbedbertoanbte gletd^ergeftalt toeber unfern, unfeteS ^Qufed, bcd mnäft% ober 
etned Ihttfitrften unb ©tanbeS fAmmtlid^en obet obfonbertid^en gfeinben feine 
^ilfe mit fßoXt, ®eU), äBaffen ober anbem SBeiftanb unb SSorfd^ub auf ieinerlei 
&eife unb SBeg leiften, fonften aud^ aUed unb jebe«;, toad toegen bet Sttont 
gfronheid^ unb berofelben SSunbeSDertoanbten aUl^ier ober fonft in biefer ftopU 



i 




S)te SBal^I Seo|>olbd I. jum töntifd^en i^otfer. 65 

ber Sranbenburgtfd^en , ben Sffiftenjartifel bur^ ©nf^oltung 
einer SfleciprotationSQaufel ju ®unften Oefterreic^d ju amenbie« 
ren, befannt gctoorbcn, ftiep biefelbe bei ber franjöfifc^cn Partei 
am SBa^Itag auf energifd^en äBiber[pru(i^. ^^amentlid^ geigte fid^ 
ber Äurfürft üon iKainj barfiber aufgebrad^t; er brol^te, bem 
AonHaüe fem gu bleiben unb gar nid^t ju kuä^Ien, tpenn nid^t 
bie t7on i^m unb ßöln aufgefegte ^^ormel, ber fic^ aud^ ^urpfalj 
angefd^Ioffen , üon JBud^ftabe ju SBuc^ftabe feft unb unüerrüdt 
laffen lüerbe, unb fid^ na^ äRainj gu begeben unb ni^t e 
mieber jurüdjuf ommen , big Sönig Sieopolb biefe gormel gene^* 
migt ^aben mürbe. „63 toirb fid^ nun balb geigen", meint Oejle 
(©^r. ü. 29. Suni), „ob bie anbere ?ßartei ber aRajorität nad^* 
geben ober eS gum @d^idma fommen mirb, me(c^' le^tered gu be- 
forgen fte^t, toeil biefe 5;riumt}irn ftc^ gar gu tief mit granfreid^ 
cingelaffen ^aben". 

a^aing fagte am 3. 3uli baS ^onflufum ba^in, bag e^ bei 
ber früheren Formulierung beS Äffiftengartifefö fein SBerbleiben 
^aben foHe. ©arauf^in beontragte Irier am 6. 3uli, ba§ ber^ 
felbe am 8. b. 2R. noc^mate tjorgenommen n^erbe. Qngtoifd^en »er* 
fugten fic^ SSoineburg unb bie Orafen (Sgon unb SBil^elm %nx^ 
ftenberg ^u ben branocnburgifc^cn ©efanbten unb bebeuteten bie* 
felben, fte möchten mit i^rer 9{eciprofationdf(aufeI machen toa^ 
fic immer tooDten, fo feien boc^ SDiaing, Äöln unb ?ßfalg ein für 
ademal entfc^Ioffen , barein nid^t gu n^iUigen, unb menn bie Wa^ 
jorität fid^ unbeugfam geige, fo toürben bie übrigen Äurfür^ 
ften granffurt üerlaffen unb bie Keic^^be^jutation mit il^nen; 
bann motten bie anbcm nur mahlen »en fie tooHten, fte aber 
»ürben bem alfo Srtoö^ften bie Änerfennung unbebingt bermei:» 
gem. Äfö bie branbenburgifc^en SBeüoIImäd^tigten bie<8 ben öfter* 
reid^ifd^en SRät^en hinterbrachten, traten biefelben barob nic^t 
ipenig beftfirgt unb traten al^balb mit i^nen fotoie mit ben Sflä» 
t^en beö ffiurfürften üon Irier unb bem Dr. Öefle gu einer Äon* 
fcreng gufammen, toobei bie Deftcrreid^ifc^en bie (Srxlörung abga* 
ben, baß i^r Äönig, obtoo^I er auSbrüdlid^ unb toieberl^olt üer* 
fiebert, ba% er fi^ nid^t gum ?trt. 14 üerfte^en fönne, n?enn ber« 
fclbe nid^t auf bie SSerbünbetm granfrei^g gur Qext beS toeftfä* 
Iif(^cn gnebmö eingefc^ränft, b. \). Defterreic^ gegen ben 5ßroteftor 
freie Jpanb gelaffen toürbe, — ba| Äönig fieopolb immerhin 
pafpD »erbe gefc^e^en laffen, toaS bie Surfürften für gut befin* 
ben, toenn nur bie SDäa^I beförbert unb ber Strt. 14, baö Wiipfja 
unb Omega ber Kapitulation, berart eingerid^tet n^ürbe, ba^ bem 

iulatton gefegt, tjon unfrei, beS dUi^iS, unfered ^aufed ober etned i^urfütflen 
mib Sianbcd ^unbedt^extoanbten nid^t mtnbex ald aud) und felbften, bem SReid^, 
wmrn fyiu%, benen Ihtrfürfien, Orütften unb @iänben fämttid^ ober fonberlicl 
jtt terfie^n fei, unb alfo aUeS unb jebeä toa^ obftel^et, reciproce unb gleid^» 
Selienb, nnb t>fm niemanb anberd aU ed ^ux 3eit bed Jnsti Pac geloefen, ge^ 
beutet ober angeführt tottb" u. f. lo. 

3ÜLY. 5 



66 ®' ^tiht, 

lünftigcn Äatfcr für bic Snter^jretation ein gctoiffcr ©|)ielraum 
bliebe, ^ie unauiSgefe^ten SBerbanblungen bei^ Steic^düicefanj- 
lerS ®raf gerb. ©igui. Surj mit SKainj einerfeitö, unb Syrier, 
SJaijern unb ©ac^fen anbererfeits führten enblic^ ba^in, bafe ber 
Slrt. 14 mit ber clausula reciproca anä) üon ber ißroteftpartei 
angenommen tt?urbe, boc^ foDte ftatt „unfereS ^aufeö" gefegt 
tt>erben „unfereS beutfc^en §au[eg" , unb ber 9^affu§ „al^ cg jur 
Seit beÄ Jnst* Pac. getoefen" aui^faHen. an biefer g^ffung 
n^urbe bann au^ Slrt. 14 in bie Kapitulation aufgenommen, 
nac^bem am 15. 3uli in SSitlfa^rung eined burd^ 3RemortaI 
beff. S)atum« auSgefproc^enen SJerlangenö ber franjöfifd^en ©e- 
fanbtfd^aft feftgefe^t tt?orbcn toar, baß biefer Ärtifel aud^ auf bie 
gegenwärtigen SSerbünbeten granfreid^S ju begießen fei. ©o toaren 
Die ©panier in ben SRieberlauben aud^ im Kampfe gegen ®rom= 
tt?en auf fi^ felbft angetoiefen; bagegen Ratten SBranoenburg unb 
Defterreid^ il^rerfeit^ tt?ieber ©c^toeben in bem beüorfte^enben 
SBaffengange bie ^ilfe Snglanb« unb granfreic^g entzogen. 

8lm 15. Suli, SJomuttagS 10 U^r, erfd^ien König Seopolb 
mit ben ®rafen 5ßorjia, ©^marjenbera unb 5Roftij, auf bem 
SRömer, erhielt bie Kapitulation eingc^änoigt unb begab ftd^ bar* 
auf in ein ®ema^ neben ber SRat^^ftube, tt?o er mit ben ge* 
nannten Stätten, bem ®rafen Kurj unb SJoImar anbertl^alb 
©tunben fonferiertc. ®g lourbe bort ber SBefc^Iug gefaßt, gegen 
bic Kapitulation eine Srinnerung nid^t ju ergeben. 

Am 18. Snii erfolgte bann, nac^bem juüor ben SBeftimmun^ 
gen ber ©olbenen SulIe bejüglic^ ber äusjc^affuna ber grcmben 
unb einfc^mörung ber SBürgerfd^aft ®enfige getrau n?ar, bie 
2Bal^I üeopoIbÄ jum römifc^en Kaifer. 

Sin f t^toereö ©tücf Slrbeit ^atte man bamit l^inter fid^. 3)er 
fiö»enantl)eil baran ^atte feit ber änfunft König Seopolbg in 
granffurt auf ben ©d^ultern bc§ JReic^SüicefanglerS ®rafen Kurj 
gelaftet. „S^ ift gar nid^t« feltene« geloefen" , fd^rieb Dejle an 
ben batjrifd^en Dberft^ofmeifter, „baß ic^ SKorgenS 5 ober 6 U^r 
unb5Rac^tÄ um 9, 10, 11 ja faft 12 Ut|r beim^erm JHeid^güice^ 
f anjier öorm 93ett gef eff en ^ 3a ber liebe , f^ttjac^e ^err f)at 
[x6) tt?o^I felbft um bergleic^en 3^it ^^i Kurmainj, Irier, bem 
König ober an anberen vüen bepnben muffen; eg ift feine abge= 
gebrofd^ene SBal^I geioefen, ate toie bie näcfifte auggburgifc^e ober 
üielme^r pragifd^e ftüafjlK Sä) f)aie allein über ben 14. Kapi= 
tuIationSartifel eine ^anbüöKige Süfc^el Jßrojeften, an^ beren fei^ 
nem ettoa» geworben". 

®ie iWebiation be§ KurfoUegiumg aber jur Herbeiführung 

^ 2)erfelbe toat ]d)totx gidbiletbenb. ©eine dn^ataüetfd^tlberung in ben 
Font. Rer. Auetr. SBb. XXVI u. XXVII, Slelotionen a.b. 3. 1654 u. 1658. 

* Sfetbinanb IV. toav am 31. Tlai 1653 au ^u^Sbutg ^um tdmtfd^en 
ftbnig getoä^It tooiben, nad^bem bo3 ^al^t jubor ftd^ bie ihitfürflen au ^ag 
ouf feine aGBaf)l betcinbart litten; et flatb aber fd^on am 9. 3uli 1654. 



S^ie f&afil Seopolbd I. ^um römifc^en Aaifer. 67 

be§ franjöfif(^=^ani[c^en gricbcnö ücrlicf, ttjic bic ßinfid^tigcrcn 
längft üorau^gcfe^cn , im Sanbc. granfrcid^ fd)IoB über« ^oijv 
otfnt SJcnnittlcr bcn ^rcnäif^en gricbcn. 2)agcgcn gelangte 
SRajarin an ba« Qxel (einer 3am\6)e, inbem am 14. Stuguft 
burd^ bie ©onföberation ju ^tönffurt bie projeftierte üiga jtoif^en 
3Rainj, Stöln, Nienburg, ©c^tpeben unb ben brei ^erjögen üon 
8raunf(^tt?eig=2üneburg ju ©tanbe fam; ^^anfreid^ trat berfelben 
lag« borauf bei. 3^r Qtoed toax, ben 3)urc^marfc^ öfterreidiifd^er 
%xuppen naä) ben f^^anif^en SRieberlanben ju üer^inbern. Die^ 
fclben tüaren bamit befinitiö ben franjöfifc^en SBaffen prei^acge* 
ben. S)tc franjöfifc^e ©efc^ici^tfc^rcibung tft barin einig , baß bie 
3bee ber SR^einifd^en 2iga eine ber gliicfüc^ften (ionceptionen ber 
franjöftf(fien ©taatölunft unter Üubtt?ig XIV. unb ben ©ulmina* 
tionSpunft ber 5ßolitif granfrei^g gegen 3)eutf erlaub in jenem Sa^r* 
^unbert bilbet. aber mit nic^t geringerer ^^ufrieben^eit lonnte 
^ranhetc^ auf bie SBa^HapituIation fetbft blicfen ; Defterreid^ unb 
^))anien maren für immer audeinanberge^alten , bie militärif^e 
Solibarität ber beiben äRäc^te aufgehoben, bai^ Uebergetoic^t 
(]rtanfreid^d im toeftlic^en Suro)7a entfc^ieben. 



3ur ®tW^k M Sc^malfalber 23unbe«. 



SSon 



(8)«ßaii ddjntibt 



2)er Xa% p granlfiirt 

(S)cj. 1545— 5ebr. 1546) K 

$[uf bem äßormfer Steid^dtage Ratten bie @c^malfalber iSBun» 
bc^enoffen befc^loffen, bor bem 9{egeni^burger 9ietcl^iStQge , ber 
auf ben Anfang bed S^^red 1546 audgefc^rieben toax, noc^ (in« 
mal in ^ranffurt am 9Rain jufammenjurommen. $ter foDten üom 
23. 3)e2em6er an bie auf ber SBerfammlung ber @c^malfalber 
mä^renb bed Steic^dtagd unerlebigt gebliebenen fünfte entfc^ieben 
merben, unter benen am n^ic^tigften bie Erneuerung bed Snüoca- 
Ott 1547 ablaufenben Sunbed tpar. ^ie}u famen balb nac^ bem 
©d^Iuffe beö SReic^gtagg noc^ gtoei anbere Dinge Don ^eroorra^ 
genber Sßic^tigleit. 

3)em (Srjoifc^of Don 5f öln tourbe immer bringlic^er bon ^apft 
unb ^aifer jugefe^t: fc^on koar i^m eine laiferliqer Sitation ju« 
gegangen. @r ^atte gegen fie Iraft feiner !urfärftlid^en Sßfirbe 
appeVixttt unb ftd^ an^efi^td ber bro^enben ®efa^r an @ac^fen 
unb 6eff en mit ber Sttte geioanbt , ftd^ feiner SppeOation anju« 
fc^Iiefen unb i^n im gau ber 9?ot^ mit 9iat^ unb ©ilfe nid^t 
gu öerlaffen. 

Unmittelbarer nod^ ^atte bie SBraunfc^koeiger ©ad^e ben Sunb 
berührt, aU ^ergoa ^einfid^ tro| faiferli^er 3Ranbatd'@equeftra« 
tion jur SBiebererooerung feiner Sanbe im gelbe erfc^ienen toar. 

Vm 20. Dftober erfolgte bie @inlabun^ an bie 93unbedglieber, 
bie in Itnbetrac^t ber Derfinberten SSer^ältntffe nun f^on auf ben 
6. 2)e}ember nad^ granlfurt entboten tourben. Sld ber fianb^raf 
am 24. Ottober bem Stnlabungdfd^reiben bed fturfürften fernen 
SRcmen bcife^te, fonnte er bereits ben @ic0 bei Ealefelb unb bie 
Gefangennahme bed $er}ogd unb feines @ol^ned mitt^eiIen^ 

* ^ie ^litil^lunoen Betu'^n toefentltc!^ auf ben ^ten ber ^tabts^ltd^ibe 
au S^raunfd^toeig (9Br. $[.) unb O^öttingen (@ött. ^.)* — 9}ox bem ^totofoUe 
M 9r. 9. fielet: Filius ducis brunewicensis, qui Patayii commorabatur 
studiomm causa, post patris casum accersitus est Romam a pontifice, 
fortasse quod papa teuax est suarum rerum. — Brunswicensis, cum ar- 
deret bello adversus nos, habebat Romae procuratorem pro extor- 
queudis pecuniis a papa, sed con^cutus est nihil ultra quam verba. 

* m.^. ptaef. 25. Oft.: »31^ toerb^t nun erfol^n V^Ben, bag tott ge« 



72 (5J. Sd^mibt, 

Unter gleid^em ©atum toareu andj ©^reiben ber beibcn 
SBunbeö^äupter an biejentgen Stänbe Slugäburgcr Sonfeffion cr= 
gangen, bie nid^t jum Sunbe gehörten, mit bcm (Srfu^cn, auf 
ben 13. ©ejember ©efanbte mdi granfifurt ju fc^irfen, um über 
grieb unb 9^ec^t unb namentlich über bag üon ^apft 5ßaul HI. 
na^ Xrient berufene ©oncil ju beratl^en, ba§ in SQäormg üon aU 
len Süangelifd^en abqele^nt tt?orben war. Sluc^ bie Kölner unb 
bie Sraunfd^njeiger @a^e , afö alle Süangelifc^en me^r ober toe- 
niger angel^enb, foKte mit i^nen erörtert n?erben. 

S« erfcf|ienen afe ®efanbte^ ber 83unbegmitglieber : t*®ber:5 
^arb üon ber X^ann, Slmtmann ju Königsberg, unb fiaujlcr fjran} 
Surcf ^arbi für ©a^fen, ber fianjier t*Dr. litemann ©ünterrobc unb 
©efretär ©ebaftian Sll^tinger für Reffen, Dr. SJiicoIauS ^olftein 
für ßüneburg , t*ber Dberüogt SBil^cIm t}on SKaffenbad^ unb Dr. 
5ß^ilipp (Srer für SSSürtemberg , ßafpar ©(^legel für «n^alt, 
t*®eorg üon 2)utleben unb ffianjier ®eorg Sauterbad^ für SKanä^ 
felb, ©efretär Sodann äWinjing für @raf fi?onrab üon icHenburg ; 
als ©efanbte ber oberlänbifd^en ©täbte: t*3acob ©türm, ßein^ 
ric^ üon 2KüIt)eim unb SDiic^ael ©d|tt)enfer für ©tra^urg, *maxi 
5ßfifter, 8ic. 9licoIauS SJiatjer unb SKidjael ©ebelmatjer für ÄugS* 
bürg, SlauS ©tolberger, Soi&ann üon ©lauburg unb Dr. gi^art 
für 5i^an!furt, Surgemeifter X^omaS ^larer für Sonftanj , *@e* 
baftian SBefferer unb ^ieronljmuS ©d^Ieid^er für Ulm, mit JBoH- 
mad^t für Siberad^, Sic. Sodann SKac^toIf für ®6Iingen, Subttiig 
©edfer für Sleutlingen , ©tabtf^reiber SÄatern SBurjcImann für 
)aü, Dr. Sacob ö^inger für ^eilbronn, Surgemeifter JBaltafar 
Jund für ÜKemmingen, §anö Singberger für Smbau, §an8 ^eH 
für Kempten, ®eorg SBalbauf für S^nt); enblid^ öon ben ©äd^^ 
fifd^en ©tobten: 83urgemeifter t*3)ictrid& SSaßmer unb ©tjnbifug 
Sodann 9iebariu3 für 93remen , ©efretär *8ttesanber ©pie§ für 
Hamburg , Sodann Uölar unb *©efretär Sodann Äod^ für ©oÄ* 
lar, mit SBoHma^t für ®öttingen, bie Surgcmeifter ^anS unb 
Subtüig äleman unb ber ©efretär Sotjann ©tapf für SWagbeburg, 
bie SBurgemeifter Eurt üon SDamm unb §an8 ©imon unb ber 
©efretär S)ietrid^ ^ßruffe für SBraunfd^toeig, ber ©^nbifuS Sol^ann 
SBrun für ^ilbeS^eim unb ßafpar Söbefer für »^annoücr; üon 
bm ©täbten toaren SÄinben unb ®inbecf, üon ben gürften ÜRarfs 
graf ßang don SSranbenburg , bie öerjöge SBarnim uitb ^^iltpp 
üon 5ßommern, unb bie ®rafcn SBilfelm unb ?ß^ilipp öon 5Waffau 
nic^t vertreten. 

Son ben anbern eüangelifd^en ©täuben toaren öertretcn: ber 

gm ben bon ^taunfd^toetg ba§ gfelb U^alttn unb x^n tnti feinem ^ofyx ^ 
fangen l^aben. SBtr ^aben aud^ einen Aafien mit ^tiefen gefunben, bartn 
tounbetbatlid^e unb feltfamc $ra!tt!en fielen, toobon oud^ in gftanffutt getebet 
tuevben fott*. 

^ S^ie mit * be^etd^neten l^ben ben'SunbeSs^fd^ieb untctftegelt, hit mit 
t bejetd^neten ben für alle Stoangelifd^en geltenben ^bfd^ieb. 



3ut ®efd(td^ie M Sd^aHdlber 8unbe9. 73 

(SrjHfc^of öon Äöfn burd^ *Dr. ©ibcrt Don Satücnbura unb Die« 
tri^ üon Sü(^cl, ber Sift^of üon SKünftcr unb DÄnaßrüd burd^ 
bcn tftanjier Dr. Suftinu« ®obIeru« , ^fahgraf SBolfgang üon 
3»eibrü(fcn burc^ bcn ^ofmeiftcr Sl^riftof iianbfd^ab, bcr oerjog 
wn $reu§cn burd) agücruö JBranbt, SRümbcra (mit Soumoi^t 
für ©c^tDcinfurt , Saämb^^cim unb aßcigenburg) burd^ Sra»mu8 
Sbner, SRotcnburg burd^ SBurgemeiftcr $an« ^ombutg, 3)infel8büftt 
burc^ ben ©tabtf^rcibcr Sarob ?B(attert^art (aiorfen^art?), »auf* 
bcucrn burc^ ben ©tabtfc^rciber matti)\a^ SBinbifc^, cnblid^ Storb^ 
Raufen burc^ 3)ii^acl SKeienbcrg. Äu^crbcm tvaxtn eingclaben 
bcr ftöntg üon 3)äncmorf, bcr Äurfflrft üon S3ranbcnburg, ßerjog 
aRoril, ^erjog ^ctnrid^ üon SRcttcnburg, ^crjog ®n($ üon 
Galenbera (^annoücr), äRarf graf SHbrcd^t, btc SSormünbcr bc8 9»arf* 
grafcn Öcorg, bic JHegicrung bc« ^fahgrafcn Ctto ßcinric^ unb 
bic ©täbtc »tcgcnöburg, Siörbünqcn, SRaücn^burg , dicngcn unb 
Wen. ©onautoört^ toax bnxd) Augsburg ücrtretcn. ®er fiönig 
üon 3)änemarf ^atte feine 9}ät^c $eter ©d^maben unb 3o^ann 
SJomitfotD gcf^tdft, ^erjog 2Rori| ben ßaui^tmann G^riftof uon 
Eartottjitr ober fie unterfc^rieben ben «bfc^ieb nic^t. 

©0 |?ünftlic^ inbeffen, tote bic ©unbeStage au^gefc^riebcn 
limrben, pfleaten fie feiten in beginnen. Huc^ in granrfurt naf)^ 
men bie SJerponblungen nic^t, n?ie beftimmt tt?ar, am 7. ©cjenis^ 
ber (erft am 10. trafen bie meiften« fc^r pünftlid^cn SBraun^ 
ft^meiger * ein), fonbern erft am 16. i^ren Anfang, na^bem man 
fo lange ouf bie ?lnfunft ber furfäd^fifc^en ©cfanotcn ^atte toar* 
ten mäffen. 

3unäd^ft tourbe nun ein äuöfdjuß niebergefe^t, ber über bie 
äWängel ber bii^^crioen ©unbcöücrfaffung unb bie Smeuerung 
(„iSrftrerfung'') bc« S3unbe« berat^cn follte. Sin „SBebenfen ber 
©elel^rten *u ffiittenberg, baß bie aufgerid^tete ©inung d^riftlid^ 
unb nfi^e fei'', üon fintier, Sugen^agen unb SRelant^on untere: 
f(^Tieben, tourbe Vorgelegt " : bie ©dfirift f ü^rt an^, ba§ ®ott burc^ 
biefeö Sufammen^alten Ärieg unb 3^tö^"9 »ereiltet l^abe, ba§ 
fonft größere ßctrüttung ber fie^re gefommen toäre, bie bei Auf* 
löfung bei^ JBunbe« aufg 9?eue ju für^ten fei ; ein Oegenbunb fei 
jtoar mit großem Sifer betrieben ttjorben, aber bie Sifri^ften feien 
tobt unb ©erjog §einrid^ gefangen, ein offenbares Rexdfm üon 
©otte« ©d^uj, toä^renb bte eüangclifc^e Sirene unb i^re ©lieber 
no{^ ftänben unb i^re «utorität bel^alten Ratten: ba^er müffc 
man ben Sunb feftl^alten, benn ber Jeufel fud^e ein £od^, um 
bie Surften unb ©täube üon einanber ju reißen, unb afle 6üan* 
9cHf(^en feien gur Si^eilna^me verpflichtet, fo jebod^, baß man 

, * Sfyct gnfhuftiflti tfi tom 30. ^ot. (SBt. «.), bie 0öttinaen8 für @o3. 
Iäi l)om 7. ^ea. (OJött. «.)• 

* (5in «ulaug au8 Judic. theol. Wittenb , «ntetfd^rtcbeit toott Sut^er, 
"ugm^Qöen, (Srudget, aHojot unb 2Relant^on, gebtudt Melanth. opp. ed, 
BreUchneider V, 719—24 (ittig oI« mense Martio 1545). 



74 ®. S^miht, 

jucrft bei bem JBunbc bie Sl^rc ®ottc3 fu^e unb i^m ücrtrauc 
unb fid^ öor ßcutcn ^üte, bie Zerrüttung unb ©Haltung anrid^tcn 
lönntcn 2c. 

SmSlugfd^ug tourbc toorgefd^Iagcn, bie ?lnf daläge („Änlagctt'') 
ber cinjelnen ©tänbe in 3"^^^ft tiad) ber JRcici^gmatrifel anju* 
fe:&cu, aber bieg fanb tt?enig SlnHang, ba bann für bie meiften 
bie Seiträge l^ö^er geworben ttjären, ofö fie big^er gctDcfen. Äu|cr* 
bem erfd^ien e§ bem 8(uSfd^u|[ jtoecfmägig, um ber augenfc^cin^ 
lid^en ®efa^r mitten einen größeren ®eIbüorratl^ baar nieberju^ 
legen unb baju ben iüngft ju Speyer 1542 — 1544 gegen bie 
lürfen ben^illigten gemeinen $ßfcnnig auf junel^men , ber, »eil bie 
lürfengefa^r gurüdEgetreteu toax, öom afleid^ nid^t cingeforbert toax. 
SJiefer ^lan mürbe augf ü^rlid^ motiviert * : eS fei toünfc^en^toert^ 
eine gleid^mäßigc unb erträglidie fiülfe nad^ bem Vermögen; baS 
Vermögen fei bop<?eIt, ber Dbrigfeit unb ber Untert^ancn, bie 
Dbrigleit l^abe aud ben j'äfjxliö^en @inna^men nid^t bie äRittel ju 
einem ettoaigen Kriege, fonbern eg fei eine allgemeine unb glei(|e 
älnlage nöt^ig, auf baS ©ermögen ber Dbrigfeit unb ber unter^^ 
tränen; ba Die Oefa^r eines Sürfenfricgeg jur QÄt nid^t öor* 
Rauben fei, fo fei ba^ ®etb gur eignen SRettung ju üermenbcn; 
e2 fei beffer Vi ff. ober 1 ff. öon 100 ff. Sapitaf ju jaulen, alÄ 
ba^ ganje ßapitaf gu üerfieren : grabe ber gemeine Pfennig fei 
juberfäfftger afö bie ungefähre ©infd^äfeung, ba man baö SScrmft» 
gen ber Dbrigfeiten boq nid^t fo aenan !enne; »erbe ba^ ®efi) 
eingegaf)ft, fo mürben fid^ bie geinoe fd^on baburd^ tjieHeic^t t?om 
firiege abfd^rerfen faffen, unb man mürbe am (Snbe bag ®elb gar 
nid^t braud^en ; aud^ mürbe burd^ biefen SBeg bie aufnähme neuer 
SKitglieber in ben Sunb erleichtert, ba alles 3)iSputieren über bie 
ßöl^e beS SlnfafeeS megfafle unb jeber cjIeid)mäBig angefefet merbc ; 
pir bie e^rlid^e Sntri^tung mürben bie Dbrigfeiten fd^on forden 
fönnen ; äRängel feien in aßen menfd|li(^cn Sontraften, Une^rlid^^ 
feit muffe man ®ott an^cimftelfen. — Unjmeifel^aft l^atte biefer 
®ebanfe üiel für fid^, bie ga^fungSfä^igen ©lieber maren jur 3cit 
im SJortl^eif, namentlid^ bie reid^en oberbeutfd^en ©täbte, mit be^ 
neu bie befc^eibenen SBerl^äftniffe ber ©äd)ftf^en ©täbte feinen 
aSergteid^ auS^aftcn fonnten. Slber mie einft im ^uffitenfriege 
biefe ©teuer i^r großes Sebenfen erregt ^atte , meif bie ©tobte 
namentfic^, bei el^rfid^er ©elbfteinfd^äfeung, bie Habgier ber ®eg* 
ner fürchten mußten, fo ging eS anö) l^ier. 5Rur menige mürben 
für ben ^fan gemonnen, bie meiften jogen fid^ l^inter un^enügenbe 
SSoUma^ten gurücf, unb ber gemeine ^ennig bfieb hegen: eS 
foUtc ein anber 9Waf meiter barüber öer^anbelt merben; bis gum 
1. SRärj fofften bie ©tänbe i^re Srffärung an ben Äurfürften 
ober Sanbgrafen einfd^icfen. ©ofange ber gemeine Pfennig nid^t 



1 



f&thtnltn bon (Anbringung beS gemeinen Pfennigs Bei biefen ®tftnbeit 



unb tote biefelbe o'^ne Be{onbete S3efd^tPetbe gefd^el^en tonnte". 



6etotDt0t toax, (onnte and) bet 93orfd^Iag leinen Seif all finben, 
etnfttt^etlen einen S)o|)^eImonat etn^ujal^Ien, ber \p&tex an bet Qa^^ 
Ima beS gemeinen ^ennigd abgeregnet n>erben follte. ^rj in 
©elofad^en tourbe nic^tiJ erreid^t ate bie Setoillignng üon 12000 ff. 
SBortegelb }ur 8(nn7erbnng üon 9{eitem : fadd bie £)äu^ter ei^ für 
not^ig hielten, foHte ber Kurfilrft 4000 fl., ber fianbgraf 4000H., 
3Bfirttemberg , «ugdburg unb U(m 4000 f(. bid aum 31. Wai 
aufn^enben bürfen ; bie @nmme mürbe anf bie einjelnen @tänbe 
pro portione üerti^eilt ^ unb foOte bi^ fiaetare eingeja^It tuerben ; 
bie Beauftragten foDten aber bebad^t fein, bag man ber Gleiter 
gciüi§ fei, bafe bie 9iittmcifter treulid^ Baubeiten, unb nic^t ein^ei^ 
mifc^e, fonbern frembe SReiter mit biefem SSartegelb „aufgehalten" 
tofirben. äufeerbem tourben bie ©äd^fifd&en ©tänbe — nur fflraun^^ 
fc^toeig ^atte gega^It — aufgeforbert bie Sol^anniS 1545 fällige 
Crbinari:=9nlage fd^Ieunigft }u jaulen, ebenfo foDten bie oberlän^^ 
bifc^en @tänbe unb ®täbte, bie jum 2:^eil noc^ jn^ei Anlagen 
fc^ulbig tparen, bid Saetare abliefern. 

^ie Qrneuerung bed SBunbed fam noc^ nic^t ju befinitiüem 
Äbfd^IuB. (Sd tourbe nur eine neue JBunbeSüerfaffung ' entworfen 
unb ben ©efanbten in äbfd^rift jugeftcHt, um ju $>aufe gur S3e* 
gutad^tung unb Snna^me Vorgelegt ju tverben: bie beftnitiüe (£r^ 
Rarung foHtc auf einem fpätercn ?£agc erfolgen, ©njelne SRän* 
gel ber frühem SSerfaffung toaren in biefer neuen fjorm aUerbing« 
befeitigt, im ®anjcn unb Großen aber bauerten bie früheren Uebel* 
ftönbe fort, unter benen bie boppelte ©pifee unb bie m grofee 
Selbftänbigifeit ber einzelnen ©lieber, meiere namentlid^ oie 8Jer= 
fugung über genüaenbe ©elbmittel erfc^merte, bie bebeutenbften 
uno fü^Ibarften, aber aud^ am fd^werften ju b^feitigen njaren. 

aWand^erlei ^ßriüatfad^en namentlich ocr ©täbte famen in 
^ranffurt jur Sefpre^ung, mit Oefud^en nm gürbitte ober guten 
^atff: ber @raf öon JleHenburg flagte über bie ©teQung be» 
aRünfterfc^en Amtleute gu ben ftlöftem J&ar^brüdt unb Slag^olg 
in feiner ^rrfc^aft SR^eba, ber ®raf öon äKauöfelb über bie 
ßö^e feine« 8lnfc^IagS, ebenfo ber @raf üon 9?affau - ©aar* 
brucfen. Gonftanj befditoerte fid^ über ben Slbt öon $ßeterÄ^au=» 
fen, Utm über ben üon SBiblingen, SWemmingen über ben JBifd^of 
öon Conftanj, SpaU über bie Orafen üon |>o^enIo]^e, iJinbau über 

> @ad^fen unb Reffen ie 1633 fl., äBüriembetg 1061, SfineButg 861, 
^Sommern 1061, mit). t>. giQffou233, STeflcnBura 46 ; ©tropurg, Slußäbutß, 
Ulm ]c 583, gfranffurt 350, eonftonj 151, Illingen 145, Olcutlingcn 105, 
6ütt 140, $)cirBronn 116, HWemtningen 169, »ibetod^ 128, Sinbau 105, 
SttmpUn 81, 3[§n^ 70; ^agbebuvg 416, ^raunfd^toeig 416, etcmcn 369, 
Hamburg 431, ©oölat 218, ^nnoöet 70, @öttingen 113, mivhtn 46, &iU 
kHndm 116 (NB. bie Äteuaet loffe iä^ toeg). 9Jcatfgraf $an« unb ©nbecf 
tourben nit^t mit angefd^Iagen. 

• „^tüt %)Ul bet Söerfianbitid, refp. bc§ ?lu3fd^uffe8 SBebenfen, tote uttb 
toeld^t ^flalt eine neue ©etfoffung jtoifd^en ben einungdtjertoonbten ^tönben 
aufzurichten fein fottte'. 



76 ®. e^mibi, 

bcn faifcrlid^en ^iStal beim Äammergcrid^t unb über ben ®rafen 
öon äWontfort, ^xbexad) über bcn Slbt öon ©d^uffcnricb, SBremen 
über JBcctnttäc^tigung bcö (cDangelifd^ gefinntcn) (Sapttcte ©. SBil* 
l^abi unb ©tcpl^ani burd^ oic ^erjogin Slifabet^ üon ©alenbctg, 
®o8lar über ben 5ßropft ju @. (Scorgenberg, Oöttingen über JBor^ 
ent^altung ber ^alanbSgütcr burc^ bie fianbeS^errfd^aft lyib über 
ben Sanbcomt^ur in ßuäfum; §i(be8^eim mö(^te gern gegen bie 
®eiftric^!eit be« ®omytiftö, bie anbern ©tifter unb bie ÄIBfter 
öorge^en, tourbe aber jur SWäßigung oermiefen, 2c. ©elbft SRe* 
genSburg, ba8 nid^t im 93unbe tvax, bat um Unterftü^ung gegen 
ben fflif^of. 

Um Äufnal^me in ben 95unb fud^te ©onautoört^ noc^, ju 
SSer^anblungen n)urbe Augsburg beauftragt. 3n 9iaüengburg 
l^atte bie SBürgerfd^aft Steigung jiim Seitritt, aber bie SWe^r^eit 
beS fHaÜj^ toax „bem Süangelium juttjiber", bie ©a^e tourbe 
ben ??ad&barftäbten ßonftanj, Ulm unb fiinbau empfohlen. ®raf 
SBil^elm t)on gürftenberg, ber burd^ ^ürbitte beS SBunbeS au8 
langtoiertger $aft beS Königs t?on ^i^anfreid^ befreit toar, bat 
um Sfufnal^me in ben Sunb : er f önne j^ar feine ©elbbilf e leiften, 
ba er bur^ ben Ärieg unb bie lange §aft öiel verloren l^abe, 
aber er motte im g^tte ber 3loü) gegen 400 ff. monatlid^ mit 
feinem fieibe bienen unb mit feinen Üntert^anen gegen gctoöbnlic^c 
SBefoIbung : bie ©ad^e tourbe jur näberen ©erl^anblung ber ©tabt 
©tra^bur^ überlaffen. ®a§ Slncrbieten ©ebaftian ©d^ärtlin« 
jum ©intntt toar ein novum, ba bisher ?ßriüatperfonen nod^ nic^t 
im JBunbe toaren: man toottte bie Äeußerungen ber ©tänbe bei 
ber näd^ften Swf^wiwtenfunft ^ören. SBid^tiger war bie erneuerte 
aReibung be« 93ifd&of8 ^ranj Don SKünfter, 'CSnabrücf unb SRin* 
ben; fd^on 1543 mar in SRümberg unb nac^^er in ©d^malfalben 
mit i^m öer^anbelt toorben. ®r felber »ar eüangelifd^ gemorben, 
unb e« Ratten aud^ „etlid^e ©täube unb ©täbte ber ßanbfc^aft 
ba« SBort ®otte8 angenommen", baö in ©tabt unb ©tift DSna* 
brüdt, SKinben , Smbener Sanb unb f onft ge^jrebigt tourbe , aber 
bie eigentlid^e Sanbfd^aft unb baS ßapitel , in SKünfter gumal, 
toottten Don ber Steuerung nid^t« toiffen. ßierin lag eine große 
©d^toierigleit für bie notl^toenbigen ©elbjal^fungen in bie 93unbe§- 
laffe: beSl^alb tourbe befd^Ioffen, fatts ber S3ifd&of bie anbern 
Sanbftänbe, bie nod^ „ber päpftlic^en SReligion" finb, nic^t um* 
ftimmen Wnne, fo fotte er fid6 mit bem Il^eil feiner fianbftänbe, 
ber ba« Süangelium angenommen f)abe, öergleid^en , toa« fie im 
gatte ber SRotb für ben S3unb t^un toottten. (Sine (Srflärung 
fottte jum näd^ften SunbeStage ertoartet toerben unb barauf enb* 
iid^er SBefc^eib erfolgen. 

Ueber bie ©teuung ber §erjiöge üon ?ßommem jum SJunbc 
berid&tete ffiurfad^fen : Sacob üon Sthtoi^ botte mit bem Äurfürften 
barüber öer^anbclt. 3iod& l^offte man, bie ßcrjöge toürben fid^ 
nid^t Don ben anbern trennen, unb bat ben fturfürften, er möge 



6ei beiben ^erjögen bie ®ad)t beftenS beförbem unb fie ermol^nen, 
ben näc^jien Xag ju befc^icfen unb ftc^ auf bie SSorfc^Iäge tpegen 
Smeuerung bed Sunbej^, biegen bed gemeinen ^fennigiS ac. ju 
erQären. 

iKtüd^ bebentlid^er ftanb ed mit ÜJ^arlgraf ^and üon ber SQeu« 
mart. er le^ne eö ab, fc^rieb er, bie Drbinari ^ Anlage ju ent- 
richten, tueil er fie nie bemiQigt ^abe, ben %aQ ^abt er nic^t be- 
fc^icEt, tt7eU er feine ©timme ^abc, er Ijaie g»or früher beg^alb 
angefuc^t, aber nichts errei^t unb ^alte bed^olb bie Sefc^icbing 
be^ Xaged für frui^tlod unb nid^tig. @o titoa^ gegen bie n^a^re 
c^riftli^e 9{eliaion vorgenommen u^erben fodte, moUe er nic^t blog 
bie fc^ulbige ©ebü^r, fonbern fein ganjeg SBermögen baneiien. 
SRan bef^Io^ ibn an feine SBriefe unbSiegel ju erinnern; jaulen 
muffe er, über SJeitegung einer Stimme foUe bei Srneuerung be« 
®unbed berat^en koerben. S)oc^ moUte man i^n fic^ nic^t ent^ 
frembcn, banfte i^m für fein (Srbieten unb erfuc^te i^n bei ber 
93ef(^idung bed Sleic^dtagd feinen 9tät^en @efel|l ju geben, }u er^ 
Hären, ba§ er mit ben ©täuben in puncto Concilii, 9leIigioni5s 
friebenS 2c. für einen SWann fteljen unb fic^ an ben SJer^anblun* 
gen beteiligen tooUe. S)ie ©d^onung toax frud^tloS, toir finben i^n 
im ©cffmalfalber Kriege neben ben treuften Sln^ängem bed ^aiferd. 

^er jog älbrcd;t üon ^reufeen, mit bem ber Äurfürft in 9iaum* 
bürg t)er|anbelt ^attc, lic| bie ©täube bitten, toegen ber gegen 
i^n audgef)7rod^enen ^ci|t auf bem diegendburger ^ei^dtage bei 
fiaifer unb Üieic^ gürbitte ju t^un. S)a er bie Sfleligion treulich 
in feinem Sanbe geförbert ^atte unb „bei ben anftofeenben 9lad)* 
iam nod^ üiel guteö ftiften fönne", »oUte man feine SBitte erfüi:= 
len, übmo^I man fic^ n^enig @rfo(g t^erfpred^en fonnte. 

SSd toexttm am mic^tigften aber n^ar bie ßölnifc^e ©ac^e. 

(5s foß an biefer ©teile nic^t auf ben Anfang unb ^ortgang 
ber Sieformation im ©rjftift Solu jurüdgegangen toeroen, bie 
^ermann au§ bem Oefc^Icc^te ber @rafen öon SQäicb, feit bem 
14. SKärj 1515 ßrjbifclöof unb fturfürft, jefet ein ^oc^beta^ter 
®retg, mit jugcnbüc^er tjrifc^c unb wa^r^aft eüangelifc^em ©ifer, 
oon SKartin aucer, 2WeIantt)on unb anbcrn unterftü^t, feit bem 
Anfange ber mcrjiger 3a^re betrieb. Slber bie unmittelbar öoran* 
^^enben ©reignif je muffen bod^ ^ier furj jufammengefafet »erben \ 
ffiä^renb bie ©rafen, bie SRitterfc^aft unb bie ©täbte, ber 3)om* 
bcc^ant ®raf ipeinrid^ üon ©toIberg^SßJernigerobe , ber JR^eingraf 
Sacob, ®raf griebric^ üon SBieb , @raf K^riftof Don DIbenburg, 
^aljgraf Slic^arb oon ©immern unb ®raf ^ß^ilipp üon Dberftein 
aus bem ©omca^jitel bie SRcformation öon Stnfang an mit greube 
begrübt Ratten ober boc^ im Saufe ber Sai)xe für fie gewonnen 
tparen, Ratten bie übrigen äJütglieber beS &a)7itels, inSbefonbere 

* Sgl. 3kixttn\xapp, ^ermann ö. SOßieb. Scit^a. 1878. 



78 @. iBä^miht, 

ber SJomproBft ^crjog ®corg üon JBraimfciölDctg \ ein jüngerer 
SBrubcr $erjog |)cinri^^ üon SBoIf enbüttel , juglcid^ ffianjler ber 
Uniüerfität Äöln, unb bie übrige ^oI)c unb jum X^cU auc^ bie 
niebere ®ci[tlicl^feit , fotDte Uniöerfität unb ©tabt Äöln, an ber 
alten ße^re feft^altenb, ben energifd^en ©c^ritten be8 (Srjbifc^of^ 
gegenüber auc^ i^rerfeitö Sßaferegeln ergriffen, ibre ©ad^e ju ocr* 
t^eibigen. 3)ie SSerfucfie, im ®uten ben ©rjbifd^of oom Srrt^um 
JU überjeugen fott)tc oie ©täube be« ©tiftg auf i^re ©eite ju 
j|ie^en, maren üoQftänbig fel^Igefd^Iagen. Stuf bie gelegentlid^ ber 
SSerfammlung ber ©tänbe ju Äöln am 18. Jioüember 1544 Don 
bem Sa^)itel erhobene JBefd^ujerbe ertoiberte ber ©rjbif^of auf 
bem Sanbtoge ju Sonn am 3. Degembcr^: er blieb bei feiner 
gorberung auö ber ©c^rift toiberlegt ju werben unb betonte bie 
aud^ öon ben ©täuben für unabtoeiglid^ erfannte ^Kotl^njenbiafcit 
ber Sieformation, ©d^on öor^er ^atte „Domcapitel, gemeine Sie* 
rifet unb Uniüerfität" unter bem 9. Dftober an fiaifer unb ^apft 
appeÖiert*. 3)ie ©c^ritte toaren üon Srfolg. S)er Siaifer*, ber 
big^er nur mit bem 3)omcapiteI üer^anbelt I|atte, forbertc ben 
6rgbifc^of burd^ ben SBijelanjIer Jiaoeg jur Umfe^r auf. Ate 
baö nid^ti^ l^alf, erliefe er ein ®bift an bie Sinioo^ner beS ©tiftg 
unb enblid^ auf bem SBormfer 3leic^ötage, too guerft ber Srjbifc^of 
burd^ SCbgefanbte mit bem ©d^malfalber 99unbe in nähere fdeiit^ 
jungen trat, um fid^ für ben fd}timmften $aQ feinet ©c^u|eS 
unb feiner |)ilfe ju üerfi^em , am 27. 3uni 1645 eine Sitation, 
in n)eld[}er i^m in ^^olge ber ermähnten SlppeQation aufgegeben 
tourbe, fic^ binnett 30'2;agen üor bem (Sendete bed ^atferi^ }u 
üerantttjorten , einftweifen aber alle Steuerungen einguftellen, üor 
benen auc^ aDe Üntert^anen au^brücflid^ unb emftlic^ gewarnt 
Würben. 3n gleidier äBeife erfolgte eine päpftlid;e Verwarnung 
unb Sitation burc^ ben Sarbinal ÜJ^arceQud , batiert 9tom 18. 
Suli 1545, unb enblic^ eine britte beiS ^ieron^mu« SJeraHuÄ, ar- 
chiepiscopus Bossanensis, ald pä))ft(i^en Stifters unb Sjrecutord 
in biefer ©ad^e, d. d. SRec^eln 20. Dftober 1545, an bicjenigcn 
äRitgßeber be§ ^omcapiteld , bie ed mit bem (Srjbifd^ofe ^te{ten^ 
®en legten beiben ©c^riften fc^eint feine weitere ^olgc gc* 
geben gu fein. 2)agegen entfc^Iog fid^ ber Srgbifc^of, nac^bem 

^ @pätet SBtfd^of bon 97linben unb SBetben unb aule^t @r3btfd^of bon 
IBremen; t 1^66. 

' ^ebtutft: „93oTttag t)on toegen | eined (^ttoütbigcn 3]^oinca))tttel8 ^u 
(SAUn I an bie Befd^rtben unb erfd^tnnen bon ^raffen | 9lttietfd^aft unb bec 
©tati fiefanbten beS (Sta fiifftS (Söaen befd^elben, gelefen au m len am XVIII. 
tag 9lot>embtid | Anno MDXLIIir' — nebfl ber ^nitooxi m Srabifd^ofd. 
80 SBl. 4. SBqI. SSoxrenttapp @. 237. 

* Appellatio sub nomine capitali majoris etc. nebfi Besponaio ad 
Appellationem praedictam nna com confutatione etc., gebr. o, O. 12 
»l. 8fol. 

« (Sx ^i Qud^ ))etfönltd^ a^eintat ntit bem Kapitel tefpectibe ^btfd^of 
betl^anbett; f. Sktnenttapp ®. 212. 233. 

» QkbT. Citatione« tres etc. 12 91. O^ol- 



\nt (Segnet bie taiferlid^e Sitation an bie ^ird^t^üren Ratten an« 
f (plagen laffen, „um i|n bei bem gemeinen äRann gu üerun^Um:» 
pfen'', SeDoOmäd^tigte an ben ^aifer nac^ S9rabant ju \d)\dcn. 
3n örfiflel, too i^arl V. üom 20. «uguft big jum 15. Cf tober 
1545 k)ern>eitte, giengen bie SBer^anblungen üor fic^. 2)ie ©egen- 
Partei brachte i^re filage öor unb ^ielt — ein weiterer ^roje§ 
erf(^ien i^r überfüifftg — ^eftig barum an, gegen ben 6rjbif($of 
alg „Serbrec^er"' bed äEßcrmfer (£biftd üon 1521 unb bed Stugdbur« 
onr Sbfc^iebi^ üon 1530 ju üerfa^ren; bie ingmifd^en eingetretenen 
aRUberungen n^urben einfach ignoriert, ^er erjbifc^öflic^e $(nmalt 
erbat fic^ äbfd^rift ber ÄIage*2(rtifeI unb brei äWonat grift exci- 
piendi contra jarisdictionem, um aud göttlid^en unb menfc^Iid^en 
Siechten unb an^ ben dieic^dtagdabfc^ieben }u bemeifen, bag bie 
®ad)t niäft üor bad taiferüd^e ^orum gehöre, alfo ber Staifer 
nic^t barüber aiit^ter fein nocb erfeunen tonne. Die äbf^rift 
mürbe ben^iUigt, ftatt ber brei URonate aber nur ein äRonat ^rift 
getoä^rt unb bie @a(^e juglei^ fo gemenbet, afö ^abe ber i&rj« 
bifc^of ben Äaifer alö bered|tigten Siic^ter in biefer SaAe aner* 
fannt. Z)er Slnkoalt na^m bied jeboc^ nur k^orbe^altlic^ ber 9{a^ 
tificatton [eined $erm an unb üermafirte fic^ audbrücflii^ bagegen, 
ia% er mit Slnna^me ber weiteren (Station ben laiferlidfen @e^ 
ric^t^ikoang für feinen ^errn, einen ^urfürften bed beutfc^en Wu 
ift^, anerfenne ober fic^ ber getrauen SIppeQation begebe. 

%tö ber Sr^bifd^of nad) bem fSmd^it feinet Anwalts um 
2Vs äßonat $rift bat, um gegen ben faiferlic^en (Serid^ti^jWaug 
ju „excipieren", erbielt er feine Antwort, erfuhr aber unter ber 
^nb, ba^ fic^ ber Kaifer nid^t an bie @£ce)>tion lehren unb eüen« 
tuen in contumaciam aegen i^n befd^lie|en mürbe. 9lid^tiSbefto« 
toeniger liefe ber erjbifc^of, um feinerfeitö toenigftenö nid^tö ju 
Derfäumen, articuloB exceptionales üerfaffen, tn ber Stbfic^t, fie 
mäf 9b(auf ber erbetenen Or^ift, bie in ben legten Sagen bed 2)e« 
}ember 1545 }u @nbe ging, in 10räffe( ober fonft am faiferli^en 
^ofe übergeben ju laffen unb bann weiteren ^efc^eib ju erwarten. 

SBie ber ©rjbifc^of jur ©ac^e ftanb, ae\)i an^ einer Antwort 
^or, bie er gab, ald bad Saf^itel brei ®rafen unb etliche Dom 
9bel unb ©tiftdoerwanbte an i^n abgefertigt t^atte, bie i^m We« 
gen ber 9{eli^iondfac^e 93or^aItung t^un unb bro^en mußten bie 
getrauen ^flic^ten unb Sibe aufjufagen. „Sieben ^enen", fagte 
er, „wir merten, bafe bei bem Sa^^itel ju ^öln unb aud^ bei eud^ 
biefe aieligion^fad^e gering geachtet wirb, unb i^r meint oieHeic^t, 
toir foDten um ber fiut^erfc^en @ac^e widen. Welche bei bem 
$a)}ft unb anbem Wenig Slnfe^en l)ai, n\d)t fo groged wagen no^ 
in folc^e @efa^r und fe|^n : Wir Wollen eud^ aber nid^t bergen, 
toaö i^r au^ benen, fo tnd) abgcf crtiget , melben möat, bafe Wir 
nid^t Dorwigig ober a\\^ Unbebac^t ober ilieic^tfertigfeit in biefe 
Sac^e unö einaelaffen, fonbem oor 25 Sabren unb länger unb 
t)on üielen Sleiqdtagen ^er ^aben Wir mit unfern Vertrauten Ferren 



80 ®. e^mxbi, 

unb grcunbctt ftattlid^ gcrat^jd^Iagt üon ben SKiJ^feSud^en bcr 
Äirc^e unb fonberüd^ bem „Übermächten*' SBcfen bc3 §of§ ju 
9lom, l^aben eine lange 3cit j^er gel^ojft, ber 5ßa))[t unb Ämf. 
3Kaj. toürben burd) ein ©oncil ober einen SReic^gtag üielen bc:^ 
Wimmerten |)erjen au§ Unrul^e unb 3^cif^I f)d^tn unb auf nü^« 
fi^e ^Reformation gebenlen, aber bisher ift e« burd^ bic ju 9tom 
ge^inbert unb finb Diele SReid^gtage o^ne enblid^c (Srörterung (ur- 
terunge) in ber SReligionöfad^e abgegangen, ift aud^ fein (i^riftUc^ 
©oncil oefd^rieben ober üerfammelt. So n?ir benn auf unfcr älter 
gcrüdt- unb auf ber ®rube ge^en, ^aben tt?ir felbft an^ f)of)en 
notl^brin^enben Urfad^en, unfer ©eelenf|eil unb ©etoiffen belan= 
genb, bei gelehrten üeuten SRat^ gefud^t, aud^ felbft bie SBibel unb 
qriftlic^e ©c^riften unb SBüc^er fteifeig gelefen unb au§ Haren 
©d^riften unb ®otte« SBort befunben, baß bie ße^re, fo auf allen 
SReic^Stagen öom ^ßa^jft unb anbern ^art angef ödsten toirb, bic 
lautere reine d^riftlidie apoftolifc^e Se^re unb ' SBa^r^eit ift. S)a* 
rum wiffen toir üon ®otteg SBort ni(^t abjutoei^cn, fonbem ge* 
beulen bei biefer el^rlidjen c^riftlid^en göttli^en ©ac^e feftju^altcn 
unb ju bleiben, fo fem unfer 2eib, fieben, f|öc^fteg SSermögen, 
®^re unb ®ut reicht. S5enn tt?ir befinben, baß an biefer ©ac^e 
uns unb allen »a^ren ®otte§menfc^en unfer ©eelen^eil, emigc 
SBo^lfa^rt unb ©eligfeit tvxü gelegen fein. 3u aßen äu|crlid^en 
unb bürgerlichen ©ad^en »ollen toir unS gegen fiaif. SKaj. unb 
jebermann aU ein c^riftlic^er Äurfürft aller Silligfeit galten, auc^ 
in allem bem, toa^ nid^t öffentlid^ toiber ®ott unb fein SBort ift, 
unfrer Sibe unb 3urament tool eingeben! fein, bafe, fo ®ott toiH, 
und niemanb mit SSabr^eit anberS foll nac^fa^en fönnen, ald bag 
toir e^rlid^ d^riftlicf| fürftlid) unb bermafeen m unferm 2lmt und 
erjdgt, toie einem d^riftlid^en Surfürften gejiemt unb gebührt. 
©0 befc^toeren toir auc^ bad ©tift in biefen ©ad^en nic^t, ald 
toir bod^ tool ^^ug Siedet unb ÜRad^t l^ätten, fonbern an bie 12 
ober 15 ^rebiger im Sanbe befolben toir üon bem Unfern, aud^ 
mit yiad)Ö)til unferd üäterlid&en (Srbed, unb l^aben bid^er nic^t 
crrei^en fönnen, ba^ üom ©tift irgenb eine Sefolbung, toie bodj 
biBig, gelebrten $ßrebigern gereid^t toäre. ©oUten toir aber biefeS 
unferd ^riftlic^en SSor^abend falber t?on euc^ unb anbern ober 
bem Sapitel ju Äöln ©efi^toinbigfeit unb fold^er ^eimlid^cn ^ßraf- 
tifen, toie toir fie biefer ebrlicf)en c^riftlid^en guten ©a^e falber 
täglid^ erfal^ren, aetoärtig fein, fo müßten toir ed in unferm SU 
ter bal^in fefeen, ba§ toir, toenn toir üon biefem ^o^en 8tmt mit 
®etoalt unb unbilligem SJome^men gebrungen toürben, ein ®raf 
ju SBieb, toie toir ber ®eburt nac^ finb, öermittelft ®ott bleiben 
tocrben unb und ju unfern SBettem begeben , ba üollenbd unfer 
alter unb fieben göttlich bef^liefeen unb ®ott, ber allein ber ^ßd^fte 
unb geredete afiic^ter ift, biefe ef rlid^e göttliche altertoicfitigfte ©ad^e 
befehlen. Unbejeugt aber toollen toir unferm offenen Sefenntnid, 
aaä) unferer eigenen unb unfrer ®ele^rten ©d^rift ni^t laffcn, 



3uT ^fd^i^te bf^ Sd^inalfolbet SBunbed. 81 

ba^ toxi bie reine c^riftli^e fiepte }u üert^eibtaen und fc^ulbig 
erfemten , auä) unfern fianben unb Seuten tnol gönnen n^oQten, 
ha% fte Don manniafoltigen S(6göttereien ju toa^rer (Sr!enntnid 
S^rifti unb @otted tommen möAten. X)ied mögt i^r auf biefed 
9KaI jur 9(ntoort benen, fo euq gefanbt, anjetgen. SBeiter finb 
mir erbötig iebermann üor ftaif. iKaj. unb ben Stäuben bed 
9?et(^d jur Kntmort ju fte^n , ^off enb , ®ott folle feine ftirc^e 
une bid^er gnäbig erhalten'' K 

Gegenüber ber tn biefer Stnttvort audgefpro^enen fe^r eut- 
f(^(of(enen @timmung bei^ Qribifc^ofi» blieben aui) bie 3uf(|nften 
ber &omca|)iteI üon Xrier unb SRainj fomie ber Uniüerfität 20* 
mm erfolglos: ,,er ftanb feft mie ein ÜRann''. ^od) lonnte er 
^xd) nic^t üer^eblen, bal er für aOe $äQe einen Städ^alt fuc^en 
mäffe. allein ber @c^malfalber 9unb tonnte i^n bieten , an i^n 
manbte er fic^ je^t aufd 3leut, nac^bem in SSormd bie Serbin- 
bung angebahnt mar, mit beftimmter äBerbung. 

Wxi 22. S)ejiember erftatteten bie ©efanbten bed Gribifc^ofiS, 
Dr. @ibert t)on Samenburg ^ unb S)ietri^ Don SSnd^d, Dor bem 
Plenum , unter 2)ant für Die ^id^erige X^eilna^me unb bie (Sin« 
(abung jur äJerfammlung , audffi^rlid^en iSeric^t über ba^, mad 
feit bem SEBormfer SReic^iStage gegen ben ^rf firften gefc^e^en mar, 
unb übergaben in mehreren S^emplaren bie oben ermähnten 2)ofu« 
mente. S^re Slntra^e gingen auf f olgeube 3 fünfte : 1) mad }ur 
abf (Raffung unb ^mtertreibung be« „gefdjmmben" ^rojeffe« ir- 
genb bienlic^ fein tonnte, }u bebenten, bem früheren Erbieten nad^- 
jutommen unb ber 8^}^}eIIation fic^ anjufd^Uegen („juabbärieren"); 
2) eine ftattlic^e unb anfe^nlic^e JBotfc^aft an ben Siaifer , 3)om* 
copitel, (SIerifei, Unioerfität unb @tabt Siöln möglic^ft balb ju 
fc^icfen, meil ber SSerjug ^efä^rlic^ fei, unb ju Derfuc^eu, bag ber 
angefangene ^rojeg gäuiltd^ abgefc^afft unb bid ju freunblic^er 
Sergleid^ung auf einem freien c^riftlid|en generali ober nationali 
Concilio ober auf einem Sfleic^dtage nad^ früheren 9{eic^^abf(^ie« 
ben in SRu^e gefteQt merbe, unb „mir unb unferc Untert^anen 
unb ab^arenten bei ber 9()7DeUation unDer^inbert bleiben unb und 
neben anbem nod^ gutretenoen atler Snebftänbe, 2)ec(aration unb 
Stbfd^iebe o^ne !£)id)}utation, mie anbere, bie fic^ uor bem Siegend« 
burger 9leic^dtage jur magren c^riftlic^en 9ieligton begeben ^aben, 
erfreuen unb gebrauchen mögen''; 3) bag bie (Stäube, menn bie 
@(^i(fung erfolglos bliebe, ratzen möchten, mad für bißige unb 

1 flu »S^itung bom @ttf t Stbin" loutbe biefe tRebe ben IBunbe^efanbten 
mttget^It : fo ift eine ^opte x>on ber ^anb bed ©ehetfit ^ntffe nad^ ^raun« 
Vitmq gefommen. 9^1. übet ein fc^on bon ©edfenborf benu^ted Qitmplax in 
ffieimar SBamnttapp @. 241 91. 

' üd ift bei 9tanfe IV, 861 (1. 91udQ.) Dr. ©iegfrieb t). l^dtoenButa at* 
nannie ^ofcffot bev ^tAbt an bet UniberfttAt kbta. ben biefe feinet $xof efutx 
um fetned etMngelif^cn SBefcnntniffed loiUen entfe^t l^tte. tRanfe @. 364 nennt 
bie (Befanbten Dr. etcbctt unb SBäd^el. ä^al. älauentca))t> €. 250. 

XXY. 6 



82 ®. Sd^mtbt, 

d^riftlid^c äßiltd Leiter ju gcbraud^cn feien, imb fid^ jur fjörbc- 
rung ber (g^re ©otteS imb ber geitlid^en unb ctDigcn SBo^Ifo^rt 
üieler SKenfci^en tröftlicfi unb ate d^riftlic^c ©tänbc ergeigen tt?ott* 
ten: 4) ba ber 5ßroge6 gegen ergbifd^of, 3)ombc^ant unb 3Rit* 
capitularcn, ©rafen, 9Jitterfd}aft unb ©tobte eS nid|t allein fei, 
fonbem nod^ ein befonbcrer Sßroje§ gegen ben ©ontbed^ant unb 
feine ergebenen ßa^yitularen üor bem päpftli^en SRuntiu» geführt 
toerbe, fic^ anij biefer anjune^men '. 

9?a(^bem bie furfäd^fifc^en unb lanbgräflid^en SRät^c im Än^ 
fd^tufe an ben Vortrag ber Äölner bie ©ac^e em^^fo^ten Ratten, 
erflärte im SlHgemeinen am folgenben Sage bie SSeifammlung i^rc 
SereitwiBigfeit jum Seiftanbe. 3la(i) Jöerat^ung in bem ju bie^^ 
fem SttjedEe üerftärlten äu^fdjuffe, ttjurbe im 5ßtenum am 29. u. 
31. 2)ejember unb am 2. Sanuar öerl^anbelt. Sinftimmig tourbc 
bemnac^ befd^loffen bie ©ac^e als gemeine 9leligiondfaqe anju« 
feigen unb nic^t bloß ber Sl|)peIIation fic^ anjufc^liefeen, bereu Sn* 
ftrument üor SRotar unb fed^g Saugen am 31. S)ej. aufgefegt 
tourbe, fonbern aud^ mit einer ©efanbtf^aft an ben ^aifer*, an 
bie Slerifei, an bie Unioerfität unb ben diait) ju ^öln be^ilfltd^ 
ju fein, ©ac^fen, Reffen, granffurt unb ®o8lar würben beauf* 
tragt, auf Soften beS SBunbeö biefe ©enbung ju übernehmen, gu 
ber au^ Surpfatj unb Äurbranbenburg aufgeforbert »urben, mcü 
fie fid^ jur SBet^eiligung in ber Äölnifc^en ©ac^e bereit erHärt 
l^atten : lönne ber Srjbifc^of nod^ anbere ©täube be« 3ieic^Ä jur J^eit 
nal^me betvegen, fo foäe baS n^iHfornmen fein. Slld Ort bed 3"f<^^^ 
mentrittö ber ®efanbten mürbe Solu, ate Sag ber 25. Sanuar be^ 
ftimmt : ausführliche Suftructionen lourben vorgelegt unb genehmigt. 

©d^ttiierijjer lag bie ©ad^e in Segug auf ben »eiteren gc* 
münf^ten Söeiftanb, faQs bie erften ©d^ritte nic^t üon Srfolg fein 
mürben , meil bie SSoDmad^ten ber ©efaubten hierüber ungleid^ 
maren. Reffen unb ©a^fen münfd^ten einer ffleifteuer ben bi8* 
l^erigen Slufd^lag ju ®ruube ju legen, mit einer J^erabfegung bed 
eignen Slnfd^lagS: meil aber faft fämmtlid^e ©täube, namentlid^ 
bie oberlänbifcpen unb bie ©eeftäbte, el^er eine fierabfe^ung münfd^* 
ten unb nic^t ©ac^fen unb |)effen allein beaünftigt miffen moUtett, 
fo l^ielt man an ber bisherigen ©eifteuer feft: um ber ^effifi^cn 
®efanbten millen, bie feine ^ollmacf|t über obigen SSorf^lag f)xn^ 
auSjuge^en Ratten, mürbe bie Sntfd^eibung auf ben näd^ften 
SunbeStag üerfc^obcn. ®ie Kölner ©efaubteu l^atten im Stuf* 
trage i^reS ^errn erltärt, baß im gall ber SRot^ ber ©rjbifc^of 
für feine ^erfon „fic^ nad; feinem Vermögen erjeigcn" merbe, er 
l^offe, menn feine ©täube erführen, moju bie ©^malf alber bereit 
mären , f o mürben fie fid^ f o bemeifen , baß biefe juf rieben fein 
Knuten. S)iefe SluSfic^t mar aUerbiugS nic^t fe^r beftimmt, aber 

^ Beilage (S »(Sölntfd^e SDetbung" Don $ruffen§ ^anb unter ben $men 
tont gftanffuttet läge (S8r. 91.). 
» ©. SBcilagc 2. 



ben Sunbedgefonbten tourbe bod^ aufgegeben bid )um 14. äRän 
befinitme Slntmort ju bemirlen; foQte jebod^ btö ba^in t^ätUqf 
gegen ben Srjbifc^of vorgegangen n^erben, fo muffe geholfen tott^ 
ben. 2)ed^alb f oQte fic^ jeber @tanb für ben ^aü, ba^ ber Srj^ 
bifc^of tbätltc^e $Ufe nac^fu^e unb bie $(ä^e benenne , n^o^in 
te JU fetteten fei , bereit galten mit fReitem unb ^u^üoU ju er« 
(feinen. @ac^fen unb Reffen foDten bann fofort bie @tänbe jn- 
fammentufen, um über äBeitered ju berat^en : bem Srjbif (!^of tt)urbe 
an^mgefteHt fi(^ mit ®efcl^ü|, SRunition unb $roüiant auf aDe 
^äOe }u k^erfe^en. S)iefe legten fünfte ber S3efc^Iuffe n^urben na- 
turlic^ geheim gehalten. 9u^erbem gaben bie ann^efenben Sle^tdtoer« 
ftanbmen gute ätat^fd^läge für ben weiteren SSerlauf bed ^rojeffed ^ 

%m 6. 3anuar mürbe bie f^riftlid^e Hnttoort ben Kölner 
®efanbten überleben, bie übrigen^ bid jum @c^Iuffe in f^ran^trt 
blieben. 2)a bte ®ad^e fämmtlic^e @üangelifc^e berührte, fo n)ur^ 
ben bie SBefd^Ififfe — fotoeit fie nid|t geheim toaren — in ben 
fogenannten 8bf(iöieb ber „SleligionSüertoanbten ©tänbe" aufge* 
nommen \ ber augerbem nod^ üier fünfte enthielt. 

3unä(^ft über t>a^ Soncilium. ^aö) bem SSormfer Slbfc^iebe 
tuar ein Sonce^t für bie S[b(e^nung gefertigt, bad, in rec^ti^giltige 
t^orm gebraut , ben (gelehrten im 2)urc^fic^t bid jur nä^ften 
Serfommlung }ugefteQt iterben feilte: auf biefer foUte bann befi- 
nitit) befc^Ioffen koerben, n^ie bad 3nftrument anzufertigen unb in 
infinuieren fei unb an h^ad für Potentaten unb @tänbe ed ge^ 
iifxdt totthm foQte. S)er Surfürft üon ©ac^fen n^urbe gebeten 
9ReIant^on ju Deranlaffen, bie „3lotA" nad) bed ^urfürften unb 
feiner ©etel^rten Sebenfen big ium SBormfer läge in« ßateinif^e 
JU überfe^en, ind ^anjöfifc^e foßte fie ©tra^urg burc^ Sodann 
SIeibanud überfe|en laffen. 

Sin koeiterer $unft toax bad Kolloquium. Stuf bem äSSormfer 
9iei(^dtage toaren ausführlich bie Urfad^en ern^ogen, n^arum man 
t7on bem bamald Dorgefc^Iagenen Kolloquium nicpt k^iel ^ruc^tbar^ 
!eit gehofft, audi üon bem ^'urfürften oon ber ^falj a(d Untere 
^anbter in ber ©ac^e beffere SSorfd^Iäge, aber oBne örf olg, gemad^t. 
tro^bem Ratten bie @tänbe SluaSburger Sonfeffion bad Kouoquium 
jur „SSer^ütung üon Unglimpp, unb bamit ed nid^t ^ie§e, fie 
tooHten feine f)anblung leiben, bewilligt. S)ie Srmartung, ber 
fioifer ttjcrbe „fromme gelehrte fd^icflic^e unb gotteSfürd^tige'* ^tx^ 
fönen üerorbnen, n^ar ni^t in ©rfüQung gegangen, bie S^ac^rid^- 
ten' über ben ^räfibenten unb bie ßoUocutoren , bie ber Äaifer 

* SSgl. ^xttnicapp @. 264 ff. 

' 5Daium ber 7. ^bruar. (Sr. u. (S^ött. %,). 

' @d laaen Briefe bon SSten^ an einen gfreunb in fyiü bom 18. unb 
an ben 9latb in ^U ))om 28. ^ej. t)ox : er erfldrte aUed für Spiegelf ed^terei, 
einige (ber ^angelifd^en) feien fd^on äOod^en lang l^ier nnb nod^ nimtd Dor« 
genommen, nod^ ntd^t einmal bon ber Ernennung ber IPröfibenten totffe man, 
man tietmut^, ber ^ifd^of t>on (Sid^ftatt unb &xa\ gfriebrid^ Don O^ürftenberg 

6* 



84 &.<B^mihi, 

ernannt, lauteten fe^r bebenflid^. @o tourbe au^brücflid^ in ^tanfc 
fürt befc^Ioffen, möge in ^Regen^burg in ^Betreff beS ßoDoquium^ 
ettoaS t)orgc|(]&Iagen werben ober nid£|t, man lüoQe Don ber Son* 
feffion unb toal^ren d^riftlic^en SReligion ni^t toeic^cn, fonbem 
barin toie bisher beftönbig üerl^arren. §ättc man öon ber ©e- 
genpartei ^offen lönnen, ba| fic ju toa^rer SRef ormation ber Äirc^c 
nad^ bem SBort ®otte§ geneigt ttjäre, fo ^ätte man fid^ in äu§cr= 
lid^en ©ingen, toa^ ber reinen ßej^re be§ SDangeliumö ni^t ab- 
brüc^Ii^ ober jumiber fei, mit i^nen leicht Dergleichen fönnen: 
ba aber bie anbern ©tänbe offenbar aCe ^anblung auf ba« Sri* 
bentiner Q^oncil ju remittieren bebad^t feien, fo muffe man bie 
@a(^e @ott ant}eimfte0en. ©oQte fid^ nun bad (SoQoquium ju 
Anfang ober nac^^ero „fto^en", fo foDten — ba^ toar ber öc* 
fd^Iufe — bie Ideologen unb SoDoquenten ber Süangelifd^en öor 
Äaifer unb ©täuben ein öffentliche^ Ser^ör ju errcid^en fuc^en, 
um üon ber Sonfeffion unb 9teIigion SBerid^t unb SRec^enfci^aft 
JU geben. 

8luc^ über „%ne\> unb Siecht" tourbc öer^anbelt. Auf bem 
näd^ften Steid^^tage fei barauf ju feigen, ba§ ber %mbt ©tfinben 
unb SReic^ mögli^ unb „fürträgtid;"- unb bergeftalt fei, tt?ie fic 
i^n auf früheren Meic^gtagen unb fonberlid^ ju SEBormS erbeten 
Ratten. SBeil eg nöt^ig fei, ein Siedet im Sleid^e ju galten, fo 
foüen bie ®t)angelifc^en betreiben , baß baS Siecht unb bie 9bmt^ 
niftration ber Suftij nad^ bem ©peirer 9teid^gabf^iebe öerorbnet 
unb tjerfel^en merbe. 3m %a\l baö nic^t ju erreichen, foUe jebcr 
©taub bis jum näd^fteu Steic^Stage barauf bebad^t fein, toie biefc 
©täube bur^ füglid^e unb red^tmäßige SBege gu folc^er „öefaftung" 
fommen mögen, ttjenngleid; bie anbern SRcid^Sftänbe ben Äbfd^ieb 
nidbt bewilligen n^oHteu, ober toie man ba^in ifommen fönne, boc^ 
ni^t ol^ne 9iec^t ju ftel^en, unb n?ie ben S3efc^n?erben geholfen toct- 
ben möchte. 6S ^atte jmar bie Ie|te SJerfammlung bcfc^Ioffcn, 
jeber ©taub foDe fid) mit feinen 9tecf)tggele^rten berat^en, ob unb 
toic bie ßlaufel beg ©peirer äbfdjiebS bie ©täube be« an^ 
bem I^eife binbe, unb toie fie jur Haltung beffelben ju bringen 
ttjären: ba aber loenig ®utad^ten eingelaufen waren, fo würbe 
bie Stufforbcrung für beu nädjften SRei^Stag wieber^olt. 

(Snblid^ miirbc ein SBefc^Iug über bie Wird^en * SBifitation ge- 
faxt. ®amit ©iuigfeit ber d^riftlic^en fiel^re unb ®ottei^ SBort 
erhalten, Qtoxtixaäit üerl^ütet, ©efteu unb und&riftlic^c Dpinionen 
abgefteüt unb üerbütet unb alfo ba§ SKinifterium ber ftirc^e d^rift- 
li^ unb red^tfd^affen beftellt, bie SlergerniS aber möglid^ft abge* 
fteßt Würben, füllte jebe Dbrigfeit i^ren „©uperattenbenten" dc^ 
fehlen, bag bie Sirt^en orbentüc^ öifitiert, bie Se^re beS Süangc:= 

toütbcn ctttannl toctben. — ^o^ om 20. £)!toBcr (d. d. Sned^eln) fyiüt ber 
üdfet an ben ^urfütflen unb IßanbgTafen gefd^tteben, auf beten ^n^eige bon 
ben ton i^^nen be))ttiieTten eoOoquenten unb tlubttoren, bag bad ^^Iloquium 
jebenfaU^ 3u 3lnbreoc (^loD. 30) eröffnet toetbcn foKte. 



r 



3ttr (St^x^tt be? B^mltalbit SBunbe^. 85 

fium» rrin getrieben, ben Sehen unb falf(^en Opinionen gctoe^rt, 
bte ©canbofa üer^ütet, bie Sugenb in c^riftli^er Qndjt erjoqen, 
and) bie Armen not^bfirftig üerfe^en ttjürben. 3)iefe SBünfc^e 
maren fc^on früher mteber^olt auf ben ISerfammlungen ber (Süan- 
gelifcBen audgeffnroc^en n^orben : je^t n^urbe ed aufd 92eue für totu 
tere ffreife aiid ^en gelegt: jeber ©tonb foQte big gui näd^ften 
Serfammtung au^ äMittel unb äßege bebad^t fein, n^o etn^aß^i^- 
trSc^tigfeit unb Unorbnung üermerft fei, bie 3)inge jur Seffcrung 

u bringen unb fo bie (Sinträ(^tigfeit ber fie^re unb bie !9ef jerung 

»ed fieben^ Su f&rbern unb ju erhalten. 

®ie 8raunf(^tpeiger ©a^e ift in biefcn Slbfc^ieb nic^t auf* 
genommen tüorben, obmo^I bie ^äupter iebenfaOd bem Studf^rei^ 
ben nad^, gen^iffermagen ju i^rer dlec^tfertigung, 9)2itt^ei(ung aud^ 
^ier gemacht ^aben werben. Stufforberunaen an einzelne <^tänbe 
}um Eintritt tn ben 93unb tvurben abgelehnt , tpei( bie @)efanbten 
lierju feine SoOmad^t Ratten. 



i 



Slui^fu^rlid^ mürbe bie ©a^e mit ^erjog ^einric^ unter ben 
fogenannten SSraunf^n^eiger befenfioniSüern^anbten ©täuben Per* 
^anbelt. SBer|äItnidmäJ3ia fpät. 2)enn am 10. 3anuar fragten 
bie ®efanbten ber ©äc^pfc^en unb ©eeftäbte bei ben furfürftli^en 
Stätten an, ob benn überhaupt über biefed Kapitel nic^t üer^an- 
belt toerben foDe, n^ie bod^ bad SluiSfd^reiben befage, fonft bäten 
fie um Urlaub. 0uf biefe Anregung ^in n^urben gleich in ben 
näc^ften 2!agen bie 9}er^anblungen begonnen, bie bie ©äc^ftfd^en 
©tänbe öor allem intereffierten. 

Ate fid^ §erjog ^einricft am 21. Dftober nad^ üergebfid^en 
Sfimpfen bei ^öcfel^eim, nörblic^ oon 5Worb^eim, bem üanbgrafen 
ergeben ^atte *, tt?ar er mit feinem ©ol^ne Äarl SJictor nad^ ßaffel 
gebracht unb jur |^aft bem Statthalter ©d^en! äbergeben morben. 
35er SSater n;urbe nad^ Qxe^tr^ain gebracht, ber ©o^n fc^eint 
üorerft in ßaffel geblieben ju fein. Ob ber §erjog wirflid^ an 
greilaffung aebac^t ^at? ©rbittert genug tt?ar er, ate i^m ber 
Statthalter oie $aft anfünbigte, ^erjog 9)?ori| t)aU ifftn Der- 
fiebert, er fofle in Äurjem »ieber ju feinem Sanbe fommen, fonft 
toären etliche taufenb barum geftorben: feinen ©roll gegen bie 
Stäbte, benen er bie ganje @4|ulb an feinem Unglfia 3uma§, 
mad^tc er Suft, ber fianbgraf möge fic^ üor i^nen lauten, fie 
milrben aud^ i^m nod^ ben ^opf abreißen unb i^n n^firgen : baoei 
„^at er aldbalb mit ben Rauben ben^eglid^ gerungen, afö n^enn er 
ein ^nfpx tofirgen tt^ontc" *. 

' Ser SanbgYof fd^tieb nod^ am 21. Cfiober an ^ötttngen (H^Iblnget 
bot Obeil^isfen) fibex ben Bit%, tx l^bt bem ^etjog unb feinem ^o'^ne auge^ 
iagt, fie ffirfüicg unb beffer, benn fte eä toexbient, ^u galten. 

* «uS einem ©tiefe beS ©Intt^atteTd an ben l?Qnbflr. Gaffel C!t. 24 
(9t, unb Wit %.). 



86 @. ed;mibi, 

S)te ©rbittcrung ber ©tobte mad^te fid^ anij in granffurt 
Suft, bte jafirelangen ^eimfud^ungen ®o8lar3 unb SSraiinf^tücigg 
biirdE) ben |)erjog, bie nidE|t gum minbeftcn bie ©ädEififc^en ©tobte 
bem Sunbc angeführt Ratten unb lüiebcr an^ biefem Slnfd^Iuffc 
immer neu geboren tourben, mußten e§ UJünfd^cnätüert^ erfc^einen 
laffen, für immer öon biefem Ouälgeifte befreit ju fein, ben ba§ 
©d^icffat im Qa^re 1542 fo ttjenig gemarnt ^atte. 2Won bat ben 
Sanbgrafen bie beiben befangenen big jur befinitiüen Sntfc^eibung 
über baS eroberte fianb einfttüeilen „not^bürftiglidf unb ju bem 
Seften'' alfo ju ben?a^ren, baft fie nid&t auSfommen ober lebig 
toerben fönnte. SBeld^eS ber fi^erfte unb Jjaffenbfte Drt in Reffen 
baju fei, fteüten fie inS ©rmeffen beö Sanbaraf en. @ic baten, ba§ 
il^nen ibre bi^^er gelaffenen SBe^ren (©c^toert unb 3)oIc^) abge^ 
nommen ȟYben, bamit befto Weniger Urfad^e ju ibrer Sriebigung 
unb „anberer jufaHenben Unrid^tigfeit, aud^ i^rer 5ßerfonen falber" 
fid) gutragen möd^te. ©ie bebürften ber a33e^ren im ©efängniS 
nicbt, beim Sffen unb anberer 9Zot^burft fönne i^nen ein S9rot== 
meffer gereicht toerben. demgemäß »urbe befd^Ioffen, baß fie auf 
Unfoften ie^ S3raunfd^n?eiger Sanbeä ibrem ©tanbe gemäfe , boc^ 
„giemlid^ unb unüberflüffig" gehalten werben unb ol^nc 3Jortt?iffen 
unb Settjifligung ber ©täube meber SBer^anblung nodb greifaffung 
erfolgen f oute ; Der fianbgraf foCe aud& ni^t geft'atten, bafe jemano 
ju ben Oefangenen fomme, o^ne bafe in beS Sanbgrafen 9?amen 
ttjer babei fei, ber alleg anl^öre, bamit fie nid^t $raftifcn gum 
SRad^t^eit ber ©täube trieben. 

SD?an einigte fid^ and) über bie anbern befangenen, bie größ^ 
tent|^eifö gegen bie 8Jer)}flid^tung freigelaffen toaren, fid^ an einem 
beftimmten Xa^e lieber ju fteuen: bie „SJerftricfung*' gleid^ jeftt 
aufju^eben fd^ien nid^t rät^Iic^, man fürd}tete, ba| fte anbem 
®egnern gujie^en möchten, bod) tpurbe bem Sanbgrafen unb §er- 
jog Smft üon ßelle geftattet, bie Dom Slbel biö auf »eitere« ®r^ 
f orbern ju enttaffen, ai\6) tttoa einen beftimmten Drt jum Suf^ 
entl^alt i^nen angutoeifen. S)ie Snec^te, an benen nid^t öiel ge= 
legen unb bie ni^tö befonbereS öerbrod^en bätten, foQten auf gc^^ 
njöl^nlic^e Urfe^be loögelaffen, aber in i^ren @ib eingebunben 
loerben, bag fie 1, 2 ober 3 3a^re (nac^ ©rmeffen beS @tanbc§, 
ber fie gefangen ijobe) nid^t gegen bie ©täube bienen ober l^an- 
bdn toollten. Slm f^le^teften fam ber ©d^rciber Don ^erjog 
|>einri^8 Dberft ß^riftof üon SBriSberg njeg: bie ©tabt ^an- 
noüer, bereu ©efangener er toar, foHte ibn gut üerma^ren unb 
burc^ bie ©efanbten ber ©äc^fifd^en ©täbte, bie eine ©eparat* 
SSer^anblung am 1. SRärg in ^annoüer l^aben foHten, öer^örcn 
laffen unb bann gefd^eljen, mag i^nen gut fdjeine. lieber ®nd) 
üon fftagen , ^einrid^ öon Saumbad^ unb ^ermann üon |)arftan, 
bie bag ^an^ ©teinbrüdC an ^ergog ßeinridö übergeben fjattm 
unb nad^fer in bie §änbe beS Sanbgrafen gefallen toaren, foKte 
erft nad^ genauerer unterfud^ung entfd^ieben toerben. S)ie ©tabt 



3ttt Sefd^id^ie beS ^^maJMbtt SunbeS. 87 

^Imftebt, bif ffir angebliche Unterftfifcung be9 ^erjogS in 3000 
S^er ©traf gelb, andf für mehrere l^firaer ju (Sinlaaer üerur^ 
t^eilt tx>at, tourbe mit ibrer JBitte um ttuftebung ber SSerftrirfung 
ttub CrloB ber balben ©traffumme — bie ßälfte f)aüe fie fc^on 
gejault — auf ]p&tttt (Sntfdfeibung üertoiefen. 3)er ®raf fton^ 
rab üon SeRenburg, ber burd^ ben Dberft be8 ^rjog» Äl^arb 
Don gerben üiel ©c^aben gelitten ^atte, bat i^n unb smet anbere 
@efaitgene nic^t e^er (odiulaffen, ald bid fie i^n entf d^äbigt l^ätten : 
ffir SSlI^arb tnurbe bie ^orberung anerfannt, n)ei( er nid^t ein ae^ 
meiner SJiener, fonbem ein Oberer unb Släbetefü^rer gewefen fei, 
bie anbem beiben (@tein^aud) aber Ratten mit bem ®rafen in 
$e^be gelegen, tt^ad n^eber m ben SunbeiSfad^en ncc^ jum Sraun- 
fc^toetger 3"9^ gehöre, beö^alb »ürbe er fi^ mit i^nen auf an« 
berem SBeoe Verträgen. 

S)ie @Häubiger bei^ ^erjogd, unter i^nen üome^mlic^ ®raf 
Ctto üon ©(Naumburg, baten bringenb um 93efriebigung aM ben 
ginfünften be8 fianbeS: eS tourbe befcbloffen ju unterfc^eiben, »er 
Don i^nen fic^ etn^a am Ie|ten Qmt bet^eiiigt l^abe ober nidbt: 
Ie|terc foDten biÄ jur befinitiüen megetung ber ©elbuer^Mtniffe, 
moju aud^ bie Äoften be» Qn^t^ gehörten, üertröftet »erben. 

3)er Sanbgraf ^atte angefragt, ob man nid^t gegen bie in 
^erjoai^ Sric^d fianbe fici^ auf^altenben 9{eiter, bie unter ^jog 
^nnd^ gebient, üorge^en foHte; aber bie ©tänbe lehnten e^ ali 
unt^unlic^ ab : gegen etmaige ^lacferien ^ätte man ben Sanbfrieben 
ober fönne man ftreifenbe SRotten üorge^en laffen, bo^ foBe man an 
ben ^erjog unb feine SRutter fd^iäen unb auf bie fieute auf« 
merffant machen laffen, au^ an ben ®rafen Otto üon ©d^aum« 
bürg. 

Sei weitem am n^ic^tigften n^ar bie t^rage, n^aS aM bem 
eroberten Sanbe h^erben foQte? ^atte man 1542 fc^h^erlic^ im 
ISmft baran gebadet für ade Qtxttn iperjog ^einric^ feined San- 
be§ ju berauben unb nac^l^er üielfa^ friebltc^e Unter^anblung 
burd^ Sermanbte unb ^reunbe bed f$(il(btiaen jugelaffen, bie 
f^Iieglic^ ju leinem anbem 9tefu(tate geführt Ratten, ald ba^ no- 
mineD eine laiferlic^e ©equeftration anaeorbnet n^ar, ffir bie ftc^ 
feine SSertooIter finben tooDten\ unb faftifc^ ba« fäc^fifc^^^effifd^e 
Stegiment blieb: fo ftanb ed boc^ je|t anberd. ®d fd^Iugen nun 
©ac^fen unb Reffen, um bie Soften ber SBermaltung ju üerrin^ 
gern, t?or, „bis ju »eiterer SBorfe^ung" bie Slbminiftration ju 
teilen, ieber $art foKte für ben 9unb feinen X^eil 3U verwalten 
unb JU regieren ^aben. S)iefer SJorfd^Iag fd^eint auÄ einer ge* 
tmf[en ©ferfud^t gtoifc^en ©ad^fen unb Reffen berüorgegangen ju 
fein, »ic fie bei me^r ate einer ©elegen^eit ^erüortrat unb bei 
bof>peIter ©{)i|e bei allen SSbIfern unb ju aßen Qtxttn unauiS« 

^ Set Ihitfittfl Don bet $fala unb bet ^at^a^ .^attS Don Gimmevn, 
hvt bet ftaifet etnannte, finb nie ind Sanb gefommen. 



88 ®. Gd^mibt, 

blrfMic^ gctücfen i[t. §icr flbcrtpog jur 3^^* ©od^fen, tüte benn 
and) bcr eigentliche Dberft be« SanbeS, ber ©tatt^alter Sem^arb 
toon äWila, üon ©ad^fen be^?utiert toax. S^^^^ fd^cinen ©tott« 
kalter unb Siät^e baS ©oppclregiment felbft fatt gehabt gu ^abcn, 
ha fie bolb toon ©ad^fen, balb üon Reffen Sefegle erhielten, bic 
fid^ nid^t feiten toiberf^?rac^cn. Unb bei ber legten (Sntfc^eibung 
tiatte ber fianbgraf unjtüeifel^aft bic ^auptfadje get^an unb 
tt?finfd)te in ^«^"nft ni^t burd& ben JBunbeSgcnoffen ge^inbcrt ju 
fein, es ift nid^t unmögli^, baß bie beiben ^äupter baran ge« 
bac^t ^aben, bie i^nen jujuttjeifenbeü ßälften gonj für fic^ ju be^ 
galten: unnatürlid^ toürben njir ben ©ebanfen nic^t finben. Qnx 
3eit tt?ar freiließ bie fieiftunggfä^igfeit be« fianbeö üerl^ItniSmäs 
|ig gering, benn bie friegerifd^en Sleiaun^en beö ^ergogi^, bie 
jttjeimaligen XTämpfe im Sanbe, bie unfic^er^eit ber »er|^SIt= 
niffe, alleö baS toax effex geeignet gemefen, bie SÄittel ju erfc^ö^jfcn 
als ju lieben, ©d^onenb genug ttjar allerbingS ber ©unb im 
Sanbe »erfahren, ein t^e^ex, ber in occupierten Säubern bamote 
toeber gnm erften nod^ jum legten äRale gemad^t ift. SRan tooHte 
bie Untert^anen getuinnen unb erreid^te bod) »enig mc^r, ate bafe 
man bie Unjufriebenen an bic ®crec^tigfeit unb ©tärfc i^rcr 
©ac^c unb an bic ©djmä^c ber neuen Sefi^cr glauben lehrte. 
Unb bafe üiele Unjufriebenc üorl^anben waren, jcigtc fic^, ate 
1545 ber ßerjog mit bettjaffneten ©d^aaren ins fianb cingebrod^en 
tt?ar. ©icf er unb feft ging man nur in ber ^ötbcrung beS ©öan» 
geliumS oor, inbem man , f o gut eS ging, für ©c^ulc unb Äird^c 
forgte unb bie 5ßfrünben ju bereu 93eften einjog. S)ieS tourbc 
oudp aufs SReue bem ©tatt^alter unb ben SRät^en üom fianbgrafen 
unb |)erjog ®mft, als „Sieutenant" beS fturffirftcn, in einem 
©d^reiben Dom 27. Dftober 1545 anS ^erg gelegt, in toeld^em 
auc^ eine allgemeine ©^a^ung im ißanbe befohlen ttjurbe: 18000 
SCI^ater foHten bic Untertfianen auf bem ßanbc, 9000 bic fictnen 
©täbtc gaffen, tjcrfc^iebenc @üter üon äblid^en, bic tro^ frül^ercr 
8?erfpred)ungen jci^t ^erjog ^einri^ qebient Ratten, foÖtcn ganj 
ober gum S^eil eingegogen refp. fequeftriert tücrben*. Sntmcr^in 
tt?ar baS n?aS einfommcn tonnte gerin(j gegen bic ©ummc ber 
ftricgSfoften, bic bem Sunbc gur üaft fielen. SWan nal^m tuo^I 
an, Daß ber Äaifer, ben $ergog ^einric^ früher arg gefrfinft unb 
gu einer Q^it »o er ben g^iebcn toünfd^tc getoiffermaßen com= 
^remittiert ^atte, fic^ eiuöerftanben crHären »ürbe mit ben uom 
ßerAog felbft üerfd^ulbcten SKaBregeln. „3^r toerbet", fd^ricb ber 
fianbgraf in feinem erften ©riefe über ben ©icg an ben Raifer*, 
„mit uns über biefen S"9 ^n grol^Iodfcn l^aben unb cS il^m, ber 

^ Ayescbeit und yorlat etlicher articul , dero Bick statholder nod 
rete toWnlf. hoilden Bchullen (SlMd^rtft öoit ^hniffcnd ^anb) 27. Oft. 1545. 

« gfelblaget ®t. fiexe 25. Oftober: ber ©rief ging fo fpät ab, toeü aud^ 
ber Äurf ürft nod^ wntcrfd^reiben foHte : er tourbe tn (^p\t ben ©tönben mitaes 
t^eiU (®r. %.). 



3uv &t]^i^it be^ Sd^malfatbcr üBunbel. 89 

eiu^ ttngel^otfam gemefen, tuo^I gönnen unb Dteaetdjt fc^on auf 
unfer üorigeS ©^reiben bte Hqi gegen t^n unb feine Reifer 
an^ef|7T0C^en ^aben". Su^fä^rlid^er fc^rieb er aud bem^Iblager 
XU Örofe* derlei * am 31. Df tober an ben Äaifer: um i^n gfin* 
ftiger ju ftimmen, t^eilte er xt)m allerlei aud Sriefen mit, bie in 
ber fian}tei bed $erjo^d erobert maren : ed marf aOerbingS fein 
gunftiged 2\i)i auf ferne «Stimmung gegen ben ßaifer, mie er 
„inm böfeften unb ärgften" öon i^m unb feinen SRät^en fprad^ 
ober auf baS abmahnen eine« Surfürften (SWainj?) ertt)ieberte: 
„xif ffaht feinen 3^^^^^ ®^- fiiebb. toerbe nid^t tergeffen ^aben 
unb »oHe m ®emüt^e führen, mie man fagt: getreuer ^err, ge- 
treuer Snec^t". 

S)ie granffurter SSerfammlung fc^eint im 5ßrincip ^egen bie 
X^eilung beS Sanbe^ nic^td eingemanbt ju ^aben, aber lebenfaüd 
looDte fte erft S3erid^t über Sinna^me unb Slui^gabe bed fianbed 
feit 1542 ^aben. Um bied }u bef(^(eunigen, mürbe eine Sommiffion 
an% 5 ^erfonen befd^Ioffen: ©ac^fen, fieffen, fiüneburg, bie ober* 
länbifd^en unb bie ©äd^fifd^eji ©täbtefonten je ®inen beputieren, 
um über bie ^au^^altung 93eri(^t ju nehmen; fte foOten am 
1. aRärs jufammentreten unb bie ©ac^e forgfättig üonte^men, mit 
ber SBoQmacfit, taugliche Serfonen au8 bem fianbe f eiber {uju« 
ie^en, mit benen aue äleclpnungen unb 9iegifter burc^jufe^en unb 
Sintta^me unb Kudgabe ju conftatieren unb ju em^ägen, n^ie 
unttöt^ige Soften ju l^ermeiben feien, bamit nod^ ein Ueberfd^ujs 
gewonnen merben fönne. SBenn fie ed nöt^ig befänben, möchten fte 
üon einem Smt jum anbem reifen: auf bem Sleic^dtage in 9ie« 
qeni^bitrg ober bem näc^ften Sunbedtage fodten bann bie ©tänbe 
iBerid^t erhalten unb fic^ über bie X|et{ung ber Stegierung befi« 
nittt) entfi^Iie^en. 93id bal^in n)urben bie je^igen ©tatt^alter unb 
9lät^e im 9(mte gu bleiben erfud^t. 

Auf« Sleue toieber^olten bie ©äc^fifc^en ©täbte, befonber« 
Sraimf^iDeig unb ®o3lar, bie Sitte, bie geftungen beö fflraun* 
fc^tuetger fianbed , äBoIfenbüttel , ©c^öningen unb ©teinbrücf gu 
bred^en. 3Ran fonnte fic^ ber Qtvedm&jß^^ttxt bed Sntragi^ nac^ 
ben iungften Erfahrungen nic^t entjie^en. ©c^öningen unb ©tein^ 
brfid ^u bred^en tonnte mau fi($ ieboc^ jur 3^it ni^t entfc^Iiegen, 
einmal n>eil bie SefteQung biefer geftungen feine großen Soften 
mad^te ifnb gum anbem totxl bie 9tegierung bod^ einen fidleren 
Pa| ^aben mü^te, ber aud^ bem fianbe ju ®ute fomme. S)age* 
gen einigte man fic^ über S3o(f enbüttel , aber bie ©täube foüten 
leine Unfoften baoott f)aitn , bie ©tabt Sraunfd^tt^etg , ate befom 
berS bet^eiligt, unb bie Untert^anen bed Sfmted äßolf enbfittel foÖten 
bte Srec^ung übernehmen. 

' dr toot auf bem äBege ge^m ben trafen bon fRietbetg, bet „fein unge« 
tefamet unb pfltd^itxtgeffenet Se^dmann" ben ^er^og mit feinet ^erfmt, 
6efd^n| u. f. to. unietflfl|t fyiiit. 



I 



90 ®. ©c^mibt, 

SBeld^cr Ort fpäter ©ife bcr JBcrtoQltung fein fotttc, ®am 
ber^l^eim ober Siebenburg, ließ man nod) unentfc^teben. 

3)er Sanbgrof ließ außer einem gebrudten Serid^t über ben 
95raunf(^n?eiger Ärieq üerfc^iebene «ftenftürfe ben ©tänben über* 
reichen, bie auf biefe ©ad^e Sejug Ratten, unb auc^ Aber SJer- 
fud^e ber Vermittlung ixixdj §erjog SKorift SRitt^eilung mad^en. 
a)iefcr ^atte auf bie Sitte be« Äutfürften unb fianbgrafen im Dfc 
tober SRitter unb Änedjte jum 3"ä"9 aufgeboten , aber auf Sitten 
beg äRarfgrafen ^aniS, be« ^crjogS Sric^ unb feiner SKutter, auc^ 
bcg^erjogö felbft, gütlid^e ^anolung borgefd^Iagen. SBic er felber 
angabt ^atte er, njeil jtoei große ßriegöüöller fi^ gegenüber:^ 
ftanben, ba« traurige ©d^aufpiel beS Sampfeg gtt?ifd^cn Sanbi^^ 
leuten gern l^inbern ioollen, manche Ratten eg für t^örid^t gel^al* 
ten , baß er eingegriffen l^abe , aber baö Seifpiel ber ©riec^en^ 
©erbier unb Soönter fei i^m §u ^erjen gegangen: griebe unb 
Sinigfeit ber Station fei ber Stürfengefa^r gegenüber, üon ber bie 
klagen an^ SWä^ren, SBinbifd^=9Karf unb Defterreic^ afle Sage 
erjä]|lten, boppelt nötl^ig. Sr ^ätte gehofft, bie ©ac^e ju billigem 
Vertrage ju bringen, baß griebe unb Sinigfeit erfolgt tüären, ^ättc 
aud^ für Haltung beö Vertrages üon ©eiten bei^ ^erjogS ©ic^er^ 
l^eit aeben lüollen. 2)ie ©tänbe loüßten ja, hjarum ^erjog §ein* 
ric^ früher auö feinem Sanbe üerjagt fei; wenn nun bie Urfad^cn 
aufgel^oben würben, Vefferung einträte unb bie Verfid&erung gc^^ 
f^ä^e, fo Würbe um fo fidlerer bie VoÜäie^ung beS Vertrags 
erfolgen. 2)enn e« müßten einmal bie ©ad^en jum Vertrag tom^ 
men unb fönnten nid^t untoerglid^en bleiben , bie ©tänbe möchten 
and) an ben fiaifer benfen unb befterjigen, toai^ er beg^alb ae* 
d^rieben unb befohlen. 2(nbre SRücffic^ten ^abe er bamafö bei 
emen VermittelungSüorfd^Iägen nid^t gehabt, fjabe fie auc^ jefet 
ni^t: er babe jeitlebeng mit ßerjog ^einrid) feine ftunbfc^oft 
noc^ (Semeinfc^aft gehabt, er fei i^m aud^ fo na^e nid^t üerwanbt. 
3n ben Dftobertagen ^abe ^ergogßeinric^ bie beiben Raufen oon 
einanber gel^alten unb i^n um vtatfi gefragt, ob er ftd^ bem 
Sanbgrafen ergeben foKe, baö fijait er i^m nid^t wiberrat^en 
unb ae^offt, Die ©ad^e foHte nid^t ärger werben. Ate er aber 
ben fianbgrafen gebeten bie ©ac^e jum Vertrage fommen ju 
laffen, bätte i^n biefer an bie ©tänbe gewiefen. Vielfad^ t>on 
beiben ©eiten Wegen feiner Vermittlung üerungümpft , ' bat nun 
SKorife bie ©tänbe, aOeö ju bebenfen uno in biefer ^anblung ®ütc 
ju geftatten, fie möd^ten 3^^* "«^ ^^ ^^^ beftimmen, fo Wolle 
er felbft fommen ober feine Üiättje fd^icfen, bamit ein Vertrag }u 
©tanbe fäme. 

S)ie Antwort ber ©tänbe erfolgte jWei S^agc fpätcr, om 4. 

^ ^uS b<m SBetid^te ht% Sanbgt. übet eine SEBetbung bed ^uptmannd 
d^rifiof t>on (Satlotoi^, in Sranffutt ben ©tftnben botgeleat am 2. Sfebruat 
1546 (SBv. «.). 



3februar : pc bonftcn bem ^crjogc für bic gclciftctc ftattltc^c ^ilfc 
unb jiürifclten nic^t an feiner guten Abfielt, auc^ fie Ratten nur 
jur Erhaltung be8 griebenS unb aug ^loif) in ber Sraunfc^tüeiger 
©ac^e ^e^anbelt: tt?ärc ber ^erjog nid^t gefangen tporben, fo 
toöre mc^ft abjufe^en, n?effen man fi^ }u i^m in Sachen ber 
Religion je^t ju üerfeljen l^ätte, unb toelc^e Unruhe im 9teic^e fein 
tofiroc, toie ba§ feine oorigen ^anblungen unb ?ßraftifen, anä) 
ixt gefunbenen Schriften beutli^ beriefen. Ucbrigenä feien fie in 
biefer ©ac^e o^ne Snftrultion unb müßten erft %xt Ferren bar* 
aber 6ören. 

3)er „abfc^ieb ber SBraunfc^meiger befenfionÄtoertt?anbten 
©tSnbe", ber aufeerbem nod^ einige bie Soften beö 3"S^* betreff 
fenbe fünfte enthalt, trägt ba« tatnm be« 7. gebruar 1546 K 



SKit ben ©änifc^cn ®cfanbtcn tourbe mieber^olt uer^anbelt, 
ober toeber über bie fiölnifd)e ©ad^e , no^ über ba« ßoncil unb 
bai^ SoIIoquium, noc^ enblid^ über njirflid^en eintritt in ben 83unb 
etiüa« bepnitiüeg gu ©taube gebraut*: bie (Sefanbten fprad^cn 
gtoar für alle fünfte bie ipoffnung au8, bafe ber fiönig fid^ ge^^ 
neigt geigen toerbe, mußten fi^ aber bie (Sntfc^eibung beffelben 
üorbe^alten. 9?ur in einem fünfte traten fie bei. ©eit Sauren 
^attc bie fog. JBergarbung, b. i). Slnfammlung ber Änec^te, üiel* 
fac^e SBefc^toerungen, Unfoften unb Serberben üerurfa^t, „SWorb, 
Sommer, SBergießung unfd^ulbigen 93tuti^ unb foldje undEiriftlid^e 
unmenfc^Iic^e Softer ongeftiftet unb begangen, bofe fic^ leber bar* 
über entfe^en müßte". *35ic bi^berioen a»a]öregeln eingelner ©täube 
toaren üergeblic^ genjefen , benn bie Äned^te , au8 einem ®ebietc 
Vertrieben , gogen fic^ in^ bcnoc^borte unb plünberten unb branb* 
fc^oftten weiter; in 9lieberbeutfc^Ianb tt?aren fie gerabegu jur 
Sanbplogc ^emorben. SWur ein gemeinfome« ^jlonmäßige« SSorgegen 
^ttc Ausfielt ouf (Srfolg. 9?a^ langen JBer^onblun^en !am man 
fiberetn, namentlich auf bic ^ouptleute ein forgfältige« Äuge gu 
l^abcn, fie gu greifen unb o^ne ©d^onung (gjempel gu ftatuieren, 
and) ben Äoifer um ÜJ?anbate gu erfuc^en. 2)er Äönig öon 3)ä* 
nemarf foHtc mit SWecflenburg, Souenburg, DIbenburg, CftfrieÄlonb 
unb Seücr, ber ^rfürft mit Qülxd), SKo^beburg, Jpolberftobt unb 
B^ilipp üon 5ßommem , ber fionbgrof mit ipergog SRorife, Sippe, 
SBoIberf unb SKetberg, beibe mit fflronbenburg unb iWorfgraf 
|>ang, fiüneburg mit Barnim üon $ßommern, ©d^oumburg, |)o^a 
unb ®iet)^oIg, i^ergog 5ß^ilipp toon Sraunfc^toeig mit §ergog 
®ri(^, leflenburg mit S3entl}eim, bie ©tobt Sremen mit bem Srg* 
bifd^of über gemeinfome SWoßregeln üer^onbeln unb fo ba8 gonge 
norbüt^e 5)eutfd^Ionb gegen biefe Sonbploge geeinigt Werben. Am 

' 9t. «. unb @(öti. !t. 

* Kbfd^ieb ben b&nifd^en 9Ut^ gegeben, 3an. 16 (SBr. K.). 



92 ®. ©d^mibt, 



1. SRärj foHte eine SBerfammlung iit ^annoöet bic 9RitteI unb 
SBcgc jur W)f)\l\c befinittü befd^Iie^en \ 



Ueber bie SSerl^anblungen mit bem Äurfürften üon ber ?ßfalj 
tuegen feinet Sintrittö in bcn SJimb (f. 9?eubc(fer I, ©. 556. 
631 ff.) entl^alten unfere äftcn nur 8(nbcutungcn. ®a§ ?ßroto* 
foü faqt jum 12. Qanuar: eodem die legatio^ abiit an bni 
Äurfürften, ferner baß om 16. bie (Sefanbten über bie Segation an 
ben Surfürften berietet ^aben, unb baß uon ben ©täuben be* 
d^toffen n?orben ift, bie in 2lu8fic^t gefteßte 8(n!unft beS Äur* 
ürften unb beS fianbgrafen abjutoarten, baß am 28. 3anuar 
biefelben angefommen finb, andtf bie 93raunfd)tüeiger Äbgefanöten 
am 1. gebruar bei bem Äurf ürften ju Slbenb gegeffen ^aben. 
®nblid^ ftej^t unter bem 4. gebruar, eS fei Slelation ^efd^c^en, 
toa^ ber 5ßfäljer unb ber Sanograf in g^^^^^f"!^* ober bie Ärtifel 
üom grieben unb Siecht üerl^anoelt, unb baß fie fi^ über eine 
SWotel oerglid^en Ratten, bie auf bem fünftigen SReic^i^tagc im für:: 
fürftlid^en Wat^e geförbert »erben foHe, auc^ über ba^ Eoncil, 
bic fölnifc^e ©ad^e unb ba« neue SBünbniS fei üon ben bciben 
gürften ein Äbfd^ieb genommen. 



^ndj über bie ©teHung ®nglanbs unb granfrei^S jnm 
JBunbe unb jum beüorfte^enben ßoncil fanben Ser^anblungen ober 
bo^ SKitt^eUungen ftatt. 35ie l^effifd&en ©efanbten berid^teten im 
äluftrage beS fianbgrafen über bie SBerbung ber engtifd^en ®e* 
fanbten S^riftof äRunt unb Sucfler, er ^abe toä^renb be« SBormfer 
JReid&gtagg mit etlid^en bertrauten baju ermä^Iten ^erfonen über 
eine ^Bereinigung in 9teli^iongfad^en mit i^nen (ben ©cfanbten) 
üerl^anbelt, aud^ feine Ärtifel geftellt unb übergeben*. SBeil aber 
bie ^anblung nic^t im 9?amen aller ©tänbe be« SBunbe« öorge* 
nommen fei, fo l^abe ber König nid^ti^ beftimmte« barauf ant* 
toorten niögen: berfelbe banfe bem fianbgrafen für aüe erjetgte 
e^re unb feo^It^at unb bafür baß er bag, toa^ bie ®cfanbten 
im 9?amen beS Äönigg an bie ©tänbe Ratten aetongcn laffen, 
jum 83efd^(uß ju bringen gefuc^t f)aie, er fei bebac^t, bie ölte 
greunbfd^aft feftjul^alten , unb ^offe üon ben ©täuben baffelbe; 
foüten bie Mrtifel gum JBefc^Iuß erl^oben merben, fo möchte eine 
(Sefanbtfd^aft an i^n gefc^icft toerben, ber er antworten tooHe, 
wie eg nac^ feiner greunbfc^aft ju erwarten fei. S)er fianbgraf, 

* ^IBfd^teb H)egen iBetgatbung ber Stnt^it t)om 15. 3^n. 1546 (9t. 9L). 

' 3^e 3nf!tu!tion f. 9lciibe(fet 637-643, t. 10. 3an. 

" „^an muffe in betreff bcd |)ä^ftltd^en ^oncild für einen 9Rann fle^n, 
unb loenn bei $a^f! unb fein ^n()ang bic Sidnbe toegen beS (SonciU tetgetoals 
tigen tooUt, tooS bann t^om Aönige au cttoatten fei". 



J 



3ux QkW^it hti ^(i^inalfalbfT Sunbel. 93 

berichteten feine SRät^e Weiter, l^abe ben ®efanbten geanttoortet, 
er toerbe bie «rtifel auf bem granffurter Zaat toieber in Änre* 
gung bringen unb möchte wiffen, ob bie ©efanbten be« Äöniß« 
barum wüßten, ob ber Äönia iJuft ^ätte auf biefe «rtifel l^in fic^ 
mit ben ©täuben ^u öerbünben, benn baburc^ Würbe bie SBer* 
^nblung befd^teuntgt werben, fo bag balb eine ®efanbtfc^aft an 
ben Äönig jum enblic^en Stbfd^lufe gefc^irft werben Knute. 3n 
golgc bicfer SRitt^eilunaen würbe befc^loffeu, jeber ©taub foQe 
feine ©efaubten jur nä^ften Serfammlung inftruieren, wag bem 
ftSnige auf weitered 9(nfud|en }u antworten fei \ 



8et(agen« 

L Per 9rief bei |tifnif)< tion (Snglanb an bie StSnbe, Hell« 

mtn|ler 9r(. 30* 

lUostrissimi principes ac domini, amici nostri charissimi, 
salatem synceraeque dilectionis affectum. Non obscuris in- 
diciis naper declarastis vestrum de cbristiana republica bene 
merendi Stadium, et quod ex animo cupiatis dissidiis atque 
bellis inter nos Gallorumque regem compositis publicam 
quietem et concordiam ad omnipotentis Dei gloriam stabiliri, 
tum ad nos tum ad Gallorum regem destinatis legatis gra- 
Tissimis quidem probissimis ac doctissimis viris, qua in re 
aperte cognovimus, praeter publicam Christianitatis causam, 
amicam quoque vestram et quam optime erga nos afifectam 
volantatem, quam sie interpretamur, ut ingentes nunc gratias 
Yobis Omnibus agamus, occasionem omnem libenter amplexuri, 
qua benevolentiae parilitatem quandoque referre possimus. 
Licetque laboribus in hoc (si tieri potuisset) pacis compo- 
nendae negotio a vobis sedulo syncereque susceptis speratus 
eventus parum foeliciter hactenus responderet, vestrum ta- 
rnen in causa omnium sanctissima praestitum Studium et ab 
amicissimis profectum pectoribus nobis extitit quam maxime 
gratum. Quod vero per Gallos steterit eorumque culpa hac- 
tenus infectum sit, quod nos ex boni et christiani principis 
officio quam vehementer confectum optabamus, ex eisdem 
legatis et oratoribus vestris, qui actionibus onmibus adfue- 
runt et interfuerunt , et quibus totius rei gestae series et 
ordo penitus cognitus et perspectus est, copiose uberrime 
sigillatimque intelligetis, confidimusque omnia fideliter ab eis 
exposita relataque iri per nosque neutiquam stetisse, quin 
tarn bona suscepta causa a bonis onmibus optatum sortire- 

> din »rief bed AdnigS \>om 30. £ea. 1545 (f. 99eil. 1) (erül^tt biefe 
Sad^e nid^t, fonbem nur bie gfTiebend))et^nb(ungen mit ^xanUti^. 



94 ®. ©d^mibt, 

tur eflFectum. Nihilominus interim expectamas, ut vos, pro 
vestra in rectas et justas quasque causas propensione , eam 
erga nos amicitiam assiduo praestetis , quae vobis semper 
antea intima et syncera nobiscum intercessit; et foeliciter 
valete. 

Ex regia nostra Westmonasterii die trigesima Decem- 
bris 1545. 

Vester bonus amicus Henricus. 
(Petrus Vannes). 

(9(br.: lUustrissimis , illustribus, generosis et magnificis 
principibus et statibus foederis Evangelici, amicis nostris 
charissimis). 

Sin beutfd^cr ©rief — Iüd^I nur Uebcrfe|ung — beg Äönigg 
granj üon granfreid^, ©t. ©ermain 1546 San. 9, untcrfd^ricben 
üon bc Saubofpinc, an bie ©t&nbe, fagt: er banic für bcn guten 
SßiQen, beu er übrigen^ auä) felbft gehabt j^abe* er ffobc fi^ ju 
fingen bereben lafifcn, bie er fouft getoife nicftt angenommen 
l^ätte, um nic^t als SBer^inberer beö g^eben« ju gelten, aber eö 
l^abe ftc^ auf ber anbern, b. i. englifc^en, ©eite fiei^tfcrtigfeit unb 
fd^neüe JBeränberung gejeigt. SBenn fie einmal lieber üon ben 
(Snglänbern gebeten n?ürben, fid^ in foIdE|e |)änbel einjulaffcn, 
müßten größere SJerfic^erungen genommen »erben, afö biegmal ge== 
fd^e^en fei, bamit i^re (Sefanbten nid}t öergeblid^ bemüht toürben. 

2. 9te (Sffanbtfd|oft an ben Itatfer in ber IftSlner $ai^e'. 

S)ic ©efanbten ber eüangelifd^en ©tänbe, bie burd^ Hbge* 
orbnete ber Sturfürften t}on©ad)fen, SBranbenburg unb 5ßfalj, bc« 
fianbgrafen toon Reffen unb ber ©täbte granffurt unb ©oSlar 
vertreten loaren, langten gegen SKitte gcbruar 1546, unmittelbar 
üom g^anffurter Sage, in 3Raftri^t an unb trugen bem Äaifcr, 
ber ben 20. gebruar bafelbft eintraf, in feierlicher Stubienj i^rc 
SBerbuna gemäß ber empfangenen 3nftruftion üor: ba bie ©tonbc 
eüanaelifc^er Sieligion beS (Srjbifc^ofd ipanblung unb SReformation 
als ®otte« SBort gemäß anerlännten, fo Ratten fie fid^ feiner 8lp= 
peUation angefd)lo'ffen unb gäben ju bebenfen, toa^ für ®efa^rcn 
an^ einem »eiteren SBorge^en auf biefem SBege brol^ten. ©ie be* 
riefen fid^ auf bie SBefd^lüffe ber 9teidE;gtage , auf ben 9?firnbergcr 
SieligiouSf rieben, auf bie äwgcftänbniffe ju Siegenöburg 1541 unb 
enblic^ auf ben ©peirer Slbfc^ieb üon 1544, »onac^ alle« Sor* 
ge^en geaen bie ©täube Sugäburger Sonfeffton bii^ jur JBerglei^ 
d^ung auf einem getoiffen freien c^riftlid^en Soncil auf einer in 

1 9(u9 bet Snfltultion, Bei ben ^!ten be§ gftanffuttet Xaged, unb bem 
SBetid^t bed (^Max]6^tn ^efanbten $and Hdlat, ber am 13. SJtäta in ©oelat 
totebet anlangte, an bie ^&t^ t)on Staunfd^tocig , ^öttingen unb dinbedC 
(SBx. «. «nb öött. a.). Äütaer SBarrentro^jp ©. 265. 



3ur (Sefd^id^ie bei ed^tnaRolbet SunbcS. 95 

beutfd^en fianben ju ^altenben 92ationaI»SBerfamm(ung ober Sleic^d« 
tag ausgefegt bleiben foQte, unb baten bie auf ^nbrfingen ber 
6a^itcl|pcrf onen , bcr Clerifci unb bcr Uniöcrfität Stöln crgan* 
genen SKanbate^ einjufteden , bie @ad^e bid ju einem [olc^en 
Soncil ober Slei^dtag ru^en unb ben Sr^bifc^of a(d einen ge^or« 
famni, aotteöfürc^tigen fturfürften, ber feine älegierung bi^ auf 
bai^ ^öc^fte 9(ter löblich unb rfif;mli^ gefäf|rt, n^ie i^m bad ganje 
9lei(^ bejeuge, ber auc^ ben ^aifer ^abe enoä^Ien Reifen, fammt 
feiner £anbfcl^aft bed aufgerichteten ^^riebeni^ genießen ju laffen. 

S)cr ftaifer Iie& fofort bur^ ben Äanjler 9?at?eg erwiebem, 
an ben SKanbaten fei ber (Srjbif^of felbft fc^ulb, ba er tro$ 
gütlichen Qnxtitn^ bie anbere gartet mit ®emalt ^abe jmingen 
mollen; i^m (bem Äaifer) fei an grieben unb 9lut}e in ber beut* 
fc^en ^Ration gelegen, unb er fei be^t^alb tro^ feiner Seibei^fc^n^ad^« 
^eit im ^griffe nac^ 9legendburg gu jie^n, um eine SJergleic^ung 
ber aieligionSfac^e ^erbeijufü^ren. Dann liefe er fic^ bie Suftrut* 
tion ber ©efanbten übergeben unb üerfpracb »eiteren ©efd^eib. 

3n einer jmeiten ^ubienj, am 2. man, unmittelbar üor 
feiner Stbreife (bie 9ladji vom 2. auf ben 3. ÜRärj mar er in 
Süttic^) kpieber^olte er ben ©efanbten bie erfte @rf(örung unb 
fägte nur ^inju , er münfc^e bringenb , bie @ac^e beigelegt ju 
fe^en unb ermorte ju biefem Q\v€de bie perfönlic^e 8lntt?efenbeit 
ber eüangelifc^en ^^ürften unb @tänbe gu Siegendbura. ^er 
Saifer fprac^ franjöfifc^, ber ^an^Ier 92aoed üerbolmetfc^te bie 
SBorte ben ®efanbten. 

Sine ft^riftlic^e S(nttoort tourbe i^nen am 2;age nac^ bed 
Soifer^ Sbreife jugeftellt. 3n biefer tt)irb noc^ fc^ärfer ate in 
ber miinblic^en Sutmort über ben @rjbif^of geflagt, ber aUe 
gütlichen 3Bege unb 3){ittel k)on fic^ aemiefen unb ben ftaifer p^ 
le^t gejmungen ^abe, iD^anbate au^gepen }u (äffen, bie ^p))eOation 
fei ganj unbegrünbet, ffobe bod) ber Sribifc^of nocf; nic^t einmal 
bed ßaifer^ unb ber ©täube (Srtenutnid abgekartet, fo bag i^m 
mo^I }ugeftanben ^ätte, gegen if;n üorjuge^en : bätten bie et^ange« 
Kfc^en @tänbe grünbli^cn Seric^t über bie ^adje gehabt, fo 
toürben fic bem ©rjbifdfof feinen 65(auben gefc^enft ^aben. ®oc^ 
gab fi^ ber ^aifer menigftend ben Schein, al$ erfenne er ben 
guten mQen ber Stäube für Stufrec^ter^altung it^ t^riebend an, 
unb üerf|>racl&, njenn fic^ ber ßrjbifc^of ge^orfam jeiae, auf bem 
Sleic^iSta^e über biefe @ac^e mit ben ©täuben ju t^er^anbeln. 

3toifc^en ben Qtxkn aber lefen mir, bafe ficl| ber ®egenfa§ 
burc^ biefe ^Jürbitte nur t?erfcf|ärft ^atte. D^ne SRefuItat alfo 
reiften bie ©efanbten ^eim. 

^ Sa§ etfüe t)om 27. Sunt 1545 f. @. 78, bag atuette !aif. ^anbat d.d. 
nttec^t 1546 San. 26, unierfd^rieben bon 3latxi unb Dbentbutget, befiehlt bei 
Strafe bet %d)t htm i^urfütfien nod^maU , k)j)n feinen attentatis et innova» 
tionibuB objuflel^en unb binnen 15 2:agen nad^ ber %)ix^tai\on haH 0e* 
f(^^e ^ caffteten. 



96 (Sl. @d^mtbt, 

3. 9ie Iftoßen bes S^ranhfurtet Sajrs fBr |lraunfil|iiiet§. 

(Jlaö) Sdifjeic^nung be« @efr. 3)ietr. ^ruffe). 

Sinnal^me (upname): 
200 ®oIbfI., 60 ft. 9Künjc ju 20 qx., 600 fl. ju 15 »afecn. 

16 fl. 9 gr. Sammfpringc mit 35 5|5ferbcn 3)onncrftag 

big greitag tjor SKicoIai [3)cj. 3—4], 
26 f(. 14 gr. ©öttingen mit 31 ?ßfcrbcn in 2 Verbergen. 

10 fl. bem aÄarfc^aQ jur Stütfreife jur S^^^^ä- 

9 ©olbft. 22 alb. ßaffel mit 16 ^ferbcn auf eine Sßac^t. 
2 ff. 2 ©öttinger Stneäjtm ücre^rt. 

6 ©olbfl. 14 alb. 3H*fc^^^ "^*^ 1* ?ßfcrbcn unb 13 5ßcrfonen. 
5 „ 29 „ maxinxa (?Mumhert?). 

7 „ 24 „ 10 gr. ®ießen (to den Gitzen). 

8 „ 5 „ griebberg. 

74 ft. 5 alb. ©onncrftag naä) 5RicoIai [3)ej. 10] 1 U^r 

(ä 15 Safecn) in granffurt ange!ommen, mit 14 tßfcrben 

unb 13 ?ßerf Orten, bafclbft bei ß^riftof ©tauft 
üerje^rt: jum 1. iSlal gerechnet Sreitag 
na^ Suciae [®ej. 18.f: 9)tittag§ma^I, 
SBein, 93icr, ^afer unb ©taßmiet^e. 
2 fl. 10 alb. ®emeine Aufgabe: in ben ©tafi auf bie 

5ßferbe, fflaumöl, Serpentin, SBac^S, $a* 

Sier, ©rünfpan (spans grün), 6ier, ©pecf. 
Montag die puerorum [SDcj. 28] jum 

2. 9KaI abgered^net bis SKontag excl, 
SRal^Ijeiten, &ein, Sier, ©tallmiet^e, ßafet. 

91 ff. 8 alb. SDonnerftaa nad) 3 Regum [San. 23] gum 

3. SÄal abgeregnet. 

153 ft. 9 SB. ©onnabenb nad| SIntonii [San. 23] jum 

4. SRal abgeredinet, 16 Sage. 

143 ff. 11 85. ©onnabenb nad^ $urif. SJfar. [gebr. 6] 

jum festen 9Kal abgeregnet, 15 Sage, 
beja^ft 100 ®ofbff . = 
120 p[. SRünje, ba8 an* 
bere in 93a^en. 

Sfugerbem bejal^ft: 

17 JBafeen für verbrochene ©fäfer. 
8 ff. bem SBirtb. 

10 „ ber SBirtl^tn. 
2 „ bem ®efinbe. 
1 „ 1 8. 4 Äinbern. 

1 „ JBere^rung in§ ^aii^. 



3ut <S(e?c^i(i^ie be«; 3((}mQ[falbeT ^unbed. 97 

17 ». bcm JBarbicr. 

2Vs fl. für de sondags zoppen. 

28 ». für aatofd^en . 

38 @i}lbf(. ä 32 aVb. 

46 f{. a 15 iBa^en 

55 fl. (i 20 gr.) 13 gr. 13 alb. 

100 &om. 

389Vf [I.SKfinäcäl5«.llVtaft. 

®emeine Stui^gabe: 

5 9. äRori^ bei 3oft ®Iafer üerje^rt. 

1 „ für ben 2)ru(f üon $. ^einnd^S Ütteberle« 

gung». 

IVs 93. für ^licfkoerl an hassen. 

1 9. t^äl^r^elb in ^ebemünben. 

3 „ für eine ^leiberbürfte. 

1 „ für ein strapen. 

1 „ 4 $f. für »rantoein. 

1 „ ben Slbgebrannten (verbranten) t)on®ot^a. 

1 „ für eine zuntflaschen. 

1 „ Dem S3oten am (^rifttage. 

6 „ verbadet. 

3 „ ©attel ju fliden. 
19 „ ^emben jtt toafc^en. 

1 ^ für 2). afiartin iSut^er« öud^ auf $. ©ein- 

ric^d ®efängnii»^ 
100 Ziflx. ä 17 Sa|en ßani» bem Seinjapfer gejablt. 
= 113 fl. (ä 15 ö.) 5 JB.». 
1 ». filr 2 ^raftifen. 

1 „ für glitten. 

1 „ bem anbem 93oten üerel^rt. . 

5 ^ doad^im bem SSoten geliehen. 

6 ,, für ben Sölnifd^en $roje|. 

4 „ für ^ulber. 

2Vs 9. an meiner Sfid^fe geflitft. 

2Vi „ für fflaben. 

3 g. bem aaäolfen bütller öoten bere^rt. 

urpTTvnoiPf! 

* SQOol^l: Warhafftige erselaog der | Oeschiclit, Was sich Eertxog 
Heinrich j tod BrauDBchweig , vnd seiner anbaogenden gesel- | Bcbaft 
halben dieses gegenwärtiges Jars zugetragen, o. D. 1545. 14. S3I. 4. 
mit hm Vfftf^^ ®fl)}|)eti. 

' SBenntiipd^: An Korfarsten zu | Sachsen, yndLand- | grauen zu 
Hetsen, D. Mart. | Luther Ton dem gefangenen H. | zu Brannschweig | 
. . . miUnUtq, 3. Älug. 1545. 20 »l. 4. 

* gihc SSBeiti, ben bet fRaif) gelaufi l^tte, alfo eigentlid^ aufict^olb ber 
Seti^nung. 

XXV. 7 



98 @. Sd^mibt, 3»^ @efd^id^te be^ Sd^mallalbex JlBunbei. 

Quirin für ein ^aat ©d^u^. 

bem Sarbier. 

in ben stoven 3an. 21. 

bed ©taQjungen straifen }u mad^en. 

nod^ für gliden an ©ätteln. 

üere&rt benen bie SBiIb}?ret üom Sanbgrafen 

bradpten. 

3. 3)idEer bem öoten üerd^rt. 

bem ©c^miebe. 

bem SBarbier für Duirin. 

fürglitfen an^alftem, ©ätteln unb Säumen. 

S). ^ieron^mug ü. Saun für ein Consi- 

lium des gebrekenberges Ciriaci falben K 

äKorife bere^rt. 

^eimreife : 

in griebberg u. f. lo. 

vor der korharcke. 

}u «rngbac^ (?). 

m ßaffel. 

ber SBirt^in. 

bem ©efinbe. 

bie SRü^Ienorbnung ju copieren. 

für S3ef(||Iagen. 

in ®öttingen. 

Saltafarg Sned^te. 

in SSodenem mit 22 ?ßf erben, incl. JBer* 

el^rung an bie ©öttinger 3)iencr. 



3V» ». 4 


P. 


2 ». 




12 „ 




2 , 




2 „ 




5 „ 




1 . 




5 fl. 9Vi 


». 


6 ». 




9 „ 


• 


5 @oIbf(. 




9 S. 




8 @oIbf(. 


12 JB. 


4 „ 


14 " 


7 » 


8 " 


9 „ 


21 oib. 


8Vt 8. 




3». 




5 Mq. 




17 a 




7 @oibfr. 


28 3)2g. 


15 gr. 




13 ©olbfl 


• 4 gr. 



54 ®o(Dfl. 

12 fl. (ä 15 85.) 21 «Ib., 37 2»g., 11 5ßf. 
©umma ©ummarum aller S^^tung unb SluSgabe (incl. 100 Si^Ir. 

ür ben SSäeinjapfer) : 

192 ®oIbfI. 596 fl. (ä 15 JB.). 10 S. 5772 fl. (k 203Kg.). 
19V2 aib. 1 $ßf. 

©0 reftieren bei mir 8 Oolbfl., 3 fl. (a 15 95.) 5 f8., 2V« fl. 
in 3Rg., rooüon 19 V2 Sltbug 1 5ßf. abgezogen »erben muffen, 
baÄ übrige ^abe id^ ju jaulen. 

Äufeerbem l^abe id^ 29 ÜJiattier ^an« grancfe jur SSerel^rung 
gegeben unb 30 ajiattier ben Firmen unb fonft auggegeben. 

S)er SReft ift im Seifein be^ JSurgem. Surb üon 3)amm ben 

gel&nmännern auf ber aWünje überantiportet 1546 8Ratt^iae 
febr. 24]. 

^ Setr. bog ©iift @. iSt^iad in SBtaunfd^tDcig. 



Ueber bie brei ©ebic^te 
))on ben bürgerlichen Unruhen p SRains 

1428—1430. 



ason 



2xi\^wc )0t||L 



3)ad ©taatöard^b ju S)arniftabt 6ef{^t unter btn^xi)xt>a\xtn 
beö SWainjcr ^atrijiergcfd^lccl^tci^ jum Qimgen rinc ^onbfc^rift 
— ^Qpxet, ©d^malfolio, 16 SBlättcr, Schrift Don 1430—1440 — 
folgcnbcn SnI&altö: 1) gol. 1—7' bag ®cbi(^t bei Siltcncron 
itftor. JBoItelicber I, 5Kr. 63; 2) gol. 7'— 10 »cric^t über bic 
^af)l beg neuen Slatl^ed unb bte S9efe^ung ber übrigen ftäbtifc^en 
Äcmter ju SKainj, in G^ronifen ber beutfd^en ©täbte XVU 
(SWQinj I), 375—379; 3) gfol. 10—12' bag (Sebtc^t bei fiilien- 
cron I, SRr. 64; 4) JJoI. 12'— 15' ©(^reiben 5ßcter8 gum 3ungen 
an ben ^atf) ju maxni üom 5. gebruar 1430 mit feinen An* 
lagen über bic ©c^winbeleien Sber^arb SBSinbedi^ ju ^ßrefeburg, 
bei Sic^arb granffurtifc^e« «rdjiüIII, 370—379; 5) gol. 15'— 
16' oa^ ©ebid^t bei fiiliencron I, 3lx. 65. 2)ie üier erftcn ®tndt 
pnb üon einer bicfen, fteifen ©d^reiber^onb , boÄ fünfte ift in 
freieren, toeniger gef(^uUen Qn^m gefd^rieben. 3)en genannten 
§erauggebem Ifai biefe ^anbfc^rift al8 OueQe gebient. 

3)a8 erfte ber brci angeführten ©ebic^te erjä^It, toic in 
Solge ber fc^Iec^ten t^inanjlage ber ©tobt bem Statte eine aM 
ben 3ünften gemä^Ite Somiffion üon je^n ÜKännem an bie ©eitc 
gefegt mürbe ; toie bic S^^^^^^f barunter Sberl^arb SBinbecf , immer 
me^r fUlaAt gemannen, unb mie fie fd^ßepc^ ben 9iüdtritt bei» 
Satzes unb bie S33a^I eines neuen ?Rat^c8, in mdd^em bie alten 
©efc^Icdötct nur fc^r fd^mad^ üertrcten maren, fomie bie 9?eube^ 
fe|ung ber übrigen ©tabtämter l^erbeifü^rten. ®8 fc^Iießt mit 
bem SSunfd^e, bag ber neue diati) mo^t regieren möge, unb um« 
fa§t, toie man au« ber SWaiujcr ©^ronif in ©täbted^ronifen XVII, 
55—72 unb aus bem berritö ermähnten Scric^t ebenbaf. ©. 375 
-379 erficht, bie 3eit Don 1428 (SBa^I ber Mnn, ber lag ift 
nic^t bclannt) bi« 1429 Februar 12 (au8fc^Tie|ung ber Semtt 
Sber^arb S93tnbed, ^cnne Jhtauff uno ®eorg ®ruel aud Dem 
neuen SRat^). Siliencron l^at @. 308, 31 banad^ bie »bfaffung 
um SRitte gebruar 1429 angenommen. «Hein ba ö. 103—108 
bie Entfernung be» ©t^reiber« ber SHten 3o^ann SRenjer axi^ 
ber Commiffion ber Stoanjiger crgä^It mirb , unb biefe erft am 
11. SRärj 1429 erfolgte S fo ift bie entftefiung auf SWittc SRärj 
1429 }u fegen. 

' GiAbie^rott. XVn, 378, 18-20. 



102 21. 2Bl)6, 

35cr SJcrfaffcr War ein (Scaucr ber alten ®ef(^Ic(^ter, 
bercn Ueberntut^ unb §offart er taSelt*. SB. 655—661 nennt 
er jt^: 

Wer uns nn dissen Spruch macht 

und disse geschieht zu rime bracht, 

den han ich uch noch nit genant, 

idoch daß er uch werde bekant, 

so wil ich uch en nennen, 

uf daß man in möge irkennen : 

Ebirhart Schenk den win laß drinken. 
3Kan f)at hinter biefem ©berl^arb ©d^enf ben »in (Sber^arb 
SBinbed gcfud^t, tnobei einige gar eine 85ud^ftabenüerfe|ung ober 
ein SBortfpiel jtoifc^en beiben SRamen finben tooDten*. Aber »er 
ben ru^mrebigen , überall mit feiner ?ßerfon l^erüortretenben 8er- 
faffer be2 ©igmunbbiid^eg fennt, »irb fid^ l^ier beS greife!« nid^t 
ertoe^ren fönnen. ®ine SJi^tung au8 SBinbetfS ^eber über jene 
Unruhen, in benen er felbft eine Hauptrolle gefpielt ^at, tottrbe 
i^n ganjt anberi^ in ben SBorbergrunb gefteDt ^aben. Suc!^ »are 
eS fonberbar, ia^ er biefeS fein SBerf nic^t in fein ©Igmunbbuc^ 
follte aufgenommen l^aben, ba er bod^ anbere S)i(^tungen glei^er 
Srt barin Mnesmeg« öerf d^mffi^te •. fjemer, »ic fönnte, feine 
Äutorfd^aft öorauögefe^t , in ein unb bemfelben ®ebic^t eine 
$erfon ol^ne alle Srflärung unter jtoei öerfd^iebenen 5Ramen, i^rem 
ttJirHlc^en unb einem angenommenen, auftreten? S)enn ba8 ®e* 
bid^t fprid^t \a an üier SteDen aui^brfidEIid^ üon (Sber^arb äBinb« 
ed*. Unb ttjie l^ätte nun gar biefer 2t|atfad^e gegenüber Cber* 
^arb SBinbedt fagen fönnen: 

Wer uns nu dissen spruch macht 

und disse geschieht zu rime bracht, 

den han ich uch noch nit genant — ? 
SBeitere ©rünbe »irb bad jtoeite ®ebtd^t an bie ßanb geben. 
SBIelben toir noc^ beim erften. JB. 4 ff. fagt ber SBerfaffer, er 
möd^te in 9teime bringen 

ein geschieht, das mer wart kunt, 

* ». 588 ff. 

* gfiAotb a. a. O. ®. 829 u. 855. ^xotfim, (Sbet^Ktb SBtnbecf, Vb% 
b. A. 6. (^ef. b. aOSiffenfA. III , 184 ^nm. 8. Siltencron 6. 808, 29. ^ 
oet, in etdbted^Ton. XVII, 55 9[nm. 2 u. XVIII, SBetfalfunofgef^. ®. 77 
mm, 1. 9htT Sorena, ^efd^i^tSqueOen n>, 278 ^nm. 8, ^t ^ebenfen gcftiM 

|ert unb borMfd^tagen , bte äBotie 'den win' ^um ^o^aenben aujie^, tDO» 
na4 bet ^iqitx Sbet^atb @d^enl geizigen bAtte. gfinoet btefe läetmut^mtg 
eine ®tü|e in bem 93otrommen etnev gfamttte ®<i^nt in ^aina (). 8. Ott 
Gd^enf, 6tfibted^on. XVII, 352, 19), fo ftnft fie bocfi in ftd^ aufammen biinl^ 
ben Umjlanb, bog unfer SRann in bem atoeiten @ebtd^t aU 'Schenk in den 
win* etfc^einL 

* ßiliencton 9h. 62. 67. 78. 

« 'Eberhart Windecke mit dem hart* IB. 47. 545; 'Ebirhart Wind- 
ecke' SB. 154. 841. 



HeBer bte btti (Sebld^te ton ben bür^erttd^tt ttnm'^n au Vlatita U28— 1 430. 103 

als sich das hüb zu einer stand 

zu Menze in der werden stat, 

da mich manch gat geselle bat, 

daß ich etwas da von dichte. 
S)a« ffittgt foft, ate ob er einer jener ^anbtoertemäftigen 
9leimfc^mtebe gemefen toäre, bte fid^ folc^er @toffe gern bemäc^« 
tigten. Aber er fä^rt fort: 

Wan etlich hatten min kein acht 

nnd hatten mich mit gedieht der in gezogen, 

dar an si genzlich woren betrogen, 

alse mich die gemeinde mit alle 

wole nnd getruwelich entschuldigen solle. 
Wlan f)aüc xfjn alfo in einem anbem Sebic^t atö betl^etltgt an 
ben ftäbtif^en ^änbeln gefc^ilbert, mogegen er ftc^ t^ertnabrt. 
Sba^ tarnt nur tn einem verloren gegangenen Sßerfe gefc^e^en 
fein, benn bai^ jtüeite ber und bekannten @ebi(^te, beffen 3n^alt 
jener Vnbeutung an fid^ n)o^I entfpre^en mürbe , tft , toie n)tr 
fe^en toerben, erft ein 3a^r fpäter entftanben. JB. 627 ff. fagt 
er öon ben Alten: 

Si han auch virloren gar 

im halben rat, des nam ich war: 

als ich in dem rade zu einer zit 

saß und min ougen wit 

laufen liß hin und her, 

zu merken wer ein iglicher wer, 

da vant ich von den alden numme dan siben. 
®er SRatl^, um ben e« fi^ ^ier l^anbelt, tft ber neue, 1429 
am 30. Januar unb an ben beiben folgenben Xageu getoä^Ite, 
unb bte äßorte 'als ich in dem rade zu einer zit saß' beutet 
man junä^ft auf ein SRitglieb btefer ^ört)erfd^aft. 9htn lennen 
toir fämmtlid^e 35 Slat^ä^erren ^ darunter finb nur jtoei be« 
9{amen$ (Sberl^arb: Sberl^arb SBinbed, t7on bem fc^on Die Stebe 
toax unb nod^ bie 9tebe fein mirb, unb Sber^arb SRorid^Ä @o^. 
2e|terer fonn nid^t in SBetrac^t fommen, toeU i^m, ber über^aiipt 
nur einmal ertnä^nt mirb, jebe polittfd^e JBebeutung abgebt. 

2)aiS jtoeite ©ebic^t jetat gegen bad erfte, toeld^ed fid^ 
o^ne üiel iRefleEion mit au«tüprü(|er Srjä^Iung ber JBegeben* 
Reiten begnügt, einen »eiteren fBM unb ^öl^eren ©c^toung. 

Die Seit ift böfe, ftagt ber ®icf|ter (». 1—19) ; bie ^äupter 
ber E^riftenl^eit unb bie ©lieber be8 Stetc^ö finb nic^t mel^r toie 
üor aiter&: ßabgier ^at über^anb genommen (SS. 20—52). So 
fie^t es aucg in ben Steic^öftäbten , iu SKürnberg , Strasburg, 
Sonjianx, ©peier, SBorm§. SBo^in man blitft, ^etncfd^t Smpörung 
geg^t bte alten ^uftänbe (». 53—93). 9n äWainj ^aben bie 
Be^er ben alten JRat^ Vertrieben (ö. 94—133). fiönig ©ig* 

» etÄbitdJtoit. XVn, 376, 4-18. 



i 



104 9t. 2B^6, 

niunb aber, ber and) in ben Slc^cncr ^änbcln baö 9K(5tigc gct^an 
(SB. 148—164, epifobifc^), ^at i^r «erfahren mi^biaigt unb pe 
xtaäi SZürnbcrg ju tüciterer Ser^anbluna befd^icbcn (S. 134 — 185). 
5Run tüerbcn bie ^e^ner aufgcjä^It unb beurt^eitt (SB. 186—215). 
Sefet finb fcd^g geforcn, üon benen fid^ nod^ ntd^tö fagen logt; 
mad^cn fic e§ beffcr dg bie je^n, fo fann e^ nodj gut Werben 
iB. 216-226). ©c^Iufe (SB. 227—252), tooöon SB. 227—236 
id^ nad) meiner Sluffaffung gegen bag erfte ®ebid^t ttjenbcn. 

®er 35id^ter, ein Slnl^änger ber ?lItenS nennt jid^ SJ. 52 
Sacob ©tofeeün. 2)aS ift fein angenommener SRame : bie unten 
mitgetl^eilte Urfunbe meift i^n jum Saf)t 1444 ate SBeft^er einer 
SBaDftube ju SRainj nad^. Sin anberer Sacob ©tofeel, ber 1406 
bem STOainjer 3Äariengrebenftift oerfd^iebene SBaffen unb Älei* 
bungSftüdte üermad^te^, mag fein Sater getoefen fein. 3)a er 
um Sber^arb SBinbedS ^efeburger ©treidle, üon toeld^en, toie 
fdE^on bemerft, ?ßeter jum Sungen bem SRat^e ju SWainj unterm 
5. gebruar 1430 Äenntni« gab, bereit« toeiß (SB. 99), fo fonn 
fein ®ebid^t nidEjt üor biefem äWonat entftanben fein'. 

Sieben ©berl^arb SDSinbedE ('Eberhart mit dem bart') utlb, 
lüie bereit« florenj bemerft ^at, öon biefem bcutüd^ unterf^ieben, 
erfd^eint bei ©tofeelin 'Schenk in den win'*, in toeld^em 
man ben SJerfaffer be« erften ®ebid^te« Eberhard Schenk den 
win leidet n^iebererfennt. SB. 106 toirb er augbrüdflid^ oI« Slat^- 
geber ©ber^arb SDäinbedg unb be« ©Treiber« SRicoIauS öon SBörr« 
ftabt bejeid^net: 

Si — btefe beiben nemlid^ — hant mit rade is an- 
gefangen 
Schenken en den win, er wer sin billich müßig gangen ! 

®r fann alfo unmöglid^ mit SBinbedf ibentifd^ fein, mid) 
fonft erfd^eint er afe lebl^aft bet^eiligt an ber ©ac^c ber S^net 
unb üon Slnf(ug auf biefelben : ^önig ©igmunb« äRidbiOigung be« 
SBorgel^en« ber Qeiintx mad)t i^m SBerbruß (SB. 177), unb eine 
JBefferung i^rer (Sefinnung ^ängt üon feinem SEBiDen ab (SB. 213 ff.). 

SRoq eine anbere 5ßerfon fü^rt ©toßelin ganj beiläufig ein, in 
beren 9?amen man eine SBejie^ung ju Schenk in den win finben 
fönnte. ©r fagt nemlid^ SB. 200 öon bem Qtijnex SRebenba^ : 
er scheiß Wernher Gelt den win uf die swelle. 

* SBöt MonbctS ». 131-133. 

^ Item Jacobos Stößel legavit pancerium venditum pro III flor. 
VI sol. ; idem unum collerium venditum pro III sol. ; idem legavit 
UDum schurcz , cucullam et arma ad crura. Seelbud^ be8 genamtten 
®ttfte8 SBI. 27' in bet etQbtbtBttot^I au aHatna. 

' 2)ie 3ett ber (^tofil^Iung ber Sed^fer (SB. 216 ff.) ifl unbefannt, fann 
alfo tiui^t 3ur ^atitung bettoenbet toetben. 5Dro^fen S. 210 unb Stliencton 
®. 308, 9 toollen bie äBal^l mit ber Stad^tung t), 18. Ti&x^ 1430 in Bttfam» 
men^ng bringen. 

« «Schenk en den win* SB. 107, 'Schenk den win' SB. 177, *Schenk 
in den win' SB. 214, 'Schenk in den roden win* SB. 224. 



Mn bie btti Wn^U t^on ben BurgetU^en nntu^n au SRahta 1428 - 1430. 105 

3n biefer Benennung titoa eine Knf)7telung auf einen 0nge« 
porigen bed SKainser ®efc^Ied^ted ber ®e(t^ui$ erbliden ju n^oDen, 
tDäre ebenfo ungered^tfetttgt, n^ie Schenk in den win bei^ leichten 
Änttingcn^ toegcn auf aSäinbctf ober einen @d^enfenberg ju beuten. 
'Gelt den win' Reifet „©ejal|l ben SaSein", öer^ält fid^ alfo bent 
SBortfinne nad^ ju 'Schenk in den Win' toit &a\t 2U SSirt^. 
Sir lEennen einen ©<Jtu4 über eine 1443 ju ffllainj entftanbene 
Be^gcfeHf ^of t S bereu ^itgtieber fämmtlid^ ©l^i^namen trugen. 
S^ieQeic^t ge^en anäi biefe beiben ^Benennungen auf eine folc^e 
@enoffenf(^aft juräct, bei meld^er man bie X^eilne^mer nac^ i^rem 
Ser^olten ju bem gemeinfamen 93anbe, bem SBein, getauft ^aben 
mag. 

fjraffen tnir turj jufammen, toa^ mir beiben ©ebid^ten über 
bie fraglich ^erfönli(|feit entnehmen fönnen: Eberhard Schenk 
den win toar fein geringer 2Kann, benn er tonnte bei üerfaniä* 
meltem Statine »tgegen fein, o^ne einen @i^ im 9iatbe ju ^aben; 
er »or ein |>eljer unb änftifter SBinbed 8 unb ber anbem Häupter 
ber Solf^partei unb ftanb bod^ md)t offen in i^ren Steigen, benn 
aliSbonn ^ätte er ja feine Set^eiligung nid^t leugnen fönnen; ba^ 
er feine Setl^eiligung leugnete, ttjeift auf eine ©teßung, ber ein 
(Singreifen in biefe l^änbel nic^t entfprad^; fein h^irflic^er Stame 
enbliA mug bod^ n^o^I bie äSBa^I beiS fingirten 92amend erflären. 

3dl glaube, ed toar ber äßainjer 5tämmerer @^enf @ber^ 
^arb t)on Srbac^, ber 1410—1440 ba& ftömmereramt be^ 
fieibete unb am 14. Dftober 1441 ftarb*. 

3^ f omme gum b r i 1 1 e n ® e b i c^ t. ^ie Sürger üon ^xanh 
fürt, ftol} unb reic^, gaben ben t7on Wlaxm ein ®eleit für i^re 
Bürger gemeinßd^. S)arauf unternahmen SJcainjer ©ürger (8J. 8) 
eine SBaufal^rt nad^ ^irjen^ain. Auf ber 9iücfreife tourben fie 
oon ben S^anffurtem angegriffen unb gefangen naä) ipo^Ienfete 
(nid^t ^o^enfeld) geführt. 2)a fal^ einer ben anbem traurig an; 
fie gebac^ten an Sberl^arb SBinbedE unb feine ®enoffen. S)er 
©(^reiber (9WcoIau8 üon SBörrftabt) formuliert bie Sügen, bie pe 
(85. 22, bie öorgenannten Qeffnet) erbac^t unb an bie ^ün^tt 
gebrad^t haben. (Sr l^at bie 9?oteI ba üorgelefen; bamit l^at 
er ben alten 9iat^ üerftört*. 3" SKaiuj flaat mancher öieber^ 
mann: ,,9So^n n7ir reifen, begegnen tt^ir böfen 83Iid(en; ntr^ 
genbd finb n^ir fidler ; fommen n?ir oor bie ©tabt , f o gel^t 
mand^er 93iebermann und nac^ unb fc^impft und ©^älfe unb 
SBortbräd^ige". Saran ^at ber ©Treiber Xag unb 9lac^t ge« 

1 eiObied^ott. XVn, 314, 26 ff. 

* S^t üBet tl^n Joannis, SS. rer. Mog. II, 856. Gndenas, Codex 
dtpl.II, 475. 851. Simon, @efd^. b. S^^noflen u. (Strafen t). iSxba^ @.S07. 
m%, m «t^tti f. l^ff. ®ef4. u. mett^umSi XV. 144 f. 

* 00113 toi« ^ int atoeitcn ®ebid^t (SB. 108 ff.) bon fE&Mbtä unb bem 
€4vo(er ^u%: Si haut der gemeinde ao vil gesoreben, geiaget und 
gelogen, dai der aide rat ist yerdreben tt. f. ko. 



106 9t. SBljß, 

arbeitet, bi^ er bie üon ben Sllten au8 bcr ©tabt getrieben ^at. 
@r bot fd^IecJ^t geipirt^fd^aftet, t)tel SRente üerfauft unb bie ©c^ut 
benlaft ber ©tabt gemeiert. SKögc er feinen üerbienten 8o^n er* 
galten ! 

3)a8 ift in Äilrje ber Snl&alt im engen Hnfdölug an bie 2)ar* 
fteöung beä ©id^terS. 35er ©erf affer, ein ®cfinnung§genoffe ber 
SSttten, benufet ein (SreigniS, baS geeignet toax bie ®emut^cr in 
SKainj jn erregen, nm gegen biegü^rer ber fünfte ju f)e^en unb 
bie alten ÄTagen feiner Partei jn erneuern. 

UeberauS fünftlid^ unb ganj unhaltbar ift bie 3)eutung, 
njeld^e SJro^fen ©. 211—213 unb nac^ il&m fiiliencron ©. 308, 
16—22 bem (Sebid^t gegeben ^aben. 93eibe laffen bie Oefange* 
neu, bie fie fid^ ats Slnbänger ber SJoIföpartei benfen \ lügneri'fd^ 
na^ SWaiuj berid^ten , ber Ueberfall fei üon SWainger 5ßatrijiem 
ausgegangen. 3)er ©d^rciber ijabe biefe Sägen verbreitet unb 
baniit ben alten 9tatl^ jerftört. 

Der schriber die lugen fint, 

die sie hant erdacht 

und hinder die zanft hant bracht; 

der schriber die notel da gelesen hat, 

damit hat er verstört den alden rat. 
3)a8 [inb bie JBerfe (SB. 21 ff.), auf tnelc^en biefe Deutung 
aufgebaut ift. ©tatt auf bie eben (©. 16—20) genannten Qef)- 
ner, tüirb „fte" getoaltfam auf bie ®efangenen bejogen; bie ßügen 
ber SJoIf «Partei , bie ben alten SRatl) geftürjt ^aben, inerben auf 
biefe Sßeife ju Sügen ber ©efangenen. S?om Su^alt ber ßügen 
fagt baS ®ebid^t fein SBort; bie Annahme einer üorgegebenen 
SBetl^eiliqung üon SWainjer ^atrijiem an ber 2:^at fc^mebt üflllig 
in ber fiuft. 

Heber ben SSorfaH, toelc^er baS ®ebid|t tjerantafet bat, tnar 
bi^^er nid^t« näheres befannt. 3dö fiube in 8Hten beS granf* 
furter ©tabtard^iüeS * f olgenbe 9lac^ric^ten barüber. 8m 3. 'an- 
guft 1430 erbat SWainj üon granffurt für bie äRainjer Snraer, 
toeld^e bie granffurter ^erbftmeffe bejiel^en toollten, freie« ©eleit, 
mit SfödEftd^t auf feine 'gemeyn scholt und anspräche'. SRainj 
toar nämlid^ nid^t mc^r im ©tanbe, feine auStoärtigen ®Iäubiger, 
namentlid^ folc^e n?eld^e fieibrenten ju bejie^en ]^atten*, ju be^ 
fricbigen, unb bie SWainjer ©ärger fa^en fic^ in ^olgc bcffen 
auswärt« nid^t feiten ber ©efal^V au«gefe|t fär bie ©Bulben 
i^rer ©tabt perfönlid^ haftbar gemad^t ju »erben, i&icrauf bc^ 

* (Sf^t lötitttc man ftc auf Seiten ber tffften fud^en , ba bet au biefen 
gel^ötettbe 2)td^tet xfyc ©d^idfol Beflogt: das muße got erbarmen fagt 
et ©. 10. 

* ^ti^^\aä)tn, 9Rten, gfadc. 86, mir t)on $erm Stabtat^ttKit ®totc« 
fenb freunbltd^fl aug&naltd^ gemad^t. 

^ S3gt übet biefe föttffiitni^t Gt&bted^ton. XVIII, ä^erfaffungigsf^. 
©. 105—107. 



VitUt bie btei (Sebid^te ton bett Bütgetlid^n Uittu^ )tt ^atna 1428—1430. 107 

jie^cn jic^ We SMagcn, tocl^c ber 3)i(^tcr SB. 28—35 bcn 3Roin« 
jem in ben 9Runb legt, bap fie überoQ fd^eel an^efe^en mürben, 
nirgenbiS ftc^er feien unb fid^ ber 993ortbrü(^ig!ett geilen laffen 
mußten. Unter bem iSc^ii|e bed erlangten @eleited toaren bie 
SWainger Raufleute Seter öon ®erau ber Alte, SBJenfeen ^eter, 
SIefe $al|felt unb Slefic^in am 89erge gur 9)?effe gereift unb 
Ratten üon ba eine SBaÜfa^rt nac^ ^irgenl^ain unternommen. 
Auf bem SRücfritt nad^ granffurt tourben fie am 8. ©e^Jtember 
bei Sergen üon ben fjanrfurter bürgern ^einric^ Dom SR^ne benr 
jungen unb $enne SEBiele, benen bie ©tabt äKaing il^re Verbrieften 
Renten üoreni^ielt, mit gewaffneter ^anb übertoältigt unb gefan^ 
gen auf bie Surg ^o^Ienfefö ae^äfleppt , »o ein Setter 4)einricl^« 
oom Si^ne, jpenne S)ieme üou ^angenau, fie in Sertoa^runa na^m. 
9?od^ längeren SBer^anblungen , bei loel^en granffurt auf Sitten 
ber ©tabt SKaing für fie eintrat, entließ man fie, nat^bem fie 
Urfe^be gefc^moren unb "^gung nebft ©d^(oggeIb bega^It Ratten, 
am 6. Dctober i^rer ^aft. 

äCßie fc^Iimm bie Sage ber ©tabt äßaing in finangieQer $in« 
fid^t toat, geigt ha^ unten (Seilage 2) mitget^eilte, {ebenfaHi^ auf 
0runb beS obigen SorfaD« ertoirfte Stuöfc^reiben Äönig ©igmunb«. 
fll^ 3Raing bad fär ^anffurt beftimmte S^emplar am 1. 97o^ 
üember 1430 biefer ©tabt einfanbte, bat ed gugleic^, feine borti^^ 
gen (gläubiger gu betoegen, ^das sie die zwene wege, den 
eynen mit der losünge ye von drißig g&lden heuptgelts einen 
gnlden zu jerlicher galten nemen, und den andern wäg, nem- 
Uche die jene die lipgedinges gulte hant, das die soliche 
gölte halb bij leben nemen und halb nach tode steen laißin, 
und anch das sie uns an der erschienen gulten weseliche 
fruntschafFt bewijsen, das wir gelijden mögen. 2)er Sorf c^Iag 
tourbe iebot^ üon ben bet^eiligten f$ranffurtem guräctgekoiefen. 



©d^Iieglid^ einiget ^ur S^e^berid^tigung ber brei ®ebid^te unter 
Senu^ung ber ^anbfd^rtft fomie gur (Srflärung üon Singel^eiten. 

eUirnmn ftr. 63. 

18 'auch' $8. (ebenfo 77. 112. 228. 257. 313. 316. 319. 
338. 377. 384. 394. 404. 408. 409. 414. 419. 425. 434. 445. 
449. 453. 458. 468. 476. 482. 496. 627). 22 ba« eingefefete 
'ich' ift für ben ©inn ni^t erforberlic^. 25 'yne' $8. 29 
*gancze' ß«. 41 'sy' §«. 51. 158 'Knauch' (Stnad) 114) i&8., 
iratnbartli^ für 'Knauf toie nod^ ^eute 'Dopch' für 'Topf 
(ftteifer) unb 'Kropch' für 'Kropf gefagt toirb. 55 er nimmt 
lein Slatt üor ben 3Wunb; ber 'süße munt' 114. 546 toirb i^m 
ironifd^ beigelegt. 65 'de' §«. = 'dem' nid^t 'der' ttjie ©. 319 
fte^t. 71 'swem' ^«. 72 'üb' $8. 73 'kerte' $8. 82 'zunft' 
^. 89 *jor' ^8. 100 'Johan' $8. 120 'wer' ^8. 145 'antwert' 



108 ^ mt^i, 

entf^^rid^t bcm Steint. 147 'gebin' §8. 161 'dissen' §8. ('88* 
cbcnfo 188. 211. 655. 656). 163 toax 'nu' bcijubc^alten ; ml 
©täbtcd^r. XVn, 57, 18. 186 'rat' ift öon anbetet, gfei(%. 
$anb, bie tc^ mit B bejeic^ne, nad^gettagen. 242 Ited ^er- 
schracht' (: 'macht'). 256 'virnumfitiglichen' §8. 262 fc^Iage 
td^ t70t: 'ein iederman wart des zu rade da'^ b. ^. matt be^ 
fd^Iofe c« einftimmig. 270 'sie' §8. (ebenfo 366. 570). 297 'un- 
ter' $8. 311 'die' $8. (ebenfo 525. 542. 550. 623. 639). 316 
*dar zu' fann bleiben, toenn man ba^intet 'si' einfc^iebt. 328 
'Peder' ^8. 330 'geseUin' ß8. 348 'jor' §8. 354 ift bei^ 9ici^ 
me« iDeaen umjufteHen: 'arbeiten sollen'. 399 'beide partie' 
loat ju belaffen: 'scriben' ^ei§t ^iet „fd&tiftli^ auffotbetn". 403 
'paflheit' §8. 410 'saget' ip8. 411 'irgent zu' (feine fittcfe in 
bet §«.) fann too^I feigen „i^g^nb lüoju", obet e« ift }u lefen 
, 'icht zu' (ttJie 441) obet 'irgent zu icht'. 418 'ufiF du' ^., 
ßanb B ftteic^t 'uflP unb änbett 'du' in 'den'. 425 in 'flyßen' 
^e^t 'fly' üon $anb B auf Stafut. 439 'solich' tt?at gu belaffen 
(bal^intet bie befannte SluSlaffung bed 9{e(atiüd). 440. 441 n^at 
'mochte' unb 'dochte' (üal. 461. 493) gu belaffen. 443 'gar' 
fte^t t7on $anb B auf 9tafut. 445 'Eaczenelenbogen' ^8. 457 
'vnder' $g. (nid^t 'ynder'), 469 'vme' ^. (bie batum etbeten 
»otben loaten). 471 'und' §g. (nid^t 'uns') ; ba8 t)ot^etge^enbe 
*umb' ift ate ittigc SBiebetl^oIung beS 'umb' 470 gu ftrei^en. 
479 ift nid^t aU l^tage gu faffen , fonbetn ate 9lelatit7fa| gum 
SBot^etge^enbcn gu gießen; 'was' begießt ftd6 auf 'is' 476. 485 
'ouch' $8. (ebenfo 547). 503 'dy' ^8. 522 'dar' t)om ©d^tet* 
bet in 'der' gebeffett. 542 'widder' ift ^intet 'her' Aber bet 
eile nad^gettagen , fte^t dbex beffet üot 'her'. 549 'virliben' 
Ä. 562 'vimumfft' §8. 563 'kom' §8. 565 'Johan' §«. 
578 Sfnm. ift 'den smed an Gaporten' gu ftteid^en, benn bad 
ift eine anbete ?ßetfon (au^ ©täbted^t. XVII, 376, 27 fe^tt baS 
Äomma nac^ 'Silberberg'). 580 *yr nummer me' bet §Ä. toax 
gu belaffen. 592 'dede' 0S., üon i^anb B in 'hede' gebeffett. 
620 'edelste' §«., too^I ittig füt 'eldeste', tjgl. 'noch dem al- 
der' ©täbte^t. XVII, 376, 37. 630 'ougen' ^8. (tt?ie ©. 318 
Q. 8 t). u. tid^tig angegeben!). 645 Iie8 'gemein' (: 'dickein'). 

Silimmn Rt. 64. 

10 'vorworf ift Sni|)etatiD („toitf niebet"). 17 *yczunt' ^. 
42 'mangerley' $2. 75 'gonst' ß8. (nic^t 'sonst'); ftatt 'eren' 
Diefleic^t 'ere und'. 77—86 «gl. bie ftonftanger S^tonil bei 
aRone, Queaenfamml. b. SBab. fianbeggefc^. I, 332. «bet bet 
»otgang fäUt in 1429; (gifelein, ®efd^. u. »efdbt. b. ©tabtfton* 
ftang ®. 98 ff. 88 'in das buschen blosen' bebeutet „[xd) ben 
©taub in« ®eftc^t Mafen", mit einem anbetn SBttb „fid^ bie gin- 
get üetbtennen". 90 biefelbe «ebenÄatt bei fiiUencton 9lr. 26 



Hebet bte hm Qkbi^bt ton bett bütgetlid^en Unrul^n ju SRatita 1428—1480. 109 

6tr. 2. 105 ^nun' ^ei^ „neun'' toic 187. 106 'sie' ^. (ebcnfo 
108. 120). 107 'biUich^ ^8. 111 'als sider herre und sint' 
^|t: gättjlt(^ ('als' = 'alles') fet%r ßerr unb ®efinbe, ober 
cd ifl 'her' [tatt 'herre' gu feften: g&nghc^ feit^cr ('sider her') 
unb fettbettt ('sint'), tuoran fic^ bann bad folgenbe 'daß' anfd^üegt. 
121 'hinder den koppen hene gan' = »^tnter ben (t^ren) 
Söp^en ^nge^'' {ann nur bebeuten bte Stüp^e üerlieren (burc^ 
Einrichtung). 123 'seß' beißt ©ife, ffiobnfife. 129 'sint' ß«. 
152 'wammaseler' ^eißt ^erferttger üon SiBämfem (fiejrer, WOfb. 
SB», m, 666: aSijß, U». b. 2). O. «aOci ^t\\tn l, 372, 34; 
©täbtet^r. XVlI, 16, 4). 162 'muße' |«. 177 'sere' ^eiftt 
„Bäfmeti", ffSSerbruß"; lie« 'Schenken' nic^t 'schenken'. 186 
toax 'glouben' ju belaffen. 191 'her' ^. ; toicDcic^t 'Hen' ($enne) 
)u lefen. 201 f. äWebenbac^ ^attc »o^I früher jur ^artci ber 
9Uten gehört. 204 'der lit uf der heiigen schrift zu gigen' 
ift fc^ioer gu erHären; ic^ faffc 'lit' otö fontra^ierte gönn üon 
'lieget' : m der heiigen schrift liegen «= f alfd^ fc^tt^ören (ogl. 
'uf den heiligen swem', fiejcr^SR^b. SB95- I, 1214); 'zu gigen' 
lann nur feigen ,,p®eiaen'', „bei ©eigenton"; DieUei^t alfo: ber 
fc^iodrt falf(|e (Stoe leichten @tnned, fie finb xf)m nur ein @ptel? 
205—209 Sie jtoei l^ier ertoä^ntcn ßcl^ner nennt 5Wr. 63 «. 59. 
62 genauer: Henne Zaen zum Spanheimer und Jost Lewen- 
bart. 3df möchte t^orfd^Iagen : 

Auch ist einer der heißet Zan 

(sin fader konde wal worfel dran) 

zum Spanheimere, 

der kan logenmere, 

und sin geselle Jost, 

nie mensche wart sin getrost. 
212 @te ftnb oQe genannt bii» auf ^enne mn SEßageman (9lr. 63 
S. 66). 222 f. lag unS l^aben guten mntf), nid^t ©dienten 
('Schenke' $«.) ein ben rot^n SSSein (lag guten fÜHntf) ^aben), 
er fei benn toentger ^erb i7on @efc^mact. 227 'von dissem^ 
^. toax )u belaffen unb bejie^t \iq auf Schenk in den win 
^4), toie 'spräche' ('sprach' 247, 'a' für 'o' tote öfter, SRr.63 
«. 655 'sproch'), mhd. 'spruch', auf beffen Oebic^t fJlr. 63). 
243 tueift tuol^I auf ben beabft^tigten Steicbi&tag m 9tämberg 
(ögl. 134—137. 146). 

Saienerm 9tt. 65. 

3 S)ie Keife aalt ber aSaUfa^rtiSlird^e }u ^trjenl^atn. 12. 
13 'Hoenfels', jtoifc^en 'e' unb 'n' ^at ber ©d^reiber ein T ein* 
gefc^oben, burd^ toäift^ beibe Wlcd ein leichter Btxxd) fd^räg auf« 
toSrtd ^el^t, ber tetn Xilgungdftric^ ift. 2)ie Surg ^o^IenfelS 
liegt bet SBurgfd^toalbad^ mitten in bem SBalb %nd)\en\)eu>e. fßol^ 
Soge! , in «nnalen f. S»affau. @ef(^. u. «Itert^um»f. n, 1, 186 



110 %. 301)6, 

— 198. 21 'finden* l^ciftt l^ier lool^I 'formuliren' (ögl. 'orteO 
vinden' Sejcr, SK^b. SB«. lU, 354), im ©egenfab ju 'erdenken' 
(22). 25 'do mit' §«. ; 'verstört' $«. 26 S)afür toar crft Qt^ 
((^rieben, ift aber burc^ftrid^cn : 'vonMentze vom an'. 27 'ma- 
nich' §8. 28 'odir' J&8. 31 ift mit 3)ro^fen ©. 212 nac^ 
'wißen' 'nit' cinjufc^icbcn. 37 'mit' = 'bit'; bad Äomma ba- 
bintcr i[t ju ftrci^cn. 49 'gen' §8. ('e' ift mc^rfad^ bem 'o' 
fe^r ä^n(i$). 50 'geschribin' £g. 48 'einen langen hat': 
öfli. ^r. 64 «. 100. 170 ; bcr 3)i^tcr f)at offenbar SRr. 64 gc 
rannt: ögl. nod^ 17. 20 mit 5Rr. 64 ». 192. 193. 58 'wemde' 
^. 59 'erbem' ^. 



S3eUagen« 
1. 

1444 %ni. 2L 

AUermenlich sal wißen, das her Johann Schutze der 
zinßemeister zu Dalen quam vor richter Clas Schenckenberg, 
einen werntlichen richter zu Meintze, und hait vergüite und 
ofgegeben mit sins mompars hant Henne von Dyrmestein 
eins ledigen gesellen to sich und sin nachkomen Jacob 
Stößel dem bedder und sinen erben ewiglichen und erp- 
lichin zu haben einen flecken bijLomppen badestoben* gele- 
gen binden und fome mit allem sime begriffe und zugeho- 
runge zu zehen Schillinge hellem erste und grontzinßes alle 
jare davon^ zu zinße zu geben den jungfrauwen zu Dalen 
und irme cloister, weme sie da von rechts wegen werden 
sollen, of die zwene sant Johans dage ewangelisten zu w^n- 
nachten und baptisten zu mittemsomer gelegen, ye halb und 
halb, oder binnen eins mandes friste nach ye der z^t, unbe- 
fangen und zu keyme zinße mee. Weres aber sache, das 
sich ubir kurtze oder ubir langk erfonde, das der obge- 
schri&en flecken einchen zinße me gebe, das solte der vor- 
genante her Johann Schutze und sine nachkomen abetragen 
von der vorgenanten frauwen wegen zu Dalen ane des ob- 
aenanten Jacobs und siner erben kosten und schaden. Und 
hait der vorgenante her Johan Schutze geborget mit des 
vorgenantm sins mompars hant für sich und sine nachko- 
men diese gifite und diß alles, wie vorgeschri6en stet, feste 
und Btede zu halten und dem Yorgenanten Jacob und sinen 

• 'Lomppen badestoben* fielet auf 9lafut. 'Äestuarium LumponiB* 
ttVinxd BertUd 1880; »aur, ^ff. UtI. tll 54, 9h. 980. 
^ '4aimon* obct 'danuon* Öng. 



Utba üt btei ecMii^le Uon ben burgetltc^en Unrul^n au Sloinj 1428 ~ 1480. 1 1 1 

erben des vorgeschri&en flecken werBchafte zu thun, biß das 
sie 8ich darubir bestedigent mit Iren dr\jn bennen, als rechte 
ist. Auch hait der yorgenanten Jacob veijehen und bekant 
für sich and sine erben, das er den vorgeschri6en flecken in 
gewonelichem buwe und beßeronge halten wolle , of das die 
vorgenanten jungfrauwen zu Dalen irs zinßes jars desto 
sicherer^ da oben gesin mögen, und hait der vorgenante 
Jacob geborget für sich und sine erben diß bekentheniße 
auch feste und stede zu halten. Da by was Boprechte von 
Berenkastel schriber des wemtlichen gerichts zu Meintze, 
Hans Memmyng^ der snyder, Jacob Spangenberg und Cles- 
chin von Ingelnheim der buddeile. Datum anno Domini 
millesimo quadringentesimo quadragesimo quarto, feria sexta 
proxima post festum assumpcionis gloriose virginis Marie. 

Orig. $erg. mit @iegel bed 9ttcfter8 iila^ ^^enfenberg in 
S)armftabt (SRains @tabt 1495). 

• 

2. 

Kfimbtrs 1430 «ctob. 21« 

Sigmund von Gotes gnaden Romischer kunig, zu allen 
Zeiten merer des reichs, und zu Ungern, zu Behem etc. 
kunig. 

Ersamen lieben getruen! Uns hat der stat Mencze 
erber botschafft furbracht, wie das in vergangen zeiten ettwe 
vfl gulten zu lozung und euch zu leipgeding auf der selben 
stat verkaufft worden sey, die sich nu so großleich und swer- 
Uch eingerissen und gemert habe, daz alle der selben stat 
renten und infelle sulch gulte bei einer grossen summe nicht 
erlangen noch erraichen mfigent, und sei das davon ent- 
standen, daz bey in ettwe vil tausent menschen von todes 
wegen abgangen, und auch daz in in kurczen zeiten vil ir 
bürgere enzogen sein, also das in renten und infelle dadurch 
großleich gemynnert und abegenomen haben. Und wann nu 
die von Mencz uns und dem riebe also gewant sein, daz 
wir ye nit gerne haben wollen, daz solich erbere stat, von 
der dann unsern vorfam Bomischen keysern und kunigen 
seliger gedechtnusse und auch uns vast dinstes und getrue 
bystant bescheen ist und in künftigen zyten wol bescheen 
mag, solte also gulte und scholt halber vergenglich und ver- 
derplich werden : davon so begern wir von euch mit ernstem 
flisse, daz ir mit ewrn mitburgem, den dann gulte uff der 
stat Mencze verschriben ist, ernstlich flissiclich reden wollent, 
daz sie den obegenanten von Mencze an solicher houptgulten 

• sicher Oxig. b m6myg Diig. 



112 ^. 9S\)i, UeBer bie btei (S^bid^ie bon ben bütgetltd^en Untul^n ic. 

und auch an der erschienen gulten fruntscha£ft und willen 
bewisen wollen, daz die von Mencz des geliden lind ir reuten 
und infelle ertragen mögen, dann ir wol versteen mogent, 
wo ein solich alt erbere stat vergenglich und verderblich 
werde, da Got vor sey, daz uns und dem Römischen riche, 
darczu euch und andern steten und anstossende landen 
grosser schade^ dadurch entsteen mochte. Solichs woUent 
bedenken und betrachten und euch mit flisse gen den ewm 
mwen und arbeytten, daz sie sich nach der stat von Mencz 
vermogenheit darynne gütlich finden lassen. Daran tflnt 
und bewisent ir und auch ewera mitburgere uns solichen 
willen und wolgevallen, des wir euch und in zu allem guten 
nynuner vergessen wollen, sunder allewegen gnediclichen er- 
kennen und bedenken. Geben zu Nuremberg an der heiligen 
eylfftusent maydetag, uns^r riche des Ungrischen etc. im 
43., des Romischen im 21. und des Behemischen im 11. 
jaren. 

Ad mandatum domini regis 
Caspar SUk. 

Den ersamen burgermeistem und 
rat der stat zu Franckfurt am 
Meyne, unsem und des Bichs 
liben getruen. 

Drig. ^ap. mit bcm rürffctttg aufacbrftcftcn ©icgcl («bfer) 
unter ^ap.:»a)ecfe öcrfd^Ioffen , in örantfurt (JRcic^öfoc^ctt , Jtftcn 
ga8c. 36). 

» utfptüngltd^ schaden, n andtabitt. 



3ur Olc$tfertic|ung ^erborb« 
be^ ^tograp^en Dtto^ t)on ^Bamberg. 



9}on 



)0. ttüefener. 



XXV. 



stöbert Rtempin ffatte in feiner berühmten Slbl^anblung über 
bie Siogra^j^ien beiS SBifd&ofiS Otto (Salt. @tub. IX, 1 §.) bem 
$erborb üor ben beibcn anbcm Siograp^cn (Sbo unb bem fogc- 
nannten ^rieflinger ben entfc^iebenften Sorjug gegeben. @r fa^t 
toörtlid^ : „©o ijt ^crborb alfo nic^t allein gdeljrt, er ift auc^ ein 
Jprf^er, welcher mit bem bloßen gaftum nid^t befriebigt, ebenfo 
feine Urfat^en, feinen ^Rufeen ju ergrünbcn ftrebt; bal^er tt^ar er 
tüieber me^r aU (Sbbo jum ©efd^ic^tfc^reiber geeignet'' (©. 204) 
unb tocitcr: „©o tonnte e^ fommen, baß ßerborb, toeld^er für 
bie Srforfc^ung ber 93egeben^eiten eigentli^ fd^led^ter gefteQt n^ar, 
oIS ber gleic^gcitige Äugengeuge Sbbo, bcnno^ genauere unb forg^ 
faltigere Sla^rid^ten aufbel^altcn l^at". 3a enblid^ ©. 206 nennt 
er ben ^erborb „einen gelehrten, mit ridbtigem ^iftorif(^en laft 
auggeftatteten @(|oIaftifud üon einer fe^r ^od^ gu fteDenben @org« 
falt unb ®enauiglcit". 

5)agegen ift 3aff6 in feinen Untcrfud^ungen über ben S)iaIog 
bed ^erborb (Bibliotheca rerum Germanaram Tom. V) m gang 
anberen Siefultaten gelommen. 6r fc^Iiegt feine S3en?eiSfü^rung 
mit ben äBorten: Quamobrem bis rebus cognitis neminem 
negaturom esse arbitror, dialogum Herbordianum in fallacium 
librorom choro contineri; in communibus rebus Herbordum 
auctoritate usquequaque Eboni postponi oportere; quodque 
proprium Herbodus habet, id cautione summa neque usquam 
sine deliberatione assumendum esse (@. 703). Sa, er nennt 
beu |)erborb gerabegu einen fiügner unb SSerä^ter ber SÖJa^r^eit 
(quanta veri contemtio fuerit in Herbordo; @. 706). 

©d^on biefe ööDia cntgegengefe|ten Urt^eile gtoeier gorfd^er 
t)on fold^cm ©eioic^t forbem gu neuer Unterfud^ung ber ©ac^e 
auf; benn baß ein Älempin, beffen fritifdier ©c^arfbüdE fic^ ge= 
rabc in ber Unterfud^ung über bie JBiograp^ien Dttoä fo glän^s 
jenb betüä^rt ^at, aucfi in Setreff |)erborbg fein Urt^eil nid&t 
o^nc bie getoic^tigften ®rünbe abgegeben ^aben njirb, »irb nid^t 
begioetfelt »erben*. Son toie eminenter Sebeutung für bie @e= 

' @Tfl nad^bem td^ bie nad^^olgenbe nntetfud|ung boUenbet l^atte, tarn 
nir bie Itbeii M ^rnn bon S^iitox^ „5tit 3 Biographien Ottod I. bon 
^mbetg nad^ t^m gegenfettigen ^ffiltnxi, xfyccn OueHen unb intern äBertl^ 



116 SB. ©tefcttet, 

fd^id^tSforfd^ung aber bte ^age ift md) ber ©loubtufirbigleit 
ßerborbd, liegt auf ber ^anb. 2)ie @Iaubtuürbigfeit etned @d^rift^ 
jtellerd l^ängt nun aber fotpo^l t7on ben Ouellen ab, bie er be^ 
nu^t ^t, ate üon feiner geiftigen SSefä^igun^ unb t7on feinem 
S^aratter, feiner SSal^rl^eitdliebe. Stuf biefe bret fünfte foQ benn 
bie nad^folgenbe Unterfuc^ung gerichtet n^erben. 



I. 2)te DneSen ^etborM« 

@i& n^irb gunäd^ft bie fj^rage }u entf Reiben fein, ob ^erborb 
bie beiben anbem Siograf^^ien OttoiS ald DueOen benu^t habt, 
S)er JBewei«, ba§ ein ©c^riftftener ben anbern öor [xäj gehabt, 
n^irb nur bann als geführt angefe^en n^erben bürfen, menn 
fid^ toörtlic^e Uebereinftimmungen nac^toeifcn laffen. ©olc^e üe- 

Sen nun unjtoeifel^aft jmifc^en bem dialogus ht^ §erborb unb 
er vita Ottonis fomol^I beS Sbo ate be^ 5ßrieflinger öor. 2)ic^ 
felben tt?erben aber einer genaueren ^rfifung untcrttjorfen »erben 
muffen. 3dj fe^e ba^cr bie fämmtlid;en ©teilen, in benen ^er- 
borb Wörtlid; mit ben beiben anbem SBiograp^cn jufammentrifft 
l^er, laffe aber biejenigen ©teilen beiJ I. fflud^e« cap. 8—26 toeld^e 
üon ben ©tiftungen Dttod l^anbeln n^eg, ba ®eorg ^aag in feiner 
©d^rift über „Duelle ®eioä^r«mann unb Älter ber älteften 2c* 
beni^befc^reibung bed ^ommernapoftetö Otto üon ^Bamberg" ben 
S3etoeid geführt l^at, bag bie ^ier üorfommenben U^örtlic^ gleich' 
lautenben ©ä^e ^erborbd, @bod unb bed $rieflingerd aud einer 
furj nad^ bem lobe DttoS oerfaßten Slufjeid^nung über beffen 
©tiftungen entnommen finb, unb baß aUe brei JBiograpben biefe 
©c^rift unab^ängia üon einanber benu^t ^aben. 

@d finb alfo folgenbe ^araüelftellen anjumerlen, unb ffoax 
I. gn^ifc^en ^erborb unb Sbo: 

^etboxb III, 5 : biooB et binos de 
discipuliB sais praemittebat ante 
faciem Buam (cf. SucaS 10, !B. 1). 

^etbotb III, 5: quasi Raab Jeri- 
cbontina Oof. 2). 

^etbotb III, 8 : Licet evaDgelium 
annuDcians de evangelio vivere de- 
bere, ipse nihil horum uti volens 
suis se tantum sumtibus transige- 
bat (cf. I. (Soxint^. 9, 14. 15. 18.). 



(Sbo III, 7 : binos et binos e prea- 
biteris sibi adhaerentibus ad alias 
nrbes ante faciem suam praemisit. 

(Sbo III, 7 : matronae illius Telat 
alterins Raab. 

@bo III, 9: cam Dominus ordi- 
nässet bis, qui evangelium annon- 
ciant, de evangelio vivere, ipse juxta 
apostolum non est usus hac po- 
testate. Quin imo propriis se co- 
mitesque suos transigebat samtibaa. 



unterfud^t' in ben g^orfdbungen !Bb. XVI, S. 297-884 au (St^^t SRit 
9lü(ffi(!^t abet auf bie SBtberlegung bexfelben burd^ £>etm Dr. ^aog in ben 
^otf4un(^en SBb. XVIII, fotoie bie ganae ^rt bec lUtdfü^ng, butd^ toeld^c 
td^ mid^ in !einent einatgen $un!te a» einet 9)eränberuna bevanla^t finben Caiui, 
glaube id^ t)on einet fpedeSen SBibexIegung abfel^n au ofitfen. 



3uT 9{e^tfetiigung fyxhofM beS SBiogtotvl^n ۟oa tum l^amberg. 1 17 



^etlbi^III, 9: In hoBtiam et ob- 
lationem deo arae imposuit (cf. 
(U>W 5, 2). 

^eibotb III, 10: Hostie antiqaus 
opera dei tarbare molitns est (cf. 
Cffeitb. 12; TtoiOf. 18, 25). 

^botb III, 38: HuDC, qais sit 
aat nnde sit ignoramus .... pro- 
pheto, ait, ego pater ejus sum et 
Babenberc mater ejos esse debet .... 
(cf. Sofna 2) qtii hnnc tetigerit, 
tanget pnpillam ocali mei (cf. 3^' 
d^ana 2, 8). 

f>etbotb III, 88: Ille sciens, quia 
hereditas , ad qaam primam festi- 
natnr, in fiae benedictione carebit 
(cf. BpiO^ 20, 21). 



(Sfm III, 12: altari consecrando 
superponens, holocaastum in odo* 
rem snavitatis obtnlit Domino. 

(Sbo III, 18: antiqnus nostri ge- 
neris inimicus baec laeta christia- 
nae nationis semina uzaniis tnrbare 
moHtns est. 

(Sbo I, 8 : Nescimns, qnis yoI nnde 

sit Babenberg mater ejos, 

ego antem pater ipsios sum. Qai 
Docuerit eam, tanget pnpillam 
oculi mei. 



(Sbo I, 9: Sciens antem veredi, 
cum illnd proverbium: Hereditas, 
ad qnam festinatnr in principio- 
in novissimo benedictione carebit. ^ 



n. l^tD\\ä)en $crborb unb bem ^rtcftinger: 



^erb. III, 16: Jnzta historiam 
anfiqnitatis qna dicitnr: Popnlus 
Samariae deos gentinm colens ni- 
hilominus Domino serviebat (2. 
fttoige 17, 33). 

^etB. III, 19: Yisendi studio col- 
lect! a tergo seqnnntnr episcopnm 
hominnm ignotornm, ut est mos 
illi aetati, aspectum babitumqne 
admirati. 

ßetb. III: casso vnlnere(93eTgin). 

^€cB. III, 33 : in qna ille saepins, 
licet alias felix, fortnnae infelici- 
tatem ezpertns, qnia eam boneste 
servare non potuit removendi eam 
a se occasiones anzie quaerebat 
honestas. 



$ttef[. III, 5 : Beddita etst anti- 
qnitatis bistoria, qna refertnr po- 
pnlus Samariae, cum deos gentium 
coleret, domino nibilominns ser- 
viebat. 

$riefl. III, 9: visendi studio cir- 
cnmfusi a tergo episcopnm conie- 
quuntur, bominnm ignotornm, nt ea 
aetas solet adspectnm et babitnm 
admirantes. 

^riefl. III, 11: casso vnlnere. 

$tief[. I, 4: In qua ille saepius, 
licet alias feliz, infelicitatem for- 
tuuae ezpertus, quia eam serrare 
boneste non poterat, honesto ma- 
trimonio jüngere disponebat. 



Ueberbltcfen tPtr nun biefe Steige bon ^araDelfteDen, fo er^ 
giebt ftd^ 

1. ©ämnttlid^c ©teilen, in benen |)erborb mit ®bo »ort* 
Ii(^ gufantmentrifft, finb t^eild me^r ober n)eniger h7örtli(^e S(n« 
Ränge an bie ^eilige ©c^rift, t^eitö förmli^e Sitate aM ber 93ibe(, 



' %it ton 3affä, Bibliotheca rerum Germanamm €. 698; no(!§ an« 
pqo^en ^atanelßellen ^etbotb III, 8 unb dbo DI, 10 !5nnen tool^I taum 
tnd (Betoid^t JaQm mx &tifd§eibung ber gfrage , ob ^etbotb ben (Sbo benu^t 
^, bemi bte bei beiben botfommenben SBotte 'legati marchionis Adelberti* 
Rfldten fid| butc^ fxä^ felbfl. 2)ie folgenben fluiMdt ^etbotbd aber, 'opera 
et statnm episcopi studiose inquirentes' , toelc^e nod^ on ^o anjufltnaen 
f^einen , ftnb htm erfleren burd^aud eigentl^ümlid^ (cf. ^etboxb IH, 30 : plu- 
rima de statu et operibns beäti Ottonis percontabatur unb 1,37). Vlan 
tofiibc olfo e^et eine Senuj^ng ^botbS butd^ (Sbo all bad UmgeEel^e oui 
biefer Stelle folgern fbnne. 



118 aß. äöiefciicr, 

tDä^reub bagegen ^erborb mit bem ^rieflinger meljrfad) in eigener 
Mebe tDörtli^ übercinftimmt. 

2. 35ie jtüifd^en §erborb iinb ®bo übereinftimmenben ©teilen 
finben ftd^ nur in ben SBeridjten über ben Slufcntl^alt in SBäoIgaft unb 
®üfefolü auf ber jtüeiten SReife Cttoö nnb über beffeu Sifc^ofgtoafil. 

3. S)ie ^araüelfterien jmifdjen 4perborb nnb bem ^riepinger 
finben fid^ fämmtlid^ in ber ßrjäbinng üor bem 2lufentt|QUe Ctto^ 
in Stettin tüä^renb ber jtueiten SReife mit 5lu§na^me ber einen, 
\vdd)e t)on ber SSer{)eirat^ung ber ©djnjefter ^einrid^ö IV. mit 
Söole^Iaö t)on 5ßoIen Ijanbelt. 

S)iefe ©rgebniffe fc^einen aber für bie Seurt^eilun^ ber 
Duellen $erborb§ bebeutfam, benn, tuenn biefer Sfutor mit ®bo 
nur in ©d^riftfteßen jufammentrifft , toie nai^^elüiefen ift, fonft 
aber niemals, fo ift fd^on t)ierau§ faft mit @ctt?i§^eit ju fd^Iiefeen, 
ba§ ni^t einer ben anbern benu^t j^at , fonbem ba§ ieibc au§ 
einer gemeinfamen unb ^toax münblic^en Duelle gefc^öpft ^abcn. 
®oIc^' eine DueQe bot fid^ beiben bar in bem befannten Äegi* 
bienpriefter Ubalric^. ®bo giebt i^n ja auc^ auSbriicflidö ate 
feinen ©ettiä^rSmann an. 2)afe berfelbe aber aud^ fierborb ju^^ 
gängttd^ tpar , fann gett?ife nid)t beftritten werben , unb bie ^ffaU 
\ai)t, baJ3 ©bo unb ^erborb nur in bem Seric^te über SDBoIgaft 
unb ©üfefotü »örtlid^ jufammentreffen, tt?o Ubalri^ ate Slugenjcu^e 
jugegen n^ar, tt?eift beutlid) auf if|n l^in. ©dt)riftftellcn aber, ttjie 
Ubalrid^ fie in feinen ®rjä^Iungen ein^ufled^ten liebte, mußten fi^ 
ja bem ®ebäc^tni§ feiner t^eologifd^ gcbilbeten 3"^örer am leid^^ 
teften einprägen. 

SDiefe Sermut^ung, baß ^erborb unb @bo au« einer gemein- 
famen Duelle , nämli^ bem münblid^en S3eri(^te UbalridpS gc» 
fc^öpft ^aben, mirb aber jur üöQigen ©emißl^eit, menn mir bie 
SJermenbung ber l^ier in 95etra(^t fommenben ©d^riftfteDen bei 
®bo im SJergleic^ mit ^erborb nod) einer genaueren 5ßrüfung 
untertt)erfen. @g ift nämlid^ beutlid^ ju erfennen, baß ber tffeo- 
logifd^ njeniger gebilbete (Sbo bie an^ Ubalrid^S SÄunbe gehörten 
©qrifttüorte me^rfa^ gröblii^ mißüerftanben l^at. 

Ubalrid^ l^at bie Srjä^tung üon bem jungen gefangenen S)ä* 
neu, toeld^en ber ®raf SKijIat) üon ©üfefoto auf üicie« Sitten 
enblic^ frei gab, in Slnle^nung an bie befannte ©teile ®|)^ef. 5, 2 
gegeben, ^erborb l^at bie« ganj rid^tig aufgefaßt, tüie toir aui^ 
feinen SBorten erfennen. III, 9: Et jubens adduci vinctum 
ferro et catenis oneratum flentibus omnibus qui aderant in 
hostiam et oblationem (mörtlic!^ nad^ ber Yulgata) Deo arae 
imposuit. ®bo bagegen baS biblifc^c 93tlb üöllig mißterftel^enb, 
erjä^It un«, baß aWijIaü ben mit Letten belafteten Süngling ei* 
gcn^änbig ate ein Dpfert^ier auf ben 2Htar niebergelegt $abe. 
dbo III, 12: catenis undique adstrictum manibus suis altari 
consecrando superponens holocaustum in odorem suavitatis 
obtulit Domino. 



3ut Stfci^tfertiguitg .^et6orbd M IBtogtap^n €>H(iii \>on Sambetg. 119 

^däf lehrreicher tft ber SBercjIeic^ ber SJerlüenbung ber ©teßc 
Proverb. 20, 21 bei i&erborb III, 36 uub bei (Sbo 1,9. S)er 
erftere bringt bied 3Bort: hereditas ad quam primo festinatur, 
in fine benedictione carebit, burc^attS angemeffen in ber Srjö^- 
lung über bie Dtto ongetragenen 93i^t^ümer. ^ier ifat baö SBort 
einen guten ©inn jur 3^^"W"9 ^^^ ©rnfleö, mit weldiem Dtto 
ben ^c^ria bed 8(ntritted etne^^ Sidt^umS anfa^. Otto fä(]Ite 
ftd^ in feiner S)emwt^ für ba^ Amt eine« SBifd^ofö nod^ nid^t 
reif. (Sbo nun bringt bie angefüljrte ©teile a\\^ ben ißrooerbien 
jur Segrünbung ber fo langen ^iuaudfd)iebung ber SBei^e Ottod. 
©c^on an fic^ ift nun l^ier bem angeführten ©^riftloorte oiel 
fc^toerer ein angemeffener ©inn abjugetoinnen. 3""^ beutlic^en 
Sen7eife aber, bag 6bo baffelbe ^ier fälfd|üc^ angebracht, fügt 
er felbft bie erßärenben SSiorte ^inju: ut postmodum suscepti 
praesulatns curam tanto perfectiori interiorum et exteriorum 
scientia administraret , quanto ad hanc instructior ex tem- 
pore veniret. Offenbar mug Ubalridi, ber ®en)äf|rdmann @boiS, 
felbft biefe Srfiärung gegeben l^aben, tvxe benn au^ ^erborb i^n 
ganj richtig üerftanben ^at. 6bo aber bringt bad üon Ubalrid^ 
jur 992otioirung ber $(b(e^nung ber Otto oom ^aifer angebotenen 
Sigt^ümer angctoanbte ©d^rifttoort an oerfe^rter ©teile unb fügt 
gebanfenlo^ nod^ bie &rfläritng fetnei^ ©emä^rdmanneS l^inju, 
o^ne gu merfen, ba^ biefelbe nur ante susceptum praesulatum, 
nic^t aber, nad^bem Otto fd^on brei Sa^re lang bad 93idt^um 
innegel^abt, einen ©inn ^atte. 

@nbli^ fei ^ter nod^ einer britten ©teile gebac^t. Ubalric^ 
f)ai bei feinen (Srjäljlungen jene üornel^me äWatrone in SBoIgaft, 
toelcfte i^n mit feinen ®efä^rten mit fo auSgefuc^ter (Saftfreunb^ 
fc^aft aufnal^m, mit ber 9?a^ab oerglic^en (§erb. III, 5. @bo 
in, 7). S33a8 mac^t nun aber Sbo a\i^ bie}em feinen, finnigen 
JBergleid^ ? @r Iä|t toirflid^ in jener S33of gafter SJiatrone bie alte 
Seric^ontifd^e diaifab n?ieber erftel^en, inbem er i^r tt^örtlid^ bie 
9lebe biefer in ben 9}2unb legt : domum meam ingressi sunt .... 
Et ego, qui vel unde essent — explorare non potui. Se- 
quimini autem, et forsitan comprehendetis eos (3ofua 2, 
8. 4 unb 5). 

^iemit glaube id^ ben 9}ad^meiS g^fü^rt ju ^aben, bag nic^t 

tnrborb ben Sbo atö feine QueQe benu^t ^at, fonbern bag bie 
(^riftfteHen , toel^e beiben gemein finb, toä^renb fie fonft nir* 
genbd tt^örtlid^ }uf ammentreffen , an^ einer gemeinfamen OueOe 

Senommen finb. S)ag biefe Ouelle Ubalrid^ getoefen, fagt und 
^bo audbrfitflic^. 8tber aud^ in bem Dialoge bed|)erborb fanben 
toir einen ipintoeiS auf biefe OueHc barin, baß bie ßerborb unb 
6bo aemeinfamen ©teilen nur in ben Seric^ten über SSSoIgaft 
«nb @ü|foiP, wo Ubalrld^ ate Slugenseuge referieren fonnte, fic^ 
jinben. Ubalric^d SBeife ioar e§, feinen Srää^Iungen l^äufige 
©(^riftcitate eiujuflec^ten. ©o enthält aud^ bie eine ber beiben 



120 SB. SBtefeneY, 

birect an^ Ubolrid)^ SDhmbc gcfloffencn SRebeit, n?clc^e imö aufbe* 
galten finb, fo fiirj fie ift, foglcid^ ein fold^c« Sitat (Sbo II, 3: 
Nam ut verbis beatissimi apostolorum principis loquar, te- 
cum paratus snm et in carcerem et in moitem ire (fiuc. 
22, 33). @ang natürlid) bilbete fi(^ nun in ben Srjätilungen, 
bie Ubalrid) getpift häufig genug tpicbcrl^olen mu^te, eine gctoiffc 
©tctigfeit in bcr 9Inftil)rung ber SBibritüorte ai\^, Süiefclben 
prägten fid^ (eic^t bem ®ebäd)tnid ein, fonnten ja anö) ju 
.^ailfe nodigef^Iagen tperben, tüä^renb bad gefproc^ene SBort fonft 
natürlid^ ber gorm nad) nid^t fiaften blieb. So crflärt eg ftc^, 
baf3 |)erborb unb @bo fo ^äufig in ©diriftu^orten , fonft aber nie 
loörtli^ fibcreinftininien , tüäl}renb bie§, toenn einer ben anbem 
benufet f)ätte, als ein n)at)re§ SBunber erfd^cincn müfetc. ij^eilic^, 
eS fönnte böfe Äbfid)t barin gelegen l^abcn, ^erfibie, unb folc^e 
fd)reibt 3affe (Bibliotheca rer. Germ. ©. 697) bem ^erborb 
loirllid) ju: teitius über (seil. Herbordi) paene omnino ex 
Kbonis opere manavit. In quo quidem Herbordus, quae ad- 
hibet, nimirum sie sermone mutare nititur, ut alia esse vi- 
deantur. 9lber ber erfte ©a| ift eine unbeloiefene ©elfauptung. 
3nl)altlid) treffen ßerborb unb (Sbo ja aUerbingS üiclfac^ gufanis^ 
men , tnie baS bei Tutoren , toeldje biefefbe ©ac^e befd^reiben , ja 
and) nic^t anberö fein fann*. (^§ finben fic^ aber aud^ rec^t 
oiele Slbtoeid^ungen jloifc^eu beibeu. gormeÜ fon §erborb na^ 
Saffe fc^Iauerlüeife SBerüt)rungen mit ®bo bx^ auf toenige ©teUen 
üeruiieben ijaiew. ^i) fjabe nun oben 8 ©c^rlftftellen nadjgc* 
n^iefeu, tDeld)e ^erborb mit iSbo nid)t nur njörtlid} gemein ifat, 
foubcm meift auc^ in bemfelben OebanfeuAufammen^ange bringt 
lüie biefer. 333enn ^erborb aber fo gefc^icft fonft jebeu ©c^cin 
ber Stb^ängigfeit üon ®bo 3\u üermeiben mu^te, toarum gelang 
e§ i^m ni^t bei ben ©d)riftfteneu ? @r ftätte fie ja einfa^ fort= 
laffen fönnen. ©ätte aber §erborb unbefangen bie betreffenben 
©diriftftellen üon @bo abgefdfiriebcu , fo tuürbe er ebenfo unbc* 
fangen and) anhexe SluSbrücfe unb ©ä^e i^m entlehnt ^aben, 
tpie er fotoot)! atö @bo, U}ie ic^ uoc^ nac^n^eifen tnerbe, bieiS bei 
bem 5^rieflinger getrau ^aben. 

@o glaube ic^ benn mit ©id^er^cit al§ eine ber öon $erborb 
beuugten Cuellen Ubalric^ bejeic^neu ju fönnen. 9(tö ©tüde, bie 
an^ biefer Duette geflofjen, nenne id) bag 5 — 10. Äapitel bcÄ 
3. öuc^eö beg 3)iaIogg, foloic ba« 34—38. Äapitet bcffelbcn 
Sud^eS, »omit aber nid^t gefagt fein foll, baß ^erborb nic^t baS 
Sine ober S(nbere in biefen S(bfd^nitten auc^ aui^ anbem Duellen 
gefd^öpft Ifabe. ©c^on äußerlid^ ^arafterifiren ftd^ biefc ©tficfe 
jiemlid^ beutli^ burd^ bie häufigen ©d^riftcitate. SDJan üergleid^e 

* Sdion StUxnpin a. a. O. @. 129 l^at gan^ ebenfo geuttl^eilt. (St 
|(!^retbt: „%it Uebetetnflimmung atotfd^en beiben (nemlid^ (Sbo unb ^vSorb) 
ift bloS eine fold^e, tote fie atoei gfetd^tteue, ober unabl^ängig Don eiiranbet qc- 
arbeitete S^i^te liefern fomtten'. 



3ttt Sted^ifertigung fyxhothi be8 9iogTa))]^n QttoS tion SamBetg. 121 

X. 9. §crb. ni, eap. 5—10 mit Sau. 1-4 beffctbcn 95u(^c«, 
in benen fein cingige« ©c^riftiport üonomntt. Äiid^ nod^ ein an« 
berer unüerfennbarer Unterfc^ieb jh?ifd|en ben Ubalrid» - ©türf cn, 
mic i(^ fie ber Äürjc njegen nennen merbe, nnb ben erften ftapi* 
teln bcg britten SBuc^e« fpringt fofort in bie Ängcn. SBä^renb 
bort nämlid) ber ©rjä^fcr Sefrieb ganj objcctiö afö öon ettoaÄ 
nic^t ©elbfterlebtem berietet, referirt er l^ier nnr in ber erften 
Werfen, alfo ofö Slugenjeuge. 35ie8 fü^rt nnö anf eine jWeite 
ber üon ©erborb benu^ten Duellen. 

Serborb ^öt befanntlid^ bie (Srj^ä^Iung ber beiben 2)iiffionö« 
reifen Ctto« bem ©efrieb in ben SWunb gelegt. SDiefer toax 
Begleiter beö 93ifc^of§ auf beiben Steifen, ton Ubalrid) bemfelben 
empfohlen, nnb ftanb ju i^m in einem befonberS vertrauten SSer« 
bältnig (ügt. gbo III , 3). gr lebte gleiiä^jeitig mit iperborb im 
SJIofter 2Ki(f|eföberg nnb ftarb am 2. 2Rai 1169 (Nekrolog. Bam- 
berg, bei 3aff6 a. a. C). SBie Ijätte ein im Slofter Icbenber 
SBiograp^ Dttoö an biefem gen^ic^tigen ®ett?ä^rÄmann vorüber* 
ge^n fönnen? SKatürlic^ ift nun nid^t afle«, tt?a« iperborb feinem 
Sefrieb in ben SWunb legt, fo anc^ »örtlid^ üon bemfelben ge* 
fproc^en. SBir ^aben fc^on ganje S^artien gefunben, bie auf 
Ubalrid; jurürfjufü^ren ftnb. 'SBie Sbo feinen Ubalri^ mand^e« 
ergä^Ien Ia|t, h?aS er Don anberen gehört ^at, fo aud^ ^erborb 
feinen ©efrieb. S)abei mad)t ^erborb aber aud^ äußerli^ fd&on 
fenntlid^, ma§. er tt)irflid) bem ©efrieb üerbanft, inbem er i^n 
überall bort in ber erften ^erfon, tt?ie boc^ nur ein Äugenjeuge, 
reben fonnte, berichten läfU. ©o ift bie ganje erfte JReife, toelqe 
im 2. JBu(^e be^ 35iaIog§ entljalten ift, "in ber erften ^erfon er- 
jä^lt mit «uSnabme ber Kapitel 28-31, eine§ SIbfd|nitte§ , ber 
üon bem Aufenthalte in ©tettin ^anbelt, ttjorauf id^ fc^on l^ier 
aU bebeutfam für meine tpeiteren ?(n§fübrungen Iiintüeife. 5^mer 
erjäl^It ©efrieb in ber erften ^erfon im 1—4. Sapitet be« 3. 
93u^« (?Retfe bis Ufebom), im 12. Kapitel (jmeiter «ufent^alt in 
Ufebom) unb 14; Äapitel beffelben Sudiö (9?eife nad^ ©tettin bi» 
jur änfnnft in ber ?ßetri*Sir(^e). S)ann üerfc^ttjinbet ©efrieb 
toä^renb be§ ganjen ©tettiner »ufent^alte« afö Slugenjeuge^ 
3)ie« n?ic bie obige SBemerfung über ben objectiü gel^altenen, im 
Unterfd^ieb üon aÖen übrigen S-^eilen be3 2. 93ud^eS nid^t in ber 
erften ^erfon gegebenen JBeric^t über eine Spifobe aii^ bem ©tet* 
tiner «ufent^alt Ctto« auf ber erften SWifftonSreife legt bie JBer« 

« Tlan betglcid^e, um ben Untetfd^ieb in ber 9letotion au etfenneit, [oh 
genbe ©teilen auS ßcrBorb DI: mnltos honores et pavores illa nocte ibi 
suatinuimuB ; III, 2: nos . . . . Uznonimiam vecti sunous; IIT, 12: n08 
Tidentes fratrem nostram; fll, 14: Stetinam vecti sumus, unb bann 
II, 81: sacerdotes .... armati Recuribus et sarpis continas aggrediun- 
tur; III, 17: miniRtris comitaDtibns in medium forum sese intulit epi- 
Bcopus ; III, 22 : accurrunt omnes, comprehendunt, trabunt, trudunt in- 
felicem illnm; III, 24: nostri, qui cum epiftcopo erant, arma capiunt. 



122 



SB. aBicfeucr, 



mut^ung na^e, bag unfer Slutor ftd^ j^ier einer neuen DueOe be« 
bicnt f)aie. SfK folc^e ober bietet fid^ unjmeifel^aft ber ^rief* 
linger bar. 

3Bir ^aben oben eine 9iei^e üon n^örtlic^ übereinftimmenben 
©teilen jtDifd^en §erborb unb bcm ^prieflinger üorgefü^rt. 3)ie 
Seobad^tung, bag biefe ©teilen mit etner Sludna^me bem 9)eri(^t 
über bie ©tettiner (Sreigniffe ber jmeiten SReife angel&ören, üeran* 
lagte mic^, ani) im @bo nad) biefer Süd^tung nähere 9lad^forfd^ung 
2U galten, unb mirHic^ fanb ic^ ani) bort mel^rere ©teQen, toeldft 
»örtlich mit bem ^rieflinger übereinftimmen. 3d^ fteDc biefelben 
^ier jufammen. 

$xtefl. III, 10: qui geniem no- 
stram per eundem epiacopnm ad 
cognitionem tui Hominis ve- 
nire fecisti. 

^riefl. IQ, 7: ecclesiam beaio- 
rnm apostoloram , quam ante 
portam civitatis ej u s d e m ipse 
construxerat. 

^hciefl. lil, 7: Ille vero ponti- 
ficalibus infulis, uti sancto altari 
adstant, decoratua, cum dnobus 
presbyteris, qui ei in vice diaconi 
ac subdiaconi ad missam fue* 
rant ob^ecuti, per mediam civitatem 
processit. 

^rtefl. III, 8 : infidelis turba gen- 
tilium , nbi contra episcopum ma- 
num levare praesumsit, in ipeo 
conatu diriguit.... Jam vero 
acsi saza foret, stabat immobilis 
et manus, quas in altum audacter 
extenderat, iam ab alto deponere, 
ut ligatas eas in aere crede- 
res, non valebat. 

S(uff allen mug fogleid^, ba^ and) biefe parallel [teilen 
in bem JBerid^t über Stettin ^xd) finben, »ä^renb 
fonft nirgenbÄ gtoifc^en ®bo unb ^rieflinger »ort* 
tic^e 93erül^rungen k7or!ommen. ©oUte und bieiS, jutammen^^ 
gehalten mit bem oben über ^erborbS toörtlid^e Uebereinftimmun- 
aen mit bem ?ßrieflinger ©efagten , nic^t auf bie ©pur gur ®nt* 
oetfung bed @en)ä^rdmanned oed le^teren bringen? |^aag ^at in 
[einer fc^on ertoä^nten üortrefflid&en ©c^rift bie*^riorität be8 $rief* 
tngerS üor ben beiben anberen SBiograpl^en Dttod eriuiefen. 3&eU 
d)t^ fann nun ber ®runb fein, baß biefe i^ren JBorgänger für 
i^ren JReifeberic^t auöfd^Iießlid^ bei ber ©c^ilberung bed Auf enthalt* 
DttoÄ in ©tettin benufeen? 

3^ werbe gur ffleanttoortung biefer 5^age auf bie Unter- 
fudbungen $)aagS über ben ®en)ä^r8mann bcg '^rieflingerS ettt?a§ 
genauer eingeben muffen. Der ^od&aefd^äfete ®ele^rte ^at ben 
3ladjtDt\i gu führen gefuc^t, bag ber Semä^rdmann biefeS altefteit 



(Sbo III, 2: qui nos ad cogni- 
tionem tui nominis per os 
sancti patris nostri Ottonis epi- 
scopi venire tribuisti. 

dbo III, 15: ecclesiam principis 
ajpostolorum, quam ante portam 
ejusdem urbis ipse exstruze- 
rat. 

(Sbo III, 15: Udalricum vice 
diaconi.... et Adalbertum in 
loco subdiaconi sibi assumens 
(in turbam processit). 



(Sbo III, 16: quasi saza diri- 
guerunt, ita ut nee hastas depo- 
nendi nee os aperiendi facultas 
esset, sed in altum deztras immo- 
biliter suspensas habebant et quasi 
in aere ligatas. 



3ut 9te(i^tfetttdung f^etborbd bti ^iogta^^en Oiioi t)o\\ ^awibex^, 123 

Ctto-93toara^^en ein ber polnifd^en @pra(^e funbiger, mit ben 
pomtnerfc^en iinb polnifc^en SSerl^ältniffen genau t^ertrauter @etfk 
lieber getoefen fei. Diefer 9iad|tt)eig »irb and) aU imjlPeifel^oft 
geführt anerfannt werben muffen. 6r ijai bann lüeiter ouf ®runb 
einer SWenge öon ©onberberic^ten , tt)el(6e allein ber ^rieftinger 
i^at, )u jeigen gefacht, bag ber ®en7ä{)rdmann beffelben ben 93if^of 
Ctto als na^üertrauter Oenoffe auf ben pommerft^en Steifen be< 
gleitet l^abe, unb er ^at enbUc^ a\\^ manchen Sinjel^eiten, tpelc^e 
aerobe ber ^rieflinger über äöollin unb Ctto« Hufent^alt bafelbft 
bringt, fott^ie au« mand^en näheren Umftänben, meldte berfelbe 
über Slbalbert, ben fpäteren Sif^of üon Sommern, melbet, bie 
SBermut^ung ju begrünben üerfuc^t, bag biefer lefttere felbft ber 
©etoä^römann unfere« SBiograp^en getoefen fei. sputet ^ ffat er 
biefe 9}{ut^magung aber, menn aud^ nii^t jurücf^enommen, fo bod^ 
gern |)rei8geben )u tootten erflärt, toenn i^m jemanb biefen ®e* 
mö^dmann anberi^ unb fidlerer beftimmen n^oOe. 

3n ber 2:^at f^einen benn andj feine (enteren Stui^fü^rungen 
unhaltbar. 3)a6 Äbalbert felbft beö ?ßrieflinger« Dueße getoefen 
fei , fc^eitert f d^on , toie mir fd^eint , an ber eigenen Angabe be« 
le^teren (^rolog ju IIb. I) : ea tantum, quae vel ipsi pro certo 
cognovimns, vel qnae a notis religiosisque personis nobis 
sunt comperta, narramns. ^ätte ber ^utor einen fo erlauchten 
Octoö^rSmann gehabt, loie ben eben jur Äonfecration nad^ SRom 
j^ic^enben JBifc^of üon ^ommem, ^ätte er i^n fidler fo toenig t?er:* 
fc^toiegen, toie ®bo feinen Ubalric^ unb iperborb feinen ©efrieb. 
(Sr toürbe feiner aud& ttjo^l faum, ic^ möchte fagen, in einer fo 
frcmben ©eife gebadet ^aben, toie er e« in ben SEBorten t^ut 
(üb. III, 8): Jubet episcopus interpretein suum, virum pru- 
dentem, qui nunc eidem populo praeest, adventus sui causam 
exponere. aber auc^ abgefel^en ^ierüon ift Äbalbert ate ®e* 
»ä^rSmann unmöalid^, ja felbft ein üertrauter ©enoffe Dtto« 
auf feinen pommerfd^en Steifen mu§ me^r al« jtoeifel^aft crfd^ei* 
nen. S^^^^\^ ift J« bemerfen, bafe toir überhaupt nid^t üon 
einem ©etoäl^ri^manne be« SrieflingerS reben bürfen (ögl. bie 
eben citierte ©teQe an^ bcm $ro(og), fonbem baß bie grage nur 
bie fein lann, ob Äbalbert ober ein SReifegenoffc Ctto« mit unter 
biefe @etoä^r«männer ju jaulen fei. 

9?un bringt ber 5ßneflinger ja too^I einiae eigentl^ümlid^e 
Siad^rid^ten, toelc^e nur üon einem Äugenjeu^en $errü§ren fönnen. 
3>a^in finb ju red^nen bie angaben über bie Qalil ber ©olbaten 
im ®efoIge be« ®rafen üon ßantod^ (II, 2), über bie beiben 
9litter, ibelc^e aBratiSlaü bem Sifc^of Ctto ju Sealeitern gab, 
foirie über Ctto« SSerfa^ren gegen biefelben (II, 3), über bie 
aiütffe^r Ctto« oon ber erften 3)?iffion«reife über Ujba , über 
feine Snfunft an ber ®renge um gaftnadft (III, 1), über ba« ®e- 

* Sotf(|unfien XYUI, 246. 



124 9B. aßtefenet, 

bot bc8 ©d&ipeigcn« öon ©citcn Otto« an feine discipuli (TU, 
12) , mie ^aag ^ bereite ^crüorge^oben f)at ®iefe Stnjel^eiten 
f onntcn ja nur üon einem Steifcgenoffen beS Sifc^ofÄ ^erftammen *. 
aber bamit ift boc^ noc^ nic^t bemiefen, ba§ bcr ^rieffinger bie« 
felben and) birect auS bem äJhmbe eine« folgen empfangen ^abe. 
3m ©egentbeil finben fic^ bei unferm ©rjä^Ier fo »tele faifqe Änga^^ 
ben unb S8erid|te, ba§ bie Ännal^me eine^ Keifegefäl^ten DttoÄ 
afö ®en?ä^r8manneS babiirc^ nnmögli^ gu tocrben fd&eint. ^ag 
felbft ' n?eift auf eine gange 9iei^e f olc^er unrid^tigen S5ata ^in. (Sä 
ift benfelben aber bod^ nod^ mand^eiS l^inguguffigen, fo bie Eingabe, 
baß Otto in ßammin *totis tribus mensibus' geblieben (II, 4). 
Wud6 bie gange Srgö^fung über ben erften Aufenthalt Otto« in 
SBoIIin (II, 5 unb 6) ift üöllig üerfe^rt, roie auS bem fibereim 
ftimmenben SBeric^te ©efriebö, beg Mugengeugen ($crb. II, 24), 
unb eboS (II, 7 unb 8) erbeut. 9Kag fic^ nun aud^ üielc« 
^ierüon, toie ßaag toiQ, ate aWigDerftänbniö erflären laffen, fo 
bod& gemiß nicf t aUeS. Ober man müßte bem ?ßrieflinger benn 
eine ]o mangell&afte gaffungSgabe gufd^reiben, bafe feine @Iaub^ 
tüürbigfeit überhaupt baburc^ fe^r gmeifel^aft n^ürbe. @Ä mirb 
aud^ nic^t möglidEi fein , ba ber äutor felbft fi^ auf mehrere ®c- 
tt?ä^r§männer beruft , ettoa fo gu t^eilen , bafe man bie ric^aen 
angaben beffelben auf ben ^)ommerfd^en Äugengeugen, bie falfc§cn 
bagegen auf anbere weniger guDerläffige ©rgä^Ier gurütffü^rte. 
©crabe in bem Sendete über SBoIlin, ber im ®angen fo unguöer* 
läffig ift, finben fic^ Angaben, »elc^e ungtt?eifel^aft auf %ugen« 
jeugenfd^aft ^intt)eifen. 63 ttjirb bieg nur baburd^ gu erttären 
fein, baB bcr ?ßrieflinger feine Wad^rid^ten nic^t unmittelbar üon 
einem JReifegenoffen Dttoi^, fonbem erft burc^ ben gtoeiten ober 
britten SWunb empfing. 

SBeld^e« tvax nun aber biefer äßunb? J>aag* ift ber Än^ 
fid^t, baß mandöe ©onbemad^rid^ten be« ^riefimger«, welche [xdf 
bei ®bo unb Jperborb nid^t finben, fottjie über Äbalbert*, auf 
einen SBoQlner in be§ (enteren 9?ä^e ^intt?eifen. 3d^ fann il^m 
auc^ barin nid^t guftimmen. ®erabe über ©oHin ift ber 93eri(^t 
beS 5ßrieflingeri^, tt?ie fd^on bemerft, t^eilmeife gang öerfe^rt. ©o 
bringt berfelbe aud^ bie ©rgä^Iung üon bem Slbfaß ber SBoIIiner 
unb bem JBranbe bafelbft, melcfter gtoifd&en ber erften unb gtoeiten 
SReife Dtto« ftattfanb, »ie aud^ $aag® ^ugefte^t, cjang falfc^ im 
erften 9ieifebrid^t (II, 17). 35ie Dem 5ßneflinger etgentpmlic^en 
Slngaben aber über SBoIun unb äbalbert, toelc^e bie gefc^ic^tlit^e 



« a. a. O. ®. 81. 

' ^ie anbeten bon ^aaa ongejogenen ^ata toetfen bod^ tocüjl niä^i atotits 
genb auf einen ^tugenjcugen §m. 

• a. a. O. ©. 92 ff. * a. a. O. ®. 83 ff. 

• a. a. O. ©. 87 ff. 

• gfotfdJuttQen XVIII, 247. 



3nt Sled^iferügung fyxhtnhii bed ^iogto^^ Oüv% ton Samberg. 125 

äSBol^c^nlic^Ieit für fid^ f)ahen, lonnte ein ©tettiner too\fl ebenfo 
gut toiffen, ja fie tueifen jum Xl^eil gerabeju auf Stettin ^in. 

VLtbctfyinpt mug ed bei einem Ueberblicf über bie ^rieflin« 
ger'fc^e vita fofort in bie Suaen faQen, einen koie unüer^ältnii^« 
ma^^ breiten SHaum bie Serid^te über Ottod S(ufent^alt in 
@tettm \otoof)l auf ber erften n^ie auf ber jmeiten Sleife einne^« 
men. S)asu bringt ber Serfaffer über leinen anbem Ort fo üiele 
Sonbemaqrid^ten toit über biefen. 2)er $rieflinger allein bringt 
bie Srja^Iunaen Don bem @teinkuurf, lueld^er bie ßanb Ottod 
mie feinen üBif^ofdftab aetroffen (U, 9) , über bie «[njal^l ber 
(Seiftlid^en jn Ottod ©e^Ige (II, 9), über bie erfte Saufe am 
iJfefte (Sridl^ini unb (^rii^piniani (U, 9), über bie ©enbung ber 2:ri^ 
glaDi^töpfe an ben $apft (II, 12), über bie Semirt^ung ber Str« 
men bei ber Xaufe (II, 13). @r allein i)at bie üoOftänbigen 9{a« 
men ber ftirc^e üor bem X^or (U, 13) unb meig, bag Otto nac^ 
feinem Studfluge nac^ @arj unb fiebbin mieber nad^ ©tettin ixu 
rurfgele^rt ift (U, 14), eine Stac^ric^t, bie, n^ie mir noc^ fe^en 
toeroen, üoDftänbig richtig ift. 

SBenn koir nun ^u bem aQen bie merfmürbige X^atfac^e t|in^ 
^une^men, ba§ @bo fotoo^I n^ie |)erborb bei i^ren 9teifebefc^rei« 
bangen ben ^rieflinger nur in feinen ffleric^ten über Stettin be^ 
nutot, tt^oju fie boc^ nur bie lieber jeugung oeranlagt ^aben fann, 
ba| er ^ier bad befte unb juoerläffigfte äJ^aterial bringe, fo glaube 
\d) bamit, fokoeit ed überl^aupt möglich ift, ben Sen^eid geführt 
ju ^aben, bag bie noti religiosique personae, h^elc^e ber 9utor 
ald feine @emä^rdmänner felbft bejeic^net, in Stettin ftationierte 
0eiftli(^e gemefen finb. 

Slfle ^tdmak für ben ©en^ä^rdmann unfered 83iograp^en, 
ködere Saag mit fc^arfem 93Iicf juerft erfannt ^at, treffen burc^^^ 
aud auf bie k^on mir bejeic^neten ä)2änner gu. Sie mußten ja 
mit ^ommerfc^en unb polnifc^en SJer^ältniffen genau befannt, 
audf ber |>o(nifci^en Sprache tunbig fein. Sie Ratten ®elegenbeit, 
mit Slbalbert unb anberen Sleifegenoffen Ottod ju t^erfe^ren. 93or 
oQem über Stettin lonnten fie bie Xrabition am genaueften unb 
juüerlöffigften n^iebergeben. 

SBie aber ift bem $rief(inger, ber in 9)amberg fc^rieb, biefe 
Zrabition jugär^Kc^ gen^orben? Unjkoeifelfiaft beftanb gn^ifc^en 
Bamberg unb ^ommem, fo lange bad Sii^t^um üon bort aud 
k^erwoltet tourbe, alfo bi« gum 3a^rc 1140, eine Icbl^afte Serbin« 
bung. SSklc^e ^er^anblungen mußten f^on bie Uebema^me bed 
SBidt^umd burc^ 8balbert not^n?enbig macfien! 8nc^ (Seiftli^e 
mu|ten natürßd^ k7on ^Bamberg aud t}ielfad| nad^ $ommern ge^ 
fanot merben, k7on benen bad äRic^oel^ - Jllofter n7ol^( bie meiften 
ftellte. ?lu8 i^m ^atte ja fd^on Otto feine bebeutcnbften 9tei|eges 
noffen entnommen. Sifd^of Äbalbert felbft ftammte qu8 biefem 
ftlofter. «uc^ f^jäter aber blieben bie SBrüber k)on St. SOH^ael 
in einem regen JBerlc^r mit Jßommern. 3)er S^afemeifter be8 




126 2Ö. SBicfcncr, 

ftloftcTÄ aWarquarb unternahm wir 3cit JBifc^of Äonrab» I. üoti 
^^Sommcrn häufige SReifcn ^ nad) ^ommcm , um ben SBifc^of unb 
")crjog jur SöetoiHigung einer SBa^^Iieferuiig für ba« ®rab i^rc« 
ipo\Ut^ ju üeranlaffen. 3lamenÜ\i) auä) in Stettin faxten bic 
»ruber be8 Älofter« fcften ^n% 2)eutfc^e «oloniflen auiJ »am^ 
berg folgten i^nen. ®in fold^er, ©cringer, ein SKann üon eblem 
©efc^Ied^t, toelc^er feit langen Sauren' in Stettin anfäffia getoe^* 
fen, ftiftetc bort bie 3acobi*Äircl&e unb übernjie« fie bem 3JSt!^acI«* 
Älofter, bei bem fie ja oud^ lange geit geblieben ift. ^toei JBrü* 
ber ttjaren bei ber Sintoeibung ber Äird^e burd^ Sifc^of ©igfrib 

|en *. SÄag man ba^er bie äbfaffung ber JBiograp^ie beS 

linger» balb nad^ DttoS lobe ober fpäter fe|en bi« furj 
üor bie ^^t, ba ®bo unb §crborb f (^rieben — ein jtoingcnber 
®runb für ba« Sine ober Änbere fdjeint mir nid^t üorguliegen — , 
jebenjato erfiärt e8 fic^ leicht, »ie bem «utor bie ©tettiner 2ra* 
bitionen jugefloffen finb. 

©0 Ratten tt?ir benn für bie 9teifeberid^te ßerborbs bie wid^ 
tigften üueHen aufgefunben. ©aß ber ©^riftfteHer aufeerbcm 
aud^ bie in ber JBamberger ©iöcefe, namentlid^ auc^ in feinem 
Älofter üon Wlmb gu iWunb gebenbeu SWa^rid^ten fic^ ju ^ui^t 
amaijt ^aben toirb, ift felbftoerftänblid^. auf SRec^nung biefer, 
für bie ©agenbilbung natürlid^ befonberö frud^tbarcn Ouelle finb 
cor allem bie legenben^afte ©lemente ber ©d^rift ju fe^en , mel^e 
fi^ in ä^nlic^er SBeife bei ®bo, ja fd^on bei bem ^ßrieflinger 
finben. 

aSerfen tt)ir nun nod^ einen StidE auf bie übrigen JBeftanb* 
tl^eile be« ©ialoaS, fo folgt ber SJerfaffer in bem wrid^te über 
Otto« dugenb oii^ au feinem Uebertritt an ben faiferlid^en $of 
(III, 32 unb 33) offenbar bem ^ßrieflinger , toie benn auc^ burt^ 
eine »örtlich übereinftimmenbe (stelle jmif^en beiben (ßerb. III, 
33; 5ßrieflinger I, 4) bie JBenu|ung oe§ lefeteren bur^ ben er« 
fteren in biefem Sbfd^nitt erliefen ift. Ueber biefen I^eil ber 
vita Dttonig bcftanben ja fd^on bamate üerfd^iebene Irabitionen, 
toie ttjir an^ ®bo »iffen ^ ; ^erborb aber folgt ^ier mit gutem 
Onmbe nic^t Ubalric^, fonbem bem ^rieflinger, toeit beffen ®c* 
n^ä^rdmann über bie S^erbältniffe holend unb Ottoi» Slufent^alt 
bafelbft bie guüerläffigfte Siui^Iunft ju geben k^ermod^te. 



' StUmpin, $omm. UtfmtbenBud^ 9h. 109: Idem religiosus confrater 
noster (Marcaardos) . . . non semel neque bis, sed multociens — ter> 
ram Slavicam, que Pomerania dicitar, laboriose adiit. 

' Atempin a. a. 0. ®. 108: quidam Beringer laicus in civitate 
Bambergensi bene natus, sed mnlto tempore in nostro Castro Stetin 
honeste conversatas. 

' a.a.O.: dnobas fratribns de monte ejasdem St. Miobaelia astan- 
tibuB. 

^ ^0 1,3: Hoc modo servus Dei Odalricus pium Ottonem in 
curtem regiam accessisse ferebat. Alii vero dicunt etc. 



©ol^olb Otto jebo^ nad) 2)eutf(I^IaKb gurficfgefe^rt toax, eS 
ft^ alfo um bie SarfteDung beutfc^er ^erpltniffe ^anbelte, tuenbet 
f^borb jtd^ auä) }u feinem beutfd^en ®etDSf)ximann Ubolrtc^ git« 
xnd. 3>ie kapM 34~41 bed britten SBuc^ed ftimmen ntd^t mir 
iaä)lxdf mm größten X^eit, fonbern mtfyc^ad) anä) to&ülxdi mit 
bem entfjinred^enben äbfc^nitte im (Sbo übercin (6bo I, 6—11). 
Srte «ngobeti über bie milben ©tiftungen (I, 12—26) DttoÄ ^ot 
^borb, tDie ^aoQ^ nad^getpiefen f)at, aM bem catalogns abba- 
tom St. Michaelis* entnommen. 

3)ie erj&^Iun^ über Ottod Privatleben unb Xob legt $er« 
borb bem $rior 2:temo' in ben ÜRunb, unb ed liegt fein ®runb 
bor, }u bejtoeifeln, ha^ er biefe Stac^rici^ten meiftend and) Don 
biefem äßanne empfangen. Siemo n^ar ja mit bem iBifc^of oon 
3ugenb auf nic^t nur befannt gen^efen, fonbern l^atte anä) 3a^re 
lang ju bemfelben atö fein 'mimulus' in einem befonberiS na^en 
SSer^ältni^^ geftanben. S(u(^ ©efrieb fonnte ^ier mand^ed aud 
eigener Äugenjeugenfd^aft berichten*. 

2)ie geograp^ifc^en unb gefc^id^tlid^en 9?a^rtd^ten enbüd^ 
über ^ommem unb $oIen (U, 1—6) finb auf ©efrieb jurücfjus 
füfiren*, »eld^er auf ben beiben Steifen bie befte ©elegen^eit fiatte, 
jttq über biefe S)inge genau ju unterrichten. 5£)abei unterfd^eibet 
oer Autor genou, toa^ er alg fidler öcrbürgt auÄ ©efrieb« SWunbe 
loemommen^ unb koad er ald n^eniger bezeugt oon anberen ge« 
^ört* f)aiz. 

Ueberblicfen n^ir nun jum ©d^Iuffe nod^ einmal baiS üon 
und aufgen^iefene reiche OueOenmateriai , fo U^irb man ^erborb 
ba^ B^^^^B nic^t üerfagen fönnen, bag er nic^t nur mit großem 
^ei§e bte beften JBerii^te aufjufinben, fonbern aud^ mit gett?iffen* 
^elfter Xreue biefelben ju benu^en gemußt ^at. 2)er Serfaffer ^at 
feinen 2)iaIog nit^t auS ben Stermeln gef (Rüttelt, fonbern too^I 
tne^r atö 3a^r unb Sag baran gearbeitet. SBir miffen, bag 
perborb feine Arbeit am 30. Suni 1158* beaonnen ^at unb 
?eim Jobe Ubalrid^«*® biefelbe no^ nic^t üollenbct ^atte. ©ein 
^cnH?tgelüäfirÄmann für feine Srjä^Iungen ft?ar ©efrieb. SBo 
i^xn aber oeffen 9?ad^rid^ten nic^t iuüerläffig genug erfc^einen, 
f^mngt er öon i^m ab, ba e8 fem fic^tlic^eö ffleftreben ift, feine 

^ a. a. O. ' Mon. Germ. SS. XII, 6. 907. 

> Stemo flatB htn IS.Ociobet 1162. Necrol. St. Michaelis, bei Jaff^ 
a 0. O. ©. 577. 

^ Herb, prolog.: quem ^jant ipsina mimalam faisse qüinquennem, 
habnitqae dominus mens super eum boDOs oculos, eo quod illustri esset 
parentela et ab ipais cuuabulis ad monasterinm translatus. 

* I, 84: Sefnedus: Hnjus rei ego testis sum. 

* II, 5: adeo ut ruinas et adustiones et acervos cadayerum inter- 
fectorum incolae nobis per diyersa loca monstrarent. 

' 1. c. * II, 5: Ferunt autem. • Prolog. 

'^ III, 5: Kam ipse Üdalricus noster, ccgus memoria semper in 
benedictione sit. 



128 m. SDÖicfcnct, 

©rjä^Iung möglid^ft ouf eingaben tjon Slugcmcugcn gu grünbcn. 
©ü bürfen ttjtr benn mit meijt aug bem SöiS^erigcn ein gutcS 
aSorurt^cil für unfcren Stutor anä) in ^Betreff feiner geiftigcn 8}e= 
fäl}igung unb feiner SBa^r^eitgliebe in unfere ferneren Unterfud^« 
nngen mit^ineinne^men. 



IL 2)te getfttge SSefäljigung ^erbocbd* 

$erborb n?ar ©d^olaftifug im Slofter SKid^aelSberg jn ^am^ 
berg, alfo ©ele^rter üon gac^. (Sr befaß aber aud^, tt)ie toir auÄ 
feinem SBerfe er!ennen, einen über bag genjö^nlid^e SKaß feiner 
Seitgenoffen meit ^erborragenbe Silbnng. @r be^errfd^t bie 
©Triften EiceroöS ©attuft^^ nnb SJirgilß». JBon feiner Hafft- 
fd^en ©Übung jeugt auc^ bie reinere fiatinität, in welcher fein 
©iaioa gefd^rieben ift, fott?ie bie ©etoanbtl^eit ber 2)arftenung, bie 
Seb^aftigfeit unb 2lnfdE)auIid^feit ber ©c^ilberung, toelc^e überaQ 
bei ber Seetüre feines Sucres fo erfrifd^enb uns anmutigen. 3n 
feinen t^eologifdien Slnfc^auungen , fomeit mie mir biefelben au« 
bem SDialog erfennen fönnen, ift er üielfad^ abhängig üon ben bie 
Seit be^errfc^enben ©ebanfen feines berü£)mten S^itgenoffen , bcS 
^arifer Ji^eologen 5ßetru§ ßombarbug; fo in ber Se^re üon bcn 
fteben ©acramenten, ttjeldje in ber ^orm, tüie Jg)erborb fie giebt*, 
ertoeislic^ juerft üon bem fiombarben gebracht ift*; fo aud| loo^I 
in jener geiftüotlen SluSfüIjrung über bie ©ünbe tt)iber ben ffeu 
ligen ®eijt^. 3)abei ift ßerborb aber niemals bloß med^anif(^cr 
Sla^treter, fonbern, lüie fc^on bort in ber Seigre üon ben ©afra= 
menten Sigent^ümli^eS fic^ finbet, fo aud^ l^ier. Slem^jin^ mVi 
i^n fogar an bialeftifd)er Straft über feinen berühmten S^t^e' 
noffen fteCen. SebenfaflS ftetjt berfelbe an geiftiger Siefe &er 
tl^eologifd^en ©ebanfen anbern S^itfl^noffen n?eit üoran. J?Iem|}in 
l^at in biefer ßinfid^t fc^on ^ingemiefen* auf bie geiftige 2)eutung, 
tpelc^e J^erboro ber ^öÜe giebt in ben SBorten II, 35: Perfidia 
est infernus, desperatio infernus inferior, blasphemia infernus 
infimus, quod est abbissus. Qd) möd^te bem no^ eine ©t^e 
l^injufügen, in toeld^er §erborb feine Hnfd^auung üon ben SBun* 

mh. I, 2-6: Cicero de officiis II, 15-16. 
)etb. 1,11: cf. Sallust. Catil 3. 

jerb. II, 35: Virg. Eccl. I, 23; ^crb. III, 6: cf. Aen. VIII, 224 
bei Jaffö a. a. 0. 

* &evb. II, 18. Sag btefe 9lebe ber gform, aber aud^ bielfad^ bem ;3m 
l^alte nacq ntd^t bon Otto ^errü^ren fann , toitb fd^on baburd^ auv ®elotg^it, 
bo§ Otto nad^ feinem eigenen 3cwö"i6 (Mon. Germ. SS. VI, @. 262) bie 
Ibeibnlfd^en $ommern nut übet bie Saufe, bie @^e, bie 9uge unb baS ^U. 
^benbmal^l belel^rt ^at. 

^ ©crjOfl, gieol«euct)clot)äbie S3b. XIII, @. 248. 

• |>cxb.II,35. 7 »alt. ©tub.IX,!, S. 199. » a.o.O. 6. 200. 




3ur Siec^tferti^ung {^(otbd bed Sto^opl^ CUoi t>on SambetQ. 129 

bem aui^f^mc^t (1, 18): Signa illic et portenta per eom et per 
ejus opera fiunt cottidie, et si non corporaliter , profecto, 
quod melius est, fiunt spiritualiter. Und) ^erborb ^ot ja 
^eilic^ aOe Vit SButtberaefc^tc^ten über Otto, toxt fie bereitd atö 
feftfte^enbe Srabttion fi^ gebUbet Ratten, mit auf genommen in 
feine fiebendbefc^reibung bed JBifc^ofed. %ber toie er biefetben 
beurt^It n^iffen koiO unb tok toeit et auc^ in biefer Sejie^ung 
feiner Q^t t>srcau^ gen^efen ift, begeugen beutlic^ bie eben ange« 
führten SBorte. 

S93ie aber ^erborb ald X^ologe unter feinen d^tgenoffen 
eine berüorragenbe Stellung juerfannt merben mug, fo jeigt er 
ftc^ indbefonbere auc^ ald ^iftoriter in ^o^em iD^age befähigt 
unb namentlid^ feinen beiben 97{itbiograp^en , Sbo unb bem 

firieflinger toeit überlegen. 3c^ fann ed mir nic^t oerfagen. 
lemijind fc^arffinniged Urt^eil hierüber , weldje« mrgenbg , fo 
n^eit id^ fe^e, bisher eine t^atfäc^Iid^e Sßiberlegun^ gefunben 
^at, im 3wffliw^^"^ö"9^ ^^^^ folgen ju (offen': „<öo ift ^erborb 
olfo nic^t allein ^ele!|rt, er ift auc^ ein ejorfc^er, welcher mit bem 
blo^ factum nt^t jufrieben, ebenfo feine Urfac^en, feinen dlnijen 
}u erprflnben ftrebt, ba^er war er mieberum me^r ald @bo mm 
@ef(^id^töf(^reiber geeignet. SBä^renb biefer jebe beliebige ftlofter* 
anefbote mit gläubigem @inu erjä^It, für bad gro|e Unternehmen 
DttoÄ felbft feine anbere ?}cronIaffung afe bie Aufmunterung 
beg ®pam\dim äRönc^ed 99em^arb fennt unb annimmt, oon bem 
Ctto aüerbing« einige SHat^fc^Iäge in SBetreff feiner beabftd^tigten 
Steife erhalten ^aben mag , fo n^eig ^erborb in bem ®efuc^ bed 
^olenJ^erjogiJ nid^t nur bie richtige Urfad^e, fonbern fein ^iftori^ 
fc^er ©inn treibt i^n aud) an , um biefeö bem üefer Oerftänbli^ 
ju machen, etn^ai^ n^eiter in ber @rjä^(ung auj^^u^olen unb bie 
jufammentreffenben Umftänbe bargulegen, moburc^ ber ^olen^ergog 
be« eigenen SSort^eite »egen gejmungen lourbe, fic^ für ein frem* 
beö aSoH nad^ einem (^riftlic^en Se^rer umjut^un. ®o fonntc 
e§ lommen, ba^ ^erborb, melc^er für bie @rforf(^ung ber ^ege«' 
ben^eiten eigentlich fc^Ie^ter gefteUt loar ate ber glei^jeitige nn^ 
genjeuge @bo, bennoc^ und meifteni^ genauere unb forgfä(tigere 
'Jta^ri^ten aufbehalten ^at''. 

& fommen ja freiließ auc^ bei §erborb einjelne Qrrt^ümer 
t7or , fo namentlich bie i^m immer toieber jum Som^urf gemad^te 
«enoed^feluncj beÄ ^a;>fte« §onoriu3 mit ealiftu« II (II, 7). 

©el^r mit Unred^t aber ^at 3aff6 bcmfelben ben Sormurf 
gemalt, er ffobe in gänjlid^er OrtSunfunbe unb Seid^tfcrtigfeit, 
blod um boc^ etwa^ anbered ju berieten ald @bo, oon bem er 
«ö^ 3aff6 ja abgefd^rieben ^aben f oH , bie Ufermarf jur Snfel 
gemacht ^ Z)ie @ac^e ift nämlic^ biefe. (Sbo unb ^erborb be- 

1 !BaIi etubten IX, 1, 6. 204. 

' Süffä a. a. €. 6. 699 : Herbordas, illanun regionum imperitus 

XXV. ü 



130 SB. aOßiefencr, 

rid^tcn im ©anjen fibcreinftimmenb. ÄI8 Dtto auf feiner jttjei* 
ten SJiiffion^rcife in Ufebom n^eilte, l^örte er öon einem ^eibnifc^en 
Solfe jcnfcitö beg 3)ieere§*. 6r felbft brannte üor ©egier, an6) 
biefem SJolfe ba§ (Süangelinm ju bringen, mürbe aber üon feinen 
Segleitem baüon abaej^alten. Snbtic^ erflärtc fic^ Ubalri^ be* 
reit, bie gefo^rüoHe meife ju unternehmen. 6r beftiea ein ©c^iff. 
®oc^ ein ©türm bra^ loö , n?elc^er fieben Sage anfielt unb bie 
Ueberfa^rt üer^inberte. 3)a tt?ar auc^ Dtto übertounben. ®ott 
^attc gejeigt, bafe bie JBarbaren be« ^eilg nid^t toert^ feien. 

^ic ^ier in 9iebc ftel/enben ßeiben maren nun nac^ ber öon 
3aff6 aufgenommenen Segart bie IJcrani, eine Sölferf^aft, »elcfte 
in ber ®egenb ber fjeutigen lUermarf, alfo auf bem geftlanbe 
lüo^nte. ^erborb aber, um boc^ in ber 5^^ßi tocnigftenS oon 
ffibo, bcn er abfd^rieb, abjutocic^en, foB nun Ucranla gcfc^riebcn, 
unb toeil er ba§ trans mare beiS ®bo mi^üerftanben , in gönj* 
Ud^cr Ortöunfunbc bie Ufermarf jur 3nfel gemad|t ^abcn*. 

2)iefc Sluöfü^rung ttjirb nun aber einfach fd;on baburt^ ^in* 
fällig, ba§ bie ganje @rjä^(ung tjon ber burc^ Ubalrid^ unter* 
nommcncn, aber burc^ ben <öturm üer^inberten SKiffion^reife 
finnto^ ift, lüenn man al§ ^i^I berfelben bie Jöetoo^ner ber Ufer« 
mar! annimmt. Dag bajtpifc^en liegenbe ÜKeer fönnte bann nur 
baf^ ^aff getoefen fein. Ubalric^ müßte ben SBaffcrtücg über baS 
^aff aug bem ®runbe gctt?ät)It ^aben, um ein ©tüd fecgg abju* 
fdineibcn. SEBenn aber ber ©türm nun toirßic^ bie Ueberfa|rt 
über baS ßaff oerl^inberte, bann ftanb ja iebcnfallg bem Ubalri^ 
frei, üon ufebom über ben fc^malen ^eene^Ärm ju fe^en unb ju 
ßanbc feine ©traße ju gießen. 3)er gange |)ergang, ttjic Ubalric^ 
breimal bie gefal^rüoHe SD^eeregfaljrt üerfud)t,* aber breimal üom 
Sturm jurüclgefd^lagen tt^irb, n?ic Dtto felbft enblic^ ben burA- 
näßten Selben gurüdfü^rt, unb in bem ©türm ein ®otteggeric^t 
erfennenb, jene JBarbaren für untoürbig beg $eilö erflärt — biefer 
gange fc^öne ^ergang n?irb gu einem unn?ürbigen ®pxet. Ss ift 
bie unabmeiglid^e SBoraugfe|ung biefer ©efd^ic^te , baß bag 3^^^ 
ber SReifc eine Snfel gett^efen ift, toie §erborb angiebt. 

SRun aber ift toirfli^ bie üon Saffe angenommene fieSart 
Ucrani, Ucranla auc^ fe^r gmeifel^aft. SEBir l^aben Sbo ipie ben 
iperborb ja überhaupt nur in 8lbfd)riften. ffion biefen ^aben bie 
einen aHerbing« ucrani, ucranla, bie anberen bagegen veranl, 



et illa ipsa, quae in rem suam convertit, Ebonis yerba perperam inter- 

gretaDS, cupidior mutationis quam seyeritatifl, ita ponendum censuit: 
8t autem insula quaedam etc. 

^ 9la£^ 3/tffe @bo III, 14 : Erant autem trans mare barbari .... 
qui Ucrani dicebantur. — &ttb. III, 11: Est autem insula quaedam 
non longo a civitate illa, habens mare interjectum, quaai itinere unios 
diel, ücrania nomine. 

' a. a. O. 6. 699 : Sicque continentem marchiae Brandenbur* 
gicae partem (bie UfetmatT) in insulam transfigurayit 



3nt Sied^fetiigiing fyxbircb» M 9ioQtQ))Vtt CtloS ton Satnbeig. 131 

veranlaß SB&l^renb Saff^ baber bei Sbo fokoo^I tute bei $er^ 
borb fiberaD ncrani lieft, jte^t ftoepfe bie Sedart verani \30X. 
3n ber S^at ^at bie leitete benn and) bie übemiegenbe äBa^r^ 
fc^eiidic^feit für fic^, kuenn aucb bie uni^ erhaltenen ^anbfc^riften, 
rein fiu^erlic^ betrachtet, üieDeic^t me^r ffir bie erfte fprec^en mögen. 

Sd ift nämlid^ fdfon oben barauf ^ingen^iefen, bag bie ganje 
ffiet in JSetrac^t tommenbe Srjä^Iung auf bie Semol^ner ber 
Uiermarl bur^aud nic^t jpa^t. 2im näc^ften lieat ed nun, an 
bie SBemo^ner ber 3nfel 9iügen ju beulen, unb biefe ^at Jg^erborb 
offenbar auc^ genteint'. 92un lommt freUid^ ber 9?ame verania 
fonft nie ffir Ütfigen üor. Sber bad flaüifd^e SQSort vranow be« 
beutet ^bie fc^marje Snfel'' ^ eine im äRunbe c^riftßc^er äRiffionare 
gemi^ fe^r t>üffenbe 99ejei(^nung SRfigend mit feinen no(i^ in ber 
grinftemid bed ^ibent^umd toanbeinben Oen^o^nem. Ueberbied 
erfiärt ed fid^ gemi§ leidster, ba^ bie !lbf Treiber bie i^nen üöQig 
unbefannten , toeil fonft nid^t üorlommenben 9{amen verani, ve- 
rania in bie i^nen belannten ucrani, acrania üenoanbelten , atö 
bal^ Umgete^rte. ®o glaube idj benn mit gutem @runbe bie 
SeMrt verania atö bie urfprünglic^e feft^alten gu bfirfen , unb 
fiitbe in ber ganjen ©teile bei ^erborb im SBergleid^ ju Sbo üiel:: 
me^ einen Sett^eid ber größeren 3ut7er(äffigfeit bed erfteren. 

VLthttfyinpt, n^enn mir einen SJergleic^ jie^en ju^ifd^en ^er^^ 
borb einerfeitd unb Qbo mie bem ^rieflin^er anbererf eitiS , tann 
ed leinen Äugenblict jtoeifel^aft fein, too toxi bie größere SSefä^i* 
gung, bie gqc^ic^tlid^en unb topograp^ifd^en SBer^ältniffe rid^tig 
<iiif|ufQff^ unb barjuftellen, ju fud^en ^aben. ä93eld^ eine SBoIfe k}on 
9WiBt?erftänbniffen unb falfd^en SBeric^ten bei biefen! Seim ^rief* 
Hn^er ^at fc^on fein berebter SJert^eibiger auf eine Steige üon 
SKifeüerftänbmffen ^ingetoiefen*. ©iefelbe ift aber nod^ um ein 
^beutenbed ju üerme^ren. ^^alfc^ ift entf^ieben bie Angabe ^ 
ba§ Otto auf ber erften 9{eife brei 97^ouate in Sammin geblieben 
fei, t}öQig falfc^ unb oern^irrt ift ber 99erid^t über ben Stufent^It 
in äßoQin^ ^üx ein äRißoerftänbuid ^alte id^ ed, n^enn ber 
Sutor nur t^on jn^ei na^e bei einanber gelegenen Zttxiptin in 
©tettin rebef. Sin 3rrt^um ift bie Angabe, ba§ fd^on ber 

' 3in (Sbo III, 14 unb 15 ftnbet ftd^ M ^nbteaS btet mal yeranos, 
im .codex Erlangensis (E) bagegen jtoet mal ncrani; bei ^etbotb III, 11 
finbct fkl^ in btn Codices N. B. R. ucraoia; in ber lleberfci^xift biefed ^apU 
btU bagegen ^t N. verania, B. unb B. ucrania. 5i^ i^ap. 12 l^ai N. 
Qcranofl, B. ncranos, B. yeranoB; cf. Sfaffä a. o. C B. 584. 805 unb 806. 
' ^ctb. III, 11: Est autem insula qaaedam non longe a civitate 
illa (Ufmm), habens mare interjectum quasi itinere unius diei, Ve- 
nomine. 
Dr. SBe^dbotf, )93alt. @tubten XXXIU, ^efi 1, (S. 58. 
£aag, Cuellc (Sietudl^Smann u. f. lo. @. 92. 
U, 4. 

5. 6. 17, fttl^ meine KuSfül^tung l^tetübet oben @. 124. 
II, 11; t^l. (Sbo 111, 1; ^etb. II, 80. 2)o3 aJli%betf!finbnt§ toat 



einen ^eric^teu 
©emä^rSmänner 



132 SB. SOßlcfenet, 

näd^fte Za^ nadj Cttod Slnfunft in Stettin auf ber gtoeiten 9tetfe 
ein ©onntag getoefen fei^ gür lauter aKifeoerftänbniffe beS Ser- 
fafferg fann i^ freilidi nic^t alle biefe falfd^en S)ata galten, fon- 
bem fü^re biefelben jum I^eil, n?ie fd)on oben bcmerft, auf feine 
OueDen jurüd. 2)er ^rieflinger liefert und an manchen @teQen 
ben 93en7eiiS, bag er woiji befähigt n^ar, bie i(}m berichteten S)inge 
genau unb rid|tig auf juf äffen, unb @bo unb ;&erborb mäffen ein 
guted äSertrauen ju i^m gehabt ^aben, benn beioe ^aben i^n nad^- 
meidlid^ benu^t. 

SBeit ungünfti^er ftettt fic^ bad Urt^eil über (£bo. SSäie 
üöHig fritifloS er bie frühere Sebcndgefdjid^te Dttod gegeben ^at 
mit aW ben Slnctboten, toelc^e mo^I im Älofter üon aJiunb ju 
SKunb ge^en mochten, ^at fd^on Slempin ^erDorge^oben -. aber 
toie öieie Qrrt^ümer finben ]\(i) bod^ auc^ in 
über Dttoö SDiiffionöreifen , n?o i^m bie beften 
ju ®ebote ftanben! Sei) n^eife ^ier nur auf folgenbe fünfte ^in. 
3)er Seric^t über bie Sieife öon ®nefen über Ujba nadi ^ri^ 
ift üößig üertoirrt unb üerrät^ beö SSerfafferö gänjlic^c topogra* 
pf)\\d)t Unfunbcl galf^ ift bie Slngabe, Dtto fei 14 SBo^en 
auf ber erften 9teife in ßammin geblieben. Söllig miBöerftanben 
unb an üerfe^rter ©teile eingereil^t ift ber SBricf beö Slbted 3Big^ 
nanbug*. Sin grobes SJiifeoerftäubniS t^ut fid^ in ber äimabe 
funb , Otto Ijabe um SDJariae üieinigung ben (Sntfc^lufe gur mud^ 
tefjx gefaxt*. SBirr burc^eiuanber gen?orfen ift bie erftc Sieifc 
Dtto« nac^ Dobona, ßolberg, JBelgarb mit ber legten SBifitationS* 
reife®. Unflar rebet (Sbo üon einer gens Uznoim, inbem er ben 
ganjen loeftlid^en J^eil öon 5ßommern, nad) loefc^em bie jtpeite 
meife Dtto« gerichtet loar, barunter ju üerftel^en fc^eint '. (Sbcnfo 
unllar üerme^felt er bie Rutheni (JRuffen) mit ben Senjo^neni 
»lügend l «ud^ ba« Oamed (UI, 22) ift auf SRe^nung Don 

tootii botauS entflanben , ba§ auf bem S^riglatoSberge, bem mittleren unb ^öd^s 
ften bet biet $ügel, auf benen Stettin lag, neben bem ^aupttem|)el nod^ eine 
fletne l^ontine ftanb, toöl^renb bie beiben onbeten in Qrd|etee ^tfemung auf 
ben fleineren ^ügeln txbani toaxtn. 

» III, 7. « ©alt. ©tub. IX, ^cft 1, @. 125. » II, 4. 

« II, 16; ügl. 3affd, ©efd^id^te bei bcutic^en Steid^eS unter £ot^r bem 
6ad^fen @. 60, 92ote 23 unb 61, ^ott 82. 

' II, 18. ^ie Angabe fann nid^t rid}tig fein, ba €tto fd^on ^gnad^t 
(ll.f^febr.) nad^ ^rieflinger ni. I auf ber ^tüdfretfe am (Kren^toalbe jtoifc^eit 
Sommern unb $oIen fidt) befanb, inan^ifd^en aber nod^ fämmtlid^e t»on il^m jeftifs 
iete @emeinben befuc^te. ^ttoad 9lid^tigei^ toirb bem )}on@bo angegebenen Skills 
Italenbertage \Dt>\)i ju @tunbe liegen. Sen (£nt|d()lu6 aur dtüdfe^r fagie Otto 
in ©elgrab (^rieflinger II, 26 ; ^crb. II , 40) , aber fd^on Unfong ^t^mhex, 
tote id^ nod^ a^igen toerbe. S3ermut^lid^ l^at €tto bort in ©elgrab bie 3<^t 
um Slfariae Steinigung ^ur ^brcife feftgeje^t, unb, bied l^t (Sbo , fo toie er er* 
a&'^lt, mi^erftanben. 

• II, 18; bgl. ^erb. II, 38—40. ^ III, 3 unb 13. 

^ III, 11 unb 23: !0{an Uergleid^e bamit bie Ilaren eingaben ^erborbd 
JI; 1. 3 unb 4. 9latürltd^ finb auc^ unier ben Rutheni bet ^b. III, SO 



3ur 9l((i^tfertigung ^rborb^ be$ ^toorapl^en CttoS bon Sambetg. 133 

(S6od Semorren^ett jn fc^rei6en, üteQeid^t ani) bie fd^on bel^an« 
betten ncrani in III, 14 unb 15. Sublid^ erinnere id^ l^ier nod^ 
einmal an bie f^on oben nad^()en7iefenen 3){igk)erftänbnif{e ber t>on 
Ubalri^ gebraud^ten @d^riftfteQen. 

Wie biefe 3trt^ümer fallen aber gegen @bo um fo fd^toerer 
in« ®etoic^t, weil fie lebiglic^ i^m felber jur Saft gelegt merben 
muffen. 6r f)a\te bie beften ©etüä^r^männer, für bie jtpeite SRcife 
feinen Ubalric^, aber auc^ für bie erfte mand^en SReifebegleiter 
Otto^ im Älofter, fonnte jeben Jtugenblicf, tocnn er jtoeifel^aft 
toar, fid^ Don i^nen getoiffe Äuäfunft ^ofen*. 3)er ®runb jeiner 
falfc^n ^naaben lann alfo nur in @boi^ mangelhafter Begabung 
ate ©c^riftftetler gefuc^t »erben. 

SEBie glänjenb bemä^rt [\äf bagegen bie Sefö^ipung $crborb8 
in feinem Dialog. Sudf bei itim fommen \a, n^te fd^on gefagt, 
einige Srrt^ttmer oor. Sei toeld^en ^iftorifern fänben ficft fol^c 
auc^ nid^t? Aber bie bei »eitern juüerläffigften 9?ac^ri(^ten em* 
^fangen »ir faft burd^gängig Don i^m. 3)er nähere 3lai)tot\f^ 
hierfür fönntc freilid^ nur burd^ eine einge^enbe 3)arlcgung ber 
SebenS^efc^id^te Dttoö gefü]^rt »erben. Um inbeffen bie ucber* 
legen^ett ^erborbd über feine beiben äRitbiograp^en »enigftenS 

bie Sluffen ju txtfte'^en. ^uf biefe allein pa^i and) bie erflere 93efd^reibung 
beffelben — isti aatem Baepenumero a multis praedicatoribus ad fidem 
vocati .... aliis interdam credeDtibus , alii non credebant .... Ru- 
ibenia yeroDanos adjunctoB babet, porro arcbiepiscopo Danorum etiam 
Rathenia sabjecta eBse debuit. 93on bem aUtn fanb Bei ben 9higtanem 
fo tmgefäl^r bad gerabe ©egent^it fiatt. $on ben bielen ju ben Shigianem 
qidommtmn ^Rifftonaten fotoie t)on ben ®(&ubigen bort totffen toir aud biefet 
3eit ntd^U. SQßo^I ober toiffen toix. bag j?önig (Srid^ III t)on tanemar! 1136 
bie 9Uigianer be^toang unb einen d^riftlic^en ^j^riefter unter i^nen ^urücflieg, 
ben fte balb genug über bie ^en.)e brad^ten {tHod, SRügenfd^ ^ $ommerfd^e &t* 
fd^id^ten I, @. 38), unb bag bad ^eibent^um in ungebrod^enfler ^aä^t nod^ 
lange bei i^nen fortbeftanb. ^n ben ruffifc^en Oftfeeprotin^en aber mürbe 
anetbtngd {(^on 1048 )?on ^änemarf auS eine djrtftlid^e ^ird^e gegrünbet. 
$on einem ^ünbni§ 3n)ifd^en ben dlanen unb Spänen n^iffen mir ebenfafid nid^td, 
IDO^I aber beredetet bie (^efd^id^te Don ber erbittertsten Ö^inbfd^oft ;(tt)ifd^en bei« 
ben S^dieern. ^nblic^ erfal^ren toir, bag 9iügen erft 1169 (mtmpin, Ut» 
funbenbud^ 9h. 52) unter ben ^^bijc^of bon Sunb tarn, unb toir miffen, 
loie eilig ed bie ^änen l^atten, um bad neu eroberte &th'\ti nid^t an hai i^ih 
t^um @d^toerin fommen ju laffcn. dagegen fte^t ge|d^i(^tlid^ feft, bag fc^on 
1098 bie drVbung beS ^idt^um^ Siinb jum ChrjbtSt^um im anebrüdFüclen 

finblitf Quf bie 9hiffifd^en Cflfee^oDtnjen gefd^a^. @§ fann alfo gar feinem 
koeifel unterliegen , bie Don ^erb. III , 30 unb ^bo III , 33 genannten Ru- 
then!, meld^ ©tettin befriegten, toaren SBetool^ner ber Slnffifd^en Oftfee^iroDinjen. 
&o aber ^t biefe mit ben Rani Dertoed^felt. 

* ©d^on Älem^in, SBalt. ©tub. IX, 1, ©. 129, erfannte, bo§ (Sbo feine 
9lad^d^ten über €ttod erfte IRetfe ani ben Chraä'^Iungen anberer ^Begleiter 
beffelben gefd^öpft l^be. ©o genoue SBerid^tc , toie ber über bie brei Stationen 
bcT 9teife nad^ austritt an^ bem firben 2:ageretfen langen äOalbe hii $^ri^ 
m, 4), ober 9lngab<>n , toie bie . bog Otto burd^ bie 2:aufe ber jurürfgefc^rten 
^^too^er langer in 3)obona aufgel^lten fei, aU er beabpd^tigt |obe (II, 18), 
toimen ja aud^ nur Don )lugenaeugen l^ertü^rren. 



134 3ß. aöiefeucr, 

an einem fd^Iagenbeu SBcifpiel ju jeiaen, toiß ic^ ^ier nur bie QäU 
beftimmungen über Dtto« erftc SKiffionSreifc nad) ^erborb im 
SJerglcid^ mit bem 5ßricPinger iinb ©bo cingc^eiiber barlegen. 

SBir üerbanfeu anä) ben beiben lefetercn in biefer Segie^nng 
einige toertliüolle unb guDerläffige SJadpric^ten. S)er 5ßrieflinger 
gicbt un^ bai S)atnm ber er[ten Sanfe in Stettin, ben 25. Dcto^^ 
ber • , fo n?ie ben Sag , an tueldjcm Otto anf ber Siüctreife öor 
bem ©rengn^albe lüieber anlangte, ben 11. ^ebrnar 1125 -. 
®em ®bü üerbanfen h)ir ben Jag ber S(nfunft in Eammin, ben 
24. 3uni 1124'. SBic toermirrt nnb toie üerfebrt ift bagegen faft 
alleg übrige, inaö fie an ^^^^beftimmungen bringen, nnb wie 
mangelhaft nnb üerfc^rt müßte nnfere ^orftetlnng t?on Dtto'§ 
erfter Steife njerben, toenn njir allein anf fie angen^iefcn loären. 
Der ^rieflinger beginnt gleid^ mit einer nnrid^tigen Angabe über 
ben StnfangiStermin ber SReife, inbem er bcnfelbeh in ben Anfang 
3nni, nad) ^fingften üerlegt*. @anj üerfel)rt ift ferner fein )öe= 
rtc^t, bag Otto brei 9){onate in Sammin üermeitt ffabe^. %on 
ber erften Janfc in Stettin ab giebt er bann über^an))t nur noc^ 
bie beiben Daten ber Slnfunft öbr bem ©renjn^albe unb ber fRud- 
Uf)x naä) »amberg am Cfterfefte, ben 29. SKärj 1125«. a»an 
fönnte j\u feiner Sntfdinibignng üielleid^t fagen, er fjabe überfjaupt 
eine üoÜftänbigc Sljronologie ber erften Üieife nic^t geben wollen. 

Siel fc^limmer fteljt auc^ tjier lüieber bie ©aij^e für (Sbo. 
Diefer Stutor will offenbar eine DoUftänbige d)ronoIogif^e lieber* 
fid&t über bie erfte 3?eife geben, aber Wie unfähig erweift er fidj 
Ijierju! @d)on feine ^^^tangaben über bie $)inreife öon Bam- 
berg bi§?ßt)ri^' finb ganj unmöglich nnterjnbringen. JJamentUd^ 
aber bie Sefd^reibung ber Otonte Don ®nefen biÄ ^tjri^, für welche 
i^m, wie Wir and üerfc^iebenen S(ngaben erfennen, bie (£rjö^(ungen 
tjon ?(nqenjengen jn ©ebote geftanben tjaben muffen*, ift ein 
Wahres SRnfter feiner localen Ünfenntniö unb Äonfufton. ©eine 
SBlngabe, baß Ctto 14 SBod^en unb meftr in ßammin geblieben ^ 
ift fo falfd^ wie bie entfpred^enbe Stngaoe bed 5ßrieflinger. SWad^ 
einer ©teile foH Otto in ©tettin überwintert ^abcn^®, nac^ einer 
anbem wieber in SBoIIin ". ©ntfd&ieben f alfc^ ift, Wiefd^on bemcrft, 

' II, 9: In festo beatorum martyrum Crispini et Crispiniani. 

^ III, 1 : in capite jejunii. 

^ 11,5: in natiyitate St.Johanni8 baptistae ad castrumOamin.... 
pervenit. 

* II, 1 : mense Junio, quinqaagesimae, diebuB exactis, iter arripuit. 

* II, 4: dum totis tribns mensibus praedicasset. 

* lU, 2. 7 ü, 3—5. 

^ !:^ie genaue Angabe bed 92aineud Zitarigroda, ber ©efd^enfe Otioö an 
SB}attieIab, bet btel legten Stationen Dot $^tt^, tneifen auf Augenzeugen ^in. 

' U, 5: ubi multum tempns, id est 14 ebdomadas vel amplins, 
residens. 

*° n, 9: Mansit illic pius praedicator per instantem hiemem. 

^^ II, 18: cum apud JulinenseB biemasset. 



3ur Stec^tferttgung f^erbotbd bed ^todta))]^n CttoS \>t>n OamBerg. 135 

bie 3laäfnäft, Otto fjabt erft um Tlaxm äietniaimg ben Snt- 
{(^lug 3ur 9lü(freife gef agt ; ganj üertuirct enblid^ ] kpie ebenfaQd 
bereitd bemertt, bie Sef^reibung bed legten ®tücfd ber 9{ei[e ^ 

SBic gam anberd nimmt fic^ nun hiergegen ber Sendet ßer* 
borbd aud. ^erfelbe ift nid^t nur in fid^ üollftänbig Hat, fon- 
bem finbet au^ burc^ bie beiben anberen ^iograp^en, fomeit fie 
}u&erläffig finb, feine Seftätigung. 

SDerbiuQi^ mu^ ic^ ^ier fogleic^ mit bem ©eftänbnid eines 
3rrtbumS bei iperborb beginnen. 3)erfclbe berid^tet * , bafe Dtto 
am läge nod^ ©t. Oeora (24. Slpril 1124) bie Sird^en in fieui^* 
tenberg unb äSo^enftraug gemeint unb üon bort ddbann feine 
erfte Steife nadi i|Jommern angetreten ^abe, n^ä^renb n^ir aud 
&ttf)ax\>^ toi\\tn, bag ber SBif^of auf bem (^ürftentage p Sßams 
bera am 7. Tlai 1124 noc^ ^egentoärtig h^ar. 3ttbeffen ^er^ 
botb fte^t mit biefer irrt^ümlicben Eingabe nod^ immer nid^t 
ungünfäger ald ^rieflinger, lebenfalls aber bebeutenb aänftiger 
ald (Sbo. 3ener nämlid^ berichtet, Otto ^abe nac^ ^fingften (25. 
Wilai) im SWonat 3uni bie SReife angetreten*, ßr bat offenbar 
bie 9breife üon ®nefen mit ber oon Bamberg oern^ec^felt. 

Sbod S(ngaben aber über Ottod 9ietfe Oon ^Bamberg bid Sam^ 
min ftnb mit (£ffe^arb oödig unvereinbar, ^roax bie 9ieiferoute 
giebt biefer ©^riftfteDer im ®anjcn übereinftimmcnb mit ^erborb 
an, nämlic^ über äRic^elSfelb , SBo^enftraug , ^lanbran, ^ra^, 
@abiSfe, S3redlau, $ofen, @nefen, $i}ri^ na^ Sammin, aber bte 
Zeitangaben beffelben finb üöQig unhaltbar. 3lai) @bo nämlid^ 
traf Otto am 24. 3uni in Sammin ein*, eine Hngabe, meiere 
allgemein für glaubmärbig gehalten n^irb. S(uf bie 9{eife t)on 
$tjri| na^ Sammin (15 äWeilen) finb brei läge m red^nen. 3n 
$^ri^ blieb Otto nac^ Sbo ^ 14 Sage. 8luf ben 9Beg üon ®nefen 
na^ ^^rib toerben neun. läge ju red^nen fein '. 3n ©ncfen foH 
ber Sifrol brei SBoc^en oertt?eilt® unb bie Üleife oon ^ofen nad^ 
Onefen in faum 14 lagen gurüdgcicgt ^aben*. Son fflreSlau, 
tt)o Otto jtoei läge blieb *^ foll er in einem Sage baS 5ßofenfd^e 
©iÄt^um erreicht ^aben ". 3)ie SReiferoute üon JBamberg aber 
bis SSreSlau beträgt runb 500 fim.**, toelc^e in je^n lagen üiefc 
leicht jurücf gelegt merben fonnten. 

Otto ^ätte alfo nac^ @bo gur Steife Don ^Bamberg na^ Sam- 
min im ©anjen 74 S^age gebrandet, mügte alfo f^on am 11. 
üpxH abgereift fein. 

» n, 18. * &nh. n, 8. » SS. vi, ©. 262. 

* Jttefl. n, 1. 

* &0 Uf 5: in natiyitate St. Johannis .... ad nostrum Qamin .... 
penrenii 

« (£bo II, 5. ' ©teV unten. 

^ 6bo n, 4: per tres hebdomadas. 

' (Sbo TL, 3: vix intra qnattaordecim dies. 

" &o m, 3. " (Sbo II, 3. 

» &^monn, SBalt. ®iub. XXX, 2, <B. 163. 



136 SB. äOtefenet, 

|)€rborbS Slii^abcn bagcgcn über bie §inrcife DttoS \\a6) 
$ommem teilten ftd^ red^t gut {kotfc^en ben beiben feftfte^enben 
®atcn, bem 8.3Äai, ate ftü^cftcn Termin bcr Äbreifc üon 8am= 
bcrg na6) ©ffel^arb, unb bem 24. Sunt, bcm lag bcr Sfnfunft in 
©ommin ein, unb jmar in folgcnber SBeife. 

Steife üon JBamberg big Srei^lau (10 Sage) üom 8—18. SKai, 
üon JBreSlau big ©ncfen (7 Sage) 19—24. SKai. «ufent^alt 
in ®nefen fieben 3;age^ üom 24—30. SRai, toon Onefen biä ^^* 
ri§ üom 30. ajJai m 7. Suni, aufcnt^olt in $ßtjrife» öom 7— 
22. 3uni, Sfleife üon ?ß^rife big ßamrain üom 22—24. Sunt. 

2)ie Steife üon ©nefen big ?ptjri| befd^reibt $erborb nun 
in folgcnber SBeife*. JBoIcgloü üon 5ßoIcn gab Dtto ben cen- 
turio Paulicius alg f^ül^rcr mit. ^nx6) bag castrum Uzda 
I)inburd^jicl^cnb, tt?eld^eg an bcr Orenjc 5ßoleng lag, trat bic 9lci* 
fcgefcllfc^aft in einen fc^redlicfien, tt)äften SBalb ein, tt}elc^er $oIcn 
\3on $ommem trennt, unb ben man in faum 6 Skigen unter 
großen äWü^falcn burd^fd^ritt. Am Ufer eincg ^^uffeg, »cfc^er 
bie ®renje ^ommerng bilbcte, ^ielt man 9ta[t. SBartiglaü lam 
il^nen mit 500 SRann entgegen, fd^Iug an bem anbcrcn Ufer beg 
gluffeg fein Sager auf uno fam bann ju einer Unterrebuna mit 
bem Söifd^ofe l^erüber. @r liefe ^nffttt für Dtto äurfid, unb oiefcr 
überf(ftritt bann ben ^tufe «nb na^m feinen SBeg nad^ ^ß^rife. 

Slu^ biefer Seri^t erweift \\d) a(g burd^aug jutreffcnb big 
auf einen Srrt^um, loeld^er bem ©diriftfteKer begegnet ift. Ujba 
nämlid^ lag ni^t am Eingang beg großen SSalbeg burd^ ben 
Dtto jog, fonbern an feinem Sl'uggange. 

®ie gal^rt Don (Snefcn big 5ß^ri^ ift freiließ eing bcr am 
fd^toierigften ju bcftimmenben ©tüae bcr crften Steife Dttog, ba 
Sbo n, 4 unb 5, meld&er l^ier, ttjic oben bemerft, fic^tlt(^ auf 
angaben oon ?Iugenjeugcn fid^ ftü^t, einen üon ^crborb fo ab* 
meic^enben Scric^t giebt. S^ muß ba^er nö^cr auf bic ©ac^c 
eingeben. 9?ad^ ®bo alfo fd^ritt Dtto üon ®nefen big an bic 
®renjc beg £anbeg $o(cn üor. 9llg er nad^ Ujba, quod est in 
confinio utriusque terrae, gefommen war, fanbte fein gfi^rcr 
^aulug ©efanbte an SBartiglaü, wcl^e feine Änfunft mdben 
foßten. SBartiglat) fam bcm 93ifcf|of in castro Zitarigroda cnt* 
|cgcn. SRad^bem fic eine Unterrebung mit cinanber gel^abt, gab bcr 
jcrjog bcm S3ifc^of ©cfanbtc, Weld^e i^n per desertom magnrnn, 
quod imminebat, continuato Septem dierom spatio fährten. 
^kmad) (Post haec) fam man ad stagnum quoddam, am 
näd^fien 2:age ad villam proximam unb am britten Xage nad^ 
$t^ri^. 2)a jur Dricnticrung auc^ bcr ^ricflin^cr 11, 24 mand^cg 
toid^tigc beibringt, fo laffc ic^ aud^ beffen Söcrid^t in Äfirjc ^icr 

}tii), II, 9: per dies 7 ejus fruens praesentia. 
jnb, II, 17: quasi diebns viginti.- 
" ^exB. II, 9-12. 



3ttt 9t(4ifettt8itit0 ^etBotbi M !9bQrQ))]^n OiioS toon SflmbetQ. 137 

folgen. 'Jlai) i^m lieg 99oIed(aü Dtto ad Paulum comitem 
Zatochanum führen. Sßartidlaü tarn i^nen jnxta fluvium 
Wrtam mit 300 JBctoaffneten entgegen unb gob bem JBi[(^of 
2 9fiitteT ju 93egleitern. S)ann ^eigt ed n^eiter : Jamque extremos 
Pomeranomm fines intraverat, nbi in prima se fronte Petis 
civitas offerebat. 

Sltö feftfte^enb ift nai) biefen 93eri(^ten anjnfe^en: 

1. 3)a6 ber SBeg üon ®ne[en nad) ^t)ri| über Ujba (naä) 
Cnönbtg, «oft. ©tub. XV, 1, @. 168, richtiger Vorlegung ba« 
iefcige 33orf ®ufc^t im 5Refeebnic^) gegonqen ift. §erborb unb 
ebo fagen bie« au^brürflicfi , aber aud) Der ^iefKngcr (HI, 1) 
beftättgt ei^. Ujba (ag nad; bem flbereinftimmenben ^eric^t aller 
brei fSivQXQpffm an ber ©renge $oIeniS. 

2. 2)ag äBortidlaü Dtto entgegenfam, unb jmar nad^ &)o 
in S^^orifl^^J'^ö ' , nad^ ^erborb am ©renjfluB , nac^ ^rieflinger 
an ber SKarte. Äud^ ^icr l^errfc^t üofle Ueberetnftimmung : benn 
na* Ouanbt, »alt. ©tub. X, 2 unb XV, 1, »ar ber Ort ber 
^ufammenfunft, »eichen Sbo ä^t^rifli^oba nennt, baÄ jeftige Dorf 
3antocl^ an ber SBarte. ®er oon iperborb ertoS^nte ©renjflug 
tann alfo nur bie üon ^rieflinger namentlich genannte Sßarte fein. 

SRun aber berid^ten Sbo unb ©jrborb, ba§ Dtto 6—7 jage 
lang burc^ einen teuften , toeiten fealb gejojien fei. SRac^ @do 
lag biefer SBalb oon ®nefen aud aber S^^^^^d^i^i^^ ^inaud, alfo 
niJrblit^ ber SBarte, unb Otto braud)te, nac^bem er benfelben 
burc^fd/ritten ^atte, nod^ brei 3:age bid $t)ri^. 

yiaä) ^erborb aber laa biefer fc^auedic^e 9ßalb bon ©nefen 
and fiber lUba ^inauiS gmifc^en Ugba unb ber SBarte. 

JBeibe Serid^te ertoeifen ftc^ , teic ein JBIicf auf bie Starte 
le^rt, aU unmöglid^. Denn oon Ujba (@uf(^t) bid gur SBarte 
ift eitoa eine SWeile, morauf Dtto nad^ ^erborb 6—7 läge, unb 
üon Bfl^to* ^'^^ ^^nfe ift circa ac^t SWeilen, toorauf Otto nad^ 
Sbo aar jel^n Xage jugebrad^t ^aben foU. 

»uf bie rid^tige ©pur bringt und ^ier inbeffen ber ^rief« 
ünger. Derfelbe berid^tet nämlic^, bafe Otto auf ber {Rflcffe^r 
üon ber erften Sieife benfelben SBeg genommen ^abe, toie auf bem 
^nguge aber Ujba (III, 1). Sld er nun am Slfc^ermittteod!^ 
lieber bor ber horrenda ac vasta admodnm solitudo anlam, 
meldte ^ommem unb $oIen trennt, He§ er gleid^ für bie brei 
nod^ übrigen SBod^entage bie Dfficien mithalten, toeil er oorl^er 
fa^, ba| bied koä^reno ber 9feife burd^ bie ^efä^rlic^e Sinöbe 
nid^t »erbe gefdbe^en Wunen. Daß Otto ju btefer ga^rt burd^ 
ben SBalb bid U}ba brei Stage gebrauchen merbe, (onnte er ja 
nur üon ber ^erreife ^er miffen. Daran« folgt benn mit SWot^* 
toenbtgfeit, ba$ ber Oon Sbo unb $erborb befd^riebene SBalb, ju 

' 9tad^ Quanbt , f&alt ©tub. XXII , fo genannt , toeti ed aum fBnx^^ 
ttNtrb etatgatb gel^ftttr. 



138 m. 2Btefenet, 

bcffcn S)ur(^toanbcrung Otto 6—7 Jage gcbtaud^te, tii^t üon 
Ujba mi) Sommern ju gelegen ^aben lann, jonbem jtüifd^en 
jenem Ort nnb ©nefen fid^ befunben ^aben mufi. 

SBeibe alfo, (Sbo tt?ie ^erborb, ^aben ^ier einen Srrt^um be^ 
gangen ; ®bo ben größeren, inbem er ben fieben Xagereifen langen 
xBalb nörblid^ ber^SBarte ai\\ ^ommerfc^eg ©ebiet oerlegt; §er= 
borb ben geringeren, inbem er Ujba ftatt an bai^ 6nbe an ben 
Anfang be« 3BaIbeg »erlegt, ©iefer Srrt^um fonnte i^m inbe« 
um fo leichter begegnen, ba Otto, mie tt?ir au§ bem ^rieffinger 
feigen, jenfeitö Ugba nörblid^ ber SBarte nod^ einmal eine horrenda 
ac yasta admodum solitudo burdiiie^en nutzte üon brei Sage- 
reifen, tt?ie benn auc^ ®bo bieg bamit beftätigt, baß er Ctto nac§ 
ber fiebentägigen 5Reife burd^ ben großen SBalb noc^ brei läge 
bii^ ^ijrife gebrauchen läßt. 

3ci^ geminne ^ierna^ alfo folgenbeg SBitb biefer SReiferoute. 
auf bem aaSege öon ®nefen big an bie polnifdie ®renjc fam 
Otto in einen großen SBalb, ben er in 6 — 7 Sagen bur^fd^titt. 
3n Ujba am SuÄgang be§ SBalbe«, na^e ber (Srenje tourbe 
|)alt gemacht, ^auliciug ließ SBartiSlaü bc« »ifc^of« «nfunft 
melben. SBarti^Iat) fam bemfelben big jur ®renjc, ber SBarte, 

entgegen nnb ijaite in 3^^*^^ ^i^^ ^"f^^w^^^'w^t* ^^^ ^^"'• 
SSon ^ier aug erreid^te Otto bann in 3 lagen ^ßtjrife. 

gür ben Jag ber erften Staufe in ©tettin bringt nnö ferner 
ber 5ßrief(inger , toie fc^on oben bemerft, bie juüerläffige Angabe 
beg 26. Dctober. 3Jon bem Jage ber änfunft in 6ammin dfo, 
bem 24. Suni bi« jur erften Jaufe in ©tettin finb genau, ben 
tei-minus a quo unb ad quem miteingerec^net S 124 Jage. 3n 
biefen S^^traum fügen fid^ nun bie Q^xtauQabtn ^erborb« auf« 
®enauefte ein. ^ladj unferem äutor nämlid^ blieb Otto in ßam* 
min im ©anjen faft 50 Jage^ alfo big mm 8. «uauft. «n 
biefem Jage fegelte er nad^ SBotlin, bag er aber am näc^ften Jage 
fc^on lieber oerlaffen mußte', günfje^n Jage lana kartete er 
jenfeitg ber S)iüenoto , alfo Dom 9—23. auguft , ob Die SBotlincr 
fid^ eineg Sefferen befinnen toürben*. »m 23. fu^r er bann 
nad^ ©tettin, too er ettoag über gmei äRonate^ öertoeilte, beüor 
bie beiben erften Sünglinge bafelbft getauft tourben (25. Dctober). 

SBie üöQig unl^altbar ertoeifen fi^ nun hiergegen bie Seit^ 
bcftimmnngen fotoo^l ©bog alg beg 5ßrieflingerg für ben ^ier he^ 

* Bo tedjnet ßctbotb aud^ III, 1 : Post quadriennium. 

» anit bem '40 ergo forme diebus' 11, 20 gteBt ©etbotb bte Seiten 
W« jut «nfunft SBattiglat}« , mit bem ferrae 50 diebu» bageoen bie 3ett beS 
gaitaen «ufent^alU in 6ommin. (58 pnb bicS tunbe «nöabeii. 9to^ ben 
fonfKgen Sal^Ienangoben bei ^erbotb bleiben für ben ?lufent^t in ßammin 
genau 46 Üagc Übrig. 

« f^txh. II, 24. ♦ II, 25 : per die» quindecim. 

" ^laAJSbo U, 8 unb ^tieflinget II, 8 genau 9 äBod^n, alfo 63 £age ; 
nad^ ^exb. Il, 26: per duoa menses et plus ibi morantes. 



3ur Sled^ifettigung fyxboxbi M ^X9%xapf^n Ctiod bon Bamberg. 189 

f^od^enen 3^itraum! 3la6) @bo foD Otto in Sammin t^ierje^n 
TOOd^cn ober me^r*, öor SBoHin fiebcn läge* unb in Stettin 
bii^ jur elften laufe neun SBoc^en* üerJoeilt ^aben. 3)a8 finb 
im Sangen 24 SBod^en. Sbenfo unbefriebigenb finb be« ^rief* 
lingerd Eingaben, n^onad^ Dtto in (Sammin brei ganje 3ßonate\ 
t)Qt SBoIlin eine SBod^e^ unb in Stettin Dor bem 25. October 
neun SBoc^en* fid^ aufgehalten ^aben foQ. Seibe Seric^te finb 
offenbar enttoeber auö einer Duette gefc^öpft, ober ©bo ^at ben 
$rief(inger auc^ ^ier benu^t. 

3n Stettin Wieb Otto nad& ^erborb ^ öom 25. Dctober ob 
nod) ungefähr brei SOionate taug, b. Ij. alfo er behielt bort für 
bie noc^ übrige 3)auer ber JReife fein Standquartier. Äud^ biefe, 
^ütodt iäf fel^e, bi^^er atlgemein bejtoeifelte Eingabe ertt?eift fi^ 
als burc^auS richtig, ^enn menn bagegen gemö^nlic^ geltenb 
gemacht toirb, ba^ ^erborb fic^ felbft n?iberfpfed|e , inbem er im 
folaenben Kapitel berid^te, bag Otto in äßoQin jmei äRonate fid^ 
aufgehalten tfabt, fo ift biefer ffiintoanb burc^aud nid^t begrünbet. 
®efrib erjä^It nur, bag bie äRenge ber Xäuftinge in SBoDin fo 
gro6 aetoefen fei , baß bie arbeit faum in jtoei SWonaten fic^ 
qabe bewältigen laffen®. 3)aB Dtto aber ni^t toä^renb biefer 
aanjen 3^it m S93oIIin geblieben ift , mirb baburd^ audbrfidtlid^ 
bejeugt, bag Sefrib öon i^m erjä^It, er ^abe angeorbnet, baß in 
biefem Orte gmei ftird^en erbaut mürben, f)abe aber nur SUtfire 
unb Sanctuarien getoei^t, ba er e8 eifig getjabt f)ait^. VLtitx^ 
bied aber finbet ^erborb auc^ l^ier feine oolle iiBeftätigung burd^ 
(5bo fotoo^t aK burd^ ben 5ßrieftinger , inbem ber erftere aug^^ 
tnndlxdi fagt, baß Dtto in Stettin ben 2Binter jugebrad^t fjahe ^^ 
ber (entere aber berichtet, baß ber JBifd^of bie ganje ^eit feiner 
erften JReife auf bie JBefe^rung ber Stettiner oertt)anbt qabt ". 

JBon Stettin, feinem bleibenben Stanbort alfo, untemabm 
Otto nun no(^ mehrere Heinere Steifen , juerft nad^ ben in bem 
®au Stettin gelegenen Drten ®arj unb fiebbin ". Son ^ier fe^rte 

' II, 5: quattnordecim ebdomadas vel amplins. 

* 11,1: Septem diebus ilHc morabantur. 
' n, 8: continuis novem ebdomadibus. 

^ U, A: totis tribus mensibus. 

' quasi unins hebdomadae spatio. 

' II, 8: per novem continuas hebdomadas. 

' n, 36: fere aliis tribus mensibus. 

* n, 87: tanta fuit multitudo Yirorum et mulierum et utriusqne 
sexus puerorum, ut in spatio duorum mensium, quamvis sine cessa- 
tione instaremus operi, yix omnes tingere possemus. 

' duas illic basilicas fieri praecipiens , altaria tantnm et sanc* 

tnaria consecravit, quia perfectionem ezspectare longum erat 

ad alia festinanti. 

^® II, 9: mansit per instantem hiemem. 

" III, 5: Stetinenses , in quibus conyertendis episcopus sanctns 
omne suae peregrinationis tempus ezpenderat. 

« ^b. n, 37. 



140 m. SBiefcnet, 

er naä) ©tcttin jurürf*, um fobann nod^ eine jtoeitc Zont\n 
mad^en naä) SBoKin unb lüeiter über Gammin in bie öftlid^en (Sk^ 
qenben nad) Stoben, Solberg unb Seigrab*, lieber bie Qeit 
biefer Steifen giebt fierborb feine STuÄfunft. S)ie beiben anberen 
95iogra<)]^en üermif^en biefelben mit ber noc^ ju befpre^enben 
JBifitationSreife am Snbe beg 8lufent||aIteS Dtto« in ^ommem. 
SJermut^Iid) aber fielen biefelben in bie Qtxt tjon Snbe 9?oüember 
bis Snbe 2)ejember. ^unäcfift muß ja Dtto noc^ eine Q6t lang 
nac^ bem 25. Dftober m Stettin geblieben fein. 35ie 3^töruna 
ber ®ö^entempel', ber Unterrid^t unb bie laufe be« JBoIfeS* 
fanben ja erft naci^ bem 25. Dctober ftatt. ?lnbererfeitS fanu 
aber bie SReife nac^'SBoHin^ Stoben -SolDergsiBelgrab nic^t tvvlffl 
in baS neue Öfal&r l^ineingereid^t ^aben, ba Der SBinter 1125 ein 
augna^msmeife ftrenger mar*, ber 93if(|of aber üon ben Sintoo^* 
nem SBoQinS, SlobenS unb Solberg« tjiele jenfeit» be§ SReerc* 
abtoefenb fanb*, toäbrenb biefe jur 3^^* ^^ legten JBifitationd- 
reife fdbon mieber Iieimgefel^rt ttjaren '. ©iefelben muffen alfo üor 
Sal^reSfci^Iui jurüdgefommen fein, unb bie erfte Sieife DttoS 
na^ ben genannten Drtfc^aften muß no^ früher ftattgefunben 
^aben. 5Ke^men tpir nun für biefe lour einen 3^^*^^"^ ^^^ 
ungefähr üier SBo^en an, fo bürfte biefelbc ettt?a Dom 25. yio^ 
üember biiJ 25. ©ejember ju fefeen fein, fo baß Dtto baö 9Bet^ 
nad^öfeft tjielleid^t f^on lieber in feinem ©tanbquartier Stettin 
t?erleben fonnte. ©o bleibt Dom 25. Dftober bi« 25. S^oüember 
Seit genug jur ©ettjältigung ber ?lrbeit in Stettin unb anberer- 
feit» üon SBei^nad^ten 1124 ab aud^ jur SBifitation ber geftifteten 
®emeinben. 

3n SBelgarb, alfo um bie SWitte be« ®ejember, faßte Dtto, 
tt?ie ßerborb unb ber 5ßrieflinger übereinftimmenb berieten*, ben 
Sntf^tuß jur SRüdfe^r. Sr na^m hierfür bie 3cit um SWariac 
SReinipung in SluSfid^t®. ©or^er aber befud^te er fämmtüc^c 
üon il|m gegrünbeten ®emeinben no^ mel^rmat», meiste bie in* 
[ipifd^en üoCfenbeten Sirenen mie ba» ^eilige Del unb üofljog bie 
firmelung an ben ®etauften, fotoie bie ^aufe an ben ingmifc^en 
leimgef ehrten Seeleuten*®. 3n 3)obona ober Stoben »urbe er 

» ^Pticflinaer III, 14. « ^etb. II, 37—39. 

» ^«6. II, 31. * ^etB. II, 36. 

* Öuonbt, ®Qtt. ©tub. X, 2. ©. 135. • ©erb. II, 40. 

' GFbenb.: etiam quam pinrimos invenit baptizandos, qui generali 
baptismo prius interesse non poterant, eo quod in exteris partibas 
peregrinati negotia sua exercerent , quorum profecto Dodonae , Ja- 
linae, Stetinae maxima erat copia. 

8 ^etb. II, 39; ^riefl. TI, 20. 

* ©0 t)erfle^ id^ bie SKDorte (Sbo% II, 18: circa purificationem St. 
Mariae. — unicam aibi sponsam Bambergensem ecclesiam desiderato 
redita consolari disposuit, benen iebenfaUd eine l^ifiotifd^e Erinnerung ga 
®Tunbe liegt. 

" ^etb. II, 42. 



lätigft aufgehalten, aü et t^ermut^et ^atte. 3)abur^ üersSgerte 
{t(^ feine Slbreife nod^ um einige 2;age\ fo ha^ er erft am 11. 
^ebruar- an ber ©renge ^ommernd antam. 

3n ber abfielt, möglidift noc^ üor $a(marum in fein 93id« 
t^um )urü(fiute^ren, um noc^ bie gemö^nli(|; am ©rünbonnerdtage 
ftattfinbenbe Sonfecration bed @alböled üoQjieben gu lönnen, 
^te Otto feiner aRiffionöreife, tt?ie ^erborb ergä^It', in ®elgarb 
ein 3icl g^f^^t. Stac^bem er bie jungen @emeinben $ommenid noc^ 
einmal befucqt , gog er in Gilmärfc^en ^ auf bemfelben äBege , auf 
bem er gefommen kpar, n?ieber ^eim, fo ia^ er n^irflic^ noc^ 
üor $almarum feinem Sorfa^ gemä§ ju feinem Sifc^ofdfi^ gurücf- 
lehrte ^ 

^ier kpiberf)>re^en nun bie beiben aubern 93iograp^en bem 
^erborb, inbem fie übereinftimmenb berichten, Otto ^abe ben 
trünbonnerdtag unb S^arfreitag in SUJic^el^felb üerlebt, fei am 
Sage oor Oftem in bie SBorftabt von Samberg übergefiebelt unb 
^abe am Wlox^tn bed Oftertaged feinen Qingug gehalten unter 
bem feierlichen @efange ber ®eiftlid^en unb ^löndje: Advenisti 
desiderabilis, quem exspectabamus in tenebris, tu factus es 
spes desperatis, magna consolatio in tormentis^ 

3nbeffen aud^ E;ier fc^einen ßbo unb ^rieflinger ben ^er^ 
borb unn^iQfitrlid^ ju beftätigen. Ser ^^rieflinger fagt nömlid^ 
Oon bem angefahrten ®efange, mit n^elc^em Otto empfangen 
tDurbe: cum cantu hujusmodi, qui videlicet et personae et 
tempori apte congrueret^. @bo aber nennt benfelben einen 
Dftergefong*. 3?un finbet fic^ biefcr GJefang, im Missale Roma- 
num luenigftenö, unter ben Dftergefängen nid)t. Db berfelbe fonft 
trgenbmo ald Oftergefang Dorfommt, ^abe id^ leiber, ba mir bnd 
nct^i^e iD^ateriai fehlte , nic^t feftfteÜen fönnen. ©einem dn^alte 
nad) ift e^ untoa^rfc^einlic^ , fonbern berfelbe n^eift t^ielmebr auf 
ben Sonntag ^almarum ^in, ben Siag bed Singuged bed ^errn 
in Serufalem. 

^erborb bricht ^ier feinen SReifeberi^t ai mit ber einge* 
fügten S3emer!ung, ut brevius sim^ 3^ möd^te ba^er annel^* 
men, ba^ Otto am S^age t)or ^almarum feine ©prengelgrengen 

^ (Sbo II, 18: Haec igitur sancta occupatio praedicatori veritatis 
moram redeundi fecit eumque in Dodonensi ]olo aliquamdiu detinuit, 
Camt nur ))on einem ^ugenaeugen ^euü^trn, ift alfo glaubtoütbig. 

' ^teflinger III, 1 : in capite jejunii. 

' IJ, 39: Quin etiani , si ulterius procederet, ante diem palina- 
rum , sicut disposuerat , redire ad suam sedem consecraturus crisma 
minime potuisset. 

* j^etb. II, 40: propter festinantiam. (SboU, 18: omni featinatione. 

* f^etb. II, 42: juxta propositum suum ante diem palmarum ad 
sedem snam Otto reTersu» est. 

* (Sbo U, 18; ^riefl. III, 2. ' UI, 2. 

* II, 18: cum cantu paschali. 
» ^etb. II, 42. 



142 ffl. gBtcfcnet, 

erreid^t f)abe, toie §erborb rtd^tig überliefert, tuä^rcnb er ba* 
SBcitere, ben Äufentl^Qlt in SKic^elSfelb unb ben feierlid^en ©iii^ng 
in feine S3if c^of Sftabt , ttjelc^en @bo unb ^ßrieflinger er jaulen, 
übergeljt. 

©liefen tüir nun jurücf auf ben ^ier in ^rjc bargelegten 
SSeric^t ^erborbg über bie erfte SReife be^ SSifd^of^ Dtto unb 

fialten bamit gufantmen, toa^ @bo unb ber ^riepinger bringen, 
fann eö ttjo^t nid|t jtüeifel^aft fein, n^er ber geifli^ befäl^igterc 
jur Oefdöic^t^f^reibung getüefen fei. Sei ^erborb, ift toie f^on 
gejagt, alleS nic^t nur in fid& Mar, fonbem finbet ani) burc^ bie 
beiben anberen S3iogra^}^en feine SBeftätigung. 3)iefe fte^en tocit 
bagegen gurüd. 5WamentIi(^ ©bo jeigt einen fe^r geringen ge* 
fc^ic^tlic^en ©inn. 

greUid^ aud^ bie größte geiftige ^Begabung fann feine ®t^ 
to&f)x bieten für eined ©diriftfteller^ ©laubmürbigfeit , tt?enn fein 
S^arafter ®runb giebt, an feiner SBa^rl^eitgliebe ju jtoeifeln, unb 
auf biefen ?ßunft l^at 3aff6 feine Singriffe gegen §erborb ^aupt* 
fäd^Iid^ gerid^tet. (£« toirb ba^er not^tüenoig fein, bie ®egen« 
^rünbe biefeiJ l^o^gefd^ä^ten ®efel)rteti ©d^ritt für ©c^ritt auf 
i^re |>attbarfeit ju ^jrüfeu. 



IIL 2)et (^Ijarolter ^erliorb^. 

SaffiS ' ge^t in feiner ?ßoIemif gegen §erborb üon folgenbcn 
I^atfad^en ai\^. ©ec^g 3a^re nad? be« 83ifcf)of8 Dtto Sobe*, 
alfo im Saf)xe 1145, trat ^erborb unter bem 8lbte ^ermann in 
baö filofter auf bem äWid^elS^SBerge gu IBamberg ein. äfö biefcr 
abt im Sa^re 1147 geftorben tt?ar, tourbe ^elmericu« gu feinem 
9?ad^f olger gett?ä]^It. 2)a berfelbe jebod| fränflid^ toar*, fo ent^ 
ftanb groge Ungufrieben^eit unter ben SWönc^en be§ Älofterö. 
^erborb aber trat in ben ^ieraug entfte^enben Smingen au^ 
bie ©eite ber ®egner be« Slbteg. 3)ieS erfennt man barauS, 
bafe berfelbe fi^ fogar ni(^t fd^eute, offen bie Iräg^eit beffelben 
gu tabeln*. Sa unfer ©cf^olaftifug fc^eint in ber gegen ben fram 
reu Äbt entftanbenen Dpjjofition üon bem arö|ten 6influ6 gc- 
wefen gu fein, ffienn ate bie ©ad^e enblid^ oal^in gebieben toar, 
ba& $elmericu8 im Saläre 1160 abbanfte*^ unb SBifdpof (Sberl^arb 
bon ^Bamberg, bem bie äSa^I üon ben äßön^en uberlaffen 

* 3aff^ V, ®. 694. * Herb, dialog. lib. I. 

' Ludewig SS. rer. Bambergens. I, ®. 837: propter langaores et 
diatnrnas corporis aegritudines. 

* Dialog, lib. I, prooem. : si reotores habeat industrios. Siefe 
ÜBotie U^xt^ 3aff^ auf ben ^t ^eltntid^. 

* SubetotQ Q. a. Ö. ®. 838: cum post diatumam et magnam cor- 
poris dibilitatem dominus uoster abbas H. ad portandum ouus cnrae 
pastoralis se minus sufficere provideret. 



3itt Sle^tfettignng ^tthoxh% beS $iogrQ|>Vn Cüö^ bon Bamberg. 143 

tpar\ ben drmbert gum ^J^ac^folger bed abgetretenen SlbteS 
bcfignirt ^atte, n?urbe ^erborb üon ben Srübcm abgefanbt, um 
benfelben üon feinem abte ®obefrib ju erbitten*. S« läßt 
fic^ benfen, fagt 3aff6, meiere ©türme ber Äbbanfung ßclm* 
rid}d üorangegangen fein mögen. 9luc^ gebenft SBifj^of @ber« 
^arb in feinem JBriefe an ben ?tbt ®obefrib auöbrürflid^ ber 
falfd^en 93rfiber'. 5Wun fc^rieb ^lerborb feinen Dialog in ben 
äfö^en 1158—59*. §öc^ft auffaflenb muß e^ aber erfc^ei* 
nen, baß berfelbe ber vita Ottonis bei^ ®bo, mit bem er gleid^s 
geitig im Älofter lebte nnb beffen ©c^rift er nur ju gut fanntc, 
mit feinem SBorte ermähnt. Stu8 biefer ungebührlichen ©e^anb^^ 
lung feines SoDegen barf gef^Ioffen »erben, baß ber braue ®bo 
treu ju feinem alten Äbte gehalten ^abe, unb ba^er ^erborb 
aegen benfelben nie^t nur mit ber ©iferfud^t eineS ®ele^rten, 
fonbem au^ mit bem ßaffe eines ^arteimanneö erfüllt gewefen 
fei*. 3n biefen ©treitigfeiten tritt nun fo rec^t ber Unterfd^ieb 
jttnfci^en bem (S^arafter eines 6bo unb ^erborb ju Sage. Ebo 
eDim Omnibus locis sincerus est, gravis, modestus, verecun- 
düs, credulus. §erborb bagegen terfpottet bismeilen 3)inge, bie 
er auf baS gartefte ^ätte fronen muffen. Denn tt?enn man il^m 
feine ©pöttelei über bie SJJönc^e, mie bie I, 1: Semper enim 
(nos monacbi), peccatis nostris facientibus, ad aceipiendum 
quam ad tribuendum paratiores invenimur, ober bie 11, 41, 
tDO er ben ©efrib auf licmoS 5^age, ob fic^ Sommern jur 
@rünbung t^on ^löftem eigne, antworten läßt : utique et maxime 
hujus temporis sanctonim, qui terram uberem quam scopulos 
aridos incolere malunt, suae memores imbecillitatis, auc^ noc^ 
möge ^ingel;en laffen tonnen, fo fei eS bo^ unerhört, baß er 
©ifc^of Ctto felbft unb gerabe in bem, ttjorin biefer feinen ^öd}^ 
ften SRu^m gefe^en, ber fiäc^erli^feit fjabt 5ßreiS geben tt^otleu. 
3laä) ber jDarfteßung ber ©reigniffe in SBolIin nämlic^ toä^renb 
bcS erften Aufenthaltes DttoS bafelbft, laffe er ben liemo fagen: 
Hie primum, hie audio quoddam veri apostolatus indicium, 
piagas videlicet et livores; sed die, obsecro, mi apostole, 
nmn in aliquo partieeps fuisti hujus apostolicae benedic- 
tionis, unb nac^bem ©efrieb hierauf geantwortet, er bebaure, aber 
er l^abe leiber feine ©^läge bef ommen , laffe er jenen fortfahren : 
consolare; si quid minus in illo eapitulo (Julinae) aetum est, 
in nostro (in eapitulo St. Michaelis) poterit impleri^. 

* Subetotg a. a. O. ©. 837. • 3aff^ a. a. 0. ©• 694, %)U 8. 
' SubetDig a. a. O. 8. 889 : non dabites, mittere fratrem vestnim . . — - 

Periculam illad, qaod grayisBimum est» Tidelicet in falsis fratribuSy 
nihili nobis aut ei sit. 

* 3aff^ a. a. C. ®. 695, 9lote 6. 

' a. a. D. ®. 696: homiDis non modo litterati aemniatione, sed 
factiosi etiam adeo Herbord um adversus sodalem commotum esse, 

* II, 24. 



144 3B. Stefeitet, 

galten lüir ^ier gunäd^ft einmal inne, um bic äuSjfül^runa 
Saffe« ju prüfen, fo ift gerabe ber ?ßunft, auf toelc^em bie ganjc 
JBeweigtraft berfelben berul^t, buröjaug jtoetfell^aft. lieber bic 
©tcüung 6boS nämlidEi in icncn ©treitigteiten , meiere ber ab* 
banfung beö ?lbteg ^elmric^ öorongingen, toiffen mir gar nic^t^. 
2)ie JBermut^ung 3affeg, bafe berfelbe bem §erborb gegenüber 
auf ber @eite be» alten Slbted geftanben ^abe, berul)t lebiglic^ 
auf ber falfc^en SBorauöfe^ung , bafe biefer bic ©c^rift ienc^- bc* 
nufet ^abc, otjnc feinen 92amen gu nennen, ^amit fäHt bcnn 
biefer gange SBetociggang gegen ^erborb in fic^ felbcr gufammen. 
^erborb |at bie vita Ebonis gar nic^t gelaunt, behaupte ic^, 
bcnn fünft tt?ürbc er fic fi^ gctoife ate Duelle nidyt ^aben cnt:^ 

?e^en laffen. ®S ift übcrl^aupt unertoiefen , ba§ @bo üor ^er= 
orb gefc^riebcn ijat 

©el^r feltfam finb ferner bic @rünbc, mit benen gegenüber 
bem mit fo au^geic^nenben $räbicatcn, n^ic sincerus, gravis, mo- 
destus, verecundus, credulus gefd|ilberten @bo ber (Sj^arafter 
§erborbÄ öerbäd^tigt n?erben foll. 3)er SerfaH beö Sluniacenfer- 
orben^ ju ber Qtxt, ate |)erborb fd/ricb, mäfirenb bagegen bic 
^rämonftratenfer unb Eiftercienfer in ^ßc^fter SBIüt^c ftanben, ift 
\a eine gcfc^ic^tlid^e Jf^atfadje. SBenn nun ein EIuniacenfermönd& 
lüic ^erborb auftritt, meld^er ben äRutb ^at, bie 2)ii6ftänbc in 
ben ctgenen Ätoftermauern offen gu tabeln ^ unb namentlich aud^ 
bic bcrüd|tigte |)abgier ber 3)iöu(|e mit Ijcrbem ©pott gu geißeln, 
fotlte .ba^ einem foldien äWanne nic^t üielme^r gur ^od^ften S^re 
ongerec^net »erben, aU gur 3?erbäd)tigung feines ß^arafterS? 
®ang ungerechtfertigt enblic^ ift ber SJormurf, ^erborb f)aht felbft 
ben Sifc^of Otto mit feinem ©potte nic^t ücrfcffont , unb gioar 
[crabc in bem, toaS berfetbe fic^ gum l^iSd^ften Siu^mc angerechnet 
labe, ben ©d|Iägen, bie er in SBoIIin empfangen. Sap f)at 
biefe gange ©teile entfc^ieben falfd^ aufgelegt. S)er ©cbanfengang 
berfelben nämli^ ift folgcnber. 9iac^bem ©efrib bie Hergänge 
in äSoUin berid^tet ^at ^ ^ebt Siemo an : Hie primum hie audio 
quoddam veri apostolatus indieium piagas videlicet et livo- 
res; sicut seriptum est: 'Ibant apostoli gaudentes a con- 
spectu eonsilii, quoniam digni habiti sunt pro nomine Jesu 
contumeliam pati\ 2)aS Hingt bo^ koo^l nid)t mic ©pott. S)te 
l^ier angeführte ©djriftftelle aber, tocld^c jcbc SWöglid^feit, bic 
Don Siemo in ©ejug auf Dttoö 3Kart^rium in SBotlin gefpro- 
dienen SBorte ironifc^ gu f äffen augfd^lieftt, Ijat S^P in feiner 
SBetociSfül^rung ' ttjcggelaffcn. 

3lac^ ber angeführten ©d^riftftelle freilid^ fä^rt Jiemo in 

1 SBex(^l. 2. 19. 20. fln^ baju liegt butd^auS fein @runb t)ot, ba« 
'si rectores habeat industrios' lib. I, prooem. ouf ben W)t ^elmriii^ ^u 

» II, 24. » a. a. O. ©. 696. 



3ut ^e^tfrrttgung ^rtBorb^ be^ 9io()rapt)cn Cttod Don OomBcTg. 145 

fat^f^em Jone bann fort : Sed die, obsecro, mi apostole, num 
in aliquo particeps fuisti bujus apostolicae benedictionis ? 
©efrib antmortet: Me miserum, intirmitate mea conspecta ', 
talibas bonis me indignum ipsi judicavere pagani. Puduit 
tarnen , ut verum fatear , aliis de suis portionibus postea 
satis iocunde gloriantibus , me nihil ibi accepisse, unb Siemo 
fä^rt aldbann toieber fort: Consolare, si quid minus circa te 
in illo capitulo actum est, in nostro poterit impleri. ^tefe 
auf bic SReifegcnoffcn Dttoö jicienbc Siebe ift aUerbingg üon bei- 
§cnbem ©arfaömuä, aber biefe ^oltron^, loelc^e in ber (Sefa^r 
gegittert unb getoeint Ijatten*, bann aber im fieberen 9tücl^alt 
pinter ber abgcbrod^cncn JBrücfe ber erhaltenen Schlage fid^ 
rühmten unb mit beren billigem 9)^arti)rt^um toomögltc^ im 
ftlofter no(^ ein unmürbiger ßultuö getrieben mürbe, Ratten ben 
Spott bed toadettn 6d)ola[ti!ud aderbingS and) xeidjüd) üerbient. 

Seiner »eiteren SBiberlegung bebarf nad) unferen obigen 
Äuöfü^mngen bic JBe^au^jtnng ^[affoä', baft ^erborb faft ben 
gangen 3n^alt beö britteu 58ud)e!^ feinet 3^iaIogö an« Sbo§ SBerf 
entnommen, babei aber fünftlic^ bie gorm fo jn oeränbern üer= 
ftanben ^abe, bafe e« etn^a« anbere§ ju fein fdjeine, mä^renb 
er feine Stb^ängigfeit Don @bo bod) unmiUtttrlid) an einigen 
SteDen üerrat^e. ffiir fjaben gejeigt, ba§ .^^^i^J^orb mit Öbo au^= 
fc^tiepd) in ©d^riftfteHen toörtiid} jiifammentreffe, unb Ijaben ben 
^laiftoei^ jn bringen gefnrf|t, ba^ beibe au^ einer gemeinfamen 
Cueüe gefcftopft ^aben. W\t bemfelben 9ied)te fönnte man axi^ 
bell ttjörtlid^en SBerü^rungen Sboö mit bem ^^Srieflinger einerfeitö 
unb ben ?(btt?eic^ungen in ber Jorm anbererfeitd ft^Iiepeu auf ein 
fol^e^ SBer^ältniö öbos^ jum ^riefliuger, tok 3affe eg ^erborb 
^um Sortourf ma^t in SBegie^ung auf (Sbo, ja mit mel größerem 
diec^t: benn ßbo I|at ben ^^rieflinger unjttjeifel^aft benufet. 

?(uc^ ber 9Sürtt?urf Saffe^* barf mo^I o^ne toeitere« über* 
gangen toerben, ba% |)erborb, bamit fid) fein äÖerf umfomel^r oon 
bem Sboö unterfc^eibe, allerlei Heine üügen feiner ©rjä^fung bei* 
gemifi^t ^abe. Saffe l^at eben für biefe mendaciuncula, toel^e 
er bem ©d^riftfteller üorn?irft, burc^au^ feinen SBctoeig gebrad^t. 
äBarum mu| @bo buri^auS bem ^erborb aegenüber in ben t)on 
Saffe angeführten ©teilen^ im 9led)te fein? Sc^ be^au^?te auf 
GJrunb meiner früljeren Ausführungen üielme^r baS ®egent^eil. 

3u biefen fleinen üügen foUen nun nac^ Saffe ^ nod^ aÖer* 
^anb ÄuSfcl^müdungen ber Siebe burc^ erbid)tete Unterrebungen 
unb Änf^^rac^en l^injufommen, loorin bo^ auc^ eine Sntftellung 

^ Seftieb l^atte in äBoIIin fran! gelegen U, 24: Ego aatem eo tem- 
pore magna febri tenebar. 

' fyxf). II, 24: nobis aliis trepidantibns , quibusdam etiam prae 
pavore laciimantibas. 

» a. a. O. @. 697. * a. a. D. ©. 699. 

• Q. a. O. ©. 698 u. 699. • a. a. C 6. 699. 

XXV. 10 



146 2ö. 2Biefencr, 

bcr SSabrl^cit Hege *. S)al^in foHcn namliä) gehören ba8 QtDxeqt^ 
fgräd) DttoS mit SBirtfacuS beim Slnblirf bcg am J^orc üon 
Stettin aufgehängten SBooteg, in toeld^em biefer fid^ gerettet, fo^ 
toie bie Slnf|)raci^e an bie erftorrten ©tettiner auf bem äWarft= 
pla^*. SJon Dermeffenerer Unnja^rl^af tigf eit ' aber no^ foK eg 
ieugen, lücnn $erborb lange Sieben erfinbe, toelc^c nie gehalten 
feien. S)a^in red^net 3aff6 namentlich bie SRebe bei^ Sifc^ofS 
Smbrico am ®rabe Dttog*. 

Unb freilid^ fann barüber gar fein 3^^^ifd f^i^^r i>ö6 ^ä 
bem 3)iaIoge gar mand^e Sieben üorfommen, toeld^e in ber 3form, 
n?ie ßerborb fie bringt , niemals gehalten finb. 3)er Autor la^t 
bie ^erfonen, üon benen er uns erjä^ft, nid^t nur in feiner 
©prad|c reben , fonbern er legt i^nen oft aud^ feine eigenen ®e* 
bauten in ben äWunb. ®eiri§ ift bas don bem ©tanbjjunfte ber 
heutigen ®efc^id^tsfd|reibung an^ nic^t ju billigen, aber bei ben 
mittelalterlichen unb alten ©d^riftfteHern ift baö bod^ nid^t etwa« jo 
aanj felteneS, tt?ie ja au^ 3affe felbft jugeftel^t*. älS ein reqt 
fd^tagenbeS Söeifpiel hierfür fönnte namentli^ auc^ ®bo genannt 
njerben. 2Kan itnh nur an bie 9tebe SSartiSlaüS in Ufebom 
mit ienem fein )}ointirten ©a^e : in morte animam saam ponens, 
ut vos a morte ad vitam revocaret ^, ober an jene anberc, faft 
ganj in ©ibelmorten gehaltene Siebe beffelben gürften in ®am= 
min^ ober enbtic^ an jene Siebe beS ©ö^enpriefterS üon ©tettin, 
ber gar in ©d^riftmorten fid) ju ergel^en beginnt \ ©old^e Unge* 
^örigfeit ^at ^erborb fid^ wenigftenS nid^t ju ©Bulben fommen 
laffen. SlQerbingg ^at ^crborb in biefer |)inftd^t üon einer toeit 
ge^enben gj^^i^^it ®ebraud^ gemai^t, bie ja nid^t gebilligt werben 
oH. Site 93eifpiele l^ierfür finb öor allem ju nennen bie Ab- 
d^iebSrebe DttoS in 5pt)ri^® unb bie üon 3aff6 fd^on l^erüorge^ 
;obene ®rabrebe SmbricoS*^. 3Kan erfennt mit Seic^tigfeit in 
oeiben benfelben begabten Siebner, nämlid^ ben |)erborb felbft. 
®ie Se^re üon ben fieben ©aframentcn in bem ©mne, tt?ic bcr 
©^riftfteHer fie Otto in ber ?ß^rifeer Siebe vortragen läßt, ^at 
biefer nod^ gar nid^t gefannt. 8lber beS^alb braudjt bod^ bie 
ganje Siebe nod^ nid?t erfunben gu fein. Ss ift unS ja ate un- 
gtoeifel^aft gef^ic^tlicf; bejeug^, ba§ Otto in ^ommern bie fie^re 
üon ben ©aframenten, fomeit fie itjm fd^on ei^en toar, nämlic^ 
t?on ber Saufe, oon ber Seid^te unb bem ^eiligen Slbenbma^I, 
t?orgetragen ^at. SJurd^auö aber fann ic^ bie üon 3aff6 ^cr- 

^ a. a. O. @. 699: Adulterare res enim jam id est, diverbiis et 
allocutionibns commenticiis relationem exoroare. 
« ^erb. III, 17 u. 18. 
' 0. a. C: audacioris aatem vanitatis est. 

* 4)crb. I, 42. 

^ a. a. D. ®. 699: apud multos quidexn scriptores usitata. 

• (Sbolll, 6. ' iSbo III, 23. 

^ (Sbo lU, 16: sermo taus non capit in nobis. 3ol^. 8, 37. 
^ ^etb. II, 18. »0 J&ctb. I, 42. 



3ut dlfd^tfettigung ^txboxhi bc^ ^^tograpl^en CHo^ \ion Bamberg. 147 

t)orge^o6ene %ijQi^a^e, bag ber IStfd^of dmbrico mi) (Sbo^ 93e« 
rtd^t^ in ber ermähnten ©rabrebe bad Sßort bed 3eremtad: 
Olivam uberem, pulchram, fructiferam et speciosam vocavit 
dominus nomen tuum, auf bie $erfon Ottod angetpanbt l^abe, 
nid^t ote rinen SBciPciS anfc^cn, ba^ bic longc SRebc, »ic $erborb 
fte bringt, nie gehalten, fonbem lebigtid^ eine @rfinbung biefed 
©c^riftfteQeriJ fei. S)a§ Smbrico Otto mit einem fru^tbaren 
Celbaum üerglic^, fd^liegt boc^ nic^t aud, bag er i^n in berfelben 
Siebe eine SWart^a genannt. ®bo ^ebt ben einen ©ebanfen ^er= 
t}vx, §erborb ben anoeren unb filiert i^n aüerbing^ in frcifter SBJcife 
ou«. 3d^ geftel^c, biefe Sieben finb bag Sebenuid^fte im 5DiaIog. 
Aber @bo tft bur^^aui^ in berfelben SJerbammni«. 3a, biefer 
©c^riftftener üerfic^ert nn^ babei nod^ mit ber e^rlic^ften SRiene, 
bag er allein aud bem äV^unbe bei^ juüeriäffigften Senden, nämlid^ 
bcS Ubalrid^ empfangen l^abe^ §erborb legt feine (Srjä^Iungen 
au^ gtoar feinem ©efrib unb liemo in ben 9Kunb, aber er ^at 
feiner ganjen vita Ottonis aud^ bie jpoetifi^e gorm eine« 3;)ialog§ 
gegeben. S)er 2)ic^ter lüiH ja allerbingg bie Sßufion in un^ er* 
toecfen, ba§ bie üon ben in ber 5)icf|tung auftretenben 5ßerfonen 
gehaltenen JReben aud^ toirflidi fo üou it)nen geljalten feien, aber 
rrincötoegg tuiH er bie Ueberjcugung in uns b^rüorrufen, ba§ bie 
öon i^m eingeführten ^erfoncn in SBirflic^fcit allcS toörtlid^ fo 
gef^)rod^en ^aben, tt?ie er eS fie fagcn läßt. 2)aö gereift bo^ 
aud^ einem ^erborb einigermaßen jur Sntfc^ulbigung , luenn 
et feiner $^antafie Ijier unb ba einen ju tuciten Spielraum ge* 
(äffen ^at. 

Rn^Uiä) möd^te id^ bied Slrgument nod) in einer anberen 
Äinfi$t gu ©unften §erborbg gcitenb madben. 3aff6 befd^ulbigt 
Üjxi be^ geiftigen 3)iebfta^te ', tueil er bie Sapitel 2—6 beö erften 
fBud)ef^ aud Sicerod @^rift de officiis entnommen, o^ne feine 
GucDe ju nennen. 9?un ift ja loabr, t)a% ^erborb nid^t nur 
^ier, fonbem überhaupt nirgenbs feine Ouellcn angiebt. ^ij toill 
baä getoiß nid^t loben , aber i^n beg^alb beg 35iebfta^Ig ju be^ 
gichtigen, ift bod^ tt?o^I ettoaS ^art. Ober loarum n^irb l^erborb 
aQcin benn mit fo f^arfcm äRaße gemeffen? ©inb benn nid^t 
aud^ bie Äapitel 16 unb 17 im erften 93ud)e SboS faft ganj 
loortßd^ aus bem catalogus abbatum St. Michaelis abgefd^rie- 
btjt, o^ne baß bie QueBe genannt ift? ^at nid|t (Sbo aud| ben 
^cflinger benu^t, ol^ne i^n gu nennen? SBag l^at benn Sbo 
bamit begangen? S)er gange Untcrfdueb jmifd^en 6bo unb ^er* 
borb ift nur ber, baß jener meiftenö feine Ouefien angiebt, biefer 
niemals. @d lommt boc^ barauf an , toaS f c^Iimmer ift , gumal 

» €bo III, 26. 

' (Sbo III, 1: de Becundo ejus apostolatu in Pomerania, sicut 
fidelifl cooperator ipsius Udalricus presbiter Sancti Egidi mihi innotuit, 
scripto tradere curavi. 

» a. a. D. ©. 700. 

10* 



148 ae. Sicfcner, 

anä) f)\tx gu ®unftcn ^erborb^ nod^ immer bic poettfd^c ^otm, 
bie er feiner gangen ©arfteüung gegeben, in^ ®ett?i(^t faßt. 

SÜein bie gen^ic^tigften Änflagegrünbe f)at 3flff6 btö giilc|t 
aufgefpart. (Sr nennt ^erborb gerabegu einen SJerä^ter ber ^afjX' 
^eit*. Qum Söetoeife bafür bringt er golgenbeö: 

aSir Ijaben bie guüerfäffigften ^ülfSmittel, fagt Saff6, um 
un§ ein MareS öilb gu mo^en üon bem Antritte be« SBigt^umö 
bur^ Otto, fon^eit ba§ 9}erI|ä(tniiS gum ftaifer unb ^apft hierbei 
in öetra^t fommt. 8(u§ Sffe^arbä ß^ronif 1102 »iffen totr, 
ba§ Dtto ba^ Samberger Si^tl^um im 3a^re 1102 üon ßcins 
ri^ IV. empfangen l^at- unb oon bemfelben mit Siing unb §tob 
belehnt ift'. fiange gögerte Dtto inbeffen mejen ber Uneinigfeit 
gtüifc^en ^aifer unb 5ßapft, fi^ bie ßonfecration gu öerf c^aff en *. 
2)a8 gute SBer^ältniS gmifc^en bem Äaifer unb Otto erlitt aber 
in !einer SBeife baburd^ Slbbruc^. IBielme^r ftanb Otto and) naä) 
bem gebruar beg 3a^re§ 1105 bei bem Äaifer nod^ in einem fo 
^o^en Änfel^n unb n?ar foioeit baüon entfernt, fic^ ©etpiffenj^be- 
beuten barüber gu mad^en, ia^ er fein öist^um au^ ben ^änben 
beÄ ^aifer« empfangen, bafe er fein SBebenfen trug, fiaifer ^ein- 
rid^ gu üeranlaffen , bem @rIongu^ ba^ S3i^t^um äBürgburg gu 
üerleii^en*. 3a nod^ im Stuguft 1105 ttjurbe Otto üon bem 
Äaifer unter feine beften Oetreuen gejault ^. S)ann erft fiel Otto 
öon ßeinrid^ ab unb ging gu beffen <öo^ne über, erbat bie ®nabe 
beg $apfteö ^ßafd^alis II. unb berid^tete an benfelben über feine 
ßonfecration. 3)er ^apft autioortete gütig unb üertoiei^ Otto 
toegen feiner Sonfecration an ben ©rgbif^of Siut^arb, Otto aber 
bat ben ^apft um bie @nabe t?on i^m felbft confecrirt gu n^erbcn 
unb gog im 3a^re 1106 na^ 3talien, n?o er am lo. SRai in 
Slnagni bie SBei^e empfing. 

©0 ttjar alfo nac^ ben guöerläffigften S^i^flnUf^« ^^ ^^i* 
fäd^Iic^e ^ergang. SBad ^at nun aber ^erborb baraud gemad^t? 
Sr lügt, faat 3aff6 , ia^ Otto bie 3ni}eftitur unqem öom Äaifer 
empfanaen i)abe, unb bag er be^^alb gleid^ im «Anfang ®ott ae* 
lobt J^aoe, er toerbe niemals im Siötfium bleiben, menn er nid^t Die 
6onfecration unb 3nüeftitur üon apoftolifd^er ^anb erlangen toerbc. 
Um Otto gu entfc^ulbigen , bafe er bennod) bie 3nöejntur Dom 
Äaifer angenommen ^abe, erbietet er ba^ SWärc^en, ba^ berfelbe 
f(6on gtoei SiSt^ümer üorl^er auSgeftftla^en f)dbe, inbem er ge^ 
ba^t f)dbe, gum britten Mai toerbe i^m etn 83iiSt^um o^ne @otte8 

^ Q. a. O. : quanta yeri contemtio in Herbordo fuerit. 

> Mon. Germ. SS. VI, 224. 

• ®bo I, 8. * (Sbo 1, 9. 

> @tIongu§ felbft fd^teibt an Otto (3affd V, @. 229) : ad id honoris 
gratia Dei et vestri perreni, quod feliciter electus sum Wirseburgensis 
sedis episcopus. 

' 3aff^ ^' ci- O. @. 233; ^ciniid^ fd^tetBt an Otto: tibi, sicut op- 
timo fideli rogando mandämus. 



Sm 9{(d^tfetitQttng ^rBorbd beS IBtogta^jl^n CiM bon SamBetg. 149 

SBiOen ' nid^t angeboten toerben. St lügt metter , bag Otto n^e- 
niQe Xage nac^ antritt feinet iSidt^umd ®efanbte naSf 9iom ge- 
fd^icft ^af>t\ unb fertigt ju biedern gtotd jtoei falfc^e ©riefe an*. 

3n ber2:^t, fc^merere 9}orn?ärfe fann man einem ®efci^i(^tiS<: 
f^retber n70^( faum machen. $at 3affä in biefem Sinen fünfte 
ffttdfi, Jo ift jeber Serfud^ gar S^renrcttung ^erborb« umfonft. 

Sber toaf^ f)at benn Sa^f^- eigentlidb ben^iefen? ^erborbS 
Serbrec^en fott fein, ba% er Otto t?on Anfang an ®etoiffen8be* 
benten gegen bie ünna^me be& fBi^iljum^ qM ben jpänben bed 
ftaiferd jufcbreibt. aber toa^ fprid|t benn üon ben üon Saffd 
onaefu^rten 4)aten toirflic^ Biergegen? S)ai^ ift ja freilicfi eine 
unbepreitbare J^atfac^e, ba§ Otto erft 1105 offen mit bem Äaifer 
gebrochen, aber baraud folgt bod^ noc^ leinedmegS, ba§ er 
triebt fd^on t^or^er, ja üon anfang an @emiffendbebenten n>egen 
ber annal^me bed 93iiSt^umi$ a\i^ ben $änben oed gebannten ^aU 
ferS gehabt l^abe. 

3)te tt^eiteren Sen^eife aber, n^elc^e 3aff6 bafär beizubringen 
fuc^t, bag Otto Dörfer n^irflic^ {einerlei ©emiffeni^bebenlen ael^abt, 
fonbem treu unb toon ganjem ßergen üielme^r gum Jtaifer ge^ 
ftanben ifabe, fdnnen bod^ toirfli^ ald burcbfc^Iagenb nic^t aner^ 
fannt merben. 9Senn nämlic^ Saff^ baraud, baß ^einric^ IV. 
auf Ottos (Betreiben bem Sriongud bai^ Sidtl^um SSflrxburg^ toer^ 
Ke^, ben ©c^Iufe «e^t, bag ber Samberger Si[d^of bei oem Saifer 
ald einer ber Seften unter feinen ©etreuen im ^öAften anfe^n 
geftanben ^aben mfiffe, fo fann man aM jener Si^atfai^e ood^ 
aud^ gang anbere ©c^Iüffe gießen, ftaifer ^einrid^ felbft fprid^t 
ed in einem (Briefe an Otto ani, bag er je^t Dielen ettt7ad gu 
SBiOen tbun muffe, um fie in ber Irene gegen fi^ gu bef eftigen *. 
find) bie beiben oon 3aff6 angegogenen fflriefe ^einrid^ii Iv. an 
Otto^, koeld^e in ben äuguft 1105 fallen, fann id^ leinedmegd 
ald 3^9niffe ffir bad ungefc^n?äc^te SJertrauen bei» ßaiferd gu 
ber unn^anbelbaren Xreue bed (Bifd^ofS anfe^en. SBielme^r enegen 
fd^on bie überfliegenben SBerfid^erwngen feine« JBertrauen« gu 
feinem dilecto et certo fideli . . . . , optimo fideli einigen ^tx^ 
haä)t, bag ber jlaifer fic^ beS iBifd^ofi» nic^t me^r xtd)t ft^er 
toar. SebenfaÜÄ fpric^t fid^ aber in bem gtoeiten Sriefe fd^on 
beutlid^ bie Sorge um Otto« Suüerläffigfeit a\i^^, SBalb genug 
jling bcrfelbe \a and) offen gu §einridb V. über. SBie l^ätte fiq 
ein f old^er @d^ritt nid^t Ifingft aud^ in oer @tiQe anbal^nen f oDen ! 

> ^B. I, 39. Ibid^ ^Meft. I, 5 Betid^tet gana baflelBe. 
» 0. 0. O. • I, 40. 

* 3affä a. a. C. 6. 233 : animadTertens , quod modo dos prae- 
■ens perieulnm compellit, maltos snpplicare et, eoram volantatem 
fiEbciendo, ipsos in nostra fidelitate confirmare. 

» Cod. Udalr. bd 3affö a. a. O. 9h:. 121 unb 122. 

* 3n biefem Sriefe fel^lt fd^on in bet 9[ntebe baS <siio dilecto et certo 
fideir. — 3n bem erflen ber beiben SBttefe l^tte ^einrid^ ben SBifd^of Cito 
gebeten, mit Zxupptn gu il^m nad^ 2ßürabttT^ gu fommen, um boü belagerte 



150 goß. mitUntx, 

Slber and) jugcgebcn, baB Otto bx^ iwm Ie|tcn äKoment oor fci= 
nem offenen abfaß äußeriid^ mcnigftcn^ jum ftaifcr gehalten imb 
blefer ju feinem SBifcf)of bis ju(efet ein untoanbelbore« Vertrauen 
behalten l^abe, toa^ bereift bieg ge^en bie (Setoiffenöbebenlen 
Dttog, üon benen §erborb allein benotet? Snblic^ ober fonn 
and) barin , bag Dtto bem ®rIongu2 nod^ im 3a^re 1105 ju 
einem SiSt^um üom Saifer üer^ilft, fo toenig ein JBetoeiö gefun* 
ben »erben, ba% berfelbe feinerlei innere ©mipel babci gehabt 
l^abe, afö in ber Annahme beg eigenen SiW^um« au8 ber $anb 
^einrid^iS. S)ie ^ird^enämter n^aren eben bamatö nid^t anberS ^u er« 
langen. 2)ie inneren Sebenfen mußten politifd^en Sßüdfic^ten totxä)en. 
dagegen fe^It eg nun aber feine8tt)eg§ an pofitiöen S)aten, 
njeldie ben Jöeric^t |)erborbi^ über Otto« SJer^alten toon feiner 
aSa^I jum öifd^of big ju feiner ßonfecration burc^aug beftätigen. 
Sunäd^ft fpridit Otto felbft aufg ftärffte feine ©etoiffenSnot^ 
in Setreff feiner Drbination aug in einem JBriefe an ben $a)7ft 
5ßafc^ali8 IL '. ^reilid^ ift biefer »rief erft nad^ Otto« Sruc^ 
mit bem Äaifer gefc^rieben, aber fold^e SBebenfen toerben bemfelben 
bod^ nid^t über 9lad^t gefommen fein. Ueberbie« ift eÄ ja aber 
eine notorifc^e S^atfad^e, bafe Dtto feine Sonfecration üier Sa^re 
lang üerjögert ^at. 3)ie ®rünbe bafür lagen in bem Streite 
jmifc^en Äaifer unb ^apft. Son bem (enteren fic^ orbiniren ju 
laffen, burfteDtto nid^t magen, meil er mit bemÄaifer noc^ nid^t 
bred)en fonnte. SBegfialb aber liefe er fid^ nic^t üon einem faifer- 
lic^ gefinnten 93if(^of tt?ei^en? S)ie ®rünbe bafür fönnen boc^ 
nur innere Oen^iffengbebenfen gemefen fein. (SnWid^ aber finbct 
|)erborb feine Doße Seftätigung an ®bo. 3)iefer berietet näm* 
lid^ über Otto, afö berfelbe nad^ 9lom jur Drbination gegangen 
toax, mit f olgenben äBorten ^ : genibus domini papae advolatos, 
curam pastoralem humiliter ei resignavit; se indignam et 
nullatenus tanto operi aptum esse, lacrimosis singultibas 
vociferans. Verebatur enim aliquantulo symoniacae hereseos 
umbra se respersum, quia tanto tempore in curte regia fideli 
ministerio desudaverat, ne forte imperator pro mercede ejus- 
dem servicii pontificatus eum infula sublimasset, ideoque non 

TOmBcrg au eiitfc^en. ^ieS toot ober nici^t gcfd^c^en, öielmc^r l^atte Otto bem 
Aaifet melbcn laffen , ha% et oft butd^ (S^efanbtjd^aften feinet Sol^neS belfiftigi 
toexbe. "S^dfjtx fd^tieb ber Sta\\n no^ einmal an benfelbcn. @r t^id^t in 
btefem jtoetten Briefe atoac aud^ baS SSerttauen au Ctto aud, bag berfelbe 
immer treu au if)m "galten toexbe , aber toie beforgt et bed^alb toat , bad gi^bt 
et beutlid^ babutdd 3" ctfenncn, bag et i^n etmal^nt, et möge fid6 butd^ aOe 
äJetfolgunflcn bct gfcinbe nid^t fc^teÄn laffen , fonbetn ßetoifi fein , ba| et i^n 
nic^t Detlaffcn toetbe, aud^ mdge et nut ^4)etttauen au &oii l^ben. 

^ Cod. üdalr. bei S^f\6 a. a. €. 9h. 25: non par^ae nos torqnent 
angustiae pro ordinationis nostrae assecutione. Proinde dnbius et an- 
xius et fluciihus curaram naufrago Bitnillimus cani principe apostolo- 
rum, cujus viceni tenes, ad te clamo: Domine, salva me. 

» &)0 l, 11. 



sine animae pericnlo hajas sacerdocii dignitate fangeretnr. 
Söff^* ^ot ju btcfer ©teuc nur bie Semcrfung: Id quomodo- 
cumqne se habuit, certum est, Ottonem eo ivisse non epi- 
scopatus abdicandi sed consecrationis obtinendae causa. Stber 
mit einer folc^en Siebendart ift bie nadte 3^a\^ad)e, meiere @6o 
berichtet , bo(^ nid^t au8 ber SBctt gtfd^afft. ^«atüriid^ ift Dtto 
nai) 9lom gegangen, um bie Sonfecration Dom Sßap\te gu erlan- 
aen. Sber er l^at üorl^er fein lange genug belafteted ®en)t|fen 
frei gemad^t, inbent er bai S3idt^um in bie ^nbe beffen jurücf« 
\af>, üon bem allein er eS ^ätte annehmen bfirfen. ©o erfc^eint 
Serborb benn burc^ Sbo oollftänbig gerechtfertigt, toäl^renb ber- 
^e anbererfeitd mit ben fonftigen öerbfirgten ^feac^rid^tcn burd^^ 
av& vxd)t im SBiberfpruc^ fte^t. 

Ate Ifignerifd^e ®efc^ic^t«fä(fd^ung bejci^net 3aff6' ferner 
ben Seric^t fierborb« über baS Seben unb bie SBcrl^eirat^ung ber 
Subita, ber ©d^iuefter beS Äaifer« |)cinric^ *. ®r begrünbet biefen 
Sortourf bamit, bag ^erborb ftc^ in biefer SDarfteQung mit 
fremben Gebern gefc^müdt ffait. (Sin^arb nämlic^ erjä^ß in 
feiner vita Caroli Magni Eo^). 19, Sari l^abe feine Jöd^ter 
nic^t üer^eirat^et, unb fügt bann ^inju: Ac propter hoc, licet 
alias felix, adversae fortanae malignitatem expertus est. 
S)iefe SBorte nun l^abe §crborb auf folgenbe SBeife auf bie eine 
©{^loefter ^einrid^S jurec§tgeftu|t*: In qua ille saepius, licet 
alias felis, fortunae infelicitatem expertus. 

9lun ^at ^erborb aber biei^ Sitat aud (Sin^arb tuörttid^ oon 
bcm ^rieflinger abgefc^rieben , tt)ie bereite oben nac^getoiefen ift. 
a)er gange lÖortourf 9aff6«, fotoeit er begrünbet ift, trifft alfo 
xAdft unferen §erborb, fonbcrn ben ?ßrieflinger. 

©0 bürfen benn aud^ biefe legten unb fd6tt?erften Auflagen 
3aff^ gegen ^erborb atö unbegrünbet }urüagen7tefen n^erben. 
Sd liegt in feiner SBeife ein ®runb üor, bie SBa^r^eitdliebe unb 
3uüerläffiafeit beffelben ju bejtoeifeln. S)er fc^mer bcfc^ulbigte 
Autor giebt uns nic^t bloß in bem SBertc^te über Dtto üon Sam= 
berg, fonbem aud^ bei ber ©arfteßung ber femer ablicgenbcn 
(Sreigniffe üielfac^ 93etoeife feiner Ireue. 3^ erinnere ^ier nur 
on feine Angaben über bie SRuffif c^e ©emal^Iin SBoIeöIao« *. Äudö 
ben beiben anberen 85iogra))^en Dttoi^, bem 6bo unb ^ricflinger 
Derbanfen n^tr ja mand^e n^idbtige Stac^ri^ten. Sber bie oei 
SSeitem »ert^üoQfte OueDe ift ber S)iaIog bed ^erborb. 

* 3affä a. a. O. ©. 702. 

' a. a. O. S. 703: Nee libidinosam Jaditae vitam nee mercato- 
riam illam imperatoris astutiam ex mendace Herbordi ore reoeperim. 

* &nh. III, 33. 

* Qnae rerba Herbodus condimenti angendi causa ad unam Qein- 
rici Bororem hoc modo accommodavit. 

■ ^fbtptU, (S^d^id^te ^olend I, 6. 230 9bte 3. 



152 SBÖ. gOöicfctte«, Su« ^led^tfertigung ^rbotb§ bc§ SBiograp^n Ottol Jc 



SQßemgficn§ einen ^nft, ben i). 3^^^^^^ i" ^^^ o'^n angefül^tten ^ 
I^anblung l^erbotgel^oBen "^ai, toiU id^ l^iei noi^ttdgüd^ etto&l^nen. „Untei: 
btürft l^t er nömcntlid§\ fo erfal^ren toit (©. 316), „ba§ üble Set^dlt 
nt§ atotfd^en Otto unb 9lo¥bert, bon bem feine beiben Duellen melbeten, 
fetnet ben Flamen be3 (Strafen Don Bul^haä) in bei l^efd()teibung ton €tto§ 
3nt)ePut, enblid^ bie polttifd^e ^bfid^t ber ©efanbtfd^aft bed Säten'. äBenn 
man einem ^utor fold^e ^[^ortoüTfe mod^t, mägte man bod^ toenigflend bie 
Tloti\)t auftoeifen , au§ benen eine fold^e ^anblung^toeife etnörlic^ loütbe. 
2Qßag l^atte ^exbotb benn für ein Sntcreffe on ben ©ad|en, bie er unterbrfirft 
l^aBen foQ? ^Ber id^ t)ermag bon ber Reibung einer poIitifd;en ^bfid^t Bei 
ber @(efanbtfd§aft ^IBred^td be§ Sdren, fo fe^r fie ja t^atföc^Iid^ tiorbanben 
getoefen fein mag, aud^ Bei @Bo (III, 10) nid^tS ^u entbeden. äBaS aber bie 
Bel^auptete Unterbrüdfung beS üBlen S3er!)öltniffe§ ^toifd^n Otto unb SlorBett 
Behifjt, fo ift bamit gerabe ein ^unft Berührt, toeld^er ben ßlftara!tet ^erBorb? 
und m bem l^eUften Sid^t erfdjcinen löfet. Ö^ä ift ja eine l^iftorifd^ imatoeifel« 
l^aft feftftel^enbe 21^atfa(^e, baß bie (Sluniaccnfer mit bem größten 9leib unb 
Bitterer ©el^äffigfcit auf bie Bclben aufftreBenben neuen Drben ber ^prömonfhos 
tenfer unb Siftercienfer Blidften, to&'^renb Bei il^nen ^ober unb Stobtengeru^ 
überaß l^ertorbrang. 9h(n Bringt @Bo, ber Sluniacenfer bon Bamberg, un3 
toon ^lorBert, bem großen Stifter beä 5^ämonfttatenferorben3 , tocld^er tot 
Äurjem auf ben ©tu^l beS ßrafliftcS 5DlagbeBurg Berufen toar, bie fiad^ritl^t, 

er ^aht and ^ferfud^t, ©d^am unb 9leib (aemulatio pudore actus 

invidia stimulantt» III , 3) Otto bon feinem SSor^aBen , nad^ ^ommem 3U 
gelfen , aurüdaul^alien gefud^t. ^erBorb melbet l^terbon nid^tS, toeil i^m bie 
CucHe, au§ toeld)er bicfe SÖerböd^tigungen gefloffen, 3U fd^mu^ig toar — bie 
Säftermäuler ber ^önd^e. Statt ba§ toirflid) ®roge in ben Staub ^u sieben, 
l)at er ben ftttlid^en SJlut^, bie Sd^öben in ben eigenen ^loftermauern aufjus 
beden unb ^u geigein. Sciber ift ja bie 9iad^rid^t (5Bod üBer ^lorBert bieljad^ 
geglauBt. SelBft SBinter, ber geniale S^^^^^^ bed l^errlid^en (S^arafterS euie^ 
ÜlorBert, lägt fte unBeanftanbct (3)ic ^rämonftra tenfer bcS norböftlid^en 
£eutfd^Ianb). 5Da inbeffen fonft nid^t§ ä^nlid^es aui bem SeBen SiorBcrtä U-- 
fannt tft, fo l^alte id^ bie ganje ^Rad^rid^t eben um i^eä Urf^)rung8 totHen unb 
toegen bed Sditoeigend be§ d^araftertoßen ^erborb für eine 9}erleumbung. @^ 
mag ja fein, bai !RorBert bk SReife Ottod nad^ Suticien nid^i gern gefel^n, ja 
bag er il^n babon ^urüdjuj^alten gefud^t. 5ia^n l^atte er aud^ ein guied 9led^i 
Seinem @raftift gel)örten biefe Sänber red^tlid^ an. ÜTIagbeburg toar bie üJliffion 
unter ben Slaöen auSbrüdtlid^ augetoicfen, unb 9iorBert toar ju bem S'^^ ^- 
rufen, biefe SWiffion 3U erfüllen. Seine großartigen jpiäne unb feine ou§5e= 
Setd^nete 2:]^ätigfeit ift ja aud^ aUBelannt. ^a fonnte e^ i^m aUerbingg ni^t 
gleid^gültig fein, toenn jefet ein fjrembcr in fein ©ebict einbrong. 60 l^ot er 
benn Otto getoig oud§ Bejlimmte ©renken für feine 2Birffamfeit gefegt , unb 

Otto refpectirt ba^ ((SBo III, 4 : Sed ipse (scilicet Otto) ad Nori- 

pertum archipraesnlem Buum eos dirigebat). S)aS toar aBer bodb nid^t 
&iferfud^t ober 9ieib. Siac8 , toaS ®bo 10 , 3 u. 4 ©e^äfftgcS üBcr 9brBert 
mclbet, toobon ßerBorb fein Sßort fyit , f)alic i^ einfach für ßrfinbungen , bie 
in ^Bamberg entftanben finb , toomit id^ aber feineStoegd ben @Bo ber Sügen« 
l^aftigleit ober S)erleumbung Befd^ulbigen toitt. Sie Unterfud^ungen über biefen 
^tor !^nen nod^ i^reS ^fd^IuffeS. 



Da« S3i«t^um ÜRerfeburg 
unter ben 6a4fif(^cn Äaifern. 



»Ott 



3. 0. ))|lu0k-4artttttt9. 



9iU dueOettntaterial beft^n toir für unferen (3(egettftanb : 
Urfunben uttb bie ^^a^rid^ten X^ietmard. Unter jenen fteqen ht 
erfter £tnie )7äk)ftUci^e ®t)\\ot>alxm , bie ald einfache ^Referate unb 
officiene ©c^riftftüdfe üon ^öd^ftem SBert^e finb. ©ie ©erlebte 
Z^ietmard em^eifen fic^ jtemltc^ auiSfü^rltc^, bod) tommt bei i^ntn 
in SSetrac^t, baß ber Autor ©ifc^of üon 992erfeburg toax, beffelben 
ä)2erfeburg, an beffen Suf^ebung ber am meiften ^erüortretenbe 
SKann unferer S)arfteflung, (Srjbijc^of ®tfeler, [xä) befonber» 
beteiligt jeigt. S)araui^ l^at fic^ bei bem el^rlic^en, bod^ in po^ 
littfd^en fingen etn^ad befd^ränften ©d^riftfteder eine augenf(^ein^ 
Uc^e Slbneigung l^eroorgebilbet: fon^eit er lann, berichtet er um 
qünftig über ©ifeler. $ier alfo ^at bie ^iftorifd^e ftritif einju^ 
f e|en ^ ; fie ^at bad , toa^ übet ®if eler Stadbt^eiligeiS gefolgt toirb^ 
üorfic^tig ju prüfen unb abjun^ägen, ^at fic^ in erfter Sinie an 
beffen X|aten }u galten, nic^t an ber ©eurt^eilung oerfelben, [a, 
fie barf ni^t einmal o^ne meitered alled annehmen, mad S^iet' 
mar ald k)on ®ifeler ^errü^renb berichtet, benn ®eg(aubted unb 
®ef^e^eneS ift eben nic^t immer baffelbe. 

5Rur »enigeS ift Äaifer Otto I. fo fd^toer getoorben, unb 
nid^t^ f)ai er fo be^arrlid^ unb magüotf Verfolgt, ate bie Srric^« 
tung bed (Srjbi^t^umS äRagbeburg. 3n 993il^eun k)on SRain) unb 

' S)te äBerle, in benen über unfeten ®e^enftanb mc^ ober toentger mh 
fü^xli^ gel^aitbelt toorben, finb ^a^lxtiäi, toix t>ntoti\tn auf: 91. SQkntet, S^o« 
rata bed f^oäfiSbl @ttfid ^agbebutg (^agbebuxs 1584) vh. 2; Senj^en, fi\pl. 
etiftds^ifiotte t)on ^agbebutg ((löt^ 1756) €. 24 ff.; ^offmann, Sefd^A^ 
bcT 6tabt aRagbebutg @. 30 ff. ; 9lteinann , (S^efd^td^te M botmali(|en mh 
t^umd ^alBerflabt 6. 77 ff.; SepftuS, Qk^xä^tt beS ^od^dfl. 9lattmButg G. Iff.; 
8. eiefebnd^t, aBenbifd^e ®efd^id^te I, @. 193 ff. 260. 304; II, €. 18 f.: 
98. ®tefebro$t, 3a]^bu4 bed beutfd^ Sletd^ unter Otto II S. 92 f.; SBils 
nun», 3fll^rbud^ unter Otto III. @. 104; J{5))fe»2)ümmler , l^aifer Otto ber 
^ofie e. 444 ff.; ^trfd^, ^ol^bud^ unter ^einrid^ IL, I, B, 274 ff.; SB. b. 
@(tefebreÄt, ©efd^td^te ber beutfd^n ftatferaett I, S. 561. 605. 700; II, ®. 37. 
38; to. Seutfd^, ^arfgraf ®ero S. 126; €. ^öfler, 2)te beutfd^ ^Apße I, 
@. 171; Gasmann, ^oUtif ber $&))fle II, 6. 121 ff.; ^ele, donctltengefd^. 
lY, S. 579. 599. 604. 623 ; Grosfeld , Archiepiscopatas Magdeb. orig. 
n. a. S^urd^toeg pflegt hai Urt^eil über (Sifeler, tm 9[nfd§Iuffe an 2:i^etmar, 
ungünfHg au fein. 1£>a% urfunblidbe Material ftnbet fidb: Leibniz, Ann. ünp. 
III; Sagittarias, in iSo^fen, SlOg. bift. Tiaq. I, e. 55 ff.; Cod. Sazon. 
Beg. I, 6. 1 ff. unb aud^ fonft nod^ t^etltoetfe tierfheut. 



156 3f. b. ^flugf'^attiung, 

Sern^arb Don ^alberftabt lebten i^m unüerfö^nltd^e (Segnet feines 
^lane«. 3ener tooHte feine ^rotoim, biefer feinen ©prengel nic^t 
üerHeinert miffen. ®rft aU beibe xm Raffte 968 ftarben, belam 
Otto freie $anb. 

5De8 Äaifer« urfprünglid^e Abfielt ging bal^in, ben ^alber^ 
ftäbtet JBifd^of^fife ate erjftu^I nai) äWogbeburg gu üerlegen. 
Unb in ber %f)at , ^iemit toäre ßerüorrogenbeÄ geft^affen : ein 
größerer ergbifd^öflid^er ©prengel, Deffen MettopoU, günftig ge^ 
legen, fd^on Iroft i^rer ßage eine gebei^Iid^e ©nttoiäelung öer^ 
l&ieB. 3)0^ bieS ^otte fid^ nid^t burd^fefeeh laffen. SRunme^r 
toäre für SWagbeburg anf Soften toon 9?ad^barbi8t^fimem ein je^ 
nügenber Sprenget jn fd^affen getoefen, ettoa, toie e« fpäter $ein^ 
rid^ n. mit Bamberg ben ©ttftern SBürjburg nnb (Sic^ftätt ge- 
genüber geljalten f)at Damit ober mürben enblofe SBeitetungcn 
ongeregt unb ein fragliche« ©rgebniß in Äuöfic^t gefteUt fein. 
SRagbeburg felber lag im ^alberftäbter ®ebiet , auf oer anberen 
©eite ber ©Ibe gehörte baö fianb jum JBii^tl^ume SBranbenburg, 
loelc^eö bamalö noc^ mangelhaft fonfolibirt unb nad^ Dften ^m 
nid^t fidler abgegrenzt toar, fo baß eine größere Abtretung gerabe 
üon feinem eigentlid^en ftulturboben nad^t^eilig ^ätte toirfen muffen. 

"Jüann blieb aü (e^te ÜRöglid^feit : SD^agbeburg auf Soften 
eine» einjelnen SiSt^umö gu ergeben, bai^ nur §alberftabt fein 
tonnte , auf beffen ®runb unb JBoben eben ÜRaaeburg lag , unb 
baö aud^ groß unb reidb genug tt?ar, um eine ©ebietöüerminberung 
gefaljrlo« gu ertragen, ä^mmerl^in ließ fid^ ßalberftabt fo wenig toie 
möglid^ gu ®unften eine» riüalifirenben ©rgpu^Iei^ abpreffen, unb ba 
bas ^iemit gewonnene Sanb für eine äWctropoIe be« Dften« nit^t 
genügte, fo mußte fie bnxi) bisher unüert^eilte flaüifc^e fianbftrecfen 
möglic^ft vergrößert toerben. S)ie eingige aiid|tung, in ber biei^ gcf c^c* 
l^en lonnte, toax gegen ©üboften, naq SD^erfeburg unb SReißen gu. 

Unb and) f)ittJ)xn toav ber SBeg nic^t mepr offen. SRerfe* 
bürg gegenüber ^atte ber Äaifer fic^ i^n baburd^ »erlegt, baß er 
auf bem fiec^felbe in ©d^Iad^tennot^ gelobt ^atte, ben Ort jum 
öi^t^ume gu machen (S^ietmar H, Sap. 4; 3aff6, SReg. 3690 (2832). 
Sr fd^eint beg^atb oeabfi^tigt gu ^aben, neben SlRagbeburg nur 
SJterfeburg gu errichten, uno bereu Sprengel, gumal ben beS 
®rgbi8t^um§ gegen SKeißen, gu ern?eitem. Sloß toon jenen beiben 
^oc^ftiften toar gunäd^ft bie SRebe. 3)oc^ bann brängten fic^ an* 
bere Srn^ägungen üor, am meiften h^ol^l bie, baß man ben gangen 
oberen Sauf oer ®Ibe nic^t preisgeben bürfe, fonbern bort fiebere 
firc^Iid^ * friegerifc^e ©tüfepunfte nötl^ig l^abe, toofür fic^ naturge^ 
maß SRcißeu in erfter fiinie barbot unb in gtt^eiter baS eine 
Sö^rtooc^e fpäter errid^tete ^ag. . Auf biefe SEBeife toar bie ganje 
®Ibe bis Hamburg l^inab, b. I&. gugleid^ bie Dftgrenge, in gemef^^ 
f enen gtoipenräumen mit ©iStl^ümem befe|t, in gerabegu genialer 
SBeife ©tüfepunfte für ©ert^eibigung unb Angriff gefc^affcn, Ie|terer 
giemlid^ gteid^bebeutenb mit (S^riftianifirung unb ©ermanifirung. 



£ad ^iii^um V^nfebuig unter ben 6Ad^fif4en Aaifctn. 157 

^o6f MefeS ©^ftem ^atte feine ©c^tuäc^e, unb jkpar 6e* 
arfitibet tn ber gleid^jeittgen (Srric^tung üon äRagbeburg unb 
äRerfeburg- tuoUte man beiben einen @prengel juert^eilen, fo 
tomtten beibe nur flein fein, unb 9J2agbebura toax otebann mdf 
ben Slaoenlanben ju umgrenjt unb abgefc^Ioften. 

Sd fc^eint und gang Rar ju liegen , ba| Sieligion unb Stei- 
gung nic^t mit ber $o(itiI äbereinftimmten. SJon ben gu errief« 
tenben Sidt^ümem mar äReigen entfc^ieben bad not^menbigfte, cd 
mied mit ber gront gegen Dften unb ©üben, gegen ^olen unb 
ä3d^men, unb ed barf bed^alb in S^age gejogen werben, ob ed 
nid^t einen gänftiger gelegenen Srjftu^I abgegeben l^ätte aliS 
äRogbeburQ; Die C^lblage ^ätte bem Orte, ä^nlid^ n^ie bie 9Rag« 
beburgd, bte Sorbebingungen ju gemerblid^er unb ^anbete'@ntn)icf e« 
lung geboten. SQen jenen üielgemunbenen äSeiterungen mit SV^ainj 
unb ^alberftabt märe man entaangen. 9Bie bie ®ränbung oon 
Steigen fo ift au(b bie üon ^ei^ politifd^en Srtoäaungen ent- 
fprungen, auc^ biefer Sprengel mied mit feiner ä^^iffiondt^ätig- 
feit auf Sö^men. ©anj anberd ÜRerfebura, ha^ jmifc^en Qexii 
unb äReigen eingeengt feine bifcböflic^e äBfirbe bem ©elfibbe einer 
geSngftigten @eele Derbanfte. unb audb bie Srbebuna SRagbe^ 
burgS ge^t auf birecte Sorliebe beö Saiferd für ben Crt jurürf, 
toobei natürlich fad^Iic^e ®rünbe nid^t audgefc^Ioffen finb. Sieben« 
falld lag SJranbenburg quer oor ber SVtiffiondt^ätigfeit S)7agbe« 
burgd im Often. 

2)o(^ bie@i^e maren audgemä^U, man mu^tefic^ einrichten, 
^olberftabt gab ju fünften SD^agbeburgd einen äanbftrid^ tängd 
ber @Ibe l^er, üon ber O^re im 9{orben bid jur Sobe im ©üben 
reic^enb. äBeniger fidler, mürbe bie ©renje im äBeften gebogen 
(Soijfen I, ©. 117. 200). 5)aju fam bann nod^ ©laoenlanb 
jtmfd^en @aa(e unb SIbe, über beffen Umfang mir leiber nic^t 

?tcnfigenb unterrid&tet finb. 3)ie (Srenjen gegen SRerfeburg er* 
a^ren mir am beften au^ X^ietmar III, dap. 9, mo er üon ber 
Sert^eitung bed iü^erfeburger ©prengeld rebet; bemnac^ gehörten 
äBurgen, @ilenburg, 2)üben unb $ou(^ noc^ gu äRerfeburg, lauter 
Drtfd^aften bie re^td toon ber 9RuIbe liefen. SDa fie natürlid^ 
auc^ @ebiet befagen, fo bleibt ald @rgebntg: bag fid^ ber SJ^erfe« 
burger ©prengel löngd berSKuIbe erftredte, bid etma t)ier2ReiIen 
i7or beren SRünbung in bie @Ibe , bod^ fo , bag bad fianb auf 
bem rechten SRulbeufer nod^ eine ©tretfe meit baju gel^örte. An 
bod benachbarte ä^^a^beburg mar mithin übermiefen: ber &an 
©erimunt unb Slub^tce, ber ®au 5ReIetice ganj ober in feiner 

nSrblid^en ^fte, unb ein X^eU bed ®aued ^hgigi linf d ber @lbe \ 

• 

> UtUx bte SlbQtenaung M JRaqbtfmxqin ©ptengeU gtebt ed eine eigene 
XbVinbluna ton SBintei, in ben ÜRagbebuxger @efd^id^töbI&tteYn X, ®. 1 ff., 
ber iebo<i() ben 9(uftTag Cttod I. (@. 2} jn fd^arf auf^i^t; nad^ unferem 2)0* 
fntl^Iten batf man ntd^t t)on iipn au^gel^n, fonbern mug ed tl^un, Ipie e9 



158 3. t), $fIuQ(»^aTttung, 

@iS tft bai Zavb jtptfci^ett ®aak unb ®6e ungefähr btö ^aQe 
unb SSittenberg. ^ad ^ei|t alfo, ber ©prengel üon äßagbeburg 
tuar fe^r Kein au^gef aDen , tDoju noc^ tarn , bog er jum guten 
X^eite aud mangelhaft luItiDirtem @laüenlanbe beftanb. ä)?it ben 
übrigen ©prengeln ^eutfd^Ianbd Derglic^en gehört ber äRagbe^ 
burger ju ben aUerlleinften , ja bebenrt man ba^ alte ^ulturlanb 
ber beiben fleinen 2)iöcefen SBormS unb äSerbun, unb bie reicbe 
^Jruditbarfeit unb günftige Sage berer oon ßübecf -Slbenburg, fo 
ift ber äßagbeburger neben bem ä)2erfeburger @^rengel jiemlic^ 
ber unbebeutenbfte üon aflen gettjefen. Unb bag toar bie aJietro^ 
pole, toeld^e fein [oClte tt?ie ein ä^eiteö Sonftantinopd , totldf^ 
]Suf gaben ju löfen ^atte, bie ungen^ö^nlic^e ^a\U unb fDlad)U 
mittel erforberten. SirAIid^e SRec^te unb reicher ®runbbefi| 
glichen bie mangelhafte ^iöcefe jn^ar in etn^ad aM, fonnten je- 
ioä) unmöglich genügen. 

^ud) ber äl^erfeburger ©prengel n^ar nur Kein, l^ötte aber 
für ba^ Jöii^t^um genügt, boc^ fam ^ier ein anbereö in JBetrac^t : 
aRerfeburg U^urbe o^ne officielle (^inlvilligung unb S^erbriefung 
beS §alberftäbter JBifc^of^ auf einem Territorium errichtet, bag er 
ju feiner 3)iöcefe gehörig anfa^. Qtoax naä) J^ietmar II, 14, 
ift alleg trefflich t?on ftatten gegangen , JBifcbof |iilbettjarb tritt 
banad^ einen X^eil feinet ®ebieted an ben ^aifer ab, ber bann 
auf bemfelben ben neuen 93ifc^of2ftu^l errichtet. Änber2 aber 
K^erl^ält fic^ bie Sachlage in bem ^rotofo0e ber feierlid^en römi- 
f^en ©^nobe öom Saläre 981 (3aff6, SReg. ©. 482; Soffen 198 
üergl. 194), tt?o eg l^eifet, ba§ Dtto I. in urbe quadam Mersi- 
burch dicta, quae sita est in dioecesi Halberstadensis ec- 
clesiae, sedem episcopalem sine consensu atque subscriptione 
canonica Hildewardi constitoisse , magnamque partem pa- 
rochiae suae eidem ecciesiae assignasse contraque jus et 
fas episcopum ordinasse. ^aft fönnte man nac^ biefen audein- 
anber ge^enben fflerid^ten geneigt fein ju meinen, ba§ ^ilbetoarb 
üor feiner (Srj^ebung jum SBif^ofe 3"9cftänbnif)e gemacht ^attc, 
bur^ bie er fid^ fpäter lanonifq nic^t gebunben erachtete, tt^ed^ 
^alb er auc^ feine canonica subscriptio Derfagte, n^enngleid^ er 
ben X^atfad^en, bem SBillen üon ^aifer unb $a)}ft gegenüber, 
nichts au§3urid^ten t^ermod^te. Sn bem ©^nobale bei^ "Staiom- 
nater Äonjite ftimmte Sifd^of ^ilbetoarb in ©egenttjart feine« 
äRainjer ä){etropoIiten ber @rric^tung üon SRagbeburg bei, tDorauf 
befc^Ioffen tt?urbe, bafe er bem ©tifte einen I^eil feine« Gebiete« 
abträte, bafür aber afö ©e^enleiftung einen ge^nt erhielt, ber bi8 
ba^in Sßagbeburgifd^ed (Sigent^um gen^efen. 2)iefer 3^nt im 
^affogau umfaßte großen S^eite jene ©ebietiSftretfe, bie^Ubemarb 

oben gef^l^n ifi Ungenau btücit fid^ kümmln, Otto I. 6. 452, auh. ®an^ 
unbtoud^Bat ftnb bie fird)lid}cn harten Bpxumx^, in bct erften Auflage ifl bcT 
SRagbcbutgex ©ptengel au (lein, in bct jtoeiten ju grog angegeben. 



fad Sidtl^um ^erfeburg unftt ben SAd^fd^n Atttfrtn. 159 

naif Xl^iebnar an Otto fär bie 9ßerfe6urger ftirc^e äberlaffen 
6atte ; ba nun mit bem ^dmt in ben ((aoifc^en ©eaenben Dielerlei 
iufammenl^ing, fo mar f^ierburc^ jtpifc^en ßalberftabt unb SRerfe^ 
bürg überrei^Ii^ @toff ju Steibereien gegeben. 3)ie S3e^auptitng, 
bag ^ilbeföarb ber Sr^ebung SJ^erfeburgd nic^t jugeftimmt ^abe, 
lann taum ganj aud ber Suft geariffen fein, unb in ber Zffat, 
mä^renb er bie ©rfinbungi^afte iu^agbeburgd unterfc^rieben Ijat 
(Soffen 118^, tt>Q^renb tt^ir aiiä) fonft nod^ üon taiferlic^er unb 
päpjUic^er ©eite beffen ä^f^iw^w^^^fl erfahren TM. G. LL. II, 
©. 561 ; Sotjfen I, 138), Ueat un« m betreff SWerfeburg« nic^tö 
berartiaed k^or. Sluf ber Urrunbe ipattod Don äßaiuj toegen ber 
gemeinfamen Srrid^tung Don 9)2agbeburg unb SRerfeburg (i^o^feu 
I, 141) fe^lt ber 9?ame be« ^alberftäbter^ unter ben juftim* 
menben Beugen, felbft X^ietmar fagt nic^td Don SintoiOiguug, 
f onbcrn nur Don ber ®ebietöabtretung an ben Äaifer. ©oDiel {eben^^ 
faDd bärfte an^ ndebem ^erDorgel^en , bog bei ber Srric^tung 
SRerfeburgd nic^t jebed fo flar loar mie bei ber äßagbeburg^, 
t>a% man aber bie ©c^toierigfeiten umging, fomeit man fie nic^t 
)u löfen Dermod^te. ^ie @rünbung mirfte bemnac^ in jmei "äilä)* 
tunaen nad^t^eilig: 1) n^eil ber ^agbeburger Sprengel baburd^ 
ftari Derlleinert mürbe, unb 2) meiT enblofen SSkiterungen mit 
^Iberftabt I^ür unb I^or geöffnet maren, bie gerabe ^ler an 
ber ®renje be§ SReid^e«, bem geinbe gegenüber, befonber« md)^ 
t^eilig tPirfen fonnten. 

^ad ju erwarten mar, trat ein. ^alberftabt f)a^U bad em« 
t>orfommenbe ÜRagbeburg unb Dor aOem bad in feinen Stugen 
nic^t JU SRec^t befte^enbe iD?erfeburg. 93ödartige ©treitigfeiten 
entftanben, bie ^alberftäbter rauften fic^ mit ben äRagbeburgern 
unb SRerfeburgem blutig ^erum, ed lam ju Ttoxi unb Xobtf^Iag. 
©ifeler, ber Sifc^of Don SWerfeburg, fonnte Wagen, er befi^e fein 
8(mt me^r, koeil ber |)alberftöbter i^m bad feine genommen ^abe 
(JBoJjfen I, 199. 200; J^ietm. III, 8). 

Unter fold^en Umftänben fann e^ mi)t 993unber nehmen, 
ha% man eine Senberung ^erbeimünf^te ober gar für geboten 
erad^tete. 2)ie SDtöglic^teit, fie burd^juf ä^ren, trat ein, a(d Dtto I. 
geftorben mar unb burc^ Sbalbertd Xob bie Sl^agbeburger fiird}e 
Dermaifte. ©iefeler mürbe bei bem 9}organge bie (eitenbe $erfon : 
ein rühriger e^rgeijiger 3Wann, ber gerabe alg 83ifd;of Don ü)ier= 
feburg Gelegenheit gehabt' ^atte, alle bie UnjuträgUc^feiten fennen 
)u lernen, bie jmifd&en ben brei 9Jad)barftiftern beftanben. 

Unfer ^au^jtberid^terftatter ift junäd^ft J^ietmar, ber, mie 
mir fc^on früher fagten, ®ifeler nic^t gerecht mirb. Sr erjä^It: 
92ad^ Stbalbert^ Xob fei Don ®eiftlid}reit unb SBoIt einstimmig 
O^tric^ jum neuen Srjbif^ofe ^emä^It morben, obmoI;I ber Ser^ 
ftorbene nod^ bei feinen Sebjeiten erllärt ^atte, berfelbe merbe 
md)i jum $ontififate gelangen ; eine Srflärung , bie aemi^ auf 
guter ©ac^fenntnig beruhte. @ine äRagbeburger @efanbtf(^aft 



ging ab an Ctto IL , ber in Stalten tüciltc , um bcffcn Suftim= 
iiiung cutju^olcn. 3"iiärt)ft aber ücrtrauten fic i^r ©c^cimniß 
(secretum) bem ®ifeler, ber fic^ am faifcrlic^en §ofe auffielt 
unb baten i^n, für fte ju fpred^en. ßr jebod^ hinterging fie, in* 
bem er bic erjbifc^öflidje SBürbe üom ftaifer für p^ erbat unb 
crijielt. 2)ann machte er fid) baran, bie ®ro§en unb geiftli^cn 
9iid|ter ju befted;en, unb aU biee gefdjetjen, alleö vorbereitet tt?ar, 
wanbtc er fid) an ben 5ßapft, Der i^m ba§ ©rftrebte jufagte, 
n^enn ber gefammte $Hat^ (totius consilium senatus), ber ja üor- 
l^cr beftoc^en iporben, bamit einüerftanben fei. 

So liegt auf ber §anb , bag fo nidjt aUeö jugegangcu fein 
fanu: luäre bie SBa^I mirfiid) burd)an§ einftimmig gemefen, Weg* 
^alb ftedten fidj bie ®efanbten ba erft hinter ©ifeler unb gingen 
nic^t einfad) i(um Siaifer? 9(u^erbem, tuenn e^ eine officielle 8Jüt= 
fc^aft ber SJJaqbeburger tuar, tuaS braud)te bie bann für ein ©e* 
^eimniB ang i^rer 'Badjc jn mad)en? 

3iel)en tuir ein väpftIid)eÄ S^nobal I)erju, auf tpelc^eö bem- 
nädjft auöfü^rlid^er einjugel)en ift, fo fel)en anr, ba^ ©ö^ne ber 
SKagbeburger Sird)e, — alfo bod) offenbar Slb^efanbte — auf 
ber romifc^en Sijnobe üon 981 jugegen getoefen fmb, loeictic mit 
lauter Stimme üerfflnbeten, baß fie ©ifeler jum neuen @rjbifd)ofc 

\mlxi)li f)ätten (Cod. Dip. Sax. Reg. I, 1, ®. 266; SBotjfen 2()0). 

"ioßen tt)ir nid)t annel)men, ia^ biefe SJJagbeburger ©lieber ber 
D^tridE|fd)en ®efanbtfd)aft geioefen, \va^ lueber beridjtet nod^ Joofür 
ein @runb vorliegt, fo ^aben ioir etiüa§ \va^- ber gefammteu 
©ac^tagc unb ben t}erfd)iebenen Stimmungen burd)au§ entfpri^t; 
mir ^aben: ba§ in SOiagbeburg eine jtoiefpöltige 2Bat)l erfolgt ift, 
ba§ D^trid^ö ©egenfanbibat in ®ifeler ju fud)en , unb ba^ beibe 
Parteien nad) Italien fci^idten. 3a, luenn Jüir fet)en, toie ber 
^alberftäbter 93ifd)of, alfo fein SJiagbeburger, fonbern ein SJfainjer 
©uffragan, bei ber S3eifefeung SlbalbertS unb beg^alb gerni^ auc^ 
bei ber balb barauf erfolgten 9?eutt?al^l gugegen getoefen, fo liegt 
na^c, ebenfalls an Umtriebe unb Sinttjirfun^en feinerfeitg ju 
benfen, befto mel)r, fobalb fic^ ergiebt, n?ie fi^ bie 2)inge für 
i^n gerabe baburc^ günftig geftalteten, ba§ D^trid) nic^t jur erg« 
bifd)öflic^en SJBürbe gelangte ^ Unb nod) anbereö laffen Sljiet- 
mar« SKortc burd)bliden: alö ©ifeler jum fiaifer get)t, fällt er 
i^m JU j^n^en unb bittet, i^m in bem äWagbeburger ©tu^Ic 
*promissa et diu expectata longi laboris premia' ju geben. 68 

* £ennod^ bütfen toit nid^t getabeju amiel)men, ha% ^iVbttoaxh unb 
(&i\tUx unier einet 2^ecfe gefpielt ^abcn ; fotoo^l qu§ ^l^ietmat (xU auS bem 
@^nobale ge^i l^ett)ot, bag beibe ettoad Detfetnbet mit einonbet getoefen finb; 
tDoijL xetn fad^lti^e Sttoögiingen unb bet gemeinfame Sßoti^etl btängten fie in 
gleiche 9lid^tung, lieg fie Dietleid^t fogar getoiffermagen in Uebereinfiimmung 
qanbeln. S^ag ^ilbemarb toünfd^te, bet jtob ^balbettS toetbe ^ut 9(egulitung 
bet Dinge benu^t, etgiebt fid^ auä {einem ^tiefc, bet auf bet tömifd^cn S^nobe 
Detlefen koutbe (^o^fen 200). 



$Qg 9i§i(um Tltx^thmq unter ben S&ä^fx^m üatfern. 16 t 

ift offenbar, bag X^iettnor uitmüglic^ genau getougt ^aben fann, 
toQ^ in ber jebenfalljS geheimen iBef)}re$ung jtotfd^en ^aifer unb 
IBifc^of gerebet toorben. I^ietmar fombinirt l^ier ober über* 
liefert ®erüc^te; bvdi fc^on baraud gel^t ^erüor, bag oom Sr}- 
biSt^ume atö k7on promissa premia gebanbelt n^erben fonnte. 
3e|t oerfte^en n^ir auc^ S(balbertd üerfc^iebene Crafelf))räcl^e, 
e$ toai ni^t eben fc^mer t)oraudjufagen , 0^tri(^ n^erbe ni^t 
fein 9{ad^foIger merben , n^enn oiefe 9{ac^foIge fd^on @ifeler 
oerfprod^en toax, %viii Slbalbert loirb ©ifeler unb bie mit i^m 
in äudfic^t fte^enbe äJergrögerung bed 9}{agbeburger ©prengetö 
fc^toerli^ ungern }ugelaffen ^aben. @d fqeint befonberd noc^ 
barau^ ^crüorjuge^en, ba§ ein angefe^ener ©eiftlid^er mit 9?amen 
SBatt^arb fein »ertrauen genoß. 2:^ietmar« Seri^t (III, 8: 
Chron. Magdeb. c. 13, SS. XIV, 386), lägt burc^bliden , ba§ 
gerabe biefem bie ©efeitigung C^tric^s^ nic^t unlieb mar; fd^on toe* 
nige Saläre nac^ @if elerd Oie^ierung^antritt gelangte er jurSBärbe 
bed ^ompxop\M, er oertbetbiate bann feinen (Srjbifc^of unb bie 
bamit iufammenbängenbe 3(udbreitung bed SRagbeburaer @)?ren« 
getö Dor Äaifer Otto IL (I^ietm. IV, 28. 41) 'unb fte^t f»?äter 
nac^ ®ifeler§ lob ba ate üorne^mfter Vertreter beg üergröfeerten 
Sr^bidt^umd ^ S(u^ allen biefen !l^atfad^en ge^t ^erDor, ba§ 
^xctmax^ iBeric^t über bie 9}orgänge bei ber 3Ragbeburger SBa^I 
burd^aud einfeitig unb gefärbt ift. 

äBo^I nad^bem bie in i^ren planen einigen: 6)ifeler unb ber 
ftaifer bag Siöt^i^e vorbereitet Ratten, trat am 9. ©e<?tember 981 
in ber 93afUifa Jlonftantind eine römifc^e ^rot^iuAtalf^nobe * unter 
bem Sorfi^e ^apft Senebict^ VII. jufammen. unter ben öorge^ 
nommenen 2)ingen ern)ied fid^ Aunä^ft, bag äJJerfeburg o^ne Qu^ 
ftimmung unb Unterfc^rift ^ifd^of ^ilben^arbd auf ßalberftäbter 
^oben, mithin unfanonif^, errid^tet' unb ^alberftaot burc^ bie 
jtoiefad^e SSerHeinerung feine« ©prengetö (SWerfeburg unb äRaabe« 
bürg gegenüber) fo gefd^h)äd^t fei, baß ed nic^t me^r bie frühere 
Äroft beple. ßier fd^einen ftarfe unb unrid^tige hinten ange^^ 
n^anbt )u fein, oenn tro| ber jn^iefad^en Sßerfleinerung mar l^aU 
berftabt bei älterem Äulturianbe noc^ reic^Iic^ fo grog toie SKagbe* 
bürg unb äKerf eburg jufammen. 2)od^ auf jenen 83erid^t bin unb 
mitmücffid^t auf bie blutige Serfeinbung jtoifc^en beiben Lüftern 
befc^Iog bie ©i^nobe, bad {Bidtl^um SRerfeburg aufju^eben, ben Don 
^olberftabt beanfpru(^ten 2:^eil feiner $aroqie an baffelbe jurüdC^ 

^ t^tmat V, 24 f.; tjei^l. ^trf^ ^einrid^ II., I, S. 276. 

' ®el^t l^etbor aud: omnium conproTincialium episcoporam snb- 
scriptione (SSo^fen @. 197); peranadentibiis Romanae ecclesiae suffra- 
ffaneit (6. 199); consentiente toto Romanae ecclesiae ordine (@. 195), 
Zl^tmat II, 8 f^tidbi unq^mau Don einem concilium generale. 

• Sktgl. aud^ Soffen @. 117; Seiltota, Ann. III, S.239: qnia cmtas, 
nbi MagdeburgenBifl arohiepiscopatua sedes sita est, infra parochiam 
Albentadensis epiecopi rejacet, sine consensn episcopi sedia illina . . . 
commntationem parochiae fieri non poaae, aancta aynodua decrevit. 

XXV. 11 



162 3« ^- ?ftugf«$atttuttg, 

juaeben unb boS Uebrige, ti)aS jenfettö ber ©aale liege, jlpifd^en 3^1 
unb SKcifeen ju t^eilen. ®g gcfd^e^c bieg nid^t o^ne ®runb — 
tt?arb au^gefü^rt — , fonbern bantit buxä) biefe ®ntfd^eibunp fo 
große ©treitigleiten beigelegt unb burd^ bie Äuflöfung einer Äirc^e 
beren mehrere bereichert n^ürben. ®o etn^ad üorjune^men tu&re 
f ogar an red^tlid^ orbinirten Sirenen erlaubt, — toie öiel me^r mit^ 
^in an einer, beren Siec^tgbeftanb jtoeifel^aft erf^ien. 

8lte bieS beenbet toax, lieg man bie „©ö^ne" Don äRagbeburg 
öor (»otjfen 195. 199; Cod. Reg. Sax. I, 1, ©. 263)/ bie ba 
baten, ben öon ifinen ertoä^Iten ®ifeler jum Srjbift^ofe ju er* 
beben \ 33er ^ajjft genehmigte eS mit ßi^Pintmung ber ©^nobe, 
Damit ©ifeler, bem 0)?erfebura burc^ öffentlid^e fl&afjl fibertragen 
fei, jefet tt?o biefe» ©tift aufgel^oben, nid^t umfonft bie SBürbe 
eine» ©ifd^pf» angenommen f)abt*, 

S)a» 2)ritte, toa^ Vorgenommen n^urbe, n^ar bie 9iegulirung 
ber ©renjen jmifd^en ^alberftabt unb 3Ragbeburg. @ie gefdbo^ 
auf einen ©rief ^in, ben §ilbemarb gefd^rieben l^attc unb ben 
man in ber ©^nobe Derla». 33ie Sntfc^eibung lautete, baß äRa^be« 
bürg foüiel üom §alberftäbter ®ebiete bel^alten bürfe, al8 i^m 
öon Sa|)ft Qol^ann unb Otto überliefen tt?orben. 

Ön SBerfeburg foHte ein ftlofter gegrünbet »erben, auf ba| 
ber Ort nid^t be» ®otte»bienfte» entbehre. 

Slm näd^ften Sage erfolgte in ber ftird^e be» ^eiHaen ^etrud 
eine jnjeite ©i^nobe, auf ber bie obigen SSefd^Iüffe gefeftigt unb 
aDe {Rechte ber äßagbeburgcr Äirc^e verbrieft tourben. S)aÄ 
©d^riftftücf, njorin bie üerfdgiebenen Vorgänge niebergelegt toaren, 
foDte, mit ber Unterfd^rift be» ^apfte» unb feiner Äon^jroüinjiolen 
verfemen, burd^ ®efanbte be» Äurialfefretär» an aDe Sifd^öfe 
®ermanien8 unb Sot^ringen» gefc^icft »erben, um beren JBc- 
ftätigung unb Unterfc^rift einju^olen. Ob biefe erfolgte, tft un* 
befannt. Die fpäteren ©reioniffe beuten barauf, baß ein großer, 
»enn nid^t gar ber größte jl^eil ber beutfc^en ®eifttid^feit bamit 
einüerftanben getoefen, obgleid^ gett?iß einige ©ferer unb Snter* 
effirte bie Aufhebung aWerfeburg» unb bie Granulation ®ifelerS 
nid^t üertt?inben tonnten. 

iBei ber ^uf^ebung SRerfeburg» ffillt gunäc^ft auf, baß beffen 
©prengel nad^ bem SBortlaute be» ©^nooale» nur jtoifd^en S^aU 
berftabt, SKeißen unb Qtxii vert^eilt »erben foQ, »ä^renb üon 
SRagbeburg nid^t gerebet ift, gerabe alfo Von bem Drte, auf ben 
e» ®ifeler junäc^ft anlam. ^ier ^ilft nun 2:^ietmar» iBerid^t 
au», ber im ©njelnen angiebt, »ie in SBirflid^feit get^eilt »orben, 
unb banad^ erbält Üßagbeburg bei »eitem ba» meifte, ungef&^r 
ba» ©tüd )»ifd^en ®aaU, ©ifter unb äRulbe*. 3n auffauenber 

' X^tetmat III , 8 toeig ntd^id Don Slogbebtttgem , bei ifyn ifl Qifelet 
felbfl unb bet ihttialttd^ter tl^fttig. 

« »etflL l^iet Corp. Jur. Can. C. VII, q. 1, c. 42. 

' ^ietmat nennt neun Qtdgexe Orte (urbes), offenbot bie fyiVptotU 



Sq^ Si^t^um SRetfeburg unier htn B&dffi]6^n Stai\txtu 163 

SBeife fe^It ^ier bei 33)xetmax bie "Hn^abt beffen, toa^ ^Iberftabt 
et^idt, unb bo(^ f)at ed fein beanfprud^ted £anb btd gut ©aale, 
einf^Iie^Iicil bei^ Orted äRerfeburg ^ befomtnen. S93ad bann nod^ 
übrig, lourbe an 3^^! unb SReigen gegeben. 2)ag biefe überhaupt 
beba(!^t finb, toirb feinen @runb barin ^aben, bag man fie burc^ 
Sl^eilnabnte am 9iaube üer^inbem n>onte, ju @unften i^red greng« 
nac^bariic^en Sprengel^ auf^itreten. 2)ag im @t^nobaIe nichts 
üon äKoabeburg ^efagt moroen, bürfte ^u erflären fein: man 
njoDte jeben @(^etn üermeiben, ate ob @tfe(eri^ 2raniS(ation mit 
e^aetngen SBergröjlerungi^in^ecfen bed (Sriftifted jufammen^inge. 
2)a| 2:l^ietmar Don ^alberftabtö Hnt^eil fqn^eiat, nur im k^or^et:: 

^' mben ftapitel nebenbei t)on ber ©tedung 99(erfeburgd }u ^aU 
tobt \pnAt, beruht auf Sergeffen ober richtiger \Dof)i barauf: 
ed ^anbdte ftc^ um @ebiete, bie überhaupt gmifAen ßalberftabt 
unb aXerfeburg ftreitig n^aren, unb jtoar um fol^e, oie erfterei^ 
bei ber 993ieberer^ebung bed Ie|teren burc^meg behielt (ßirfc^, 
ßcinrid^ n., I, ©. 283)- I^tetmar, ber felber »ifd^of öon 
iRerfeburg mar, moDte biefe l^eifele @ad^e feinem 9!a(l^bar aegen- 
aber nic^t jur ©prac^e bringen unb überging fie beiS^alb Diplo^ 
matifc^ mit ©tiSf d^toeigen ^ 

^üfen toir, ob unb n)iemeit $apft unb ^onjil gu ben vor- 
genommenen ^anblungen (anonifc^ im ^eä)tt toaxen. 2)ie fSt^ 
treffenben ^ielten fic^ offenbar bagu berechtigt, toie au^ bem @^n« 
obale beutlid^ ^erüorge^t, boc^ ebenfo offenbar erfennt man, ba§ 
fte ftc^ betougt n^aren, etn^aiS ungemö^nlid^ed ju t^un, inbem man 
ed ni^t fc^Ied^tmeg Dorna^m, fonbern unter nrd^enredbtnd^er 9e« 
grünbung. %m toenigften Stnftog lonnte an ber XraniSlation 
Stfelerd genommen tt^eroen. äRan führte al^ ^räcebenjfäQe an: 
biejeniae ®. ^eterd üon Sntioc^ien nac^ 9tom, bie bed 3Rarcud 
üon SUfesanbrien nad^ S(quilia, he^ Sufebiud, pelij: ic. unb berief 
fi(^ babei auf Anterus epist. 2, n^onad^ foIqT eine Xrani&Iation 
geftattet koar, n^enn fie }u gemeinem Stu^ unb frommen ober au^ 
^ff) gefc^e^e*. 9lad^ canon apost. 14 toar fie eö, toenn einer 
ben 9}euuntergebenen me^r IBort^eil bieten unb er in ber Steligion 

beS Beiteffenben ^ifhtdS, toomtt anbete üeinete ntd^t au^efdbloffen ftnb (^trfd^, 

gtnru^ IIv h ®- 282). 9(ud bem ganaen ^dbluffe beS Kapitels III, 9 ge^t 
onberd beuilid^ Sl^tehnarS Abneigung gegen ®t|elet l^etbor, aEed ifl ^ter ein* 
fettig unb eitooS gel^fftffig exaA^tt. 

' ^ei ben untet äJ^agbebutg , 3ei^ unb äReigen t)eril^tlien Otien ftnbet 
fi4 ^etfebutg bei Z^ietmat getabe nid^t genannt ; III, 8 bagegen fagt er, bag 
9Rerfeburg ßalberflabt unterfleHt lourbe. 

' mL^ fonfl gej^t aud S^teimar III, 8. 9 eine entfd^ietene @d^onutig 

ttlbettKiYbii ^l^i'^' äB&Brenb nad^ bem S^nobale ^ilbetoarb ben offlcieUen 
nftog 3ut ituf^bung STterfeburgS unb ^ux ®renaregulirung gab, erfal^ren 
toix bei 2:^etiilar baOon ni(j^id, ober ed ifl bod^ oUed fo getoenbei, afö ob 
0tfetet ber ürl^ber fei. 

' Decrei^ Psend. Isid. ed. Hinschias S. 152; Corp. Jur. Can. C. 
VII, q. 1, c. 34; Mgl. Codc. Carth. 4, 27, Hinsch. 6. 304. 

11* 



164 3. t>. ^fluQfs^ortfung, 

tual^rl^aft tiä|en fOnne \ utib mä) ^ekgiud foQte in einem %taa&^ 
lationdfaQe ber 9ht$en k^ieler bem etned einzelnen üorge^en '. S)od^ 
blieben fol^e Serfe^ungen an SBebingungen gefnüpft: an bcn 
@f»ruci^ einer @^nDbe, ben beS ^ap^tt^, an bie Ermahnungen k^on 
^riefter unb SSoIf, unb auf feinen %ati burfte ^abfud^t unb &)x^ 
geij im ©piele fein, mobei eg SRegel toar, üon bem geringeren 
auf ben größeren ©ife fiberjufiebeln '. S)a nun bie meiften biefer 
'Jorberungen erfüllt mürben, 5ßapft unb S^nobe entfd^ieben, unb 
id^ K7on fiabfud^t nid^tö nad^meifen lieg, fo burfte bie Zxaxi&^ 
ation ©ifelerd ald burc^aud fanonifd^ unb red^tsträftig angefe^en 
»erben, toie fie ja aud^ nic^t üereinjelt ift, fonbem genfigenb »er» 
manbte %äüt vorliegen. 

(SttoaS anberö ftanb bie ©ad^e in ber Aufhebung öon SÄerfc* 
bürg, ^ad) Tregor I. mar bie SSerleguna eined S3ifc^offi|ed üon 
einer ©tabt jur anberen bei bringenben Umftänben erlaubt, unb 
jmar üom meniger fidleren jum fid^ereren Orte bei^ gleichen @)7rengeld 
(Greg. II, ep. 14. Grat. VII, q. 1, c. 44), bod^ mar er fetter ge« 
neigt meiter ju ge^en, menn fid^ bie ^nne^altung bei^ ©prengelio 
atg unmöglich ermieg (Grat. VII, q. 1, c. 42). S)em SBifd^ofe üon 
SBeneüent fd^rieb er, ba§ bie ^^itöerl^ältniffe unb bie SRä^e üon 
(Sumae unb äJ^ifenum i^n t)eranlagten, beibe ju bereinigen, ed 
mangele m fel^r an Sek}öt!erung, aU bag beibe, mie el^ebem, einen 
eigenen Sifc^of ^aben fönnten (Grat. XIV, q, 1, c. 48). S)icfc 
©teilen ^atte 5ßapft Senebict im ©inne, menn er fid^ auf ©reoor 
berief, ber auÄ JBeba^t für bie Sird^e, bamit fie ni^t burc^ Ar* 
mutl^ emiebrigt merbe, fold^e äSerlegung bed S3ifd^offi^ei^ t7orgenom^ 
men f)aU) andj ^ambura fei alfo JBremen untermorfen. 3)iefer 
$all ift nic^t ganj paffeno, meil ^ier jmei iBii^t^mer blöd m- 
f ammengelegt , nid^t eined ju @unften mehrerer ^erfplittert mürbe. 
S^ennocQ lönnen mir iBenebict (einer eigentltd^ untanonifd^en 
^anblung ^ei^en, fd^on ber oben angefül^rte Ü3rief bed ^elagiud 
beftimmt, Dafe ber 5Ru|en mel^rerer bem eine« eingelnen öoran ju 
gelten ffobe. 3m SRittelalter ^at man mieber^olt Slufl^ebun^en 
eined ® j$^^ h^^ fünften eined anberen ganj üerfc^ieben beurt^ettt, 
mie j. S5. ber ©treit jmifc^cn Äcqui unb Äleffanbria bemeift 
(^flugf'^arttung, Iter Ital. ©. 573) ; ®ratian becretirt : hostili- 
tatis quoque vel paupertatis necessitate episcopales sedes 
vel mutantur, vel duae in unum rediguntur (Grat. ed. Fried- 
berg n, ©. 1019). 83ei ä)?erfeburg fam nun nod^ ber befon^« 
bere Umftanb in JBetrad^t, ha% behauptet mürbe, fein Sifd^ofÄftul^l 
fei unfanonifc^ errid^tet, befte^e folglid^ gar ni^t m SRedft. $ob 
man i^n auf unb nü^te babur^ t^ier anoeren ^rc^en, fteQte man 



^ Hinich. e. 28, betgL Burchardi Decr. I, 74—79, 284. 
" Corp. Jur. CaD. C. Vil, q. 1, c. 35. 

' l. c. Evar. 4, Hinsch. ®. 90; ep. Ant. 2; Gonc. Sard. 1; Hinsoh. 
6. 267. 



£al Sidil^um Vttt]thnx% untet ben S&d^fifd^en i^atfctn. 165 

ftdb gor üor ®ott unb ben $et(tgen burd^ ©rünbung einer Sbtet 
{tqer, fo tonnte bie @Qnobe ret^t n)o^I mahnen, bad befte X^eil 
edDfi^It ju ^aben. 

2)te eigentliche @c^loäc^e beiS ©anjen liegt entfc^ieben in ber 
Btfnobe ald folc^er : ed toax eine rSmifd^e ^roüincialfl^nobe, ja ber 
feine beutfc^en Sifd^öfe l^erangejogen mürben. Um ^ier au^n^ 

?Iet(^en, forberte man biefe jur 3ufHmmung auf^ Unb ioi) 
aben bie S^tg^i'ff^ii gerabe an bem üerfänglid^ften fünfte fei^ 
nen Änfto^genommen , n?ie baran^ fterüorge^t, ba% ber junäd^ft 
interefftrte S^ietmar, felber ein iBifd^of bed bentfd^en 9tei^ed, ein« 
fac^ Don einem ©eneralfonjile rebet. 

prüfen mir baiS in 9flom SBoüfü^rte t)on Seiten ber $o(itiI, 
fo IBnnten mir faum uml^in ed gut ju l^eigen , fo menig pxtt&U 
üoQ eS anc^ gemefen fein mag. $ur ben @o^n maren bie xtiu 
piofen ©rflnbe nid^t t)or^anben, bie ben Sßater geleitet Ratten ; fflr 
i^n fte^t bie @tärtung ^agbeburgd auf glei^er @tufe mit ber 
^rrid^tung beS bß^mifc^en unb mä^rifd^en SJiiSt^umiS. ®d finb 
@Iteber in ber ftette feiner 9}oIitif gegen bie öftlid^en IBöIfer^ 
fc^aften: er moDte möalid^ft leiftungSfäl^ige SBidt^fimer an berSIa^^ 
t)mäxenie, }umal ein leiftungdfä^iged &rjbist^um, fo meit fid^ ein 
folc^ei^ no(^ ^erftellen liefe. S)a^cr benn andj bie reichen ©c^en* 
hingen an SRagbeburg', bie balb nad^ ber römifc^en ©Qnobe er« 
folgten, unter benen in erfter ßinie bie beg Älofterö öon SWerfe* 
bürg mit QnUffäx ju nennen ift, mad ber ^ap\t auf Ottod S(n« 
fuc^en beftötigte unb nod^ bie Sinfe^ung üon Slbt unb ^onüent 
burc^ ben (Srjbifd^of ^ingufügte, bie benn aud^ ti^tig ftattgefun- 
benen ^at '. S)ie frä^ere SSert^eUung bed ISiiSt^umd mar oamit 
2U @unften äRogbeburgd, ju Ungunften ^alberftabtiS , in beffen 
©iöcefanaebiet iWerfeburg lag, berid^tigt morben*. ÄDeg bieiS 
meift in oie gleid^e 9tic^tun^ : ©tärfuna bed Srgbidtl^umd. ^ag 
aufeerbem eine gemiffe SJorhebe Dttoö für (Sifeler mirffam (öergl. 
}. ffl. I^ietmar in, 8. 9), aud^ biefer nic^t müßig gemefen, 
tft ma^rfd^einlid^ unb barf unferem S3eri(^terftatter gerne ge* 
glaubt merben; bod^ fid^erlid^ ald einfeitig unb im beftenf^aDe dd 
üon i^m unb anberen ©egiaubted ftel^t e^ ba, menn er aQed auf 
Sift unb @elb ©ifelerd fd^iebt, menn er fogar bie Sefted^ungdfumme 
angiebt, bie X^eoberi^ üon 9Re| erhalten l^aben foD; fotd^e ®e« 
nauigteiten in gel^eimen 3)ingen finb ftetiS berbäc^tig. 

afe Otto n. ftarb unb ^einric^ öon »aiern fein SWünbcI 
Dom S^rone ju üerbrängen fud^te, ftanb ©rjbifc^of (Sifeler auf 
Seiten bei^ ^erjogS, mo^I in ber Qrmägung, ba| für bie gefaxt« 

> SBegen btt fpdicten ^a^id, toetgl. 9lid^tet'2)ot>e, ^td^nred^t 342 (323). 

« stumpf 805. 806. 816. 817. 

» @tunH)f a. Q. D. 3aff6, Reg. 3820 (2924). X^tetmax III, 9. Soffen 
6. 190—206. 

* SoI4k ob^Angige i^Iöftet in ftembem Bpttngjtl finb befanntltd^ im 
Wttäüikt nid^t fcUen. 



166 3. ö. ^fluöfs^arliung, 

beten öftlid^cn ©cgenbcn ein ^nb unb tociblid^c Sflegentcn unge* 
nügenb feien; öicueid^t auä), totxl \xä) mit ©rinricl üon üome 
^erein bünbige Stbmac^ungen in ®ejug auf aKerfeburg treffen 
ließen, bie jufünftigen Slnfc^auungen DttoS in. bagegen unbe= 
re^enbor ttjaren. ©ifeter gegenüber trat @cf el^arb üon X^üringcn 
ein für bie Segitimität. ®ennocl^ gelang e8 Der ®ettjanbt^eit oeS 
erfteren fidb bei ber erfolgenben üormunbfcftaftlic^en 9tegierung 
berart in ®unft ju fefeen, baß ber SRarfgraf fid^ beeinträchtigt 
unb gefränft füpe^ 

Srft alÄ (Sreaor V. ben |)apftlidben ©tu^I beftiegen ^otte, 
brad^ten religiöfe Srtt?ägungen, ber ®laube, bie faft ununterbro- 
chenen ©laüenfeiege feien eine golge be« 3^^^ ^^^ ^Uigen 
fiaurentiuS*, braute baS burd^ jene Äriege herbeigeführte, p^t 
bare ©infen aKagbcburgS* eS bal^in, ba| man fi^ officietl ber 
Aufhebung SKerfeburgiS erinnerte. 

3n $aüia trat eine päpftlic^e ©tonobe jufammen, auf ber in 
^Betreff ®ifelerö, ber bie Sirene üon äRerfeburg gegen bie ftanoned 
üeriaffen l^abe unb in SWagbeburg eingebrungen fei, entfd^ieben 
n^urbe, er foQe bid jum 25. 2)ecember nad^ SRom lommen unb 
Siedbenf^aft ablegen, ttjibrigenfallg er üom Sßriefteramte fudpenbirt 
ttjeroe*. 

S)iefer Srlafe ift einer ber üielen über^aftigen, auÄ gefteiger^ 
tem ^errengefü^Ie ^eröorgegangenen , toie toir fie bei bem ju* 
genbhd^en ©regor V. nur ju oft finbcn. SBon unfanonifc^cr 
Sran^Iation fonnte fd^Iec^terbingö , toenigfteniS in fo entfd^iebeher 
5orm, feine SRebe fein. Ucberbie« ttjar auf bem Äonule fein ein^ 
giger beutfd^er S3ifd^of jugegen, moburd^ na^e (ag, bag bie IKn- 
bro^uim ber ©ug^cnfion gegen einen beutfd^en ©ifd^of, ben beut* 
fd^en SpiScopat ate fotd^en üerlefee. 

®ifeter ^at bem t)äpftlic^en Slnfinnen nic^t ^olge geleiftet 
unb ift tro^bem im SJoÜbefifee feiner SBürbe geblieben, — bie 
fd^Iimmfte Äritif üon ©regorö S)efret. aber in ben ©laüeniriegen 
I}atte ber SKagbeburger UnglüdC, toa^ feinen ®egnem gu ©tatten 
gelommen fein toirb. 93on je^t an fe^en n)ir aud^ Otto lU. ibm 
abgeneigt. Unter feinem unb beS ajopfte« SBorfife tourbe ju @t. 
$eter eine ©ijnobe abgel^alten, auf ber ein britter ftanon fol* 
genben 3n^alted ausgegeben ift^: fßom ^eiligen apoftoltfc^en 

1 2:^tetm.iy; 49; betgL @ium)>f 881. 905. 942. 953. 969. 978. 978. 
988. 1009 (1043). 1113. 1114. 1115. 1120 k. (Sdt'fyixb in i^aiferutf. im 
Cod. Dipl. Anh. 9ir. 80. 81. 88. 89. 90 «. 

' ^ie ©labenfrtege loetben batauS xa erfldten fein, ba^ an ®teQe bed 
ft&ftiaen gtoeiten Otto Dotmunbfd^aftlid^e Stegierungen traten unb bie bed un« 
enttd^loffenen Otto? III. 

» Vita Adalb. c. 3. SS. VI. @. 593. 

« Ja£f^ Reg. ®. 492 9h. 3876 (2965) ; Jaff^, Bibl. III, @. 352. 

* JaflR^ Reg. ®. 494 ; toir folj^en bem befferen Xcjte Don D'Achery. 
Spicil. IX, @. 69, c. 3. 4, bet ^ier in einem toid^tigen fünfte toon ^anft 
unb ^atbuin abtoeid^t. 



^a% ^i%i^um ^lerfebutg itnfcY ben esd^fifd^en üatfetn. 167 

@tu^Ie fei burd^ bod Untt^erfalfonjU entfd^iebett, bag ba^ IBiStl^um 
99terfe6ur0, metc^ed üom a)7oftolifc^en Si^e unb ftaifer Otto I. 
burd^ UmüerfaUon}i(e gegrünbet imb gfeic^ertoeife üom a|)o[toIi« 
fc^cn ©tu^Ic unb Äaifcr Otto IL oftnc ein Äonjil jerftört fei , in 
feine eigene (S^renfteÖung jurü^el^re. ^mer fef^e man feft: 
fönne @ife(er re^tögfi(tig nac^meifen , baf er ni^t aM ^abfud^t 
t}on bem geringeren @tu^Ie ä)?erfeburg jum größeren üon äRagbe- 
bura fibergegangen fei, fo foDe er nic^t abgefegt kuerben, fonbern er 
bfirfe biefen fogar behalten, tüofem er auf ©niabung üon Solf 
unb ftkrui^ baqin geganaen. @ei biei$ nic^t ter ^^aU, unb ßeae 
aud^ üon S^r- unb ^abfuc^t nichts t7or, fo ^abe er nad^ äRerfe« 
bürg jurüd^ule^ren. ^önne er jeboc^ folc^e SSen^eggrfinbe nid^t 
üon fic^ toeifen, fo foQe er beibe JBiöt^ümer üerlieren. 

99ejügli(^ bed erfien biefer beiben (Sriaffe, ^atte man fid^ 
bie fc^on oben beregte ©d^toäd^e in ber Sluf^ebung ju 92u^e ge« 
mad^t, nur muß e^ fraglid^ erfd^einen: 1) ob eiS gerabe üom 
^pfte Kug gel^anbelt n^ar, eine römifc^e ^ooinjialfk^nobe atö nid^t 
t7or^anben an^ufe^en, unb 2) ob biefe ^^gnorirung fanonifc^ für ju« 
laffia gelten ourfte , ob man [idf in i^r nic^t eine bebenKic^e 
Sdlöjße gab, fomo^I in bem befonberen %a\ie, a($ aud^ im HOge» 
meinen. Huf bie ®rünbe ber S(uf^ebung toar nic^t eingegangen, 
nic^t barauf , baß t^ eine ^äpftlid^e @^uobe gen^efen, bie auiSge« 
fprod^en ^atte, baß 3Kerfebura nid^t mit Suftimmung bc8 falber* 
ftäbter Sifd^ofi^ errid^tet tooroen fei, folglid^ gar nid^t ju 9led^t 
befte^e. yio6) ungünftiger aber als mit bem erften ftel^t eiS mit 
bem jtoeiten Äanon. Offenbar toax ©ifeler ber Smbitiou be« 
fd^ulbigt, mie fie ja auc^ aui^ X^ietmard 2)arften[ung ^erüorge^t, 
jenes öon ben Äirc^cngefeften fo fd^toer verpönten SJerbred^enö ; 
hierin fuc^te man i^n ju f äffen, bei ber freien SBa^l üon SWerug 
unb 93oIf, loeld^e SRagbeburg nod^ bitrc^ @onberprik)i(egium juge^ 
ftanben mar. S)0(^ tonnte man barauf jurficftommen , nac^bem 
ein ?ßapft in offener S^nobe crflärt unb Verbrieft ^attc, bafe 
aÄagbeburger fid^ ®ifeler i;um ^irten erttjfi^lt unb erbeten l^ätten ? 
Surfte man bie augbrüdlic^e unb burc^ fanonifc^e ®e»eife ge* 
feftigte 3;ran«Iation einer frül^ercn Stinobe runbttjeg ignoriren? 
Bie Serfe^ung üon SRerfeburg nac% SKagbcbur^ tt?ar gefc^el^en; 
inbem man fie ungefd^e^en mad^en moQte, geriet^ man auf baS 
®ebiet Jjerfönlic^er SBiHfür unb fc^toerfter fanonifd^er ©ebenfen. 

©ifcler burftc fi^ auf bie Stnerfennung üon Äaifer unb 
$a)7ft, loa^rfdbeintid^ aud^ auf bie, n^enn aud^ nur ftiOfc^toeigenbe, 
3uftimmung beutfd^er JBifd^öfe ftcifen. @r blieb aud^ bieSmal 
bo^eim unb fd^irfte, Shanf^eit üorfd^ühenb , einen ®eiftlic^en nad^ 
9iom, ber i^n burc^ ©bfd^tour red^tfertigcn foQte. 2)icfer traf, 
an Ort unb ©teile angelangt, ®regor nidpt meftr am Seben, fon* 
bem beffcn betagten 3?ad^foIger ©ilüefter II. (Stljietm. IV, 28), 
bei bem eö i^m gelang, Huffc^ub ju erl^alten. Swfll^i^ aber 
mürbe ber ganjen ©ad^e baburd^ eine anbere SSJenbung gegeben, 



168 3. b. $fIu8f«<^nrftunG, 

ba^ fic bem Saifer uiib bcu beutfd&cu SBifd^öfeu fibertinefeu, mxU 
l^in au8 einer iQtl^oItfcl^-ftrd^Iid^cn ju einer nationalen »urbc. SS 
tpar büburd^ errei^t, toa^ einft @rjbif^of SBili^elm tion äßatnj 
geforbert j^atte. 

®ctoi§ badete man bereite an bie ©rrid^tung be^ Srjftu^Iö 
üon (Snejen , n?elcl^e bei offenem SBiberfprud^e be^ 2KagbeburgerS 
auf §inberniffe ftofeen fonnte. ®aubentiug tt?eüte in SRom, ioo^t 
als Slbgefanbter beö ^ßoIcnl^erjogS ; er n^urbe jum ©rgbifd^ofe üon 
@t. Sbalbert erl^oben. 3Kan ^atte alfo Orunb, ©ifeler ju fd^onen. 

»tö bann Saifer Dtto nad& ©eutfd^Ianb !am, ift ©ifcler i^m 
entgegen gereift unb erhielt bie üertorene Onabe toenigftenS üor* 
läufig iurüdE^ üieHei^t unter ber Sorauöfefeung, ben$Iänen t?on 
Äaifer unb Sßap^t nic^t junjiber ju fein^. Äaum toaren fie aber 
üertoirflid^t unb Otto ^atte bei feinem Slufent^alte in SRagbeburg 
erfahren, ba§ ®ifeler§ (Sinfefeung nid^t eben burc^ einmüt^igc 
aSal^I erfolgt fei, ate er auc^ fc^on — ber ©tjnobe bon ©t. $eter 
gemäß — Verlangte, er foHe auf feinen früheren SKerfeburger 
©tu^I jurücffe^ren. S)er ©rjbifd^of I|ielt ©taub unb erttjitftc 
abermalig SKuffc^ub big gur näd^ften ©^nobe, tüxt I^ietmar toicber 
tt?ei§, burd^ fflefted^ung an ßtoif^enträger. 2^atfäcblid^ toar e« 
ein eigen 3)ing, ia^ ein faiferlid^er S5efe^I bie junäc^ft rein lird^* 
lid&e anoelegenl^eit jum Auftrage bringen fönte, unb (Sifeler be» 
fanb fid^ ourd^auS im SRed^te, toenn er fte auf eine ©ijnobe t?ertoie§. 

3)ie ©tjnobe tt)urbe ju Dueblinburg abgehalten, ©ifeler tt?ar 
üorgelaben, blieb aber toieber a\i^, Äranf^eitö l^alber, n?ie bamalS 
bie fte^enbe 6ntfd|ulbiguna »tberftrebenber Oeiftlic^cr m lauten 
|?flegte, bie jebod^ in biefem galle begrünbet fein toirb. ©eine 
8lngelegent)eit inbeffen h)urbe oon SBertl^eibigern fo gut geführt, 
baß fein Ürt^eil gefaßt, fonbem eine neue ©^nobe nac^ äa^en 
anberaumt ttjurbe. 

SRunmel^r mod^te ®ifeter SJertrauen getoonnen l^aben, fi^ 
ani) gefunb genug füllen: er jog mit ben ©einen }?erfönlic^ an 
ben beftimmten Drt unb aU er t)on einem päpftlid^en 2)iafonuß, 
bem Vertreter beg ^ap[tei^, jur 9te^enfd^af t gejogen n?urbe , üer== 
langte er, ba^ man t^m ein ©encralfonjil üertoillige. 3)a er 
burd^ eine römifd^e ©^jnobe eingefebt unb bieg officieQ bem beut* 
fd^en ^px^copatt mitgetl^cilt toax, fonnte über fein Segel^ren un= 

» K^ictm. IV, 28; Btnmp^ 1210. 

* 2)a6 e3 fid^ bei bct ^rid^hiit^ (SncfcitS tote M ber bon ©ron um eine 
t)oit llaifet unb $Qpft getneinfant bettiebene 8a(^e ^onbelt, liegt auf bei ^anb. 
aWan mufe übet fettefen öot^cr betot^en ^oben, ©oubcntiuS totrb ber 3RittIer 
gchjefen fein ; feine öotlöufige ^i^ebung jum ^rjbijc^ofe bon (Et. ?lboIbert, ber 
Ümftonb, ba^ Otto ton päj^ftlic^en unb faifetli^en äBürbenttägern geleitet bie 
^Ipen überfd)Yitt, großartig an ber polnifd^en ©ren^e aufgenommen unb Bei 
feiner fündld^x nad^ 9{om bom $a^fte unb ben antoefetiben SBifd^öfen (£l^tetm. 
IV 29) mit ßobpreifunjen empfangen tourbe, erhärten bie gegcnfcitige ileber= 
einftimmung. S^ie Snbtbibualität Cttod gab ben 93orgängen bann bie eigcn- 
tl^ümli^e i^rbung. 



$a3 9t§i^um 9let|e6utg untet bett ^aä^fx\fyn ^atfern. 169 

mögüd^ ganj ^inmeggcgangen iüerbcn, nnb bamtt crmic^ ftd^ mieber 
ein iDid^tiger ©etoinn für ®tfder: bic Qext Zffxtimax fd^ücfet 
betrübt feinen SBeri^t, e§ murbc aQc§ unentf^ieben gelaffen, big 
eS ®ott gefallen ^at, e§ in unfcren lagen glücflidj jn becnben. 

äRagbcburg§ ©nbif^of ^atte über feine (Segner gefiegt, ftc^ 
gegen ben auSgefproc^enen Jöefe^I beÄ Äaiferg behauptet, offenbar 
gehalten burd| bie bentf^en Sifd^öfe. @S ift bieg einer ber göQe, 
wo bie uniüerfale SRid^tnng üon 3mperium nnb ©acerbotium mit 
ber nationalen auf einanber ftiep. 

®ifeler blieb unangetaftet in Amt nnb SBfirben, blieb einer 
ber einflu^reid^ften dürften be8 SanbeS, nnb aU Ctto III. ftarb, 
üermoc^te er ein fo bebeutenbeg @etDi(t)t in bie ©c^ale üon 6ein= 
rid^g ©egnem ju werfen, baß biefer bie Uebcrttjcifung feiner fa(^* 
fifd^en ®üter an i^n alg nic^t ju ^o^en ^rei« erad^tete, um i^n 
auf feiner ©eite gu feffeln. 

35od^ bie SKerfeburger ^xaQt War einmal angeregt, War t)om 
ftaif er felber vertreten Worben ; fo fam eS benn , baf cindi $ein= 
ric^ IL, meljr Don rcligiöfen Smpnlfen afö politif^en SrWägungen 
augge^enb, fi^ il^r jnwanbte. Unb gar begeic^nenb ift, wie er 
e§ t^at. (Sr fanbte nämlid^ ben ergbifc^of SBilligi« üon SRainj 
mit anberen Vertrauten an ©ifeler, ber fd)Wer ifranf barnieber 
lag, unb ließ i^n ermahnen, bod^ fein Unrecht burd^ Aufgabe beg 
ßrjftu^lö unb SRürffe^r na^ 3»erfeburg gut ju machen. Älfo, 
Äonig ^einric^ lie§ feine @t)nobe berufen, offenbar, weil er Wufete, 
bafe bamit nid^ts erreicht werbe, fonbem wanbte fid^ unter ber 
$anb an ben Sranfen, üielleic^t red^nenb auf beffen gurd^t öor 
bem 2;obe unb jenfeitiger ©träfe. 2)od^ aud^ jefct blieb ®ifeler 
feft, er gab eine augwei^enbe Slntwort, unb afö er wenige ia^t 
barauf ftarb, Würbe er in allen Sl^ren begraben. 3)er Jlöntg 
felber folgte ber ißeic^e (J^ietm. V, 24). 

®ifeler mufe ein energifc^er, gewanbter, na|^eju bebeutenber 
SJ^ann, ein burd^ unb buird^ politifc^er Äopf, ein guter SBirtl^* 
fc^after (S^l^ietm. V, 26) gewefen fein. Jrofe aller Anfechtungen 
itnb tro| ber ©laüennot^ behauptete er fid^, »erlief er feinem 
(ärjftu^le ein Stnfe^n, unüerglei^lic^ mit bem feine« SJorgänger«, 
obwohl biefer Äaifer Dtto "l. hinter ft^ l^atte. Sr ^at e« üer= 
ftanben, SKagbebura ju einer Meinen ®ro|mad^t be8 Dfteng ju 
ergeben, er meierte oeffen ®üter unb üergrößerte beffen Sprengel. 
SBtcüiel bei aüebem öon feiner 5ßerfon abging, ge^t am beftcn 
aud bem gurücf treten beg ©tifteS nac^ feinem lobe ^erüor. 

3Kit ®ifclcr erwieg pd^ bag entfd^eibenbe ^inbemiß einer 
SBieberl^erfteHung 93?erfeburgg alg gefallen. Äönig §einrid^ fonntc 
je|t ^onbelnb üorge^en. 

@r t^t eg, tnbem er für ben äWagbeburger ©tu^l einen i^m 
ganj ergebenen äWann erlor, unb jwar lagino, ber in feiner ÄapeUe 
t^ätig gewefen War. Die fpäteren ©reigniffe jeigen, ba§ er im 
^oraug mit tl^m binbcnbc SJerabrcbungen getroffen ^abtn, bafe bie 



^ 



170 3. ö. ^flugf-^arttung, 

Verausgabe 2ßerfe6urg« bie JBebingung für bie ®rtongung ber exiiu 
fc^öftid^en SBürbe getoefen fein toirb (ücrgl. anä)%f)k\m. V, 26; VI, 1). 

3)oc^ biefe foHte nid^t o^ne ©d^tolerigfettcn ju criongcn fein, 
^ie SKagbeburger nämlic^, um i^r ^a^fred^t unb ben laum er- 
rungcnen 93efi^ ju hja^ren, erflärten fid^ für ben angcfc^enen 
S)omproVft SBalt^erb , ben ^J^unb unb ©efinnungSgenoffen ©ifc^? 
lerä. ©0 ftanben ftd& alfo Die ^njei Änf^auungen gegenüber. 

Salb mu§ fid^ SBalt^erb fiberjeugt l^aben, ba§ er bie feinige 
nid^t burd^jufe^n üermöge: jum Äönigc l^ielten ein <)ä}>ftlid^cr 
fiegat, ber ©rjbifc^of Don äRainj unb anbere JBifd^öfe, alfo ber 
größere I^eil beS ©piScopate«, auf ben ®ifeler feinen SBiberftanb 
^atte ftü^en fönnen. SBol^I unter bem ®rudEe ber perfönli^en 
^(ntuefen^eit jener 90?änner unb nad^ einer i^m genü^etiben S^fage 
gab er feinen SBiberftanb auf. ®ie Qn^a^e fd^'eint tn nichts ®c* 
ringerem beftanben ju ^aben, ald barin, baß er Xa^noi ^ad)- 
fotger toerben foQe; ein burd^ unb burd^ unfanonifd^eö SBer- 
föred^en \ ein 93etoeiS, toie man öor nid^tS jurüdE fd^eute, um jum 
3iele ^u fommen. 

llnb weiter tüurbe üortoärtö gebrängt, lieber ©ibid^enftein 
begab fid^ ber Sönig mit feinem ®efoIgc nad^ SKcrfeburg, too 
lagino in beffen unb beö päpftli^en Segaten ©egentoart üon 
SßiuigiS bie SEßei^e empfing. @ie erfolgte mit ^^ftintniung bed 
älteften SRagbeburger ©uffraganö, beS Sifd^of« üon ^aüclberg. 
©cl^r tüa^rfc^einli(| , baß er feine ®rünbe ^atte , bie i^m gufte^ 
l^enbe l^eilige ^anblun^ öon einem anberen üoHjicI^en ju (äffen. 
Sbenf ift e« gemiß nid^t abfid^tSloö getoefen , baß fie aerabe in 
üßerfeburg k70ujogen n^urbe; bie ©ac^e foDte ^ier gum miiStrage 
gelangen, baö ©tift beS ^eil. SaurentiuÄ afö 8i«t^um neu er^ 
jtel^en. 3n größter ßaft folgten fi^ bie (Sreigniffe: erft am 25. 
Sanuar 1004 toar ®ifeler geftorben, am 2. gebruar fc^on »urbc 
Slagino getoeil^t, am 6. äJ^erfebur^ neu errid^tet unb an bem glei- 
d^en läge aud^ beffen Sifc^of SBigbert fonfefrirt. ^einric^ tooHtc 
offenbar ^anbeln, folange er lagino nod^ in ber §anb unb 
biefer in SWagbeburg no^ nic^t feften guß gefaßt ^atte, benn fo= 
balb bieiS aef^e^en n^ar, fobalb berfelbe fid^ in bie eigentlichen 
Sntereffen oeS @r jftul^te eingelebt ^attc , toar ju befürchten , ba§ 
er toenigcr nad^giebig fei, öteDeid^t gar SBiberftanb entgegenfc^e *. 
^edl^alb galt ei^ ju üoDbrin^en , bur^ bai^ 93oIl2ogene }u mirfen 
unb allen SBeiterungen möghc^ft guüorjufommen. 

' 3:^ieimat btüdi fi$ feinev €teltuitg gemAg tndglid^fl belüai unb un^ 
ftat aus, et IA|t S^agtno noÄ bet äBetl^e Waltherdo post se omDem com- 
mittens episcopatum. SelofltietpSnbttd^ ftnb bafür ^tnge botaudgegongen. 
äßegen bed Unfaitontfd^en ber 3ufoge cF. Syn. Ant. 23 (HinBchius, Paendo- 
Isid. 6. 272); Burcbardi Decr.I, 185. 18T; Corp. Jur. Can. C. VIII, q. 1, 
c. 8 — 7 u. 0. 

* %u6) fd^on fo tfl 3:agino fp&tev in ber ^erfeButger Sod^e totberfpen» 
fitg geworben. S3ergl. ^trfd§ I, @. 286. 



1ta% SBtSt^utn SRetfebutg unier beit 6dd|ft^ett Aatfetn. 171 

3)cr Äönig fdbcv War tocgen bcr Meftitution mit bcn bct^cU 
Itgten JBif(^öfeii üon ^albcrftoot, gcife iinb 3Kci6cn in Unter* 
^anblung getreten. Srfterer toax ein Vertrauter ^einrid^S unb 
feinen Qtotden n?o^I fdjon früher günftig geftimmt (ügl. ®tum^?f 
1319. 1354). 3)ennoc^ fc^eint er nic^t nner^eblidfe ©c^mierig* 
fetten aemac^t ju ^aben, bid er fc^Iießlid^ nur einen gerinafägiaen 
3)iftrifi prütfgab unb bafür reid^ entfc^äbigt mürbe, fo baja fic^ 
ber ganje §ergong faft in ber gorm eine« Xaufc^e« öolljog \ 
33ie »ifd^öfe üon Seife unb äWeigen foßen md) ber ffi^ronif bcr 
Sifd^afe oon äRerfcburg i^re (Sintoilligung ju ber SBieber^erftefc 
lung gegeben ^abcu, nad) I^ietmar jebod^ fdieint $einric^ bei 
i^nen noc^ meniger als beim ^alberftäbter jum 3^^^^ gefommen 
ju fein, benn eS Reifet bei i^m: toegen beS 3Kei§ener unb S^xi^tr 
ffliSt^um« befretirte er fraft fönigli^er äKac^tüDÜfornmen^eit, fie 
foBten unüerffirjt jurürferftatten , waS SJierfeburg einft genommen 
worben*. SQSorauf er alsbann im nädiften Kapitel mitt^eilt: 
,,35er Äönig berief aße gürften be« SReid^e« ju fic^ unb üeiliel 
SKerfcburg feinem Äa^jeDane SEBigbert burd^ ben &tai Srgbifc^o' 
laginoS, womit btrfelbe baSjenige, toaS fein Vorgänger unrec^; 
ber SKerfeburger Äirc^e entgogen l^atte, jurfidgab (tt?eil er ber 
9?euaufricbtung günftig gefonnen ttjar) unter Suftimmung bcr 
SSifc^öfe öon ßalberftaDt, SWeigen unb Qexli fbenen jene S)iöcefe 
juget^eilt toax) unb unter bem SBeifaÜSrufe beS ganjen SoHeS 
(S^ietm. VI, 1)". «Oe« ift gef^raubt unb unflar gefagt , unb 
au^erbem fte^t boc^ nur ba, bafe bic SJifc^öfc bem Acte be« 
©rgbifd^ofg juqeftimmt l^aben, ui^t auc^, ba§ fie i^rerfeit« refti* 
tuirten, toa^ \a awd) bei ^alberftabt nac^meidlic^ unrichtig ge- 
tücfen toäre. Offenbar ift ^ier nic^t alleö glatt abgegangen, benn 
gerabc ba« tofirbc SSäonne ffir Il^ietmar gebefen fem ju erjagten. 
®r ^at me^r gctoufet ate er nieberfc^rieb. (Srft einen aRonat 
nad^l^er erfolgte eine gntf^äbiguna für 3eife (Stumpf 1375), unb 
einer nod^ föäteren golgegeit mußte e« vorbehalten bleiben, ben 
üorläufigen xin\ban ber 33iöcefc im eingelnen ju üotfenben'. 

SSon fanonifd^em ©erhalten fann bei bem ganzen Vorgänge 
f aum bic SRebe fein , eö ^anbelte fid^ einfad^ um eine Il^atfad^e, 
lodere man burc^fefeen ttjollte. ®a ift nun bemerfenStoert^ , ttJie 
bcr Äönig fie begrünbct l^at. 3n ber Urfunbe für SKagbeburg öom 
25. gcbruar (Stumpf 1372) Reifet eö: Sr unb feine ©ema^Iin 
mollen bad 9)?agbeburger (SrgbiSt^um unb bad 9Rerfcburger SBid^ 
t^um l^rftcllen (reparare volentes), n?el(^c einft Otto bcr ®ro^e 

■ Tfjüttmax y, 26; Chron. epp. Merseb., M. G. SS. X, & 171 ; 
Stumpf 1372. 1374. 1375 u. %,, ^trfd^ I, 6. 282 f. 

« ßtrfd^ I, ©. 279 fagt: .2)ie SBetl^ilißteit flimmtcn bei*. 6o einfad^ 
\oat bie Bü^la^t nid^t. 

' 2)» eibittette @heit, bet 1022 atoifd^en bem (Svabifd^ofe bon ^ogbe« 
butg unb bem iBif^ofe boit ^alberflabi in ärona gefüllt muYbc , ifl ai^n^Ud^ 
ft^ct nur eine ffottfe^ung be9 alten. 



172 3. b. *Pftugf-.&atttung, 

rite eingcri^tct, nadb einem ©clfibbe tooM gcfonbert unb je mit 
ßirten auSgeftattet ^ättc. äte bicfc geftorben, fei hnxq Un* 
bebadit ber Stac^folger (incauta quadam successorum reveren- 
tia) ber Heinere Drt bem größeren ate Abtei untcrtoorfen unb 
beibe SBi^tl^ümer in eine« jufammengelegt. 3n f5<>^9^ ^"^ ®^* 
liibbe« ^abe er al^bann nad^ @ifeIerS 2^oD jn^ei el^renüpDe üßanner 
feiner Äapette ber SWagbeburger unb SRcrfeburger Äiri^e öorge- 
fe^t iinb beiber ^arod^ien, in ©e^enu^art eine« p&p\üxä)en Lega- 
ten * unb toeiterer Sifc^öfe beS Sleic^e« (cum caeteris regni pa- 
tribus), in i^re 93eftanbt^eUe jerleat. Slber bamit bad Srjbid' 
t^um feine äßinberung ju erleiben jd^eine, gemäl^re er i^m bad 
unb baiS. 

@i» brandet faum barget^an ju werben, toie fo|)^iftifd^ ftönig 
^einrid^ üerfa^ren, n^ie er ben @c^n7ierigleiten an^ bem SEBege 
gegangen ift. ^unäc^ft betont er, Otto I. fjait bie Sinfefeung 
ooDjogen, er old beffen ißad^folger gen^ann bamit gleid^ed uted^t 
unb fteQte blog lieber ^er. Ser jmeifel^afte 9ied^ti^beftanb üon 
iD?erfeburg tourbe audbrfidtlic^ in baiS ©egent^eil üerh^anbett unb 
bie S(uf^ebunQ t}orgefil^rt atö oon bifci/ö^id^en 9}a(^foIgem üoO- 
jopen , toa^ \n ber gegebenen jjorm gerabeju an^ ber Suft ge» 
griffen ift. SEBol^I ^ütete man fid^ j^u f agen , ba§ bie 5Jir(^e ooit 
äßerfeburg bem @rjbifd^ofe üon 9}2agbeburg burc^ ein eigenes 
2)ipIom Waifer Otto« II. unterfteDt toorben*, benn man tooßtc 
eben gewinnen, ba^ ha^ toai ein ftaifer eingerid^tet ^atte t>on 
Untergebenen rüdCgängig gemad^t unb bei^l^alb fd^on an unb für ftc^ 
nid^t rec^t«üerbinbenb toäre. 5£)urd^ biefen einfachen ftunftgriff 
l^atte $einrid^ freie ^anb belommen, er banbe(te je^t afö Ottodl. 
Stead^folger in ©egenwart ber ^öd^ften Vertreter ber Äird^e cum 
omni concordia. S)amit i^m aber nic^t üorgetoorfen toerben 
fonnte, eine ftird^e aefd^öbigt ju l^aben, fo getoä^rte er @rfa^ für 
baS (Sntjogene; baB beifelbe bei toeitem nid^t gleid^n^ert^ig toar, 
tourbe natürliq öerfd^toiegen , ei galt ja nur ber gorm ju ge* 
nügen. 

SBenben toir un« ben beiben SKerfeburger Urfunben öom 
Anfange be8 SBärj ju (Stumpf 1373. 1374). SBir finben ba: 
Otto I. ^abe ba§ iBiiSt^um äRerfeburg auf ein ©elübbe ^in er^ 
rid^tct. ate ®ifeler ©ifc^of gemorben, Ratten jetoiffe Seute e« 
unüberlegt (qnorundam, ut ita dicamus, inconsiderata religio) 
in eine nbtei jum S)ienfte beS äßagbeburger (Srjbidt^umd t>er^ 

' (SS tfl bet »tf^of unb Sibliot^v Seo, bex fid^ aU 2)atQt auf p&p^^ 
lid^en Utfunben mH nad^toeifen l&gt. 

* (Sd bütfie !aum ein 3ufaE fein , bag siemlid^ aUe l^ierl^ gel^^p 
nvfunben in STbfd^tifteh obet gor im OviainaU etlgalien finb, nur btejentgc 
Ottod II. nid^t, bag tott t>tm il^ nur oud bet ptcip^li^n (3. 8820) erfal^ 
|)5d^flta)a^fd^tnlid^ toutbe fte bei bet ^huerrt^tung SJlerfcButad betntd^tet, Imv 
buvd^ f\äi ^invid^ um fo toeniger betanlogt füllten (onnte, fte no(( au htt&d- 
fid^tigen. 



£ad Stdtl^m SlnfeButg untet bin 6&4fifd^ Aotfetn. 173 

tDonbelt, ba nun aber er unb feine ®enia^Kn bad SSietbum toit^ 
ba^equfteOen beabfic^tigten , f o ^&tte er naä) @tfelerd Zob , ein 
abgelegte^ @elübbe erfüQenb , bort SSi^^ert jum fiSifc^ofe einge» 
fe^t unb aQed, toa^ bem @tifte früher ju (Sigen getuefen, jurflct« 
erftattet unb beftätigt. 

äBir \tf)m, bad @^enta ift im SBefentli^en bad gleiche, nur, 
bog an bte ©teQe ber gar ju ungeheuerlichen bif^öflic^en suc- 
cessores ie|t quorundam inconsiderata religio getreten toax. 
Sine ebenfo gen^unbene kuie aOgemeine SuSbrud dtürife, — oblDO^I 



Da^ t>erfön« 
aft noc^ ftärfer 
d^äbigung ^aU 



fte ja einer feierlichen römifc^en ©l^nobe entfprad^ 
lic^e ^anbeln f^einric^d tritt in biefen Urlunben 
^erüor; am ©d^Iufje ber einen n^irb bei ber @nt 
berftabtd bie Sntuefen^eit bed Segaten unb bie »on aeiftli^en 
unb tt^eltlid^en äSBürbenträaem em^ä^nt. Sediere finb ^ier neu. 
3)er quomndam inconsiderata religio foOte eine t)ünnKd^tige 
Serfammlung entaegenaefteQt merben. Sßol^Ibebac^t rebet ber 
ftönig nur k)on ü^xüdtt\tattumcn an SRerfebur^. äRogbeburg 
kuirb ein ^^tf gegeben , bei Qex^ erbittet er etnen X^eil ber 
^ro^ie Dom 93i|c^ofe unb leiftet Srfa| bafttr (partem . . . im- 
petravimos, pro suo compendio . . . reddentes, @tumt>f 1375). 
@o fd^affte er nid^td neuei» unb jerftörte aud^ nid^tiS ; mit gerabe}u 
mufterbafter juriftifd^er ©^i^finoigteit toax üorgeaangcn, nad^ 
aDen @eiten l^atte man ftc^ gebedt, fomeit ed irgeno ntöglidb. 

Sa§ eS jt^ bei ber 2)arftenung ber 9[uf^ebung Don SRerfe« 
bürg nic^t etioa um ©elbft^eg^IaubteS ^anbelte, bürfte trefflid^ an§^ 
einer ^p&ttxm Urfunbe ^einrid^d ^erüorgeben , toorin er ganj im 
@egen|a|e fu obiger Slui^brudEdn^eife fagt : bie ÜRerfeburger ftird^e 
fei Dort Jtaifer Otto I. gegrflnbet, na^^er aber peccatis exigen- 
tibos jerftbrt. S)amtt traf er fo }iemlic^ bad Slid^tige (@tum)7f 
1768). 

3m @egenfa|e jur @ifelerfc^en 3^it l^atten fic^ ßönig, $apft 
unb beutfd^er S})ii&Io|)at }ufammengefunben, bem gegenüber n^aren 
a^agbeburg unb bie brei mitbetbeiligten 93idt^ämer mac^tlod. 
2>er ^apft, Sodann XVIII., befaß ju menig (Snergie, ju toenig 
^erbinbungen in S)eutfc^(anb unb aud^ n^o^fju n^enig 5lenntni| 
t>on ben beutfd^en 2)ingen, um bie ^rage üor feinen ©tu^I ju 
»e^en. S)aJ3 er aber ntd^t unbet^eiligt gen^efen, ba| üor^er fogar 
Serl^anblungen ftattgefunben ^aben muffen , jeigt bie S(nn?efenbeit 
be^ pap^Üxqen fiegaten in äRerfeburg (ad nos missus, @tumpf 
1372) unb koo^I aud^ bie ^orberung, ba§ ber neue Srjbifd^of 
nur üom ^apfte gemeint werben bürfe. 

©c^n^erlid^ o^ne ®runb mar ber fiegat einer ber tjome^mften 
Beamten ber fturie, er geigte fid^ baburc^ um fo geeigneter, etn^aige 
SBfinfd^e bed $a)7fte8 mx ©eltung }u bringen. 3m engften Q^* 
fammen^ange mit ben befproc^enen @reigniffen nämlid^ ftel^t|)ein^ 
ric^d erfter Qviq nad) Italien, unb nic^t unmöglich tft, ia% ber 
Parteinahme bc8 ^opfte« in ber SKerfeburger ©ad^e bie gorbe* 



rung eine« Slomjugeg ju ®runbe lag, eine« fold^en, ber ben ^ladf^ 
folger ^etri an^ ben ^önben römif^er aßad^tbaber (odtöfen foUte. 
2)ag btefe ^eerfal^rt fo üöOig migglücfte, lieg ftd^ nic^t im Sor^ 
au« bered^nen. 

SBte bem nun aud^ fei, jebenfatl« n^ar e« gelungen, äRerfe« 
bura toieber^erjufteHen. 3)er banfbare Si^ietmar »ei§ i)e«^alb 
ju berichten, n^te ^einric^ immer na^ ©erec^tigleit gebürftet unb 
gel^ungert l^abe. Änbere gleid^jeitige ©c^riftfteDer ertoä^nen — 
t)ietleid^t begeic^nenber äBeife — niqt« üon ben S^orgängen. 



jlleinere SRitt^eilunoen. 



Son S. Summier. 



;3fn ber ©elbftangetge beS jtüeiten Sanbed ber Poetae latini 
aevi Carol. (@ött. ®cl. «nj. 1884 S. 405) fjattt id) fürjüdö jii 
beflagen, baß bic Sla^forfc^ungcn nacfi ber grifelarer ^anbfd^rift, 
au^ lüdc^cr g^^Icfcn^ciner bie ®rabfc^rift üuU juerft herausge- 
geben, erfolglos geblieben feien. 3^ 'onnte ba^er nur bie auf 
i^m beru^n'be «uSgabe $a^n« (^orfc^. XXII , 423) im m- 
fentlic^en n^ieber^olen. Um fo anaene^mer mürbe i^ überraf^t, 
als mir biefer S^age an^ bem iU^arburger ©taatSarc^iüe nid^t 
nur bie äWitt^etlung jufam, baft in golge tortf(^reitenber Drbnung 
bie üerf^ollene ^anbfc^rift bafelbft toieber aufgetaucht fei, fonbern 
jug(eic^ auc^ eine neue forgfälti^e Slbfc^rift beS fraglichen ®tädeS 
üon $erm Ärc^iüar Dr. ^. 9letmer. 5)ie $anb gehört bem be* 
ginnenben 16. Sa^r^. an, bie Orabfc^rift ftefit auf ber 9iücffeite 
beS erften SBIatteS eines ©ammelbanbeS, ber äbfd^riften unb Wo* 
tijen aller Art jufammenfaBt gefc^rieben im 14. bis 15. 3a^r- 
^unbert. äuS grifelar ftammenb ift berfelbe über Saffel na^ 
ajiarburg gelangt. 

3)te abfd^nft getoäbrt folgenben ^^ejrt: 
Epithaphium sanctissimi Lulli patroni nostri. 

Lul mich! nomen erat, famosa Britannia mater, 

Que me Romanos misit adire patres. 
Post sibi me junxit doctor Bonifacius almus, 

Imposoitqae homeris infula sacra meis. 
Et dum martirio Celestes scandit ad arces, 

Manensi ecclesie me jubet esse patrem. 
Hie mihi sit requies, donec vox alma reclamet: 
Pulvis qui dormis, sorge jubente deo. 
darunter fte^t no^ eine n^ertlofe 93emerfung: Item sanctus 
Lollus abbas et episcopos ex Cancia filius sororis sancti Bo- 
nifacii qui erat filius regis Cancii, vide Tabulam primam 
Eorope 21. 54. 

^ie lBerg(ei(^ung mit bem Slbbrucfe ^aldenffemxi jeigt, ba§ 
berfelbe üon ifefefe^Iem feineSn^egS frei geblieben; in v. 1 ^at er 
Lall ftatt Lul, in v. 2 Venneticos ftatt Romanos, v. 3 sanctus 

XXV. 12 



178 @. Summier, %>^maU hk etabfd^tift beS OEtalbifd^ofd SuL 

für almus, v. 4 Impositaque , v. 5 martinns für martirio, 
y. 6 Manenti, y. 7 regimen dum rex aliquando. Sie SSerbef« 
feruttgdt}i}rfci^Iöcie martirio uttb requies toerben bemttad^ burd^ biefe 
äbfd^rift bcftätigt, ba« anftßfetgc Venneticos toirb bcfcitigt: eine 
SReifc Sutö iia($ {Rom erregt bagegen feine ©d^toicrigfeiten (f. 
^oSjn, öottifaj unb Sul ©. 240). ®a in y. 6 Manenti gar 
nid^t überliefert ift, fo öertoerfe ici^ bie frühere Äenberung in 
Maerenti, bie barauf beruhte, unb ^^i^ oielme^r, ba§ in bem 
Derberbten 9Borte eine SBejiel^ung auf mavai ftedt, etma Moenensi 
ober Magensi. 



2)er Segrtff ^jutitia' im @ttt>e dtregor« VIL 



$a^)ft ®regor Vü. fd^Ioß bcfanntlic^ [ein creigtti«boncÄ Se- 
ien mit ben SBortcn : Dilexi justitiam, odi iniquitatem , prop- 
terea morior in exsilio. Dcräuöfprud^ ftamnit jlpar in feinem 
erften I^cil qu^ ber Sibel (fiebr. 1, 9; ^falm 55, 8), too e« 
Reifet: „3)u ^aft geliebet bie @ered}tigfeit unb geljaffet bie Unge* 
rec^tigfeit, barum f}at bid), o @ott, gefalbct bein ®ott mit bem 
Cele Der ^feuben über beinc ©enoffen". 'JJic^tsf beftomeniger be^ 
^olt bag SJort be« ^apfteS feine üolle nrfprünglic^e Sigent^üm= 
lic^fcit: ®ie Siebe jnr @ered)tigfeit unb ber ^a^ gegen bag Un* 
re(|t ^abcn mic^ in bie Verbannung getrieben. 

aSenn nun aud^ Har ift, baft biefe 333orte junäd)ft burd) bie 
bitteren ©rfa^rungen öeranla|t finb, bie ber ^apft in ben lefeten 
Sauren feines fiebenö machen mu§te, mo er wie ein ^eimatfofer 
51üc^tling bie elüige ©tobt üerlieft, fo bej^eic^net ber fiampf für 
ba^ Siecht gegen ba§ Unre^t in feinem ©inne boc^ nid^t minber 
bie ©efammtt^ätigfeit feine« 3)afein§. 35ie SDSorte finb ein refi^r 
nicrenber Stüdblid auf fein aanje« Seben, unb ba§ (Snbe ift btc 
— SBerbannung , toäl^renb ®otteö ©o^n , unter beffen ga^nc er 
al§ miles Christi, njic er me^r alö einmal fagt, tapfer gefoc^ten, 
mit bem Ocl ber greube gefalbt tourbe. 

5)ic öoDe SBebeutung be« obigen ©prud^eg ift aber nid^t er= 
Kört , tDenn man justitia unb iniquitas in bem allgemeinen , ge« 
tDö^nli^en ©inne fa§t. 

SRid^t jebcr SRenfd^, nidjt jcber ^apft, tüenn er aud^ no^ fo 
rec^tlic^ benft, ift im ®regorianifd)en ©inne ein «t^ort ber ®ered^= 
tigfeit unb ein geinb beg Unred}tS. 3(nbererfeitg erf^eint bie 
öcft^tönhing beg JBegriff« auf ba« politifd^e ®ebiet, infofern ber 
Sieg über feine politifd^en ®egner i^m afö göttfi^e« Sted^t er^^ 
l'c^iencn unb feine 9?ieberlage afö Unrecht, bem ®ebraudöe, ben 
®regor üon ben Sßorten justitia unb iniquitas mad^t, nid|t ganj 
entfprec^cnb, obtoo^I jugeftanben loerben mufe, ba| bei ber eminent 
politifd^en Slic^tuna feines ßebenS unb feiner I^ätigfeit biefcr ®e* 
broud^ üorjugsn^eife in 93etrad^t lommt. 

ÄuSfcgloggebenb für bie (Sntfc^eibung biefer grage finb bie 

12* 



180 3. 3Jla^, 

©riefe ®rcgor«, tote fte in ber üorjfigfi^en Äuggabe üon Soff 6 
(©erlin, SBeibmonn 1865) üorliegen. 

S)arnQd^ ift nici^tö merltoürbiger ate bie Art , toie $a^)ft 
®regor feinen ©eruf unb feine ©teuung auffa|t. 

aSJenn in bent ©riefe III, 15, too üon einem beabfic^tigtcn 
griebengfd^Iuffe mit ben SWormannen im Sa^re 1076 bie Kebe, 
gefagt ift, bQ§ fie nur ben $ßetru§ ate ^errn unb Äaifer nad^ 
®ott ^aben tooHten *, fo ift bamit nic^t nur bie SInerfennung ber 
^errfd^aft be« ^ßajjfteg über bag SKormannengebiet auSgefprod^en, 
fonbern überhaupt ber militärifd^e E^arafter beg pä^ftlid^en 
SRegimentg. 

©r. 1, 43 bejeid^net er bie ©einen ate Ärieger S^rifti, bie 
i^m, bem gelb^erm, in bie ©d^lad^t folgen muffen, toenn fie 
nic^t feine ©unft verlieren toollen-. 

3n berfelben militärifc^en SBeife fpric^t er bem ©egenpapft 
SBibert gegenüber üon bem ©d&toert ber apoftolif^en 3la'^e, ba« 
er fül^Ien toerbe (VIII, 5), toie au^ üon bem ©d^toert be« 
Slnatbemg. 

Ä(g militärifd^er ©treiter nun fäm^^ft er aud^ für bie S^re 
®otteg unb bie ®ered^tigfeit. 

3ebe 2>tA toirb be^errfc^t Don Sbeen, bem ®rgebniö ber in 
berfelben ^errfd^enben Siic^tung. Unb berjenige toirft am ^opu^ 
lärften, ber eö üerfte^t, biefen Sbeen einen f^Iaaenben Äugbrui 
jiu geben. SBie in mobernen Seiten greil^eit uno ®Ieic^l^eit ate 
»ugl^ängefc^ilb für getoiffe aaitatorifd^e ©eftrebungen bienten, fo 
fafite ber reüolutionäre ®eift ©regorg VII., bemS^arafter feiner 
Seit aemä§, fein gotnjeö SBoflen unb SBirfen unter ben ©egriff 
ber ©ered^tigfeit. m\i biefem ©^lagtoort erllärt er feine ganjc 
X^ätigleit auf politifc^^tirc^lid^em ©ebiete. 

©araug erüärt fid^, bafe faft jebe äRa^nung, jebe ©eftim« 
muna, bie er an feine ^eijtlid^en Untert^anen erlägt, ate ein Pietät 
ber ©ered^tigleit erfd^emt (dictante justitia). — äuSjuge^en ift 
bei ber näheren ©rflärung beS ©egriffg üon bem SReuen lefta» 
ment. SBie bie ©riefe felbft üon Sitaten a\\9t bemfetben ange- 
füllt finb, fo bejeic^net ©regor justitia junäc^ft ate justitia Dei, 
0. ^. ate bie ©ere^tigfeit , bie burd^ ©ott getoirft ift unb beten 
©eobad^tung bie toa^re ©ottgefätligfeit jur ^^olge ^at (in tenenda 
justitia, obtemperando justitiae'). ^ie ©ered^tigleit ©otte^ ift 
ein ®efefe, barum justitia et lex Dei (epp. coli. 1) unb juglcid^ 
ba8 (^riftlic^e ®efe§ (justitia christianae legis, n, 9), infofem 
S^riftuS ate ®otteiSfo^n mit ®ott ibentificiert ift. S)a bad ®efe^ 
®otted bie ©afiiS bed fird^Ii^en Sebend unb Sled^tS ift, fo finben 

^ Beate Petro, quem solummodo dominum et imperatorem pcwt 
Deum habere desiderant. 

' Hoc igitur exemplo apparet, qui ex vobis, immo quam omnet 
ntis fideles GhriBti milites. 

' I, 9; epp. coU. 13 u. a. 



£et Sf^tiff iustitia' tm Ginne ^re^ot VII. 181 

fk^ anäf bte XuSbrfide: ecciesiastica . . . jastitia (TV, 26) unb 
canonica jnstitia (I, 65). Sßer bad @efe| ®otte« erfüllt, forgt 
jugleid^ für beffen Sl^re , für bie äBa^r^eit ^ unb bie firc^Iic^e 
(^rei^it. 3)te ©ered^tigfeit ift bad 93Ub ®otted (imago Dei quae 
est forma jnstitiae, epp. coli. 12), unb biejenigen, tt^eld^e für 
fte geu^en, ftnb defensores, amatores justitiae'. Siele aeben 
jte ptti^, biefe aber (eiben ©d^iffbruc^ an i^rer @eele, mä^renb 
bie anberen aufgeforbert merben, ber ©erec^tigfeit ein Opfer gu 
bringen ^ Unb biejenigen, koeld^e megen ber Serec^tigfeit äerf ol^ 
gung erletben, »erben fdig frin (I, 11 = l^etr. 3, 14). 

@o tüeit ift aOed Har, inbem tpir je^t Ujiffen, ba^ ©ered^« 
ttgleit @otted bad göttKd^e, d^riftlic^e unb bamit jugleic^ bad 
@efe^ ber ilir^e ift. 2)ad Sigentpmlic^e bed ©regortanif^en 
@^ftemd tritt erft bei ber Sr^age ^erüor: SBad fäQt unter btefen 
9^9^f[? ^^ti jemanb gegen ein fttofter ©en^alt audübt, fo 
üerfünoigt er fic^ ge^en bie ©erec^tigleit. SSenn (Siedler aud ir« 

iienb einem ®runbe tn bie SBerbannung gießen muffen, fo leiben 
ie toegen ber ©eredbtigteit. äSirb ber ^önig ©alomon üon Un^ 
ioxn, ber fein SReicq üon Jtönig ^einric^ III. ald fielen genom* 
men, aufgeforbert, biefed )Serbä(tntd rüdaängig gu machen, fo 
tl^t er bted im Flamen ber ©erec^tigfeit (II, 13). 9[Qe fBexae* 
t[m ober Serftöge gegen irgenb eine fir^Ii(^e Snftitution ftnb 
@ünbe gegen bie ©ere^tigleit ^. 

@(9on biefe SBeifpiele fpielen in bad politif^e ©ebtet über. 

ßxebt man aber erft bad SJer^ältniS ber beutfc^en ^ürften 
}U bem $apfte in feinem Streite mit ^öntg ^einrid^ IV. tn SBe« 
tratet, fo treten gang tounberbare Slnfc^auungett ^u Xaat. 

2)tefe dürften follen aM Siebe gur ©ered^ttgfeit bie @ad^e 
beS $apfted gu ber i^riaen gemad^t ^aben \ Unb n;enn fte bann 
im Icatnpfe mit bem gesagten ftönig ind ©ebrSnge fommen , fo 
leiben aud^ fte toegen ber ©ereitigleit. Unb bie ©ered^tirfeit ift 
ed fd^Heglid^ , bie ^etnrid^ bie ^rone üom Raupte ri^ \ 3)te auf 
ben folgenben (Sondlien fteti^ n^ieberfe^renbe t^xa^e: cui justitia 
faveat, ob ftönig $etnrid^ ober Stubolf oon ©d^koaben, mürbe 
bemaemä§ am @nbe bod^ immer gu Ungunften bed erfteren ent- 
fd^ieoen. 

IBon btefer Srt alfo mar baS ©ered^tigfeitdtbeal beS großen 



' Vn, 6: ut Toritatem Dei et jastitiam . . . vestra mereretur 
iQBcipere snblimis hnmilitas. ni, 7: tob antem in talibas pln« ho- 
norem Dei et jaBtitiam eins procurate defendere quam honori pro- 
prio proyidere. 

' I, 89: deeerere juBtitiam nanfragiam sit animae. 

' I, 50: Bacrificate sacrificiara ^ustitiae. 

^ ^ie SBttefe bieten eine ganae Stetig Don ^Belegen bo^u. 

* yn, 12: Qnoniam pro amore jnstitiae commnnem nobiscnm — 
cauBam BUBcepistifl. 

* ly, 3: justitia, quae illum regnare prohibei 



182 3- 2» Ol), 

ftird^cnfürften. Offene SRebeÜen jiel^cu einiger unter bem ©c^irnie 
bcr ©erec^tigfcit , unb ber 5ßa)}ft ruft i^nen gu: nolite deficere 
in hoc bellico fui'ore (epp. coli. 27)! 

3)ie ©ered^tigleitsibee ober üielme^r bie Uebertragung ber= 
felben auf bag politifc^e ®ebiet, auf ben ©diaupla^ be« Kampfes 
giüifd^cn ^aifer unb ^aVft fliegt an^ ber SorfteHung, bic fit^ 
®regor öon bcr ©u|)eriorität ber Sird|e gebilbet '. 

äui^ ber ®eh?alt ju binben unb ju löfen, aug bem Seft|e 
ber ©d^lüffcl beg ^immelreid}« , n?el(f)e ß^riftu« an 5ßetruS üer^ 
liefen (SKatt^. 16, 18), ergiebt fic^ bie SKac^t, bic 5ßfortc bcS 
§immcte JU öffnen unb ju üerfd^Iießcn wem er tt?ill*. 

S33er aber bic SKac^t über ben |)immd ^at, ^at ftc ouc^ 
über bie (Srbc. SBifet S^r nid^t, fagt bcr ST^^oftel ^aulu«, ba6 
iüir über Sngel rid^ten n?erben, tvxt öiel meljr über jeitli(^c ®ä* 
ter ? (1 6or. 6, 3). golglid^ barf bcr $apft über aÖe tocltlic^cn 
^crfonen, alfo aud^ über bie Könige richten, er barf fic abfcfecn, 
n?enn fie fid^ ben Änorbnungen beS apoftolif(^en ©tu^Icö toiber- 
fe^en. SBcr Knute un3 alfo tabeln, fc^Iiegt ®regor tociter, »enn 
ttJir biefen ipeinrid^, ben Seräd^ter ber apoftolifd^cn ®ntfd|cibun== 
aen, ben SJcrbcrbcr unb SRäuber beg SRci^eö unb ber Äird&c ab- 
fegen unb CECommunicicren? Sic ®en?alt bcr Sönigc unb fjür^ 
ften ftammt überhaupt tom S^cufcl, üon benen, bic „®ott nit^t 
Icnncnb , fid^ burd^ ©tolj , ^ani, Xreulofigfeit, SWorb, hirj burd^ 
alle benfbaren SJcrbred^en, auf Slnftiftcn oeg Icufctö über 3^^ 
rci^gleid^en , über bic SWcnfc^en in blinbcr ®ier unb uncrträglic^et 
ainmafeuna erhoben ^aben". SBcr fönnte alfo än?cifcln, bag bic 
5ßricfter %ifti über allen Königen unb ^ürften fte^cn? ®oIb 
ift nid^t in bem ®rabc foftbarer bcnn Slci, ate bic pricftcrKc^c 
SBürbc über bcr föniglic^cn fielet'. 

Der 5ßapft ift bic perfonificierte justitia. ®arau8 crflärt fic§ 
aud^ bcr ftetS toicbcrlel^rcnbc merfmürbige 3(uöbrud : cui justitia 
faveat, b. 1^. cg foQ auf ben ielocit ftattfinbenben Soncilicn bic 
grage entfd^ieben n?erben, für n?en bic ®ercd^tigfeit , b. f). ber 
^ap]t, fid^ entfd^eibc. SBcnn ferner bic beutfd^cn gürftcn 'pro 
amore justitiae ' fic^ cm^jören , fo fann man fe^r bcutti^ jtDi* 
f d|en ben Qtikn Icfcn , ttjcm julicbc bicS gefd^ic^t. SJgl. auc^ ben 
f^on citierten Sluäbrucf : justitia, quae illum regnare proMbet. 

SRan fielet baraug, ba§ ber urfprünglid^ biblifd^e ÄuÄbrud: 
®crc(^tiafcit ®ottcÄ b. i. ®cfefe ®ottc8 in Icfetcr Snftanj ju ci* 
nem ®efefe bcö ^ajjfteS n?irb. 9?ur baS ift geredet, »aS üor 
i^m geredet. ®ic ^errfdftaft beg ^ßa^^fttl^um« bcrul^t olfo nac^ 
feinem bebeutenbften SBcrtrctcr auf ber ®ered^tigfcit , b. f). auf 
einem SRcc^t, bag aui^ obigen SRcflcEtoncn abgeleitet ift. 

» aOBtd^tia tfl l^tetfütlbet «rief Vin. 21 on «ifd^of ©ermann öon 3Äf ^. 
» Vni, 21 : aperii-e^et claudere januam regni, quibus Yoluerit. 
' ^QU^eit bie ^ef(e(tonen beS $Qt>fte3. 



Ittt Segtiff *juatitia' im Sinne «reflot VII. 183 

©iefe 3bce toax in ®rcgor Vn. bcrart IcbcnWg unb fcft, 
ba§ nur fo bic Säbiaf cit [idb crMärt , lüomit er an feinen ^err- 
fc^afti^anfprilc^en fcftpielt. 5Wic^t^ fonnte i^n bierüon abbringen, 
auA nid[|t bie traurige S(udfi(^t auf ein bauembed Sjril. 

Odi iniquitatem! 3)er Samp^ für bie ®ered^tigfeit fc^liefet 
ben gegen bol^ Unred^t ein. S3rief I, 15, too er bie Sangobar- 
ben auff orbert , bem l^äretifc^en , ejcommunicierten Ufurpator ber 
äRailönber ßircbe, @otfrieb, nid^t ju folgen, betont @regor im 
Änfc^Iuft an biefe @ac^e feine SBerjpflic^tung , SBal^r^eit unb ®e- 
red^tigfeit fcftgi^alten unb ju oerfünben. Unb bie ®ered^tigfeit 
erforbere bie Sccommunication. Sßenn er aber bad Unre^t bei^ 
Ungered^ten nid^t üerlünbe, fagt er einer öfters angebogenen ©teße 
gcmfi^ (6ged^. 3, 18), fo toerbe ®ott feine ©eele üon il^m 
forbem. 

3)er 'iniquus' im eigentli^en ©inne ift aber toieber Slönig 
§einri(^ IV. 3*^riwial l^eifet er einer biblifd^en Äu8brud!8weife 
}ufolge: filius iniquitatis ^ 3)er @ol^n bed Unred^td aber ift 
nad^ 2 2;^eff. 2, 3-12 ber «ntid^rift, ber ^erftörer beÄ d^rift«^ 
c^en ®efe^ed. Site Vertreter ber laiferlid^en Wlaift, bie gerabe 
baS beftritt , toa^ ber $a^ft ganj befonberd afö justitia be}ei^« 
nete , dd ^eftiger ®egner bed ebenfo heftigen ^apfteiS mugte |^ein^ 
rid^ IV. biefem alö ber Snbegriff be« ©egenfa^eS aQe« beffen er* * 
f^einen , toaS in feinem (Sinne justitia n^ar. äSie er ber Xröger 
ber jostitia, fo ift ber ^aifer ber ^Qpud ber iniquitas. 2)a9er 
ber augerorbentlid^ fc^toffe SluSbrudE. S93ie aber justitia nic^t 
auSfd^ße§(ic^ politifc^ gu f äffen, fo auc^ iniquitas nic^t. 2)ad 
Ser^alten SIebalbd Don äRailanb unb Srjbifc^ofS iDtanaffe Don 
Sfleimd, bie e^communiciert unb i^red Slmtei^ entfe^t n^orben ftnb, 
merben ebenfalls ber iniquitas gegenüber ber Autorität bei^ ^i(. 
$etrud ge^el^en. 

2)er Dritte Xei( beiS oben citierten ®pxud)e^ begeid^net baS 
©(^eitern ber fül^nen Hoffnungen beö ftoljen Äird^enfürften. 2)ie 
Sbeen , bie ®regor in ]einem ©^fteme oertrat, »aren nod^ ju neu 
unb bie 20la(l)t bei^ ftaifertbumd tro| aDer ©daläge, bie ed be* 
reits erlitten, nod^ ju grojl, ald bag fd^on ie|t ein ©ieg bed 
Sa)7fted möglich gekoefen toäre. ®regor aber ftarb im feften &lavL^ 
Den an bie ®ere^tigfeit feiner ©ad^e unb in ber ebenfo feften 
Uebeneugung oon ber 83erh)erf(id^feit ber gegnerifd^en. Unb fo 
be^dqinet ber ©prud^, ben n^ir und jur @rüärung üorgefe^t, ben 
DoDen 3nl^alt feined bett^egten SebenS. 

> ym, 40; epp. coli. 13. 



Ue(er Me ®oIbene Snlle« 

@tne Entgegnung. 
S}on Z|eobof 8itibitev. 



§crr ßarnad fiat in biefer Seitfd^rift XXIV, 496 ff. einige 
®rgcbntffe bcr Untcrfud^ung ju toibcrlcgcn gcfud^t, tocld^c td^ m 
bcn „aWittl^cUunacn beg 3n|titut8 für öfterrciAifd^c ®cfd^id&ttfor* 
fiung" V, 96 ff. gegen feine ^in^Qüit ber ©olbenen löuUc Der^^ 
öffentn^te. 

3d^ üerjid^te batauf, aKe fünfte ju befpred^en, tuel^e er 
mir üor^ält; boc^ mu§ id^ eine iBemerfung üoraudf^idten. (Sd 
ift für i^n „erfreulich ju conftatiren, baß fiinbner, ber fid^ im 
Siterarifd^en Sentralblatt überhaupt gänjli^ gegen bie fSöffmi^dft 
Ausfertigung (B) auggefproi^en ^otte, in feiner f|)ätercn Äb^anb^ 
lung f^on baju gelangt ift, für ben erften Il^eil, b. ff. für na^ 
6eju üier ^^ünftel ber ©olbenen SBuKe, biefe Ausfertigung als bie 
ma^gebenbe anjucrfennen" (©. 445). Unb meitcr (©. 450): 
„SMelme^r bat Sinbner ^iä), mie id^ fd^on gu S(nfang ertpä^nte, 
meinen SKnfid^ten bebeutenb angenähert, unb id^ barf öieDeicI^t 
nod^ auf eine fd^IicBIid^e üöllige JBerftönbigung l^offen". 3n 
meiner «ecenfion im Sit. 6851. (1883 9?r. 19) — bie id^ übti* 
genS f c^rieb , als id^ bie Unterfud^ung , beren S)rucf nur burd^ 
eigent^ümlid^e Umftänbe üerjögert n^urbe, bereits abgefd^toffen 
löatte, tt)aS §. freilid^ nid^t hjiffen fann — fagte ic^: „fieibcr 
fann bie Änerfennung, ttjeld^e oem öud^e fonft nid^t üerfagt 
njerben barf, fid^ nic^t auf bie Unterfud^ung über bie ^ano« 
fd^riften ber ©olbenen JBuße unb beren fritif^e Ausgabe erftreden. 
Dbgteid^ ber JBerf. bie fieben Driginalefemplare felbft unterfud^t 
unb oerglic^en l^at, fo ift eS il^m, liad^ ber Snfid^t beS 9ief., bod^ 
ni^t gelungen , beren gegenfeitigeS ®er^ältni§ rid^tig «t erfennen. 
Darunter f)at bie gejtftellung beS lejteS gelitten, ber jugteid^ 
burc^ febr jal^Ireid^e SJerfe^en unb 35rudEfebIer entfteHt ift, fo bog 
ber gef^mä^te lejt öon Dlenf^Iager entfd^ieben nod^ immer bcn 
SSorjug öerbient. 3)a l^ier ber fRaum eine längere SSegränbuna 
»erbietet, »irb ?Ref. feine Slnfid^t an anberer ©teile auSfü^li<$ 
bartegcn". 



UeBet bte ®oIbtne 9uIIe. 185 

9So fte^t ba ein äBort Don bem, toaiS $. Dorgiebt? Slber 
fi^Iic^ ift bie Haltung feinet ganjen 9(uffabei^. SBoQte td^ aOe 
SÄigöcrftänbniffc unb irrigen 3)arlegungen Der üon mir au8gc« 
fpro(]^enen anfielen ausführlich verfolgen, müBte id^ ganjc lange 
©S|e einjeln jergliebem. Sä) benfe, »er meine f rühren Äu8« 
fü^rungen aufmerffam burd^Iieft, toirb ba« unf^toer finben. ®t^ 
nigeS n^irb fid^ t)on felbft aui^ bem ^^olgenben ergeben. 

3n jener Sb^anblung unterfud^te id^ junädöft, gan j abgefel^en 
t?on ber ©bitionöfrage , bie erft in jttjeiter ©teße fam, bie gegem 
feitige Stellung ber üerfd^iebenen DriginalauiJfertigungen , um 
barauS ©d^Iflffe auf il^re Sntftel^ung »i gießen, inbem id^ babet 
eine ftrenge ©d^eibung jtoifc^en ben ©efe^en Don 9?ümberg unb 
aWe^ ma^te. SReiner Anficht nad^ gab bie !aiferti(^e Sanjiei 
allen ßurffirften afö ®runb(age ber 99erat^ung eine Sbfc^rift Don 
bem urfprün0li(^en t)on i^r üerfagten Sntmurfe, in ttjeld^e bie 
S^eilnel^mer jeber für fic^ bie Äenberungen eintrugen, ttjeldbe be« 
f(^Ioffen tourben. SRadd biefen nid)t ganj gleid^rnftgig geänoerten 
(Soncepten finb bann bie DriginalauSfertigungen erfolgt, inbem jeber 
Äurffirft, tt?el<^r eine fold^e toünfc^te, bai in feinen Rauben be* 
finbfic^e ßoncept abfi^reiben Iic§. S^^ä^f* P^öte natürlich ber 
faiferlid^e Äanjler nad^ feinem Soncept bie SReinf^rift ^er, totld)^ 
am 10. Sanuar 1356 ))uMicirt unb befiegelt tourbe. $. be* 
Rauptet freifid^ (@. 462 Änm. 1), id^ näl^me an, baß biefe Dri* 
ginalauSfertigun^ erft in ber 3^'* ^(toif^en beiben 5Reid(|»tagen 
entftanben fei; id^ f)aie gerabe im ®egent^ei( @. 107—108 bie 
fjrage, ob B aud^ bog in 9?ümberg publicirte unb beftegelte 
S^emplar fei, unterfud^t unb gegeigt, baß ei$ nid^t na^ berimtte 
be§ 3a^e« 1356 ^efc^rieben fein fönne, unb ettoaige SBebenfen, 
toeld^e bie bereits eingetragene 5)atirung ermedEen möd^te, befämöft. 
©d^on lannert l^at in ben „SWitt^eilungen u. f. to." V, 650 Den 
^ier Don §. begangenen Srrtbum l^erDorgel^oben. 

S)aS urfprünglic^e Eoncept, alfo baS, toeld^eS bei ber ©era^ 
t^ung Äenberungen unterlag, ift bemnad^ feiner eingigen ÄuSferti:^ 
gung untergelegt, menn fid^ au^ einzelne geiler an^ xfjm in alle 
(gjemplare ]^infibergefc^Ie^)l?t l^aben, unb bie Soncepte, na^ totU 
äfm bie SReinfd^riften beS faiferli^en unb ber (urfürftlid^en Sj* 
em^jlare gemad^t tt?urben, finb fid^ coorbinirt. 3ebe Ausfertigung 
ift für fi^ felbftänbia, bod& ent!|ält bie ©ö^mifc^e ben beften Stejt. 

^amad giebt paaegen ©. 450 als „^öddft banfenStoert^eS 
Slefultat" meiner Unterfu^ung an: „3)ie furfürftlid^en (Sjem^Iare 
feien nid^t aus bem bö^mifd^en Originale, fonbem auS bem ur* 
}?rflngfic|en (Soncepte l^erDorgegangen, unb Dermutl^fid^ burd^ 8b* 
(^riften, ttjcld^e fid^ bie fturfürften Don biefem nal^men". Unb 
©. 448: ,,^ie hirfürftfid^en Sjemplare finb nad^ SJinbner ni^t 
birect aus jenem Soncept, fonbem aus einer Don ben Äurfürften 
genommenen Äbfd^rift in bereu Äanjieien entftanben". (Sr l^at 
alfo baS Don mir aufgefteDte SJer^öttniß nid^t rid^tig erfaßt, fon* 



186 %^,2inhncx, 

bent fd^iebt mir Derle^rte Steujserunaen unter unb toxU mid^ bann 
nod) mibcrlcgeni 3Äan mag bei igm @. 451 nad^Iefcn, ju »cI* 
d^en Ännal^men über bie ©ntpcl^ung bcr furf ürftlic^en Sycmplare er 
jct|t gelangt ift. SBie id^ meine ©d^Iüffe auf bie SBarianten ge= 
grünbet, fo fü^rt er aud^ fold^e inS gelb unb nennt beren ftatt* 
lic^e 3a^Ien (MT 45 TC 43). Da aber bie SJarianten felbft 
ni^t bejeic^net firib, mu| ic^ auf eine Prüfung berfelben Der* 
jid^ten. 

3d^ be^aitptete, bag BB, b. ^. ber jrtjeite a:^eif beö SBö^mi* 
fd^en Sjemptareg, nic^t bag Original ber in 3Ke^ gefaßten SBe- 
fd&Iüffe, fonbern nur eine nid^t aut^entifirte jmifd^en 1366 unb 
1378 entftanbene Slbfd^rift fei. 9?eben anberen ®rünben, bie i^ 
nid^t tüieber^olen miß, mar mir ber entfc^eibenbe , baß BB 
nic^t befiegelt ift. ^. fud^t feine frühere Anficht ju üert^eibigen; 
nur übergebt er mit ©tillfc^meigen bie öon mir ^ert}orge^oDene 
Äeußerung in einer fpäteren Ur!unbe ftarfölV.: „2)a«®efc|, ba8 
mir üormald ju Wleij mit ber f^ürften 9iat^ gemad^t, üerfc^rieben 
unb befiegelt ^aben". ©eine fonftigen STugfii^rungen überlaffe 
id^ ber Seurtl^eilung anberer unb miu nur einen ^unft furj be- 
\pxt6itn, meldten lannert a. a. D. ate jmeifell^aft bejei^net, 
nämlid^ bie (gntftel^ung üon BB jtoifcften 1366 unb 1378. 3^ 
folgerte fie an« bem Umftanbe, bafe baö 1366 gefc^ricbene 
granffurter Original mo^I B, ni^t aber aud^ BB benu^t ^abe, 
mä^renb baS bie 9?ürnberger Ausfertigung üor 1378 getrau 
l^at. ^amadE mad^t nämlic^ geltenb, bag F aud^ nic^t aud bem 
Driginat B, fonbern nur au^ beffen Eoncepte abgef^rieben fei, 
unb belegt bad mit brei 3}arianten, in meieren F üonB abmeid^t. 
Snbeffen jmei üon biefen: privilegii ftatt privilegio unb jndi- 
cium ftatt judicum finb als ©d^reibfe^Ier ju erKären, unb auc^ 
bie britte: cum tota ipsorum familia ftatt sua ^at nichts 
jmingenbeS gegenüber ber genauen Uebereinftimmung an aDen 
mid^tigeren ©teilen. Äleine Slbmeic^ungen üon B jeigt F auc^ 
fonft, mie natürlid^, ba man eS bamals mit bem Sof^iren t}on 
Urfunben, namentli^ in ber Orthographie, nic^t fo genau na^m, 
mie mir baS t^un. 3c^ möd^te meine frfil^eren SluSfül^rungen nur 
in einem ?ßun!te ergänjen, nämlid^ ba§ oer jmeite 2:^eil üon F 
ntc^t aus bem Sonce))te üon 1356, mie eS mit BB ber gaU ift, 
fonbern nod& aus bem üerlorenen Original ftammt. S)ann ift F 
atterbingS ©nfelin, nic^t mie BB lod^ter, aber ba bie 3;od^tcr fo 
miggefd^affen ift, muß i^r bie Snfeßn üorgejogen merben. 

S)enn BB ift eben besmeaen unbraud^bar als ®runblaae einer 
(Sbitiott, nic^t meil eS eine 9fbfd^rift, fonbern meil eS eine fd^Ict^tc 
Äbfc^rift ift, mie aud^ lannert a. a. O. betont. F ift i^m meit 
üormiel^en, aber bie fonftige Ueberlieferung baneben ju bead^ten. 
Daffelbe gitt üon bem Xejte ber $Rümberger ®efe|e. SBorum 
foD baS aRaterial, meld^eS in ben übrigen Originalausfertigungen 
mit i^rcm fetbftänbigen (J^orafter enthalten ift unb fo miOfonu 



UeBet bie Qiolbene fßnüt. 187 

nteneu Stuffc^dig über bie Qntfte^ung^gefd^tc^te bed Xe^rted ge^ 
ipä^rt, für bie ^erftetfung bcffelben unberücffid^tigt bleiben ober 
nur aU tobte SBarianten üorgefü^rt werben? 

§amQ(f finbet, bafe ic^ mein „abfc^äfeigeö Urt^eil" über feine 
Sbition „burd^aug nic^t genügcnb begrünbet ^abe". 3c^ benfe, 
»er bie lange fiifte üon 5^^Iern aller ärt, wel^e ic^ ®. 116— 
118 jufammcngeftellt ^abe, überfielt, »irb loiffen, toarunt id^ 
biefeg Urt^eil abgegeben l^abe. Db nun ^. perfönlid^ bnxd) feinen 
Aufenthalt in SRnfelanb ber 2)rudfe^ler toegen entfcftulbigt fein 
mag, laffe ic^ ba^ingefteDt ; jebenfall^ finb bamit nid^t bie ^e^Ier 
aus bem lejt getilot. SBir finb fonft in S)eutfc^Ianb gewöhnt, 
an eine „fritifc^e'' SeEt-äuggabe ^o^e Jlnforberungen ju fteÖen, 
unb biefen genügt ^. meinet ©rächten« nic^t. Dlenfc^Iager ^at 
jtoar nid^t ba« iöö^mifc^e (gfemplar, mo^t aber ba« granlfurter, 
»elc^eö im erften Steile B an®üte am näd)ften ftc^t, im jtt?eiten 
BB meit übertrifft, für feinen äbbrucf benufet, unb menn biefer 
aud^ nic^t bi)7lomatifc^ ganj aenau ift, fo loirb ber £efer boc^ 
nic^t an ja^lreid^en ©teilen geftört unb gerabeju irregeführt. 



Sünfunb^tDan^igfie $lenart)erfammlund 

ber (iftori[(^en ^ommifflon bei ber !5nigli(^ 

ba^enfc^en ^fabemie ber SBiffenfc^aften 

1884. 



8erid)t hti ©ecretariat«. 



aRfind^eit im Dftober 1884. ^fn ben Zagen üon 2. bijs 4. 
Oftober l^ielt bie ^iftorif^e Jtommiffton t^re biej^jä^rige ^lenar^^ 
k)erfammlung. Sntpefenb tDOttn t}on ben orbentlic^en äKitgliebem 
ber ^räpbent bcr f. f. Slfabemie bcr SBiflenfc^aften ju SBicn, 
mirfi. ®e^eimrat^ Stitter t}on Srnet^, ^oprat^ $rofef|or @i(fel 
QuiS SBien, ®e^euner StegierunaiSrot^ ^at^ auiS SBerltn, bie ^ro- 
fefforen ^aumgarten aud @traj30urg, Sorneltud üon ^ier, Tümmler 
Qud $alle, ^egel aui^ Erlangen, üon Sludbol^n auiS @öttingen, 
SEEkittenbad^ aud Berlin, t^on äSJegele an^ äBürjburg, üon SB^g 
aus S&nd), unb ber ftänbtge ©efretär ber fiommiffion ®el^eim« 
raffi üon ©iefebrec^t, ber in Slbmefenl^ett be« JBorftanbe» wirH. 
(Se^eimrat^d t^on S^anle bie SBerl^anblungen ju leiten ^atte. 

Qu augerorbentlic^en äßitgliebern ber ßommiffton Ratten 
@etne aßajeftät in O^^^g^ ber in ber (egten ^lenarüerfammlung 
ftattgefunbenen SBal^Ien ju ernennen geruht bie 5ßrofefforen SRitter 
m iSonn unb üon SBejoIb ju Erlangen, Oberbibüot^efor Dr. 
Sliejler ^ierfelbft, bie ?ßriöatbojenten ber Diepgen Uniöerptät Dr. 
oon S)ruffel unb Dr. ©tieöe, ^rofeffor ^etgel ^ierfelbft, Ober* 
bibliot^elar Dr. fterler ju äBürjburg unb ©tabtarc^iüar Dr. 
Aopipmann ju Sioftod; t)on biefen neuemannten SRitgliebem na^« 
men bie fünf erftgenannten an ber ^lenarüerfammlung Slntl^eil. 

S)ie SBer^anblungen traten bar, ba| für alle Unternehmungen 
bie Arbeiten in ununterbrod^enem Sortgange finb. ©eit ber t)or= 
iäl^rigen $Ienark7erfammIung lamen folgenbe neue ^ublilationen 
ber ^ommiffion in ben JBu^l^anbel: 

1. JBriefe bei5 5ßfahgrafen Qobann ßafimir mit öern)anbten 
©(^riftftüäen, ge]amme(t unb ^erauiSgegeben t)on f^riebrid^ 
üon «ejolb. SBb. H. 1582-1586. 

2. Sal^rbüd^er ber beutfd^en ©efc^ic^te. — Sa^rbüd^er beS 
beutfd^en füeid)^ unter ^onrab II. ]8on ^avtt) {Breslau. 
S3b. n. 1032—1039. 

3. ^orf^ungen jur beutfd^en ©efd^ic^te. Sb. XXIV. 

4. «Qgemeine beutfc^e JBiograp^ie. fiiefg. LXXXVI— XCVI. 
SDer S)rud! mel^rerer anberer JBänbe l^at begonnen nnb ift 

jutn X^eit bereits loeit t^orgefc^ritten. äRit bem toärmften S)anle 



{ 



192 gfünfunbatoanaigfte $lenQr))etfQinintung 

ift immer toon neuem bte groge ©ef&Qiglett an^uerf ennen , mit 
loel^er bte SSorftänbe ber Slrc^iüe unt) fBxblxotMm bed 3n« unb 
SuSlanbed alle S(rbetten ber ffommiffion unterftü^en. 

S)ie ®efc^ic^te ber SSiffenfd^aften in 2)eutfc^Ianb ge^t i^rer 
SSoUenbung entgegen, bod^ fehlen nod^ einige toidfÜQe Stbtbei^ 
langen. S)er 2)rucf ber ©efc^id^te ber beutfc^en ^iftoriogra)79ie, 
bearbeitet üon 5ßrofeffor öon SBegele, mu^te einige ^^i* unter* 
brod^en »erben, ift aber je^t lieber aufgenommen unb toirb ffoU 
fentlid^ ol^ne ©törung f ortgefttbrt »erben fönnen. Sn htmytaq^ 
laffe viohmä)^ üon @tinj^ing ijat fi^ eine faft brudfertige %oxt^ 
fefeung ber bereit« publijierten Slbt^eiiung feiner vortrefflichen ®c* 
'qiid^te ber beutfc^en SRec^t^n^iffenfi^aft gefunben: mit ber Sfieüis 
ton beg ©tinfeing'fc^en 2Ranuffri))tg ift ber ^üatbocent Dr. 
Smft Sanb^berg in ^onn beauftragt »orben unb ^at ber 3)ru(t 
biefer gortfe^ung bereit« begonnen. Seiber finb bie JBemü^ungen, 
ba« äSiert im @eifte ©tin^ing« ju völligem $lb|ci^lu| ju bringen, 
bi^l^er nod^ vergeblid^ ge»efen, aber man l^offt in nöd^fter ^eit 
eine biefer Slufgabe gen^ad^fene l^raft m geh^tnnen. 

2)ie Slrbeiten für bie beutfc^en Sfleid^«tag«aften finb im t7er' 
floffenen S^^re toefentli^ geförbert »orben. ^er unter ber treffe 
beftnbli^e fünfte SBanb, ber jtoeite ber 9legierung3jeit Äönig JRu* 
tored^t«, toirb im md)\ten Safere erfd>einen. äußer ^rofeffor 
äBeijfäcfer, bem fieiter be« gangen Unternehmen«, ^aben ^rofeffor 
fflem^eim in ®reif«malb unb Dr. Quibbe in granffurt a. 2R. 
an ber ^eriobe fi. 9ttiprec^t«, Dbcrbüot^efar Dr. Äerler an ber 
Seit Ä. ©i^munb« »eitergearbeitet. S)ie Vorbereitungen fte^ 
fo, baJ5 mit bem . Srf (feinen be« laufenben Sanbe« foglcic^ jur 
S)ruälegung eine« neuen übergegangen »erben fann. ©leic^geitig 
^aben bie arbeiten für bie SRe^ierung gnebrid^« III. if|ren gort* 
gang, ©ie finb in granffurt m ber ^anb be« Dr. Quibbe fon« 
gentriert, unter beffen ßeitung bort Dr. ^roning gearbeitet f)at 
5Der erftere befinbet fic^ jefet auf ber SReife in eine Snja^t füb* 
beutfc^er Slrd^iüe. @« fann »ieber^olt bie Hoffnung au«gef)}ro(^en 
»erben, ba| fi(^ ber SJrucf ber alten griebric^« KU. o^ne Unter* 
bre^ung an ©igmunb unb Sllbrec^t II. anfc^liegen »irb. 

2)ie üon $rofeffor ^egel ^erau«gegebene ©ammlung ber 
©täbted^ronüen »irb bemnä^ft eine »ert^öoöe Sereid^erung cc* 
fahren. S)er 19. SBanb ift im S)rudE faft üoHenbet; mit i^m bc* 

Sinnen bie Sübeder S^ronifen in ber ^Bearbeitung üon Dr. Ä. 
!op|)mann unb enthält biejcr erfte S5anb berfelben bie 3)etmar* 
(E^ronif üon 1105—1386 in brei üerfc^iebenen SRegenfionen. fjfir 
ben fotgenben S3anb finb ber ©dbluß ber S)etmar*S^ronif bi« 
1395 nebft t^ortfe^ung bi« 1400, bie fogenannte 9lufu« ^ (S^onit 
unb t>erf(^iebene Heinere ©tüdfe beftimmt. 

JBon ber ©ammlung ber ipanfereceffe , bearbeitet üon Dr. Ä. 

ftoppmann , l^at ber ^rud be« fec^ften 93anbe« , »elc^er bie Qtxt 

nn 1411—1420 umfaffen foQ, auf längere Qat eingefteßt »er« 



bei l^ifl. ilommiffion 6ei bev fonigt. Sa^t. ^fabemie htx SBiffenid^aften. 193 

bcn muffen. 3)cr Herausgeber ^offt il^n jebod^ im SBinter lieber 
aufnehmen unb bann f^neß förbern ju fönnen. 

S)ie Qfa^rbüc^er finb im fiaufe beS Saläre« burc^ ben ©d&Iu^* 
banb ber 3a^rbü(^er föaifer ^onrabd IL, bearbeitet Don $ro« 
feffor SJreßlau, üerüoHftänbigt ttjorben. 2Wit ben 3al^rbüc|em 
^einrid^S IV. unb §einrid^Ä V. ift 5ßrofeffor SWe^er üon Änonau 
ju Sixxxd), mit ben 3al|tbäd&em ^aifer griebric^S II. ^ofrat^ 
^ofeffor SBtnfelmann ju §eibe[berg befd^äftigt. Äud^ bie Ar* 
beiten für bie Sa^tbü^er Siaifer griebrit^S I. werben öorauS* 
fic^tKci^ bemnad^ft in Angriff genommen ttjerben. 2)a bie Ser^ 
iagSbu^^anblung öon mehreren Steifen ber Qa^rbüc^er, bie ent* 
tütbet ganj »ergriffen ober bo^ nur in wenigen ©jemplaren nod^ 
fäuflid^ finb, neue reüibierte Sluflagen ju üeranftalten getoiöt ift, 
^at bie Äommiffion für eine SReüifion jener Il^ile Sorge gu tra* 
gen gehabt. §err ^rofeffor Detener in 3^^"^"^* ö- 3Jc. $at bie 
3)ur(|ftd^t ber Arbeit beö berftorbenen $. ffi. JBonnell : „Die An* 
fange beS farolingifc^en ßaufeg", ^err ^rofeffor ©imfon in 5^ei^ 
bürg i. 8. bie 9ieüifion De» erften JBanoe« ber Sa^rbüd^er Karte 
bed ®ro^en, bearbeitet üon bem gleid^faüd üerftorbenen ©igurb 
W)tl, bereittoiHia übernommen. @el^. SieaierungiSrat^ SEßai^ unb 
^rofeffor S>ümmier Werben ft^ felbft ber Sebifion ber bon i^nen 
früher bearbeiteten I^eile ber Sa^rbüdber unterjie^en. 

S)ie aQgemeine beutfd^e l^iograpqie, rebigiert bom Alofter« 
propft greil^crm üon ßiliencron unb ^ßrofeffor bon SBegelc, l^at 
ii^en regelmäßigen Fortgang; ber 18 unb 19. SBanb finb im 
Saufe bed 3a^rei» in bem iBu^^anbel gefommen, unb aud^ bom 
20. Sanbe ift bereiti^ eine Lieferung aui^gegeben. 

3)ie geitfd^rift „gorfc^ungen jur beutfd^en ©efd^td^te", beren 
24. SBanb üollftänbtg erfd^ienen ift. Wirb unter SRebaltion beS 
@ef). 9iegierungi^rat^§ 993at|, ber ^rofefforen bon SBegele unb 
©ummler in ber bisherigen SBeife fortgeführt Werben. 

2)ie arbeiten für bie SBittelSbad^er Korrefponbengen finb 
aud^ im bcrfloffenen Sa^te t^unlid^ft geförbert worben. gür btc 
ältere <)faljif(^e «bt^eilung ift ^rofeffor üon SeaoÖ) t^ätig gc* 
wefen. 3)er gweite fßavb ber üon t^m bearbeiteten 9)riefe De8 
$fa(}grafen ^o^ann Saftmir ift erfd^ienen, unb mit ber Stebattion 
bcS britten (©^Iu§085anbe« wirb er fid^ junäd^ft befcfiäfttgen. 
gfir btc ältere ba^erifd^e Slbt^eilung ^at Dr. t?on S)ruffel feine 
arbeiten fortaefeftt: nad^bem nod^ einige notl^wenbige 9?ad^for* 
f^ungen in ben «rd^iüen ju ©reiben unb SBien angefteßt fein 
werben , l^offt er ben S)rudE be« üierten JBanbeS ber „^Briefe unb 
Sßten jur ©efd^id^te be« 16. ^al^rl^unbertS" beginnen laffen ju 
fönnen. Dr. ©tieüe l^at feine arbeiten für bie jüngere l^fäljifdjc 
unb ba^erifd^e Äbtl^eilung im legten Sa^re befonberS barauf ae* 
rid^tet, baS gewaltige äRaterial für ben 6. unb 7. SBanb bet 
„SBriefe unb aften jur ®efd^id^te beS breißigjä^rigen Äriege«" 
boßftänbig ^u fammefn unb gu fid^ten. 3)iefe beiben SBänbe foßen 

XXV. 13 



^^1 Sfünfunbatoanjigfle ^lenatt^erlammlmtg bet l^ifbttfd^en Sommtffion xc. 

ftd& auf bic ©efd^id^te bcr Saläre 1608—1610 bcjicl^cn, unb luirb 
mit bem Z)ruä bed 6. Sanbed oorau^ftci^tücl^ im ^erbfte bed 
näd^ftcn Sal^reS ber änfang gcmad^t lucrbcn. 

Sic arbeiten, toeld^e auf 9[nregung bcÄ ®el^ctmrat^S üon 
fiö^er für bic ©efd^id^tc Äaifer SubioigiJ bc8 SJatjcm in 9lom, 
namentlid^ im üattfanifd^en Sttd^iü, begonnen ftnb, Serben l^offent- 
lic^ im näd^ften SBinter burd^ eine neue römifd^c Steife }um S(b« 
fd^tug gelangen. 

3)ie Dorjä^riac Pcnarüerfammlung l^attc bem Dr. fjr. Stnt. 
©ped|t ^icrfelbft für feine Arbeit über bte ®ef(^i^tc bc8 Unter« 
rid^tStoefenS in Deutfd^Ianb Don ben älteften Beriten big jur SRtttc 
beö 13. Sa^r^unbertS einen ^reis öon 2500äKarf juertannt, ob* 
mo^I bic Slrbeit nod^ nid^t ganj t7onenbet n7ar; juglcid^ n)urbe 
eine Sr^öl^ung beg äJrcifeg um »eitere 1500 2ftarf in Slu«fi^t 
gefteHt, toenn bic arbeit abgefc^Ioffcn mieber üorgclegt unb gc=^ 
billigt toürbc. 9?ad^bem bieg injmifd^en gefd^e^en ift, tourbe bem 
SSerfaffer bic tmfprod^cne Prämie beioilligt; bic Arbeit bcffclbcn 
toirb bcmnäd^ft üeröffcntßd^t tuerben. 



t>ai SRart^rologium ^otttxi 
mt> feine S^emonbten. 



8on 



dntfl Dftmmler. 



XXV. u 



> 



3n ben Slnf ängen ber ^Vorarbeiten für bie Monnmenta 6er- 
maniae taudbte anä) ber $(an auf, ben auf S)eutf(l^em Soben ent^ 
ftanbenen äKart^roIogien mit {(udfc^Iu^ i^rer älteren ißorlagen 
Sbtfna^me ju gemö^ren, unb ed mürben ju biefem S9e^ufe einige 
^nbfd^riften berfelben vorläufig gemuftert (f. «rc^io IV, 307 flg.). 
@omo^I bie auSfübrlici^en äJtart^roIogien mit i^rem reid^en 3xu 
ffoiit ald auc^ bie nur aud 9tamen befte^enben ^alenbarien toixx^ 
ben, bie einen jur fiegenbe ber ^eiligen, bie anbem jur %e^U 
fteQuna i^rer örflid^en 9}ere^rung unb ber ^[ui^breitung berfelben 
gu l^erfd^iebenen 3^^^^ f(!^ä^bare unb mic^tige ^Beiträge geliefert 
laben. )6or anberen bringenberen unb notmenbigeren Kufgaben 
trat )ebo^ biefer Gebaute üöQig in ben |)intergrunb , unb f o ^at 
bii^^er nur ha^ iD2arü)roIogium bed SRönc^ej^ SEBanbalbert tn)n 
%rüm (Eingang in bie Monnmenta gef unben, unb au^ biefed nur um 
{einer bic^terifc^en f^orm miDen. S)er nic^t oöQig gelungenerer:' 
fud^ , bie urf^)rünglic^e ©eftalt beffelben ju ermitteln , jeigt aber 
auc^, knie leidet gerabe 2)entmäler biefer S(rt im Saufe ber 3^it 
burc^ 3uf^^ 0^^ {(udlaffungen umgeftaltet unb oermanbelt mürben. 

O^ne ber fünftigen Sntfd^eibung über bie Kufna^me biefer 
S(rt üon OueQen in unfere ©ammlung irgenbmie vorgreifen }u 
moQen, beabficbtige i^, auf ®runb banbf^riftli^er @tubien tn 
bem 9{ac^foIgenoen nur einige mit ber Siteraturgefc^id^te im Qn^ 
fammeitl^ange fte^enbe ^xaQen gu erörtern unb bamit }ugleic^ viel- 
leicht einen tieinen SSeitrag jur SSürbigung iener neuerbingd fe^r 
menia bead^teten, bennod^, mie fd^on 9lettbergi^ ^irc^engef^ic^te 
^eutfd^tanbd bemeift, immerhin beac^teni^merten 3)enlmä(er ju 
liefern, ber ju »eiteren Unterfud^ungen in biefer SKd^tung anre^» 
gen fönnte. 

SZeben bem fd^on genannten SBanbalbert, beffen poetifd^er 
^eiligenfalenber feinen eigenen S(ngaben jufolge beftimmt in ba§ 
3a^r 848 gefegt merben mug, fte^t ber gelehrte ^raban, 9bt 
oon ^ulba , ald ältefter SVerfaffer eine^ SU^orti^roIogiumi^ auf 2)eut« 
fd^em ©oben. ^erauSaegeben mürbe baffelbe im 3. 1604 öon 
^einr. Sanifiud nad^ Dem bem 9. Sal^r^. ange^örenben Sobe; 
457 ber ©t. (Sauer ©tiftdbibliot^ef (Lection. antiquae VI, 688— 
758). 3n biefer ^anbfd^rift, bie feinen 3Jamen eine« JBerfaffer^ 

14* 



198 dtnft Summier, 

nennt, fehlten 2 läge IV. unb V. Id. Novembriß, bic t>tSfyäb 
and) bcr «bbrucf ücnniffcn läfet *. Die ©t. ©aller öibliot^el 
befiel aber unter beu Suchern, n^eld^e ^domnus Grimoldus de 
suo dedit ad sanctum Gallum' no^ ein ^ Martyrologium Hra- 
bani in vol. 1\ je^t 9Zr. 458, ba« burc^ bie üorangefteHten SäMb^ 
mungen, bie äJiabillon (Analecta vet. 419) suerft üeröffentlic^te, 
aU ein üon ^raban felbft ^errü^renbed ®ef^enfe£em)7(ar ftd^ ju 
erlennen gibt. ®ine britte ^anbfc^rift beffelben äBerfei^ an% bem 
®nbe beö 11. 3^., in tüdd^em ber 1. Sanuar unb ber 26.— 31. 
5December feMcn, bat fic^ auf ber ©tabtbibliot^e! ju äRainj er* 
galten, biefeloe, aiii n^elc^er @c^annat (Vindemiae liter. 1, 1 flg.) 
einft bai^ SDiainjer Zobtenbud^ abbrucfen lieg. 

3lad)\>tm id^ bie ^oetifc^e äSiibmung bed SEßerfed an ben 9bt 
©rimalb erft ffirjlic^ n^ieber herausgegeben ^abe (Poetae lat. 
aevi Carol. II, 169), möge ^ier bie i^r üorangel^enbe profaif^e 
an ben Slbt Statleil nad; gefättiger S}ergleid|ung |). äßartmannd 
folgen : 

In nomine Domini incipit prologus Rabani 
episcopiadRatleichumabbatemde martyrologio. 

Rabanus servus Christi lesu et servorom ejus viro vene- 
rabili Ratleicho presbytero atque abbat! in domino salutem. 
Quia rogasti me, frater amantissime, ut martyrologium per 
totum annum tibi conscriberem atque sanctorum festa quae- 
cumque potuissem invenire ibidem insererem, feci quantum 
potui et singulis diebus nomina sanctorum quae scripta sive 
notata ab antecessoribus in libellis repperi ibidem inserui et 
cujuscumque sancti obitum sive martyrium, qualiter prae- 
sentem vitam finierint legi, breviter prout potui notavi. Tu 
autem, quia plurima scripta antiquorum invenisti vel legisti, 
per ea etiam hoc parvum opusculum examinans utile legen- 
tibus quoquomodo possis facias, ut quod mea imperitia at- 
que infirmitas idonee efficere non potuit, itua peritia atque 
industria utiliter perficiat, meque tuis sacris orationibus 
omnipotent! Deo commendes, ut ipse auctor et tributor sa- 
lutis nostrae me miserum per suam gratiam et per sancto- 



^ 91q(( gefftaiget aRitteilung bed Qxtii^. B^xd au Gd^toeindbero ^igi 
ei in bet Tlain^tx ^f. ^um VI. Id. Nov. 'Bomae quatuor coronatoram, 
id est Claudii, Castorii, Simphoriani et Nicostrati, qui tempore Dio- 
eleciani Augusti pro nomine Christi passi sunt, eo quod nollent deos 
paganorum colere. Nam cum essent insigneB artifices et in lapidibns 
marmoreis imagines sculpere super omnes artifices regios noverant et 
artis eorum pericia multum imperatori placuisset, tarnen accuaanti- 
bus eoB philosopbis, eo quod falsos deos adorare rennuerant, jussit eos 
Diocletianus loculis plumbeis inclusos omnes precipitari in flnvium. 
Passus est autem et cum eis Simplicianus, quem a gentilitatis ritu 
converterunt ad fidem Christi et martirii palmam simnl cum ipds 
complevit. 



9a8 TlatttjxoloQ^um 9{otfer3 unb ff ine IBertoanbten. 199 

mm suoram intercessionem a vinculis peccatorom absolüttim 
aeternae beatitudinis participem efficiat. 

Te Deus aeternus cnncta per tempora servet, 
Aeternam et vitam det tibi in arce poli ^ 

Slatictf folgte auf bcn am 14. SKärj 840 ücrftorbcncn ©n* 
l^rb in bcr ßeitung bcr äbtci ©eltgenftabt itnb ftanb bcrfdbcn 
biÄ gu frinem lobe am 14. 3fiini 854 üor. Qfn bicfcn 3ritp»nft 
alfo foOt bad i^m gekoibtnete 993erf ^raband, tuelc^ed 9lubo(f 
(Brower Antiq. Fuld. @. 250) unter beffen ©c^riften nod^ nid^t 
aufi&^It, toafyc^djtxnlxdj in bie äRuge, meiere feit 842 bte 9tie« 
berlegung ber ÄbtStoilrbe getoä^rte. S)ie SBibmung an ©rirnalb, 
ber im §. 841 W)t t)on St. @aDen mürbe , ergibt be^^alb feine 
n&^ere 3^itt>cftimmung, toeil er fd^on öor^er, minbeften« feit 833, 
«bt oon 3Bei|enburg mar. 3n bem aWart^roIogium fetbft fte^t 
unter Vn. Idus Nov. folgenbe 9?ac^ric^t (ed. Canisius ©. 748 
ogl. mit cod. 458). 

Eodem die natale sancti Rafi Mettensis nrbis episcopi 
et confessoris, qui translatas est a praedicta urbe, consen- 
tiente Drogone praesale in Wormaciensem pagnm in villam 
quae vocator Oterenheim , temporibus Hlothharii imperatoris 
et Hludovici regis, ubi etiam sanctitas ejus maltis virtuti- 
bos damit. 

2)tefe Uebertragung bed f). 9lufu9 üon 3Refy nad^ Obern« 
^eim (bei SHjei) mn§ nac^ bem Xobe fiiibmigd beS frommen unb 
t>üt 855 ftattgefunben ^aben, in meld^em dfal^re fomobi X)rogo 
atö Ä. Sol^ar ftarben *, ftt^rt bemnac^ auf benfelben S^itV^"'*- 

§raban berft^rt im übrigen nur fe^r toenige feiner 3^* ^^' 
fjtt liegenbe @ebenftage: 

XYn. Kai. Febr. In monasterio quoque Fuldae dedicatio 
ecclesiae sancti Michaelis in cimiterio fratrum (im 3. 822, 
f. Poetae lat. n, 209). 

V. Kai. Febr. Obiit Carolus (fe^It in 458). 
Xnn. Kai. Jun. Depositio domni Alchwini (804). 

VI. Id. Sept. . . et in suburbanis Magontiacensis eccle- 
siae natale sancti Disiboti confessoris (bemerf endmert , meil 
t)on biefem Zeitigen fo menig belannt ift). 

nn. Kai. Oct. Eodem die in Germania depositio Leobae 
virginis, quae in Britannia insula et Saxonom gente nata 

> ßraBand Söibmung feinet StuSlegung bed ISud^eS 2)Qmel, l^tauS^ege* 
Ben \>im ftunflmann (^taoonuS Süautud @. 213) , fd^Iiegt mit einem ft^nii- 

Bex regnm Dominus tribnat tibi tempora laeta, 
Aeternam et ritam conferat ipse polo. 
9la4 ftemtblidbet ajltitetlung be9 $r. CBetbtbtiot^tatd StamBod^ beftnbet ftd^ 
bie9 SBed in Sem codex Augiensis CCVIII saec. IX. ber (kixUxufyx $of« 
biBliotV^ mtb f!e(t bte SBibmung auf 6. 1—5. 

' 2olfyxt ftotb om 29. Ge]pt. , IDrogo 8. DccemBer 855. 



Pnfunb^tDan^idfle ^lenart^erfammlung 

ber ^ißonfc^en ^ommifjton bei ber füniglic^ 

ba9ertf(^en ^fabemie ber 2Bif[enf(^aften 

1884 



Seridit be« Secretariat«. 



202 0=rttft l^ftmmler, 

stitutifl direxit , pauca de eo summatim attingentes earandem 
remm ignaris insinoare curavimas. ((Sin Sul^jug qu8 ber 
Mio folat). 

S)ur(^ bie auf bem SSkae ber ©d^entuttg ttad^ @t. fallen 
gcfttfteten SRart^roIogicn $raban8 unb 8boÄ — ba« festere ffat 
\\A in bem Sobej 454 gleid^faDd noc^ i\^ an^ ben heutigen Xag 
ermatten — tt)urbe balb ein SD^itqlieb biefed J^IofteriS gu einer 
neuen umfaffenben ^Bearbeitung befjelben @toffeiS angeregt, toAdft 
und leiber nur üerftfimmelt in bem Sobe; 456 üorltegt unb bar« 
aus üon (SanifiuiS (Lect. ant. VI, 761—932) naq einer Sb« 
fc^rift 9D{e|(eri$ jum erften SRale herausgegeben tontbe. Xu^er 
bem ©dringe üom 27. Dctober an fehlen femer ber 12. 5uni 
jum 3;^eil, ber 13—17. gang unb ber 18. j. Z., bie läge üom 
3. — 6. 3uli fo ba| ber 3. unb 6. t^eiltoeife üor^anben finb. 

3n ber ber Studgabe beS SanifiuS (®. 760) üorange^enben 
Sorrebe äRe^IerS mirb , obgleid^ bie ^anbfc^rift felbft gar feinen 
Serfaffer nennt (ogl. ©d^errerö Serjeid^niÄ ber ©tiftöbibL ©. 160), 
9}otfer ber ©tammler, geft. 912, a(S fol^er bejeid^net, unb gmar 
meil fic^ in ber bem 13. Saffxf). ange^örigen @t. ®atler i^aubfc^r. 
620 (f. ©d^errer ©. 201) ^Excerpta ex martyrologüs Adonis 
et Notkeri' finben, bie offenbar j. %. au« biefem 9ßer(e ent^ 
nommen finb. @S mürbe a(fo mit biefem 3^upi^ f^^ ^^^ ^^^ 
)eberfd^aft ä^nlid^ fte^en tote mit benen, »el^e i^m im 12. 
fa^rl^. bie fogen., in ben älteren $ff. ol^ne 92amen fiberlieferte 
Notatio illustrium virorum jufc^reiben '. f^är bie Q^t ber 
Kbfaffung mad^te ISadnage (@. 88) , inbem er baraud baS dfa^r 
894 folgerte, auf folgenbe ©teile unter VII. Kai Maj. (cod. 458 
©. 110, Canis. ©. 313) aufmerffam: In Perside sancti Geor- 
gii martyris juxta kalendarium sagacissimi Hieronimi. Cujus 
passio apud Romanos et pene alios omnes nona die calen- 
darum Majarum, ut superius notatum est, celebris habetur. 
Quod idcirco significandum putavi, ut patriarcha noster 
Hatho Magontiacensis episcopus, qui hoc anno, id eat ab in- 
camatione Domini . . . caput ejus, sed et aliud quoddam mem- 
brum cum plurimis et roaximis sanctorum reliquüs in Ale- 
manniam ad novum monasterium snum a Formoso apostoUco 
impetratis asportavit. In ejus solemnitate, sancti Georgii 
videlicet, indicenda caute se agat, qnia et plures in hac 
die ipsius natalicia celebrare consueverunt. %a^ in ber ^f. 
fel^Ienbc Soifjv, in toeld^er *domini' bie geile fd^IoB, fann nur 
ourd^ 896 ergänzt tverben, in meldbem Sa^re ^atto ben ftaifer 
9[rnu(f )ur Tönung nac^ 9iom begleitete ^. 2)ag ber Serfaffer 

* ^l batübet 91. It^tt) IV, 546. Ru ben bafclbfi 91. 1 aufgeffl^tten ^ff. 
(ontmt no^ bie 9Rfincl^net ßf . 2550 (SlbetSbacl^ 20) saec. XII, toeld^ f. 126' bte 
UeBetfc^tift l^t: 'Notben cenobite S. OalH liber de illnstribui Tiris* etc. 

' aigl. meine «efd^id^te beS OfiftftnI. 9leid^ U, 420. 3ttt «efMäfiiuig 



1)a9 ^att^olo0tinn 9lot!etd unb feine Settoanbien. 208 

rutdi 870 fd^rieb , betoeift bie üor^r attaefa^cte SteDe über 9[bo. 
3ur Seftättgung faim man ttod^ letüor^eben bie SSorte fiber ben 
I. a}{ajrtmin \ üon betn ed jum 29. SRat ^eigt (®. 171 , Canis. 
@. 811): Cujus indumenta sacerdotalia in uma aerea* ad 
usque nostra, inuno Nordmannorum, tempora in testimonium 
sanctitatis ejus visebantur incorrupta. {(e^nltc^ jum 25. 3uli 
tnm bem b* Sucufad , ber ju @t. S)enid bei $arid beftottet toar ^ 
(@. 286, Canis. 883) : Cujus corpus . . ad ^ usque haec Nord- 
mannorum tempora omni cum honore cultum est. Ueber 
®tegor üon Siourd }um 16. Suguft (Canis. @. 903) : Quod si 
quem movet, quomodo idem« Gregorius in occasu solis po- 
situs ea quae in Oriente sunt gesta compererit^, ex aliis 
ejus scriptis agnoscat, quia de toto orbe ad sanctum Mar- 
tinum sicut ad apostolos * concurrebatur et de occiduis mundi 
partibus loca sancta in Judaea frequentabantur ; quod etiam 
usque ad haec Nordmannorum tempora jugiter actitari sole- 
bat, eine anä) fonft intereffante ©teile •. Unter V. Mus lulii 
(Canis. @.874) ^eigt t^ üon ben wabern üon äRonte Safftno^: 
sacros cineres . . satis religiöse curarunt, donec nuper in- 
festatione Saracenorum' in omnem ventum dispersi sunt. 

Suf @i @aDen ald ben Ort ber Sntfte^una ^ tpeifen Qu|er 
ber 8(euBeruns fiber Sbo üor allem bie ganj au^tfi^rlidbe Srtofi^« 
nung bed ff. ®a\lM )um 16. October ^ moran fic^ itnter beitt 
17. anf(^Iie|t: Item' translatio corporis sancti Galli^ et de- 
dicatio opiparis ^ et ^ decentissimae basilicae ^ ipsius, quae in- 
ter duos montes Cincium et Walthrammesberch "\ constructa 

» 'in orbe acrea' 3. f. 45. ^ *ef , 3. f. 68. « 'idem' 

fel^lt in 3. f. 75. « 'comperit' 3. • *plo8' cod. 8. GaUi. 

' 'aarracenorüm' 3. f. 64. fs 'et' 3. f. 95. ^ 'confe«- 

»orie fügt 3- ^n^u. * 'oppiparis' 3- * Wt i« 3« 

1 'basilie^* 3. » •WalthramneBberch* 3. 

bient bei Oatalog. abbat. Ängiensium (SS. XIII, 331), in bem e3 toon 

Satto Vifit: Iste fnndayit ecclesiam sanoti Qeorgii in Snperiori oella 
. i. Obetaett). 

^ %xm toutbe am 5. ^xiX 882 fibetf allen, f. meine dk]^. bed Ofl« 
ftflnl ^i^ U, 160. 

* %m 20. Od. 865 brangen bie !Rotmannen in Si. 2)eni9 ein unb 
tietioeilien bott ettoa 20 Xtt%t, f. Hincmari ann. Bertin. €. 80. ed. Waits. 

* %L bad ©d^tben Seod VII. bom 3. 938 (Jaffi^ Bei;, ed. alt. 
3604, Manai XVIII, 875: (b. Martini) gloriam universalis cbristianitaB 
atteatatnr, qnae illum . . commüniter araat , ita ut nusqnam alio 
post sanctoram apostolomm limina de tarn longinqnis et diversis na- 
tionibus coofluant oratores , sicnt facinnt ad ipsius yenerabile sepul- 
chmm. 

« SRonie d^affino toutbe 881 unb 883 i^imgefud^i , f. meine Hk^, M 
Ofifr. fltti^ II, 189. 

* ttniec bem 25. ^XptU, (6. 814, in 3. audgelaffen) fagt ber SSetfaffer 
HOS utpote barbari et in extrem mundi olimate positi eto. 

' ^ tetmeijl ^tet auf SGßala^ftib : quia Über yitae et virtntum ejna 
undique habetur et legitur, @. 928). 



204 dtttfl S)ümmlet, 

est , a meridie habens fluvium Steinaha *, ab aqoilone amnem 
Nigraha. Qui locus ex ipsius beati nomine sancti (xalli mo- 
nasterium cognominatur' ii. f. to. (@. 384, Canis. @. 929). 
t^mer jum 9. 3unt (@. 852) ber f)t\l. Solumba 'cognomento 
apud suos Columbkilli', jum 10. aRärj (@. 791) bcÄ %bm 
S(ta(a t)on fBobxo, ^discipali beati Columbani' \ jum 25. ä^at 
(®. 837) gebcnft er bc^ ^. Sfuctui^, bcr in 6ur ücrcl^rt würbe: 
cujus sepulchrum ^, id est qui in Rhetia ^ requiescit , sive 
rex quondam ille sive^ quicumque servus Dei fuerit, creber- 
rimis virtutibus illustratur; jum 1. ©ept. (@. 909) ber ^eil. 
SSerena Don Qnxiaä) , fär beren Segenbe bied bie tnid^tigfte OueQe 
tft^; jum 6. ©ept. (@. 912) beö f). aRagnu«, 'discipuli et co- 
mitis beati Galli', jum 11. (©. 914) bcr Qim6:iei ßeiügen jjc* 
Kj: unb Stegula. 92ad^ aQebem glaube qu($ id^ micp bered^ttgt, 
Mottet, einen ber ^eroorragenbften ®elel^rten unb 2)i^ter @anct 
@aOend, nad) (nie t^or für ben ^Bearbeiter biefed äßart^rologiums 
ju galten. 

Stuf ben @r}bifd^of W>o aU feinen SSorgänger berufi er fid^ 
an ber oben (©. 201) angefübrten ©teHe. SBenn ic^ nic^t irre, 
|at er ij^n audb felbft barin üeretoigen tooOen, benn an einem 
>ei Sanifiug fe^Ienben Drte fte^t in ben brei loeiter^in anjufü^* 
renben ^ff. ber Ueberarbeitung : XVII. Kai. Januar. . . Eodem 
die apud Yiennam urbem beati Adonis episcopi tocius sancti- 
tatis viri, qui in basilica apostolorum sepultus in pace quie- 
Vit. Unter bem 7. 3uli (©. 871) gebenft er ber fünf pannoni* 
fc^en ©teinme^en' unb fügt J^ingu: Quorum natalem sexta die 
Iduum Novembris eatenus nos celebrasse credidimus, donec 
venerabilis pater Ado alios et alios pro eis nobis honoran- 
dos insinuaret , de quibus in . suo loco vita comite commodias 
disseretur. 2)iefer Singer jeig gilt bem in ber §f. fe^Ienben 8. 
SRobember, unter ineicl^em bie überarbeiteten §ff. in toörtlic^cr 
Ucbereinftimmung mit äbo (©. 567) bie ©teinme^en in SBerbin^^ 
bung mit ben öier @efeönten ju SRom üorbringen. 

JBefonber« bejeid^nenb für 9?otIerÄ Hrt ift aber bie biSi^cr 
ungebrudCte 5ortfe|ung be« 12. 3uni, unter toel^em bon Siago^ 
riu8 unb (£elfu8 ge^anbelt loirb. 3m Slnfd^Iuffe an ben 2)ru(J 
(@. 858) ^ei§t e8 ^ier: De quorum igitur omnium gestis ex 
libro, quem antiquissimum invenimus, pauca repetere neces- 
sarium videtur, presertim cum et venerabilis pater Ado, cu- 
jus vestigiis innitimur, hoc ipso die Nazarium et Gelsum 

» 'eteniW S- ^ 'sepuloram 3. f. 44. « *rethia' 3. 

* 'ille' fügt 3. yna«. 

^ 2)te dhtoämixiq bed 1^. SoIumBan untet bem 21. 9lot>. (^. f. 102') 
beYbtent bed^alb nid^i angefü^tt au toetben, tüeil fte iDöttlid^ ou3 fS>o €.587 
entlel^nt ift. 

* Jla^ maikviba^, (»efd^td^iSquenen I, 318 91. 4. 

* 939I. S9übtn(|et, Unietfud^ungen jut 9Um. |{atfetgef<i^. III, 376. 



S)a3 Tlaxttßolßqxum 9loifetS unb feine Slkvtoanbten. 205 

apad Ebredannm* Galliae passos designet^ et sanctua 6re- 
gorius TnroBoram episcopus in libro miraculorum proprios 
eos ejusdem Ebredunensis ^ civitatis martires, non MecUola- 
nenses asseveret *. Sed mirain quomodo ipsa scriptara nobis 
jonioribos innotuerit, cum antiqniores nostros et praecipue 
diligentissimum Panlinum latnisset. Qnae si vera est, idem 
ipsi videntnr esse Nazarias et Celsns, qnos et snpra jnxta 
martirologium <> Rabani^ Moganciacensis* episcopi a Roma 
in Galliam translatos fuisse posnimus' et Mediolano passos 
agnovirnos et Ebreduno ' celebres accepimus, ita ut sangoine 
sao omnes illas civitates asperserint, corporibus vero suis 
Mediolanensem <^ illum ortum ac proinde ecclesiam decora- 
rint. Quod si cui scrupulns movetur, quomodo a Roma trans- 
lati fnerint, qni tantum aliquid de cruore^ suo in passioni- 
bns pro Christo ibidem reliquerint, procul dubio noverit, 
quia Romani pontifices, anteriores dumtaxat', nunquam 
sanctorum corpora, sed tantum brandea sanguine ipsorum 
infecta aut certe attactn membrorum aut cinerum consecrata 
pro reliquiis dare consuerunt. Igitur^ Nazarius inmanitate 
persecutionum ut in aetate et fide tenellus ad tempus per- 
territns, immo ad plurimorum salutem a domino destinatus *, 
Roma"" digressus, plurimis urbibos Christum annunciando 
pertransitis , Mediolanum venit ibique sanctissimos dei con- 
fessores Oervasium et Protasium ab Anolino'^ praeside in 
carcerem detrusos invenit. Quos divinis adhortationibus ro- 
boratos corporali praesentia relinquens ad tempus et a prae- 
side supradicto propter insuperabilem fidei ac doctrinae con- 
stantiam ab eadem civitate projectus atque per visionem ma- 
tris suae jam defunctae Italiam<* relinquere persuasus et 
Galliam illustrare monitus, Cimelensem^ civitatem ingressus, 
a primaria urbis illius filium ejus Celsum vel, ut ibi conti- 
netor, Celsium peregrinationis suae fidissimum comitem ac- 
cepit. Cum autem Clenabaus "> eorundem locorum praeses ob 
confessionem fidei christianae' inciperet punire. Nazarium 
snggestione conjugis suae lomede , discessit ab eo. Qui cum 

• 'Ebrndnnum' 3. f. 51, 'Ebridunum' <5.f. 41'. ^ 'Ebrade- 

niniis' Sv 'Ebridunensis* 6. c 'martyrologinm' d. ^ 'oha- 

bani' am. 'rhabani* 3* * 'mogunoiaenBia* 3* ' *Ebri- 

dnno' (^. « 'mediolanensum* 3* ^ 'crurore* 3- ^ 'dam- 

taxtat* 3. ^ 'Legitur 3. 1 Mestinatos' 3. » *Bomam' S. 

» 'abnolino' Z. <> 'ytaliam* (S. P 'cymelensem' (^. 

4 'olenabatu* 3- ' 'ohristianae fidei* (I. 

> S. 270 ed. Georgi: Sed et Nazarii et Celsi, qaoe daos passos 
fuisse apnd Ebredonensem urbem antiquitas memorando celebrat. 

' De gloria martyr. I, 0. 47: De sancti vero Nasarii ac Celsi 
pneri artabus , quos apad Ebredonensem Galliarnm urbem passos 
fecÜo certaminis narrat. 

" Martyrolog. Hrabani II. Id. Jon. (ed. Canis. S. 718). 



206 CFrn|! ©ümmter, 

inde egressus Treverensem provinciam caelesti semine fe- 
candaret, Cornelius praefectus novitatem doctrinae ipsius 
non sastinens, nee tarnen eam propter multitadinem creden- 
tium compescere sufficiens, literas* accusationibus sancti 
refertas Neroni Caesari per legatos direxit. Qui sine mora 
Dentonem malignitatis suae ministrum ad comprehenden- 
dum ^ Christi famulum in Gallias transroisit. Qui jussis ejus 
obsecundans sanctum Nazarium apud Ebredunum^ Oratorium 
aedificantem invenit et Celsum puerum iuxta eum. Quos 
arreptos Romam ad Neronem perduxit. Qui eos in ampbi- 
teatro ad bestias proici jussit. Bestiae vero milites et con- 
cubinas, ejus discerpentes, etiam illum in tarn subitaneam fii- 
gam praecipitaverunt ^, ut pede confracto corruens ulterius 
Sanitätern recuperare non posset. Tunc inpiissimus Nero 
jussit eos in mare proici. Quod cum factum fuisset, totum 
mare in fervorem nimium conversum nautis imminentia nau* 
fragia et mortem celerrimam minabatur, et ecce beatus Na- 
zarius apparuit eis in modum delfini natans juxta eos. Quem 
videntes et per eum a tempestate salvari credentes rogave- 
runt, ut ascendere dignaretur in navim, et catezizati* ab eo 
profecti sunt gratia dei custoditi. Puer autem mortuus et 
ante thronum Christi perductus, sed intercessionibus beati 
Nazarii ad litus et vitam reductus, quae ibi viderit et audi- 
erit beato martiri Christi nunciavit. Egressi autem de mare, 
venerunt in civitatem quae dicitur Genua et inde Mediola- 
num. Tunc beatus Nazarius juxta nomen suum cum Christo 
post mortem denuo reflorescens, multo plures quam prius ab 
idolorum cultura ad unius veri dei noticiam quasi verus Jona 
de profundo maris relatus praedicando convertit et beatos 
Christi confessores Protasium et Gervasium, quos reliquerat 
in carcere, ampliori gratia confirmatos invenit. Audiens au- 
tem Anolinus, quia viveret et credentes in fide confortaret, 
scripsit Neroni de eo et sancto Protasio et Gervasio, quali 
morte eos. puniri juberet. Qui admiratus quomodo evaserit 
de mari, et nautas ipsos occidere querens , sed non inveniens, 
dictavit sententiam, ut omnes capite truncarentur. Quod 
cum factum fuisset sive per Anolinum, ut putatur, sive per 
Astatium comitem, ut indubitanter agnoscitur, latuenint 
idem sancti usque ad tempora Honorii et Archadii impera- 
torum, sub quorum regimine etiam beatissimus Martinus ad 
caelorum sublimia conscendit. Sed cum' adhuc in came 
viveret, eorundem martirum reliquiis noviter instituta mona- 
steria vel ecclesias saepius sacrare consuevit. Haec nobis 
de apocrifo illo libro ita sint adbreviata, ut sicuti videatur 

» Mitterafl* C. »> 'comprehendum* 3- ® *Ebridurinm* 6. 

d «precipitaalf 3. • *cathezisati' (S. f 'sed et' 3. 



taS ^Ratti^Ioginm %>Üa^ utib feine äkttoanbieiu 207 

eosdem martires in diversis locis passos et idcirco ibidem 
quasi proprios solempniter celebratos*. Nulla tarnen prae- 
sumptione omnipotenti Deo audeat praedicare, quin uno eo- 
demque die ejusdem nominis martirem, id est Nazarium, et 
alios atque aüos earundem appellationum et apud Mediola- 
num et Ebredunum^ id est Nazarium et Celsum, triumpho 
martirii fecerit® coronari. 

9Kc^t ganj mit Unrecht tübmt iReugort (Episcopatus Con- 
stantiensis I, 1, 312) unferem vloüex^ nad): Regulas quoque 
artis criticae, ubi opus videbatur, diügenter adhibuit cavit- 
que solicite, ne dubia pro certis venditaret. 9Ui^ ISeifpiel 
bafär fä^tt er feine oorfid^tige SBe^anblung bed ^eil. £uriud an 
(f. oben @. 204). iöcai)ttx\^toeiti) in biefer ^infic^t tft bie SBe« 
merlung unter bem 21. äRai (Canis. @. 834): Autisiodori de- 
positio beati Valis presbyten, a quo nostrates aestimo no- 
men Valentis mutuatos. 2)iefe äSiorte be^te^en fic^ nfimlic^ 
auf ben im 3. 830 nac^ ber 9teic^ntau übertragenen fe^r frag« 
tuürbigen ^ett. Salend, an befjen ©teile fpäter lurgn^eg äJJarcud 
gefegt n^urbe. äRerlroärbig tft qu6) eine anbre S(eugerung unter 
bem 5. Suguft (Canis. @. 892): In Augusta Eufratensi na- 
tale sancti Afri martyris, quorum nominum simüitudine, id 
est et Augustae et Afri, nostrates inducti, hac die apud Au- 
gustam Rhetianam sive Yindelicam passionem sanctae Afrae 
consummatam putaverunt. I)e qua in sequentibus Deo volonte 
dicemus. (@ie folgt unter bem 7. %ug.). Unter bem 9. 9[ug. 
(@. 897) ^et§t ed: In Colonia Faustini, Marcellini, Secun- 
diani, Veriani iuxta martyrologium beati Hieronimi, cum a 
nostratibus apocriforum deliramenta sectantibus a beato Sixto 
propter continuationem temporum baptizati et a Decio di- 
cantur interempti. iBadnage (@. 88) ^ebt noc^ 92otteri^ Sporte 
über ben fap\t «naclet jum 26. a)7rU (@. 815) ^roor : Hie ad 
sacrificanaum idolis ductus sacrificavit, deinde poenitentia 
dactus pro confessione verae fidei capite truncatus est, für 
tDÜd)t er eine Cuede k^ermigte. S)er audfü^rli^e iBerid^t aber bie 
fiegenbe bed b. fOiamme» jum 16. 3uli (@. 877) erinnert und 
boran, bag SBala^frib eben biefelbe jum ©egenftanbe eined Ion« 
geren ®ebi(^ted machte unb üermut^Iid^ bafür biefelbe Ouelle be< 
nu^te, tnie 9lotfer, n^enn biefer ibn nic^t etn^a felbft ju ©runbe 
gelegt ^at. 3)enfdben iD^^ammei^ Dringt yioütx, o^ne ed 3u mer^ 



» 'celebratur* 3. ^ *Ebridunuin* 6. « 'feoerat' 3. 

1 &ü)ai fdb&Tfet ftugett fi^ Gd^Tdcf^ (Ptvd^engefd^. XXIII, 220): ^gfafl 
fiberaU ifi einetlet Scic^tgUubigfeü auä^ gegen bie abeni^uetlid^flen (Ir^Al^lttn* 
gen fi^tBat, tanh too ein @$ein tooii (ttiüi angenommen toitb, ift ed ein 
hio%A JäNncli^t". ^it Don i^ l^otgel^bene ©teile über bie ^immelfa)^ 
SRarioe bcm^t ol^e 3^if<I onf iboi libellDs de fettiritat. 6. l. 



s 



208 (Stnfi 2)fiinmlet, 

fett, noä) mmol juitt ll.$[ugttft tt^Srtlic^ ' ttadb ßrabott (Canis. 
©. 905, JjflI. 732). 

^ür bie Sludgabe uttfereS äKart^roIogtutnd glaubtett S)ümge 
unb aRone ben Sobqr ber öffentlid^ett iBibliotl^e! ju ©tuttgart 
Theol. et philos. 209 üertoettben gu lönnen, bod^ betnertte fqott 
fiebret mit Siedet, betreibe uitterfdbeibe ftd^ üon ber Sudgabe bei 
Soniftud burc^ Bufäfee utib Studlaffuttgett fo ouffaHettb, \)a% man 
il^n oft fär eine Ueberarbeitung beiS t^r }u ®runbe liegenben 
Sejte« galten möchte (^erfe «rc^iö IV, 308. 310; V, 530). 
S)ur(l^ bie ®ilte bed |ir. Obetrftubienrateg 9EB. ^ei^b burfte td^ 
biefe n^ertt^oDe ^anbfd^rift in ^aQe benu|en. Sie enthält auf 
109 S3Iättern in Ouarto, mel^e an» 13 Vs Ouatemionen be- 
leihen, ba» SJZartQrotogium , h^elc^ed f. 1 ebenfo mie ber Z)ru(f 
ed ^nifiu8 beginnt: Incipit martirilogium a Romanis exara- 
tum. A. Kai. lan. Octava nativitatis dominicae, unb f. 109 
fd^Uegt: Festum tarnen ejus et supra nominatonim martirum 
n. Kai. Jan. agitur (f. Ado ed. Georgius @. 11). 

(Sinen tSxnQtt^iQ für ben @d^reiber bejn?. ^erfaffer biefed 
SBerIed erhalten n^ir burd^ einen Sintrag gum 24. @e^t. ' (f. 89') : 
Heriman vir totus ex sapientia virtutumque amator magnum 
dolorem suis relinquens obiit. Qui hunc librum ad obse- 
quium sancti Michahelis aliosque patravit. S)er Slag, unter 
melc^em biefe SBorte flehen, ebenfo n^ie baf^ tooxmt Sob taffen 
loum einen Qtoex^d, ba% n^ir ed mit bem am 24. @e^t. 1054 
üerftorbenen ^ermann bem Säumen t^on 9leid^enau * ju t^un f)a^ 
ben , obgleic^ 93ert^oIb üon biefer feiner Strbeit nid^ti^ meig * unb 
9fiei(^enau nic^t bem ^eil. äRic^ael, fonbem ber l^eil. äl^^aria ge« 
mei^t mar. Qnx SBeftätigung bient aber namentli^, ba^ ed ht 
bem 83eri(^te über bie (Srn^erbung ber 9ieliquien bei^ 1^. 2)eftbe« 
riuiS bur^ Stbo (f. 48, S. f. 35) l^eigt: nobis in cenobio quod 
vocatur Aagia constitutis direxit'. S)agegen ift bie oben (®. 202) 
audgel^obene @telle über bie 9teliquien bei^ f). ®eorg aui^elaffen, 
ebenfo toit bie über SBaleni^. 3n ber X^at »irb nun in ber 

^ 3u ^ta 9lamen 'Mammae* fügt 9lot!ei übereinftitnmenb mit SBalal^ 
ftib 'siye Mammetis". 

' dbenfo in 6. f. 78' unb in SB. 

' Sgl Necrol. S. GalU (6t. ^Oer Snittl^L IX, 54) VIII. Kai. Oct. 
Obitus . . . Heremanni claadi viri doctissimi et benigniasimi ; Neor. 
Ottenbur. (3eitf(^t. beS l^ifior. S3ereing für @d^toaBen u. Nienburg Y, 423) 
YIU. Kai. Oct. Herimannxis sapiens clericus; Bernoldi Necr. (SS. V, 
892) VIII. Kai. Oct. Heremannus doctor egregioB obiit. 

^ SS. V, 267—269. ^anSiafob (^erimamt bet M^mt <S. 67) fd^teibi 
^ermann oud^ eine 6d^tft De quadratura circuli 3U, oBgleid^ ^Obn^ a. 
a. O. nur bon mtm äBexfe gftancod f|md^t , bad an einen fyvnumn gettäiet 
toav ; aia tdbrid^ Ouelle, bet (SfyctmH @igebettd bon d^emblou^c a. 1047 (SS. 
VI, 859) , aber etfe^ toix überbieS , ba% biefe Sd^tift an ben drabifc^of 
ßctmonn O. bon Göln (1036— 1056) gerid^ict toar, bgL Ang. Mai Clas- 
sic, aaotor. III, 840—348. 



£o$ SRatfl^orogtum 9ofUti mtb feine ISettoonbien. 209 

e^tonil iBert^oIb« t)ott gkoiefolten au8 ber äKitte be« 12. do^r^. 
aandbet, c. 23 (S&. X, 108) ba^ ber ^tieftet ®ifUbert txm 
SKortuIa (b. f). Opermotd^tal) bicfcm filofter u. a. *unum marty- 
rologium a Hermanno Contracto collectum' ftiftete. UttiloeU 
fel^aft aber ift bamit baS unfrige, j|e|t in Stuttgart befmbli^e 
gemeutt, tote caif^ bem SBerjeic^nte ber $f{. beft KlofterS 3^^^ 
fatten ^en^orgebt, todijt» a}^eriborf toer&ffentlic^t ^at (Serapeum 
XX a. 1859, dnteaigenibl. 9tr. 11, too bie ^f. nod^ in baS 11. 
3a^r^. gefegt mirb). 

Unter biefen Umftänben ^aben bie felbftänbigen 3uffi|e be- 
fonbere SEBtc^tigteit, toelc^e $eilige aud ber Qdt naäf ätotter be« 
treffen. (£8 finb folgenbe: 

f. 3 (S.f. 3) )um 2. 3anuar: Depositio beati Odilonis 
Cloniacensis cenobii et multomm monasteriomm patris, qni 
doctrina, mansuetudine omniqne pietate et sanctitate mira- 
bilis digiiusque successor et heres, ut ab ipso designatus 
est, sancti Majoli abbatis plurimis ad maltorom salutem con- 
senuit annis, ante obitum nonnullis et post obitum permul- 
tis Claras * miraculis. Obiit autem anno ab incarnatione do- 
minica»' MXLVIIIL 

f. 18 (S. f. 14') jum 20. ^ebr. Apud Viennam translatio ^ 
reliqoiamm beati Galli abbatis mirae sanctitatis viri, disci- 
paU sancti Columbani abbatis. 

f. 31 (£. f. 26') }. 23. a^nril. Eodem die passio sancti 
Adalberti martiris , qni de Boemia natus et Rome exol mo- 
nacbusque factus et deinde ad patriam reversus et Brago- 
nim urbis presnl effectus, cum tempore tercii Ottonis genti 
Pmzorum verbum vitae predicaret, a paganis septies per- 
fossus et capite truncatus, tribos diebus ab aqoila custoditns 
est® et primo apud Polonos^ honorifice sepultus est*, postea 
anno dominicae incamationis MXXXVIU. a Brezizlao Boe- 
mano duce tr^slatus et ad sedem suam Bragam urbem re- 
latus ibique cum snmmo honore conditus quiescit. 

f. 60' (S. f. 50) im. Non. Jul. Apud Augustam VindeU- 
cam depositio sancti et' beatissimi Oudalrici episcopi. Qui 
de Suevorum stirpe ex nobilibus et religiosis parentibns or- 
ins cujusdam hospitis sancti admonitione > infra XII ebdoma- 
das ^ a nativitate sua a lacte sugendo abstractus et solido 
cibo pastus, ex macilento et deformi formosus effectus est. 
Dein ^ apud sancti Galli coenobium literis eruditus, cum jam 

» 'daruiV d, ^ 'dominier incarsationiB* (5. « 'eit' 

WÜ in S. d Tolanoe' (S. • 'est* fe^U in C. * 'et* 

1^ in 3. « «ammonitione* 3. ^ 'eptomadas* 3. 

1 'deinde* €. 

^ i93gl. ^0 au btefem £age (®. 98) : Item in Alamannia beati Galli 
abbatis, mirae sanctitatis viri , discipuli sancti Colnmbani abbatis: 
fibo ifattt al\o tool^l 9leliquien bed 1^. (Slattud an btefem Sage enMifangen. 



210 (Stnfi 2)fimmler, 

adolescens religioni deditas monachum se inibi facere deli- 
beraret, consilio sanctae * Wiboradae virginis et postea mar- 
tiris ibidem inclusae emn episcopum futumm predicentis in- 
hibitus est. Postea Adalberonis prefatae urbis venerandi 
antistitis clericus effectus, cmu Romam graüa orandi adisset, 
ut quidam tradmit a Marino papa, ut vero mihi jnxta^ ca- 
talogam pontificum Romanorum verius videtur a Sergio se- 
cundo papa Romano, episcopmn suum defimctmn et se in 
locum eins ordinandmn accepit. Inde in patriam reversus, 
post XIÜI annos, quibus Hiltine^ prefoit episcopus, ipse^ 
ab*, Heinrico tunc rege' promotus eidem Aogostae Yindeli- 
cae V. KaL lanuar. pontifex ordinatus est. In qua omni 
fide et religione prepollens et precipuae caritatis et miseri- 
cordiae pietatisque in cunctos operibus totus affluens seque 
in cunctis presulem deo dignum exhibens, plurimam a domino 
virtutum et sanitatum gratiam promeruit. Nam inter pla- 
rima caelestium revelationum archana dextera Dei super ip- 
sum sacrificium celebrantem ^ quibusdam visibiUter quasi con- 
signans ^ apparuit , et ipse sanctae ^ martyris Afrae ducata 
sanctorum conventui et colloquio interesse promeruit et locum 
sepulturae ejusdem martiris ipsa revelante cognovit Ungari- 
caeque gentis pugnam Augustae superventuram et chiistia- 
nis victoriam per merita maxime ipsius concedendam predi- 
dicit. Sed et fluminum pericula et inundationes crebro mi- 
rabiiiter superavit et sibi inoboedientes divinitus gravi in- 
firmitate percussos ^ benedictione sua reddidit sanitati* plu- 
rimisque diversis molestiis morbisque laborantibus tum be- 
nedictione seu oratione sua tum per oleum a se consecratum 
optatam salutem restituit et, ut breviter includam (fo), modis 
Omnibus amabilis, desiderabilis, mirabilis et vere laudabilis 
presul effulsit. Post quae omnia bona jam"^ etiam mona- 
chico habitu indutus , infirmitate decoctus et in onmi sancti- 
tate consummatus, anno aetatis suae ^ octogesimo tertio, episco- 
patus vero quinquagesimo , anno ab incamatione domini non* 

Sfentesimo^ septuagesimo tertio, IUI. Non. lulii feria sexta 
eliciter migravit ad Dominum, miri odoris suavitate de ex- 
animi corpore confestim effraglante. Cujus corpus sanetissi- 
mum a Wolfgango Ratisponense p episcopo venerabili quasi 
divinitus misso in basiüca sanctae Afrae martyris ^ digno 
honore tumulatum innumerabilibus miraculis incessanter tarn 

» 'beat^* d. b 'iuxto mihi* 3. « hjlÜD§ (F. ^ *ipie* 
fe^li iit 3. « *a' 3. ^ 'rege tunc* 3- « 'Mcra 

raysteria celebrantem* €. ^ 'consignas* ^. < 'sancti* C, 

'sancte* 3* ^^ Slonbe. ^ 'percussuB* 3- ' eanitati reddidit* 3- 
« *iam* fe^U bei 3. » »eu^ fe^U 3. <> 'DCCCC* ß., 

'nongento* (F. p 'Wolfgando ratispoxieiue 3* ^ 'martjne* 

fe^ in 3. 



i)a$ SRatti^rolo^ium 9^otfrr« unb feine 33ertoanbteu. 211 

illic quam alibi per uierita et reliquias ejus effectis a toto 
pene christiano orbe veneratur, celebratur, irequentatur, ad- 
oratur. Hiyus vitam primo Gerhardus ejusdem Augustae 
urbia canonicus et prepoBitus plenius quidem, sed rustico ser- 
mone descripsit. Postea vero Gebehardus ejusdem urbis epi- 
Bcopus succincte nimis, sed* enidite^ scribere adorsus est. 
Postremo vero Bern Augensis abbas venerandus luculente 
satis, sed plurima causa compendii, cognitu tarnen utilia, pre- 
termittens, eandem vitam a Fridebaldo coenobii sanctae Afrae 
abbate rogatus edidit; qui etiam in bonore sancti ejusdem 
nocturnales prius cantilenas musico canore composuit. 

f. 56' (C. f. 46) sunt 26. 3uni : Eodem die passi sunt Pa- 
trititts et Metellius, quos sanctus Chuonradus^ Constantien- 
sis episcopus Romae acquisivit et in ecclesiae"^ Constantien- 
sis altaii integros locavit^ 

f. 81 (C. f. 70) jum 28. «ufluft im «nfc^luffc an bcn f). ^e^^ 
lagiud ' : Cujus corpus a Salomone Constantiensi presule 
Constantiam delatum nuiltis inibi claret et clarebit miraculis. 

f. 105' jum 26. 9?üOembcr * : Eodem in Suevia apud Con- 
stantiam civitatem natalis sancti Cuonradi, qui a beato Ou- 
dalrico Augustensi episcopo aliisque religiosissimis viris in 
episcopum electus, sub Dei degens regula, a Deo sibi subditos 
bene ac regulariter regebat. Vir idem, Dei semper intendens 
servitio, tribus vicibus sepulchrum domini nostri lesu Christi 
Hierosolimis visitavit. Ac secundo inde reversus cenobium 
quoddam juxta monasterium in bonore sancti Mauricii con- 
stituit, quo et sepulchrum Domini competentem ordinans, 
prout Deo placuit variis et innumerabilibus ornamentis deco- 
ravit. Preterea duas quoque alias aecclesias sancti Johannis 
euangelistae construxit. Tercio vero de sepulchro Domini, 
quod tribus, ut diximus, vicibus visitavit, reversus, multas 
sanctorum reliquias sua sanctitate acquisitas , inter quas Pa- 
tricium et Metellum Romae acquisitos in principalis ecciesiae 
altari , ubi sedes episcopalis, magna devotione reposuit. Ad- 
mirandis autem virtutibus innumerabilibusque in hac vita 
signorum miraculis poUens, anno quadragesimo secundoque 
sui episcopatus VI. Kai. Decembris ad celestis habitaculi 
premium vocatus hujus vitam seculi feliciter consummavit. 
Ad ciyus sepulchrum multa ostenduntur miracula sicque vita 
et mors ejus preciosa miraculis commendatur. 

» 'nimisque' 6. * 'eruditer* 3« * 'cunradus' 6. 

^ 'fcciesiae' 6. ^ 'coUocauit* (S. 

' IBal. übet beffen Ueberttagung burd^ Salomon III. (890—919) Ek- 
kebardi CaBiis S. Galli c. 2 1—23. 27. 28. (ed. VltUfn bon Stnonan 6. 85. 
90. 95. 96. 107. 112, mit (hldttterungen). 

' 2)iefe T^acbrid^ten ftnb um {o toext^boUet. aU bie Vita Cbaonradi 
erfl jum ^toeife feinet ^eiltfif^nml^ung im 3. 1128 betfagi toutbe, f. SEDat* 
imba^ «C. II 53. 

XXV. 15 



212 (Jntft l^üminlet, 

Srgänjungcn üoit fel^Icnben |)ciliqcn aus ber älteren 3^^ 
bringt bie Smicfalter §f . nur tt?enigc. 3c^ ermähne f. 26' ((5. f. 21) 
jum 25. m&^: 

Eodem die Terdone Martiani episcopi et martyris, qui 
8ub Adriano imperatore agente quodam Sapricio capitalem 
sententiam pro Christo suscepit. (Sluf biefen SKartian gibt eS 
ön ©ebid^t SBala^frib«, f. Poetae lat. aevi Carol. H, 409). 

f. 63 (6. f. 53) jum 6. 3uli: Ipsa die sancti Willibaldi 
episcopi et martiris (confessoris' C). 

f. 108 jum 13. 2)ecember: Eodem die natalis sanctae 
Otiliae virginis. Quae ceca matris utero nata in baptisma- 
tis regeneratione tarn mente quam corpore illuminata est 
celitus, patri principi terreno despecta, sed regi regum Do- 
mino singulariter electa. (SDiefc ©teQc fönntc fc^on auS 9?ot^ 
!er ftammen, ber für biefen SWonat fe^lt). 

äBäl^renb Jpermann fic^ mitunter Sludlaffungen anf^ feinet 
JBorloge erlaubt ff. oben ©. 208) , häufiger UrnftcHungen o^ne 
Senberungen beS SSortlauted , befte^t bie nid^t unbebeutenbe @r« 
toeiterung, bie er feinem SBorgänger ju 21^eU »erben lä^t, t?iel= 
mel^r barin, bag er auf bie üon jenem benu|ten QueDen felbft ju- 
rfidgreift unb beren ausführlicheren Serid^t an bie ©teile feinet 
aiuSgüae feftt. Am meiften Stoff ^at i^m natüriid^ 9lbo g^ 
liefert fon^o^I burd^ fein ÜRartt/rotogium als aud^ bur^ ben bem- 
felben borangefteüten libellus de festivitatibus sanctorum apo- 
stolorum, aber auij ^raban unb ©regor Don SourS toerben 
nid^t minber neuerbingS ju SHat^e gegogen. 

©0 l^at er j. S. f. 59' V. Non. Jul. In Edissa Mesopo- 
tamiae festivitas translationis corporis sancti Thomae apostoli. 
Qui passus est in India civitate Calaminicae ad similitudi- 
nem Domini lancea transfixus. In quo loco translationis ejus, 
videlicet Edissa, cum eodem tempore, sicut sanctus Grego- 
rius Turonorum episcopus enarrat, solemnitatis illius gratia 
per XXX dies omnium pene orientalium, immo tocius orbis 
conventus ac mercatus celeberrimus habeatur etc., folgt ein 
SBunber aus De gloria mart) rum I c. 32 (©. 758 ed. Ruinart). 
2Bä^rcnb ^ier ber SBortlaut »eränbert ift, n?irb f. 61 unter ber 
ordinatio episcopatus et translatio corporis sancti Martini 
episcopi ac dedicatio basilicae ipsius, tt?eld^e SKotfer übergebt, 
obglei^ |)raban unb ?lbü fie gum 4. SuU erujä^nen, mit ben 
SBorten 'cujus translationis, ut Gregorius post multos alios 
successor ejus refert, talis est ratio' eine längere toörttidie 
©ntle^nung aus De miraculis S. Martini I c. 6 (©. 1007 ed. 
Ruinart) eingeleitet. 

gür bie unmittelbare JBenu|ung ßrabanS ift eS bejei(§nenb, 
ba§ SRotlet jtoar unter bem 18. Suli (©. 879) bie jiemlic^ furje 
»ufjeidinung «boS (©. 341) über ben ^eil. Arnulf üon 3»e| 
toörtlid^ wieber^olt, ^ermann bagegen f. 66 bie öiel auSfu^rli- 



Soe ^att^tologium ^oiUx9 unb feine !93ettoanbten. 21 S 

d^ere (Srsä^tuna jpraband (@. 725) an beten ©teOe fe^t. SRand^e 
(Srgfingwngen finb i^m entnommen , j. JB. f. 16 j. 6. gebr. : In 
Britaniis civitate Augusta natale sancti Auguli episcopi et 
martjris, ögl. Canis. ©. 698; f. 47': In Ninive natale Di- 
noci, Attali, Camari, Tyrinae, luliae et Satrani, Ciprini, 
Dgl. Canisius @. 716; f. 57: Inventio sanctorum corpora Fau- 
stiani et Victorici atque Gentiani martyrum etc., ügl. Cani- 
sius ©. 720 V. Kai. lul.; f. 74' (E. f. 64) jum 11. «ug.: 
Eodem die depositio üaugerici episcopi, folgt ein länger ^t* 
xxdft au^ §raban ©.730, mä^renb bei Äbo btefet ^eilige fe^tt; 
f. 75 jum 13. Äug.: In Germania provincia natale sancti Wi- 
berecti presbyteri et confessoris, ebenba ©. 731 u.f. tt). 

©ei weitem [tarier alö ^roban ifi jebo«^ neuerbingö Äbo 
audgefc^rieben , obgleid; fc^on 'Jlotfer i^n neben jenem atiS feine 
^auptquelle ju ®runbe gelegt Ijatte. &iexä) unter bem 1. Qanuar 
gibt biefer aber bie ^ei(. ^^artino einen turnen 9eri(j^t nadf i^raban, 
^ermonn bagegen toieber^olt f. 1—2 ganj toörtlic^ ben ausfuhr« 
Iid^cn äbo3 (@. 15—16). ®enau bag ©leic^e gilt üon bem un* 
mittelbar barauf folgenben Concordius f. 2. ^üx ben f). %xtüi 
jum 4. d^anuar f. 3 gen^ä^rte 9lbod iibellus de festivitatibus 
apostol. (©. xLiv ed. Georgi) reichlichen ©toff. Unter bem 9. 
5anuar, tt?o SRotfer nic^t |)raban gefolgt tvax, fonbem fiber 
duItanuS unb Safiliffa bie fe^r aufgeführte @rjä^(ung Äbod 
r©. 35—37) ftarf abgefürjt ^attc, fef|rt bie urfprunglid^e bei 
^ermann f. 5'— 6 in üoUem Umfange »ieber, ba« 9?ämlic^e ift 
f. 7 ben 14. 3annar bei ^elij üon ?RoIa ber fJaU , f. 8 ift ©u^ 
|)tciug üon JBourgeg aud Äbo (©. 45) ^injugefügt, biel augfü^r- 
lieber na^ äbo (©. 52) finb ®ermanicu« unb ^ontianu« f. 9 
be^anbelt, be«gl. f. 9—10 »ifc^of ^ubliu« üon Sitten nac^ bem 
Iibellus Äbo«* ©. xLvii, ebenfo f. 11 limotl^euiJ nad^ ©. xliv, 
über ^olicarpuS ©. xlvi. Sg toürbe ermübenb fein, biefe ©er* 
aleic^ung für bie folgenben äRonate weiter burc^jufü^ren , ba fid^ 
bei fe^r oielen ^eiligen, jumal ben Sl^)ofteIn unb i^ren Sündern, 
allenthalben bie nämliche ßrfc^einiutg wiebcr^olt. Qnx unmittel* 
baren ®rgänjung ber fiücfen ^JJotferö bürfte ba^cr bie 3ttJiefaIter 

f. laum geeignet fein, menn er auc^ beren ®runblage bilbet. 

«njelne JBerbeffcrungen be« gebrucften lejte« Würbe fie Wo^I 
bieten, aber fie ift t>od), wiewot|l äufeerfic^ fc^ön, in ber "^at 
nac^Iäffig gefct^rieben , beun fie f)ai in ben 9?amen üiele (J^^Ier 
unb Ia|t nic^t feiten SBorte axi^ *. 

* ?lu§ biefem l^t er oud^ nod^ f. 29 I^imoit ©. xliv, f. 34' ©imeon 
6. zui, f. B9 i^txmai, f. 84 ben \). £)nefi))I)OTU^ @. xlyi, f. 88 ben 9pos 
fiel SRatlieuS ®. xlii , f. 89' (Jleop^a^ ©. xlvii , f. 93 ©imeon ©. xlix, 
f. 95 ßiuaS ©. xLiii, f. 106 «nbreod ©. xli, f. 65 ©ileal ©. xlv, f. 66' 
Cp^fad S. XLVI, f. 83 Tf^tht 6. xltii, f. 84 Tlatia B. xlix u. f. Xo. 

' )93om 3anisaT bid Tia\ feilten bie Bei 9{otfet botangefteßten eingaben 
übet bte SAnge bed ^onatd; f. 66 ift qu^ ^etjel^n bie Seaei^nung XVI 

15* 



214 (^rnft Xümmlet, 

Sie Arbeit ^cnnanud, beten ec^te ®eftalt mir aOein ber 
je^igen Stuttgarter $f. üerbanfeii, luurbe nod^ einmal überarbei^ 
tet ober üiclme^r, o|nc ben überlieferten JBeftanb felbft ju be- 
rüt)ren, nur burd^ neue Sn]äije t)erüoQ[tänbicit. ^iefed SBerf, 
befi'en SEöiege id) nic^t uad}jutt?eifen oermag, ift gegen bie äWitte 
bed 12. 3a^r^. entftanben unb burc^ 2 älcün^ner ^ff. aud bie^ 
fer Seit auf un8 gelangt, 5256 aiif^ S^iemfec (ß) unb 22058 
an^ SQäeffobrunn (Sä). SKä^renb bie lefetere, bie ni^ti^ toeiter alö 
baS ä){artt)rolügium enthält unb nur ettt^ad jünger ju fein fc^eint, 
fidö gang üollftänbig erhalten ^at, fehlen in ber erftcren fünf (auÄ- 
gefdjnittene) »lätter, nac^ f. 31. 34. 39. 56. 72, für toelc^eba* 
^er bie anbere ergänjeub eintreten mug. 

3nbem ic^ nac^ftel)enb üor aUent biejenigen ber burc^h^eg 
!urj gehaltenen @infc^iebfel mitt^eile, n?eld;e ber QAt i^re^ 93ep 
fafjer«^ na^e fte^en, fjabe id} boc^ auc^ einen Xtjeil ber auf frft^ 
^ere S^^r^unberte begüglid^en nic^t aui&fd)lie]gen tuoOen, meil fie 
bag 93eftreben üerrat^en, bie I)eutfd)en ^eiligen, baneben aBer* 
bingd auc^ bie 3rifc^en u. a., t^ollftänbiger ah ed bie Vorgänger 
getrau batten, ber 3Jad)njelt gu überliefern. Irier tritt barin 
auffaflenb ^erüor. 

6. f. 3 IUI. Non. Jan. Ravenne sancti Barbatiam con- 
fessoiis. 

f. 4" VII. Id. Januar. In territorio civitatis Agnppinae 
Regenaldi martyris. Apud Pataviam sancti Valentini episcopi. 

VI. Id. Jan. Apud Tyburniam metropolim Noricorum 
sancti Herhardi episcopi et confessoris. 

f. 5' Id. Jan. Octava theoplianiae. Treveris sancti Agri- 
cii episcopi et confessoris. 

f. 6' XVUII. Kai. Febr. Treveris sancti Nycasii episcopi 
et confessoris. In Hybernia sancte Ydae virginis gloriosae 
in miraculis. 

f. 7 XVII. K. F. In Alemannia Tozzonis episcopi, ciyus 
sanciitatem commendant preclara gesta beati Magni. 

XVI. K. F. In Norico Ripensi sancti üanialberti pres- 
biteri magnae sanctitatis viri. 

f. 9' III. K. F. In Ikitannia sancti Wilgisli abbatiR, 
cujus tilius fuit Willibrordus , qui et Clemens, archiepiscopus. 

f. 10 IUI. Non. Febr. In Anglia sancti Laurentii Can- 
tuarensis archiepiscopi et confessoris. In Germania deposi- 
tio sancti Ijurcbardi Wirziburgensis episcopi et confessoris. 

f. 11 U. N. F. Eodem die sancti üildi abbatis. Apud 
Anglos sanctae Mathildis reginae^ 

f. 12 Apud Brixiam Noricam sanctorum confessorum 
et episcoporum Ingenuini et Albuini. 

Kai. (9tug.) toeggelaffen, unb bie ^eiligen biefed Zage« toetben einfad^ an ben 
boTange^enben ongefd^Ioffeit. 

' ^etnric^d I. Don (Englanb Qkma^lm, geft. 1118. 



*tai SRatt^tolo^um 9{ot!ct^ unb feine Settoanbtcn. 215 

f. 12' VI. Id. Febr. Item apud Virdunum sancti Pauli 
episcopi et confessoris. 

V. I. F. In Fontenella monasterio sancti Ansberti epi- 
scopi et confessoris. Apud Noricum sancti Altonis confesso- 
ris in loco qui ab ipso dicitur monasterium Altonis. Me- 
diolani Ampelii episcopi et confessoris. 

f. 13 II. I. F. In territorio Treverensi sancti Castoris 
confessoris. Ipso die sanctae Fuscae virginis. 

f. 13' XV. Kai. Mar. Ci vitale Wangionum sancti Quini- 
dii episcopi et confessoris. 

f. 14 XIIII. K. M. Metis Symeonis episcopi et confessoris. 

XIII. K. M. Treveris sancti Bonosii episcopi et con- 
fessoris. 

f. 14' XI. K. M. Treveris sancti Leguntii episcopi et 
confessoris. 

Vnil. K. M. Item sancti Felicis Metensis episcopi et 
confessoris. 

f. 15 VII. K. M. Treveris sancti Celsi episcopi et con- 
fessoris. In Gallia sancti (Termani presbiteri et raartyris. 

f. 15' V. K. M. In Germania depositio sancte Walpurge 
virginis. 

f. 16' Kai. Mar. In insula Reni sancti Wiberti episcopi 
et confessoris , de quo legitur in gestis Anglorum ^ 

f. 17 IIU. Non. Mar. Treveris sancti Basini episcopi 
et confessoris. Brage translatio sancti Venzlai martyris ^. 

II. N. M. Treveris sancti Quiriaci episcopi et confes- 
soris. In Alemannia sancti Fridolini confessoris. 

VUI. Id. Mar. In Hibemia sancti Senani episcopi et 
confessoris. 

f. 17' VI. I. M. Item sanctarum virginum Evae, Mo- 
destae et Marinae. 

f. 18 V. I. M. Item Vinditiani Cameracensis episcopi. 

f. 19' XV. Kai. Apr. Apud Anglos Edwardi regis et 
martyris ». 

f. 20 XIIII. K. A. In Gallia sancti Lantwaldi martyris. 

f. 20' Vm. K. A. In Hyspania sancti Engilscalci pres- 
biteri et confessoris. 

f. 21, VII. K. A. Treveris sancti Felicis episcopi et 
confessoris. In Germania sancti Liutgeri episcopi et con- 
fessoris. 

VI. K. A. Apud Juvavum depositio sancti Ruodberti 
episcopi et confessoris. 

V. K. A. Translatio sancti Ebergisli Coloniensis episcopi. 

» L. V, c. 9. 10. 

' 3m äf. 988; tgL Gampoldi V. Yensetlavi c. 23. 
« flotb 978. 



216 @tnfl 2)üminlet, 

f. 22 IIII. Non. Apr. Item sancti Huogonis episcopi et 
confessoris ^ Item sanctae Burgundofarae virginis. Cumi8 
sancti Abimdii. 

f. 24' XV. Kai. Mai. Apud Anglos Willehelmi pueri a 
Judeis crucifixi. 

f. 25 Xnil. E. M. Item sancti Wicterpi Augustensis 
episcopi, qui beatum Magnum consecravit presbiterum. 

Xni. E. M. Apud Anglos sancti Elphegi Cantuariensis 
archiepiscopi et martyris. 

f. 26 X. E. M. Treveris sancti Aprnnculi episcopi et 
confessoris. 

f. 26' VIIIL E. M. Item apud Brusciam sancti Bnio- 
nonis episcopi et martiris et sociorum ejus'. In Saxonia 
sanctae Pusinnae virginis. Mediolani Maroli episcopi et con- 
fessoris. 

VIII. E. M. Item sancti Egberti presbiteri et confessoris. 

f. 28' ni. E. M. Item sancti Theogeri abbatis et epi- 
scopi Metensis'. 

n. E. M. Apud Anglos Erchenwaldi episcopi et con- 
fessoris. 

f. 29' Translatio sancte Walpurge virginis et dedicatio 
ecclesiae ipsius. 

f. 30 VI. Non. Mai. In Alemannia sancte Wiboradae 
virginis, que apud Sanctum Gallum inclusa a supervenienti- 
bus Ungaris martyrio coronata est *. Apud Luxovium sancti 
Walperti confessoris. 

993. f. 44' nil. N. M. Depositio et translatio sanctissimi 
Gotehardi episcopi et confessoris atque clarissimi viri in mi- 
racidis \ 

m. N. M. In Saxonia depositio sancti Gotehardi epi- 
scopi et confessoris. 

S. f. 33 VI. Id. Mai. In Hibemia sancti Comgalli ab- 
batis, ci\jns discipulus fuit et Columbanus magister sancto- 
rum nostrorum Galli et Magni confessorum. 

f. 33' IQI. I. M. Treveris sancti Modoaldi episcopi et 
confessoris. 

f. 34 ni. I. M. In Burgundia sancti Gangolfi martyris 
gloriosi miraculis. Treveris translatio sancti Paulini episcopi. 

n. I. M. Item sancti Majoli Gluniacensis abbatis ^ 

SB. f. 51 Xnil. Eal. Jun. Item Dunstani archiepiscopi \ 

(£. f. 36 VIII. Eal. Jun. Item Gregorii septimi apud 
Salemum sepulti, cigus sancta conversatio et predicatio mul- 
tis miraculis divinitus conjuendatur ^. 



* Sm 3. 1132? • llatb 1009. » fiatb 1120. 

* 3« 3. 926. » 3tn 3. 1038. • f!at6 994. 

* 3in 3- 968. > flatb 1085. 



Ikik SRort^YoIogium 9lotfer9 unb feine ^Bettoanbten. 217 

f. 37 V. Kai. Jun. Ipso die sancti Willehelmi confessoria, 
cujos sepulchnim crebris miraculis illustratur. 

f. 38 Kai Jan. Treveris sancti Symeonis monachi mi- 
rae sanctitatis viri. Ipso die passio sancti Chuononis, qni 
ad Treverensem episcopatum a paucis religiosis electus, sed 
a ploribos indevotis precipicio quodam dejectus et enectus 
miraculis damit ^ 

f. 39' IIL Non. Jun. In Hybernia sancti Coemgeni epi- 
scopi et confessoris. 

äB. f. 59' Non. Jnnii. Item sancti Ruodberti pontificis 
et sociorum ejus, qui Bruscis euangelizaverunt verbum dei. 
S. f. 41 IIL Id. Jun. Moguntiae sancti Bardonis epi- 
scopi et confessoris'. 

f. 42 IL L J. Fresia sancti Odolti presbiteri et con- 
fessoris, qui sancta conversatione et predicatione simulque 
spiritu prophetiae predarissimus exstitit. 

f. 43' XVII. Kai. Jul. Civitate Novaria sancti Bern- 
hardi confessoris. 

f. 46 VII. K. J. In Fresin sanctorum confessorum Le- 
buini , Rathpodi et Adalberti , e quibus unus Rathpodus Rath- 
podi. regis nepos Trajectensem episcopatum nobiliter guber- 
navit •. 

f. 47 Uli. K. J. In Germania sancti Heimmeradi pres- 
biteri et confessoris. 

f. 48' n. K. J. Item sancti Theodebaldi confessoris et 
Erendrudae virginis. 

f. 52 II. Non. Jul. in Hibernia sanctae Moninnae vir- 
ginis. 

f. 53 In Gallia sanctae Theophilae martyris. In Anglia 
AdelWge virraiis. 

Vni. Id. Jul. Treveris sancti Auspicii episcopi et con- 
fessoris. Apud Parthenopolim civitatem Saxonie sancte Edid 
reginae, uxoris quondam primi Ottonis^. 

f. 53' VII. I. J. Translatio sancti Heriberti Coloniensis 
episcopi et confessoris^. Translatio sancti Nicolai episcopi 
et confessoris. 

VI. Id. J. Ipso die sancti Paterniani episcopi et con- 
fessoris. Item et Cnutonis regis Danorum et martiris^. 
Gandavi sanctae Amalbergae virginis, quam sanctus Cle- 
mens in visione consecravit. 

f. 54 (S. f. 46') im. I. J. Lugduno Gallie depositio 
Viventioli episcopi. Ipsa die sanctarum Vincentiae, Marga- 
ritae et Berthae virginum. 

f. 54' m. L J. In Alemannia sanctae Wiboradae vir- 
ginis. 

> emotbfi 1066. ' flatb 105L ' ftatb 918. 

* 946. • flüxl 1021. • flatB 1086. 



218 grnfl kümmlet, 

II. Id. Jal. In Germania passio sancte Reginswinde virginis. 

f. 55 XVIII. Kai Aug.* Apud^ Trajectum Fresiae" 
sanctorom Marchelmi et Blechelmi episcoporum ^ et confes- 

Borum. In Alemannia " sanct 

. 55' XVI. K. A. Erchenwandi episcopi et confessoris. 

. 56 XV. K. A. Item sancti Friderici Trajectensis 

episcopi piissimi propter zelnm castitatis martyrio coronati K 

XIII. K. A. Treveris sancte Severae virginis. 

SEB. f. 86' XII. K. A. Ipso die sanctorom confessorum 
RufiUi etArbogasti episcoporum, Italici prioris et posterioris 
Alemannici. 

X. K. A. Ipso die sancti Liborii episcopi et confessoris. 

(S. f. 57 VIII. K. A. Item sanctorum confessorom Lau- 
rentii Mediolanensis et Magnerici Trevirensis archiepiscopo- 
rum. Treveris sancti Beati confessoris. Metis sancte Glo- 
desinde virginis. 

f. 60 II. Non. Aug. In Anglia sancti Oswaldi regis et 
martiris, cujus virtutes venerabilis Beda presbiter in gestis 
Anglorum descripsit*. 

f. 62 V. Id. Aug. Item sancti Auctoris Metensis episcopi 
et confessoris, qui temporibus Attile regis Hunorum gloria 
damit miraculorum. 

f. 63 im. Id. Aug. In Hibemia sancti Blaani abbatis. 

f. 64' (SB. f. 96) III. I. A. Dedinga civitate natale 
sancti Juniani abbatis et confessoris. 

r. 65 XVnn. Kai. Sept. Item Werinfredi confessoria. 

f. 65' XVn. K. S. Ipso die sancti Arduini confessoris. 

f. 66 XIII. K. S. In Pannonia sancti Stephani regis*. 

f. 67 Villi. K. S. In Geimania translatio sancti Adal- 
berti Bragensis episcopi et martiris*. 

f. 68 VIII. K. S. Item sancti Gregorii Trajectensis 
episcopi, qui fuit alumnus beatissimi Bonifacii archiepiscopi 
et martiris. 

f. 68' VI. K. S. Item sancti Gebehardi confessoris et 
episcopi Constantiensis ^. 

f. 71 IUI. K. S. Item sancti Adelphi Metensis episcopi 
et confessoris. 

f. 72 IIII. Non. Sept. In Norico sancti Nonnosi confes- 
soris et sanctae Wolfswindis virginis. 

f. 73' VI. Id. Sept. Apud Frisingam sancti Corbiniani 
eipiscopi et confessoris. 

» 3n 9B. f. 88 aiim IMd. Jnl., bet etft bon neuetet ^anb beigefd^tiet 
bett ift. t> *ApuV 9Qß. ^ «natale' fügt SB. (tnait. 

^ ^pontificum" 9Qß. " 'natale Oudalrici oonfeaaoris. Item 

Amioi episcopi' f&l^ 9B. foti 

» 838. • L. III. c, 6. 9. • patB 1088, 

♦ 9tfll. oben C. 209. « flatb 995. 



i: 



l^a# WQYtt)rolo()tum 9loifetd unb feine Sertonnbien. 219 

V. Id. Sept. In Ibemia sancti Cherani abbatis. 

f. 74 n. I. S. Apud Javavnm sanctoram confessorum 
Chunialdi et Gislarii. Treveris depositio sancti Maximini 
episcopi et confessoris. Item Sacerdotis episcopi et eon- 
fessoris. 

f. 75 XVni. Kai. Oct. Treveris sancti Maternilll. ejus- 
dem civitatis episcopi et confessoris. 

f. 75' XVII. K. 0. Apud Bragam civitatem Boemiae 
sanctae Ludemilae martiris, aviae Veneszlai dncis et martiris. 
Sancti Liuthardi confessoris in Agripinensi territorio. 

f. 76' XIIII. K. 0. Item sanctae Richkardis virginis et 
augostae^ 

f. 77 XII. K. 0. Treveris sancti Qairiaci presbiteri et 
confessoris. 

XI. K. 0. Romae depositio sancti Cbuononis papae, qui 
beatum Chilianum martirem Germanis ordinavit antistitem. 

f. 78 X. K. 0. Monasterio Corbeiensi sanctae Liutru- 
dis virginis. 

f. 79 Villi. K. 0. Translatio sancti Wieberti confessoris. 

VIII. K. 0. Apud Juvavum translatio sancti Rudberti 
episcopi et confessoris. 

f. 79' IUI. K. 0. Apud Bragam civitatem Boemiae 
sancti Venezlai ducis et martiris ^ Passio beati Dietmari 
Noricorum archiepiscopi*. Item sanctarum virginum Liebae 
et Gunthildis. 

f. 80 III. K. 0. Treveris sancti Liutwini archiepiscopi 
et confessoris. 

f. 81' Kai. Oct. Item beati Meginheri Treverensis epi- 
scopi longo martirio per tyrannicam phylargiriam coronati^. 

f. 83 Non. Oct. Civitate Riparia translatio et dedicatio 
sancti Wolfgangi episcopi et confessoris. 

f. 83' III. Id. Oct Item sancti Colomanni martiris^ et 
sancti Lubentii episcopi et confessoris. Translatio Monae 
episcopi. Item Wilfridi episcopi. 

f. 87 X. Kai. Nov. Coloniae sancti Severini episcopi et 
confessoris. Ipso die sanctae Odae viduae. 

VI. Kai. Nov. Item sancti Rumoldi martiris. In Ger- 
mania sanctorum martirum Sorati, Andreae et Benedicti, 

f. 89 IL K. N. In civitate Ratispona sancti Wolfgangi 
episcopi et confessoris , quem transtulit et Leo papa nonus ^. 

f. 90 Non. Nov. Item sancti Heinrici confessoris, filii 
Stephani regis Pannoniorum, qui multo tempore conjugium 
pretendens virgo permansit^. 

> Okmaf/Lin St, StaxU IIL , Siiftetin tton Snblau. 

' 3m. 3- 935. * Xl^iemo tooit Galabutg ftatb 1101. 

* 1130. » 1012. • 3m 3 1052. » flotb 1031. 



220 (^tnfi 2)ümmter, i)aS ^krtt^rotogium 9lot(et§ u. feine SBextoanbten. 

f. 90' Vn. Id. Nov. In Saxonia sancti Rudonis ßive 
Ruodolfi Poderbronnensis episcopi ^ 

f. 91 V. I. N. In Italia sancti Ramaldi primi coltoris 
Gamaldulensis cenobii *. 

f. 93 XIUI. Kai. Dec. In Germania sancti Amakici 
episcopi et confessoria. 

f. 97 (2B. f. 142) VI. K. D. Item Chuonradi Gonstan- 
tiensis episcopi *, de cujus veneratione extat sinodale * decre- 
tum secundi in apostolica sede Kalisti". 

V. K. D. Apud Mogontiam sancte Bilihildis virginis. 

f. 99' III. Id. Dec. In Hibernia sancti Mofenochi con- 
fessoris. 

IL I. D. In Hibernia sancti Finniani doctoris. 

f. 100 XV. Kai. Januar. Item sancti Wunnibaldi abba- 
tis et sancte Adalheidis reginae^. 

* 'pontificis* äB. b 'synodale' SB. 

* 3^in 3. 1051. * 1027. 

* in 9-^ 1124,' Sie ^eUigfpred^ung etfolgte 1123, f. oben 6.211. d. 
unb SB. l^ben nur biefe !urje Hoii^, 

« 999 , (»ma^lin OHoi I. 



©erwarb Don S3iogne unb bie ^Io|ierreform 
in 9'iieberlot^ringen unb glanbern« 



fBott 



IDaltliet: S^i^ni%t. 



1* @inleitnug. Sorgefi^ii^te« 

S)er flrolartigftc JBemct^ ber unücrtoüftlic^cn ficbenöfraft bet 
lat^olifd^en Ikiidje liegt in i^rer ^ä^igfeit fic^ and ber tiefften 
ßrniebrigung immer unb immer mieber )u neuer 93Iät^e ju er^ 
^eben. ^Hettungdlod festen eben biefe ^rc^e gur Qext ber 9lefor« 
mation üerloren, unb in menigen ^a^rje^nten ffatit ftd^ ber txu 
bentinifc^e !iRenfat^oIi)idmud ju einer innern Mad}i empor^erafft, 
berart, bog er balb, nic^t }ufrieben bai^ Gerettete ju üert^tbigen, 
ben SBerfudf magen fonnte, bad äierlorene mieberjugen^innen , ein 
Serfuc^ ber an6) t^eilmeife gelona. Einerlei nun, ob man biefe 
ungeheure @t>ann« unb ©c^neQIraft bei^ Jtat^oliitömud ate feaend^ 
rei^ ober unt^eilooll ffir ben ^ortfc^ritt ber äRenfc^^eit anfe^en 
mag, bie erfte Hufgabe bed ^iftoriferd ift, biefelbe ju erfennen, 
fie in bem gefd^id^ttic^en Sterben nac^jumeifen , i^re äBirfungen 
^eroorju^eben , unb fooiel toxt mdglid^ i^re Urfac^en aufjubecfen. 
äBeniger aU für ba^ 16. 3a^r^unoert ift bie Arbeit ber gefc^ic^t» 
liefen ^orfc^ung bid^er einem 9(uffci^h}unge bed ^at^oltjij^mud ju 
®ute gefommen, ber nic^t minber merfmUrbig unb laum minber 
mistig für bie gefc^ic^tlic^e (Sntmicfelung ift, ber auffteigenben 
Seu^egung ber lat^olifc^en Stirere oom Sui^gange ber Sraroün^i« 
fc^en Qexi bi« ouf ©regor VII. ^in. Am Snbe be8 9. unb im 
S(nfang bed 10. ^a^r^iinbertd ift bie $ir^e ^eruntergelommen, 
mie faum je juoor: aQe i^re Organe, ^apftt^um, 199idt^um, ^rie« 
ftert^um unb a)fönc^t^um, finb in gleicher äSeife oon fittlid^er 
S&ulnid befaOen: unb nac^ l\s So^r^unberten fte^t biefelbe auf 
bem ®i|)fe( i^rer "SJladft: ba^ SRönc^t^um ift erfflOt oon rein 
fin^iid^en Snfd^auungen, bad ^rieftert^um bient (ebiglic^ baju, bie 
@emalt ber JHrd^e über bad fiaientbum ju befeftiaen, bad 9i8« 
t^um ift überall ber ©c^ü^er ber befte^enben gefeOfc^aftH^n unb 
i)ofitifc^en Drbnung, baS ?ßat>ftt^um ruftet fic^ gu feinem SBerfucfte 
ba^ Äaifert^um gu überflügeln. Sei näherem $infe^n finbet 
man in biefem Stuffc^munge bed 10. unb 11. 3a^r^unbertd fo 
man^e Analogien mit jenem bed 16. S3eibemal arünbet fic^ 
bie Sntmi(fe(ung üor aQem auf einen mäd^tiaen äKönd^i^orben : 
^ier finb ed bie ^fefuiten , bort bie Cluniacenfer. Seibemal bt* 



224 goß. ^d)ul^c, 

nifit)cn fi(^ bann bcfonbcr« bic iJaien , bie 9icform anij auf btc 
oberen ©c^ic^ten ber Stirere au^jube^nen : ^ier finb in biefem ©inne 
t^ätig Äarl V. , ^Ppp II. unb jjerbinanb I. , bort faft aOe 
beutfc^en §errf^er. Seibemal erreicht bie Saiennjelt fd^einbar i^r 
3iel: ^ier burd^ ba§ Iribentiner ©oncil, bort burc^ bie ©inffi^- 
rung ber SReform an^ ben ©tu^I ^ßctri; aber beibemal ift baS 
®nbergebniö ein für baS Saient^um un^eiföoDeg. 9?atürli(i^ foDcn 
bei biefen He^nlid^feiten anc^ bie JBerfc^icben^eiten mit überfe^cn 
njerben : nm alle Sinjel^eitcn ju übergeben , fo fei ^ier nur bar^ 
auf ^ingemiefen, baß im 10. Sa^r^unbert bic fat^olifc^e atefor- 
mation — benn biefe Sejeic^nung, bie jefet filr bie ©emegung im 
16. 3a^r^unbert üorgefc^Iagen ift, fann mit üoHem SRecbt au(^ 
auf bie be« 10. angetuanbt njerben — mefentlic^ au^ bem Sn- 
nem ber Äirc^e ^erau« erfolgte, möl^renb fie im 16. üome^mli^ 
bur^ äußere Sreigniffe — bie lut^erifci^e ^Reformation — üerait- 
laßt mar. 

®Ä murbc eben ^eröorge^oben bic SBebeutnng bed ^efuiten- 
orbenl^ für bie ®rünbung beg $»eufat^oIiciÄmu3. 3^m aingcit 
inbeffcn anbere Drben üorauÄ unb jur Seite — toie bic Sapu* 
jiner, I^eatincr, JBarnabiten u. a. — , bie, in i^rer Sntfte^ung 
üon ben Sefuiten unabl^ängia, baffelbc Sxtl verfolgten tt?ie jene 
unb crft fpäter ganj ober t^cilweife bem (Sinfluffe berfelbcn er* 
lagen. ©oQte t^ im 10. Sa^r^unbert anber« gcmefen jein? 
fiange ßeit* na^m bieg bie ^iftorifd^e gorf^ung an. ©ie grfim 
bete ben äuffd^n^ung ber Äird^e allein auf Sluni, fc^rieb biefem 
bei feiner ?ßropaganba oon Anfang an ftarf centraltftifc^c lenbenjen 
jn , unb glaubte flberall , n^o eine Steformben^egung fi^ geltrnb 
mad^te , ßluni« ©nfluß ju erfennen. ®ic entgegenpefe^te 3)W- 
nun^ ift, foüiel ic^ fe^c, juerft au^gefproc^en toorben m einer bei» 
läufigen SBemerfung Don Tümmler. @r bejeic^net^ bie alei^ )u 
ertoä^nenben fonftigen 9?cformbetoeaungen auf ber beutfc^*franjö' 
ftfc^en ®xenffi audbrflcüid^ ald unabhängig üon Sluni. S3ei biejer 
Sachlage ift e« jeftt bie ?(ufgabe ber 5^rf(^ung, gu unterfuc^en, 
in toelqcm SSer^ältniö bie fonftigen Slcformbeftrebungen ju Sluni 
fte^cn : benn für bad ganje Serftänbnig ber Sieformation ift biefe 
üfrage oon cinfd^neibenDcr 85ebeutung, ba eg üon i^rer ©eantttjor- 
tung abfängt, ob mir in biefer ba« — gemiffermaßen Kinftlic^e — 
aBerf toeniger SRänner ju fe^en ^aben, bic nur burc^ bic Irabi* 
tion i^re« Älofter« in i^rem SBirfen beftimmt toaren; ober ob 
mir biefelbc ald bad @rgebniiS ber allgemeinen ©timmnng jener 
Seit ju betrachten ^aben, einer ©timmung, bie gebieterifd^ on »er* 
fc^iebenen Drten fromme SDZänner boju trieb, an bie SBcfferung 
bcö 6(eru8 ju ge^en. An anberer ©teile' l^abe ic^ nun bereits 

^ 9lo6 neuerbingd ®ft5rer. ' Otto bet (Stoge S. 306. 

* aforfd^UTigen ^ut äeft^fd^te bei Aloflerrefoxm. ^Ut 1883. 8. 76 
(Im folgcnbcn aU „ÄloftenefoTm* cittert). 



0(frf)orb t). ^To^tif u. bic ;^toftetreforiii in ^Itfberloi^ringen u. (flanbent. 225 

für bte 93idtt|äiner äRe|, Soul uiib Serbun biefe f$rage ju beont- 
morten geflickt, unb ben 92a(^metö üerfuc^t, bag bad Ser^ältnid 
biefer Sieform gu Sluni feinedmegi^ ein fo etnfac^ed tft, fonbent 
\>a^, iDenn biefelbe aud) in i^rem erften @ntfte(|en feinedn)egd üon 
Sluni gdn} unabhängig ift, fie boc^ eine burc^mid felbftänbige 
Sntn^id elung nimmt, o^ne inbeffen bie ©puren bt§ cluniacenfifc^en 
einfluffed Demifc^en gu lönnen. (Sine anbere bebeutenbe dieform^ 
betuegung ift bie, toeliit auf ber franjöfif c^ « beutfc^en ©renge in 
r(anbem unb 92ieber(ot^ringen k^or fid^ ge^t. 3n ben folgenben 
Uattem foU üerfuc^t werben, über i^r ißer^ältnid gu Sluni ind 
fflare gu fommen; ba inbeffen ^ier bie (Sntfc^eibung (ebiglid^ üon 
inneren ®rünben abfängt, fo ift ed nöt^ig bie ©ef^iqte biefer 
9teform oor^er gu ^eben, koad um fo me^r angebradpt erfc^eint, 
ald eine neuere fritifd^e S)arfteQung berfelben nod; fe^It '. 

SDie 9)eform in ben begeic^neten Uanbedt^eilen fnä))ft ftc^ an 
®erl^arb, ben Stifter beiS ^lofterd SBrogne. fieiber finb bie gu« 
üerlöffigen 9Ia(^ri(^ten aber fein Seben ungemein bürftig, to&ffxtni 
alle genaueren eingaben, bie feine Siograp^ie enthält, burd^aui^ 
unguüerläfftg finb^ unb ba^er nur mit größter !Borft(^t benu|t 
n^erben fönnen. 

@er^arb felbft nennt fic^ in einer Urfunbe' ben @o^n bei^ 
@ancio unb lEBniber bed SEBibo; er befifft ®äter im Sommatfc^gau; 
ei» ift ba^er angunel^men, bag er auc^ bort geboren ift. ISr 
ftammt an^ eblem fränlifc^en ©efd^Ied^t, bad nod^ 9IIobiaIbefi| 
^otte*. X)ieiS ift aOed, toa^ tt^ir afö fieser betrachten tonnen. 
9^e^r n^eig und feine ^ta angugeben. 9laii xf)v^ ift er geboren 
in @taüe im Sommatfc^gau , feine @Item toaxm ©tantiud unb 
^lictntbiiS; @tantiud tt^ar üern^anbt mit ig)agano, bem @finftlinge 



I Smn bie l^iffertation t>on ®änt^, ^ad ükben be# l^{(igen &€xffaxb, 
^alle 1877, t)erbient biefrn Flamen nid^i, toie fpAtct M emaeuten (S^elegem 
^itm gezeigt toetben foD. — dd feien ^iet gleich bte fonfttgert {>ilfdmittel ge* 
nannt. Suetft ift an^ufüfiten ber in feiner ^rt t)ortref^t(|e Commentarius 
praeyius in ben Acta sanctorum Oct. II, @. 220—300, ber in einer für 
feine 3<it muftergiltigen SBeife bie einzelnen ^tad^rid^ten aneinonberrei^t unb 
fritifc^ tiertoeri^t; fobann bie ObservationeR praeviae bei ^ahilLon, Acta 
Ranctorum oid. h. Ben. saec. V, S. 248-252; del Marmol, L^abbaye 
de BrogDe, in ADnales de 1a soci^t^ arch^ologique de Narour. V, 
@. 227, ift toert^bod burd^ beffere Ztidi ber ^rogner Urfunben unb feine an 
i^nen gefibte :$!titif, im übrigen (ommt er nici^t über ^abiUon ^inaud. dnb» 
üd^ für einzelne ^bf^nitte Van Lokeren , Histoire de Tabbaye de Saint 
BavoD. Gand 1855, unb Baudry, ^oDales de Tabbaye de Saint Ghislain, 
bei Beiffenberg, Monuments pour servir ä Thistoire des provinces de 
Namur , de Hainaut et de Luxem bourg. Trüffel 1848. 

' @ie^ l^ierüber bie fpäteren 2)etailauefül^rungen bei ben einzelnen ^un!» 
ten, fotoie ben ($|curd 1. 

* Annale» de la sociät^ archdol. de Namur Y, @. 418. 

* Trantlatio sancti Eugenii 2 (gebrucft Analecta Bollandiana III, 
S. 29). 

' c. 2. ^ie Sita ifi gebrucft Ui aRobiUon a q. O. @. 252. 



22« 2li. 8cf)u(|jc, 

«arte bc« ©nfältigcn ; pictrubiö luar bie ©c^mcfter bc« 95tf(^of8 
©tepl^ait Don Süttic^. Ueber bic Angabe be« Orte« bcr ®eburt 
fotoie über bie SBertuanbfc^aft bed @tantiui^ mit ^agano fe^It 
un« jebe EontroIIe ; n?ir finb ba^er nic^t im ©tanbe ju fagcn, ob 
^ier bie Sita glaubmürbig tft ober nic^t * ; bagegen mnfe wruerc 
SSebenfen errcoen bie 9fac^rid^t, ba^ feine 3)?utter bie ©4mefter 
be« Sifc^ofÄ Stephan war. üein SBertl^ fei barauf o^leat, baft 
fie na^ anberen eingaben aud bem ©efd^Iec^t ber trafen Don 
©olm ftammtej benn biefe SRotij ift burc^anö unjuoerläffig *. 
2)agegen ift mc^t nnr in ber JBita felbft, fonft nirgenbjoo Don 
biefer Sertoanbfc^aft bie SRebe, »o man e« erwarten foHte, wie 
j. 93. c. 11, c. 13; fonbcrn na^ iljrer eigenen — aw8 berTransl. 
8. Euffen. entnommenen, alfo unbebingt juüerläfftgen ' — Srjä^- 
hing benimmt fi(^ 99ifcl^of ©tepl^an gegen ©erwarb fo fetnblic^, 
ba^ er erft burc^ ein SBanber anberen ©inne« werben mu§*. 
3)ag ift boc^ nid^t baiS ©etragen eine« D^cimÄ gegen feinen 9?effen, 
wenn ber Ie|tere Dörfer alle ®ebote ber S^rcroietung erfüllt ^at. 
e« werben ^ierburd) bie angaben ber SJita über ©erwarb« §er* 
fünft Aum minbeften jw^ifel^aft. dagegen wiffen wir fieser boÄ 
Sa^r feiner ®eburt , benn nad) ben Annales Blandinienses * ift 
er 898 geboren , unb ba biefe SCngabe burc^auÄ ja bem ftimmt, 
toa^ wir fonft üon d6ronoIogifd)eir 9?otijen über i^n beft|en*, fo 
ift an berfelben feftju^atten. 9Jun aber folgt eine große finde, 
ia wir über feine 3ngenbjeit feine juoerläfftgen Slac^ri^ten ftaben. 
S)ie Sita erjä^It un« golgenbe«: SSon Sugenb auf bereit« 
jeigte ©erwarb groge ^römmigfeit unb berad^tete weltU^en Um^^ 
gang. Salb trat er bann in Sejie^ungen i\m ®rafen Serengar 
oon SRamur, unb bewies bort fowo^l ©ewanbtijeit im gelbbienft 
wie Älug^eit in SRat^. ®egen ade feine ©enoffen war er freunb^ 
lic^, fo ba§ er allgemein berel^rt würbe, ©^on geigte er feine 
äJtilbt^ätigfeit gegen Sinne, SSittwen unb SSaifen. 3)em ©rafen 
warb er balb unentbel^rli^. Sinft tritt er in bie i^m ge^örenbe 
Sirene ju Srogne unb fd^Iäft bort ein. Sm Iraume erfd^einen 
il^m $etrud unb $auluS, ermahnen i^n, bie Sirene audjubauen 
unb berfjjred^en i^m bie Unterftüfeung be« ^eiligen ffiugemug. (£r 

^ Sa^t fogt bei SRarmoI a. a. O. <S. 228 mit Siedet : Rien ne prouve 
uDe parent^ auBsi illustre (sc. d*HagHDOD). Rien ne prouve non plus, 
que la m^re de G^rard ait äte sceur d'Etienne. 

' €ie ftammt oud einet ^iogtopl^ie (S)et^tbd bie im Coinm. praev. 
atö brevior vita bejcic^net ift , bie abev , loie bort ®. 223 na^etotefcn ift, 
nfl ein fpdted Tlad^tottt i|l. ^nbeffen ift fie iebenfaüd älter aU SfouUon, unb 
fomit irrt fid^ Mnif^tx, toenn et 8. 1 1 aU ©etod^tdmann für bie obige 9hitia 
nut f^foudon bejeic^net. S^ie Kombination üofler^, bag äerl^rb ber @o]^n 
eines Grafen ©erwarb fei, ^at bei ^armol o. a. O. @. 248 toiberlegt. 

■ Sie^e hierüber (SrcurS 1. * c. 15-16. 

» Mon. SS. V, 24. 

' £enn eineUrfunbe AarldlD. Don 887, in ber (Serl^rb erMl^nt toirb, 
ift gefAIfd^t. <S\tf^ borüber bei 9Rormol o. o. £). ®. 235. 



Qkxf^xb D. otogne u. bie ;^o{!errefotni in ^{iebnlot^rtngen u. ^ttbetn. 227 

renoviert in ber Zl^nt bie ftird^e unb ftattet fie mit il^m gehören« 
beti ISefi^ungm aM. Z)arauf mad^t er im Kuftrage bed ®rafen 
iBerengar eine Steife noc^ $arii^ ju bem @rafen 9to6ert üon $a< 
rid, befuc^t babei ben Slbenb^ottedbienft im ^lofter @aint Denid. 
^ier erfährt er, mer Sugentui^ gen^efen. 6r bittet bie äRönc^, 
ufm bie Steliquien beffelben ju fc^enlen, toaS biefe ablehnen, inbem 
fie i^m jeboc^ jugleic^ Sludfic^t barauf machen , bag er fie Diel» 
leicht befommen tonne, koenn er bei i^nen SKönd^ merbe. 6r be» 
fc^Iie^t bieS gu t^un, unb bxttzi nai) feiner 9iädfe^r ben @rofen 
SBerengar unb ben Sifc^of ©tepl^an oon Sfltticb nm (SrlaubniS 
bajtt , bie biefe i^m nur ungern geben. 2)arQttf n^irb er Wländ) 
in @aint 2)enii^^ 

IBon Dom herein erfd^eint bei biefer Srgäl^Iung atö bebenflic^, 
toad t>on feinen großen ^uaenben in feiner 3ngenb ergä^It miro, 
benn berartigeS oerid^ten foft aOe Heiligenleben: ed fd^eint ^eic^« 
fom ein notqitpenbiged (Srforbernid eined mittelalterüd^en ^ettiaen 
JU fein, ba^ er fc^on in feiner 3ugenb ein äJ^ufter aUer aetfttiqen 
Xuaenben ift. ®obaIb ba^er nid^t berartige Angaben burd^ be^ 
fonoere ®rfinbe unterftfi^t merben, mirb man gut t^un, gegen 
folc^e bertömmlic^e 9?otijen fo fleptifd^ kuie mögli^ au fein: unb 
bted ift ^ier um fo nfit^iger, ald bie iBita an ft(& fc^on un« 
3ut7erlfifftg genua ift. Snberd bagegen möd^te ic^ üoer bie ün^ 

Sabe urt^len, oa^ er in bie 2)ienfte bed ®rafen iBerengar trat, 
[derbingd ift und and) bied nur burc^ bie SSita überliefert. 9ber 
gunfi^ft ift 93erengar eine ^iftorifc^e $erfon. (Sr ift ber @(^maQer 
£er3og @ife(bertd üon fiot^ringen ^ ; er ift im Sa^re 908 ®raf tm 
fiommatf c^gau , mie fid| an^ einer Urtunbe Submig bed ftinbet 
ergiebt'. Sfm fiommatfd^gau aber ift ®erl^arb geboren unb be« 
gütert. Sa liegt ed nun fe^r na^e anjune^men, bag ®er^arbd 
Sater @ancio auc^ ©fiter Dom ®rafen SBerengar gu Se^en ae« 
fiabt bat, unb bag bem aemä§ fein @o^n ©erwarb bem ®rafen 
Se^ndbienfte leiftete: @d f|>ric^t alfo bie innere 3Ba^rfd^einIi(^(eit 
bier in fold^em äJ^age ffir bie Eingabe ber SBita, bag biefe feftgu^ 
polten ift. Ueber bie 9teife nacq $ari9 mirb f)}äter ge^anbelt 
toerben. 

S)ad SBUb feiner dugenbgefc^tcbte befc^räntt fic^ mitl^in auf 
bad [ebr äugerltc^e gractum, ba§ ©erwarb ald 3fttng(ing an ben 
^of oed ®rafen SBerenaar üom Sommatfc^gau fam, um bort bie 
in feinem @tanbe abliefen Se^ndbienfte }u leiften. 

" c. 2—3. » Plod. Ann. 924, Mon. SS. III, 373. 

» SBölftmet 1218. 93fll. 25üinniliT, Qk]d). M Cnftdn!. Äeidbe« II, 570. 
fbtd^ 912 tohb (Shraf SBerengar urfunblid^ ertoA'^nt; Wanten, Table chro- 
nologiqne I, G. 327. 



XXV. 16 



^228 ^. S^uttfe, 



2. 2)te Stiftung M tlojler« Srogne. 

5)ag crftc ipid^tige SBcrf ©erwarb« ift bic Stiftung bc« Älo^ 
fterö Örognc^ Uebcr fic tpiffcn lotr fidler folgcnbcg: 

©erwarb befd^Io^ auf feinem Sigengute ein ^lofter au zt^ 
richten ^ @r mahlte ^ierju einen Ort*, xoo bereits Sönig ^pin, 
ber bort häufig ju jagen pflegte, ein Set^auS batte bauen laffen '. 
9lad)bem er üon feinem äJater unb feinen fonftigen Sertt^anbten * 
bie SrIaubniiS bagu erhalten ^atte, begann ber fBan, unb a(^ ber« 
felbe einen üorl&ufigen Sbfc^Iug errei^t l^atte, fe|te ^erbarb Sic- 
rifer hinein*. 9lun bef^Iofe er feiner ©rünbung auc^ weliquicn 
ju berfd^affen unb machte fic^ bei&^alb auf bie meife nad^ $arid. 
ßunäd^ft he^ab er fic^ ju Slbt fieutgar i7on 2)euU, ber i^m aud^ 
mel^rere 9{eltquien fc^enfte , unter anberem X^eile oom Seid^nam 
beiS ^eiligen (^uaen ®. Sarauf gin^ er nac^ @aint 2)enid, unb ^ier 
gelang ed i^m fc^lieBIic^ bur^ feine ISBitte meitere ^Reliquien Dom 
^eiligen Sugen gu erhalten \ Sarauf feierte er ^eim , lieg unter« 
megi^ bie Reliquien jurficf unb begab fid^ ^u S3ifc^of @tep^an 
oon fiüttid^ , um btefem bie Slnfunft bed ^eiliaen (Su^en mitp« 
t^eilen *. 3n feierlichem Qn^e »urben fobann oie JReltquien ein= 
geholt unb nadb SSrogne gebracht ^. 9!un aber machte fid^ in ber 
Umgebung ©tep^and ein @er^arb feinblic^er Sinflug geltenb; 
einige ©lerif er beftürmten i^n , er folle nic^t geftatten , bag ein 
ganj unbetannter SRann a(d ^eiliger oere^rt n^erbe. 3n ber Si^at 
neigte fid^ Stephan il^ren öeftrebungen ju ; fc^Iiefelid^ aber tourbe er 
boi) toieber ©erwarb günftig geftimmt — nac^ bem ffleric^t unfe« 
rer Duelle burc^ bie »unberbare ©eilun^ eine« Untoo^IfeinS — ; 
er berief eine 5ßrot}in jialfljnobe , unb ^ier »urbe bcfd^loffeu, bai 
alljährlich ein gcft be« ^eiligen Sugen gefeiert ujerben , unb baß 
fflrogne oon ben abgaben an ben Söifc^of öon fifittic^ befreit fein 
foHte'®. Unterbeffen ttjar an bem RIofter toeitergebaut morben, 
unb bief eö mürbe fd^Iießlic^ aud^ üoKenbct * K fflalb barauf muffen 
üon ©erl^arb an ©teile ber SIerifer äKönd^e ^ineingefefet fein, 
benn fpäter erf^einen immer in ©rogne SKönc^e unb nid^t Cleriter, 

©oüiel berichtet und bie burd^aud juoerläffige, g(eid)ieittge 

' &tuU l^eigt bct Ort nad^ bem ©tiftet B. (S^dtarb. 

> TranBl. s. Eug. 2. f dbenbott 1. 

* perniiBSu quoque patris sui aniicorumque auorum. ^ie amici 
ftnb fid^etlid^ 93ertoQnbte, benn tood ^&tten gfreunbe babei teinaureben ge^bt, 
toad (S^et^atb auf feinem 9inobiaIBefi^ if^i^ 

' Transl. s. Eug. 2. * (Sbenbott 3. 

' 9ladb bet Traosl. s. Eug. Belam et bott ben gangen ^btpn (Su* 
gend, ba^ bieS obet nid^t ttd^tig ifl, barfibet pel^e Comin. praev. bei Act. 
sanct. e. 235; ^abiUon, «inm. au Vit. c. 12. 

« Transl. 8. Eug. 5. * (Ebenbort 7. 

»• «benbott 8-9. 

^^ S)ied evgiebt fid^ au3 Transl. s. Eug. 10 unb 11. 



(^T^ib t). ^Brogite u. bie lltofleireforin in ^tebetlot^ringeii u. gflanbem. 2'i9 

Transl. s. Eugenii. Siel audfä^rltc^er ift aud^ ^ier bie SBita. 
9{q(^ i^ tritt er ald SD^önc^ in @aint 3)eniS ein unb f^entt le^ 
terem alle feine ÜBefi^ungen. 3m ßloftcr lernt er mit großem 
@ifer bie literae; im jn^eiten So^r nacl^ [einem Eintritt mirb er 
Slbl^t^ud, im britten ©ubbiatonud, im üierten Z)ia{onud, im 
neunten ^riefter. 92ic^td (jefd^ie^t im ^(ofter o^ne feinen "kati). 
Sc^UeBIi^ erhält er auf feine abermalige ^itte bie Reliquien bed 
beiligen (Sugen unb giel^t mit i^nen nad^ feiner ^eimat^. S>er 
^mdjt aber feine fRiidtefjx ift aud ber Transl. b. Eugenii ent^ 
nommen ^ 3)arauf entfernt er bie (SIerifer unb fe|t an i^re ©teile 
aRSndbe '. 

Qvi beanftanben finb ^ieroon junä^ft bie 3lad)TX^Un fiber 
feine groge ^römmigfeit im Jtlofter, ba fie burc^aud im ^erge« 
brad^ten @tile ber Heiligenleben gehalten finb. ^ie S(ngabe 
ferner, ba§ ©erl^arb in ©. S)em3 juerft bie literae, i^rc 
prima elementa gelernt ^at, ^at fc^on @änt^er begmeifelt. @r 
fflgt ' ' «Seue SBorte finb tt?oI|I nur fo ju üerfte^en, ba^ ©erwarb 
ju grfinblic^erer %udbilbung nod^ einmal bie Elemente in Ifirjerer 
3eit burdioenommen ^at, ba ed ja fonft unglaublich ift, bag er 
in tt^enig Xagen ben ganzen $f alter au^n^enbig gelernt ffabe". 
Slber eine berartige ^udlegung vertragen bie SEBorte Der fBita ni^t. 
@ie fagt: coepit exposcere ut sibi liceret literas addiscere, 
unb W fann nac^ bem ganjen ^ufammen^ange nur feigen: er 
tooüte lefen unb f^reiben lernen. SUlerbin^d ift bied an fic^ 
menig glaublich, unb ed verträgt fi^ aud^ ntc^t gut mit ber an^^ 
beren Eingabe ber Sita^, bag i^m @raf 83erengar bie negotia 
difficiliora et secretiora committebat , benn bei folc^en @e« 
fc^fiften lann er boc^ faum o^ne Sefen unb @d^reiben aui^ge? 
tommen fein. 

6nbli(^ »irb bie Angabe über bie erfte Stiftung JBrogne«, 
na^ ber i^n gu berfelben eine SBifion veranlagte, baburc^ t^er^^ 
bäc^ttg, baß ^ier ber JBerfaffer ber Sita offenbar felbft bie ge^^ 
ringe @(aubn7ürbigfeit feiner ^Jladixxdjt gefüllt ^at, benn er fagt 
bei ber Sr}ä^Iung jener Sifion^: Ceterum si quis obloquentium 
hoc automat phantasticum , procul dubio condemnat eum in 
vita domni Benedicti huic simile gestum. 

8ber ic^ ae^e nod^ »weiter. 3d^ greife nic^t blojs biefe &n> 
Ael^iteit an, fonbem idb üerioerfe ben Äem beg S3erid^teÄ ber 
Sita, bag nämlicb ©erwarb in ®. ^entd fOlbni) toax. S)er 
Sita gegenüber fte^t bad ©d^meigen ber Translatio. SDie 3)ar^ 
fteÜimg ber festeren mac^t ftreng genommen bie Angaben ber Sita 
unmöglid^. 2)enn h^enn er bie Steliquien bed l^eili^en Sugen auf 
einfache Sitten ^in erhält, fo ift bamit nic^t Deretnbar, bajs er 
biefe 9leliquien nur erholt, n^eil er fo unb fo lange in ®. 

1 aktQlki^e Qscitx» 1. ' c. 9-17. ' 6. 14. 

* c. 3. * c. 4. 



16 



^ 



230 SD. <Bd)ül^t, 

2)entd als fOlönä) fid^ aufgehalten hat ©lauben toir alfo, bag 
bcr SBcrid^t ber Translatio ni^t dId§ im aDgemeinen , Jonbern 
auc^ in allen ßinjel^eiten jutreffcnb ift — unb bic8 muffen ipir 
bod^ annehmen, ba biefelbe aus ber unmittelbaren Umgebung 
©er^arbö ^erftammt' — , fo faDen fd)on allein baburd^ bie ?tn* 
gaben ber 93ita. 9(ber aud^ abgefe^en oon bem — l^ier ein- 
mal audna^mdmeife an unb für fic^ bemeidfräftigen — argu- 
mentum ex silentio leibet bie S)arftellung ber SBita an grölen 
inneren unb äußeren ©c^mierigfeiten. 

Ißerfud^en knir über bad ^ronologifc^e ©erippe ber SBita mif^ 
Dar ju merbeu. ©erl^arb mirb nad^ c. 9 im jmeiten 3al^re nac^ 
feinem Eintritt in ©. ®enig oon SBifd^of I^eobulf jum «foltj^ 
tbud, im britten üon X^eobulf jum $))pobiafon, im vierten üon 
93ifc^of $u(rab gum ^iafon, im neunten üon iBifd^of Slbel^elm 
inm ^riefter gemeint. SRun ift I^eobulf Sifd^of üon 911 m 
922, $ulrab Don 922 bid 926, Stbel^elm üon 927 biiS 935. 
S)a im britten 3a^re nac^ (Serl^arbd (Eintritt noc^ S^^eobulf , im 
vierten f^on Swlwb ©ifc^of ift , fo mu§ er — immer nad& ben 
Angaben ber Sita — 919 — 920 eingetreten fein unb toiurbe bann 
920—921 «foItjt^uÄ, 921—922 ^^pobiafon, 922—923 S)iafon 
unb 927—928 5ßriefter. (Sr ttjar bemgemäB beim eintritt 21- 
22 3a^t a(t, unb ed U)ürbe bie 92oti^ ber SSita^ bag er bamalS 
ein vir jam dudum barbatus h^ar, qierju ganj gut paffen. 3)a- 
gegen ftimmen hiermit ni^t anbere eingaben ber SSita. KU er 
nac^ ©. ajeni« ge^t, ift ©tep^an »ifd&of öon Süttic^% berfelbe 
ift noc^ Sifc^of, afö er au8 ©. ®eniÄ jurüdtte^rt *. ©tepl^an 
»ar »ifc^of üonfiüttic^ 903 bi« 920*. SWacb ber Sita aber ift, 
»ie eben gejeigt, Oer^arb üon 919—920 m 928—929 in ©. 
Deni«, fe^rt alfo erft 929 gurfirf. 2)iefe beiben S^otijcn ber «ita 
fte^en, n^ie man fie^t, mit einanber in unlösbarem sBSiberfpruc^ ; 
eine mu§ falfdi fein. äBeld^e? ©üntl^er nimmt an, bie, n^elc^e 
JBifd^of ©tep^an nennt; er löft bie ©d^n?ierig!eit fe^r einfad^, in* 
bem er ftatt ©tep^an 9iid^er febt , ein ©erfahren , ba« fid^ of* 
fenbar üon fclbft üerurt^eilt. ffläir muffen boc^ annehmen, baft 
bie OueHe unferer Sita, bie in Srognc gefc^rieben mar, über baS, 
toas in ber 9Jä^e üon Srogne gefc^a^, beffcr unterrichtet »ar, 
ate über baS, »aö in ^ariö bor^ing, b. f|. fie mußte el^er »iffen, 
t;on knelc^em Süttic^er 93ifd^ofe bte uleliquien @uaenS in @mpjang 

genommen »urben, als t?on toelifen ^ßarifer wfd&öfen ®erqarb 
ie aBei^en erhielt. ®arauS folgt, baß — fd^on aus inneren 
®rünben — ber SKame beS SBifd^ofS ©tepljan feftju^alten ift. 
Sft bem aber fo, fo faDen alle jene «ngabcn ber Sita über ®cr* 

> fßnal (SicutS 2. ' c. 9. 

• c. 8. * c. 12. 15. 

^ £a| n 920 fiotb, fagen untev anbernt bie Ann. Laub, et Leod., 
Mon. S8. IV, 16. 



dS^l^xb ü. ^to^ne u. bie ftlo^tntfütm in 9{ieber(oil^tinge)t u. gflanbem. 281 

^arb« Slufcut^alt in ©. Dent«. Auf baffdbe SRcfuItat unb noc^ 
tociter füllen unS äußere ®rünbe. 

fliiä) naäi ber Translatio tuar , tuie mir oben ' fa^en , }]tr 
3eit ber Ueberbringimg ber Steliquien, ®itpf)an JBifc^of üon fifit« 
ttc^. (^olglic^ fanb bie Ueberfiebelung ber 91eliquien nai) iBrogne 
fpSteftend 920 ftatt. ®amali& tt?ar ®er^arb 22 3a^r, er lam 
al\o nic^t, tüte bie 9}ita tmQ, f^on neun 3a^re ^ön^ gemefen 
fein, benn ba§ er bereite mit 13 Safjren äRönd^ würbe unb alfo 
öor^er fc^on jene SBertrauen^ftelliina beim ®rafen SJerengar ein« 
genommen, fann man boc^ unmögltm annehmen. 

©obann ift unö eine Urfnnbe Öer^arb« felbft erhalten ^ 
Sie ^ot feine loefentlic^en SBef onber^eiten , um bereu »iflen 
mir fie anjmeifeln müßten, unb ift bemgemäß auc^ biÄ^er üort 
allen ald ed^t angenommni morben. @ie ift batiert: Actum in 
Villa Bronii publice 4. Non. Jan. anno ab incam. Domini 
919, ind. 7, anno Caroli 8. excellentissimi Francorum regis, 
faat alfo auf ben 2. 3uni 919. Sud i^r finb jmei SteUen t^on 
SBic^tigfeit. Sm Anfange Reifet e«: Ego in Dei nomine Gerar» 
dus . . . aliquas res meas ad ecclesiam ubi cupio constraere 
monasterium ac me ipsuni in servitio omnipotentis Dei mili* 
taturum condonare, quae est sita in pago Lomacensi in loco 
nuncapante Bronium super iluvium Bomom. @er^arb mill 
alfo in JBrogne ein Älofter bauen, b. ^. er ^at ei^ nod^ nid^t — 
ober minbeften«: noc^ nicbt üöflig fertig — gebaut; ba8 Älofter 
ift mithin 919 noc^ nic^t fertig. 3)em miberfprid^t fd^einbar eine 
anbere ©teile ber Urfunbe : In super notum facio, quod ad hanc 
protendunt inscriptionem confinia procincturae alodii Manisiae, 
quod tradidi S. Petri et Eugenii monasterio Broniensi; aber 
fiier fann monasterium fe^r gut ein ibeeller SJegriff fein , beffen 
»ermirflid^ung erft in ber Sufunft liegt, fo ba| fid^ ate ©inn 
eraiebt : S(tl ifcibt bied Sllob im ooraud bem fpäter ju erbauenben 
Ätofter gef(^enft. SBol^I aber befinbet fic^ 919 in JBrogne an 
berfelben ©teile, mo baö Älofter erbaut merben foll, b. fe. auf 
Oerl^arb ae^öri^em @runb unb JBoben', eine Äird^e; e« ift alfo 
fe^r ma^rfd^eindd^ , baß aud) biefe üon ®erbarb erbaut ift. ^n^ 
ner folgt aui^ ber angeffi^rten ©teDe ber Urfunbe: ® erwarb mill 
in bem ju erbauenben ßlofter Wläni) merben, b. f). boc^: er ift 
jefet no4 nid^t SRönd^. «Ifo mürbe ©erwarb frü^efteuö 919 
Wand). 2)a nun bie Xrani^Iation ber ^Reliquien fpäteftend 920 
ift, ma^rfdöeinlid^ fpfiteften« fc^on 919, ba mir bod^ für jene SBor* 
gänge bei ber 3:randIatton , bereu @nbe bie Sroüinjialfl^nobe bil« 
bet * , eine längere Qe\i annel^men muffen , fo fann 1) ®er^arb 



' e. 228. 

* Annale« de la soci^t^ arch^olog. de Namur T, €. 418. 
' 2){r9 toiffen \oh ott# bet Traniil. Bittfe oben 6. 228. 

* S. 228. 



232 3B. ed^uUe, 

nid^t neun Safirc, fonbcrn ^öc^ften« ein 3a^r in @. SJeni« SWönd^ 

Sett)efen fein; unb l^ierauS lieber ergiebt ftc^: 2) ha% ®ex^axb 
ie ^Reliquien (Sugend nid^t beS^alb erhalten ^aben tann, nyetl er 
burd^ jahrelange änmefen^eit in ©. S)cni« fid^ bie Siebe aller 
bortigen SDtönc^e em^orben ^atte. 

(Snblid^ fagen bie Annales Blandinienses ' : 913. Hoc anno 
cepit abbas Gerardns edificare Broniense coenobimn, et in 
anno 2. corpus beati Eugenii episcopi et martyris de coeno- 
bio sancti Dionysli ibi translatnm est ab ipso Gerardo. 918. 
Gerardns abba monachus efficitor. 926. Gerardus abba pres- 
byter ordinatur. Son biefen Angaben ift bie britte im »efent* 
lid^en rid^tig, h^enn aud^ nid^t (^ronologifd^ genau; benn tt^tr 
fa^en eben, ba^ ©erwarb am 2. 3uni 919 nod^ nic^t 3)län(i) ift, 
e^ aber balb nad^l^er gen^orben fein ntujs. @d ^aben alfo bie Ann. 
Bland, fid^ nur um ein 3al^r geirrt. Ser vierten Stotij, bajs @er^ 
l^arb 926 ^riefter tt^urbe, n)ioerf priest , abgefe^en üon ber bereite 
aefenngeid^neten SBita, feine ©teile unferer Duellen. Scheinbar an* 
oeri^ liegt eg mit ber erften 9?a^ricfat, benn foeben »urbe na(6gen?ie= 

Ien, ba§ 919 ©erwarb erft ein^Iofter bauen toill. Aber e« n^urbe 
)ort andj n)abrfd^einlid^ gemacht, bag ®erl)arb an berfelben @teDe 
toor^er eine Äir^e gebaut ^at. Äönnen nun nic^t bie SBorte: 
cepit edificare Broniense monasteriom auf biefen ftird^enbau 
ae^en? Sd^ glaube, feljr gut. ®el^ört boä) biefe fiirt^e fpäter 
fo eng mit bem Stiofter jufammen , ia% bie Translatio bei bem 
JBeric^te über baffelbe ®reigni§ von bemfelben ©ebäube einmal 
ecclesia, einmal coenobium fagt^. JBei biefer Sachlage lonnte 
man in bem ettoag entfernteren äWont 93Ianbin au8 bem factum, 
ba% ©erwarb 913 ben San ber fpäter mit bem Slofter öereinioten 
ftird^e begann, fe^r wotfl mad^en: @r begann ben Sau bed Rio« 
fterd. ©omit ift and) biefe Angabe gu behalten, ©inb nun aber 
üon üier im engften äuföwmen^ang fte^enben SRac^ric^ten brei im 
toefentlid^en rid^tig, fo »erben toir, »enn nid^t eine abfof ut ju^ 
üerläffige 9?otij anberer Duellen bie« ^inbert, aud^ bie üierte 
SRac^ric^t beibehalten, b. ^. mir »erben bie Translation ber 9telu 
quicn in baö 3a^r 915 feften. S)ann aber fann ®erl^arb, ber 
erft 919 SWönc^ »urbe, ni^t in ©. Deni« 3Rön(^ getoefen fein. 
@d ^aben fid^ fomit nac^ einonber fämmtlid^e Angaben ber 
Sita über ben «ufentl^alt ©erl^arb» in ©. S)eniö ate falfd^ er:^ 
»iefen, unb j»ar an^ ®rfinben, bie gan) unab^öngig fnb üon 
bem ©djmeigen ber translatio. Qä) glaube meine iBe^auptung, 
baß ®er^arb in ©. ©eni» überhaupt nid^t WlUnd) toax, nun^ 
me^r genügenb beiniefen ju ^aben. 

mi^ Den geführten Unterfu^ungen ergiebt ftc^ folgenbe«. 

> Mon. SB. V, 24. 

* c. 11. 12. bei SRotmol unietf^eibet bmrt ebenfaHd ben fkiu bev 
Stixä)t Don bem M St\ofitx9, ffiXi ober foiifl an bfT 9Hto fefl. 



(Sftl^tb t. 9togn( 11. bir llloftrtrefotm in 92teber(otl(ttn(|(ii u. ^(anbnn. 233 

&ttf)cab begann 913 auf feinem 9efi|) in ^ogne ben Sau einer 
ftird^e. 916 btad^te er bort^in aM @. 2)emd bie Sleliquien 
beiS ^igen Sugen. 919 machte er feiner Jfirc^e neue @(^entun« 
gen unb begann ebenbort ben fdan eined ftlofterd. (£r fdbft 
mürbe nod^ tn bemfelben 3a^re Wind). 926 erhielt er bie prie« 
fterli(^en äSei^en. 

Ueber bie »eitere (Sef^id^te üon @er^arbd Stiftung toiffen 

mir fe^ n)enig. SQerbingi^ ^aben mir nic^t n^eniger att ffinf 

nm Z^eil fe^r audffi^rlic^e Urlunben fär S)rogne, aber leiber 

ftnb biefelben fSmmtlid^ geffilfc^t. (Sd finb ^n)ei Urfunben Don 

ffönig ^einrid^ I. \,beibe in^altlic^ ganj ibenttf^', nur bie eine 

oudffi^rlic^er ald bie anbere; fobann eine Urtunbe Don einem 

$a))ft @tep^an* unb eine t)on ftarl bem (Einfältigen^. @i(te( 

fagt fiber biefe Urtunben^: „^ie älteren Urfunben für Srogne 

finb nur aud jfingeren {(bfc^riften befannt unb finb, n>enn auc^ 

^ier unb ba ec^te ißorlagen benu^t fein toerben, frfi^efteniS im 

12. 3a^r^unbert angefertigt. DU 43 indbefonbere ge^t junt X^eil 

auf bie Urfunbe bei» SJifc^ofi» S((e;anber üon :üüttid^ Don 1131 

gurfict unb enthält gar feinen für bie 3^it ^inric^d üem>enbbaren 

fiem". {Demgemäß finb für und bie Urfunben Doüfommen mert^ 

(oS unb bfirf en bei ber Srjä^lung nic^t benu^t merben ; unb aud^ 

bie Urfunbe ßartö bed Einfältigen mac^t ^ieroon feine {(udna^me, 

ba fte ^enau fo fd^Iec^t ift n)ie bie übrigen. 

993tr finb mithin bei bem gänj(id|en ^e^Ien anberer ^ad)' 
richten* angewiefen auf bie Sita. <öie ergä^It folgenbeö': ®er* 
^arb ftanb bem Älofter Srogne einige Qexi al3 Abt (prior) Dor, 
ober balb marb i^m fein S(mt läftig , befonberd megen he^ Qn* 
laufeS 3u ben 9leliquien bed til. Sagen. @r lägt ba^er einen anberen 
9bt tD&^Ien unb jie^t fic^ in eine entle(jene QeSle jurüct. SBei 
einem ftriege jmif^en Xuftria unb 9^euftna gerät^ au^ JBrogne 
in Sebrängnii». ®er^rb ge^t ba^er nad) @. 3>enid, fauft 
Srogne Don biefem Älofter, Dem er e§ bei feiner Stiftung untere 
ftellt ^atte , loi^ unb fteOt e« unter ben ®cl^u| beS S3ifd^ofi» ^a^ 
Täbett Don Sfittic!^. @nbli(^ macbt ©erwarb, bereite in ^ö^rem 
01ter, eine SReife nac^ 9flom, um bem ftlofter {Brogne ^Dileoien 
ouj^jutoirfen. Siefe erhielt er awdf Dom $a))ft ^tep^an. ?(uf 
ber 9tü(freife ereignet fic^ ein Sßunber. 

' eiffel D.H. 43 

* Ded^lb bon Stumpf 36 nur aU eine angefü^. Gtumpf 43 et* 
toä^nt no^ eine iDeitere gef&Ifd^te Utfunbe. 

' Jaffd ed. [I, 3580. Annales de 1a 80ci^t^ arch^ol. de Namur 
V, ©. 420. 

« übenbort ®. 419. SBftl^mer 1972. 

» D.H. 43. SBergleid^ au4 bie 9[udfü^ngen bei VtaxmoU a. a. 0. 
6. 289—251. 

• SBaefe^n Don einer ^d^enfung an Srogne toom 8. 2)ceemBer 923. 
Waatera, Table chronologique T, 6.653; GalUa chriiitiana XIV, 6.60. 

» c.. 17. 29—80. 



234 m. ed^ul^e, 

3unäd^ft fei ^ingetviefen auf ben inneren ä8iberf)>rucl^ biefer 
{Sn&f)lmQ. @erl^arb legt bad 8ntt bei^ 9bteS nteber, lägt einen 
anbeten toäSfitn, unb tro|ban fü^rt et foti^ol^I bei bem Sodlouf 
r)tm @. 2)enid, mie bei bet l^mittung bet ^af^ftbuUe bie Set» 
banbtunaen DöQig felbftänbig : nirgenbi^ ift gefagt , ha% et nur 
Slbgefanotet beiS ftloftetd tuat, üielnte^t gel^t betbei^ butc^aud a\\^ 
feinem eigeiten (Sntfc^Iuffe ^tüot. 

83ei bem SSerid^te übet bie 9leife nac^ Stom mirb SSe^ug ge^ 
nommen auf eine iBuQe, totldfe hactenus conservat Broniensis ba- 
silica, unb ed ift audbtüälid^ gefagt, bag biefe Utfunbe k^on ntel^' 
reten Sifd^öfen erft fpätet untetjeicQnet luutbe. & lann ^ietnad^ 
nur bie und etl^altene gefälfd^te Utfunbe be§ $a^fted ©tep^an 

Semetnt fein. Si^ l^at mitl^in bie SBita ^iet eine Qefälfd^te Utfunbe 
enu|t ' , unb fd^on babutc^ fäQt i^t ganjet SBetid^t. 9(bet nic^t 
einmal mit bet Don i^t benu|ten Utfunbe ftimmt bie iBita butc^- 
n^eg. S)enn jene Utfunbe ift, tuie beteitd ÜJ^abiQon annimmt', 
uno n^ie in bem Comment. praev. bet Act. sanct. itber^ugeub 
nad^gemiefen ift*, iebeufaK« öon bem ^apft Stephan, ber 929— 
931 regierte*. 9ia4 ber gaujen SJarfteÜung ber SJita bagegen 
mad^t ©erwarb jene 9ieife f urj üot feinem Sebendenbe : et ift aevo 
progressiori. SBit fe^en ^iet einmal tec^t beutli^, mie bie 93ita 
atbeitet: fie nimmt i^te Quellen, tt)o fie fie finbet, begnügt fic^ 
bann abet nid^t, biefe Quellen au^juf c^teiben , fonbent fugt gau} 
millfüriid^ X)etaUangaben ai\^ eigenet ^^antafie l^inju. 9tud ben 
angefü^tten ®tfinben muffen mit biefe Steife nad^ mom für un^i« 
ftorifd^ erflären. 

(£d bleibt noc^ übti^ bet Sodfauf SBtogned üon @. S)emd. 
@obaIb man unfeten obtgen StuSfü^tungen juftimmt, ba% @et' 
l^atb nie Wtäxiäi in ®. ^enid luat, fäut aud^ biefed factum; 
Denn bann Detmag man nid^t einjufe^en, kpie ed iemate ^ätte 
einen ®tunb geben foDen , »eS^alb ®et^atb otogne unter @. 
S)eni« geftellt '^ätte. 

äBit n^iffen alfo übet bie ff^ätere @ntn?idCeIuna 83rogned untet 
@etl^atb gat nid^td, ^aben feinetlei juüetläffige Eingaben. Slbet 
ed ift beffet , toenn tt?it biefen bettübenben ©tanb unfeter Aennt^ 
niffe fc^atf ^ett)orbeben, atö menn ton auf bie unjuüetläfftge Sita 
eine audfü^tlid^e @tjä^Iung bauen. 



3« @er^arb unb ®raf Slrnulf bon glanbern« 

^od^bebeutfam füt ©etl^atb« ganje Jl^ätigfeit ift fein «et* 
^cUtnig ju ®taf Stnulf oon Orlanbetn. äBit fe^en bei ben Ut^ 

* Sielte baxübet auä^ d^saixi 1. 

^ a. a. O. e. 252. ^ a. a. £). 6. 246 ff. 

* S)ie einaelnen Zegie toeid^en in bet ^aiiecung ab. ^o^ folgen bd 
maxmol (a. n. D. 240), ®Un%x unb 3off($ bc» »eflimnmnßen IwoWl&n?. 



t 



&txfyixh ». ^rognc ti bte ^loHettcform in ^tiebetlotl^tingen u. {^anbetn 235 

formen mehrere mal , bag ®fY^arb burd^ (8raf 9mulf üeranla^t 
mtrb; fd ift ba^r Qniune()men, bag @hraf {Imulf ber fräftigfte 
8Jef*fi|cr ber SReform in jenen ©egenben war. ©ie er juerft 
aerabe auf @er^arb aufmerffam aeWorben, Wiffen wir nic^t ; bo(J| 
Iteat bte Sermut^ung na^e , bag t» bnvif bte Sermittelung bei» 
»^(^of» Jran«mar üon 9?o^on (937—950) aefd^a^. Denn, wie 
mir unten f e^en werben, war Xrandmar einerfeitd einer ber eifrig« 
ften gfirbcrer ber {Reform nnb ftanb anbererfcit« in na^em Ser^ 
^Itnil» )u @raf Smulf. @r mochte ba^er bei feiner reformato» 
rifc^en JHic^tuna auf ®er^arb, ber jebenfafl^ in S9rogne biefelbe 
ftrenge Qud)t ^ielt, bie er fpätcr anber^wo einführte, balb beii 
Sltct aelenlt ^aben. Sber gleic^oiel, toa^ ber 9n(a6 im Sinselnen 
War, foüiel ftfteint mir fieser, ba% e8 ber 9luf üon ®er^arb§ 
ßIofler)ud|t war, ber ®raf Slmulf bewog, i^m nä^er gu treten. 

2Lvbtt^ fd^ilbert bie SBita bie SBeranlaffung ju bem SBerlel^r 
(Ser^arbÄ mit Äniulf. ^aij \i)x ift leftterer franf, will fic^ aber 
n einer Operation nii^t t^erfte^en, fonbem läßt ©erwarb rufen, 
T i^n burc^ bloged @ebet ^eilt^ 2)iefed SBunber liegt ax\^^ 
^alb beÄ JBereic^eg ber ^iftorifc^en Äritif, unb e« muß jebem über* 
laffen bleiben, ob er ed glauben will ober uic^t: id^ perfönlic^ 
glaube ed nic^t. 3(^ würbe e$ auc^ nic^t angeführt ^aben ; wenn 
nic^t boran eine wichtige Iritifc^e fl^rage ficb fnüpfte. 9la6) bem 
Seri^t ber Sita nämli^ beweift Hmulf feine 3)anfbarfeit für 
jene ^ilung baburc^, baß er abbatiarum quotqnot habebat Bua 
snb potestate, commodum duxit, procurationem sibi (sc. Ger- 
hardo) commendare. Tl\t biefer Angabe ber Sita tfai man 
meift eine anbere @teOe berfelben^ in Serbinbung gebracht: sed 
ne penitus tacitumi silentio supprimamus reiata nobis a ma^ 
joribus, decem et octo coenobiorum traditur exstitisse procu- 
rator vigilantissimus ; unb ^at behauptet, bie Sita erjäble, ©er- 
^arb ftaoc 18 in ber ®raff^aft ärnulf« gelegene Älöfter re* 
formiert. 

Offenbar ift biefe Kombination t7ö0ig unjul&ffia; oielme^r 
finb bie beiben älngaben burc^auiS felbftänbig unb befagen etwaS 
gonj t)erf(^iebene8. 3la6) ber legten ©teile $at ©erl^arb im gan* 
jen bie fieitung üon 18 Rlöftern, nac^ ber erften (je^ören gu bie* 
fen 18 bie bem ®rafen amutf untert^äuigen. 6« \ft mithin Kar, 
bofe bte jweite Angabe bie umfaffenbere ift. SHun wiffen wir, 
ba| ©erwarb — wenn wir äße zweifelhaften mitjäblen — neun 
ftlöfter reformiert ^at • , baöon ftanben brei unter ®raf Ämulf. 
Sd blieben fomit noc^ neun uniS unbelannte übrig, hierbei ift 
Ootaudgefe^t , baß ^exstitisse procorator vigilantissimus' fobiel 
bebeittet wie „er f)a\ reformiert", ©e^r gut fann bie« aber aud^ 



» c. 2Ö-27. • c. 28. 

S. ffUmi, 3. flmonb, Xin. 



236 2B. e^ülUc. 

rinen anbeten ®inn ^a6en: ed fann and) f)e\%en f ollen: „er übte 
We fiettung au«" ; bann aber mürben auö jener SaffL küe^f allen 
@. 83aK)on, SRont 93Ianbin unb iSertin, benn ^ier übte, tme un^ 
ten barjuftellen ift, nic^t ©erwarb bie SJeitung, fonbem unter fei* 
ner SDtttmirfuna eingelegte Siebte : in biefem %atie alf o blieben und 
t)on ben 18 ftlöftem 12 unbefannt. 3ntmer mithin ift ed eine 
bebenllic^ gro^e Sn^a^I )}on ^löftem, bie ©erwarb geleitet ober 
reformiert ^äbett foH, o^ne ba§ irgenb eine 9lotij fonft e« betoiefe. 
SiS tritt bal^er an uniS bie f$rage l^ran: finb oiefe eingaben ber 
Ißita glaubmürbig ? 

l)ie älteren Autoren ^aben üerfd&ieben barüber geurt^eilt. 
äReuer in feinen Ännales Flandriae nimmt fie unbebenüic^ an, 
maiqi jene oben gelenngeic^nete Kombination, unb meig und fogar 
bie 9?amen ber 18 fflöfter ju nennen*, inbem er einfach jebeß 
Älüfter, üon bem er üermut^et, bo6 e8 unter ®raf äniulf ge= 
ftanben, als oon ©erwarb reformiert begeidinet. 3)a6 eine berar* 
ti^e Kombination burd^aud un^iftorifc^ ift, bebarf feines SEBorted. 
Siel Derftänbiger urtbeilt ber Comm. praev. ber Act. sanct. 
^ier ift junäd|ft bie Unjiiläffigfeit ber SJ^etjerfcften Interpretation 
ocr JBita Bar uadjgemiefen - , fobann ift ^ier bie Annale ge^^ 
mac^t, ba§ ©erJ&aro nid)t mirflic^ ?lbt üon 18 Älöftem getoefen, 
fonbern nur bie Oberleitung gel^abt ^at*, eine Annahme, bie an 
fid^ bürd^auö möglidi ift, unb über bereu ^wläffiflf^it erft e^itfc^ic^ 
ben toerben fann, toeun mir i^re SSereiubarfeit mit bem Sljarafter 
ber ®er^arbfd)en Sleform unterfnd&en fönnen. SebenfaU« alfo 
jeigt ber Comni. praev. nüd^terneu ©inu unb gefunbeö Urt^eil. — 
©untrer enblid^ ge^t auf Wletfcx jurüd; er ftreic^t aM ber auf* 
jä^lung beffelben bie ^löfter , bei benen bie Gallia christiana 
nac^gemiefen, bag an eine 9leform burc^ ©erliarb nid^t ju benlett 
fei; behält bagegen auS SJ^ei^er bei 9Karc^ienned , 9ioua^ unb 
2!)ouai; bie Qafjl 18 ^ält er aufrecht unb nimmt fd^Iie^üc^ an, 
baß ©erwarb jene brci, fott?ie ®. ©^islain, ©. ®aüon, ©. JBer» 
tin, Wiout Slanbin unb @. Smanb mirflic^ reformiert fyAe, unb 
augerbem nod^ über 10 ^löfter eine Cberleitung ausgeübt ^abe. 
2)ieS SBerfa^ren ift burd^auS unfritifc^. 3u^^^f^ ^^ ^ ^^^ 
ber JBita procurator aller 18 j^löfter, b. f). er ^at, jenac^bem 
man biefen üuSbrud üerftel^t, entmeber alle 18 reformiert, ober 
alle 18 geleitet; aber mie fann man interpretieren: er ^at einen 
X^eil ber 18 reformiert, einen Xl^eil geleitet? @obann ift eS burd^^ 
aus tt)iDfürIid^ , äKard^ienneS , Stouap unb 2)ouai als üon ©er« 
^arb reformiert ju bejei^nen: feine einzige pofitiüe Angabe fpric^t 
bafür: mit bemfelben Äec^te fönnte man iebcS Älofter in jenen 

' ^et Comm. praev. bet Act. sanct unb tl^tn folaenb dfihii]^ tamn* 
beti ^, bag ^e^ nur 17 Jlamtn nennt, ^hn baS 18. t|l ja^Bxogint felbfl. 
5Die9 btaud^te er nid^t nod^nmU aufauflil^en. 

• 6. 279. » (5. 262. 



(Skxl^xb n. ^togn* u. bie j^loftertefonn in 9liebetIotl^ttngen u. gftanbetn 237 

®egenben , üon bem toxt nid^tt nä^e» tptffen , Don ©erl^arb re* 
formiert nennen. 

&it mt lebiglic^ in Sejug auf i^ren inneren äBert^ bie 9n« 
gaben ber SBita (träfen, mäffen mx und nad^ anbeten Quellen 
umfe^, bie fie beftatiaen ober i^nen wiberfprec^en. Da finben 
toir in ber "Hjat brei Duellen, bie Vita b. Bertulfi, bie Mir. su 
Gisleni unb bie Hist. Mosom. '. S)te Vita s. Bertulfi fagt, 
bo^ @er^arb cunctis paene Galliae eoenobiis et praesse et 
prodesse dignus inventuB est^ 2)ie Uebertreibung ^ierDon 
liegt auf ber J^anb. Hudf ift bie Vita Bert, crft c. 1070—88 
in SRont JBIanbin gefd^rieben, alfo erft lange nad^ @)erbarb§ 2:obe, 
dfnbeffen n^irb man auS i^r entnel^men lönnen, ba^ nac^ ber in 
^ont Slanbin ^errf^enben 2;rabition ©erl^arb mehrere franjöfifc^e 
ÄIBfter reformiert unb geleitet tjat. 3n ben Miracula s. Gis- 
leni t)on SRainer ^eißt eS', baß ©erwarb multas abbatias re- 
gens in ipsis diebus probabilis vitae babebatur, eine 9!otij, 
bie üiel gu unbeftimmt ift, um irgenbwie üertoert^et ju »erben. 
S)ie Historia monasterii Mosomensis enblid^ fagt^ t7on @(er^atb : 
qui tanc temporis pro merito sui nominis et religiosae con- 
versationis pluribus in Francia monacborum praeerat eoe- 
nobiis. ®ie Hist. Mosom. ift c. 1040 gefc^rieben, benu|t oiel^ 
fac^Ur!unben unb ift fiberall glaubtoürbig. @d ift bed^atb biefe 
3?otig* junätfift anjune^men. 5?un ftimmt bie« merfttjürbig über* 
ein mit ber Irabition SJ^ont fflianbing, unb mir fc^en alfo, ba§ 
md) jenen Duellen ©erwarb eine Snja^I franjöfifc^er Älöfter ge* 
leitet ^at. aber nicftts bemeift, baja biefe Änja^I groß toax, benn 
bie Vit. 8. Bert, übertreibt offenbar, unb mit bem plures ber Hist. 
Mosom. verträgt ed fid^ mo^I, koenn ed audf nur jmei Klöfter, 
b. ^. ®. Kemi unb Jin, toaren. 

SebenfaDö aber ttnnen biefe Angaben nic^t ben 9lad|ri(^ten 
ber SSita als ©tüfte bienen, toielmelfr fielen bie beiben JBe^aup* 
tungen ber lefeteren, ba§ bie 3^^! ber üon ©erwarb geleiteten 
ober reformierten SMöfter 18 betrug, unb bafe ®raf Ämulf alle 
feine Älöfter ©erwarb unterfteDte, gang für fic^. SBir mäffen 
alfo über fie nad^ fubjectiüem Srineffen entfd^eiben. 3)a ipirb 
unfer Urt^eil über biefe beiben SRac^rid^tcn toefentlicb terfc^ieben 
lauten. 3)aß bie Qaljl 18 richtig ift, ift an unb für fid^ mögßd^, 
aber audj meiter nid^ti^ ; ebenfo ift ed möalic^, baß ©erl^arb meljr 
ftlöftcr geleitet ^at, al« un8 namentlid^ befannt. S)enn an Sei- 
timg nur ift ju benfen, unb fo ift procurare nunmehr gu inter* 

* (^üitifjer eitoäl^nt bie beiben erfirren nid^i, nennt ftatt beffen nod^ f^oh 
min, aber er üBetfiel^i, bog bte betteffenbe Stelle bei Solcüin fid§ nur in emet 
^n^fti^ft finbet, unb offenbat ]p6intt 3ufa)^ ift. Sergl. l^ierfiber (Sjcutd 1. 

* c. 38. Mab. Act. sanct III, 1, 58. 

* c. 6. Mab. Act sanct. II, 798. 

* 22. Mon. 88. XIV, 609. 

'^ Qkgcn Mnf^ nnb fRabiUon. ^Setgl. oud^ unten ^Ibfti^nitt 5. 



238 m. Qd^uX^t, 

pttüttm, ba bie Vit. 8. Bert., bie Mir. s. Gißl. unb bie Hist. 
Mosom. 'praesse' ober 'regere' ^aben, unb bied nur „leiten" be- 
beuten fann, toä^renb es offenbar fa^Ii^ baffelbe befagen foO tote 
baS ^procnrare' ber äSita. Ob nun biefe an fic^ mSaltc^en Sin« 

} laben aud^ innerlich toa^rfd^einltci^ finb, bau fann erft H>&ter unter 
ud^t tt^erben. 

^ageaen ift bie gn^eite ^ad)ndft, \>a% aOe ßlöfter Smulfd 
unter (Serfarb geftanben batten, entfc^ieben ju Dem^erfen. Sens 
einmal bejog fi$ nac^ jenen anbem CueKen ber uni» unbrfannte 
X^eil bon @er^arbd Steformt^ättgtett nid^t auf ^^lanbem, fonbem 
^uf grantretc^; fobann ftellt bie Ißita bie @ac^e fo bar, atö ob 
Srnulf mit einem SRal alle feine ^löfter ©erwarb äbergab, n^ä^renb 
bei beu und betannten brei biefe Üebergabe ju fe^r üerfd^iebener 
3eit erfolgte ; enblic^ »erben tüxx fe^en, bafe bei jmeien üon jenen 
brei Älöftern gar nic^t Strnulf, fonbern Iranämar oon S^o^on 
ber SBeranlaffcr ber Sieform loar. 

Unfer ©nburt^eil über bie ^icr be^anbclten 5^agen ioirb ba* 
^er lauten: @S ift, menn man blog bie äugeren @rünbe beräd^ 
fid^tigt , möglid^ , \>a% @erl^arb me^r ^löfter reformiert ffat, als 
loir namentlich fennen : aber nad^ pofitioen eingaben ber QueOen 
toären biefe unS unbelannten Slöfter nic^t in glanbern, fonbem 
in granfreic^ ju fuc^en. 



4. Sie Sieform kion @« Sation^ äJ{ont Slaiibiu nnb 

©• »erttn* 

auf oiel gefiederterem SBoben afö bi^fier beioegen »ir unS, 
toenn ton an bie 3)arftenung ber 91eformt^ätig!eit ©er^arbd felbft 
ge^eu. 2)enn ^ier ift nic^t me^r bie 3^ta uitfere einzige Cuelle, 
oielme^r finb mir ftets im @tanbe, i^re Angaben burc^ anbere 
®erid^te }u prüfen unb ju oerooOftänbigen. @S ift uns ba^ 
mö^lidi JU n)eit pofitioeren dtefultaten ju gelangen als bei ben 
oongen unterfud)ungen. 

S)ie erfte Sleform eines ÄlofterS, baS bem ©rafen Ämulf 
gel^ört, ift bie üon @. Saoon in ®ent. Ueber fie finb mir red^t 
gut unterrid^tet , ba mir iRac^ri^ten oon t)erfd^iebenen @eiten f)ix 
befi^en. 

@. Saüon gehört ju ben Jllöftem, bie burc^ bie 9tormau- 
neneinfälle ^eruntergelommen mareu. 861 war eS tjon ben 9?or* 
mannen jerftört morben*: eS mar oolllomnien jur ©nöbe unb 
unbettjol^nbar gemadbt*. S)ie SWönc^e felbft Ratten fid) mit ben 
S^eliquien beS l^eiligen IBabo fd^on bor^er nad^ @. Omer, \p&tet 

^ Ann. 8. Bav. Qand. 851, Mon. 88. II, 187. Mir. s. Bav. I, 10, 
Mab. Act. sanct. II, 408. i 

^ Urfnnbe Sotl^d, Serrrare, Cartnlaire de Saint Oavoo 6. 5. i 



^fr(}nrb ü. ^roivtc ii. bie ftlofierreform in 9{iebcrlotl)rinQeu ii. gfCnubrTit. 239 

mii Üaon geflüchtete unb lebten bort im @. SSincetiiRofter. 
^^ad^bent aber am 10. 2)ecember 895 t^r 9ü>i (SItal» geftorben 
tüar, tourbe fein neuer %bt gen^ä^It: üielme^r jerftreuten fic^ bie 
Mön6)e unb fc^iueiften orbnung^IoS uberaQ um^er \ S)ie|er 3^^- 
ftanb iog bie fflUrfe beÄ JBifc^ofö Irandmar öon ÜJo^on (937— 
—960) axi^ fic^. ftaum »ar er auf ben bifc^öfli^en @tu^I ge= 
langt, fo tuanbte er fid^ an ®raf Smulf Don f^Ianbern, bem 
(Seilt gehörte, unb kougte ei^ bei biefem burc^jufe|en, ba| mit ber 
äteftauration bed ^lofterd begonnen ipurbe. ®(eid^)eitig tourbe 
nod^ im ^aifve 937 bie flbtdmürbe üon @. 89ak)on an ®erl^arb 
Don SBrogne übertragen'. 3)ie äRönc^e n^aren Aum X^eil f^on 
früher iurücf gelehrt unb lebten, ba bad ^lofter felbft noc^ nic^t 
hes)of)nbax toat, einftkueilen in einer ftirc^e in ®ent. ®er^arb< 
erfte @orge n?ar ed nun, and) bie Steliquien beiS ^iligen ^aoo 
an^ äaon jurüdiubefornmen, unb bereits am 19. @e))tember 939 
fonnten fie Don fieben äRön^en in feierlichem Qa^e in jene ftirc^e 
gebracht merben^. SBir fe^en and biefer Sbtgabe, ba§ bie Qai)l 
ber 3Rönd^e noc^ immer eine fe^r Heine mar; bajs ed alfo ®er^arb 
in jmei darren nid^t gelungen n^ar, erl^eblic^ oormärtd gu fommen. 
6rft im folgenben Sa^re »ar ba« RIofter fotoeit fertig, ba6 
es bejogen n^erben tonnte, unb fo mürben benn am 1. October 
940 bie SIeüquien beS ^I. Ü3at)o unb ber f)i. ^^arailbe in groger 
Hroceffion nac^ bem ^lofter getragen, mobei jeboc^ ®er^arb einen 
:^eil biefer 9{eliquien auf ba« bringenbe Sitten — mo^I ric^:* 
tiger, auf ben öefe^I — be« ®rafen Strnulf in jener ®enter 
ßird^e ^atte jurudlaffen muffen \ SKit bem ^fterbau mar ®er« 
^arb tnbeffen noc^ immer nic^t jufrieben: im 3a^re 946 fc^ritt 
er an einen Umbau ^ ber bann mo^( ju feiner 3ufrieben^eit auf- 
fiel, ba mir Don meiteren S3auten nid^t« ^ören. 

' Ann. 8. Hav. Oand 846. 858. Mir. 8. Bav. I, 8. 

' Ann. 8. Bav. Gand. 895. Chron. s. Vino. Land., Mab. a. o. O. 
V, 250. 

' Mir. 8. Bav. I, 11. Chron. 8. Vinc. Land. Ann. 8. Bav. Gand. 
937. 9In le^tertt @teQe f)e^t Gerardum Bononiensem. 69 tfl bie« nt(!^t 
ettoa ein SDetfe^en, benn aum 3a^t 959, too im j£e£t fle^t Broniensis, fügt 
$eT^ in ber ^nmerfung au^brüdflic^ ^inju i. e. bononien8i8. 

^ Ann. «. Bav. 939. ^ad^ it^ntn toaxtn bie Steliquien erft Don f^aon 
nad^ ^tilt'las^tpottt gebtad^t, \)on bort fü^e fie (&txfyixb prücf. fßan 2o» 
feren besmeifelt biefe ^ngobe; toie mit fci^eint, ol^ne ®Yunb. 

* Ann. 8. Bav. 940 Mir. 8. Bav. I, 14. ©el^ d^araftetiflifd^ ifl bie 
9lotia ber leiteten, bo6 ha% fßoU atgloö^nte, ed toftre mit ben ^Reliquien ein 
betrug Dorgeaongen {ha^ ^i§t bod^ too^l, e^ toat befannt getootben, bog ein 
2^ bct SIritquien m fenet Piid^e geblieben) ; bag aber ^etl^atb bied babutd^ 
iDibexlegte, ha% er ^igt, bag bie alten Siegel unberle^t ftnb. 6t lann bied 
ft^un, trotöem et einen 2:^eil ber fteliquien weggegeben! 6d ifl bieg ein 
£red^enbet SSetoeid bafüt, toie loenig fid^ im ÜRittelaltet felbfl fo el^ütbige 
Vi&nntt tote (Betl^tb bot einem 93eituge fd^enten, toenn btefet nur ftommen 
Stoeäat biente. 

* obetSiettbau? ICte Ann. 8. Bav. l^ben reaedificatur et in melius 
exaltatur. 



240 :av 3cl)ul(;c, 

@Qbann bemerien bie Ann. s. Bav. Gand. jum Sa^re 947, 
bog 89ifc^of 2:randmar üoit 9?o);on auf bie IBitte bei^ @rafen Sir- 
nulf bem Sllofter 3mmunität i^erlie^en ^a^e. @ine berartige Ur^ 
fiinbe ^at fic^ nic^t erhalten. ®egen bad factum felbft I|Qt oan 
iäofereu Sebenlen erhoben \ er ^at nac^gutueifen gefuc^t, bag tu 
SßJa^r^cit baß Äloper noc^ längere 3^^* ""^^^^ ^^ bif^öflid^cn 
©etualt geftanben, uub begeic^net bemgemäg biefe Angabe atö 
'apocryphe\ @eine Sluef ü^rung fc^etnt mir im tuefentlic^en tDoi)l 
gelungen, unb ed fc^eint anjune^men, ba^ biefe SRoti) ber Ann. 
s. Bav. auf einer gefälfc^ten Urfunbe beruht. 

lieber bie meitere @ef^ic^te bed ftlofterd ^eben bie Ann. s. 
Bav. f olgenbe 3)arfteUung : 3m 3a^re 953 t^erjtc^tet ©erwarb auf 
bie 9lbtdiuürbe üon @. ISaDon unb tagt burd^ @raf Smulf oon 
t^Ianbern unb SBifc^of Slubolf t7on 9tot}on $ugo )u feinem ^ladf- 
folger beftimmen. tiefer üergic^tet 965 auf feine äBürbe unb 
ftirbt nocq in bemfelben 3a^re. Sltö S(bt folgt i^m äBomar, ber 
bem Älofter bis ju feinem iob im 3a^re 982 üorfte^t. 

S)ie|em 83erid^t loiberfpric^t t^eiltoeife bie Srgä^lung einer 
Urfunbe*, burc^ bie Äönig £otI}ar bie Privilegien beö Älofterö 
beftätigt. yiad^ ifjx ift bad Slofter Don @raf Slmulf auf S3ittett 
®er^arbd reftauriert toorben. S)arauf ift bort ein @(^ü(er ®er^ 
^arbd, SBomar, jum 9lbt aetoei^t toorben. 3)iefer fjai, nad^bem 
er ein $iaf)x bort Hbt geioefen, mehrere Äebte anberer Jflöfter bei 
fic^ üerfammelt, unter anberen ^ilbebranb, Sebric^, ^umbert Don 
@. (St)re unb Slgenalb oon ©orge. 2)iefe üerfammelten Siebte 
manbten fi^ an ®raf 9lrnulf unb feineu @o^n iBalbuin, unb le|« 
tere baten bann ^önig fiot^ar um ein $riüileg für baf^ Stlofter. 
Sot^ar beftätigt in $olge beffen, i)a% bie äRönc^e gemäg ber Sieget 
ftd^ ibren Slbt ertoä^len foHen, baf jeboc^ 9Bomar, fo lange er 
tebt, bie »btötoürbe behalten foK. datiert ift bie Urfunbe: Ac- 
tum in palatio Lauduni clavati apud monasterium sancti Jo- 
hannis, die 3. id. Dec. Anno incarn. dorn. 958, ind. 11, 
anno 1. regnante Lothario rege gloriosissimo ; fie ift bemge- 
mag auf ben 11. 2)ecember 958 gu fe^en, benn auf bad falfc^e 
ftönigdia^r ift fein @emi^t gu legen. 

Sin SSerbacbt gegen bie Sd^ttieit berfelben ift bid^er Don fei^ 
ner Seite aui^efprod^en, unb ed fe^lt auc^ an jebemSnIag bagu. 

®o bie @ad^Iage. (Ed ift alfo nac^ ber Urfunbe Sßomar 
957 Äbt geloorben, toä^renb er t^ nadi ben Ann. s. Bav. 
erft 965 loirb. JBan fioferen bemerft ^iergu: Ces divers points 
sont ^tablis par une Charte originale ä Tabri de toute critiqne, 
et contredisent ce que les annales de S. Bavon all^guent 
sur la resignation de S. G6rard en 953, et sur la nomi- 
nation, avec TasBentiment du comte et de Rodolphe, äv^que 

* 0. a. O. 6. 82. 

' Serrare, Cartolaire de Saint Ba?oii S. 5. )85^met 2027. 



(^crt)iub t). ^iui(iitf u. bie J^lofierrefuTin in 9{icbtftIot()Tingtfn u. f^luitbern. 2U 

de Noyon, d'un certain Hugo qui aurait occup^ la dignit6 
abbatiaie jusqu'en 965, äpoque de sa dimission et de sa 
mort. Ce qui certes n'est pas, puisque Womare fonctionnait 
encore en 957 : peut-etre cet Hugo n'6tait-il qu'un prieur de 
Tabaye'? 3c^ fel^e )u biefer Slnna^me feinen ®runb; benn 
mir brauchen t7on ber Stjä^lunng ber Ann. s. Bav. nur t>afi 
Sa^r 965 }u Dertoerfen, unb Sßibod ätefignation ini^ 3a^r 
957 ju üerfe|en, um aOe @ci^mtertgteiten in einfacher SSeife )u 
ISfen. 

SBenn mir in ben inneren ^uf^innien^ang biefer (Sreianiffe 
einen (Einblicf erholten moUen, fo fäUt auf, bol in ber Urlunbe 
fo f(^arf betont ift, bag SBomar 8(bt bleiben foQ: Habeant 
(sc. monachi) sane potestatem eligendi abbatem regulariter, 
quemcunque elegerint, ita tarnen ut bis (sie I), qui in presenti 
tempore ejuadem coenobii regimen regulariter suscepisse di- 
noscitur, dominus scilicet Womarus, omnium opponentium 
se insidiis ab ejusdem loci patemitate nunquam privari pre- 
valeat. @e^t nic^t ^ieraud ßar ^ert^or, baS XBomar üon einer 
Partei im ßlofter ^efti^ angegriffen mürbe? 

3lnn ift SSSomar etn @d^üler ©er^orbd, folglid^ ein Vertreter 
ber 9ief ormpartei ; ed ift mitbin in ^o^em @rabe ma^rfc^etnlic^, 
baS jene anbere Partei and ^^^inben ber ^Reform beftanb. ^ied 
tuirb nod) beftätigt burc^ bie folgenbe Srmä^ung. Offenbar um 
fi(^ in feiner @teQung aegenüber jener gartet ju befeftigen, ^o(t 
äSäomar 958 anbere Sebte ^erbei , unter i^nen üor aQem Sgenalb 
0on ®or}e unb ßumbert Don Sore. Seibe finb ßau^tDertreter 
ber ^Reform in Oberlot^ringen. äBomar fudbt alfo in feinem 
ftam:pfe Unterftü^ung bei ber 9ieform|)artei. mix erhalten fomit 
bad mic^tige Stefultat, bag in @. JBaDon bie Sieform nicbt o^ne 
ftarfed ^iberftreben unb ol^ne längeren ft^ampf eingeführt ift^ 

SBomar leitete fpäter bad ^(ofter mit großem ®ef(^icf. 967 
erlangte er oon ^önig fiot^ar ©d^entung neuer, fomie liBeftätigung 
ber alten @Uter^ me^rmald erreichte er Don ^aifer Otto U. )0e« 
ftätigungen unb ©c^enfungen ^. Sauge 3^it ftanb SBomar bem 
Älofter Dor: erft 981 ftarb er*. 

' 6.81. 

^ 92ad^ bell btd^riaen Untexfudt^unQen ftnb meine Angaben über @. 9a* 
Don in „i^Iofterreform" e. 43 au cotrigtexen. 9l0etbinQd mügte man, toenn 
man bie SGBoxte bet Urfunbe gana ftteng auffagt, annel^men, bag tlrnulf gletc^ 
fß^omax einfe^e, nid^t etfl (Sktf)axh, 2)0^ toiberfprtd^t bie« au fe^t allen fon» 
fügen Angaben; ed ifi bei^^lb anaune^men, bag f^in bet ^udbntdt ber Ur< 
tunbe ettoad ungenau ifl. 

' ^ö^mn 2042. Serrure a. a. O. ®. 6. 

* ©tunH)f 617. 691. 692. 697. ©errure a. a. D. ©. 8. 10. 11. 13. 

^ €o bie Ann. Bland. S^te Ann. s. Bav. Qand. l^ben 982. 9Lhn 
iwäf einer Urfunbe ifl in Tionk Sdlanbin, loo aud^ SS^omar 9lbt toar, bereits 
DOT bem 4. 9RAra 981 SBibo 9bi. Ukm Soferen, Chartes et doouments de 
S. Pierre ©. 50. 



242 m. ^d)vihc. 

(Sin jtpeiteg ft'Ioftev, bad ®ttfjaxb auf SSeranlaffung bed 
©rafeit Srnulf reformierte, ift äRont SBIanbin'. 5)ie« to'ar gc* 
^rünbet Don bem ^I. ^Imanbu^, aber ebenfalls, mie @. Saüon, 
imfiaufe be* 9. Sa^r^unbertö l^enmtergefommen: feine SBcfi^ungen 
waren i^m juni großen 2^eil üon toeltli^en ®ro^n entriffen*, 
an ©teile ber SRönd^e waren (Sanonifer etngegogen, bie gi^mlic^ 
jägeÜod lebten*, hierauf würbe @raf Slmulf auf mertfam ^ ®r 
Wanbte fic^ an S3if(^of S^ran^mar, um mit biefem jufammen bie 
SReform perfönli^ üorjune^men. S)a biefer burd^ einen Suftrog 
beS ßünigiS ber^inbert war felbft ju fommen, fo fanbte er feinen 
%rd)ibiafon SBemacer, unb mit il^m traf Srnulf am 24. 3unt 941 
in SRont SBIanbtn jufammen. ^emacer ermahnte bie Sanonifer, 
äRönd^e ju werben, aber nur ein fe^r Heiner ^ei( berfelben folgte 
biefer Slufforberung, bie meiften jogen ed üor, bad Slofter ju üer« 
laffen unb in ber Umgegenb ein burd^aud Wettlic^ed Seben ^u 
fiteren. 3n 9Ront ^lanbin bagegen fe|te SBernacer äRönc^e etn 
unb fteDte ©erl^arb atö Slbt an bie @pi|e. SBalb barauf bt^ 
[tätigte iBifc^of ^ran^mar t)on 92o))on auf 93itten @er^arbiS bem 
ÄJüfter bie Sefi^ungen , bie baffelbe in @ent ^atte *. S)ie Vita 
Gerardi weiß und no(^ ju berichten, baß bie Sanonifer auf ©er- 
barb heftig erbittert waren, ba§ fie jule^t befc^Ioffen, i^n in ber 
ftird^e ju ermorben, bag aber @erl;arb ibnen fä^n entgeaenging 
unb il^nen feine ©ruft jum lobe barbot, oafe fie babei heftig er* 
fc^rafen unb i^n um SSerjei^ung baten*. 35a biefer SSeri^t üon 
anberen OueDen nic^t beftätigt wirb unb etwas legenbenl^aft Hingt, 
fo fei feine 9ii(^tigfeit ba^ingefteflt. 

@er^arb felbft war al^ Slbt bor allem barauf bebad^t, bem 
Slofter feine entriffenen JBefi|ungen jurüdf juerwerben , unb eg gc* 
lang i^m im 3a^re 942, wenigfteni^ einen 2:i^eil berfelben t)on 

' (S^enauet @. gierte au ^ont Slanbin, ie^t ^nx Stabt ®ent gehörig. 

* Urfunbe Subtoigd , SBöl^tnet 202 1 ; ä3an Sofeten, Cbartes et docu- 
ments de Tabbaye de S. Pierre S. 27. 

• Tranal. a. Wandr. 11, Mab. act. sanct. V. 404. Vit. Gerb. 28. 

* ^aS S^a^x oeben bie Transl. Wandr. 11 unb bie Ami. Bland., Mon. 
8S. V, 25. !S)ag Setl)arb ^bt ton ^ont^lanbin toax, fagt äuget ben unten 
an3ufül)Tenben Quellen aud§ Folcain , Gest. abb. s. Bert. Sitb. 107 , Mon. 
SS. XLII. 629. @tnen ou^fül^xlid^en SBertd^t giebt nur bie Auctoritas Tras- 
mari presuHs, tKin Sofeten a. a. O. 6. 22, bie nod^ ani bem S^f^x 941 
l^rtü^t. 

> fßan Soferen a. a. O. ®. 21. £ie in biefet Urfunbe etlo&^nte fS^\fft 
einet (S^aptU^ ifi am 15. ^pxil Sofeten fe^t bie Utfunbe tot Cftetn 941, 
b. ^. tot ben 18. ^ptil. ^bet bet in i^t genannte annus regni Ludo- 
vici VI. ^et^ tont 19. 3uni 941 bis aum 18. 3uni 942, unb i(§ toet| ni^t, 
toatum tott bied tiettoetfen foUten. 3n bet Auctoritas Transmari l^ei§t e^: 
Eodem denique anno (sc. 941) dominici adventus diebus venientibos 
yenimua ad dictum aanctum coenobium et per nostram benevolentiam 
confirmavimas omnia. 3d^ glaube, bog l^iennit hit botitcgenbc Urfmtbe g^* 
meint ifi, unb fete fie hafy^ in bie 9[b)ient»aett bed 3a^ 941. 

• c. 28. 



drrl^tb D, otogne u. bte Itloflettefotm in ^Kcbetlotl^ngen u. gflattbftit. 24S 

®raf «(mulf tüieberjubelommen ^ S(m 20. «uguft 951 beftätigte 
ßönig £ubtoig üon ^rantreid^ biefe 9ieftitutionen '. 

(Sine fernere @orae ®er6arbd toax, bem ftlofter SHeliquien 
»t üerfd^offen, unb aud^ ^ier fanb er bie Uttterftä^ung bed ©rafen 
Srnulf. ilfl\t il^m gufammen begab er fi^ nad) iBouIogne, unb 
bort erhielten beibe oon iBifd^of äBicfrib bie 9teliquten ber brei 
^eiligen SBanbregifel, Sindbert unb S33uIfrQm, bie urfprünglic^ in 
K Sßanbrille geruht Rotten , aber in ben ©turnten ber 92onnan« 
neneinfäQe na^ 93ouIogne gebracht maren. ^u^erbem nal^men 
fte no(!^ 9ießquien Don anbem ^eiligen na^ äßont iBIanbin mit, 
int ganjen 138 @täff , eine Qaf)l , bie und rec^t beutlid^ jetgt, 
toeld^ enorme ^ö^e ber 9leliquiencultud in jener 3^it erreid^t l^atte. 
Slnt 3. @e:ptember 944 n^urben bie[e Steliquien feierli^ in SDZont 
S3(anbin beigefe^t, unter SBetI}ei(igung bed ^ifc^ofd Xrandmar t7on 
JJotjon '. 

^oä) me^r 9{eliquien ern^arb @er^arb. äBieber toax er mit 
@raf Ämulf nad^ SBouIoane gereift, unb bort erlangten pe bie 
9teltquien bed ^I. iBertuIf unb bed ^(. @iubn)a(, bie beibe ein 
(Snglänber @(ectud gefto^Ien l^atte. $(ntulf entbeäte balb ben ^ieb 
itnb lieg nun biefe Slcüquien nid^t nac^ SBouIoane jurücfbrinaen, 
fonbem nad^ SRont SBIanbin fc^affen*. 3)ort fanb i^re S^ieoera^ 
fefeung am 3. 55eccmber 954 ftatt^. 

afe ©erwarb bied ausführte, loar er bereite nid^t mel^r Äbt 
oon SRont SBlanbin, benu fd^on im Saläre 953 l^atte er auf bie äbtö^ 
tuürbe üerjid^tet, unb jum 9(bt toax oon üBifc^of ^ulbert oon 
CSambrai SBomar gett?eif|t loorbcn*^, eben jener 3Bomar, ber \patcx, 

' San 2oUxtn S. 24. 

' Söl^met 2021. Xmn Soleren 8. 27. 

' Transl. 8. Wandr. Stüx^ ettoö^nen bie Sac^c Qud^ Vit. Ger. 28; 
Ann. Bland. 944; Chron. Fontanell. app. II, 3, Dachery. Spicil. III, 
352, unb Martyr. Blandin., Mab. Act. sanct. V, 200. 

* Vit. 8. Gadv., Act. sanct. Jan. I, 728. Vit. 8. Bert., Mab. Act. 
sanct. III, 1, 45. Embolismos de s. Gudy. et Bert., Act. sanct. Jun. I, 
743. Beutete betben CueKen ftnb, toie bie Act. sanct. rid^ttg bemerfen, ^uSjüge 
ou$ einem auefül^tltd^eYen äöerfe, ba§ in bot Vit. s. Bert. aU libellus qui 
de eornm adventn scripta» est bejeic^net toirb. 

» 2:et log: Vit. s. Bert. 33; Embol. 56; Vit. s. Gudv. 51. 3)a3 
^a^: Vit. 8. Gudv. 51: Lotbario re^e in sceptro Francorum. 6d fann 
mithin niAt bor 954 fein ; anbretfeitd ift aber anä) 954 ber Augerfte Xetmin, 
ha Getl^otb 953 refigniert unb bod^ offenbat eine fold^e gfütforge für ^ont 
^ianhin in bie eifle S^^^ n<t4 H^^ d^efignotton faäen mug. 

* Ann. Bland. 953. ^ie Utfunben ergeben hin etn^itCid^eS 2)atum 
für ben antritt SBomar^. ^aä) 8 Utfunben fdUt et atoifc^en ben 2. 2)ecems 
bet 952 unb ben 30. ^anuat 953 (t)Qn Sofeten %c. 31. 37. 41. 43. 44. 45. 
47. 51), nodb atoei jtoifd^en ben 18. Octobet 953 unb ben 27. 5Wdta 954 
(txin Soleten 9h. 32. 36), nad^ einet atoifd^en ben 1. CdoBet 950 unb ben 
31. September 951 (t)an Sofeten 9lt. 27), nad^ einet atoifd^en ben 15. 9lugu|l 
946 unb ben 18. ^uauft 947 (bau Sofeten 9h. 20), nad^ einet bot ben 22. 
9^otiembet 945 (ban Sofeten 9lt. 19). Sei btefen ^iffetenaen mu| bte Eingabe 
ber Ann. Bland, feflgel^alien toetben. 

XXV. 17 



l 



244 m ^^ul^t, 

toie )oir oben fa^en, aud^ @er^arbd Stad^f olger in @. Sat^on 
mutbe. äßomar toax noä) OerJ^ältnidmäBtQ jung, ba er 922 ge» 
boren n^ar K f^rü^ ^otte er fic^ bem geifthc^en @tanbe gen^tbmet; 
fc^on 938 erhielt er bie ^rieftertoei^e "^ ; barauf ging er ium 
mUnditffim über, im 3a^re 942 n^urbe er Wiänä^^ Sßie ©. 
S3ak)on, fo erreichte ouc^ SD^ont äSIanbin unter feiner fieitung eine 
o^e 93läte. &r k^erftanb ed für bad äugere ©ebei^en bed ßlo:« 
teri^ ju forden: am 22. ^ebruar 964 beftätigte JSönig £ot^ar 
bon granfreic^ i^m bie 3mmunität*; anbererfeit« toai bereite im 
Mai 960 ein 92eubau eines ^lofterd begonnen, ben ®raf SIrnulf 
ausführen lieg^. %ber and) im 3nnem gelangte ba^ ^lofter ju 
^o^er Sntoicfelung ; n^o^I ber befte Sen^eiS hierfür ift, bog fic^ 
ber ^(. ^unftan in feiner SSerbannung einige 3eit in äRont ^lan« 
bin auffielt ^. @o fe^te äBomar in ^. Saoon unb äRont Slatu 
bin in jeber SBeife baj^ SBerl ®cr^arb8 fort. 

3)ad britte Sllofter enblic^, bad ©erwarb auf Seranlaffung 
«rnulf» reformierte, ift ©. SBertin'. «uc^ ^ier lebten manage, 
bie ein toenig mönc^ifc^e« fieben führten, fo baß ®raf 8lmulf 
baran 8(nftoß na^m. @r üer^anbelte mit ben iD^önc^en über eine 
Senberung i|red SSanbelS unb berief gleidijeitig S(bt ©erwarb jur 
8fleform. Qnbeffen fd)eiterten beg ®rafen fflemü^ungen eine gut* 
lic^e Einigung berbeigufü^ren ooUftänbig, unb fo n^urben am 15. 
april 944** bie2)iönd(|e gejmungen, baöÄlofter ju üerlaffen, »fi^ 
renb ©erwarb mit SJiönc^en aii^ oerfd^iebenen Älöftern ^ — toa^r- 
d^einlit^ wo^IJBrogne, ©.@^i«Iain, ©.fflaoon, SJiont ölanbin — 
einen @injug ^ielt ^^. S)ad braugen oerfammelte SSoIt na^m offen 
ür bie alten äJ^önd^e unb gegen $(rnulf unb ©erwarb gartet, 
boc^ fam ^ nic^t ju einem ^emaltfamen Hui^brud^. (SiS jetgt 
und bied Kar, ba| bie Steform tn jenen ©egenben feineSn^egd oon 

^ Ann. Bland. 922. > Ann. Blaod. 988. 

* Add. Bland. 942. 

« SBö^met 2U41. ban Soferen a. a £). ®. 37. 
» Ann. Bland. 960. 

* Epist. Adelardi ad Elfegum 6, Stubbs, tfemorials of saint 
Dunntan. London. 1874. @. 53. 2)affelbe bettelten Qud^ anbete SBiogta* 
pf^itn ^unfland. ^ud^ in einet ©cJ^enfung HöntQ Sboatd an Tloni SBIanbin 
bom 3a]^t 964 tottb ed ettoö^nt; ban ü^ofeten a. a. O. ©. 40. 

' S^ie nad^folgenbe SatfteUung gtünbet ftd^ , fotoeit nid^t anbete Duellen 
angegeben finb, auf Folcuin Gest. abbat. 8. Bert. Sitb., Mon. SS. Xni, 628 ff, 
Sfolcutn toutbe 948 aRbnd^ in 6. Lettin, ift ba^t aU 3eitgenoffe au betraf^ 
ten. Seine eingaben finb übetaH butd^ud glaubtoütbig. 

" ©0 gfükuin. ^ie Ann. Bland, l^oben 945: Hoc anno Gerardus 
abbas ordinatus est in monasterio Sancti Bertini. (B ift mögli^, aBet 
nid^t not^b)enbig, bag bied ein leid^tet 3tti^um bet Ann. Bland, if!; benit 
ed fann fe^ gut bie feietlic^e SQßei^e (S^etl^atbd etf! ein äafß \p&in {latt^c* 
funben l^ben, ali et bte farttfd^e Leitung bed itU^ftetd etl^ielt. 

* e diversis locis collectis. 

>® 2)te Z'^atfad^e, bag ®et|atb eine 3eit lang 9(bt bon 6. Sciim toat, 
ifi aud^ ettD&^ni Vit. Ger. 28. 




9M^xh t>. Stogne u. bie ftbflencfoim in Webetlotl^xingen u. S^anbem. 245 

ber ®uttft ber meberen SoIISmenge getragen tuurbe, bag biefe 
melme^r berfelben entfd^ieben feinblic^ toax, m&brenb Ie|tere i^e 
@tütoi in ben ftreifen ber loeltßc^eu unb get[tliqen @ro|en ffatU. 
®raf Smulf oerfuc^te junäc^ft üergeblic^ , bte alten SRönc^e )ur 
9iäctfe^r }u bemegen, inbem er i^nen günftige Knerbietunaen 
machte, ieboc^ unter ber SBebingung, bag fie ftc^ ber Steform (^er- 
^arbd f&gten. Stelme^r joaen jene üor nad^ (Snalanb }u ge^en, 
mo fie bei ftönig St^elftan freunbüd^e ^(ufna^me fanben ; berfelbe 
f^entte i^nen fogar ein Jtlofter. iRur ein Heiner Si^eil ber äRönc^e, 
ge^n an kcä)!, f)attt biefe Ueberfiebelung nac^ Snglanb nid^t mifc^ 
; Jie lehrten nac^ einiger Qdt nac^ @. 9ertin jurfld unb 

un8 
ben 

eingefeffenen 3R0n(^en bie Sinffi^rung ber Sfleform ftügt, unb h^ie 
f Corner ed ber iRefonnpartei n^irb, mit i^ren Sbfic^ten bttr^itt^^ 
bringen. 

@er^arb, ber fc^on mehrere Sbteten leitete, füllte, ba| er ber 
Seitung ^. SBertini^ aQein nic^t geu^ac^fen fei : er befc^Iog inbeffen, 
feinen eigentlichen W)t einiufe||en, fonbem felbft bie Oberleitung 
ju behalten unb nur bie ^udfü^rung ber laufenben Sbti^efc^fte 
anberen }u überlaffen. (Sr fc^ritt ^ierju inbeffen toeniger aud 
eigener Snitiatit^e, atö auf bad SJrängen beiS ®rafen 8mulf ^in \ 
Unb jtDar n^ä^Ite er nic^t blod einen }u biefem Smte aud, fon- 
bem^toei: Slgi(o, einen Wind) an^ @. (Sure in Xoul, unb ben 
und oereitd brannten SBomar, ber fic^ alfo fd^on fe^r ^erüorge« 
t^an ^aben mu^te, ba er fo turje Qdt, nad;bem er Wbni) ge< 
tporben, eine fo toid^tige @teQung betam '. Sgilo ftarb nac^ furjer 
3eit, unb nun tourbe 947 auf ®er^arbi^ SSeranlaffung SBibo, 
®er^arbd Treffe, t)on ®raf Srnulf jum SCbte ernannt unb ald 
f Dieser gen)eil^t. inbeffen bereite im Sa^re 948* tourbe er bei 
@rof mnulf megen fd^Ied^ten 9EBanbeU angettagt unb feiner 
SBürbe entfebt. S(bt üon @. )9ertin tourbe nun SBomar, ber 
bann, to)ie oben erjä^It, 953 auc^ bie Sbtei in @. S3aoon unb 
957 bie in äRont 99Ianbin erhielt. (£r bereinigte alfo feitbem 
bie Seitung über bie brei ßlöfter, bie ©erwarb auf Seranlaffung 
9(mu(fd reformiert ^atte. 

9ladi Sßomard Xob 981 folgte i^m in ®. SBertin ^Ubebranb, 
in @. Saüon unb SRont 99(anbin ^ bagegen jener SBibo , ber in 



* comite jabenie et Gerhardo abbate consentiente. 

' Denn et belam bted 9(mi 945 > 947, ba 944 bie 9lefotm tfi, unb 947 
fcj^n aS^ibo VU toitb. 

* Dted 3afft auf (fi^runb folgenbet Stelle ^otcuind. liefet \aqlt: Wo- 
maroB autem regimen monasticam Bub regulari re^ebat diatriotiooe, 
unb fäißi ttnutitiemv batauf fott: Quo tempore ego ipse haec icribens 
Folcninos . . . anno 948 . . . monachus . . . sum enectus. 

* Da§ et %U m Stont Sdlanbin toax] et^iebt fid^ aud einet Utlunbe, 
iKttt Spleten a. a. €. ®. 50. 

17* 



246 9B. @d^uT^e, 

@. JBertin abgefegt toar. Scbod^ nod^ in bcmfclben ^a\ftt Der* 
jtd^tctc er in ©. JBaüon freimillig auf feine SBürbe^ unb nun 
folgte i^m l^ier Dbn?in, ber 998 ftarb *. 3n aWont ©lonbin folgte 
erft 986 «batoin auf i^n«. 

6s fei geftattet eine Sermut^ung über ben inneren 3"föm* 
men^ang biefcr Vorgänge ju äußern. SBibo toirb entfe^t toegen 
fc^Iec^ten äßanbeld; ba$ ^eigt bod} mol^I, n^eil fein Stuftreten nic^t 
im ©inne ber SRefornHJartei n^ar. ©erwarb ^atte fid^ alfo in fei* 
nem Steffen getäufc^t. ©oute SBibo aber toirflic^ o^ne jebe Un- 
terftü|ung üon ben öaljnen ber 9flefornt|)artei obgett)id|en fein? 
Sft e8 nicfet loal^rfdieinlic^ , ba§ er im Älofter felbft an einigen 
SRönd^en eine ©tü^e fanb: üieÖeii^t an jenen alten je^n aRön- 
eben, bie erft na^ langem SBiberftreben fic^ ®er^arb unterwarfen? 
SBäre biefe Kombination rid^tig, fo l^ätten toir bag SRefuItat, bafe 
eS aud^ in ©. SBertin gegenüber ber JReform eine bauembe üp- 
pofitionöpartei gab. 

3:ro$ biefer SSorgänge n^irb SBibo nad^ SBomard £obe Kbt 
in©. fflaüon. SBie fann bieS aefd|et)en? SBer madjte i^n baju? 
3)oci^ offenbar foldie, bie mit feinem frül)cren SBanbel einüerftan^ 
ben finb, b. 1^. fold^e, bie ber SReform feinblid^ gegenüberfte^en. 
9?un ift oben nadigett?iefen , bafe eg in ber erften Qexi SBomarS 
in ©. SBaöon ficfter eine antircformatorifd^e ^artei gob: liegt ti 
nid^t nal^e anjune^men, ba§ biefe je|t bie SBaljI SBibog burc^- 
fefet? SBenn bann SBibo noc^ in bemfelben 3al^re Derjidötet, fo 
bebeutet bieg nur, ba% auf bie ^auer biefe 5ßartei bie ^errf(^aft 
nid^t ju be^au<)ten Dermag, ba^ fc^Iiefelid^ bod^ bie JReformpartei 
ttjieber bie Dber^anb gewinnt. 8lu^ in SWont SSIanbin tt?irb 
SBibo Äbt unb behauptet fic^ l^ier geraume Qzxt Sllfo auc^ Ijiex 
bcfi|t bie i^n begünftigenbe ^Partei großen ®influ§. ©inb biefe 
Ännal^men richtig, fo erfennen toir, ein Wie jä^eö fieben in @. 
JBaoon bie antireformatorifd^e Partei befifet, ba fie fid& bie ganjc 
3eit SBomarS ^inburd^ erhält, unb eine wie grofec Straft fiejeigt, 
ba fie WenigfteniS t^orüberge^enb eine SlbtdWal^I in i^rem ©inne 
burd^fe|en fann. 



^ Ann. 8. Bav. Gand. 982. SBol^eT Dan Sodferen bie !flotia l^at, hai 
SBibo am 11. Iccember 982 fiatb, toei§ id^ nid^t. 

• Ann. 9. Bav. Gand. 998. 

' ^aä) 5 Ut!unben Beginnt bte 9^e()ierung 9lbaItotnd stoifd^en bem 2. 
gebtuar unb 19. Tl&x^ 986 (öan ßofcren ««t. 64. 66. 69. 75. 76), nad^ brei 
atoild^en bem 27. 3nni nnb 19. Cctober 987 (Don ßofeten 91t. 66. 68. 77), 
nad^ einet atoifd^en bem 16. aWorj 988 unb bem 15. 3Wära 989 (üan Sotafen 
9lx. 72), nod^ einet atoifd^en bem 27. 3uli 982 unb bem 26. Sult 983 (tian 
ßofeten 9h. 71). 



@er]^tb b. otogne u. bie l?Ioflen:eform in ^Itebevlotl^ttngen u. gftanbent. 247 



5« Sonfitge Reformen. 

Unter ben filöftcm, üon bcnen ipiffcn, bag fic bon ®crl^arb 
reformiert finb, fte^t ber Qeii md) üoran @. ©^iiSlain *. 3n bie* 
em Älofter waren in ben Stürmen ber 9?ormannenjeit , tüie in 
öielcn anberen, an bie ©teile ber Sl?öncl^e ßlerifer getreten, 
)ie ein burc^aud ungeifttid^eS £eben führten. ®ie (ebten mit 
(grauen jnfammen; führten bie ^Reliquien i^reS |)ei(igen überaQ 
hierum, um babiirc^ üon ber $eüö(ferung ®efc^enfe ju erlangen; 
üerroanbten aber lefetere nur für i^ren eigenen ©ebraud^, o^ne et* 
loaS für firc^Iid^e 3^ecfe ju t^un*. SWatürlid^ mußte ein fold^e^ 
betragen änftofe bei ber ftreng fird^Iic^en Partei erregen, unb ali 
Vertreter biefer (enteren trat, mie öfter in jenen ß^iten', ein 
SWann auf, bei bem ttjir, toenn e§ bie CueDen nic^t beridbteten, 
eine bcrartige ©efinnung faum erwarten würben, $er§og ©ifelbert 
üon Sot^ringen. ^ladj unferen OueHen foH er freilii^ burc^ eine 
SJifton üeranlaßt fein. ®ifeI6ert berief eine Serfammlung ber 
®ro§en jener ®egenben nad^ Dinant, um bort bie Unwürbigfeit 
ber Clerifer in ©. ®()id(ain ju geigein, unb Slbt ®er^arb üon 
örognc ju bitten, bie Slbtöwürbe in @. ®^i«Iain ju übernehmen. 
Se|terer lieg fid^ baju bereit finben: er oertrieb bie (SIerifer au8 
bem Älofter unb fe^te bort äWönd^e ein, bie er ju einem ber SRe^ 
gel gemäßen fieben anfielt. SJiefe SRef orm faßt in ba« Sa^r 931 *. 
Äud^ an bie SReform üon @. ®^i§Iain fnüpft fi^ eine (ri- 
tifc^c ©ontroüerfe. SBir l^aben über fie jWei JBeric^te, ben 9iai* 
ner«, auf ben ftd^ bie obige 3)arfteIIung grünbet, unb ben ber 
Vita Gerardi*. 3m allgemeinen ftimmen beibe gut jufammen, 
nur weiß unö bie Sita noc^ einige SIeinigfeiten anjugeben, fo 
baß ©ifelbert bie 9leform mit $ilfe beg ®rafen SRagincr üom 
|)ennegau unb beS iBifc^ofd 2:iebo oon (Sambrai t^oUjog, baß ®i- 
felbcrt feinen fie^n^teuten einige ®üter na^m, um fie bem Älofter 
gu fc^enfen. dagegen Wiberfprec^en fic^ beibe Duellen in jWei 
fünften. (Sinmal erjä^tt bie Sita , baß ®er^arb gur Qext btefer 
meform nur äbt öon JBrogne — ober auc^ bieg nic^t einmal 
mel^r ^ — war, wäl^renb er nad^ 3lainer bereit« öicle Älöftcr üom 

^ ^e folgenbe (Sx^Ht^ian^ nod^ ^axntt, Mir. 8« Gisl., Mab. Act sanct. 
II, 796, (efonbetd c. 6. i)ie (&x&nht bafüt fte^e unten. 

* 98ie Bei fold^en ^atfa^en — unb bied ifl nut ein Hlofler unter tMm 
äl^nlid^en — Sampred^t (2)eT (Sl^araftev bet {löflexltd^en SReformBetoeguno Sot^s 
ringend im 10. ^a^r^unbett, in ^onatdfd^rift für bk @ef(^idE|te äBefibeutfd^» 
knodVn, 95) fagen fann: „93on einem innern älerfaUe, einer loirflic^en gfäul« 
nid ber illofierjuqt toirb man aud^ für bad 9. SfaBr^unberi nid§t rebett Um 
nen', toet§ id6 ni(i§t. Uebrigend if( mit feine SlB^anbluna, bon ber id^ in 
allen toefentlid^en fünften abtoei^e ; erft bor lurjem 5U Seftd^t gefommen ; 
eine SBibertegung berfelben mu| id^ mir für einen anberen Ort auffparen. 

* a- ^' Saberid^ bon 9bm. « Ann. Bland. 981. 

* c. 20—28. • aSetgL c. 17. 



248 



S. Si^ul^e, 



ffiaifcr crl^alten i)aiit ; f obann ifattcw naö) bcr Sita üor ©crl^arbs 
(Eintritt in @. @^idlain 2)iebe bie Sletiquien he^ f)l. ®idlen at- 
raubt, bie bann ©erwarb }urü(f brachte , n^ä^renb nac^ 9fainer oie 
Sleftttution bcr Siciiquien bereits üor ©er^orbS Snfunft gefd^o^. 
• Auf ttjefjen Seite ift bei biefen SEBiberfprüc^en bie größere ®Iaub- 
»firbigleit? ®er Comm. praev. ber Act. sanctj meint, bicfe 
t(ra^e muffe unentfd^ieben bleiben; äRabiOon^ fagt üon Siainerd 
Senc^t : sed id parum verisimile ; SBaubrt ' glaubt , bag bie 
Sita ^ier s'est trompie, ba eS ein ©(^üler ©er^arbS felbft an* 
ber8 berid^te. 

3unä(i^ft ift fidler, ba% lüir l^ier nic^t jmei unabhängige 
Duellen üor und ^aben. X)ad jeigt fc^on bie {[e^nlic^feit bed 
SBSortlautei^. 9Ran üergleic^e nur eine Stelle toxt: 



Rainer. 
Da mihi scutum unum, cujus 
protectione muniatur habita- 
culum meum. 



Vit. Ger. 

Da mihi dux unum, supplex 
efflagito scutum, 

Quo praemunitus expugnem 
fortiter ictus. 

SJerüdtfi^tigen luir nun bie 3^it unb ben (S^arafter bciber, 
fo tonnte Slainer fe^r ttjo^l nac^ münblic^er Ueberlieferung bie 
Sac^e ergäl^Ien, benn er f^rieb ettoa 100 Saläre nac^ bem ^etg^ 
nid, unb fo lange fann fid^ im ^(ofter eine einl^eimifd^e Zxahu 
tion erhalten l^aben. ®ie Sita aber ift erftenS fpäter »erfaßt, 
unb gtoeitenö berietet fie fonft niemals nac6 münblic^er Ueberlte- 
ferung, fonbern immer nur nac^ fd^riftlid^en Quellen. @d ift 
mithin a priori anjunel^men, bag fie auc^ ^ier eine frembe Duelle 
audfc^reibt. tiefer Schlug mirb burd^ bie X^atfa^en beftätigt. 
jCenn bie Sita fagt*: Qualiter autem sacrilegos examinando 
discusserit antistes Cameracensis . . . non est nostrae narra- 
tionis, ut remur, exponere vobis, praesertim cum id dilucident 
ipsius gesta, si serio sapere vultis. 3)ie Sita bejie^t ftd^ ^ier 
alfo auSbrüdRid^ auf eine anbere Duelle, unb gmar auf Gesta 
Gisleni — benn ipsius muß offenbar, entgegen ber grammatifc^en 
Conftruction , nid^t auf antistes, fonbern auf baS »dter üor^cr« 
ge^enbe sanctus bejogen werben — . 833a8 finb bied nun fiir 
Gesta? 6ttoa bie maineröV 9?ein; benn erftend finbet fic^ bie 
(Ergä^Iung, auf bie ^ier l^ingebeutet ift, ni^t bei fRainer, unb 
^tueitend bliebe in biefem f^alle unerf(ärt, tuie bie 9lbmeic^ungen 
ber Sita üon SRainer entftanben finb. ®§ finb bielmebr anbere 
Gesta Gisleni bie aber ebenfaüi^ in @. ®^id(ain Derfagt finb. 
fie^terei^ bemeift ber S^Iug ber Srjö^Iung ber Sita. 3)ort ^ fagt 
fie, ber äßönd^ üon S. ©I^ii^lain foQe immer für ßergog ©ifelbert 
beten. Sied pagt gar nid^t im SRunbe eined fDlänqei Don Srogne, 



> ©. 260. « 9lnm. au c. 22 bet Otto. 

■ a. 0. O. 6. 278. * c. 28. • c 28. 



(i^l^tb b. Sto^itf lt. bte Jf^Iopeneform in ^Iteberloi'^gen u. glaitbmt. 249 

tDte ed ber 6etf affer ber Sita ift; biei^ (ann nur ein 9Rönd^ üon 
@. ®^id(ain gefagt ^aben, aud bem eS bie SBita bann gebanfenlol^ 
abgef (^rieben ^t. @tnb biefe GestaGisleni üor ober na^ 9iau 
ner entftanben? ©ic^er nad^ i^m, benn mären fie älter atö er, 
fo ntfigten n?ir ber mörtlic^en Slnflänge megen annehmen, baß 
fRainer fte benu^t ^ätte; bann aber ^ätte er fieser bie S3eftra^ 
fung ber sacrilegi nic^t üerfc^miegen, gan} baüon abgefe^en, ha% 
er n^o^rfd^einltc^ noc^ me^r and i^nen entnommen ^ätte. SSenn 
fte nad^ i^m entftanben finb, fo ^aben fie i^n benn^t, jebo^ nic^t 
i^n aui^fd^Iieglic^ , n^ie bie abn^eii^enben S(ngaben geigen. @d ift 
nun n)enig n^a^rfc^einlic^ , bag ed neben Stainer noc^ eine uoeite 
fc^riftlic^e CueDe gab; oielme^r ift anjune^men, ba| biefe Snga« 
ben auf münblic^er Sirabition berufen. 3)a aber eine münblic^e 
Ueberlieferung im Saufe ber Qext immer fc^Ie^ter toirb, fo finb 
bie Slbn^eic^ungen Don 9lainer t}on oom {^erein menig juDerläffig. 
S93enn fic^ nod) baju eine berfelben atö nac^meidlic^ falfc^ ern)ei{t, 
fo ift flar, baß mir aud^ auf bie anbem fein ®emic^t legen bär« 
fen. $alf(^ aber ift bie 92ennung bed SSifc^ofS Xiebo k>on (Sam« 
brat. liebo mar Sifd^of 964—976, toä^renb bie JReform @. 
©^idlaind in« Safyc 931, ber Xob ©er^arbi» in« 3a^r 959 fäOt. 
Xiebo tonnte alfo auf feinen ^aO bei ber Sad^e betl^eiligt fein. 
Um ben bisherigen Erörterungen folcjt, bag man fid^ bei ber 
DarfteOung ber mef orm oon ®. ®^ii^Iain auf {Rainer ftü^en mug. 

3)ieS fc^Iiegt jebod^ nii^t aud, baß man auc^ bei leffterem 
einjelne Angaben atö unric^tia oermirft. 3d^ möd^te üor allem 
betonen , ba% bie 3loii\ , ©erwarb fei bamate bereite 8bt üieter 
^löfter gemefen, bie iqm ber ^aifer fibergeben, feinesmegd über 
allen Qtoex^ü erl^aben ift. 5tein Slnftog ift junäc^ft }u nehmen 
an bem Sludbrucf Imperator, benn in lotl^ringifc^en OueUen ffeU 
gen me^rfac^ bie beutfc^en Könige fo, toenn fie ed aud^ nid^t 
mirflic^ finb ^ 2)agegen fonnte ed , menn man in @. ®^idlain 
fpäter tou%it, ©erwarb ^abe öiele filöfter reformiert, »enn mehrere 
biefer ftlöfter fpäter unter bem fiaifer ftanben, leicht gefc^e^en, 
befonberd bei münblid^er Ueberlieferung, baß man baraud mai^te, 
©erwarb ^abe üiele Älöfter üom Äaifer jnr SReform erhalten ; unb 
»ar erft bie« qefc^e^en, »ä^renb anbererfeit« befannt mar, ba§ 
©erwarb @. ^^idlain reformierte, fo fonnte man Ieid)t bad ric^« 
ttge 3^itoer^ä(tnid umfe^ren unb fagen, er befam @. @^iiSlain, 
»eil er fc^on üiele anbere Slöfter befaß. Sd) mill nic^t be^aup* 
ten, baß ber @ang ber Ueberlieferung fo mar, \d) fage nur, baß 
er fo fein fonnte, unb baß man beg^alb gut t^ut, bei ber Ser^ 
mer^ung jener 9{oti} 9iainerd etmad üorfi^tig }u fein. 

(Sine meitere {Reform @er^arbd, k)on ber mir Aunbe ^aben, 
fü^ nM auf frangöfifc^en Qoben. Sin @raf @tefan unb feine 
®ema^Iin f^ebuibid fo^en ftc^ in i^rer Hoffnung auf iRac^fom^ 

> 9tattl «t^to IX, 505, fbnn. 5. 



250 m. @(i^ul^e, 

mcnfc^aft getäufi^t * , uub fltünbcten be^ljalb , toie eö fo oft \\\ 
jenen 3^'ten gefd^a^ , ein Sfofter. Sic Ȋl^Itcn baju ben Crt 
Jin. S)a aber (entere« in ber dl&i)t Don ©. 9lemi bei Sieiniö lag, 
fo tourbe e§ biefem untcrfteUt, unb ganj naturgemäß ttjanbtc fi^ 
JtebuibiS, Don ber bie filoftergrünbung üor aüem ausging, an 
ben äbt Don @. JRemi. Dtefer aber ipar, toie un§ berichtet wirb, 
unfer ©erwarb üon SBrogne. Sr alfo erhielt bie fieitung üon Sin. 
SBte lange er bort bie Sbt§tt)ürbe innegehabt, inöbefonbere, ob er 
fie bereit« toor feinem Sobe niebergelegt, ttjiffen »ir ntd&t: nur 
baS ift fid)er, bafe fein 9Jac^f olger iJietalb tt?ar, ber, erft ßicriler, 
fpäter SWönc^ geworben »ar. 3)a8 filofter lin l^atte nur nnge* 
nügenbe einnahmen; e« fonnten nur ad^t SKönd&e bort leben. 
3)iefer S^ftanb jog bie ?Iugen beS ©rjbifciöof« SIbalbero üon Üteint« 
auf fid^, ber auc^ f onft fid^ afö eifriger Sörberer ber Älofterref orm 
crtoieg. @r berief bie ©rogen feiner Umgebung unb fünbigtc 
i^nen feine Slbfic^t an, Jin an^ ber Äb^ängigfeit bon @. SRemi 
ju löfen, le^tere« anbertoeitig ju entfcbäbigen unb äbt fiietalb 
ba§ ^lofter ÜÄoujon ju übermeifen. Sn biefem lebten ©anonifet 
in burd^aui^ laienhafter SBeife, mit SBeib unb Äinb. (Sd gelang 
Sbalbero bie S"fti"^"^"^^9 ^^^ ^bie^ unb ber SRönd^e öon @. 
9lemt ju feinem 5ßlane ju befommen : ben (Sanonüem üon SWoujoii 
hjurbe bie SBa^I gefteßt, entnjeber SJJönd) ju werben ober an^iu 
liel^en. 3)ie meiften ttjäblten ba« le^tere, nur tt?enigc tüurbcn 
aWön^. 35a« Älofter felbft njurbe üon 2lbalbero rei(| befc^enft, 
unb am 7. Jtoüember 971 fonnte üietalb feinen (Sinjug in älioujon 
galten. SJarauf lieg e« fid^ Slbalbero angelegen fein , and) bie 
6intt?inigung be« 5ßapfte§ ju bem ®efc^epenen ju erl^alten: er 
fd^idte ©efanbte nac^ SRom ; am 23. STpril 972 betätigte ^apft 
Sol^ann XIII. bie ^Bereinigung Jin« mit SWougon^. !)?o^ ber 
atütffe^r feiner ©efanbten üeranftaltete Slbalbero eine ^roüinjiat 
f^nobe in SWont 5Wotre SDame im ®a\i Jarbenoi«, ließ ^ier bie 
?ßapftbulle beriefen unb felbft eine Urfunbe auffetjen , bie bie an- 
lüefenben S3ifd^öfe unter jeid&neten '. 9?odf) mel^rfad^ betoie« ficfi 
(Srjbifd^of Slbalbero gegen äWougon freigebig, ebenfo fein Wac^fol- 
gcr Strnulf. ?lbt Sietalb ftarb am 19.*3^uni 997; auf i^n folgte 
S3ofo, üon (Srjbifd^of Slrnulf cingefe^t. 

®egen bie SRic^tigfeit biefer Srjäl^tung ber Historia mona- 
sterii Mosomensis ift üon 9Kabillon SinttJanb erhoben tüorben: 



* Xie|e i)at{!enunQ t?otjug«metfe itac^ bet Historia monasterii Moso- 
mensis. Mon. SS. XIV, 609; bcfonbcrS bort U, 2-7. III, 1; unter fletcr 
^erücfftd^tigung ber Annal. Mosom., Mod. SS. III, 160. lieber ettootge td- 
tifcBe ^ebenlett fte^e unten. 

« 3affö 2. «ufl. 3762. 

' a)ieff Urfunbe muß faUcn .itoijc^en 972 unb 975, ba ber mituntei« 
^eid^netc 3:^ebalb bon 9lmicn§ in btcfcn 3a()rcn Sifd^of toar. 3)ie3aWen bet 
^anbld^rif teu , öon benen bie eine 976, bie anbete 983 fyit, finb alfo falW. 
%m bepen iejjt man pe mit aWabiOou, bem aud§ 2Battenbad^ beifHnmit , 973. 



^etfykxb b. »toflne u. bit Älofiemform in ^liebcxIotl^rinQcn u. gioubern. 251 

er bcgtoeifclt, bafe ®cr^arb Äbt üon ©. 9tcmi gctoefen fei. ®rünbc 
für feinen S^ctfe^ W^* ^ fri«c ^n aufter bem ©c^n?eißcn anbe^« 
rerOueHcn. Aber fann IcfttereÄ ettoa^ betoeifen? UnfereDueHen 
für lot^ringif^e Älofteracfc^i^te finb boc^ fo fpärli^ , bag wir 
freubig jcbc SRotij begrüßen muffen, bie nnS ber ^ufaH erhalten 
fjat. S)a nun bie Hist. monast. Mosom. fic^ fonft burd^auä ate 
juöeriäffig ertoeift, ba fie ftd^ jum großen Zijtil auf Urfunben 
grünbet, fo ftel^e ic^ nid^t an, jene Ängobe amune^men, unb bem* 
oeinäß auä) ©. Slemi ber gö^I ^^ öon ©erwarb reformierten 
Klöfter einjurei^en. 

SBenn toir ber Sita folgten, fo würbe fid^ biefe Qaffi noä) 
um ein« öerme^ren, nämlid^ um ÜWoujon. S)enn bie SSita fagt*: 
Si cui autem ingerit ambiguitatem , Lietaltum percontetor 
abbatem, higus viri Del (sc. Gerardi) in coenobio Mosomensi 
successorem. Snbeffen erf^eint biefe Angabe entf^ieben um 
gfeubwürbig. SBir toiffen pofitiü, fowo^I burc^ bie Hist. monast. 
Mob-nn. ate aud^ burd^ bie Urfunben bed $apfted 3o^ann Xin. 
unb be« erjbifc^of« äbalbero , baB erft fiietalb mit feinen SKön* 
d^en an^ äWoujon bie Ganonifer üertrieb, unb e» erfc^eint bod^ 
fel^r wenig wa^rfd^einlid^ , bajs ®er^rb, ber fonft überall feine 
Weformtl^ätigfeit bamit beginnt, baß er bie ßanonifer auftreibt, 
^ier in 3Roujon, wie oer Comm. praev. ber Act. sanct. an^ 
nimmt, Äbt üon Sanonifern War. IBielme^r beruht biefe Stotij 
ber SBita auf einem SWißücrftänbniö. entnommen ift fie, Wie Wir 
mit größter ©ic^er^eit faaen fönnen, ber älteren Siograp^ie*, 
alfo einer mit fiietalb gleic^jeitigen Dueße. 9?un Wußte man ba^ 
maU in Srogne gweierlei : erftenä , baß fiietalb , Äbt üon lin, 
tjor furgem 8lbt oon SKoujon geworben fei; unb jWeiten«, baß 
ßietalb ©er^arbg ©c^üIer unb fein 5Rad^foIger in ber Slbt^Würbe 
eine« Älofterg fei. SSa« lag nun nä^er ali biefe beiben Angaben 
ju üerbinben, um bemgemäß auf ®runb einer fatfc^en, aber leidet 
erflärlic^en Kombination — bcnn naturgemäß backte man el^er 
an baiJ große SRougon ate an baS Heine unbebeutenbe Sin — ju 
foaen, fiietalb fei ©erwarb« 3?ac^f olger in äKoujon? Auf biefe 
SSeife fam uieüeid^t bie 9?otij ber Sita ju ftanbe, bie ba^er üoti* 
lommen wert^Iod ift. 

ferner ift ein ßlofter ju nennen, bei bem Wcnigften« eine 
leife §pur auf ben Sinfluß ©erwarb« beutet, ©. Slmanb. ®ic 
Annales Elnonenses minores' erjä^Ien JVolfl^beiS. ©. Ämanb 
loar üon ben SRormannen jerftört. ®raf »rnulf giebt i^m feine 
95efi§ungen jurfid unb fd^enft i^m neue baju. ^te Äbt fefet er 
ßeubric^ ein, ber am 1. Suni 952 gcweil^t wirb. J8ei Diefer 
SBei^e finb jugegen bie 93ifc^öfe ^ulbert öon Sambrai unb 8iu* 
bolf öon SWo^on, fowie bie Siebte ®er^arb, §itbebranb unb ffler^^ 
iter. &^ liegt bod^ fel^r nal^e, angune^men, baß ber ^ier genannte 

» c. 12. » »etfli. l^erüBet %utg 1. » Mon. SS. V, 19. 



252 !2B. ^d^ul^e, 

®er^arb unfer &ttf)axb üon Srogue ift. äüenu et* aber guge^en 
toat, foDte er ftd^ befc^ränft ^aben, b(o8 jujiife^en, foQte er nic^t 
Qud^ auf bte fRtc^tung bed reformierten Slofterd eingeivirft ^aben ? 
3)od^ i(^ toiQ ni^t tuetter auf S^ermut^ungen ein^e^en; ed ge- 
nügt mir, auf biefe fd^mac^e Xnbeutung einer weiteren 9leform 
l^ingemiefen ju ^aben. 

@(^Iie§Iic6 ift nod^ gu fprec^en üon einer 9{eform, bie ftc^ 
üor ibrer äui^fü^rung jerfd^Iug. SBir ^aben oben gefe^en , bog 
®er^arb fär äRoiit iBIanbin bie Steliquien beS ^eiligen SBanbre« 

äifel ermarb. 3)iefelben maren urfprünglid^ ein Sefi^t^um bed 
fio[ter8 ©. SBanbriOe getoefen ^ ©erwarb backte nun baran i^en 
93eft| }u benu|en, um @. äßanbriUe ju reformieren. @r begab 
fid^ mit il^nen }u ^erjog SRid^arb k)on ber SRormanbie nac^ 9touen, 
unb bot i^m an , er n^bdte bie Steliquien nac^ @. äSanbriOe ju» 
rücfbringen, n^enn Stic^arb biefem ftlofter aDe Seft^ngen gurficE« 
g&be, beren früberen SBefi^ baffelbe urfunblic^ naAtoeifen fönne. 
l)ied Sege^ren mürbe üon ^erjog Slic^arb abgefc^Iagen , unb fo 
üerlief bie @ad^e im @anbe. ©erwarb lehrte mit feinen 9teliquten 
nac^ SRont SBIanbin }urfld. 



6« Xdh. Sebentung. 

lieber bai^ (Snbe ®er^arb8 befigen n)ir nur ben Seric^t ber 
SJita*. 93ie ed fid^ geigen mirb, ift bad Xobei^ja^r, bad fie an« 
giebt, ungtoeifel^aft tidötig, unb fc^on barum muffen tt?ir über 
fie ^ier aünftig benfen. SBir miffen, baß e8 eine ältere SJiogra« 
p^ie®er^arbd gab'; ba ift bod^ fieser anjunel^men, baß in biefer 
au^ fein Xob befd^rieben n^ar; n^ir n^erben ba^er obne iSBebenten 
biefeS ©tücf unferer SBita auf bie ältere jurüdfübren bürfen. 
fie|tere aber fc^öpfte bier n^al^rf^einltc^ a\x^ leimifd^er Xrabition ; 
bcnn allem Änfc^ein nac^ gab e« bo^ im Älofter über ba« (Snbc 
eine« fo auiSgegeid^neten mannet, n?ie ®erbarb mar, eine auf 
Äugenjeugen jurüd!ge^enbe Ueberliefernng. ®iefe ®rünbe muffen 
uns beftimmen, ben oorliegenben JBericpt, toenigfteniS in feinen 
mefentlic^en Qü^tn, ffir juoerläffig }u galten. S)ie 9}ita ergä^It 
f otgenbe» : 

Site ©erwarb fein @nbe ^erannaben fflbtte, unternahm er 
eine Äunbreife burd^ bie unter i^m ftebenben Älöfter, nm pe jum 
legten äRale }u reüibieren unb }u infpicieren. UeberaD fegte er 
geeignete Seute gu ,,ißrocuratoren'' ein, bie an feiner ©teile (sua 
vice) bie Seitung berfelben übernehmen foDten. dtad^bem er bieö 



' Sa9 gfolgcnbe nad^ bem Chron. Fontanell. app. II, 8, Dachery 
SpioiL m, 252. 

* o. 81. • 9ktg|[. l^tcrau d^ti 1. 



(Betl^tb t». Sro^ne u. bte ffiofienefotm in ^ttebevTot^ttngen u. ^nbetn. 258 

getrau, feierte er m6) Sroane }urädC. Xägli^ mürbe er fc^tnäc^er. 
Snblic^ ttal^m er boi^ Stbenbma^I unb üerfc^ieb am 3. October 959 K 
^af^ Don ber äJita genannte 3a^r n^irb ate 2;obei»ja^r be« 
[tätigt burd^ bie Ann. s. Bav. Gand.*. Äuc^ ©igebert giebt e« 
an, freiließ mir in einer ^anbf c^rif t •. Äu8 if)m ift eö überge^ 
gangen in bie Annales Parchenses* nnb Floreffienses *. Sttur 
Die Annales Laubienses^ l^aben Don biefen CueKen abh)eic^enb 
958, ioä) bemerft ber Herausgeber gu biefer Angabe: Haec sae- 
cülo XII. addita esse videntur; fie ift alfo o^ne ieben äßert^. 

SBelcöe« »ar nun ber ffi^arafter ber Don ®er^arb geleiteten 
©etoeaung ? 

3unäc^ft mu6 un8 auffallen, baß ©erl^arb« Sfleform überall 
auf ftarfen SBiberftanb ftö§t 3n SWont »lanbin Derlägt bie 
äße^rjal^I lieber bad ßlofter, ald bag fie fid^ i^m untem^irft^; 
in ©. ©ertin muffen bie alten SWönd^e förmlid^ aufgetrieben 
merben^; in @. JBaDon giebt ed, n^ie n^ir ma^rfc^einlic^ gemad^t 
ju ^aben glauben , f orttoä^renb eine antireformatorifc^e 5ßartei \ 
(Ei^ folgt hieraus, bag bie Don @erl^arb geltenb gemalten $or« 
berungen etmai^ anbered bebeutet ^aben muffen , aU lebiglic^ eine 
fittlic^e ^Reform: benn ge^en eine folc^e märe ein fo energifc^er 
SBiberftanb ^anj unerKärhc^. 

9?o(^ ein anberer Umftanb betneift bie8. 9n @. ®ertin 
nimmt bie SBoIfömenge für bie alten iWönc^e, gegen @er^arb ^ax^ 
tei '®. (Ss ift biefe Haltung ber unteren SJoltemaffen, bie, tt?ie bie 
ja^Irei^en frommen Stiftungen unb ©^enfungen jeigen, in jener 
3eit in i^rer übermiegenben SKe^r^eit ftreng religiös gefinnt 
»aren, boc^ ganj unbenfbar, menn ©erwarb gegenüber ben in 
treltli^eS fieben Derfunfenen alten SJ^önd^en lebiglic^ baS Sanner 
ber ed^ten d^riftlit^ ' mönd^ifc^en ©ittlid^feit erl^ob: eS muffen l^ier 
offenbar nod^ anbere 5^agen ^ineingefpielt ^aben. 

SBelc^eS toaren nun bie gotberunqen, bie ©erwarb fteflte? 
SEBir erfahren über fie birect an^ ben ÖrUeÖen nichts, muffen fie 
alfo lebiglid^ burd^ Kombination gu errat^en fucfeen. 3n SÄont 
SBlanbin finb bie ®egner ®er^arbs ©anonifer"; in ©. ®^i«lain 
mug er, um feine SReform auSgufü^ren, bie bort lebenben Sano* 
nifer austreiben"; in SRoujon fü^rt fein ©d^üler fiietalb bie 
9leform im ®egenfa§ ju ben bort ^aufenben ©anonilem ein". 
aSBerben mir bei biefer ©ad^lage fel^t ge^en, toenn toir fagen: 
bie aieform ®er^arbs manbte fid^ in betoufeter unb auSgefproc^e* 
ner SBeife gegen biejcnigen ©itten unb ^rincipien, »eld^e bie 
Cononifer Dertraten? 

' 2){efen Xog nennt bte fßiia, toit bie Act. sanct. Yid^tig etfannien, 
ni(it ben 8. Ociobet, tote ^RabiUon l^rauS tntet|)TetieTt. 

" Mon. SS. II. 188. • Mon SS. VI, 350. 

• Mon. SS. XVI, 600. » Mon. SS. XVI, 622. 

• Mon. SS. IV, 16. ' 6. 242. " ®. 244. 

• €.241. «« €.244. " 6.242. « ©.247. " 6.250. 



254 9ß. Gd^ul^e, 

^amtt ^ahen toit beii f|7ringenbeit !tßunft uun (Ser^arbS 9te^ 
formt^fitigfett gcfunben. SBir glauben cS mit üollcr ©td^ctl^it 
auÄfpredicn jii bürfcn: bcr ©d^Iüffd für ben E^araftcr ber ©er- 
^arbfc^en SRefomt tft in bcm ©cgenfofe jtDifc^cn Sanonicat unb 
aWönc^tfjum ju fachen. SBorin bcftelit nun aber biefcr®egenfafe? 
Offenbar nid^t in ber 3)ur^fü^rnng einer ftreng d^riftlic^en Sitte, 
benn biefe lüirb Dom ©anonicat ebenfogut erftrebt toie üom 
SKöndÖtljum. 2)iefer ®egenfafe liegt Dielme^r in ben 5ßrincipien 
ber ©uborbination unb Goorbination. 2)enn beim Eanonicat finb, 
fo fe^r bied aud^ äugerlic^ üerbedt fein mag, ade im mefentlic^en 
einanber gleid^; beim 9Könd|t^um bagegen finb aQe übrigen bem 
einen STbt untergeorbnet. ©obalb alfo ©erwarb feine SReform im 
®egenfa^ jum Eanonicat bur^fü^rte, fo ift mir jnjeifeßo«, bafe 
er fic ausbaute auf bem $ßrincip ber ©uborbination. SBenn tt?ir 
nun bebenlen, ba^ aud^ bie anberen großen Sieformbemegun^en 
bei^ 10. Sa^r^unbertö, fotoo^I jene, bie* oon ©orje, ote biejenige, 
n^elc^e üon E(uni au^ge^t, bad ^rincip ber abfoluten 9(utorität 
beiS 8l6te« im Slofter fl^arf betonen * , fo felien mir, »ie ein unb 
biefelbe ©eifteSricbtung in ben üerfc^iebenen ©ebieten, fo meit fie 
auc^ räumlich getrennt fein mögen, fic^ geltenb mad^t; unb »ir 
erfennen n?ieber einmal , tt?ie bie in ber (Sefc^ic^te toaltenbe 3bee 
ol^ne äupere 9Jeran(affung mit einem ma( an üerf^iebenen Orten 
l^erüortritt. 

JBerfudöen toir nunmel^r, aud^ einige anbere S^agen au beant^ 
»orten. S)a ift junäd^ft ttjid^tig bie grage: „greie Vtbtönjabl 
ober nic^t?", mit ber bie anbere: „Sentralifation ober Snbiöibua* 
lifierung?" eng jufammenl^ängt. 3n ©. Sertin toirb auf 3)rän= 

!|en beg ®rafen Slrnulf Don ©erl^arb ein provisor cingefe|t'; 
päter ttjirb bort auf SBeranlaffung ®er^arbS SBibo üon ärnulf 
jum Äbt gemad^t. SBir fe^en, l^ier fann öon freier STbtStoa^I 
nic^t bie Siebe fein; ebenfonjenig beftimmt ®erl^arb allein feinen 
SWac^f olger : er l^at atterbing« babei mitjureben, aber ba^ eigentlid^ 
entfd^eibenbe SBort f)at ®rdf »rnutf. 3n ©. »aöon läßt ®cr^rb 
bur^ ®raf Smulf unb SBifc^of JRuboIf öon 9?ot)on §ugo ju fei« 
nem 5Ra(MoIger beftimmen'. SBenn toir ^ier üon ber JBet^eili- 
gung Sifd^of SRubolfg abfegen, bie boc^ tootil lebiglic^ eine for* 
meUe mar unb \\i) auf bie SBei^e befd^ränlte, fo ^aben tpir ^ier 
baffelbe SBer^ältniö n?ie in ©. Sertin: einen getoiffen ®inj!uß 
®er^arbiS, n^ä^renb bie eigentUd^e Entf^eibung in ben ^änben 
be« ®raf en Slrnulf liegt. SBir erfennen alfo, ba§ eS ®raf Ämulf 
üerftanben l^at, fid^ bei Sefe^ung ber StbtSfteÜen in ben Stlö- 
ftem, bie ju feinem ®ebiete gehören, ben maßgebenben ©inffuß 
JU bema^ren, unb baß eö ®er^arb ni^t gelungen ift, bie JBeftim* 
mung beö 9lad^folger8 in feine Jpanb ju 6efommen. 

* 3ktal. .Äloflettefotm" ®. 64. 70. 72. 
» e. 245. » S. 240. 



iSMfynh t». Sxognf n. Me Älopcnefotm in ^Keberlofl^riiiQen it. ^lonbern. 255 

2)iefein @ad^t7erl^alt tuiberfgrid^t fc^einbar bte iBeftimmung 
ber Urlunbe Sot^ar^, bag bte mdni)t in @. fBat>on \\d) xf)xtn 
8lbt bcr SRcgd flcmäft, alfo frei, ipä^len foDen*. 9iatürlic^ »irb 
bad ©treben ber "üdit in @. 93Qt7on, jumal bed begabten SEBomar, 
ba^in gegangen fein, bie Sbtömal^I ju einer regelgemägen , b. tj. 
einer freien, ju geftalten ; unb bemgemäfe merben fie eö üerftanbc n 
^aben, in bie urfunbe Sot^arS biefen 5ßaffug ^ineinjubringen ; 
aber bag berfelbe auc^ )7raftifc^e Sßirfung gehabt Ijat, ift bantit 
nod) nic^t beriefen. 

3n ©. JBaüon üerjic^tet ©erwarb 953 auf bie Slbtötpürbe*; 
in benifelben So^re abbiciert er in SKont SBlanbin*; bereite 947 
in ©. SBertin*. Söei biefer Sage ber Dinge fönnen mir offenbar 
nic^t fagcn, bafe fic^ bei ©erwarb irgenb eine centralifierenbe Jen* 
ben} jeigt: benn ^ätte er eine folc^e gehabt, fo ift ed boc^ ganj 
unbenfbar, bag er freimillig in brei ^löftem bie Oberleitung in 
anbere |)änbe ald bie feinigen gegeben ^ätte, ba boc^ fieser ^ier^ 
burc^ bie bid^erige enge l^erbinbung biefer ftlöfter unter einan^ 
ber unb mit ben übrigen üon ©erwarb reformierten Älöftem auf* 
Igoren mn%ie. 

9?unme^r finb mir and) in ber üage ein befinitiöe« Urt^eil 
über bie oben^ unentf trieben gelaffene grage abzugeben, ob ©er* 
^arb über beträchtlich me^r Jllöfter eine Oberleitung ausübte, atö 
uns befannt finb. ®enn eine öejal^ung biefer 3rage ift offenbar 
nur mögliefe, menn bei ber ©erfearbf^^en 9teform eine centralifie* 
renbe lenbenj entmeber burcfe anbere angaben maferf^einlicjfe ge* 
mad^t mirb, ober menigftend nicfet burcfe unbejtoeifelbare ^^acta 
oudgefcfeloffen ift. 3)a nun aber biefer letztere i^all feier vorliegt, 
fo ift flar, ba6 bie obige t^xa^^ ju üemeiuen ift; bag man mit* 
^in bie an fi^ möglid^e Eingabe ber SJita aui^ inneren ®rünben 
I7ermerfen mn^. 

SBai^ inbeffen foeben üon @erfearb gefagt ift, gilt teinedmegd 
audfe öon feinen Slacfefolgem. S)eun mir feaben oben® gefefeen, 
mie SEBomar nacfe unb nacfe bie Stbt^mürbe in @. 93adon, äT^ont 
S3Ianbin unb @. 83ertin vereinigt ; unb mir merben fomit aöerbingd 
taum umfein fönnen, bei ifem einen gemiffeu centraliftifcfeen Quq 
an^unefemen. 

SBir fommen nunmefer auf bie grage: in metcfeem 5Berfeält= 
ni^ ftefet bie burcfe ®erfearb vertretene 85emegung gu ben fonftigen 
Sieformbemegungen *? 3""äcfeft ift fcfear[ feeroorjufeeben , ba^ fi^ 
aud unferen Cuellen feinerlei iBerbinbung mit (Eluni na^meifen 
logt. SBir merben bafeer in ber2:feat fagen fönnen, baß bie flau* 
brif^e 9ieform üon Gtuni ganj unabfeängig ift. 6d ift bieg um 
fo merfmttrbiger, atö beibe ^Reformen aanj benfelben ©fearafter 
tragen; bei beiben ©uborbination unter Den äbt, bei beiben gefe^ 

» 6. 240. » ©. 240. • 6. 243. * ©. 245. 

» ©. 287. • ©. 245. 



256 äü. Sd^ut^e, 

(en eines centraliftifc^en (SlementS. %btt, unb bieS ift ju beachten, 
t^ fe^U in i^Ianbem ein Qn^, ben ic^ atö fpecififc^ cluniacenfif^ 
an anberer ©teile ^ nac^gemiefen f)abt: bie 93eftimmung bt^^adj* 
folgeti^ in ber Slbtön^ärbe burc^ ben SSorgän^er: unb tod6)t %oU 
gen btefer äRangel f)at, fe^en mir xt6)t beutltc^ in ©. Saoon bei 
ber Spifobe mit £i$ibo ^ ber nur 8lbt n^erben tonnte, meil SBomar 
nic^t einen S^ac^folger beftimmt ^atte. 

Slnberd fte^t t^ mit ber SBejie^ung ®er^arbd jur lot^ringt^ 
fd^en 9{eform. $ier finb aQerbingd birecte (Berührungen na(^}u« 
meifen. SBir ^aben oben' gefe^en, bag äBomar ju feiner Unter« 
ftü^ung in @. SJaüon ^genolb üon ®orje unb ^umbert t7on @. 
i&üre herbeiruft. (£g ift nun bo^ fieser nic^t anjune^men, bo^ 
biefe beiben fid^ l^ier auf bie SRoQe bloßer ^ufc^auer befc^r&nften, 
fonbem fie n^erben bod^ gen^ig mit 9iat^ unb Xbat eingegriffen 
^aben. 3lod) eine jn^eite @pur meift auf eine SBerbinbung mit 
ber lot^ringifc^en 9ieform. 3n @. SSertin betraut ©erwarb mit 
ber factifc^en iUeitung ber ©efc^öfte ben SBomar unb ben 9(gtto. 
fie|terer war früher SWönc^ in @. ©üre*. ®. (Sure aber ift 
einer ber ä)dttelpunfte ber lot^ringifc^en ^Reform ^ : ftc^er toat alfo 
Mgilo burc^tränft üon ben bortigen 9leformibeen. ©ir bürfcn 
olfo fagen, bag bie flanbrifc^e 9{eform Max in i^rer Sntfte^utig 
ton ber lot^ringifc^en unabhängig ift, fpäter aber nic^t unbeein« 
f(u|t üon i^r geblieben ift. 

^aben wir bisher in glanbem in ber fReformbeWegung bie* 
felben Qü^t wieber gefunben, bie un^^ oon Sluni unb Sotbringen 
^er betannt finb, fo fragt eS fid^ nun, ob nic^t l^ier bie SÜeform 
eine SSefonber^eit ^at, burd^ bie fie fic^ t}on aUen anberen unter- 
fd^eibet. @ab ed boc^ fowo^I in (Sluni wie in ©or^e eine fold^e : 
bort bie bereitiS erwähnte Slbtdwa^I, ^ier eine gewiffe Hinneigung 
jur «»fefe*. Unb in ber I^at fet|It ein folc^er unterfc^eibenbcr 
Qug^ ani) in ^^lanbem nic^t: eS ift bie äteliquienDere^nrnq. flU 
lerbingd ift ia ber 9{eliquienbienft im ÜRittelalter aDgemetn kyer- 
bmtet, unb fo fe^It er aud^ Weber in Sluni noc^ in Sor^e ßanj: 
aoer bei {einem k7on beiben fte^t er fo im SD'iittelpunfte wte bei 
ber Reform ©er^arbs. Ueberatt Wo ©erwarb ein Älofter refor* 
miert ift e» feine erfte ©orge, bemfclben ^Reliquien ju öerf^affen ' : 
immer unb immer wieber lefen wir in unferen )Berid|ten üon 8ie* 
liquienerwerbunaen bes ^eiligen äRanned: in wa^r^aft erftautu 
lieber SEBeife Oerfte^t er ei», biefelben }ufammenAu^äuf en **. XBir 
(önnen fonac^ mit oollem 9ied^te behaupten : bie ateliquienibolatrie 

^ .mo^enefotm' G. 68. > ®. 246. * e. 241. 

* 6. 245. » .Ätoftmefonii'' ®. 48. 

* .mofterteform- 6. 72. 77. » SBetoI. ®. 228. 239. 243. 

* a. e. in ^blanbign^ mit einem fOlal 138. Siel^ ölen @. 243, bod^ 
ift oUetbingd nid^i au toetgeffen , bo^ bei bet SBiebetl^erflellunQ bet toon ben 
ftotmonnen actftötten Plöfter aud^ (hja^ für einft öorl^anbene Reliquien g^ 
fd^fft toerlen mugte. 



tlet^rb t). Stogne u. bie itlo^txxe^otm in ^Kcbetlot^mgen u. gflanbent. 257 

ift ti, bte ber flanbrtfc^en ^Reform i^ren befonberen unterfd^etben« 
ben S^arafter t>ttlAf)t 



ür ©er^arbd 
age lo^nt ed 



®|cnr« 1* 

3)rt |iMf4( SBett^ ker Yita eenrdi. 

99tö ju ber Sntbecfung ber Translatio sancti Engenii toax 
bie etnjige {ufammentiängenbe Quelle über ©erwarb oon Srogne 
feine 9iograp^ie\ unb biefelbe bleibt aud) je^t no^ für einen 
bcbeutenben I^eil feiner ©efc^ic^te — j. ©. für feine Sugenb, 
für bie fp&teren @c^idfale be^ Slloftersf SBrogne, f 
ie^te Xage — bie einjige Quelle. $)ei biejer ^ad) 
ber äRü^e, ju unterfud^en, n}ie n^eit biefelbe ali ©anjed ®lQub^ 
n^ürbigfeit üerbient ; benn ha ed bei üielen (^injelfragen nic^t mög» 
lid^ ift, an^ objectiüen @rünben eine (S:ntfc^eibung über Knna^me 
ober iSenperfung bed 93eric^ted ber 93ita abjugeben, ober menig« 
ftenS biefe ®rünbe ni^t l^inreic^enb überjeugen, fo mirb unfer 
Ürt^eil in allen berartigen fallen beftimmt merben burc^ unfere 
Slnfic^t über bie SBita atö ©anjed. 

Sid^er ift bied Urt^eil für bie ^\ta, bie oon nun an aU A be$ 
jeic^net merben foU, fe^r günftig aufgefallen. SUiabillon fagt üon 
t^r': Integram tarnen tidem meretur in factis recensendis, 
quae tum per se a testibus oculatis , tum ab anonymo priori 
accepit. 2)iefe äReinuna billigt au^brüdlic^ ber Comm. praev. 
ber Act. sanct.*, unb faft biefelben äborte gebraucht ®aubr^^ 
tüenn ed bei i^m ^eigt , ber iSiograp^ m^rite une loi enti6re 
dans les faits qu'il a puis^s dans le premier ^crivain, oa 
qa'il a appris par des t^moins oculaires. jS)e( ^armol fagt 
(@. 227) : Le biographe ayant v^cu ä une ^poque tr^s-rap- 
proch^e de S. Gärard m^rite par cons^quent grande confiance 
@ünt^er enblic^ giebt ein aui^brüdlic^ed Urt^eil über A nic^t ab, 
biUigt aber augenfc^einlic^ badjenige feiner Vorgänger, ba er fic^ 
in feiner 2)arftellung burc^aud an A anfc^Iiegt. 

äBorauf grünbet fic^ biefe günftige SüJeinung? @c^on fBHas 
6iQon erfannte, bag A nic^t ein Oriqinalmert ift, fonbern fic^ 
ftfl^t auf eine ältere und verlorene Siograp^ie ®er^arbS. @8 
luirb bied im Prolog üon A audbrücflic^ g^fagt. 2)ie Sbfaffung 
oon A fe^t iDtabiQon um 1035, unb itoax, n^eil A nac^ bem 
$rolog einem $lbt ©untrer oon Srogne gemibmet ift, unb biefer 
um jene Qext gelebt ^abe. 3"^^^!^ ift bad oon aßabillon ae* 
toä^lte 3a^r burc^aud miUfürlic^ , unb bad fa^ auc^ ©üntqer 
ein * ; im übrigen aber folgt Unterer in JBetreff ber ßeit ber ab* 

' Mab. Act. Banct. ord. 8. Ben. V, 252. 

* a. a. O. ®. 248. ' a. a. O. 6. 221. 

* a. a. €. 6. 291. » ®. 5. 



258 9B. Sd^ulle, 

foffung bnxdfoni SRabiDond Stma^me. tiefer fü^ oli^ üueDen 
ffir bie SebenSjeit beS abted @änt^er an SRoIanud unb t^ijfenud. 
2)a§ ftnb boc^ aber beibe^ neuere Tutoren ; fle fönnen mithin un^^ 
möglich ettoa^ bett^eifen. 3n allen gleic^jeitigen CueQen baaegen 
babe id) hergebend nac^ einem 9ü>tt ®ünt^er üon 93rogne gefugt. 
Wur in einer Urfunbe üon 1070 foD biefer ertoä^nt fein * , aber 
biefelbe ift nid^t felbft erhalten , fonbem nur t^re Sn^altöangabc 
im (Sortular bed ^lofter^ , unb ed ge^t aud le^terer {eine^tuegd 
fieser ^eröor, ba§ ber ©fintier betreffenbe 5ßaffuS au^ in ber 
Urtunbe ftanb. Sä) fann bcS^alb biefer Slotij ein ®etoic6t nic^t 
beimeffen. Sei biefem SKangel ber JJac^ric^ten mu§ bager bie 
3frage na^ feiner SebenSjeit einfttoeilen eine offene bleiben, unb 
tt)ir muffen fpäter feigen, ob toir nic^t ton anbercn ©cfid^töpunften 
ani bcftimmen fönnen, toann A i)erfa|t ift. 

35ie günftige SWeinung über A rü^rt alfo üornc^mlid^ baüon 
ber, bag Darin eine ältere 93iogra)7^ie, n>elc^e balb nad^ ©er^arbd 
ioh gefc^rieben ift, benufet toarb. 9?un fragt eiS fid| aber bo^ : ift 
bicfe ältere JBiogra^j^ie, bie im folgenben als a bejeid^net werben 
foU, l^iftorifc^ glaubtoürbig ober ni^t? hierbei fommen folgcnbe 
brei fünfte in SBetrac^t: 

1. SBeld^e SJeile üon A gelten auf a iurücf, unb in toetc^er 
SBeife ift lefeterc« benufet? 

2. $at A außer a nod^ Cueüen benubt, unb eüentuell tt?elc^c? 

3. Stuf tüddje fiülfgmittel ftüjjt fi($ a, unb toeld^en (Stab 
öon (äMaubttJÜrbigfeit befi^en feine 9?ad)ric^ten ? 

Suerft finben n)ir in A eine ®\>nx, bie auf Senu^ung einer 
öfteren Cuelle ^inmeift, gleid^ bei ber 9lennung öon ®er^arb# 
©Itcrn^ tüo eä öon ^lictrubig Ijeijst: Stephani Tungrorum epi- 
scopi soror traditui' exstitisse germana. ©g liegt bod^ fcl^r 
na^e, bieiS 'traditur' auf bie im $roIog audbrfidHic^ angegebene 
QueÖe ju bcjiel^en. SBir werben faum fe^tgeben, toenn toir an- 
nehmen, baß bie ganje 3ugenbgefd)id[)te ©er^arbö (c. 1 — 4) im 
SBefentlid^en aui^ a ftammt. 

S)ie näd^ftc ®j)ur, bie auf a ^inloeift, finbet fid^ bei ber @e^ 
fd^id^te Don ber Uebertragung bed l^eili^en @ugen, too jur Se^ 
gtaubigung ber ©rjä^Iung tern^iefen n^trb auf %bt fiietalb i^on 
iWouffon ^ e« ift f^on öon äRabiUon bemerlt, ba§ biefc ©teile 
njörtlic^ au8 a entnommen fein muß, ba Sietalb 997 ftarb, mithin 
fidler jur S^it ber Slbfaffung öon A nid^t mel^r ate lebcnb er^ 
toä^nt njerben fonnte. ©obann l^eißt eg in c. 13: Ne quis an- 
tem incredulorum hoc aestimet forsan actum, hoc iUios qui 

fertulit constat relatu relatum : eine folc^e ^lotij fann aber nur 
ie ältere, nic^t bie und üorliegenbe SBita üon felbft ^injufügen. 
SEBenn fo c. 12 unb 13 auf a jurücfge^en, fo ift ed mabrfcbeiu' 

' Annales de la soci^tö arcb^ol. de Namur V, 428. 
» c. 2. » c. 12. 



^(ftl^rb b. 9?to$ne u. bie Alonetteform in Wiibtxloif^xxn^tn u, fUtanhetn, 259 

Itd^, bag aud^ [daeube äSemeiluug in c. 14, bei ber e& an \vif 
mögfid^ tpäre, Daf fie ein eiaener Qn^alj Don A ift, aui a ent* 
nomnten ift: Quisqois ergo nde non ficta hujuB sancti expetit 
suffragia, absque dilationis mora experitur promptissima, 
praesertim com ab ejus devectionis die laetissima certissime 
tota profiteatur vicinia, multa sibi insolita provenisse sabsi- 
dia. Et quemadmodum quondam in Francia beneficus exsti- 
tit per plurima signorum prodigia, utirefert miraculosa 
gestorum ejus pagina, ita etiam nunc munificus in Lo- 
tharingia praestat crebriora virtutum beneficia. 3n c. 16 
tt^eift bei ber ßrjä^Iung üon bent beeret bed Sifci^ofS @te))^an 
ber Sludbrucf: decreti procuratio conservandi jure perpetuo 
commissa perhibetur fratri Flodino auf a ^in. KHe bie 
eben angeführten S3ejiel^ungen auf a^finben fic^ in bent Seric^t 
öon ber Iranölatton beg 1)1. (SugcniuS (c. 5 — 16). S)a einerfeit» 
an fo i)erf(^iebenen ©teilen btefei^ SBerid^ted fic^ ^inbeutunaen 
auf a finben, ba anbererfeitd e» unmöglich tft, bie einjelnen @tude 
biefed äeri^te» t)on einanber ju trennen, gumal ba, n)ie fid^ fpäter 
Aeigen mirb, bei biefer ganjen @rjä^(ung biefelbe OueÜe unb in 
berfelben äBeife benu^t ift, fo mug biefeiS ganje ®tnd üon A auS 
a entnommen fein. 

3n c. 19 b^irb ®raf 9laginer bom ^nnegau ertoäl^nt unb 
Don i^m gefagt: nunc usque exulat. S)a nun Slaainer 970 
ftarb, fo ftammt biefe dtotij unjtoeifel^aft aM a. 2)iefe ^xtoStf^ 
nung ^nbet ftd^ in einer Slrt Sjrcurd ttber Jtöni^ Otto I. um) 
feine SBrfiber: z^ ftanb mithin biefer @£curd fd^on tn a. 

Sei ber 9{eform Don STZont Slanbin fagt A, über bie XranSla« 
tton beS ^I. SSanbregifel foDe ^ier gefc^toiegen n^erben, praesertim 
cum hactenus tota id ipsum protestetur Flandrensis provin- 
cia \ Diefer ©a^ pafet offenbar nid^t rec^t für bie unö er^at 
tene SBita; er mug entnommen fein aii^ a. @Ieid^ barauf fä^rt 
A fort: Sed ne penitus taciturni silentio supprimamusrelata 
nobis a majoribus, decem et octo coenobiorum tradi- 
tar exstitisse procurator vigilantissimus. Sud^ in biefen 
SEßorten muffen tt^ir eine ^inbeutung auf a erlennen. 

8Bir ^aben fomit ba» Srgebnid gewonnen: folgenbe @tü(fe 
Don A ge^en auf a jurüd: 1) bie 3ugenbgefc^id^te c. 1—4, 2) 
bie IranSlation be« ^I. ®ugeniug c. 5—16, 3) Der (Sjcur» über 
bie Dttonen c. 18—19, 4) bie SReform Don SKont SBIanbin c. 28. 
iSi bleiben nad^ 8(udf Reibung biefer Zweite no(^ fieben ©tücEe übrig : 
1) ©erwarb« Ibätigfeit in »rogne c. 17 unb 24, 2) bie 9k^ 
form Don ®. ®^id(ain c. 20—23 , 3) ein SSunber ®er^arbS 
c. 26, 4} bie tounberbare Teilung be« ®rafen Ämulf c. 26—27, 
5) ber So8lauf SBroane« Don ©. Denis c. 29, 6) ©erwarb« fReife 
nad) 9{om c. 29— So, 7) fein Xob c. 31. $ierDon finb aber 

> 0.28. 

XXV. 18 



260 SB. ®d^ut|e, 

bte ©tüde 4 unb 7 ebettfaQd auf a gurfidCiitffi^en. SBedl^alB 
btc8 bei bcr tounbcrbarcn Teilung @raf amulf« bcr gall ift, 
totrb balb angegeben merben. Sicher toat ferner bo6) m a au(^ 
ein 93erid^t aber ©erl^arbi^ le^te Siage en^alten, unb ba nun of« 
fenbar a für A bie $auptqueDe toar, fo ift ni^t abjufe^en, toe8^ 
Ibalb A feine Angaben über ©erwarb» Siob au» einer anberen 
OueQe afö a Qt]qiip\t ffäbm foQte. 

3n ^^I^er äBeife ift nun a üon A benu|t tt)orben? Sd 
liegen brei äKöglid^feiten t)üx: a lann entmeber tDörtli^ anlege:» 
fc^rieben fein ; ober e» f ann nur fein toefentlid^er Qnl^alt toieber^^ 
gegeben fein, aber mit üollfonimen anberen äBorten; ober enblid^ 
ei$ {ann im allgemeinen nur ber Sn^alt beibehalten fein, mobei 
jebod^ fel^r oft aud^ bie gprm unüeränbert geblieben ift. ^wnä^P 
tft bie jtoeite äKöglid^Ieit unbebingt auSgef ^loffen , benn toie toir 
bereit» gefeiten, fanben fic^ in A mel^rere ©teüen*, bie toörtlid^ 
anf^ a entnommen fein mußten. 

Sn einer ipanbfcl^rift ber Gesta abbatum Sancti Bertini 
Sithiensium be» fjolcuin, toelc^e inbeffen ju ben f^Iec^teften 
fianbfdöriften beffelben gehört unb erft im 15. Sal^rl^unbert ge* 
^rieben fein mag, finbet fid^ ate S"föfe bie ©efc^id^te bon oer 
tounberbaren ßeilung beS ®raf en Jlrnulf , bie un» aud^ A berid^tct. 
ffiie ßanbfd^rift golcuin» ftimmt meiftenS toörtlid& mit A übcrctn; 
jum 85e»ei» fei ber Anfang ber (Srjä^Iung ^ergefefet. 

A. Cod. Folcuini. 

Continuis namque cmciati- 
bos macerabat eum caiculus, 
intolerabilis videlicet morbus, 
qni urinam inhibens nuncupa- 
tur vulgo lapillus. Ad quem 
multi chirurgorum medendi 
gratia certabant convolare, 
qui se nunquam Paeonio ces- 
Bisse ma^stro jactitabant in 
medicinah arte, sperantes, se 
ab 60 quem noverant divitiis 
superabundantem emolumen- 
tum accepturos cum magna 
dapsilitate. 

äßan lönnte l^iemad^ auf ben erften SItdE annel^men, e» mfire 
einfad^ A ^ier bie Queue für jene |)anbfd^rift. Slber bem tt^iber^ 
f^ec^en boc^ koic^tige (Srn^ägunaen. 3un^^fl ift bie Srjä^Iung 
t)on A in jener ^anbfc^rift fe^r abgefürjt, auf me^r ol» bie 
fiälfte i^re» Umfange» verringert ; fobann aber, loa» mid^ttger ift, 
finben fid^, n^enn auc^ ber 8(u»brud im allgemeinen bur(|au» mit 
A ftimmt, boc^ an einigen @teQen er^eblic^e {(btoeid^ungen. 

> 0. 12. 13. 14. 19. 28. 



... 



. marchionem continuis 
cruciatibus calculi, qni urinam 
inhibens nuncupatur vulgo la- 
pillus, voluit macerari. Ad 
quem medendi gratia multi 
chirurgicorum convolarunt, spe- 
rantes, se ab eo qui affluebat 
divitiis emolumentum non par- 
vum accepturos. 



0etl^tb \>. otogne u. bte ACoflemform in 9Kebettot^nden u. gflanbetn. 261 

es feien jtoei «Mf^de angefä^. Ifö ^et^t an ben in^oft« 
Hd^ ftd^ entf)n:e^enben ©teDen 



im Cod. Folc. 
Verum fosa prece et mar- 
chionis animo sanati vir! con- 
silio pnlsato, quatenos de sno- 
mm bonorom afflnentia ege- 
nis daret, volente Deo, ob- 
temperat marchisus sancto. 

Unb an einer onberen ©teOe fagt 



in A. 
Dimidinm bonorom meormn 
de pauperibos, dmmnodo sae- 
yissimns sopiri valeat morbus, 
qui pertinaciter meos depa- 
scitor artus. 



ber Cod. Folc. 
Omnibus spretis comiti re- 
spondisse fertur. 



A. 
Quod ille omnifariam excu- 
sando repudiavit, dignumque 
memoria verbum indignatus 
marchioni objecit. 

S)tefe SBeoba^tungen legen ben @(^(ug no^e , ba| ^ier nic^t . 
bie ßanbfd^rift goIcuinS auS A f d^dpft , fonbetn , baf beibe eine 
unb oiefetbe Duelle benu^en. S)a ift ed nun bod^ in je^r ^o^em 
@rabe n^ol^rfi^einlic^ , bag btefe gemeinfame Cuelle eoen a toat. 

3ft biefer @(i^Iu^ tid^tig, fo fönnen n^ir nunmehr fugen, in 
kue(d^ SBeife a k)on A benui^t ift: benn toxi tuerben annel^men 
mfiffen, ba^ ba, too bte ^anbfc^rift ^olcuinS &on A abtueid^t, 
fid^ beibe t)on i^rer Cuelle nadb üetfd^tebenen 9ii^tungeu entfern 
nen. SBir h^ürben alfo unfer Ürt^eil fo formulieren rönnen: eS 
bat ftd^ A an a t)ielfad) kuörtlic^ angefc^Ioffen , o^ne bag ed kier:' 
id^m&^t ^ätte, in Sinjel^eiten anbere Siui^bräcfe }u h)ä^Ien. 2)ie^ 
)ee einftoeilen rein ]^9))ot^etifd^e 9flefultat kuirb ftd^ fpäter *— un« 
tcr getoiffen SWobificationen — beftStigen. 

Sd finbet fid^ in A eine auffaüenbe SRenge k)on ein^eftreuten 
Sßerfen unb ißeriSt^eilen \ bie einen ©c^Iug auf bie hterarifc^e 
93ilbung beS SSerfafferd erlauben. SEBieber^oIt lommen (Sntle^nun^ 
gen (xai Sergil Dor. ®o k)erglei(^e man S}. c. 4 condignas nequeo 
grates persolvere unb Aen. 11, 537 dignas cuiquam grates 
persolvere; S. c. 7 lacrimis singultim fatur obortis, Sß. c. 21 la- 
crimis eyictus fatur obortis unb Aen. XI, 41 lacrimis ita fa- 
tur obortis ; 93. c. 15 quae te sententia vertit unb Aen. 1, 241 
quae te genitor sententia vertit ; S. c. 15 desine nosque tuis 
incendere teque querelis unb Aen. lY, 360 desine meque tuis 
incendere teque querelis; JS. c. 21 oscula fignnt unb Aen. I, 
601 oscula dulcia figere ; 83. c. 22 poli Stellas aurora fugavit 
unb Aen. m, 521 stellis aurora fugatis ; SB. c. 22 cineres sal- 
vete recepti unb Aen. V, 81 salvete recepti nequidquam ci- 

1 Set toeüem nt^t aOe ftnb 6et VtaMUon hta^ ben Itmä !mnllid^ o^ 
«M^i, inkffm tetf^ ba mix ^uc SetfAgmig flel^e 9taum ni^t axa, fk oSe 

18* 



262 2B. ^^nl^t, 

neres ; SB. c. 26 meos depascitur artus unb Aen. 11, 15 morsa 
depascitor artus. ^nä) ben $oraj (t)g(. SB. c. 7 vel centimanos 
gygas unb Carm. II, 17. 14 centimanus gygas; %. c. 7 impri- 
mit oscula labris unb Cann. 1, 13. 13 imprimere notam labris) 
unb Saleriud f^IaccuS (4, 24 tales edere voces unb SB. c. 7 edidit 
et talem maesto de corpore vocem) fennt unfer fSxoQxapf). 
Di er auä) mit Slaubion befannt toav, toa^t iä), tro| einer 
Uebereinftimmung (SB. c. 11 unanimes exponunt talia fratres unb 
Cons. Prob, et Olybr. 231 unanimes fratres) nid^t ju entfd^ei- 
ben *. ©obonn citiert er ben SBoet^iu« * unb ®regor •. 

Sd fragt fi^ nun : finb biefe SBerf e aud a entnommen ? ^er 
©prac^gebraud^ in benfelben ift fein anberer atö fonft in A. ®ie 
finben fic^ nic^t in ber §anbfd^rift golcuind, noc^ in bem — toie 
fpäter nac^guu^eifen ift — ben Sortlaut k)on a barbietenben 
Seaibiud. ^ierauiS folgt, bag fie nid^t in a geftanben ^aben, 
fonbem erft oon bem Serfaffer oon A ^errül^ren. 

^at A au§er a noc^ anbere CueDen benufat? S^^^^^f^ 
fönnte man ja annel^men, ba§ alle jeneStücfe, bei oenen ton ben 
Urfprung aui^ a nic^t nad^jun^eifen üermSgen, tro^bem aM bie^ 
fem ftammen ISnnten. Slber biei^ ift fieser, n^ie fic^ balb ergeben 
loirb , nic^t jutreff enb für ein ©tüd , für bie {Reife nai^ vtsm. 
@d mu§ ba^er als gen^ig betrachtet Serben, ba| A auc^ nod^ 
anbere Duellen benufete. ©te^t bic8 aber einmal feft, fo ^oben 
toir aud^ feine SBeranlaffung me^r, bie übrigen ©tücfe auf a }uräd» 
^ufü^ren. 

SBenn toir biefefben nun nä^er inS Äuge faffen, fo finben 
toxt j|unäd^ft eine SEBunbererjö^Iung (c. 25). S)ann treffen tpir 
eine ©c^ilberung ber Sl^ätigfeit ©er^arbd in SBrogne (c. 17 unb 
24) in ben gen)ö^nlid^en conüentioneUen $^rafen : tt^ir werben ba« 
ber fagen, abgefel^en üon bem (factum, bog ©erwarb in SBrogne 
SRönd^e an bie ©teile ber Sanonifer fe^te, ift biefe Srjö^Iung 
o^ne leben l^iftorifc^en äßertl^, unb ol^ne tl^atjöc^Iic^ed iD^ateriol 



au8 ber ^^antafie beö Stutor« entfprungen. 



lebet jtt^et anbere 



©türfe, bie aieform oon ©. ®^i8lain (c. 20—23) unb ben 2o« 
lauf SBrogne« öon ©. S)enii5 (c. 29), ift bereit» oben in anberem 
3ufammen^ange ge^anbelt*, unb bort ift auc^ gezeigt, k)on nne 
geringem SBelang btefe SBeri^te finb. (Sntnommen ift ba» erftere 
©tüdE axi^ Gesta Gisleni, bai jtoeite fann toieOeic^t auiS a ftammen. 
@i$ bleibt nod^ übrig bie @rjä^Iung üon ©erbarbiS iReife nadf 
{Rom (c. 29—30). ^ier beruft fic^ ber 8utor auf eine in IBrognc 
aufben^a^rte Urlunbe. S)ieil mu| nun, h^ie bereitiS oben bemerlt 
tt)urbe ^ , bie un» erhaltene f alfd^e SBuDe fein : benn nic^t aOein, 
ba^ A anbeutet, ba^ bie Urfunbe fpäter nod^ k)on SBifd^öfen untere 

^ 6td^R o^aulel^tien ifi ito^ b^ flnffanged SB. c.28 ezoanduit usque- 
quaque unb Cat. 39 renidet uBqueqnaque eine IBetoitTitfAQfi mit ttdiUL 
• c. 24. » c. 4. * 6. 247 ff. 284. » 6- 284. 



&n^xb b. 9rogtte u. bte Itlofhrteform tn 9HebetIoi)^itgen u. gflanbent. 268 

letc^et tfi, bie ntc^t in 9toin antnefenb toaren, fo erinnert auc^ 
Der SBortaudbruct t)on A an bie Urfunbe. äRan t)erglei(^e j. 99. 
folgenbe @telle: 



Urfunbe. 
Ut eodem constringatur ana- 
themate quicunque Privilegium 
. . . . praesomeret infringere. 



A. 
.... et qualem vel quan- 
tam subeat aeterni anathe- 
matis poenam, si quis teme- 
rario ausu, quod absit, infrin- 
gere praesomat eam. 

Unjtoetfet^aft ^at a(fo ^ier A biefe Urfunbe benu^t. Santit 
faat aber, mie bereitö oben bemerft, biefe gange (Srgä^IunQ. 

Sd ergiebt ftc^ bemnad^, ba^ aQe @tü(fe k)on A, bte nic^t 
ouiS a ftantmen, einen fe^r geringen 3Bert]^ unb fe^r geringe 
@(aubtDärbigfeit , ober um mio) etmad u^eniger üorfic^tig audgu^ 
brüden, gar feinen SSeri^ unb gar feine ©(aubmürbigfeit beft^, 
foloeit fie nid^t etioa aui^bräcflid^ burc^ anbere Oueuen beftätigt 
toerben. 

Sin fe^r intereffanter @cl^(ug lägt ftd^ aud ber X^atfad^e 
ber SBenu^ung ber Urfunbe in S3egug auf ba^ 8(Iter üon A gie^n. 
3)ie gefälf^ten fflrogner Urfunben finb frü^eften» im 12. 3a^r* 
^unbert angefertigte 5Daraug folgt, baß A frü^eftenö im 12. 
3al^r^unbert entftanben frin fann^. @oQte biefer ©d^Iuß nid^t 
oud^ anbertoeitig beftätigt U^erben? 

iBetrad^ten n^ir einmal bie ^ufammenfe^ung toon A. (SS ent« 
nal^m aus feinen Quellen folgenbe @tü(fe: 1) @er^arbS 3ugenb 
c. 1—4, feine I^ätigfeit in «ro^ne c. 17. 24. 29, feinen lob 
c. 31; 2) bie Iransiation beS ^eiligen Sugcn c. 5—16; 3) bie 
afleform öon ©. O^iSlain c. 20—23 unb SWont JBIanbin c. 28; 
4) brri SBunber ©erl^arbS c. 25—27. 30; 5) rinen ffiECur» jum 
Sobe ber Dttonen c. 18—19. 

©el^en &?ir unS biefe SluSn^a^I an, fo muß uns junäd^ft einS 
auffallen: toeS^alb ^at A t)on ben ftlofterreformen ®er^arbs nur 
jtori auSaemä^U, unb tt^eS^alb biefe jtoei? Sri bem {Bericht Aber 
@. @^iSlain n)irb am meiften ^erüorge^oben bie Steftitution ber 
afteliquien ©iSlenS, bie burd^ eine SBifion ^erbrigefü^rt h)irb; bri 
bcm über SKont 83Ianbin bie SBirfung ber 5ßcrfönlic^feit ®er^arbS ge« 
genüber ben SIerifern, bie üoQfommen munberartig ift. äJcit 
einem SEBort, eS ^anbelt fid^ baS rine SRal um ein äUunber, baS 
anbere 92al um rine 9}ifton unb 9leIiquienreftitution. 92un fü^rt 
A aud^ bie Translation beS l^eiliaen (Sugen fomie bie (Stiftung 
SSrooneS auf eine SSifion gurüdE. äBir fönnen ^iemad^ baS $rinrip 
ber auSmc^I üon A auSfpre^en: außer bem, maS t?on ®er^arbs 
SAen in eine 5Biogra|)^ie abfolut aufgenommen »erben mußte, 

* 6te^e bie oben 6. 283 ongefül^e IBratetfuna Bxdd%. 
' 2)a Ä bie Urfunbe benuM, fo '<mn biefed etfli! Don A nid^t auS a 
Pammtn , beim bie Utfunbe iß bebeutetib iitaflct al8 a. 



264 9B. Sd^ttliie, 

ttrie Sugenb mtb Xob, f)at A nur fold^e ^atta ertüä^nt, too Oet«^ 
l^orb 1) SBunber t^at, 2) SBiftonen ^atte, 3) Steliquten erkoarb. 

8Btr toiffen bereitö, ba§ ed eine ältere 99togra})^te @er^arbd 
gab. ©td^er ftat man btefe ntd^t ol^ne Qtoed bnxd) ein neueiS 
med, burd^ bie und üorliegenbe SBita, erfe^t. ®erabe in ben 
Steilen nun, bie tuir nidbt auf a jurfidffil^ren fonnten, jeigen fid^ 
burd^tt^eg Siftonen unb äÖunber. ^a liegt eS boc^ auf ber ^nb, 
ba% man mit biefer neuen 93iogra|>^ie einen ganj beftimmten 
$Ian t^erfol^te. S)erfelbe lägt fic^, glaube ic^, errat^en. A mad^t 
gau} ben StnbrudC, aU folle eiS äberaQ bie S}erbienfte ®er^arb9 
einfd^ärfen, bamit man ju i^m feine ^^f^ud^t nefime, unb bamtt 
bann — unb bie« ift nad^ meiner SWeinung ber ©nbjmerf — bad 
filofter reid^e (Sinna^men baie. äßenn man bied annimmt, fo 
begreift man, tt^eS^alb fo oft üon ben 9leliquien, bie @erl^arb er« 
n^arb, oefagt mirb, fie rul^en nod^ in SBrogne, unb n>ed^alb @et* 
^orbÄ feunberfraft fo betont toirb. 

SBann aber koar nun ein 9(nlag, bie SBerbienfte ®er^arb8 
Don neuem in biefer SBeife allen ®[äubigen einjufc^ärf en ? 2>ie 
Annales Laubienses fagen jum 3af)xt 1131 ^ : Et hoc ipso anno 
elevatus est b. Gerardns primus abbas Broniensis a domno 
Alexandro Leodiensi episcopo. äBenn nun eine fotc^e feierlid^e 
(Erhebung ©er^arbd ftattfanb, bann moDten offenbar bie Sknie 
toiffen, »er biefer SÄann toar, toä^renb e« anbererfeit« ben SWön* 
|en in Srogne am ßerjen liegen mu§te, bie SBerbienfte i^reS 
^eiligen üon neuem oer 9EBeIt einjufd^ärfen. Sud biefem 8[nlag 
ift, toie ic^ glaube, bie und üorliegenbe SBita üerfagt, unb e» 
ftimmt biefe Snna^me auf bad 93efte ju bem, tnad oben fiber bie 
(fotfte^un^djeit aud ber 93enu^ung oer gefälfc^ten $apfturfunbe 
gefolgert tft. 

^e ^age nad^ ber ®Iaubtoürbigfeit ber Vita Gerardi ift 
burd^ unfere bisherigen Unterfud^ungen im toefentlid^ jiurädC« 
gefül^rt auf bie britte ber aufgeworfenen gragen: mietoeit ifi a 
juöeriäffl^? unb biefe »ieber Mnnen wir nur bann beantworten, 
toenn Wtr toiffen, Welche CueCten a benufete. Sßon einem 
©tfidC üon a nun fönnen Wir mit üoDer ©id^er^eit bie QueCte 
angeben: ber iBerid^t über bie S^randlation beS |l. (Sugen nad^ 
SBrogne nämlic^ ift entnommen aud ber Translatio s. En- 
ffenii. Der Sn^aft ift bei beiben öollfommen berfelbe, nur ^ot 
Die Translatio einige @ime(^eiten me^r, Wä^renb A gar ferne 
eigenen eingaben ^at. Sber aud^ ber Sßortlaut üon A erinnert 
bur^aud an bie lYanslatio. ®8 feien jumJBeweife jWei @teOen 
aus üerfd^iebenen 2:^eilen ber (Srjäi^Iung angeführt. 



A. c. 13. 
Surge, inquam, surge quan- 
tocins, et quod debueras ma- 

> Mob. SS. IV» 12. 



Transl. c. 6. 
Sorge quantocios et quod 
agere debuisti matorios, fac 



®tifyixh ü. Qtogne u. bie Iffoflerteform in 9Heberrotl^ttgcn u. gflanbem. 265 



tnrins, matnra supplere vel 
tardios. Qaae correptio eo 
tenos eom correxit, ut ne ad 
modicum qnidem post haec ab 
obsequela martyris nisi huma- 
nitatis gratia ospiam seces- 
serit. 

A. c. 15. 
Qüod impatienter intaens 
humani generis inimicus, qui 
paradisicolam ab aeternis ex- 
trnsit sedibus, per quorondam 
circmnmanentiam corda — si 
fas est dici — clericorum dif- 
fundit invidentiae virus, adeo 
ut obfuscare pertentarent mo- 
dis Omnibus tarn bonorificos 
beati martyris cultus. Pro ne- 
fasl Praefatum ergo adeunt 
ponüficem . . . 

Slugenf^eittlid^ ift, bag l^ier bie Translatio bie Queue üon 
A tvar ; man fte^t aber and) , \>a% ber SSortlaut ber Transl. im 
einjelnen üielfac^ geänbert ift. 3ft lefttereÄ nun erft in A ober 
f^on in a gef^c^en? 

S)ie (Sr}ä^(ung üon ber S^ranSlation ht^ I^I. Suoen f^at anä) 
Aegidius Aureaevallensis ^ @r fd^Iiegt ficb im Wortlaut oft 
enger an bie Translatio als an A an. @o ^ei^t eS g. 83. in 



sattem, quod nefas est, tardius. 
Qua admonitione ab illa hora 
et deinceps ita est salubriter 
correctus, ut de ecclesia illa 
nusquam nisi humanitatis causa 
recederet. 

Transl. c. 8. 
Quod cernens auctor invi- 
diae, qui ab initio genus hu- 
manum, coelos ne posset adire, 
a recto itinere conatus est 
semper retrahere, virus suae 
invidiae per multorum corda 
clericorum in circuitu nequiter 
diffudit, adeo ut venientes ad 
episcopum praescriptum 



A. 

Igitur longe late- 
que fama martyris 
percrebrescente. 

Ober in 

A. 
Quatenus apud 
clementiam pietatis 
divinae pro nostris 
excessibus dignetur 
intercedere. 



Aegid. 
Cumque longe la- 
tequ^ fama miracu- 
lorum ejus . . . di- 
vulgaretur. 

Aegid. 
üt apud regem 
supemorum civium 
intercessor exsistat 
pro nostrarum ex- 
cessibus culparum. 



ber Transl. 
Cumque longe la- 
teque haec fama di- 
vulgaretur. 



ber Transl. 
Ut apud regem 
supemorum civium 
intercessor exsistat 
pro nostrarum ex- 
cessibus culparum. 



gemer fagt ÄegibiuS, ba§ ber ?ßre8büter, ben JBifd^of ©te? 
phan fipttn lieB, @urec^ingud ^ieg, toa^ too^I bie Translatio c. 8, 
aoer ni^t A c. 15 berichtet. 

a^an möchte junäd^ft annehmen, ba| l^ier nic^t A, fonbem 



^ n, 40» Mon. SB. XXV, 51. 



266 m. ed)ul^e, 

bircct bie Translatio bie OucQc für Slcgibiu« toax. aber HegU 
biuÄ bcrid^tct öon ©erwarb« abpammung baffdbc tua« A tvifßt, 
toÜ)xtnb bie Translatio ^ieroon fd^tüeigt; unb wir fönncn boc^ 
irid^t annehmen, ha^ aegibiu« für feine jiemlici^ fwrje SRotij über 
(Serl^arb jtoet Duellen benu|t l^abe, A unb bie Translatio, ipo^* 
renb er bod^ ia§^, toa^ er au^ ber [e|teren entnal^m, audf in A 
l^ätte finben fönnen. SBir fommen fo gu ber anfid^t, bafe un8 in 
btefer @teQe bed aegibiuS im n^efentU^en ber äBortlaut )7on a 
aufbetoa^rt ift, baß für aegibiuS »eber A noc^ bie Translatio, 
fonbem eben a Duelle ift. Sft bieS rid^tig — unb ba^ eÄ loirt 
HA jutrifft, möd^ten toir mit einem ^ol^en ®rabe üon guöerfic^t 
benannten — , fo fönnen »ir nun andj fidler fagen , tooburd^ 
ftd9 a Don A unterfd^ieb. Sene« fd^fofe fid^ genau an feine Duel* 
len an, bel^ielt ben auSbrud! berfelben foüiel »ie irgenb mögßd^ 
bei, iDä^renb A auiS a jti^ar ben 3n^alt entnal^m, an bem aui^brud 
aber toielfad^ änberte, o^ne baß jeboc^ biefe aenberungen fo er* 

fieblid^ tofiren, ba§ xaäjt no^ üielfad^ ber urfprünglic^e ©ort« 
aut binburc^fc^immerte. 

SBad ben SBertl^ be^ befprod^enen @tücfed von a anlangt, 
fo ift berfelbe gleid^ nuD, ba und \a f)kx bie DueQe üon a, eben 
bie Translatio, noc^ erhalten ift. 

aud^ oon einem jioeiten @tüdE üon a fennen toir bie Duelle, 
öon bem Sjcurg über bie Dttonen c. 18 — 19. 6r ift in alleii 
n)efentlid^en @tücf en entnommen aud Siubpranbd anta)7obofiS *. 
Unb gtoar ift l^ier Siub)}ranb toörtlic^ aui^gefd^rieben, nur finb in 
A ein Jpaar ©äfee auggelaffen; eigentliche aenberungen bagegen 
finben ftd^, n)enn man nic^t einige ÜmfteQungen atö fold^e nehmen 
toid, gar nic^t. 2)ie angaben, bie A ^ier nid^t aud £iub)7ranb 
entnommen ^at, finb berart, ba§ fie jeber ÜRönd^ eine« unterlot^- 
ringifd&en Älofter« toiffen mußte. S)q: SBertl^ biefe« ganjen 85c* 
rid^teS für uni^ ift alfo n;iieber gang nid^tig. 

93ei ben übrigen ©tücfen üon a fennen toir bie DueQen nic^t 
an bem bisherigen muß ein« auffaDen: beibemal ^at a toditt 
auf ®runb eigener anf^auung nod^ auf ®runb münbltc^er 89e* 
rid^te üon augenjeugen, fonbem im anfc^Iuß an fc^riftlid^e 
DueDen ergoi^It. ©outen toir nic^t an^ ber änalogie folgern bür^ 
fen, baß aud^ bie übrigen ®ivid^ t}on a auf fc^riftlid^e DueDen 

Srüdtge^en? ©g ift bieg freilid^ für ben innem SBert^ biefet 
eile üoDfommen gleid&giltig , aber toid^tig für ben S^oraftcr 
t)tm a; benn bamit fänfe le^tered gu einer bloßen Somirilatton 
l^erob. 

(Sine« biefer ©tüdfe mar bie (Srjä^Iung oon ber rounberboren 
©eilung be8 ®rafen amulf c. 26-27. Sie ftel^t afe SBunber* 
erjä^Iung außerhalb beS Sereid^e« ber obiectiüen ^iftorifd&en 
Rritif. ©obann bie Sugenbgefd^id^te c. 1—4. ©ic enthält, tote 

» IV, U ; IV, 24 unb IV, 28 , Mon. SS. HI, 819. 322 mA 325. 



&nfykxh t), otogne u. bie Alofleneform tn ^^iebetloifiringrn u. ^anbettt. 267 

oben nac^getotefen mürbe S 3Biberf)}tüd^e in fic^ felbft, tüiberfpridbt 
ber Translatio, totberfprid^t anbeten CueÖen. @d fomntt i^r 
alfo ein fe^r geringer @xa\> Don @Haubmfirbigfeit ju. 

gaffen »tr nnfere bisherigen SRefuItate jufammen. SBir fan« 
ben, ba| aii^ A oon t)om herein aded ali fo gut w\t mert^toS 
aui^3ufd^eiben ift, n^ai^ fid^ nid^t auf a jurüiffül^ren lägt; bag 
bon bem, mo (e^tered ber ^aU ift, biejeni^en (Srgä^Iungen, beren 
OueOen und noc^ erhalten finb, (einerlei SBert^ beft:^en: bag 
biele berjenigen @tfide bon a, beren Cuellen mir nid^t mel^r 1)as 
ben, fioA berbäd^tig finb. 

Qs bleiben und no^ fibrig bie @rjäl^Iung bon ber iReform 
Sßont SBIanbin unb bie t>on @er^arbd legten S^agen. S^re ®Iaub^ 
n>firbig(eit mirb h7eber burd^ äugere Umftänbe geftfi^t nod^ burd^ 
innere SEBiberfprfi^e ftarf erfd^üttert. 3)ie Angaben über ®er^ 
^arbd Xob mürben oben' aud inneren ®rfinben ald im mefent« 
(i^en glaubmfirbig bejeic^net. äEBad ben ISerid^t fiber bie ^Reform 
üon äRont SBIanbin betrifft, f o toerben mir, menn mir fe^r borftd^tig 
pnb, unfer Urt^eil über i^n in ber ©c^mebe laffen ; menn mir bage^ 
gen unf ere SReinung etmad ffi^ner ani^pveäftn mollen, f o merben mir 
mo^I fagen (önnen, ba ft(^ bidl^er faft (eine berjenigen aUeinfte« 
^enben Angaben bon A, beren Queue ni(^t me^r bor^anben ift, ali 
guDerläfftg ermied, f o ift auc^ biefer Serid^t bid auf mettered ju ber« 
merfen. Auf alle tjöHe aber ift ber gange SBertb ber Vita Oerardi 
für bie ^iftorifc^e gorfd^ung auf biefe beiben ©tücfe — ben lob 
(Ber^arbd unb bie rRefomi bon SKont Slanbin — ju befd^ränfen. 

Sd bleibt jum @d^Iug nod^ bief^rage ju beantmorten : mann 
ift a »erfaßt? 3"nö^ft bo ed ja eineJ!5iograp^ie®er]^arbd ift, 
nid^t üor feinem Xobe 959. ^^erner nid^t nad^ bem Xobe 8bt Sie« 
tolbd 997, ba biefer, mie mir oben fa^en •, in a nod^ ald lebenb er« 
m&^nl mirb. Unb }mar mar er ermähnt al^ Mosomensis abbas ; 
fitetolb mürbe aber Äbt bon SRoujon am 7. 9lobember 971. 
Sd mu§ mithin a gefc^rieben fein jmif^en 971 unb 997. 8ßtr 
gelangen inbeffen ju einer nod^ genaueren 3^itbeftimmung burc^ 
ehte onbere Angabe. SBie mir fa^en^, mug ber @a^ Raginems 
.... nunc usque exulat in a geftanben i^aben. 9taginer ftarb 
ober c. 970. Sd mar alfo, ald ber S^erfaffer bon a fd^rieb, nod^ 
teilte 9?ad^riAt bon Staginerd Xob nad^ SBrogne getommen, mfil^« 
renb fd^on bie jtunbe bon Sietalbd (Ernennung xam Vbt bon 
aRoujon angelangt mar^ Sfud aOebem folgt, oal a berfagt ift 
m ben legten äRonaten bed 3fal^red 971 ober ben erften bed Qaf)^ 
rc« 972. S)er JBerfaffer mar, mie mir mo^I mit jiemfi^er ©i^er« 
^ett annehmen tonnen, ein äRönd^ an^ SBrogne. 

* 6. 226. 229. • 6. 252. » ©. 258. * 6. 259. 

" aBemt (SHlnt^t auS bet JUtmunq XteboS in c. 17 folaeti, bog a etfi 
Iia4 978 (Ztebod fEMfy) t^etfofit fei, fo überfielet et, bafi trin Sruttb botliegt, 
btefe 9lott3 übet Siebo fd^on auf a autfictjufü^ien. 9Bemt et fogt, a fei })tts 
fixgi 978-1008, fo tietgi§t et, bog Stetolb nod^ ott lebenb esMl^ toitb. 



268 SB. «d^ul^e, 

9it Translatio sancti Eugenli. 

2)ie nn^ befannt getuorbene Translatio sancti Eugenü S bie 
in biefen SeiUn otö B bejeid^net tperben mag, ift anoni^nt über- 
liefert; es fragt fid^ ba^er, ob ed ni^t gelingt, auiS bem äBetfe 
fclbft SBerfaffer unb 8lbfaffung8jeit ju ermitteln. 3)cr l^crau«- 
geber ift biefer ^xa^e nid^t nä^er getreten; er ^at fic^ bamit be^ 
gnügt ju conftatieren, bag B, ba im Prolog ©erwarb üon S3roane 
angerebet toirb, noc^ gu fiebjeiten be« Ie|teren »erfaßt fei. Snbeffcn 
(&ßt fi^, mie id^ glaube, ein Diel beftimmtered 9iefultat gett^innen. 

B gerfädt bei genaiterer 93etrad^tung in üier @tucle, auf bie 
fid^ bie ein jelnen ßapitel in f olgenbcr SEBeife üertbeilcn : 1) 1—33. 
2) 33. 3) 34. 4) 35—37. 

2)er erfte ^auptt^eil ^ört offenbar avtJf in dapxtel 33, benn 
bort ift ein förmlicher ®piIog. Dann aber l^cbt ber SJerfaffcr 
neu an: Nos itaque coditie istius martyris prospicientes dei- 
fica Signa . . . Multa siquidem fiunt prodigia. 2)arauf er^ 
^ä^It er einige Sßunber unb fc^Iiegt bad (la)7itel mit Amen. Sd 
tft ^iernad^ gang Rar, baß ber SBerf affer guerft nur ben 2^ei( 
c. 1 — 33* in einem 3»9C aufgearbeitet ^at, unb baß ber gtoeitc 
I^cil üon c. 33 ate felbftftänbiger JBeftanbt^eil in ft>ätercr 3cit 
^injugefügt ift. 

(Sapitet 34 l^ebt n^teber neu an: Unum adhuc valde sta- 
pendum atqne laudabile miraculum huic opuscolo annectere 
ratum duximos. ®^ d^arafterifiert fid^ felbft hiermit augenfc^ein^ 
lid^ ald f)7ätere ^ingufägung; toir muffen fomit in i^m einen 
gtt)eiten Qn^a^ ju bem eigentlichen Sßerfe erbliden. 

3n Sapitel 35 folgt bann ein neuer $rolog , barauf mirb 
bie S)arftellung fortgeführt bid (SxipitA 37, mo fie mitten im @a^e 
aufhört. SEBir ^aben mithin ^ier einen britten 3ufa| t7or un^, 
beffen SSerfaffer aM ir^enb einem ©runbe mitten in feinem SBer! 
^Id^li^ aufhörte; ed hegt bod^ am näc^ften angunel^men, bag er 
burc^ einen unerwarteten Xob an ber SSoUenbung ber begonnenen 
tCrbeit üer^inbert n^urbe. 

@d ift uni^ alfo in B ein äßerl mit brei fucceffiüe angefügten 
Stnl^ängen erhalten. @d ift glei^giltig, ob biefe Stnbänge üon 
bemfelben Serfaffer ^errü^ren mie bad |)auptn)erf; aucQ läßt ftc^ 
bie^ ntc^t mit @ic^er^eit entfc^eiben; allerbingd möd^te ic^ ed an^ 
nehmen: benn irgenb n^elc^e SJerfc^ieben^eiten in @pra^e, @til 
unb 9ludbrud, bie un9 jmängen, üerfc^iebene SBerfaffer üoraudju^ 
fefeen, finben ftc^ nic^t, unb baS abrupte Slbbred^en be« SBerfeö 
emärt fid^ bod^ am einfad^ften, ttjcnn man annimmt, baß ber ®er* 
f äff er feiner Arbeit immer neue SBunber ^injufügte, fobofl) i^m 

> Analeota BoUandiana III, 29. 

1" 



(Setl^tb b. otogne u. Me |{(o|lettefi)tm tn 9liebetIot§rtnden u. gflanbetn. 269 

Mefeldeit belotmt gekoorben tuaren, unb bag er enblid^ bei einem 
3ufatf biefet S(rt üom %di überraf^t kourbe. Sod^ ift, toie ge^ 
fagt, biefe ^tage üon feinem ^Belang, ba ed nur auf bie Seftim« 
mung ber Sntjte^ungi^ieit unb beS 9(utord bed ^auptoerfeS an« 
tommt. 

hierfür nun gekoö^rt und ber gn^eite Qn^ali einen *!(n^alt. 
2)ort ^eigt ei&: eaaemque tempestate qua timor Hungrorum 
omnes invasit qni morabantur in regno Lothariensi; ed ift 
alfo üon einem Unaameinfalle in Sotbringen bie 9{ebe. 93ei bie« 
fem n^erben bie Steltquien @ugen8 nad^ Stamur gebracht unb bort 
a Berenffario illustri comite aufgenommen. 

Sd $anbett fic^ alfo barum, bie 3^^^ biefed UngameinfaÜeS 
ju beftimmen; benn ba btefer }n7eite Qn^aii erft fpäter an B an« 

Sefägt ift, fo erhalten mir baburclf ben terminus ante quem fttr 
ie vlbfaffung oon B : benn märe B erft \p&Ux gefd^rieben , fo 
m&re fieser bied (Sreignid in B felbft ergä^It unb ni<^t erft f^äter 
bingugefflgt. (5d fommen ^ier brei UngameinfäDe in SBetrac^t, 
oie üon 926, 937 unb 954. Aunäc^ft mflrbe man mo^I an ben 
(enteren beuten, meU bamate fiot^rin^en fd^redlic^ mitgenommen 
lourbe unb bie SKag^aren bid SKaftnd^t, Sobbed unb Sambrai 
t^orbrangen \ 3nbef)en gegen i^n ft^rid^t bie 9tennung bei^ ®ra« 
fen 83erengar üon Stamur. SBir fallen oben, ba§ btefer urfunb« 
Itd^ 908 — 912 in ber genannten ©teOung erfd^eint, unb ed ift 
bo(^ l^öd^ft unmal^d^einlid^ , bag er ba aud^ 954 bied 9mt t)er« 
feigen follte, mö^renb anbererfeitd ut ber Knnal^me, bag in biefer 
5eit jmei trafen üon 5Romur ben iWamen Serengar geführt l^ätten, 
rein genfigenber @runb vorliegt. 3)agegen märbe bie 92ennung 
Serengard t^affen ju ben Ungameinf&uen Don 926 unb 937. 
93tr brau^ bann ffir bie Sauer feiner Stmtdfü^rung ni^t mel^r 
c. 60, fonbem nur c. 20, refp. c. 30 3a^re angunebmen, 926 
brangen bie äRaa^aren bis nad^ ber S^am^agne t)or^, 937 bii^ 
9tetmS, üon too fie fogar biö an bie Äüften be8 SRcere« ftreiften': 
es toürben alfo biefe beiben SinfäDe aud^ materieQ ju ben oben 
angeführten SSorten )>affen. (Sine beftnitioe Sntfd^eibung jmifd^en 
t^nen ift einftmeilen nod^ nic^t mfiglid^. 

S)er terminus post quem ergiebt fid^ auS B felbft. Qa^ 
n&dj/{t ^ei^t ed in (iapxtel 20 : Quadam tempestate Carolo rege 
ad Aquasflrani palatiom properante, quaedam pars sui exer- 
citas per Lomacensem pagum est dispersus. Si^ ift alfo l^ier 
Don einem (SinfaQ JSarld bed Sinföltigen in fiot^ringen bie 9iebe, 
unb ed ift bo^ jiemlid^ fidler bied auf ben SinfaH tTon 921^ ju 
besiegen. SRit^in ift B na^ 921 t^erfagt. 



^ IMtmmUx, Otto ber <Bto|e e. 238 ff. 

• aSüil, ^etimd^ I. G. 88. 

' Entmin, Otto ber (Broge G. 59. 

^ SBaitf, ^iitii^ I. 6. 62. 



270 SB. ©d^ut^e, 

^od) lüeitcr fül^rt uns eine anbete Sngabe. 3n Sapitel 21 
nämltd^ ^eigt ed: Quodam tempore transiens nobilissimos co- 
mitum Boso per comitatum Lomacensem cum exercita magno 
difirisus est sparsim in eodem pago. Quaedam etiam populi 
ejus paf s pervenit usque Bronium. 3^^^^ÖoS ift ^ier gemeint 
ber ®raf 93ofo , ber JBruber be« Äönig« JRuboIf t?on granfreic^, 
ber greunb beS Sifd^of« Slbalbero üon'SWefe. Sr jog 930 gegen 
SKoujonS 931 gegen S^alon« * iinb ftarb 935". SSon i^m mirb 
in ber Vit. Johann. Gorziens.* etjä^It, ba§ er gegen JBitr^ jog, 
unb bie einleitenben SBorte l^ierju lauten: Tempora dissensioni- 
bus nimis regnum hac illac quoque sibi trahentibus fluctua- 
bant. Otto maximus post rerum augustus post genitorem 
strenuum per omnia regem Heinricum prima regni tunc au- 
spicia ceperat, sub quo Gislebertus ducatum regni Lotharii, 
Everardus Franciae Austriae et quorundam trans Rhenum 
tenebat locorum. Transrhenana interim quieta manebant. 
Nostra varie infestabantur nee jugum facile admittebant. 
Inde Boso quidam . . . SRan toürbe l^iemad^ ben ^eereiJ^ug 
SJofoS, ba Otto nad^ ben angeführten SBorten bereit« regiert, in§ 
Saijt 937 fe|en ; eS ift bie« aber unmöglich, ba Sofo bereit« 935 
ftarb. SBir ntüffen mithin annehmen, baß bie fonft burd^au« ju^ 
öerläffige Vit. Johann. Gorziens. ^ier einen leichten c^ronologi« 
fc^en Refftet beaangen l^at ; auf feinen gall aber fönnen toir ben 
ßug ©ofo« früper al« 935 fefeen, ba fonft bie Slngabe ber Vit, 
Johann. Gorziens. bebeutenb öon ber SBa^r^eit abttjid^e, tüa« 
nid^t tna^rfd^einlic^ ift. Diefer gug nun ift, toie id^ glaube, andf 
in B gemeint. Sft bem aber fo, fo muß B naif 935 t>erfa§t fein. 

2)ann ift e« alfo aud^ nad^ 926 »erfaßt, b. 1^. ber oben oI« 
terminus ante quem angefe^ene UngarneinfaCt fann nid^t ber 
öon 926, fonbem muß ber üon 937 fein. 

SBir l^aben fomit für bie Äbfaffung toon B eine jiemlid^ ge* 
naue ßeitbeftimmung gewonnen: B muß jtoifd^en 935 unb 937 
in JBrogne gefd^rieben fein. 

Aber aud^ ber SBerf affer felbft läßt fi^, »ie id^ glaube, mit 
jiemlid&er ©id^erl^eit ermitteln. 

SBir l^aben an anberer ©teile * gejeigt, baß bie un« borliegenbc 
Vita Gerardi, ober richtiger, baß bie öon il^r an biefer ©teDe 
au«gefd^riebene ältere JBiograp^ie bei bem SBeri^t über bie Iran«* 
lation ber ^Reliquien be« % ©ugen öon ©. 3)eni« nac^ JBrogne 
burc^ ©erwarb B af« Duelle benu^te. ^ier fam nur bem ^ex^ 
f affer ber Siograp^ie felbft ba«, nja« er erjä^Ite, fo untoal^rfd^eim 
Ixd) üor, baß er ba«©ebürfni« fül^Ite, bei bemiJefer ben @Iau6en 
an bie SBa^r^eit feiner ©arfteQung burd^ bie Berufung auf eine 

» Flodoard. Ann. 930. « ibid. 931. • ibid. 935. 

* c. 104. öetal. Mirac 8. Gorson. 12. 
» 6. 264. 



®etl^tb b. SBrogne u. bte ^loflettefotm in 9tiebetIcfl^rtnQfYt it. gflanbetn. 271 

Autorität m üerftärfen. äRan foQte nun hoä) meinen, er n^ürbe 
ftd^ ba auf feine Quelle, nämlic^ B, b. 1^. etn^a auf einen Liber 
de rebus gestis sancti Eugenii bejiel^en. 8ber nein ! (£d ^eigt : 
Si cui autem ingerit ambiguitatem , Lietaldum percontetur 
abbatem, higus viri Dei in coenobio Mosomensi successorem, 
qui cum eo praesens ad clandestinam tot reliquiarum com- 
positionem demirari solebat Broniensis locelli angustiis tarn 
mirabilem contineri sanctitatem. SQfo ber SBerfaffer ber SBio« 
gtop^ie beruft fic^ jur ^Beglaubigung feiner 3)arfte0ung auf Slbt 
^ietolb. 2)araud folgt, ba^ er üon Slbt Sietalb bie Srandlation 
mug ^aben erjä^Ien f)äxen, unb jmar ^enau fo erjä^Ien ^ören, 
tuie er fie berietet, b. f), genau fo, mie fte B barftellt. Unb tro| 
biefer i^erufung auf fiietalb follte er ^ier boc^ eine anbere Sar^ 
fteQung atö Ouelle benu|t ^aben? S)ad Hingt bod^ fe^r um 
mo^rf^einlic^. SEBenn üielmetfr in B alle Sinjel^eiten genau fo 
befc^rieben n^aren, n>ie fie aud^ bie munblic^e @r}ä]^Iung be8 
^itef^ Sietalb berichtete, fo ift boc^ bie einjig mögliche @rnärung, 
toic mir fd^eint, bie, baß eben W)i fiietalb ber SJerfaffer oon B ift. 

(Si& finbet fid^ in ganj B leine einjige ©teile, bie ber 9utor^ 
f(^aft fiietalbd miberfpräc^e. SBielme^r pa^t aüe^ aufS befte. B 
ift gefdbrieben auf äSeranlaffung ®er^arbd üon einem feiner @^tt^ 
ler * ; ber SBerfaffer ^at offenbar ben ©erbarb auf feiner {Reife 
t7on @. S)enid nad^ SSrogne begleitet^. iSietalb aber n^ar ein 
@d^üler ©er^arbiS unb begleitete i^n bei bem QuQe oon @. S)enii^ 
nad) 93rogne, benn bieS le^tere (efe ic^ aud ben oben angeführten 
äßorten ber SJiograf^^ie ^eraui^. 

@omit glaube x6) aU 9iefultat biefer Unterfud^ung foIgenbeS 
bejetd^nen )u lönnen: 

B ift oerfagt auf )8efel^( ©erl^arbd t?on 93rogne in ber ^eit 
ton 935 bi« 937 oon ©erl^arb« ©dualer fiietalb, bem fpätereu 
Sbt t}on Xin unb äRougon, unb ift aümäl^nd^ burd^ brei Sm 
^änge ern^eitert Sorben, bereu erfter fofort ^in^ugeffigt ift, toä^« 
renb ber legte, menn er ebenfallj^ oon fiietalb l^errä^rt, toa^ mög^^ 
lid^, aber nic^t not^menbig ift, erft 997 gemacht fein lann, ba 
[ein ffierf affer plöftlid^ , jebenf ato burd^ ben %ot> , an ber öoDen^ 
Dung üer^inbert föurbe. 

* c. 1. " SBetflL c. 5—6. 



2)ct ^ijtorifer ^ubertu« Z^omai ßeobiu«. 



iBon 



üatl fadfdUer. 



89tS in unfer 3a^r6unbert l^inein ))f(egte man ben fSanttti^ 
frieg bed 3a^red 1525 an ber ^anb üon bret ober k>ier (Sefd^ic^t- 
f^reibem beiS 16. Ofa^rl^nnbertS bar^ufteüen , koelc^e bie genannte 
^en^egung monogra|7^tfd^ be^anbelt Ratten. Srft in ben legten 
3a^ne^nten ift t^ üilxdj getuorben, auf bie eigentlichen OueQen 
jurüaiuge^en , meiere bis ba^in faft gänglic^ unberührt in ben 
mdi)ir)tn unb SBibliotl^efen gelegen Ratten. S)ie neu erfc^Ioffenen 
Criginalaf ten , beftel^enb in ^orrefponbenjen ber friegffi^enben 
Parteien, in ®utac^ten, ^roa|e6fcl^riften u. a. ergaben gau} neue 
Huffc^Iüffe, nnb bie geh)altige vSauembemegung befam ein anbered 
Xudfel^en, abgefe^en baüon bag bie alten 2)arfteDungen beträtet« 
lic^ enueitert merben lonnten. 

SEBenn baburd^ bie ^iftorifer bei» Sauerniriegd nid^t me^r 
i^en ^o^en äBertl^ üon e^bem ()aben, fo üerbienen fie boc^ eine 
emge^enbere {Berücffic^ttgung , atö i^nen bid jefat meift ju 2:^eil 
gen^orben. 9(d britter unter ben genannten @efc^ic^tf(^reibem 
mirb neben $arer (Srinitud) unb ®nobaIiud getüö^nlic^ ^ubertui» 
X^omad genannt, obgleid^ er feinen fd^riftftellerifd^en dinf)m toe^ 
ntger feinem bflrftigen ©dbrift^en über ben Sauemfrieg atö Diel* 
me^r einem anbem äBerle, ben Slnnaleu bed ^faljgrafen unb 
fpätcren Äurfürften griebric^ U., »el^er 1544—1556 regierte, 
i^erbanft. Sßäl^renb feine 3)arfteaung bed SBauernfriegS burd^ neuere 
Unterfud^ungen ^ ald fo toetti)io& erfc^eint, bag man il^re Wx^iil)^ 
rung fid^ erlaffen ban, l^at man bagegen ben ^o^en ^iftorifc^en 
unb befonberd lultur^iftorifd^en SEBert^ ber jtoeiten ©d^rift gerabe 
in unferm 3a^^unbert erft rec^t erlannt '. Xro^bem toaren über 
t^n bid jefat nur einige jufammenl^ang^ofe Stoti^en üor^anben, 
bie am üouftänbigften Ö. ©d^äfer unb SR. Äofenberg jufammen* 
gefteOt l^aben'. 

' 9bttfe, Xcutfc&e «efd^t^te im 3eitattn ber Sttfütmation VIP, 66. K^. 
edbafet , 2)ad SBctl^tntg bet toi «ef^id^tfd^reibex bed SBoittmfrteQS (8eit»aid< 
2;{f|ert. 1876) 6. 42. 

' (Sb. ))im mioto, Gilt gftttflenfpiegel ic. (Sre^Iau 1849) I, 6. i-z. 

* nebet 6dWct imL 9(nin. 1. VL 9lofenbetg, OueOen aut @efd§id^te b. 

Setbelbetaet G&loffed meibelbetg 1882) 6. 87-91. Sg^ baau oud^ meinen 
Ttilel filet benfelben 9b. XYIII bec mgem. beutfd^. »iogt. 3)ie 9li)iiaen in 

XXV. 19 



276 Ä. ^artfelbcr, 

ßubertud ^oma^ ober Uoi ^ubtvUi^, toxt er ftd^ felbfl 
na6) Der @itte ber Qeii öftere nennt, ftammt aud fiütti(^, tpe2- 
l^alb er geti^ö^nlicl^ Leodius ^eigt. @ein ®eburtdja^r ift nic^t 
überliefert, ergibt [ic^ aber an^ bem @c^Iug feiner Snnalen, tuo 
er pc^ im Qa^re 1555 afö einen ©c^jiger bejeic^net, fo bag er 
alfo 1495 geboren ift*. SBo er feine ® Übung genoffen f)at, ift 
unbefannt. SebenfaDd f)at er eine gute @^ule bur^gemac^t. 
@eine Schriften betoeifen eine groge SBelefen^eit in ben lateiuifcben 
unb griecf|if^en ©c^riftfiellern , qua benen er ©ebonfen , ©toffe 
unb Sitate entlehnt, lieber bad fiateinifciie üerfügt er im fc^rift- 
liefen unb münblic^en 9(uiSbrud n^ie über feine 3Rutterfprad^e, 
n^eldie baö granjöfifd^e gemefen ju fein fd^eint. Aber ni^t bloS 
bie SIten , fonbern auä) gal^Ireic^e ©c^riftftefler be^ SKittelalteri^ 
l)at er gelefen, toie feine Schriften betoeifen. 

2)0^ bürfte er urfprünglic^ nur eine gute Sateinfd^ule unb 
leine Uniüerfität befud^t ^abni. S)enn im Qal^re 1525 erfc^cint 
er unter ben neu immatrifulicrten ©tubenten ber Unioerfitot ^tu 
belberg *. ©d^werlic^ i)ai ber bamate f^on 30 3a^r olte SRonn, 
ber oerl^eiratet toax unb fiinber ^atte, bieg gu feinem Vergnügen 
getl^an. 3)ie annähme ift ttja^rfc^einlid^er , bafe er bie i^m fe^- 
lenbc ofabemifc^c Silbung na^gu^olen beabfic^tigte. ®o<^ bürfte 
i^m bied faum gelungen fein, benn fein bamaliger S(ufent^alt in 
§eibelberg fann ni^t lange gebauert l^aben, ba er balb toicber 
abgerufen tourbc unb als Begleiter feinet 5ßfaljgrafcn faft immer 
üon ßeibelberg abtoefenb toar. 

S>en größten I^eil feines SebenS l^at fiubertuS im SJienftc 
beS ?ßfaljgrafen ^^ebrid^ , beö fpäteren Sturfiirften griebric^ 11. 
üon ber $falj bei 3l^ein, geftanben. S)ie Äufnal^me in beffen 
3)ienfte ücrbanfte er feiner Äenntnife ber franjöfiftl^en ©pracfte. 
3m Sö^re 1522 bcfd^Io^ ^ßfaljgraf griebric^ um bie öertoittinetf 
Königin fieonore üon $ßortugaI, bie feine Sugenbliebe geloefen loar, 
anju^alten unb beburfte baiu einiger frangöfifc^er ©^reiben. Qu 
bicfem 5tt?ecfe toanbte er fic^ an SetaniaS grifinS, 3)oftor ber 
beiben 9te^te unb Sfffeffor beim laifcrlic^en ßammergerid^te. ®er* 
felbe erf lärte aber , baß er gtoar frangöfifc^ fpre^en , aber nic^t 
fc^reiben fönne. S)abei mad^te er auf J^omaS $ubertu« auf* 
mertfam, »eldtjer i^m frül^er fiebcn Saläre ju feiner ^wf^eben^eit 
gebient ^abe, ber jefet feit gttjei S^^rcn in ber Äanglei beS Äiir* 

Andreae bibliotb. Belgica (Lovan. 1623) ®. 894 ftnb fämtntlid^ bm 9n< 
nalett entlel^nt unb unetbeblid^. ^ud^ in Sweertii Athenae Belgicae tire 
Nomenciator inferior. Germ. Script, (^nttoetp. 1628) follen Angaben fibet 
^ubettud ftel^en; id^ lonnte bad ^u^ ahn nic^t ctl^ltm. 

^ O. S. Gc^äfrr a. o. O. @. 40 beted^iiet fein ^ebutt^ja^ ouf 1497, 
ol^e jebod^ biefe ^ngobe nöl)er ^u begxfinben. 

' 6(^tDab. Syllab. rect. Heidelberg. S. 95, gibt tnt^ilmlid^ badj^^^^ 
1527 an. £ie ÜRottilet (lU, 25) fogt: Hubertus Thomas Leodius ex Le- 
odio nona Julii untft bem Sollte 1525. SBol. i&. %otpU, Sic !D)otriIel brt 
Unitetfitdt ^eibelbetg. 1, (f>eibelbetg 1884) 6. 538. 



tn .ßtflotifbt .ßuBcrfat? I^oma? SeobntS. 277 

fürften üubtoxa V. Don bcr 5ßfalj, beg Sörubcrö üüu ^fafjgraf 
gricbrid^, bcf^äftigt toax, unb bcr auc^ franjöfifd^ fd^rciben Wnne. 
©amad^ ^ättc §uDcrtu8 üom 3abre 1513—1520 bem ©oftor &* 
tatriai^ ^rifiud gebient, unb ber uebertritt in bte2)ienfte bed Stwc* 
ffitften bürfte in ba« Sa^r 1520 fattcn'. 

griebrid^ f)idt ftd^ mit feinem 99ruber Subtoig V. wxt biefc 
3eit gerabe }u ^lümbetg auf unb bat ben leiteten, ^ubertud 
fommcn ju laffen. 95ei biefer ©elegcnl^eit erfahren »ir au^, bag 
^ubert feit gmei :3fa^ren üetl^etrat^et mar, unb jtDar mit einer ^au, 
bie üermut^lid^ nid^t aud ber Sfalj ftammte, ba fie faft feine SBe« 
tannten in |)eibelberg ^atte. ^ie lag eben in ben äßod^en unb 
hattt eine ^d^ter geboren, nac^bem fie i^ren SRann üor einem 
dfal^re mit einem ®o^ne befc^enlt ^atte. äRitten im SBinter mugte $u> 
bert feine gamilie üerlaffen, um auf ben ergangenen JRuf nac^ Jlürn* 
berg }u gießen, ©eine SBermögendumftönbe maren bamafö nic^t 
eben glänjenb unb finb ed auc^ nie geworben, toxt mir fe^en merben. 
Hubertus mugte fic^ bad SSertrauen bed ^fal^grafen }u er« 
merben unb blieb üon je^t an in feinem Sienfte. Sr begleitete 
benfelben auf feinen ja^Ireid^en Steifen unb l^at auf biefe SQ3eife 
faft fämmtßd^e fiänber (Surcpad gefe^en. (Sr mar brei Mal in 
@|>auien, ffinf Mai in ^^ranlrei^, ein Mal in (Snglanb., ben 
iRieberlanben unb Italien, nic^t nt gebenfen ber ja^Oofen j^eu}« 
unb Quersäge in 3)eutf(^Ianb felbft, ba^ er üom äujserften SSeften 
bi« nad^ Ungarn l^inein, üon ©üben bi8 nac^ SWorben burc^ftreift 
^at. Mufig fd^idte i^n f^ebric^ auc^ ald @efanbten in politi:« 
fd^en ober )7erfönlid^en Slngelegen^eiten, unb er f)at, mie ed einem 
brauen ®icner gejiemt , faft jämmtlic^c Äörbc Vermittelt , bie fic^ 
fein gürft an großen unb Keinen §öfen bei gürftinnen unb ®rä= 
finnen geholt qat, bid ed i^m enblid^ gelang, bie Xod^ter be^ 
Vertriebenen Äönigö Stpriftian von ÜDäuemarf für feinen fd^on grau 
gemorbenen ^errn jur ©cma^lin ju ermerben -. SWit einer großen 
Änja^l ber bamaligeu 5Mtcn, mie Äarl V., granj I. von 
frantreid^, ^einrid^ VIII. von Snglanb u. a. ^at er baburt^ 
kranlaffung ju perfönlic^em SSerfe^r gel^abt, unb mir öerbanfen 
i^m fc^ä|endmert^e 9{a^ri^ten über btefelben, bie aQe in feinen 
ännaleu fjriebric^g II. niebergelegt finb. ©r mar für feinen 
fürften eine Art gactotum, bem man mit Vertrauen äße mög* 
liefen Slufträge geben fonnte ; befonberd ^atte er aud^ ba^ unbant 
bare ®ef^äft für bie Äaffe feinet dürften gu forgen, ber nid^t 
fparen lonnte unb beiS^alb nie ®e(b befaß. 

^ ^. Stomas SeobiuS, Ansal. de Tita et rebus gest. Friderici II, 
®. 85. 

* UcBet baS gl&naenbe- ^od^jeitdfeft g^rtebrid^d, toeld^eS in 6etbeIBeTg gc 
fetett toutbe, l^i $feiet ^axct, ebenfalls pfäljifd^ex Sehetdt, ber lefonnte äJer* 
f äffet ber ^ef^id^te bed sBauetnfriegd, ein d^ebid^t gemad^t. 9krgt meine f&tß 
meihtnoen barübet in ben gforfd^ungen XXD, 441 unb in meiner Gd^rift 
,3ut (gefd^td^te beS SBauemhiegg in ©übtoefibeuifd^lanb'' (<5tutig. 1884) @. 13. 

19* 



278 it. ^atifetber, 

3)tefei^ SBertrauenSDerl^ältniiS öttberte f^ erft, ote im $iafftt 
1644 gricbrid^ feinem finberlo« öerftorbcnen ©ruber Subtoig V. 
in ber äBürbe eined Surfflrfteu Don ber $fali folgte. $ubertuS 
blieb jn^ar anä) je|t nod^ im 2)ienfte ^riebridbi^ unb ift ed t)ti^ 
mnüflid) bid ju feinem 2:obe geblieben. Slber feine ^teOung gum 
»urfürften änbcrte fic^ , ba bie |)fäläifd^en SRätbe ben grembling, 
atö ber i^nen ^überlud (n^enigfteniS nadj feiner SSarfid^erung) 
ftetg erfd^ien, anf einbeten unb ben fturfürften beftimmten, i^tn 
feine n^id^tigen Slufträge me^r m geben. Sr bejeici^net ben p^äU 
j^fi^en ^anjler igiartmann aU feinen ^auiptgegner, ber bur^ feine 
viäntt i^noud feiner einflugreid^en ©teOung üerbrängte, o^ne i^nt 
jebod^ bie )}erfönlid^e @unft feinet fürftlic^en ©ebieterd rauben ju 
fönnen^ 2)od^ finb biefe flogen nid^t gu mörtltd^ }u nehmen, 
tt)ie tt?ir au8 einer Steige öon ©riefen au« ben So^ren 1551 — 
1554, bie bidber gänjlid| fiberfe^en n^orben finb, erfennen ^ 9[ud 
benfelben ergibt fi^, ba% er n^enigfteni^ in biefen 3al^ren n^ieber 
einen S^eil ber amtlid^en fiorrefponbenj bc8 Surffirften befor^t 
f)at @r üerle^rt beftänbig mit bem ^urfürften unb beffen m 
SuSfi^t genommenen Stac^folger, bem ^faljgrafen Ott^einric^, 
begleitet ben erfteren auf feinen 91eifen tvie e^ebem in bte 9}ä^e 
unb ^eme, unb n^enn er nic^t im ®efo(ge bed fiurffirften ift, fo 
bat tnn ^ranl^eit in ^eibelberg jurüd^gel^alten. ^riebric^ n. 
^atte feinen SRat^ Slnbread äRafiud, ber ebenfaUs ein l^ieberlönber 
ttjar', in ©efc^äften beS ©taateiJ unb ber Uniüerfität ^ibelberg 
nad^ {Rom gef(i|idt. 2)ie Angelegenheit jog fic^ in bte Sänge, 
unb bie jal^lreid^en ©(^reiben unb 3^nftrurtionen , meldte bed^alb 
nad^ 9iom gingen, n^urben burd^ jpubertui^ bef orgt, ber mit aßafiud 
felbft auf baiS innigfte befreunbet n^ar. AuiS ben ©riefen erfahren 
toir, bafe er in bie ®el^eimniffc beg ipofeg ein^ctoei^t ift. Sr bt^ 
rid^tet feinem greunbe in 9lom über baS ©efmben ber ffirftlic^en 
?ßerfoncn, i^re 9ieife}}Iäne unb bergleiAen, ingbefonbere fc^eint er 
bei Ott^einric^, n^eld^er n^egen bed ^o^en SSIterd f^riebric^d II. 
immer me^r Sinf(u§ am ^ofe ^etoann, erifol^rei^ um beffen @unft 
gen^orben ju l^aben. 'Und) mit bem )7fäljtfd^en ^auAler üerle^rt 
er üiclfad^, tt?ie mir bag an^ mel^reren ©riefen erfc^en. SEBenn 
er tro^bem über Slbna^me feinet &inf(uffeg unb ©eränbenmg 
feiner früheren ©ertrauenöfteDung flagt, fo bleibt eine boip^wltc 
(Srfläning möglid^ : enth)cber trat biefe ©erönberung erft im 3a^re 
1555 ein, bcnn fein lefeter ©rief, in teeld^em nod^ toon einem 
ßecretius negocium bie 9?ebe ift, trägt bnS 35atum beö 30. S)e« 
jember 1554* , ober eg bürfte öicfleid^t ^. beöl^alb unjufrieben 
gen^efen fein, bag er nid^t mel^r ber einjige unb ma^gebenbe ©e^ 

> Annales Friderici II, @. 258. 

* Epistolae Palatinae, l^td^eg. t>on 9(. Same^, in btx Acta Academ. 
Theodoro-Palatin. (= Act. Palat.) tom. VII. histor., ©. 302-394. 
» Act. Palat. VII, @. 303. 
« Act. Palat. e. 363. 



^tx ^tfiorifer .t)uBettu3 %f)oma^ 2iohmi. 279 

rotier feines f^rfiten tocxc. WSfcenb f^riebttd^ ü. in fetner ^dj« 

Sräflid^en 3^tt üor $. lein @e^imni| ffaite, xffm jegßd^e feiner 
[ngelegenl^eiten anüertraute unb ni^tö o^ne feinen ^atf) t^at, fo 
önberte ftd^ baS natürlich mit bem Sage, an loet^em f^riebrid^ n. 
na^ feineiS iOruberd Z^obe bie 9iegierung ber ^alj antrat. 2)er 
neue ^rffirft fanb in ^ibelberg eine n^o^Igeorbnete ftanjtei mit 
gef^&fti^Iunbigen Stätten unb anbem SBeamten üor, unb ed ift 
niAt ju t)ern)unbem, ba% er in aßen ©taatdangelegenl^eiten biefen 
fadpfunbigen SV^ännern ben gebfi^renben @inf(uj3 einrftumte. t!frei« 
Ixd) mu^te baburd^ ber frühere 83erat^er etmad in ben hinter« 
arunb gebrängt Serben ^ SSenn man aber bie ermähnten SBriefe 
iteft, lann man bie @d^itberung bed $. am Anfang beS 13. 
Su^ed ber Snnalen nur ol^ eine Uebertreibung , hervorgegangen 
oud einer Serftimmung bed ©^riftfteUerd, erflären: ab eo itaque 
die occlusi aores nihilqae de rebos suis percipere volai, nisi 
qnod e foro atque apud tonsores, at dicitur, ac- 
cepi et bansi. @agt ^. bod^ felbft, ba^ ber ^trfttrft ibn 
gelegentlid^ mit auf bie :3fagb nal^m , i^m freunblic^ juläd^eue 
ober i^m etmad ins O^r flüfterte. ^ndf übergab er i^m fein 
@e^eimf egel unb fagte i^m babei, t>a% n^enn er t^n megen feineiS 
Snterd auc^ ))on ben fonftigen @efd^öften entbinbe , er boc^ feine 
franjöfifd^e unb lateinifdbc Äorrefponbenj führen foße*. 

$ubertuiS l^at biefe SSeränberung in feiner ©teUung f c^merjlid^ 
em)>funben, unb er l^at bed^alb emftlid^ em^ogen, ob er bad Seben 
feineiS $errn über bai^ 3a^r 1644, baS 3aqr bed SÜegierungSan«' 
tritteis, ^inaud befd^reiben f oUe. ©d^Iiepd^ ^at ered bod^ getrau 
unb fein SBerl über gnebridb II. bi« furj üor beffen lobe fort«« 
gefe|t. Ueber feine legten iuebendjal^re gemSl^ren uniS bie oben 
em^ä^nten Epistolae Palatinae, meiere biiS ie|t für fein Seben 
gänjlic^ unbead^tet geblieben finb, einigen Sluffd^fu^. S)araud er^ 
gibt fid^ j. 18., ba| er aud^ in ber Ie|ten Qdt feinet Sebend 
itic^t üon 9?a^rungiSforgen frei gemefen ift, n^oran ^auptfäd^Iid^ 
bie gro^e Qa^i feiner ^nber fquib mar*. ®r gibt fic^ üielc 
9Rfi^e biefelben gut }u Derforgen, inbem er bie ^ülfe unb ben 
(Sinftujs feiner f^reunbe baju benu|t. ©ein @ol^n SriftiemuiS 
3foanneg ift Älerifer ber SBormfer S)iöjiefe*, unb ber Cater bittet 
feinen fjreunb SWafiu» in 8lom, bemfelben bei ber ©enjcrbung 

^ *S>Q% er iro|bem noA gefd^&ftlid^ ^uftrfige bed Ihttffitfkn au befot^ 
^tte, bar&Bet ))etgt ^u|^, Lycei Heidelberg, origg. (ßetbeCb. 1846) @. 45. 

' Ne tameD Mverterem aut aegre ferrem, (princeps) secretam 
sigillnm concredidit , dicens: se, oonsiderata mea aetate jam infinitis 
laboribus fessa et in seniam urgente, mihi remissionem a caeteris ne- 
gotÜB dare, tantum a literis Galliois et Latinis opera mea in posterum 
nti Teile, sna se curaturam, Gaesaris atque Granvellani Imperiis in 
potterum remissurum, sibique et suis victurum. Annal. ®. 259. 

' Gravor enim multitndine liberorum. Act. Pal. VH, 334. 

^ Clericua Wormaciensis diooesis. Act. Pal. a. a. O. @. 330. 
^eibelberg lag in bet ^id^^fe fEüotmi. 



280 .<?. .fTarttclbcr, 

um eine erlebigte ^frünbe in @)7eter bel^il^ic^ ju fein. Sie ba^ 
burd^ entftebenben ko\itn tuill er i^m reic^Itd^ erfe^en'. ^u& 
einem fpäteren Sriefe erfe^en toir übrigens, ba§ biefer ^lon nic^t 
gelang, unb im ^^^bruar bed Sat)xt^ 1552 bemühte fid^ Hubertus 
fixT benfelben @oI;n burc^ bie SSermittelung eined genyiffen $etTUd 
^ercicud eine $frünbe in SKainj ju erbalten ^. 

3ntereffant ift t^, bag unfer $. auc^ gu bem betannten ^u- 
maniften SBeatuS 9i^enanud, bem langjährigen f^eunbe unb fiteb- 
ling üon (Sradmud, SBejie^ungen ^atte'. (Sin S3rief, ber leiber 
unbatirt ift*, geigt, ba^ bie beiben äRänner gemeinfame »iffen* 
fc^aftlic^e Sntereffen Ratten. Sl^enanud, ber ein ütelgerüfimteft 
©efc^i^tdmerf unter bem %\tel Rerum Germanicarum Übri tres 
gefc^rieben ^at, lei^t üon i^m ein fßnd) unb üer^anbelt mit \f)m 
einge^enb über t$^^8^^ ^^ @efd^id^te unb ZopoQxapffxe ältefter 
3eit in ben Ä^einlanben. 

3n ber legten 3^^* f^ine« fiebenö fc^eint er mit ben ®e* 
(e^rtenfreifen ber Unioerfitätdftabt regen ^erfe^r unterhalten gu 
^aben. 3R\t ffoiiex Slnerfennung fprid^t er in einem SJriefe üom 
30. Segember lö54 ton ber geteerten Olympia äRorata, ber ©e- 
ma^Iin beS äRebiginerd ©runtler : Olimpia cum suo marito apad 
nos agit, vere digna mulier, quae inter lyricos reponeretor. 
Male habuit aliquamdiu, sed faventibus Musis et Apolline 
convaluit. Venit autem ad nos nuda et omnibus libris spo- 
liata, quam tamen Princeps elegant! veste donavit. Ex Ba- 
silea boni viri cotidie ad eam libros mittunt \ 3n ben Hn^ 
naien meint er, man muffe Dl^mpia atö ®appi)t) begeici^nen, koenn 
man il^ren 9in^m ma^r^eitSgemäg begeid)nen n^oQe^. 3n tyn^ 
trautem SBerfe^r fd^eint er mit bem befannten §umaniften ä)ii« 
c^lluÄ, bem Siebter ber Sylvae, geftanben gu ^aben, ber feit 1547 
gum gh>eiten äRale bie griec^ifc^e ^rofeffur in ^eibelberg befleibet 
^at^ $. t^ei(t bemfeloen Spitap^ien mit, üon tuelc^en ber ge^ 

^ Sumptus liberal isBime refundam. 

" Act. Pal. ©. 334. 

^ ^tgt. übet bcnfelBcn mehrere arbeiten toon ^otatot^ in ben ®t|^ung3s 
berieten bet SBienet «labemic (p^il.'^ifl. I^Ioffe) »b. LXX-LXXD (1872) 
unb aSb. LXXVÜI (1874). 

* (Mieg) Monumenta Pietatifi et Literaria (Francof. ad. M. 1701) 
<S. 274. 3Die 3citbeftimmung ift auä^ nid^i too^I nad^ ben ^nfanadtootten 
bed iBttefeS au madben, too $. fagt, et fei eben auS Spanien aurüdgele^, ba 
et btei tüal in biefem Sanbe getoefen ift. 

* Act. Pal. a. a. O. 362. ©tuntlet unb feine (S^ental^lin l^atten butd^ 
ben SStanb t)on Sd^toeinfutt i'^te gonae ^abe eingebüßt. 

* Annal. Frider. @. 292: Doctor Andr. G., cujus uxor Olimpia, 
si laudes recte dicere velis, Lesbiam Sappho yere diceres. $etgl. aud^ 
^u^, ®ef(^. bet Xlnibetfttat ^eibelbetg I, 172. 430. 

' Caenatus est hao nocte apnd me . . . Mycillus. Acta Palat 
0. a. O. 6. 862. 3^ic beiben »iogtortcn be3 ÜWic^ßuS 3. (Hoffen (3. W- 
c^ttuS. 8?tflnffutt Q. m. 1859) unb 3- 8f- ^öwt t3- anic^H«?. ^eibelbetg 
1842) tl^n bie{et SBe^iel^ng feine iSttoftl^nung. 



Ittx ^tflonfer ^iiBertud Zf^omai Seobiu^. 281 

toonbte ^umanift emei» in latetnifd^e Serfe fiberträgt ^ S)od^ 
ttmren biefe XoQt anjic^enben geifttgen ^evUiftt^ in ber (e^ten Qtxt 
»ieber^olt burd^ ^anfl^eit getrübt. SRe^rfad^ Ragt er in ben 
Briefen an äRafind barüber : bie f^tnger üerfagen i^m ben S)ienft, 
fo ia% er nic^t fc^reiben fonn; er leibet an ßoipff^merjen u. 
bergl *. 

2)ad Zobedjabr bed $. ift nid^t befannt. S)od^ bfirfte er 
1555 ober in bem erften ^onat bed Satfx^ 1556 geftorben fein, 
furg üor iJfriebrid^S 11. lobe, ber am 26. Februar bicfeö 5abrc8 

Seftorben tft, unb üon beffen Xobe ^. nid^td me^r erjä^It. 5E)enn 
ie Angabe aber ben Xob bed ^urffirften in ben 8(nnalen ift auiS 
@Ieibaniti^ entlehnt, blod am Stanbe beigefügt unb ftommt üer^ 
mut^Itd^ i7om Herausgeber. . @d ift aber an}une^men, bag er ben« 
felben nod^ er^ä^It ^ätte, toenn er felbft nic^t üor^er geftorben 
toäre, ba er feine (Sraä^Iung bid na^e an biefen 3^it)}unft fort:» 
geführt ^at. 

93on feinen @ö^nen ift aujser (Sriftiemud Joannes, bem fc^on 
ertoä^nten Kleriler ber SBormfer SiSjefe, nod^ einer gu erti)ä^nen, 
n^el^er Kaufmann aemefen ju fein fc^eint ; menigftenS gelingt ed 
i^m burd^ Sermittelunp ber t^ugger eine ©teQung in (yrannreic^ 
gu erl^ahen^. (Ein tt^etterer @obn, mit 9Iamen 3anud 3uliud, f)at 
oem betannten ^iftorifer Tl. ^re^er bai^ äJ^anufcript mit ber 
2)arfteDung bed Sauemiriegd übergeben, n^elc^ed biefer im britten 
SBanbe ber Scriptores rerum Germanicaram gum 9[bbrud( ge« 
brad^t f)at^. 

(Sine f^manfenbe @teDuna nimmt ^. gu ber grogen f^ra^e 
bed Sa^r^unbertiS , gur religiöfen, ein, au^ barin übrigend etn 
treuer S)iener feine« Jperm. ^falggraf gnebrid^ n. mit feinem 
Reitern pfälgifd^en 9!atureQ unb feinen abenteuerlichen $Ifinen ^atte 
»enig ©inn für rcligiöfe ®egcnftänbe, unb obgleich i^n ftaifer 
Roxi V. , aDerbin^i^ aud rein i>oIitif ^en ©rünben , burc^ ba9 
(S^enpräfibium bet bem 9leIigiondgefpräd^ gu SEBormli 1541 auS« 
getd^nete unb ber $f alggraf ba« Souoquium aud^ mit einer fc^Snen 
lateinifd&en Siebe" eröffnete^, fo »erhielt er ftc^ bennod^ gu ben 
reßgiöfen t^ragen gleichgültig , unb toenn bie« aegen (Snbe feine« 
ßeben« anber« ttjurbe, fo bürften politifc^e Sifictfidpten babei mag* 
aebenb gemefen fein*. $. f^eint in biefem fünfte feinem $erm 
fe^ ä^nlic^ gewefen gu fein. 8u« ber SJarfteBung in feinem 
^foapttDzd, ben Slnnafen, läjst fic^ leine beftimmte Angabe ge« 

^ Act. Pal. @. 840. 2)afelbfi fd^etnt mix Hirlerus ein Sefefel^Iet für 
GirleruB au fein. 9)et(|I. Corpus Reformatonim IX, 961. ^au^, ®efd^id^te 
bet 9Mhtf4uIe in ^ibelbetg ($cibelb. 1849) ®. 88. 

* Act Palat. a. a. O. S. 357. 858. 

* a. a. 6. 329. 

« SkrgL baffeiae, ed. StraviuB ( Argen tor. 1717) G. 284. 

* Annal. Frider. D, @. 242. 

* mttothi, .«ef^. b. cMing. Stxx^ in Saben I, 841. 403. 447. 



282 St. ^attfelber, 

mintten, ju toddfex religiöfen S[nf(^auung fiA $. hdanni hat, im 
®runbe tDo^I ju feiner emftlid^. (£r l^at toeber für ben Aat^oIU 
diSinui^ itoc^ ben ^roteftantiMud ein gemfit^Iid^ed 3ntereffe. ©eine 
3)arfteIIung toixb atx fold^en fünften, tod fie bie religiöfen f^ragen 
ber 3eit fireift , nid^t lebhafter. 9EBenn boi» ©efolge bed ^fal}^ 
grafen tpä^renb bed Slufent^alted in (Spanien ber Snqutfitiim 
megen i^rer angeblichen fte|eret i^erbäd^tig tt>irb, fo f)at bagu ^. 
getoi^ feine SJeranlaffung gegeben. (Sr unb fein fnrftlic^er &t' 
Dieter laffen fid^ ftetö burd^ realiftif^e unb |)oIitifd^e, nic^t burc^ 
religiöfe Siiicffid^ten leiten, n^ie bad mit anerfennendn^ert^er Offen- 
]^t in ben 9nnalen bargelegt ift. Sd finb feine n^etteren @^Iäffe 
baraui^ ju }ie^en, n^enn er erjä^It, bag er burd^ bie Sieben ber 
proteftantifd; geftnnten Königin üon 92aDara, ber f^reunbin unb 
fflef^ü|erin üon gaber @ta|)ulenfig, ,,munberbar erquirft** tourbe *. 
Sd l^at i^m }u anbem Briten an fat^olifcben ^öfen unb in fat^o:s 
Itfc^er @efellfd^aft nid^t to^eniger gut ^efaUen. 9ud^ fein äJerfe^r 
mit afi^enanud, ber feit bem 8auemfrtege 1525 ben Soangdifd^en 
immer abgeneigter mürbe, fpridrt ni^t für eine audgefprod^en pio» 
teftantifd^e ®efinnung. 3)abei ^atte er gn^ar eine entfc^iebene Stei- 
gung gur jhitif, n^ie feine mit bem turfürftlid^en SeibargtSang ge^ 
meinfam vorgenommene Prüfung bed angeblid^en ®rabeiS Don Sto- 
lanb in 83{a^e geigt '. Sluc^ flingt eiS f e^r proteftantif^, totnn et 
in ber f(einen ©d^rift De Heidelbergae Antiquitatibus üon 
Sutl^er fprid^it ald bem Bevocator verae Religionis , quae jam 
diu neglecta jacuerat et obsorduerat. 9u^ ber freunbfc^aft- 
Ii(^e SSerfel^r mit ben ®ele^rten in bem unterbeffen eDangelifd^ 
gen)orbenen ipeibelberg bereift n^enigltend foDiel, bag er um biefe 
iyeit fein ftrenger %nl^änger bed i^at^olicidmui^ n^ar. 3n ben 
99riefen an ältafiui^ aber bittet er einen ®rug an ben ftarbinal 
^ß^inud gu befteüen, unb bie untert^änige 9[rt, n^ie bied ge- 
fd^ie^t, beh)eift, bag er minbefteni^ um baiS 3a^r 1552 fein ftrenger 
^roteftant mar: Keverendissimo domino Cardinali Pighino me 
humiUime commendes vehementer rogo, ita ut intelUgat, 
quod unum possum, me cotidie aDeo opt. maximo Buae cel- 
situdini incolumitatem et prosperitatem optare, et praeterea, 
ut aliqnando faxit, quo adhuc paternitatem in vita semel 
illam poBsim adloqui, et jucundissima illius consuetudine 
frui, tum demum laetior moriar^ Sßer in f old^er SBeife 
fid^ einem ber l^ö^jten SSSürbenträger ber fatbolifd^en ^d^e em- 
tofie^It, toer einen ^ol^n ^at, ber rat^olifd^er Wierifer ift, unb für 
oenfelben m^tn einer guten $frünbe toieber^olt nad^ 9iom fc^eibt, 
fann unmögdd^ für einen guten ^roteftanten erf(ärt Serben. SBir 
t^un gemig i|^ubertu8 fein Unre^t, menn mir feine ©tedung gur 

^ Ctjas («c. reginae) dootissimis de re theoloffica disputationibna 
miram in modam reoreabar qnotidie. Ann. Frid. II, 6. 1^. 
» a. a. O. ©. 5*. » Act. Palat 6. 840. 



fiix ^tflotifer ^^uBerttte 3:i^oma3 SeobtuS. 283 

aidigion ate ben ©tanb^>unft ber Snbtffcrcnj bcjci(^ncn. Sr ^ot 
fein innere« Set^ältni« gut religiöfen grage ber gcit, unb rein 
tt^eltlid^e Sntereffen bebingen feine Stellung. 

S)ie teic^tigfte feiner Schriften, bic exnjige unter aflen, ttjcl^e 
ani) ^ute nodp bem $)iftori!er unb nod^ nie^r bem Äultur^ifto:^ 
rifer unentbeJ^Ii^ ift, finb feine Annales Palatini libris XIV 
continentes vitam et res gestas dn. Friderici IL comitis Pa- 
latini Rheni, ©d^on im So^re 1606 toar einSCüieil beS fecl|8ten 
JBud^eg ate «n^ang ju ber ©rieffamnriung beö SRicotouÄ ßle^ 
norbiiS erfd^ienen*. fieiber gibt ber ßerau^geber keinerlei Äu«* 
fünft über bie üon \f)m benu^te ^ön^d^rift, ni^t einmal beren 
8lufbett>a]^rung8ort ift genannt. 2)ieÄ gu toiffcn tt)ürbe aber beS* 
l^alb üon SBert^ fein, toeil ber lejt fe^r jal|lreic^e »btoei^ungen 
t)on bem im Sa^re 1624 veröffentlichten auftoeift. find) ^re^er 
l^ötte bie JBebeutung ber ©d^rift erfannt unb ba« erfte 83u^ ber^ 
felben in ber a})penbij be« erften J^eite feiner Origines Pa- 
latinae öeröff entlid^t , o^ne baß toir njfißtcn, »arum ber uner* 
mäblid^e ^erauiSgeber fo t)ieler anberer ©d^riften nid^t auc^ biefe 
ganj burd^ ben 3)rudt befannt gemad^t ^at *. ©n glü(flid^er3wföö 
rettete bie ©anbfd^rift, baß fie nic^t in ber bibliotheca Palatina 
nad^ ber @robenmg ^eibelbergS burd^ %xü\) fiber bie 9(pen nad^ 
dlütn toanberte^. ©n unbefannter Herausgeber üeröffentlid^te bie* 
fclbe in fjranffurt 1624 in Duart, inbem er nod^ jtoei »eitere fteinc 
©(^riften beS Hubertus anfügte. %xoii ber SBirren be8 breifeig^ 
jährigen ÄrieaeS fanb fid^ fdpon nad^ toenigen Salften ein Ueber* 
fe^er, ber fi^ $artmannu§ SR^ricianud ©alinator nannte, toai 
öermutl^Iid^ ein ^feubontom ift. 3)ie Ueberfe^ung crfd^ien nnter 
bem Xitel: ©^^iegel bed ^umord @roffer Potentaten, ^nsufd^an^en 
oorgeftellet in ber Sefc^reibung be« fiebenS üon ber Regierung 
»eilanb ^falggraffen griebrid^en beö «nbcrn, (S^urfürftenft ac. 
1628 bei §. ©teinmann in ©d^Ieufingen. 2)er Qtoed ber Ueber*» 
fefeung tpar ein bibaf tif d^cr : ba bie ^iftorifer nad^ ber SKeinung 
üon äte^ririanu» ©alinator il^re SBerfe üerf äffen , um „ber ^ofte« 
ritet unb ben ^aäftommm bamit ju frommen'' , fo loiU er t^nen 
bie SRfiglic^teit geben, „fleißig auf bai^ SBorige ad^t gu geben''. 

^ Nio. Clenardi epistolarum libri duo. His accedunt ezcerpta ex 
Htiberti Thomae Leodii Annalibus de vita Friderici II. Comitis Pala- 
tini etc. HanoTiae 1606. 2)tefe 9h)ita üBet (SUnaxbni t>tthanU i^ bem 
l^onbf^tiftlid^en 9{ad^Ia6 be3 toetflotbenen f&t^-'&ohai^ St. Sf. SSietotbt auf 
bef ^etbelBeran; UnikievfttaidHBIiot^e. 

' Set ueSecfe^er SR^ttctaitud Salinatot meint , et f^U babutd^ „faft 
aUen (Mtffttm ha» ^atü tofiffetig gemad^t". 

* Fors fait an fortuna, dum nuper bibliotheca Palatina, toto 
erbe Christiano oelebris, ezpngnata direptaque urbe Heidelberga, cum 
maximo Oermanicae gentis dedecore trans Alpes ad triumphnm rape- 
retor et Vaticano deo conseoraretnr , qnod hi annales bono eventa 
tanquam ex inoendio Trojano conserrati fnerunt. SDottebe bed ^erou§s 
geBetd. 



284 P. I^atifelbet, 

(Sd flefc^tel^t ja nad) ben äEBorten ©alomomd n\ä)ü 3ttue» unter 
bcr ©onnc. „S)cnn e« ift unb bleibet ber alte Xanj in ber SaSdt, 
einerlei Sorfpringen unb SRad^f olgen , einerlei ©pieHeute unb 
^a^meifter. SWur bie ?ßerfonen üeränbem ficft unb fonnnen m 
neuen äRuftem aufgegogen. @o n^irb and) ju Seiten ettoaf^ lieb^ 
fidler unb anmutiger gum Xange geblafen, afö ettt)a in t^oriscn 
3eiten l&at fein fönnen''. 3)a8 Srfd&einen einer Ueberfefeung unb 
bie ^ott) bei» SOiä^rigen ^ege« bärften bem S(bfa$ bed lateini« 
fd^en Zqcte^ ©d^aben getrau ^aben, benn bie neue Äui^gobe, 
toddie 1665 bei SBaed&tler in ^^anffurt erfd^ien, bfirfte reine 
litelauögabe getoefen fein. Dbglei(^ ber erfte Herausgeber Der* 
ftc&ert, Daß er ben lejt mit bem nöt^igen SRefpefte be^anbelt 
l^abe, fo flagt bod& fd^on ber Ueberfe^er, baß bie „^iftorie burt^ 
Unfteig ber Umfc^reiber üerfälfd^t unb üerberbt toorben fei". 3)er 
befannte ^iftorifer Soanniö im toorigen Sal^rl^unbert ^attc bie 
9(bfi(^t, eine neue Hudgabe bei» SBerfeS gu üeranftalten , unb bie 
lateinifd&e ^anbfd^rift 9?r. 819 ber aWfin^ener ^of:^ unb ©taat«:: 
bibfiot^ef enthält bie fleißigen SBorarbeiten baju*. ©obann f)at 
ein anonymer ©c^riftftetler bie Ännalen für einen »eiteren fiefer^ 
frei« Ijoputär juret^t gemadftt unb im Sa^re 1816 in ber 3^*- 
fc^rift „Suriofitäten" mit erflärenben Änmerfiingen üeröffentfit^t *. 
Siac^bem fd&on fi. liecf unb gr. ©d^Iegel i^r Sntereffe ber ©c^rift 
j^ugetüanbt Ratten, tourbe eine üerfilrgte beutfd^e {Bearbeitung ber^ 
felben burd^ 6b. üon SSüloto üeranftaltet unter bem litel: 6in 
^firftenf|)iegel. 2) enf toürbigfeiten be» $f aljgraf en * Äurffirften 
fjriebrid^ Ü. bei ?Rbein (»re«(au 1849. 2 aänbe). 

Ate Hubertus feine arbeit abgefd&Ioffen ^atte, überreid&te er 
pe feinem (Sönner griebridö 11. unb fteÖte beffen Urt^eil e« an* 
6eim, ob bie ©dftrift fortbeftel^en ober. in baS geuer toanbem foDe. 
S)er Äurfürft fd^eint bamit jufrieben getoefen gu fein, inbem et 
biefelbe nid^t gur SSernic^tung t^erurt^eilt ^at. 3)a fic^ feinde 
fJIeiSe« jebermann rühmen barf, fo fonnte Hubertus in ber SJe^ 
bifation«et)ifteI ol^ne ©elbftüber^ebung fagen, baß i^m feine ©d^rift 
üiele aWü^e gefoftet babe. SBenn er' femer üerfic^ert, er l^abe üon 
ber Sugenb beS Äurfürften an nichts übergangen, 'quod ad boni 
principis institntionem attinet \ unb augerbem ftnbe man in ber 
S)arfteDung einen guten S^eil ber ©ef^ic^te ber Q^ii, fo pnb ba* 
mit bie gtoei d^arafieriftifd^en ©genfd^aften feiner ©arfteDung ^er* 

• 

^ (h Benutz befonbevd a^^ Slanufctt^ie , bte et cod. Thomaeii unb 
Senckenbergpi nennt. — S. SbdKnget, üebet dlittt ^trbetten aur Boitifd^n 
unb pf&Iatfd^ ®efd^td^te I (9[b^anbluna b. l^tflor. i^laffe b. Wmd^tx 9Rft* 
bemie XIV. III. Wftk, 6. 83) toetfi eine ^anbfd^ttft M 16. 3al^T^. m^, 
toeld^ aber tm:fifimmelt ift. 

* S>et Xitel lautet: «Ibenteuet, gfal^tten unb SRetnunfien M $fälatf(|en 
9latl^ unb (Be^tmsSd^tetbetS ^ubevt X^omad, unb feined gnftbtgen $«nn 
(Guttofitftten bet pl^^ftfd^.literatifd^satttfHfdb.biftorifdben »ot« unh Wüifdt 
mimat 1816. »b. V, S. 195. 283. 405). 



ttx f)tftorifct ^iibcttu* lf)oma8 ßeobiu«. *Ji^5 

k>otge^oben. (Sd tft titelt bloiS eine ISrjä^Iung bed k)te( betoegten 
SebeniS üon ^ebric^ II. , fonbern awd) ein anf^aulic^ed unb (e^ 
benbige« 3^*WIb an« bcm 16. Sa^rl^nnbert. 3"flW^ if* c* ^^ 
fd^dned S^^d^^^ f^^^^^ treuen unb juüerläffigen S^arafteriS, ber 
tro| ber erfahrenen Qnxnd^c^im^ , bie Don i^m üieüeic^t allju 
ernft genommen mürbe, ed hod) über fic^ üermoc^t ^at, bem Der«" 
ehrten ®önner ein folc^ed biogra^^ifc^ed ^enfmal ^n errieten. 
„SBaÄ biefer fd&lic^te, biebere ÜJJann", fagt Submig i^äuffer, „im 
'5)ienfte bed Äurfürften Üubmig V. unb jjriebric^ IL, me^r S3er^ 
trauter benn ate ©ecretair, erfahren, mit burc^Iitten unb gefe^en, 
ha^ f)at er un8 mit ber Irene be« f)iftorifer8 in ber unge* 
fc^minften SBeife feiner 3^^* fotgfam aufge^ieic^net". Sr nennt e« 
„eine trefflid^e Queue ber innern S^ftänbe", „bie in ber nid^t 
fel^r biegten ^ei^e beutfd^er 3)enfn)ärbigfeiten eine e^renüoDe @teQe 
einnimmt" \ 3^9^^ fc^eint eÄ eine burc^auö freimiHige , feine 
Dom f^firften beftedte SCrbeit ju fein. 3)er noc^ junge J^ubertuS 
^atte in ber SBorrebe jum 99auernfrieg ben ©ebanfen audge^ 
fproc^en, ^iftorifc^e ® arfteUungen , in meieren auc^ bad Sob i>on 
3fürften oerlfinbigt »erbe, bflrften feine beja^Iten, fonbern müßten 
frettüillige Arbeiten fein, ba fonft bie ©efa^r ber Unma^r^t unb 
ber ©c^meid^elei na^e lieget &^ ift erfreulich, bag audf ber alt 
unb tranf gen^orbene äßann biefem @runbfa| feiner ^ugenb treu 
geblieben ift. 

Z)ie ^auptqüeüe für bie Slnnalen tuaren bie Sriebniffe ^u^ 
berti^, ber ein 2;agebuc^ geführt ^aben muß, ba aud^ baiS befte 
@ebfid^tnid nid^t im @tanbe gemefen fein n^ürbe, biefe bunte Sßan« 
nigfaltigfeit üon @rlebniffen unb äBanberungen rid^tig feftju^alten. 
SBenn er aber auc^ feine eigenen 8(ufjeic^nungen bei feiner S)ar^ 
fteOung }u @runbe legte, fo *f|at er hodi nod^ anbere ÖueQen bei« 
gebogen, ^flr bie einleitenben Sbfd^nitte ^at er befonberiS auc^ 
bad bamate nod) ungebrucfte Chronicon Laureshamense benutzt, 
unb t^e^er ^at bed^alb and biefer mert^ooOen ©efc^ic^tiSgueUe 
bie in S^ag« fommenben Äbfd^nitte berfelben an^angdtoeife bem 
erften ^nd) ber 9[nnalen in feinen Origines Palatinae beigefügt \ 
S3et feinen na^ iBejie^ungen }um ipof fonnte ed i^m and) an 
fonftigem }uüerläffigen äKaterial nic^t fehlen, unb bei feinem reb^ 
iid^en ©treben na^ SEBal^r^eit l^at er gemijs baüon ®ebraud^ 
gemalt. 

> «ef^id^te bet t^intfd^ $fala I, 568. 

' Exiffo enim gratuitam, doq conductam operam , in hujuimodi 
negotiis. Gondactum enim scriptorem ex animo conducentis Bcribere, 
etiam praeter veritatem interdum et adulari necesse eit. Freheri 
Script. Rer. German. ed. Struvius III, 286. 

' Ed. 1613. Appendix aum etflen ^^il ®. 28. Sletn^tb (Beram- 
Patat. Script.) ^^at fie S. 438 -481 lotebet ab^ebtudPt. UeBex biefBenu^ung 
einet anbem CueQe t»etgl. 9ianfc, ^eutfd^e @efätd^te im 3^^^^^^ ^^ tRcfot« 
mationIIl^ 142, unb ba^u 0. SBalft, £ie ^erdl^imct (Sl^ronif @. 101, 9lnin. 1. 



286 Ä. .f^atffelber, 

l@tel tueuigec mxä)\)oti bagegen ift bie fd^on erlüä^nie anbete 
©d^rift bcS SScrfaffcrg, feine ©rjä^Iung bc8 SBanemfriegeS (Sedi- 
tionis rusticanae historia)*. ©ein greunb 5ßetcr §arer, für* 
Jjfätjifd^er ©cfrctär, ^atte eine 2)arftenung be« ©auernfrieg« Don 
1526 Derfafet. Um biefe anä) bcn anbcm Stationen üerftänbli«^ 
ju mad^en, fertigte $. eine lateinifc^e Ueberfe^nng an, unb jn>ar 
noc^ im 3a^re 1525. @r trollte bamit jugletd^ ber üielüernom* 
menen Ätage entgegen treten, baß feit alten QAteti bie Saaten 
ber friegertfc^en 3)eutf^en feine SDarfteßer finben. S)ic lieber^ 
fe^ung ber ©c^rift mürbe jugleid^ }n einer ßärjung, ja )u einem 
SluSjug aui^ ^orer , ber nur gegen bad @nbe mehrere eiqent^äm^ 
Keinen Slotijen bietet ^. SBenn fd^on §areri5 SBerf mit Der 3^^ 
fobalb erft einmal aQe Slften nnb ftorrefponbenjen über ben ^au- 
emfrieg gebrucft finb, entbe^riid^ fein unb ^öc^ftcnS nod^ SBertb 
für bie ©efdftic^te ber $iftoriogra:p^ie ^aben toirb, fo gilt bai^ nod^ 
in l^ö^erm Orabe Don beg SeobiuS ©d^rift. 

SBon größerer öebeutung ift eine anbere ffeine ©c^rift bc^ 
SeobiuS, feine ©arfteHung beö Seben« Don jj^anj Don ©idingen. 
De Francisci a Sickingen eq. rebus gestis seu potius ansis 
et calamitoBO obitu historiala'. yiadj ^ranj Don ©idingenö 
Xob iDurben bie in ben beiben ^uptfd^Iöffem Sbemburg unb 
Sanbftu^I gefunbenen i^orrefi^onbenjen nac^ ^eibelberg gebrad^t, 
um bort gefid^tet, Dert^eitt unb nötl^igenfadi^ aud^ aogefc^rieben 
}u »erben. Wlan f)at Dermut^et, baß bei biefem @ef^äfte Hu- 
bertus bet^eiligt getoefen ift*. 

3n biefem 2fatte mürbe unfer ©^riftd^en, ju toeld^em „er 
über Dueflen erften JRang« gebot, eine fjrud^t biefer fid^tcnben 
3:]^ättgfeit fein", «n ber J^atfäc^Iic^feit ber Don i^m gefc^ilber- 
ten 93orgänge läßt ftd^ im ganjen nic^t jmeifeln. ©c^reibt er 
aud^ ni^t als Äugenjeuge, fo bod^ aU unterri^teter Qextatnv^t. 
„2Rit bem milben urt^eif, bem aufrichtigem (Seba^ren be« lieben«* 
mfirbigen fiüttid^er« Derträgt ftd^ ein entfc^ieben furpfäljif(^cr Bar* 
teiftanbpunft" *. (Sr meint, bie SBo^Itl^aten be« })fäljifc^en Äur^: 
fürften feien bei fjranj an fein banfbareö ®emütl^ gefommen, »ic 
ber !lu8gang ^ele^rt qabe®. 

©eine antiguarif^e ©ele^rfamfeit ^at §. in einer fleinen Äb^ 
^anblung beroielen : De Tungris et Eboronibus aliisque infe- 
rioris Germaniae popolis, meldte auf bem Xitelblatt atö nü|Ii(^ 



^ (Kebtucft Bei gfrel^et in ben Scriptores Rer. Germanicarum. Ed. 
StruTius (Argentor. 1717) HI, 283-294. 

> ed^&fet, 3)a9 SBer'^SItnig bei bret (S(efd§td§t§{<|reibet 3C. ®. 42. UeBer 

Sater l^be id^ auSfül^lid^ Qe|anbelt in meinem $ud^e «3ur (S^efd^id^ie be3 
auctnIrieaS* (©tutta. 1884) ©. 4-14. 

* ©ebtttcft bei ^te^ a. a. O. III, 297-806. 

* O. SBal)^, 2)te ^etdl^tmet C^oni! {2t\pm ^^74). (SM. S. ix. 
» 9BaI^ a. a. O. @. z. 

* Freher, Scriptor. Rer. Qenn. ed. StruTioa III, 801. 



Set ^i^OTÜft ^tiBettit^ Tf^omai ficobmd. 297 

für btejenigen bejei^itet tft, totldfc Söfari» gaUifd^en Strieg red^t 
toerfte^en kpollen ^ SS ift f aft rü^renb )u (efen , toenn ber üiek 
befd^äftigte 9ßann in ber iBorrebe erjä^It, ha% er feine @c^rift 
in hm SBhrt^^äufem üerfo^ ffdbt, mä^renb man bie Steife« 
Pf erbe f(^irrte ober bad Sffen juri^tete, jeben freien Sngen« 
blid Aur Srbeit benfi^b. Sud berfelben IBonebe ergiebt ft^ 
aud^ feine iBelefen^ett in ben gleichseitigen ©c^rif tfteDem : mir 
boren ba t)on S3eQtud 9i^enanud an^ ©c^tettftabt, Slegibiud Xfd^ubi, 
arcetinud unb SUt^amer. Sin ftattlic^eS Serjeid^nid Hoffifc^er 
unb anberer Tutoren, bie er für feine S)arfteQung angezogen Ifat, 
fc^Iiegt bie (Einleitung ab. 

fiolalaefd^icbtli^en äBert^ ^aben jmei Keine @d^riften, meldte 
ber lateinifd^en nudgabe ber Annales Friderici angehängt finb: 
De aedificiis illustrissimi principis Friderici comitis Palatini 
Rheni etc. über Bingularis (@. 293 — 295) unb De Heidelber- 
gae antiquitatibus (@. 295—298). 3n ber erften ©c^rift finb 
einige oon ben ja^Ireic^en 83auten auf gejault, meldte ber prad^t^ 
liebenbe unb i^erfc^n^enberifc^e ^^riebrid^ U. aufgeführt ober er^ 
neuert unb audgebeffert ^at. £eiber ^at |). bad SBergetc^nid 
ni^t ooDftänbig gemacht aud einem faum ju oiQigenben @runbe \ 
SEBir erhalten 9uffd^(üffe über ^Bauten ju yitmtiaxtt, ßeindbur^, 
2)einfd^loang, fiauteriSbofen, Dad^d^olber, bem ^ettenbü^I ju ^ei« 
belberg', 9leu^6)lv% Ofriebrid^i^bütit unb SBiUig^eim. 

nnd) bie anbere @c^rift über ^eibelberg tann feinen ^ol^en 
SSertb beanfpruc^en^. Qtoax betoä^rt fic^ aud^ ^ier bie befonnene 
unb rritifc^e 8rt bed ^., n^enn er gleich am Anfang biejenigen 
abtoeift, meiere $eibelberg f(^on in ältefterß^it bei ben naffifc^en 
$lutoren finben moOen, benn ^eibelberg ^abe jur 3.^it beiS $toIe« 
mäud überl^aupt noc^ nid^t ejrtftiert. nte Cuelle, bie er für feine 
S(rbeit benufet ^at, giebt er bie üermutl^Iid^ nur ^anbfd^riftlid^ 
e^iftierenbe Sd^rift eined gen^iffen iBerger an, ber in ^eibelberg 
lebte, ate $. guerft ba^in (am, b. f). alfo 1520, unb bie 9ie< 
ftrftate feiner SRac^forfd^un^en unb @tubien forgfam aufgejeic^net 
^atte. Uebri^end finb bte Angaben über bie ju Steuen^eim, 
^anbfd^ud^dbetm unb Sabenburg aefunbenen römifd^en SHtert^ümer 
nic^t o^ne SBert^. Sluc^ entfpriqt ed ber äßa^r^eit, n^enn gefagt 
mirb, baJ3 jur Stbmergeit ^eibelberg noc^ feinen 97amen gel^abt 
unb bafelbft nur t^on milben gieren ben^o^nte SEBälber gen)efen 
feien, üni bemfelben Sdndje tfjAlt er aud^ bie@age üom SßoIfiS^ 

^ «ebtudt mit faifetXid^em ^Dilegiitm 1541. 

* Sunt et BÜa aedificia ab eo constructa, qaae commemorari non 
pigeret, n-isi timerem me modum ezcessiBse aut antea Palatinatnin 
nifiil fuisae dioi possit 

' ^ne l^ktmut^ung botübet, toeS^lB tott fo toettig SBic^ge» ftc bii 
^efd^td^ be$ ^eibelbetget e^IoffeS botouS etfol^un , bei Stofenbera, €tteUen 
a«t «efd^id^tc bed ßeibelbetget Gd^Ioffed 6. 89. 

* mthex Qbgebtucft bei Steinl^tb, Rerum Palatin. Scriptor. 1, 480 - 4S7« 



288 St. .^attfclbrr, 

brutmctt unb ber Sctta mit. Äeinc btefcr bciben d^romfattigen 
3ufammenfteKunäen betrat^ burdi t^rcn ®e^alt, ba| fic üom ®cr^ 
faffcr bcr Annales l^crru^rcn. 

Slm @^tuffe bed S9anbeiS, toeld^er bie ^La^^abe ber Annales 
Friderici H enthält , ftc^t an^angi^tocifc (©. 300—303) eine 
fuTje ©c^rift mit bem ^itel: Cbronicon breve civitatis 
Heydelbergae. Dbgleid^ bicfelbe itirgenbö in bem ^xude 
bem %f)oma^ ^ubertud }ugef^rieben toirb, fo glaubte man boc^ 
aui^ bem Umftanbe, ba^ ba^ Cbronicon unmittelbar an brei 
Schriften bed ^ubertud fid^ anfc^Iiejst unb einen t^ertnanbten 
©egenftanb bel^anbelt, folgern ju muffen, bafe baffelbe ebenfaSs 
ein aSerl beg |)ubertu8 fei. ©o öerjeic^net j. ®. ©d^fifer boö 
©d^rift^en unter ben Arbeiten unfere^ Serfafferö '. 3)aÄ Cbro- 
nicon enthält in lateinifd^er ®pxadic bie ^ufammenfteÖung einer 
8iei^e üon S^atfadjen, bie fic^ auf §eibelberg begießen unb bie 
Sa^re 1225—1582 umfaffen. ©ne genauere Seftüre ber ©c^rtft 
mu|te aber fd^on beiS^alb SBebenfen erregen, tt^eil ber SBerfaffer in 
ber ©nieitung üerfid^ert, ba§ er bereite fünf fiuftren in Reibet 
berg, ber :pfä(iifc^en äßetropolii^ , in behaglicher Sage bem \^ciiu 
fd^en S)ienft ficb tnibme^. $ier mugte bie be^aaltd^e Sage (sa- 
tis commode) auffallen, benn $. ^at fic^ meift in toenia 6e^ 
l^aglid^er Sage befunben. ^ugerbem ^at er aber fid^ nie 25 Reifte 
in ^eibelberg aufgehalten, fott?eit uni^ fein Seben befannt ift 
SSä^renb feinet langjährigen S)ienftt7er^ältniffe^ }u ^riebrid^ II. 
ift er nur Dorübergeqenb nad^ ^eibelberg gelommen, n^ie tnir oud 
ben Slnnalen erfel^en; ber Umftanb aber, bajs feine ^rou unb 
Äinber in ^eibelbcrg jurüdEgeblieben finb , toäbrenb er ^alb <Su= 
ropa bur^tpanberte , rann bagegen nid^t angeführt tuerben. S)er 
Sui^brudC ^satis commode degens' fc^Iiept eine fold^e 2)eutung aud. 
yiod) grbjsere 93eben{en mußten burd^ bie 6itate entfte^en, tneld)e 
jum S^eil auf ISädber üerkneifen, tneld^e lange nac^ bem mut^« 
mafeli^en lobe ^ubert« erf^ienen finb. SBenn g.©. ©.302 bie 
Horae subsicivae t7on $^ilip)) Samerariud citiert tverben , fo ift 
biefc ©d^rift erft 1606 erf^ienen'. 35er eigentliche »erfaffer bcö 
©c^riftd^end k7errät^ fid^ beutlic^ nic^t aQein burd^ bie öfteren 
Slnfübrungen aui^ Srit^emiud, fonbem aud^ burd^ bie 9)emertung 
)um 3a^re 1489: Maximilianus Rex Heydelbergam translTit, 
Pbüippum invisens. Exceptus ibi oratione Pallantis Spangel 
Xheologi, nomine Universitatis : quam recudendam cn* 
ravi Tom. Il.rerum Germanicar. fol. 221. äRarquarb gre* 

^ a. a. C S. 41. 

' Tota jam quinqoe loBtra satis commode degens, ®. 300. 

* SQßill, mxnhtt^tt (S^ele^tten«Se£ifon 1, 147. (H ift qui& au Bead^ien, 
bag in ber ßanbfd^tift, totlü^t bad JRün^tntt ^vßatä^it) tm ben 6(!^ften 
M 8e(^tu§ Seji^t, getobe boS Chronicon fel^lt. diocünget, Uebec filtere fix* 
Ibeiten jur boierifd^en unb ))f&Iat{d^en &t\ä^\6)tt, tCb^ntblung b. 3Rikn^et 
fOab. {>ift. eia^e. XIV, 8, ®. 88. 



tft ^iflotÜM fiuBethtS il^omo? Ü^eobtttS. 289 

^ e r ^at in ber X^at bie SHebe bed ^aQai^ BpartQA in bem jmei« 
ten 89anb [einer Scriptores n^ieber obgebrudt. SSiir ^aben in 
bem Chronicon alfo eine ^wf^oinienftenung , toelc^e gre^er gele« 
gentlic^ feiner fonftigen arbeiten gemad^t f)at. X)ann i^erfte^en 
n?ir an6) bie Angabe kuegen bed 25jä^riaen 8(ufent^atted in ^ei« 
beiberg. f^re^er tarn 1588 in ben pfälgifc^en 2)ienft nad) Reibet- 
berg unb ftarb bafelbft 1614 ate furfürftlid^er Sicepräpbent , fo 
bafe ba3 Chronicon in baö Sa^r 1613 fäUt \ W\t »tec^t tonnte 
O. SEBa(| bed^alb barauf ^inmeifen, bag ^öftlin n^egen biefer 
j, alten |)eibelberger S^ronif " fic^ feine ©frupel ju maci^en brandet, 
inbem wir e8 nur mit einer „^uf^mmenfteHung beg beginnenben 
fiebje^nten BaciUnm^** 3U t^un ^aben^ äBie ^ätte and) fonft 
gre^er bie Heine ©c^rift in feine Origines Palatinae aufnel^men 
lönnen, toenn fie nic^t fein ©igent^um gemefen toäre'? 

äBenn ^. einen geachteten $la$ unter ben ©d^riftfteHern bed 
16. Sa^rl^. einnimmt, fo ift bieg auc^ burc^ feine vortreffliche 
Haffifc^e SBilbung bebingt. @r oerfte^t iJatein unb ©riec^ifd^ unb 
^at eine bebeutenbe Snja^I flaffifc^er 3(utoren mit Srfofg gelefen. 
@d ift i^m leidet, nac^ ber äl^obe ber 3^it für jebe beliebige 
©timmung ober ©ituation ein tlaffifc^ed ^itat beizubringen, ^xo^ 
faifer unb 2)ic^ter finb i^m gleic^ grfä»fig. ©eine SDarftellung 
ift anfc^aulic^ unb Mar, babei frei oon leeren JRebenöarten , toa^ 
bei einem ©d^riftfteDer beö 16. Sa^r^unbert«, ber üatein fc^reibt, 
nid^t gering anjufc^lagen ift. SMenn ber anonyme ^Bearbeiter fei* 
ner Slnnalen fein Öatein itvax „fe^r jierlic^", aber ,,oft ju poe* 
tifc^" finbet, fo ift ba« eine richtige JBeobad^tung : ^ubert ge* 
braucht ^äufig SEBörter unb äBenbungen, bie ber flaffifc^en ©prac^e 
ber golbenen ii^atinität fremb finb. 

®ag mag in ben Stuaen eine« auggef<}roc^enen Siceronianer» 
unb ^uriften ein geiler fein; tocr möchte aber ^eutjutage $u* 
bcrtu« be^^atb geringer achten? 3m ganjen ge^t burc^ feine 
©arfteßung ein realiftifc^er Qn^, toeld^em man bie ©d^ulung an 
ben Haffifc^en äßuftem n^o^l anmerlt, unb fc^merlid^ wirb ei 
einen aufmerffamen Sefer geben, ber bie ©arfteHungStoeife bei fort:* 
fc^reitenber fieftüre ni(^t immer ^ö^er fc^ä|en lernt. 

» aUjjcin. beutfcä^c fß\o^apf)\t 8. v. grc^er (53b. VII, 334). 

« «rieger, 3citfd^t. f. Äitd^cTtßefd^. II , 627. UebriflcnS i^at f(]^on bor 
ötelen 3o^n Ä. gft. SJietotbt Sfrel&er aU btn Setfoffer bcd Chronicon be« 
aeicbnet, tote td^ an^ beffen banbfd^nftlid^en 9kd^la6 auf bn ^eibelbetgev Uni* 
Derfttdtdbibliot^! erfelden f^aU, 

• Origg. Palat. (1613) II, S. 106. 



3ur ©efcfei^te 
franjojtWcr ^crrf^aft am (R^ein 

1792. 1793. 1797. 



i@on 



H. d&oedie. 



XXY. 20 



I. 
^ie 9te)»tBItIant{terung Itnf^r^eintfdier 9}a{|auif((er 
f^anMffftüt bnrdi bte granjofen. 1792« 1793. 

©n I^cil bcr heutigen beutfc^en Slcic^Slanbc ®Ifa§ unb 
fiot^ringcn ift ntc^t burdb Subtüig XIV., fonbcm crft in bcn Sic* 
öoluttonsja^ren 1790—1793 burd^ ble SBortfü^rcr bcr ^arifcr 
gcfc|gcbcnbcn SScrfanimlungen unb \f)xt ?lgcntcn an granlrct^ 
gcfommcn. @tnc ganjc Slct^c bcutfd^cr (dürften bcfag atö (Snda« 
ücn in bcm fc^on bamaU franjöfifc^cn ©cbictc längd bcm obem 
Unfcn SR^cinnfcr anfc^nlic^c Territorien, gürftentl^ümcr unb 9ftcic^8* 
^errfd^aften ober SJepenbentien üon fold^en, toelc^c jum obcn^ci=s 
nifd^cn Greife bc8 bamaligen römifd^en SReid^eS beutfd^cr Station 
geiä^It n^urben unb auf bem 9{eic^i^tage ju diegendburg i^rc 
©timmc ober bcn Äntfieil an einer folcfeen Stimme Ratten. Äug 
95fifc^ing8 Srbbefd^reibung, 3;^eil VII, Hamburg 1790, — einem 
JBu^c, ttjel^eö fo red^t jur Qext, beüor biefe alten SJer^öItniffc 
über ben Raufen geworfen mürben, erfd|iencn ift, — Wnnen toir 
biefelben im allgemeinen in genügenber Sotlftänbigleit überfe^en. 

^äberlin« |)anbbud^ bcg Jeutfd^en ©taatSredit« nad^ ^ütterÄ 
©tjftcm (SBerlitt 1794^ legte unter bem SKotto Suum cuique bie 
rec^tlid^en Slnfprfic^e beS beutfdben SHeic^eg auf ©Ifa^-Sot^ringifd^c 
©ebiete nod^ einmal einge^enb bar*. 

Aber f^on am Anfang beS^al^reS 1790 tourben bie beutfd^en 
fürften bafelbft i^rer Sefi^ungen üon gi^anfrcid^ für tjerluftig er- 
[ort unb biefe 8efi|ungen ben jemeilig näc^ftgclegenen 2)iftrtcten 
ber neuen DepartementSeint^eUung einverleibt (13. 3an.). 81m 
28. Dctober beffelben So^reö befd^Ioß bie erfte franjöfifd^e 5Ra' 
tionalocrf ammlung , bie ^ürften gu entfd^äbigen , aber crft 1801 
beim ^rieben üon SunemQe ift lieber baüon bie SRebe gcn?efen^. 
Som 16. «uguft 1791 batiert ba« beutfie SReid^ögutac^tcn , loo^ 
bur^ bie auf bie Sinücrleibung begügli^en S3efd^(üffe genannter 
Serfammlung für nid^tig crflärt h^urben. ^er ^aifer beftätigte 

' an SBetvadbi fommen l^ier ^uptfftd^Iid^ 8b. I, ®. 53-80; ®. 313 ff. 
« !DaietMnbif(i§e ^efd^td^te bed (Hfaffed t)on %. 9B. ®trobeC V, 430 ff. 

20* 



294 JR. ©occff, 

fic am 10. December'. 3nbeffen tüaren and) je^t noc^ rineÄri^e 
von ^crrfc^aften nic^t angetoftet morben, welche erft fuccefltoc 
burc^ bcfonbcrc S)cfrctc bc^ ©onocntö „republicanipcrt" unb bann 
einverleibt würben. 3n biefem ^aüe maren bie finter^inif(^en 
Sefiftungen ber fürftlic^en fiinien 9?affau = SBeüburg unb Sfaffan-^ 
©aarbrütfen *. 

Unb itoax befa^ 9{affau«993eiIburQ nic^t nur im heutigen SU 
faßsfiot^ringen ein ®ritt^eil ber ©raffc^aft ©aartoerben unb bie 
SJoigtei ^erbife^eim, toä^renb bie übrigen jtoei S)ritt^eile infolge 
eineg Ibeilung«t?ertra^8 1745 an Slaffau * ©aarbrfirfen gefaflen 
toaren, fonbern aud^ m ber 5ßfalj bie äemter Äird^^eim*®otanbeu 
unb aifenj. 

Z)ie ^ntänfte aui^ allen Stajfau^SBeilburgifc^en Sfinbem, bie 
©tammlanbe an ber ßa^n miteinoegriffen, gibt öüfd^ing (a. o. C 
©. 219) jum ®ert^e üon 100,000 i^alem an, bie ber elfafe- 
lot^ringifi^en Sanbe aOein f(^&|t fjriebrid^ SBU^elm üon 9{aj[fau 
in einer 1793 an ben »aifer gerichteten S)enff{^rift auf 40—50000 
©ulben, alfo auf ettt^a ein drittel bed @kfammteinfommeni» biefer 
fiänber. 3n genannter (gebrucfter) 3)enffci&rift beflagt ber gürft 
ben SBerluft ber ©raffc^aft ©aartoerben an bie granjofen, unb bie 
t^m in ben anbem Semtern Don benfelben jugeffigten Öergemal« 
tigungen unb JBefd&äbigungen ^ 

Man bfirfte nun üieuei^t fagen, bag bie aDaemein beutfc^e 
orfc^ung toenig Sntereffe baran nehmen wirb, ob einem ftlein- 
irften jener läge bie SReüenfien ettoa^ me^r ober minber befc^nit= 
ten worben feien; biefer cameraliftifd^e ©efic^ti^t^unft liegt und 
^eute fo fern, Wie er in bamaliger Qexi ein geläufiger War. OTein 
e« ift öon Sntereffe ju fe^en, wie ftc^j gfirft unb SSoIf in einem 
jener Keinen ®ebiete bamafö gegen bie einbringenbe framöfifcfte 
9let7oIution , gegen i^re i^Beglüdungd- unb Sroberungdteitbenjen 
k^er^ielten, um bann beiben auiS ben SBer^ältniffen ber 3^ v^' 
aud geredet }u werben. 

am 21. October 1792 l^atte bie Uebergabe ber gefiiing 
SWainj an ben ®eneral Euftine ftattgefunben *. 3nf olge gierüon 
unb Der Xagd barauf erfolgten @innabme unb 9)ranDf^a|ung 
ber 9iei(^8ftaDt granffurt famen am lö. SRoDember an 5—6000 
SWann franjöftf^e 3trupt?en Don fiimburg unb Ufingen ^er nadö 
SBeilburg unter ben Dbriften $oud)arb unb SJuttenberg, befe^ten 
bie ©tabt unb bai^ JRefibeujfc^Ioß, naijmen ben gü^ften gefangen, 
„Wä^renbbem bie Jruppen no^ bem beliebten ®runofa^ Don 

* dbenba. ®b. VI, 9, 

' ^^fil Süeibenbdd^, 9?offQuifd^e ^ettitorien bom ^efi^anbe unmittelbar 
t)OT hex fronabfifd^en 9let)oluiion fn^ 1866. iEßte«B. 1871. 

" 3m StootSoTAiti 3U SBtedboben, ouf beffen 9lden fUft bie folgenbe 
Satftrnung fyiup^&dfliai otfinbet. 

* Sgl. RUin, Oefd^id^te t)on SRaina @. 299 ff., unb tnm Magern, 9Retn 
ant^l Qit bet ^olitif I, C. 47 ff. 



3uY (^cfd^üj^ie franadftfd^et (^d^aft am fXfjßin 1792. 1793. 295 

^l^^it unb ®letc^^eit, Offtciere, Unterofficiere unb Qkmtint burd^« 
einanber, fid^ in folc^et Unorbnung unb Uebermag, fomte fie ti 
fär gut fanben, in bie @tabt einquartierten, bag in mand^em $qu8 
mel^r ald 50 ^ann }ufammentamen". 9m anbem SRorgen tarn 
Suftine felbft, üerfid^erte ben ^ärften, ,,tüie fe^r ed i^n betäm« 
mere, baB er bie Saften unb bad Ungifict bed Striegel auf i^n 
faOen ju laffen unb eine 93ranbfc^a^ung t7on i^m ju begehren ge« 
nöt^igt fei". S)iefed g^cl^^^/ obmo^l berfelbe ®eneral am 3.9co« 
üember bemfelben f^firften eine ©aui^egarbe in S)epg auf i^öHige 
Unantaftbarfeit feiner Ö3efi^ungen * ert^eilt ^atte, mit bem $ingu« 
fflgen, ba^ jeber @o(bat ober franjöfif^e Bürger, meld^er burd^ 
®en7altt^ätigfeiten hiergegen fic^ »ergeben müroe, afö f^inb ber 
9te)7ubiif betrachtet unb be^anbelt werben follte. %ugenf(^einlid^ 
ift aber n)o^I biefer @d^u^brief bem dürften k)on 9laffau fomie 
onbem äteid^^ftänben bamals audgefteQt morben, in ber äReinung, 
bag bad beutfd^e Sleid^ nidit in ftrieg mit ^vantttxö) begriffen 
fei, fonbem nur Cefterreid) unb ^eii^n bemfelben gegenüber- 
ftänben. darauf berief fid^ auc^ ^^riebrid^ Sßit^elm, atö Suftine 
bie «ranbfd^a^ung „o^nabänberli*" auf 300,000 ®ulben bt^ 
ftimmte. 2)er $flrft üon 9Iaf{au tjabe 2rup)>en jur SBefe|ung ber 
t^eftung SKainj l^eraegeben, obn^obl Ofi^anfreic^ ni(^t im Rrieae 
mit bem beutf^en meiere fei. Unb biefed mar in ber X^at ricq^ 
tig. @ben bamit ^atte man franjöfifd^erfeitd auc^ bie frevelhaften 
Sluftritte in fjfranffurt entfc^ulbigt. (Suftine löfte ba^ naffauifc^e 
^eidlontingent in äSeilburg förmlich auf, bie äRontur „fd^enfte'' 
er na^ feinem SCudbruc! oen Xruppen. S)ie t$ru(^tüorrät^e in 
ber @tabt mürben mit 2(rreft belegt, ber SRarftaQ bid auf fänf 
$ferbe unb bie @attellammer aui^geleert, Armaturen unb bie Sa» 
nonen ber 8(rti0erie, aUed de bonne prise erflärt. Sm anbern 
äKorgen, ata 12. 92ot)ember, mürbe ebenfaOd bad menige jum ®e« 
brauq bienenbe ©Ubergefd^irr — ate Untert>fanb ffir oie SBranb«: 
fd^a|ung, mie ed ^ie^ — eingepaßt unb mitgenommen-, bann 

fiebrudte $roc(amationen unter bie ^Bürger t^er^eilt, meldte bie^ 
dben an Oefteneic^ifc^e unb ^reugifdqie Solboten meitergeben 
füllten. 3n benfetben mar in beutfd^er Sprache, für bie unter 
ben Oefterreid^em befinblid^en Ungarn f ogar in lateinif d^er ®pxaAt, 
bie Sufforberung enthalten, il^re IJfal^nen \n üerlaffen, i^re bid^e» 
rtgen SanbeiSüerfaffun^en abjufc^affen unb bie neue fran}öfifd^e 
angunel^men. 8ud^ bte „biebern S'Jaffauer'' mürben unmittelbar 

* ^fet Kttdbrurf ifi nid^t in bet S<mt)egatbe entl^Iten ; e8 toaten be« 
ttoniti Let Terres, Chateaux, Maitons, Oranges, For4ts, Jardins, Cours, 
Appartenances et Ddpendance» de Mr. le Prince Regent de N. W. 
Pinnr 0. a. O. S. 227, meint, btefe Saiüxgarbe fei burd^ dlefd^enfe ettoirft 
toorben. Um fo fd^Itmmet! 

* Don ^öoent, a.a.C.I, 6.51, eqä^It, ba| ba9 Steifle tetgcaBen toot> 
ben taMt unb man t>on bem toe^^enommenen ipüin tn^ain;i fafl aUed toiebet« 
Qefunben l^br. 



296 91. ©oerfe, 

ju ocrfü^ren gefu(^t, aber bei benfelben „ein burd^oängig entge- 
gen^cfefeter Srfolq" erjielt. 5)er äufent^alt bcr gfraitjofeit in 
feeilburg ttjurbc iefc^lojjen mit ©rrid^tung eine« fogcnanntcn grei^ 
IjeiWbaumei^ eine Weine ©tunbe toon ber ©tabt an ber nad^ ffle^Iar 
fül^renben S^auffee'. Diefet ^rei^ettöbaum toax ttjo^l bcr erfte, 
weldier fotoeit in« Sanb ^tnein auf bem reiften Ä^einufer auf^ 
gej}fianjt Sorben ift*. 

(£« fann und nic^t munbern, tuenn im Müden ber franjöftfc^eit 
ärmee in ben fleinen beutfc^en fterrfd^aften fiott>ringcn8 eä um 
biefe QÄi mächtig gäl^rte, n^enn |ier ber ^nfd^Iug an ^antrei^ 
ein jnm S^^eil frein^iOiger n^ar. 9Ba« fpecieü bie ©raffc^aft 
©aarttjerben angebt, fo ttjar biefelbe im SKorben unb SBeften üon 
Iot^ringiJcl^=^franjöfi|cl^em ®ebiet umgeben, gegen ©üben grenjtc 
fie an bie franjöfifc^e |)errfd^aft SJinftingen, im ©fiboften an ba» 
furpfäljifd^e fiü|el[tein, im SRorboftcn an bie franjöfifc^e !Qm^ 
fd^aft Sitfc^ unb ba« r^eingräflicl^=falmifd^e 25iemeringen •. 3n^ 
mitten biefe« fo begrenjten fleinen beutfd^en Territorium« laj 
ttjieberum eine franjöfif^e (Snclaüe mit bem ffl?unicipaIitat«ort 
JBoden^eim ober ®ouqucnon. ©eit bem 17. Sa^r^unbcrt war 
ba« Territorium, »el^e« frft^er eigne ®rafen gehabt ^atte, öoii 
5Raffau beanfprud^t, allein e« galt urfprünglid^ für ein lot^ringi- 
fd^e« Selben, unb bie ©treitigfeiten über einzelne ^ßarccHen beffelben 

teifd^en bem $erjogtt|um Öot^ringen unb f^jäter ^xanhexd) einer- 

eit« unb ben Slaffauifcfien Sinien anbererfeit« l^aben nie aufge? 
^ört. S« gab ergiebige ©aljqueHen in bicfem Keinen ®ebiet, 
toetd^e in ^vl^e eine« JBergleidfi« mit ^anfeeic^ burc^ SWaffou niefit 
au«gebeutet merben burften. 3m Sa^re 1776 ^atte erft ber le^tc 
Äu«tauf(^ einiger SänberftüdEe jujifc^en ben SBetl^eiligten [tattge^ 
funben, 1785 entfd^ieb ba« SRei^Sfammergeric^t gu SBe^Iar jule|t 
^u ®unften 92affau«. Slber Ie|tere« ^atte e« gum iSeifpid me 
burd^fe|en tonnen, bag eine ©trage nac^ bem 9l^etn ^in ^ur nä' 

em SBerbinbung mit S)eutfc^Ianb burd^ franjöpfd^e« Semtorium 

inburd^ ju führen i^m geftattet morben »äre. 

SBaren biefe« alfo in jeber $)infic^t, in geograpl^if d^er , poli- 
tifd}er unb öconomifd^er ^infid^t ungefunbe SJer^ältniffe ju nennen, 
fo lam noc^ ^inju, bag bie beiben 92affauifd^en Sinien bie ©rof- 
fdjaft berartig jtoifd^en fic^ getf)eilt Ratten, baft ber SBeilburjjifc^c 
Soo«t^eiI jtoifc^en ben jioei ©aarbrüdtifc^en lag. 2)er SBeilbur^ 
gifd^e 3;öeil tüurbe gufammen mit ber SSogtei fierbife^eim Dertt}al= 
tet, ber l^auptfä^Iic^ an^ früherem Äloftergut beftanb unb feit bem 
16. Sfl^r^. naffauifc^ toar. ®« gab eine ©tabt SReufaartoerben 
mit einem @d^Io§ unb ettoa ein I)u|enb Dörfer in bem al« Amt 

^ 9ei l^lein, a. o. C. ®. 221, ift eine bet eben befd^riebenen ^^rodamo: 
tionen gehtucft. 

* Skceinaelte gfran^ofen tarnen aUetbingS bamald fd^on bis (Biegen, iMein 
6. 228. 

* *93fll. bif bejüQl. Patte in bem f;ift. ^tlae Don ®|>mneti5Kenfe. 



I 



3ttt dk^i^te ftaita&ftf(i^et .^rrfd^aft am ^l^in 1792. 1793. 297 

@aattoerbcn«^crbi|^eim jufammengcfaßtcn CompIcE, toeld^cr 4490 
Seelen sä^(te '. Unb in biefem deinen ©ebtete f))iegelte fic^ baiS 
$arifec meüolutiondtreiben f o (eb^af t , bog eine nö^ere SBefc^ret« 
bung beffdben unb ber Art nnb SBeife, toie c« ©eutf^tanb üer^ 
toten ging, fe^r bele^renb fein bürfte. 

^Sxxdi äBil^elm üon 9{affau b^rit^mt fid^ in fetner oben- 
angeffl^en ©enffc^rift , baft noc^ im ©ommer 1790, al« er fid^ 
mit einem löeil be« §ofe« in 'JJenfaartt)erben auffielt, bie Sin- 
ti)0^ner bed SlmteS bie lebbofteften Setueife üon (Srfenntüc^Ieit, 
2:rene unb Sn^&nglic^teit an ibn unb fein ^an^ gegeben ^aben. 
Sd gel^öre balb^r mit unter „bie Probleme ber gegentbärtigen 3^^^^^» 
baß e« fo fc^ncfl abtrünnig geworben fei. — Scbenfaü» ^at ba« 
iBeifpiel in ber iRad^barf^aft anftedenb gemirft. Wlan fa^, ba% 
in ben fran}öfif(^en ®ebieti^tl^eilen ringsum bie üertodenben SBe^^ 
freiungen üon Qef)nttn, ^xoffvbkn^ie , üeibeigenfd^aft u. f. to. 
ftattfanben. 3)ann aber ^aben franjöfif^e (Smiffäre, toie mir 
fe^en n^erben, bie (Sintno^nerfcbaf t aufge^e^t. Daiu tarn, ha% ber 
färftlic^e $(mtmann (Sbe( nic^t nur eine fe^r unbeliebte ^erfönHc^- 
feit bei feinen Untergebenen war, f onbern fic^ auc^ ganj merfwür* 
bigen Zäufd^ungen in Segug auf bie @teQuna ^ranfretd^d ju ber 
SSewegung in feinen unb anbem beutfc^en Sumtem ber ißad^bar^ 
fc^aft Eingab. 

Sie unjufrieben^eit fd^eint urfprüugfi^ bamit begonnen ju 
l^ben, bag bie Untert^anen ber ®raff(^aft um Slemiffion be8 
fiteege^nten unb um (Sewö^rung eines 9Int^eUd, ber ^älfte, ber 
Sintfinfte a\i^ ben ^orftftraf en , Welche für 93efc^äbigung ber 
®emeinbewalbungen erhoben mürben, eingelommen ftnb, bie 9te« 
gierung }u SEBei(burg biefed aber abfd^lug. S)er 9(mtmann ^ebt 
in einem Seric^t Dom 23. October 1793 an eben biefe Stegie- 
ning audbrfidlid^ ^erüor, bag, menn man hierin nachgegeben, bie 
Seute attackierter geblieben fein mürben. 2)amate maren faft fd^on 
an aden Orten oeS 8lmtd ^^rei^eitsbäume aufgepflanjt morben, 
„bie @ac^e fei aufd äußerfte gefommen, unb füffttic^ed 0mt miffe 
nid^t, ma« anjufangen fei. — 33ie ©ac^e fei üon ber äufterften 
SBic^tiaieit, ba ein anfe^nlic^ed 9mt auf bem 9}ertuft fte^e, unb 
ei» muffe ^ülfe gefud^t merben, ed gefd^el^e auc^ mo ed moQe, 
unb mo^I am beften bei granfreic^, benn baft ber grei^eitÄfd^min* 
bei ben eüan^elifd^en 9ieIigioni»t^eiI üöDig eingenommen fjabe, 
foId^S leibe feinen 3*^^'?^» ""*> ^ i^^^ We JRebe. ba§ üiele ber= 
felben fogar ben iBocfenl^eimem jur @teQung i^rer SBotontaird 
freiminige Seiträge getrau Ratten''. (Ss mar üerftänbig üon ber 
SBeilburgifcben 9iegierung , bag fie auf ben Sorfc^Iag , fic^ an 
frantrei^ gu menben, nic^t einaing; fie bemerfte freiließ and) mit 
inem SBorte, baß i^r ber Sorfd^Iag munberlid^ erf c^iene ; fie ent= 

^ !BgI. SBflWng a. a. C. ®. 225. 237 f. unb bie ohen dtietie ®enl< 
fd^ft, «nb tit: »©ummatifd^SJoTlegimg u. f. to.*, aU ^Wonttfctilrt gebtucft. 



298 9t. Q^otdt, 

fd^log fid^ Dietme^r d^ £)etlntittel gegen eine fo unfaßbare SRadtt, 
tDxt ba^ SBü^Ien franjöjtfd^er {ReDoIutionöre toax, „bxt retc^^e» 
rid^tlic^e ^ülfe beim Imferlic^en ßammergeti^t in orbentlii^em 
Sted^tötuege ju implütieren" K 

@o brad^ XaaiS barauf bod Ungläd über ben Smttnoim 
Sbel ^etein. 20 $erfonen aud ber benod^barten @emeinbe Sur« 
bad^ erfd^tenen auf ber StmtiSftube p dteufaartoerben unb ver- 
langten bie ®elber jurficf , tpelc^e fte üor einigen 3abren i^rem 
Sanbedfürften ju beffen ^oc^jeitöfeftlic^feiten in ftirc^^eim gelie^ 
fert Ratten. @ie Ratten ie|t ^ui^gaben gehabt für ^flanjung eined 
f^eil^eitöbaumed , unb baju n^outen fie baS @elb ^aben. HQer^ 
bingd , n^enn ber 9(mtmann i^nen eine perfönlid^e Dutttung bei^ 
^ärften, bajs er bai^ ®elb empfangen, üorjeigen fönne, verlangten 
fie ed nid^t juriidt. 2)ied tuar ni^t möglid^, ba beutfc^e ^flrften 
bii&l^er nid^t gen^ö^nt toaxen, folc^e Quittungen perfönlidp anh 
jufteQen. S)a trat ber äBortfü^rer Sbra^am 3(äd Dertrauli^ 
an ben S(mtmann l^eran , na^m i^n auf @eite unb fagte ju i^m, 
„ba^ er ja ber @emeinbe bad ®elb gleid^ geben foQte, er ()eiBe 
^eute nod^ f)err Sbel, ed fei je^o eine gan} anbereR^it, unb 
er ratl^e ibm ald >$reunb unb nid^t atö ^inb , ber ^emeinbe 
93urba^ bie 100 (^Ibeu ju geben unb bann fid^ auf bie @eite 
iu mad^en''. dnjmifcfien n^uroe ber üerblüffte äRann aber k)on 
anbem „^etU" an bem^aarjopf gepacft, )ur (Srbe getnorfen, mit 
©äbeli^ieben unb @^Iägen miglianbelt, in ftopf uno 9iüdEen ae* 
^auen, pm ^aufe ^inauS unb na^ iBoden^eim gefd^Ieift, mobei 
fie il^n tmmer n^ieber jtuangen aufiuftel^en , um i^n kno^I je^n^ 
mal üon neuem nieber^un^erfen. @ie tuoQten i^n am bortigen 
rei^eitdbaume aufhängen, atö ber in iBoden^eim fte^enbe Obrift 
temide fid^ feiner annahm, feine Sergeknaltiger Vertrieb unb i^ 
felbft aud bem ^ot^ aufnehmen lieg, ^ie bafige ä)lunicipalität, 
rüi^mt Sbel felbft, ffabe bann auf ber ©teile aOe Snftalten ju 
feiner @id^er^eit getroffen, mie er benn beren freunbfdbaftlic^ 
unb nad^barlid^ed 93etragen nidl^t genug (oben fönne. S)ie ubri« 
gen 92eufaartDerber ^Beamten Ratten i^n gänjlid^ Derlaffen. ftein 
97{enfd^ fei i^m ju pfiffe gelommen, uub bie ^Bauern ^fitten bem 
©pectalel unb äRorben fd^abenfrob jugefeben. — 9tad) tooc^n' 
langer ^anlbeit fam @bel n^ieber auf, mujste fi^ aber nac^ 
©aarbrüdEen pd^ten. 

9tnbere ®emeinben ahmten baiS Serlangen ber iBurbad^er 
nad^, unb forberten ebenfalls ba« für bie $)0<4}eitdfeierßd^(eiten 
feiner 3^it von i^nen gega^Ite ®elb iurüd. 2)er 9?entmeifter &- 
ftaxbt, melc^er bed Kmtdmanni^ SBertreter tnurbe, unb ein ebenfo 
energif^er unb rid^tigblidCenber äßann mar, ali^Sbel unf&^ig mar, 
f deiche, „um Attronpements in ber ®tabt )u vermeiden'', ben 

^ etaotteYdii)) aSiedBoben, ^laffauias^etlbuta, 9lmt 6aat)ocibm XIV, 
a. 1. gfaSc. 1. (Sbmfan? Um^i fiW hit folgrabe ibatfltamta' 



3ut ^efd^id^te franaortfc^er {>etffd^aft am ffO^vx 1792. 1793. 299 

®emetnbeit jum Xl^etl bad @elb ju, eit fie ed forbetten. t^fteißd^ 
üerlatu)ten bie Sauem nun auc^ nocq anbete ®elber juräd unb 
forbetten Qtnft(^t ^u nehmen in bie ißotmunbfc^aftdrec^nungen unb 
Setfteigetungdteaiftet auf bet 9ientei. (Sinige iButfd^en f(o))ften 
bed 9ta(^tö 11 u^t am Saben unb Verlangten t>Qx etüci^en 3a^< 
ren beja^Ite SKanumiffiondgelbet jutfidE. S)et 9{entmetftet fteQt 
Dot (31. Oct.), ^ fei fd^Ieunigfte |)ä(fe ndt^ig, n^enn et fammt 
bem Sanb« unb Smtfc^reibet unb etneni Lieutenant , todi)eic jut 
meieren ©id^erfieit auf ber Stentei fc^Iofe, auf i^ren Soften bleiben 
foOten. SSefonberi^ ,,bie balbige S(n^erofunft eineiS ^ontmiffarii, 
ber mit hinlänglicher SSoQntac^t üerfel^en märe, ben ^iefigen Un« 
tert^anen auf ber ©tede in einigen f^orberungen nad^jugeben, 
unb einigen $)auptbefc^)uerben abju^elfen, bttrfe immaggebli^ 5ur 
SBefänftigung berfelben beitragen*'. 

3)ie Stegierung in SEBeilburg fonnte ficb (eiber nic^t jur Slb^" 
fenbung einei^ fold^en SommiffarS entfc^lienen , unb ai^ fie ed 
enblic^ bennoc^ t^at , mar ed ju f^ät. @ie t^erbot hingegen in 
trocfener filtrje meitere 9}ü(f ja^Iungen. S)ie Ortfd^aften ber ®raf^ 
fc^aft ©aartoerben, fotoo^l SKeilüiirgifc^en als ©aarbrürfenfd^en 
Slnt^eild, beffen (enteren ^auptort ^ardfirc^en mar \ üerfammelten 
fic^ am 2. 9([oi^mber ju einer 193erat^ung barüber, ob fie fid^ fär 
ben Slnfc^Iu^ an bie framöfifc^e 9te|)ublif aui^f)7red|en foOten. 
3nbeffen mar bie grö^re SKe^rja^I ber Stimmen nod^ für Unter« 
^anblun^en mit i^rem biiS^erigen £anbei^färften. ,,(£d bäu^t un^ 
ie|t, benc^tet (Sb^arb, ber ^öciifte iDJoment, einen Sommiffarium 
aufd fc^Ieunigfte mit gehöriger SSoUmac^t ober menigftend Stufträ« 
0^ ju 3iifagungen abgufenben, unb märe )u münf^en, ba^ biefer 
im äugenblirf ba fein Knute", ©rofee Aufopferung merbe ftatt« 
ftnben muffen, j. ^. atö $räliminarpun(t üööige Slofd^affung ber 
Seibeigenfc^aft mit allen Slppartinentien. 

^er Smtdfc^reiber SR^obiui^ ani 9{eufaarmerben ging perfön« 
Itd^ na^ äBeilburg, um bad ©emid^t biefer SorfteUungen burd^ 
mflnbßd^e 93eric^terftattung ju er^öl^en. (Sr überbrad^te bort^in 
eine .(Srflärung ber Ortfd^aften bed 3n^altd, ,,bag fie gmar 3^ro 
^o(^ffirftIid^en ^urc^Iauc^t nac^mieoor treu unb ge^orfam oerblei« 
ben mollten, ba^ingegen oon |)öd^ft3^ro oerlangten, baJ3 fie ^im 
furo t>bü\^ nai) frauAöfifd^en 9tec^ten unb ©efe^en gerichtet 
tinb oon t^nen feine Sbgaben, atö meldte gegenmärtig unb in 
Jgufunft in gtanfreic^ ^crfömmlic^ feien, prätenbiert mürben; 
äbrigend abet mollten fie |)ö(^ft ^l^to bitten, bag i^nen bad benö« 
^igte iBtenn^otj an^ ben ^ettfd^aftlicben SEBalbungen füt bie Qn^^ 
fünft ju einem leiblichen ^eid unb jmat üot allen ^(udlänbetn 
Dotjüglid^ übetlaffen, gualeic^ abet auc^ bet ®e^alt bed ^laftetd 
miebet auf ben alten ^^ub ^efe^t, folc^er aud^ fomenig aü ber }U 
beftimmenbe $reii^ unter feinem Sormanb abgeänbert merbe". 



t 



300 m.&ütdt, 

Siefed tDar bie aemä§igtere (Srßänmg , kuelc^e SR^obtuiS am 
6. SRoücmbcr in SBctlourg üortriig. S« ^attc aber nod^ eine an= 
bere circulirt, toeld^c ,,ber aUgcmeinen Sage nac^ ju SBocfcn^eira 
ate bem ©ift mehrerer Unru^eftifter »erfaßt morben ift". ®arin 
toax gefaat, ba8 bie Sieputirten ber Ortfc^aften bie franjöfifc^e 
grei^eit fi^on lange im ©tillen betounbert ^tten, nnb nid^t Ifin* 
er einem ttjrannifc^en dürften, ber längft i^r gwtrauen üerloren, 
er ber (Koalition beigetreten märe unb gegen gwnfreic^ Xrut>|>en 
gegeben ^ätte, nntertl^äniq fein — unb fi^ um fo me^ ber »Ic» 
|)ubnf ^ranfreic^ anfd^Iieien unb ben 9}ationaI - Sonüent um i^ 
Äufnal^me, toeld^c aDen bebrüctten Untertl^anen burc^ ein ® ehret 
jugeftd^ert ttjorben, bitten toollten, ofö bie ©raffd^aft ©aortoerbcti 
o^nebicg e^ebem ju granfreid^ gehört l^abe unb unter bem %tf* 
rannen ißubmig XIV. baöon loSgeriffen »orben fei. 

2)iefe Srßärung, meiere üorföufig nid^t ben allgemeinen ©ci^^ 
fad fanb, enthielt SBa^reö unb g^Ifd^e«. Sie toar'wa^rf^einli^ 
üon franjöfifc^en Smiffären üerf a^t, tt?ie fic^ f^^äter ergeben toirb K 
8J]^obiu« gab in feiner Darlegung ju, baft e« »o^I „©c^toinbet 
föpfc" in ?Keufaartt)erben gäbe, aber aud^ noc^ ©utbenlenbe, toddft 
Älaffe fic^ inbeffen Wufiger unter ben Äat^olifen ate ben ^o^ 
teftanten finbe. fie^tereg ift ein um fo bemerfenSttjertl^ereÄ 3^*' 
d)en, ate ber SanbeS^err fclbft bem reformierten Sefenntnife angc? 
^örte. SJiefen ©d^toinbelföpfen gelang e« inbeffen, immer ftürmi^ 
fd^er üorjuge^en. (Sefangene, toeld&e »egen gemeiner öerbrec^cn 
eingef|)errt * maren , tt?urben aii^ bem @)efängniffe befreit; ber 
„SSBerffc^ul^ unter ber ÄmtSfa^rt", üermutfili^ ein 8^^^ ^«"^^ 
fcftaftlic^er ®ered^tfame, tourbe abgeriffen; bie l^errfd^aftlic^ 
SKe^er allenthalben in ben ^Dörfern tt?urben abgefegt, anbere 
©Söffen unb ein griebenggeric^t ju 5Reufaarn?erben eingefe|t. 
©in gemiffer SSerner Äard^er ftanb an ber ©pi^e biefer reüolu* 
tionären ^anblungen. 9Wan ttjagte e« fc^on, bie fürftlic^ naffau- 
ifc^e 2)ienerfd^aft unb bie öürgerft^aft ber ©tabt SReufaartoerben 
u ber feierlichen ^ßflanjung eiueö jtoeiten greifieitSbaume« nac^ 
ler franjöfifc^cn ©tabt SBodenl)eim einjulaben. (Sine gett?iffe ^öf* 
li^Jeit ber franjöfifd)en ©e^örben im ®egenfa| gu bem rol^ 
Ireibcn ber ÄmtSuntert^anen ttjeiß auc^ ber SRentmeifter Sb^arbt 
anguerfennen , aber er liefe fic^ baburc^ nic^t blenben über bie 
eigentlichen S^eU berfelben. Uebrigen« üerfic^erte Sfi^obiu« bei 
feiner Slnn^efen^eit in SBeilburg noc^ einmal audbrücflid^ , bag 
au^ ber gutgefinnte ^B^eil be8 Ä.mt« 9?cufaarttjerben für bie 3«* 
fünft JU einer toeitem abgäbe aü ber orbinären ©teuern unb Der 
^el^nten fid^ nic^t oerfte^en , fonbem alle übrigen fowie bie 2ei6^ 
etgenfc^aft »erbe abgefd^afft wiffen moCieu. 

» a^Q^obett gifd^et, in Rävue d'Aliace VIT, ®. 485 ff., ift ber Tln* 
nung, bie 9^to5lYfrun() l^Ötte ä grands criR toerlongt d*@tre fonda dans 1» 
grando nation. 



s 



3uT (VJeftf)it^te fton^oftfc^cr .öertfd^ft om »^tn 1792. 1793. 301 

Gin tual^rer »^ewmfd^u^ für rine ettoa beabftd^tigte Sefol* 
guttg biefer itü|üd|en Slat^fc^Iägc mar ber Ämtinann Sbel, tpct 
djtv, Ictblidi lüieber löergefteÖt, bod^ nod& im Sctte liegcnb, am 
3(). Dctobcr bon JBodEenl^eim a\\^ an bie SRcgierung folgcnbeö be^ 
richtet ^attc: „in bcr ?Rcbenion8fad|C niu| ic^ bitten, @idb bod^ 
ja ni(^t Auüiel ängftigcn ju laffcn. 33aÄ Amt mirb üon granf* 
rctd^ nic^t angenommen. Sobalb id^ ein n^enig too^I bin , gel^ 
i^ auf ©aargemünb unb »erbe aOe« einjnric^ten berfu^en. ^on 
Iranheic^ befommen »ir ^ülfe, toenn fie nur begel^rt mirb''. 

laargemünb gel^örte 5Waffau*@aarbrärfen unb mar anif eine (Sn* 
claüe in Sot^rinaen, mä^renb ba^ |)aut?tranb biefer fiinie feit 
bem 14. 3af)rl^unoert baö ^ffirftent^um ©aarbrfiden bilbcte, toeU 
d^e§ an ber großen burd)gef}enben Straße oon S)eutfd|(anb nad^ 
•anfreic^ lag ^ %m 3. SWooember ^atte fid^ ©bei inbeffen fd^on nad^ 

iaarbrücfen felbft begeben unb enttoicfelte üon ^icr an^ weiter 
ber {Regierung feine un^eilüollen 5ßISne. ®r fteHt bar, baß feine 
Untergebenen oon feinen befonbem mit J^anfreic^ ^abenben Son« 
nejionen gemußt unb bafier erfannt l^ätten, baß er i^rem Unn?efen 
auf biefe ober jene Art jii fteuem SDJittel unb S35ege n^lffe , unb 
ia% er auc^ bei bem Äudbnid^e ibrer JRebellion felbft — bei 
fJranfreidP) §ülfe fud^en unb fie ermatten, fomit i^rem ganjen Un« 
tücfen Qxel unb SWaß feften mürbe. 6benbeÄtt>egen ^aie er auf 
bie ©eite gefd^afft werben foKen. Uebrigenö fei in ben gegenmär* 
tigen Umftänben unb um ben äufru^r noc^ bei ^^ten ju erfticf en 
nichts bienli^er, afö fid^ an granfreid^ ju menben, imb ba er 
ben ®eneral ÄeÖermann, meld^er in bafigen ®egenben comman« 
btere, }>erfönlic^ fenne, fo münfd^e er, baß ein (SommiffariuS nad^ 
©aarbrürfen abgeorbnet mürbe. SWan fönne aKbann mit bem 
Oberft SBernicf au^ iBocfen^eim ju bemfelben (^eOermann) reifen 
unb beffen ^Protection „üermittelft (Sinlegung einiae« STOilitairÄ" 
nad^fu^en. ©obann mürbe man ba^in arbeiten, baß ^ranlreid^ 
bie Untert^anen ni^t aufnehme, fonbem, mie bereits mit Äömei« 
ler^ gefdfc^en, an i^re ^errfd^aft unb jum ©el^orfam öermeife. 

rter mürbe feine, beö Serid^tfteßerS , Sefanntfc^aft mit „Sieur 

tieaux oon ©aargemünb, meld^er bermalen ein Deputatus bei 
bcr 9?ationaI * Eonüention fei", nid^t o^ne 9?ufeen fein. Subiel 
Dlad^giebigfeit fei im Anfang fc^äblid^ unb immer no(^ 3^^^ biefeS 
©E^eoienSju gebraud^en. 

Die 3tegierung }u SBeilburg mar benn aud^ fel^r entfernt, 
9?ad^giebigfcit angumenben. ©ie riet^ i^rem Surften, unter ben 
bermaligcn Umftänben an eine Unter^anblung mit ben Unter- 
Ivanen unb auf irgenb eine burd^ öffentlid^e @m|>örung unb ®e« 
malt abgebrungeue 9[ufo|)ferung unb (Einräumung i^rer ^orbentn- 

> m. mWn a. a. D. 6. 233 f. 

* Slfeingtftflid^f ^ttfd^ft , fteine« etngefetitcd ^i&d \n bet ®raft(^oft 
6<iaTttMrbcit. 



802 91. (Soede, 

MXi fid^ burd^aui» nid^t ernjulaffeit, fonbem bie reic^^efej^mä^gen 
Schritte ju Derfotgen. Sßad bie ttbfenbung eined SommtffarS oe« 
traf, fo loarcn brci aicgtcrungMt^c bagcgcn; einer, dJamendäRe« 
bicu^ S f^Iug Dergebüd^ üor, bag ei^ bocq fein ®uted ^aben möchte, 
toenn ben Untert^anen „ol^ne aUe eigentlid^e ^^egociation mit ben« 
felben unb o^ne bie minbefte Sompromittirung ber lanbed^errti- 
d^en SSürbe" begreif (id^ gemad^t h)ttrbe, ipie nac^ bent f^rieben 
hai Stmt ma^rf (peinlich lieber beutfc^ merben kuärbe, bag „obne 
fiber bie franjöfifc^e SReöoIution irgenb ein Urt^eil ju fällen", Der 
gro^e Unterf(^ieb jtpifi^en einem ber erften Suropäifc^en (Staaten 
unb einem einjelnen }u einem anbern nid^t minber mäd^tigen 
@taat gel^örigen Stmt ju ermägen fei, unb babei meiter in SrtDä« 
gung JU jie^en fei, bag bie franjöfifd^e 9?ation im Ängcfi(^t öon 
ganj Suropa erflärt f)abe, tüie fie allein für i^re Scrfaffung tämp^e 
unb feine Sonqueten ju mad^en verlange, mithin auc^ fie in i^ren 
^erbanb nid^t aufnel^men fönne unb kuerbe. 

Sediere Änfc^auung muffen toir bei einm SKitgliebe ber naf* 
[auifc^en SRegierung für aufrid^tig galten. SS ift nicpt anjune^men, 
ba§ i^re Untert^anen im ©aartperbenfd^en eine beffere amtliche 
^enntnijs k7om ®eQentt)eiI Ratten. Unb bennod^ mar fd^on Sin« 
fang Stoüember in jener obigen @r!(ärung, meiere nid^t ben allge« 
meinen JBeifaH gefunben, üon einem Sehet beö ©onöent« bie 
Siebe, meldte« t^atfäd^Iic^ erft am 19. SRoöember »ublidert 
toorben ift. SBir meinen jenei^ berüd^tigte S)efret: La Conven- 
tion nationale d^clare au nom de la nation fran^aise qn^elle 
accordera fratemitä et secours k tous les peuples qui von- 
dront reconvrer leor libertö, et Charge le pouvoir ex^cutif de 
donner anx g^n^raux les ordres n^cessaires pour porter se- 
cours ä ces peuples et d^fendre les citoyens qui auraient 
m vex^s ou qui pourraient Tetre pour la cause de la libert^^ 

Diefer Umftanb läfet barauf fcftliefeen, ba^ obenbejogene (Sr* 
Kärung üon einer ben Sonüentdfreifen natiefte^enben ^erfönlic^feit 
enttoorfen toorben ift, bag biefelbe wuftte, näc^fter Qtxt mürbe 
ein berartigeiS 3>efret im (Sonüente burd^ge^en. äRerfmürbiget:^ 
meifc ift e« berfelbe ßerr JBIeauj, auf melden 6bel ein fo gro|e9 
Vertrauen fefete, meu^er ben 21. ^toDember an j^arc^er prieb, 
bag ber f$ürft t7on 9taffau«@aarbrü(fen \x6) an ben franjöftfc^ 
Sommanbanten üon 93itfd^ um Unterftü^ung gemanbt ^abe, um 
ben in feinem %(mt ßardtirc^en unb umitegenber @raff(^aft @aar< 
merben entftonbenen Sufru^r gu ftiQen '. *S>er Sommanbant ^be 

^ SetfelBe ifl aud^ aU Gd^iftfieUet äbet biefe (Srcigniffe aufgetteten in 
%td^vify>U ammt» VU (1793), 405. fß%l StUin @. 230 «Inm. 

* (S^ebtiidt in Bist. pari, bon Sud^ea unb 9ü)u; T. XXI, @. 79 ff. 5tn 
nfid^fle ^nla% bietju toot me (Srobetuna Don Ttain^, ntd^t SaartoKtben. Sgl. 
t>on S^bel, (Befd^t^ie ber 9le))oluttondaeu (4. ^ufl.) 11, 6. 35. 

' 2)tefn gfüxfl l^iie feine Untett^en in bent (ie|t babtfd^n) 6t&btd^ 
Sol^T beim 9tetf$9lQninieTgerid^t ju ^Sk^Iar tot^tn 9l(bcTIton t^tf&dftlid^ Mnogf 



3ut ^cfd^^te fton^fifd^t ^mf^ofi am tRVi" 1792. 1793. 803 

biefed aber abgefd^Iogen unb beti 9rief beiS f^ürften an bett Son« 
Deut gefd^itft. 2)ort fei er üerlefeit, unb SBIeouc ^abe „}u ©tmften" 
ber Slemter S^oxStvcdien itnb iReufaartoerben gefprod^en. Sarauf 
fei jur Xagedorbnung übergegangen n^orben. „Sagen @te alfo, 
lieber Sreunb", fä^rt Sleanj »örtlich fort, „ben ©ewo^neni be« 
^mtö vceufaarmerben unb bed (fogenannten2 Oberamtd ^ardfird^en, 
bag fie mir i^re iBerat^f c^Iagung nad^ ber^bnen jugef^icften 
IBorfc^rift balbigft jufeitben f ollen; fobalb id^ folcqe merbe er« 
galten ^aben, mirb bie Stational-Sonüenäon in i^r ®efud^ n)iDigen, 
unb i^nen gegen bie Unternehmungen bed f^firften gegen bie ^ei« 
^eit u. f. ». pife leiften". 

2)ie bem aenannten ftarc^er folc^ergeftatt jugefd^ictte Sorfd^rift 
toar ^öc^ft h)a$rf c^einlid^ bie . me^rf adb belogene (Srtlärung, meldte 
„nod^ ni^f' ben allgemeinen ^Beifall gefunben ^atte. 3)aS 
Streben ging aber bal^tn , „bie für i^re bid^erige ^errfd^a|t ge« 
ftimmte unb ft&rfere Partei'' burd^ alle Jtunftgri^e abmenbtg ju 
mad^en. 

3)ie 9iegierung ju SBeilburg mar in^koifc^en burd^ ben SinfaQ 
Suftined au^er ©tanbe gefegt n^orben, i^ren treugebliebenen linl^ 
r^nifc^en Untert^anen nur einmal eine ^tad^rldpt }u(ommen jn 
laffen. 3)iefelben ergingen fi^, untunbig ber S)tnge, meiere ^affiert 
tt^aren , nunmel^r in lauten H'lagen , bag i^ Sanbei^^err fie \)tt* 
laffen ^abe unb fie nic^t fc^ü|en moQe. 9m Oberamt ßarSfird^en 
ftanb ed fc^nbar beffer. 9uf eine SBefc^n^erbe , n^elc^e üon ben 
ber bid^erigen Ißerfaffun^ guget^anen Ortfc^aften an ben f^ürften 
oon ©aarbrücfen einaeretd^t ti)orben toar^ erhielten fie berriti» am 
7. 9}ot>ember ben JBefc^eib, t>a% e« ben Untert^anen ööBig freige» 
fteOt merben folle, ob fie ate frangöfifc^e Untert^anen, b. f). mo^l 
nad^ benfelben @lefe|en, be^anbelt merben ober fid^ in ein Sicco« 
mobement einlaffen n^oüten. %Oein ber franjöfifd^en SSü^lerei 
gegenüber ertt)iei^ fid^ aud^ folc^e Sonceffton unnülf. Wian mu§ 
aber noc^ um biefe 3^t in ber Xl^at einen Unterfd^ieb jmifc&en 
ben officieHen SJertretem ber 9tepublif unb einzelnen ^anjofen 
unb f^ranjofenfreunben mad^en, meldte ben Slnfc^ifu^ im@e^etmen 
betrieben, ©o ^ebt ber Äentmeifter (Sb^arbt (am 16. 9?oü.) rü^* 
menb Ijerüor, toeld^e SDtanndjud^t unb reblic^e 3)enfungi$art bie in 
!öorfen|eim ftationierten fraujöfifc^en Dfficiere be« 10. SataiHon» 
ber Volontairs de la Meurthe gegen bie naffauifd^en ^Beamten 
betDtefen Ratten, „iubem ber commanbierenbe Obrift fd^le^terbingi^ 
ni^t zugegeben, bag ftd^ feine fieute burc^ ©d^lec^taefinnte k^er^^ 
leiten laffen, ft^ in unfere Angelegenheiten ju mifc^en". 3n 
bemfelben Sendet oemel^men »ir aber bieÄtage, baß bie @elber= 
)>reffungen auf ber 9tentei in Steufaarn^erben immer unberfd^ämter 
mürben, ©ogar bie verfallenen ßinfen ber feiner Qtxt ju ben 

(1792) . bie 9[cten l^ierfiBet ftnb x>9n SBetflot an ba9 (Sknetal^SanMocd^ ju 
^arl^xul^ albge^elben toorben. 



304 9e. &oidc, 

ßird^l^etmer ßoc^jeitöfeierlic^fettSfoften beiaefteuerten (Selber kuurben 
je^t jutücf^eforbert. X)ie 93eatnten feien fd^u^- unb kDe^rlod. S)fc 
großem @tc^er^ett balber tuaren biefelben fogar gejtuungen, i^re 
SBo^nungen mi) 93oden^eim, alfo auf frangöfif^eiS ©ebtet, gu 
üerlegen. Uebrigend feien nunmebr nid^t allein oQe 3^1^11^^ 
iiberaU üertilgt, fonbent ed mage fic^ auc^ iebennann baS 9ie(^t 
an, n^o unb h)ie eiS i^m gefällt bie da^b gu ejercieren. 

2)rei Xage fpäter ift ber 93firgerfrteg üoQenbd audgebrod^en. 
2)ie ^äufer ber färftlid^en Partei in bem großen 2)orfe Reeölaftel, 
n^eld^ed immer eined ber unru^igften U)ar\ mürben geplünbert, 
ber @^aben bed äRaired ^ifd^er bafelbft aUein auf 1000 ©ulben 
berechnet. S)ie Crtfd^aften ^erbig^eim, ®älgen unb äJöQerbingen 
tuaren noc^ günftig geftnnt. Slber .bie 3nfulten unb SBejcationen 
geaen bie 93eamten mürben täglich är^er; biefelben tparen i^reö 
^benfi^ unb @igent^umd nic^t me^r ftc^er unb baten, i^re 2)6' 
miffion münf^enb, in SBeilburg um gnäbige 193er^altuna$bef^(e 
für ben ^aü „ia% bad gange Slmt ober ber groge 2]^ei( oeffelben 
fic^ für bie SRepublif erllärt". 

yioäf ein te^ted SRittel mürbe üerfuc^t. ^Deputierte aud ben 
brei Ortfd)aften mad^ten fic^ auf ben 9Beg gu i^rem Surften, um 
)}erfönlic^ @u)7plifen gu überreichen, meiere beftimmte ^orberungen 
über Slbfc^affung Don äRigbräu^en unb Seibebaltung aOer i^rer 
©erec^tfame, „fie befte^en morin fie motten", aufftettten. ©icfelben 
finb üom 16. unb 17. SRooember batiert. (Sb^arbt . empfahl , bie 
bäuerlichen Slbgefanbten mit ©d^onung aufgune^men unb gu be- 
^anbe(n, ba man i^nen, ben gurüd^ebßebenen S3eamten, anbem« 
fattd eS entgelten laffen merbe. @m paar Zage fpäter berichtet 
te^terer noc^ einmal: ^ie 93ürgerfc^aft gu 9{eufaarmerben ^ätte 
i^m unb bem Sanbfc^reiber fomie benjenigen ©inmo^nern, mdd^ 
üon bem attgemeinen Tumult in ber @taot fid^ gurücfbielten, eine 
©elbftrafe aufgdegt unb fid^ bafür aui^gefprod^en, ben „gemefenrn 
J£)erren" eine SBac^e öor bie J^ür , gu ftetten. SBöttige Anarchie 
fei eingetreten, eö fei bie fatalfte 2age, mogu nocfe bie quälcnbfte 
Ungebulb fomme, irgenb meiere 9?ac^ric^t gu erhalten. „Ucbrigenö 
fe^en mir", fä^rt er fort, „au^ bem Journal desDebats, bap in 
ber Convention nationale bereite bie äRotion gemacht morben, 
bie ©raffd^aft ©aarmerben gur SRepublif gu jiel^cni bie ©ad&e aud^ 
an baö Comit6 diplomatique üermiefen morben". 

©omeit mar e^ nun gefommen, unb mehrere ©emeinben 
Ratten i^ren ©eiftlic^en fc^on bie ^^ürbitte für augustissimum et 
serenissimum untcrfagt, ate griebric^ SBil^etm üon 5Waffau feinen 
äJiinifter §ang ß^riftop^ ©ruft oon ©agern abgufenben bef^Ioft, 
um perfönlic^ an Ort unb ©tette noc^ gu retten, tuag gu retten 

^ $qI. bon @oaern, q. a. O. I, ®. 84, totld^tt etjdl^U, bag l^ier um 
ben Sftei^itdbaum fic^ l^ail^olüen unb ^j^toteflanten für unb aeaen gfÜTfl unb 
geeliflion Mämp]i l}ättcii. 



3ut ^efc^id^te ftana^fifd^er l^ertfd^aft am IR^tn 1792. 1793. 305 

mar. Magern ermähnt tu fetttem fßndjt: Mtin Snt^etl an ber 
$oIiti! \ toüdie^ er 30 3a^re naöf btefen (Sreianiffeti fc^rieb, bafi 
man in 2)eutf(^lQnb glei^ ju Slnfang guüiel Sluf^ebeitd üon ben 
unüermeibtic^ett Senberungen an ber fronjöfifc^en ©renge unb in 
ben @nclaüen ober umf^Ioffenen Gebieten gemacht ^abe. @d 
jeigt fid^ in feiner meiteren t)arfteDung , bag and) er atö frfi^ 
oertoö^nteiS Äinb feiner QAt bie JBorre^te ber priüilegierten Äloffen 
in jenen Sagen ^ö^er Jc^ä^te ate bie nationale Sufammenge^örig« 
feit ber fiänber beutf^er S^nge. 3laä) feiner eignen Suigabe^ 
»ar er 21 3a|^re alt, ate er (1788] bie ^räfibentf^aft ber «e^ 
oierung bed ^^ürften oon iKaffau ^ äBeilbura fiberna^m, unb biefer 
^rft felbft mar nod^ ein 3a^r jfinger. @ro^e 9ie^ententugenben 
unb Chttfd^lie^ungen fonnte man ba^er billigermeife üon beiben 
nic^t erwarten, ald bie Sleüolution fiefo plö^li^ an i^ren^renjen 
äberrafd^te. 2)ag ®agem mä^renb ber ^^olge^it ^emeife üon 
tüc^ti^er biplomatif^er ^Begabung, befonberd im ^affau«Oranif(^en 
$audmtereffe gegeben ^at, ift ju betannt, ate bag ed nöt^ig 
märe barauf metter einjuge^en. Unb fein fjfärft i^riebric^ SEBil^Im 
befag auger ber @abt ber fReprftf entation , meiere Magern ibm 
öfters nad^rü^mt, auc^ bad Xalent ber ^lug^eit unb @elbftoe^ 
fd^eibutig, melc^ed er baburc^ bemied, bag er nad^mald 1806 in 
bie StoUe eines (Srbprin^en für baS neubegrünbete einheitliche 
^er^ogt^um 92affau jurfitftrat, inbem er fonft gleid^ anbern TJaf- 
fauifd^en Sinien ber ^ebiatifierung burc^ iflapoUon fc^merlid^ ent« 
gangen möre'. 

«m 23. 9Ioüember 1792 entfc^Iog fid^ alfo ^friebri^ äSil^elm 
,,üorerft ben @e^eimbben 9iat^ t?. (Sägern nad^ 9teufaarmerben 
abjufenben''. Srft 42;age fpäter ^ält bie diegierung in 9ßeilburg 
eS für nöt^ig, bem bebrängten SRentmeifter Sbl^arbt biefeS mitju« 
t^eiten. ®agern mar böflic^er, uttb in SuSfäl^rung beS i^m jeben^ 
faQS münblid^ oom dürften jeitig ert^eilten Auftrags ^atte er 
fc^on am 20. beffelben äRouatS feiner @eits an Sb^arbt gef d^rieben. 
(Sin ^ipxe^bDtt oon SBeilburg bis @aarmerben brandete bamals 
5 Jage. ÄlS ber getreue Seamte nad^ biefen 5 lagen ben JBrief 
empfing, mar feine »nfid^t t)on ben®ingen eine anbere gemorben. 
äRit bem %ont beS l^ebauemS, gugleic^ aber mit jener Sutfc^ie^» 
ben^eit, meiere baS ^emugtfein erfttOter $flid^t berlei^t, fc^reibt 
er an @agern jurücf : „S)er ie|igen Sage ber ©ad^e nadd mirb ein 
Sommiffar nic^t aQein nichts auSrid^ten, fonbem aucb fein Stuf« 
trag periculos fein, ba bie Convention nationale fc^on 9?ottj 
ooii ber ©ad^e f)at unb nur bie S^oQmac^t ber Assembl^es pri- 



^ Qb. l, 6. 32. 

« «. a. O. ®. 30. »gL aufectbem «Kg. bcutfd^e »iogt. »b. VIII, 
e. 303 ff. 

* «Ugemeine beutfc^e 99tog¥o|)l^ie «b. VII, €. 568 f. ^rtebttd^ äBil^lm 
t 1816; ^tx^o% 9BUl(|cltn I. (Dar fein @ol^n, nid^t betjetiige ^tiebticl ^uguftö. 



806 fit. motdt, 

maires ettoartet tuirb, um einen orbentßc^en Sertrag ju maäfnL 
Sd bleibt a(fo meinei» ®rmef{end nic^tö übrig, atö bad 2)eccet ber 
Sonüention absumarten unb fic^ tt^omüglid^ bei berfelben felbft 
}u öer»enben". 

3)iefe S3otfc^aft erreichte ben äRinifter bei» grürften in ftin^« 
beim in ber äJfal}, n)o^in er ftdb über SRainj begeben ^atte. 
aRain) ^atte feit bem 19. 92oüember\ am Xage jened 2)etretd 
bed SonüentiS über bie unterbrüctten SBöIfer, burc^ Suftine eine 

Sroüif orifd^e reüolutionäre Sbminiftration erhalten, aber fiin^^eiiiM 
3oIanben, bamatö ein naffauifc^eiS 8mt nebft @tabt gleichen 9ta^ 
mend, am 2)onnerdberg gelegen^ — toorauf n^ir noc^ nä^er ju 
fpred^en lommen toerben — toar ju jener 3^it no^ frei üon ben 
t^ranjofen. ®agern empfing ^ier bie obenerwähnten 2)eputierten 
Don iperbij^eim unb @ühen, toelc^e oon SEBeilburg aud an t^n 
k^ermiefen maren. Sr gab benfelben ,,Serma^nungen, feine Ser^ 
loinigungen, benn fie koiffen eiS fomo^t loie \(i), ba§ am Snbe t^ 
@d^idfal meber Oon meinen 93emü^ungen noc^ Don i^rer SEBa^I 
unb (ilfrem) SBiOen, fonbem üon bem Sui^gang eined blutigen 
ftriegei» abhängen mirb''. 

hierauf beaab fic^ ber jugenblic^e äßinifter nac^ Rtmbxüien, 
an n^elc^em $ofe fein Ißater bie äBürbe eineiS Ober^ofmeifteriS be« 
Reibet ^atte unb ^anf^ S^riftop^ ^uerft ald 9legierungd ^ Sffeff or 
tbätig gen^efen koar'. ^ier^in foroerte er ]|e|t bie {Beamten auf^ 
iReufaarn^erben auf, üor i^m gu erfcbeinen. KUein Sb^arbt unb 
ber fianbfc^reiber S)if(^bein getrauten fid^ nic^t bied gu t^un, in« 
bem fie bann nic^t o^e äRijs^anblungen }u gen)örtigen ^ntüd' 
teuren lönnten. @ie fanbten aber ini^ge^eim ben einzigen Cer« 
treter ber ben)affneten fürftli^en SRad^t im S(mt ©aartoerben, 
ben Sieutnant SBader ju ®agem nadb B^eibrücfen. SEBacfer er« 
närte: bie bortige n^eltlic^e S)ienerf(^aft ^abe }ur @tc^er^eit i^rer 

terfon unb Familien unb um bort bleiben }u fönnen, um t^ 
tttlaffung angel^alten unb bie nad^ $arid gegangenen ©d^riften, 
tt^elcbe bie Beunion mit f^antreic^ bewirten foOen, mitunter^ 
fd^reiben muffen. 9Ran edoarte nun bai» SRefuItat biefer SBermen- 
bung mit Ungebulb, unb bie Unruhen im Smt unb Donfiglid^ in 
ber @tabt 92eufaartt)erben feien aufd ^öd^fte geftie^en. ^ fei he^ 
reitd aQed immunem auf ben franjöfifd^en fJruB eingerichtet, Wta-- 
nici))alität , ^^iebeni^rid^ter, allgemeine ^ürgertt^ac^e etabliert, bie 
Waffen beraubt unb ausgeleert, aDe iBeja^Iungen an bie ^errfc^aft 
unterbrodEfen , unb ber vlatne bed dürften n^erbe gar mc^t o^ne 
bie öugerfte (Erbitterung genannt. 2)ie @emeinbe 99urbad^ fyibe 
xfjxtn Qntfd^Iug, fic^ an f^ranfreic^ an^uf erliegen, ie|t h^ieber ge- 
änbert , unb n^oDe eine eigne 9{e))ubltf formieren. 9}eben einem 

* 9)fiL Stidn, a. a. €. ®. 238 ff. 

* SqL IBftfd^ing, a. a. O. S. 223 f^ 

* m%X, mein %xdifftt an b. $ol. I, e. 15 «. 18. 



/ 



3ut dkWdiit }ian^[x]d^ ^rtfd^aft nm 9l^in 1792. 1798. 307 

9(büotaten S)oecr, bem man allgemetn eine große ©d^ulb an bem 
Stufru^ beimeffe, ifobe tooiil bte @tabt JBocfen^eim ben größten 
Snt^etl, ^benn n^enn and) bie Sogenannten antorit^s constitu^s 
fid^ nid^t eingemifc^t Ratten, fo Ratten boc^ bie bortigen (Sinmo^ner 
beftänbig aufgeftiftet". 

®agem burd^fc^aute, baß bei ber @tabt JBocfen^eim bad 3n« 
tereffe in iBetrac^t tarn, bnxd) bie äleunion Chef-lieu eineiS ^u 
ftrtctö ju merben. @r melbete juoleic^ feiner 9tegierung, ba% aud^ 
bai^ ^^ali'Stot\bxnd\^6)e Oberamt ^ergjabem \ totldjtf^ üon ^rant 
reic^ mit jum Unterelfag gered^net mürbe, revoltiere. Ser ^er}og 
wn 3n>eibriicten (Sari äuguft, 93ruber Don äßa; 3ofe^^, na^^^ 
maligem erften ^önig Don iSaiern, fanbte Sommiffare unb 300 
SRann nac^ bem bebro^ten S(mt, meiere jugteic^ mit einer fram 
jofift^en ©auüegarbe t)erfe^en n?aren. Snbeffen ber franjöftjc^e 
@efanbte bei biefem ^ofe §atte, mie ®agem meiter erjä^It, ^etm- 
lid^ ben Sommanbanten t7on Sßeiffenburg oerftänbigt „d'accorder 
aide et protection ä tous ceux qui r^clameraient les droits 
de rhomme unb fielet man alfo baraud, mad üon ben franiöft:" 
fc^en ©auDegarbei^ ^u galten ift". S)ie ^er}ogIid^en ixnppm 
mußten fic^ jurüd jie^en ^. 

3)ad Oberamt mie bie Untert^anen üon @aarbrüd(en unb 
@aam>erben, fon^eit ed naffaU'faarbrücCifc^ mar, j^attenfid^ in^mi« 
fc^en ebenfaüd um bie Steunion bemorben. ^iendtaa ben 11. 
^ecember foQte hierüber SSortrag beim Sonoent bnxd) ben ^e^ 
)>utirten 9{embeQ erftattet merben. 3n ^ardtirc^en mar bie 9te« 
beOion nic^t geringer ate in 'Jteufaarmerben. @in faarbrücfifd^er 
8bgeorbneter ^ofratb 9teufci; mar na^ $arii^ gefd^icft morben im 
3ntereffe bed dürften Submig, richtete aber nid^td and. ^ai 
©^loß biefed 50^*^" 1" ©darbrürfen mürbe fpäter fogar burc^ 
bie Sansculotten üerbrannt, er felbft auÄ bem Sanbe üertrieben*. 

Sngefid^td biefer @ac^(ape fab ©agern fic^ barauf be« 
fd^ränft, in @aargemänb mit einem Siec^tdanmalt ^ibiot in SBer^ 
binbung ^u treten megen @id^erung ber fürftlic^en 2)omai^ 
nen, fpecteD ber SBalbungen. Vluf^erbem empfing er am 9. 
2)ecember in Swtibxnden nod^mald eine S)eputation an^ ^erbi^^ 
^eim unb @üljen, meldte ibm erflärte: @ie moQten an i^ren 
lieben f^ttrften bie ©runbfteuer jal^Ien unb ben großen S^^ti^^i^* 
„SSom Keinen 8ef)nitn aber moßen mir gar nid^t« ^ören", festen 
fte fogleic^ ^inju, unb nb€xf)anpt mar bie Stimmung biefer ®e« 

« »gl. mWn 0. a. O. @. 71. 

' Ü^l d^emling, ^ie 9t^in))fah in bet 9let)otutioitdaeii (®ptxn 1865) 
I, 143 ff. u. II, 459 f. u. aaß. b. ©logt. XV, @. 338. 

» 3)öl. aflg. beutfd^e SBioQX. VII, 6. 568, 9lemltnö 0. 0. O. I, 567 ff. 
Xfdqob. ^i]ditt, in f. 0eft^. bon Soattoetben u. ^erbi^^tm, R^vue d'AIsace 
VU a. a. C, ]pti(S^i ))on gtogent (^tge^enfommen Subloigd ton Baaxhx&dnt 
gegen bie SteDolution, Tetprit pubüo fct gfinflig füt gftairftftd^ getoefen, ob« 
moifi bie 9eb5li^rmig bentfd^ f^d^. 

XXV. 21 



308 % («oedfc, 

treuen — anä) in ber Saucrfd^aft ÄeeSfaftel tt^nrben no(^ 81 
folc^er gegä^It — berartia, bafe ber SOiinifter i^nen erlüibern ju 
muffen meinte, bo§ ber Vlugenblic! fc^ted^t gctoätjlt fei, SJertpiUi* 
gungen ju er^reffen. 2)ie eingige pofitioe Serfic^erung , bie er 
il^nen gab , tuar, „bafe fie in 3"'""!* ^"f ^ßen ^aü nxdfi foüten 
o^ne ÖotteSbicnft gefaffen werben, — glaubenb, bog biefer 
^unft — bie Srreligion unb SBerbränqnng ber ^eftcr in ^xanh 
xtidf — üießetc^t noc^ auf fie ben meisten ©nbrurf machen toerbc". 
äRan fielet, ju irgenb n^eld^er Sonceffion an ben @eift ber neuen 
3eit toar bie naffauifd^e Sftegierung nic^t bereit, unb eS ift auc^ 
nic^t tea^rfc^einlid^ , ba% bad ©c^icffal i^rer linter^einifd^en SBe« 
ft|ungen baburc^ ein anbereS geworben wäre. 

%ie ^Beamten @b^arbt unb 3)ifc^bein waren um t^re Snt« 
(affung eingefommen, wie ed in einem üertraulic^en ^üatbriefe 
be« erftem ^ie§ , nur 'pro forma', inbem bie Umftänbe unb bie 
ganj ausgebliebene ©ülfe fie gwängen, biefcn oftenftblen ©c^ritt 
iu ti^un unb bem SBunfd^e beS großen Saufend hierin gu folgen. 
„yiad) ben neuften ^arifer 9?ad^ri^ten f^eint e« feinen Änftanb 
gu ^abcn", fä^rt Sb^arbt fort, ben gürften i^re eignen JBefi^ungen 
weggune^men. „^Jiic^tS bleibt übrig ate fortunaMartis". Äepn* 
(id^er Snfic^t war ®agem, welcher ilbrigenS ben SSunfc^ au^- 
^pxadf, bag bie genannten Beamten gur Beobachtung in 92eufaar« 
werben blieben. 6r berichtet am 19. 3)ecember am ©c^Iuffe eined 
langen JBeric^tS an feinen gürften, beffen Sn^alt wir im üorfte* 
bcnben wefentüd^ wiebergegeben ^aben: „Qnx Ser^inberung ber 
dteunion fe^e id^ (ein anbereS äRittel, baS übrig bleibt, ald ia^ 
®lnd ber äBaffen. %te 9tebeDion betrad^tet, werben nun bie 
reic^dgefe^mägigen SBege, gu benen man fc^on im oorauiS ent« 
fc^Ioffen war, nämlid^ bie ^(age beim ßammergerid^t, einguf Alagen 
fein. 3n beffen wünfd^te id^, ba§ man ftd^ bemühe, bie nocg treu 
gebliebenen Örtfdiaften in nexu ^u erl^alten, wenn fie au^ am 
Snbe bem @c^icffal ber @raffd^aft Willig ober unwiDig folgen 
muffen''. Man möd^te i^nen, f^Iug ®agern oor, wenigftend ein 
aufmuntcmbeS Sob unb bie aHaemeine Serfi^erung ffinftiger (£r- 
fcnntlid^Icit gultieil werben laffen. Aber felbft bierauf Würbe in 
SBeitburg nid^t eingegangen. 

Sngwifc^en war am 15. S)ecember 1792 üon ber SRational* 
(Eonüention gu J?ari8 baö 3)efret * erlaffen worben , burd^ welche« 
bie gfränfifc^e Stepubli! bie ^rei^eit unb ©ouüeränetöt aller ber* 
jenigen SSötter üerfünbete, ju benen fie i^re SBaffen bereit« ge* 
bramt ^atte ober no^ fünftig bringen würbe, öeftimmte JBor* 
fd^riften waren ^ierburd^ für bie ®enerale ber 8leöoIutionö^eere 
gegeben über bie Art ber Siepublicanifierung ber eroberten ßänber. 
i>\t fränfifc^e 9?ation erflärte, baß fie baSjenige Sotl ate i^ren 

• ®€btttcft Bei «ud^ei «. «ouj. Eist. pari, de la r^v. fr., Pari« 1835. 
T. XXI, ©. 351 ff. SBflI. bon S^Bel, o. ö. O. €. 68. 



3uv ^^iäfit ^anfim^x ^ettfd^afi am m^im 1792. 1793. 309 

Ofetnb bel^anbeln tofirbe, toeld^ed ^rei^eit unb ©leid^l^ett itic^t on^ 
erfennen kpürbe. 3nfolge beffen ftieg ber 3)2ut^ ber Slufrü^rer in 
ben Kernen linför^einifc^en beutfc^en |^errf(^aften in eben htm 
SKage, ald ber ber gut bentenben SBitr^er fanl. ^äft nur bie 
{Beamten ju 9leufaam)erben, f onbem and) bie gu ^ardfird^en batten 
für bie f ogenannten 3)e))utierten ber ©raffd^oft, kpe(c^e nad^ $ari8 
gingen, eine Slrt JBoQmac^t unterf^reiben muffen, n^elc^ed nic^t bie 
t)on (entern überbrachte Petition um bie iReunion felbft n)ar, tnie 
ßb^arbt in einem (Sntfd^ulbigungdfc^reiben aud f)7äteren 3a^ren ber^ 
üor|ebt; benn feine 9flegierung tuar meit entfernt baüon, biefem ^e« 
omten ju bauten, fie fanb fein Setragen jmeibeutig unb entjog ibm 
auf lanae Qai i^re @nabe ^ 2)er äBunf^ gur fReunion geigte ftc^ 
angeblid^ nun au^ in ber i^errfc^aft ^ec^ingen (Sr^^ange) unb 
bem Sßinb'Sftuntelifc^en ©teinbieberdborf ($ont«$iene). jlrie^tngem 

? Tuttlingen bilbete eine ^errf c^aft im Umfang ber ©raffc^aft @aar< 
rüden, ^atte e^emald unter frangöfifd^ ^ lot^ringifd^er ^o^eit ge^ 
ftanben, toar aber 1766 burc^ laufc^-Sertrag an 3?aff au » ©aar» 
brficfen gefommen'. SlDe biefen tleinen ^errfc^aften gufammen 
entfc^Io§ fic^ ber frangöfif^e (SouDent nun auf einmal %n nehmen, 
am 1. gebruar be« Sa^re« 1793 gab griebri(| Söil^elm 
Don 9}affau burc^ eine iRefoIutton an ®agem ju erlennen, baB 
er „bermalen üon weitem 2)emarc^en in $arid abftrai^ieren'' moOe, 
ba na^ ben Don ©aarbrücfen erhaltenen S^ac^ric^ten bie bortige 
Slbfenbung o^ne Srfotg geblieben. S(ugerbem fei ja bie reoolu» 
tionäre frangöfifc^e Stegierung üon ^aifer unb 9tei(^ nic^t aner^ 
{annt. (Sine SBod^e f))äter langten bie 9Jo((dre)7räfentanten Saporte 
unb 93Ieau{, melc^' le^terer neben feiner Sigenfc^aft ol^ deputierter 
bed Sröofelbepartementd aud^ SbDofat unb 3Raire gu @aargemünb 
toax, in Steufaarmerben an, unb fc^ien, nad^ i^ren vorläufigen 
8leu|erungen unb nac^ (Sb^arbt^ (e^tem l^eric^t, bie Slnna^me Der 
®raffc^aft beim (SouDente „(einen Slnftanb gu ^aben''. S)er %mU 
mann (£bel, melc^er fid^ bamald gu SSeilburg befanb, fügte nad^ 
-JßriDatbriefen ^ingu*, ba§ Äard^er in 9 Jeuf aarwerben einftmeilen 
gum ^^räfibenten'' biefed i^anbed getoä^It fei unb mit feinen ©pieg» 
gefellen umberg5ge n^ie ein Släuber. @in O^m äSein nac^ bem 
anbem liefee er e« ftc^ (often, „um bie Sumpen auf feiner ©eite 
^u bebten''. Unb ber Lieutenant Sßader, ti^elc^er fid^ ebenfaQd 
fpäter in äBeilburg melbete, berid^tete, baß bie Beamten n^ä^renb 
ber QAt ber Ungen)igf|eit über i^r ©c^idfal ein toaffxt^ ^anni- 
balenleben geführt l^ätten, unb ^ard^er burd^ bie iRational « Son» 
Dentd^2)eputirten a(d ^räfibent Dorläufig anertannt fei. 

^iefe S)eputierten n^aren rec^tlic^, bad ^eigt Dom frangöfifc^en 



> Ste^tfertigungdf^tift beS Sienimeiflerg (Shl^axhi, Btaailkix^, äBte^Baben 

CK« tt. O« fMC. III. 

' « aigt »üf^ing, a. a. O. <S. 235 u. 834 ff. 
* gfür bo8 Sfolgenbe ifl beitu^i Gtoatdord^tb 90ie9babcn o. Q. O. fiuc. II. 

21* 



310 91. Q^otdt, 

©tanbpimft axi^, l^terju beoonmädjttflt burc^ t)a^ 5E)efret Dom 14. 
gcbruar 1793. 3)affelbe Dercinigte in einer Siei^e oon Ärtifeln 
bo§ gürftentbum SJionaco mit bem ®e)}artement ber ©eealpen, 
bag {^^ali'ü\vtibxnd\ii^) 9?ieberamt ©c^aumburgS bic oben» 
genannten Sommunen Stied^ingen, Tuttlingen, $ontpierre unb 
eine Steige onbercr mit bem 2)e^)artement ber SRofel, tt?ä^renb 8r* 
tifcl 3 folgenbermafeen lantete: Les communes du pays de 
Saarwerden et de Harskirchen aiiisi que celle d'Asuiller sont 
röunies au territoire de la R^publique et seront riparties 
entre les d^partements du Bas-Khin, de la Moselle et de la 
Meurthe suivant le mode qui sera d6termin6 par un decret 
particulier *. 

3lad) ber ^ierburc^ üofläogenen formeDen ®inüerleibung ber 
©raffc^aft ©aartoerben in g^anfrcid^ na^m bie SJeuöIferung ber? 
felben eine üerfd^iebene Haltung ein. ßinem Pfarrer in ÄeeSfaftel, 
n^elc^er fid^ an bad färfilid^ meilburgifc^e Sonfiftorium gen^anbt 
^atte mit ber 3frage, n^ie er fic^ in ^infic^t beg ju forbernben 
SonftitntioniSeibed gu üerl^atten ^abe, toax geantn)ortet h^orben, ed 
foUe i^m nid^t jum SBorttJurfe gereid^en, wenn er i^n leifte. 3n 
ber SBoigtei |)erbij^eim, wo bie ^xiidfte beö ^crrfc^aftlic^en 2Ma* 
gagind gepifinbert morben maren unb bie SEBälber arg oermüftet 
würben, mußte bie ©ibe^Ieiftung burc^ ©jecution erjtoungen toer* 
ben'. ß« liefen in SSJeilburg allerlei Unterftü|ung«gefuc^e öon 
vertriebenen unb flüd^tigen iReufaartoerbem ein, toeld^c bem 
fürften treu bleiben »outen. Sxotx ©eifttic^e au« SBurbad^ unb 
jttjeiler conftatierten mit ®enugt^uung, „ba| bie ©aartoerbifc^en 
Satl^olifen grögtent^eifö 3^ro ^od^fürftlic^en 2)urd^Iauc^t getreu 
geblieben uno fic^ ftierinnen gegen bie rebeHierenben ^otcftanten 
e^renüoD auÄgegeic^net l^ätten". 3)iefe öfter« wieberfe^renbe 8e* 
merfung n?iro öon ®agern oollauf beftätigt^ 3m aDgcmeinen 
aber, fttgt berfelbe l^inju, gab „bie gan^e fleine JBölferfc^aft ungc* 
meine QÄdjen ber (Srgeben^eit ; unb bie gtanjofen mürben mit 
®rimm, ja felbft mit Erbitterung aufgenommen. äRan ^at jif 
fteuem gehabt, um üomSWorben aogu^aften; id^ fenne Drtfc^aften, 
bie fi(^ erboten fjranjofenlöpfe alei^ ©jperlingen ju liefern", 
©n fol^er ©fer, wenn er tfjatfä^lic^ öor^anben war, tarn nun 
jebenfaQiS ju fpät, unb foweit id^ aud ben S(cten m fe^en oermag, 
überwogen bie 0agen ber „Unglitcflic^en, welt^e burd^ ben ®reue( 
ber SJerWüftungen Der ^^ranjofen unb i^rer Don f^ei^eiti^fd^winbel 
betäubten beutfc^en Sn^änger in bie ^ö^ft traurige 92ot^Wenbig^ 

» i^fil. t). S^bcl a. a. O. @. 103; ©üfd^ing VII, 73 f. 

' 93gl. S)agob. gfif^er, in Rävue d^Alsace VII, S. 494. ^m 16. 
3uni 1794 toüxbt iBouquenon unb 9{eu{aQrtoerben ^ut Commune 6oarunton 
Deteinigt. 

* Staatdart^ib SBieeboben a. a. O. fasc. I. gfflx bad golgenbe ifl toiebcx 
fasc. II benu^. 

« anein 9lntl)cil an b. $oI. I, @. 34. 



3uc eeW^tt ftanaöftfd^v ^enfd^aft am 9{^in 1792. 1793. 811 

feit gefegt mürben, mit $intanfe|itng i^rer $abe, i^re SBol^norte 
unb f^amilien )u üerlaffen''. 3n biefer Haae toax andi, toie kuir 
toiffen, ber ehemalige Slmtmonn @bel, meldpem im f^rübja^r 1795 
feiten» beffelben granfreid^g, tpobon er foüiel gehofft ^atte, ba« 
©d^idfal ju Xl^eil tourbe, aU (Smiaront be^nbelt ju toerben. 
^udi er befannte fid^ nun }u ber Snfid^t, ,,bag bei ber ie|t bort 
l^errfd^enben Partei , beren Sln^ang unb $öbel , alle ®runbfä|e 
beiS 9?Qtnr^ unb SBöIferred^tiS üerbannt finb, unb folc^er, nämlic^ 
ber ^dbel, auf nichts ald toa^ er feiner bhttbflrftigen unb l^ab« 
fü^tmen (SonDenienj gemä^ achtet, audge^t". 

%affau aber gab bamald feine^megd bie Hoffnung auf, burd^ 
ben am Anfang 1793 erllärten 9teic^§frieg toieber in ©efi^ ber 
®raffc^oft ©aartt?erben ju gelangen. 3)ie Jiac^fuc^ung beg öfter« 
in Sudfic^t genommenen Iaiferli<$^ unb 9{eid^i^(ammer^erid^t(ic^en 
äRanbati^ ^ätte n^obl menig bagu beigetragen unb ift be^^alb 
t^atfäd^Itd^ unterblieben'. 

5E)ie ©erfiidöe ber grangofen unb graujofenfreunbe, in anbern 
linför^einifd^en naffauif^en «emtem fic^ feftjufe|en, in ftirc^^eim 
foioie in «ffenj, fd^eiterten üorlöufig. 3)a8 ämt unb bie ©tabt 
ftird^^eim(*S5oIanben) ift nic^t ju Dernje^feln mit bem ®orfe ftirc^» 
^eim am Sd, »el^e« bem ®rafen üon 2eininaen*S33efterburg ge= 
borte. (Srftered lag an bem mit Sieben, fBnqen unb ftaftanien 
betoac^fenen 3)onner8berg jtt)ifc^en ben G^urpffiljifd^en Äemtem 
aige^ unb Äaiferi^Iauteni unb ben ©raffd^aften Seiningen unb 
falfenftcin. (So beftanb aui^ ben ^errf^aften SKrd^l&eim unb 
5tauff mit einigen gwanjig Dörfern unb ber ©tabt ftirc^^eim* 
Solanben , lefetcre an^ ettoa 300 Käufern befte^enb , nt^t toeit 
entfernt üon bem gelfen ÄönigÄftu^I. «ufeerbem gehörte ber 
gleden ©öll^eim, »o 1298 Äönig ?lboIf üon Waffau gef^Iagen 
unb getöbtet mürbe, ju bemfelben Amt. 3n Äird^^etm unb in 
©tauff gab e« fürftlid^ 9Jaffauifc^e ©d^Iöffer. 3)a» ganje «mt 
batte 5564 ©eelen. ©(^on im 2)ejember 1792 batte ber fraujö^ 
fifd^e Dberft ©c^IeglinSf^ öon ftreujnad^ an^ fid^ oielfac^e SRäu* 
bereicn unb Uebergriffe in biefe« Amt ju ©cbulben fommen laffen. 
am 16. genannten SKonatS na^m er fein Hauptquartier in bem 
S)orf aWarn^eim. ©eine perfönlidbc SRec^nung bafelbft meigerte 
er pdb JU beja^Ien, er mic8 ben SBirt^ bamit an ben gürften öon 
9?affau, inbem er erllärte : la R6publique Franijaise ne f alt pas 
la gaerre au peuple, mais ä ceux qui gouvernent et qui gou- 
vement mal. „Älagen — bie ibn ju bem legten ÄuiJbrucf Ratten 
bered^tigen mögen — maren an^ bem Amt ffiirdb^eim fidler nid^t 
an i^n ^efommen", fügte bie aSeilburgifcbe SRegierung biefem 8e* 
rid^te ^mju. 3tt>öng«meife SRequtfitionen üon J^^^^^S^ '^^^ 
grüd^ten unb JBrennboIj, meldte« ju einem niebrigen ©afte nad^ 



1 



9^1. 6ummottfd^e SSotteoung o. a. 0. SBeilbutg 29. 3unt 1798. 
^l. Sftfd^ing a. q. 0. ®. 223 f. 



312 % (^otdt, 

äRainj geliefert tocrbcn mu|te, folgten, «m 11. gebruar 1793 
tarn Sa))itain äJtangin, Slbiutant Dom @enetalftab be0 ®enecatt 
Suftine , mit jtuölf dteitem na6) ^itd^^eim , um „bie ®runbe bei 
nun ju ertoartenben grei^eit«^ unb ©leic^^citsprebiger mit bem 
@fibel in ber f^auft ju unterftü^en''. ®r na^m mit @ema(t 
Quartier im l^ertfd^aftlic^en ®c^(offe; and) f)kx fd^ien aOed de 
bonne prise erllärt ju fein, inbem, abgefe^eu Don ber unbeja^It 
gebliebenen S^^^^^S/ Sourage, §oI} unb ßic^t, alle« toa^ [xdf 
nur aufpacfen Heg, ate »ollene S)e(fen, JBettjeug, lifd^jeua, fon* 
ftigeiS SSei^jeug, ^enfterüor^änge u. bgl., ferner @ättet, ^me, 
@tangen, Sattelbecf en , $f erbebed en , @urten, iTCüdengame, ^u 
ftolen, Seitengen^el^rfuppel, ^uttertvannen, Wlani\&de, f ogar f^acfdin, 
$utfd^er)7eitfc^en unb ^oft^omfci^nüre, furj aÜed toai i^m nur 
anftanb, üon feinem Sommanbo fortoefc^Ieppt tt)urbe. ©elbft aud 
bem ^immer beS gürften ^ricbric^ SBü^Im, »elc^er fi^ gern in 
^ird^qeim aufzuhalten pflegte, n^urbe ein Oranifc^ed ^amilien-Se:^ 
mälbe, eine ©ammlung oon Äupferftid^en, mehrere Sucher, gern* 
rö^re unb %etnQt&\tt, fobann auö ber Sibliot^ef jwei grofte ät« 
lauten unb oiele eingelne Sanbf arten, mie auc^ eine betra^tlic^ 
Slnja^l Don Sudlern „meg- unb mitgenommen''. X)iefed n^aren 
bie Präliminarien ^n bem toa^ man Dor^atte. 2)en 20. f^bruar 
begann, toie ber officieUe naffauifc^e ©eric^t * fic^ auÄbrütf t, „bo8 
groge SSßerf ber Sinfä^rung ber fogenannten f^rei^eit unb 
©leic^^eit". 

(Sd ift nöt^ig, ba^ n)ir jum SSerftänbnig beS ^olgenben ettoaiS 
nä^er auf bielSorgänge im na^enSRainj eingeben. Xie bort am 
19. SRoüember eingefei^te „allgemeine äbminiftration" batte aW 
^äfibenten S)orfc^ ^ einen fräpent fat^olifc^en ©eiftlic^en^ n^elcj^a 
nad^mate 1794 ald ^äfibent ber Sentraloertt^altung gu Slad^en 
unb feit 1798 ald unterpräfert )u S(eoe im 9ioerbepartement 
miebererf^eint. @r ift jugleid^ ber Serfaffer einer fe^r guten 
@tatiftif le^tgenannten 3)e))artementj$. @r n^ar bifd^öflid^er Sicar 
^u ©tragburg gen^efen, unb barum nic^t Diel beutfd^er @imt Don 
t^m JU ermarten. 9{eben unb fcbon Dor ber allgemeinen Stbmini« 
ftration toar ber Sacobiner^CIub ■ in SRainj fe^r gefd^äftig, fran* 
jöfifc^sfrei^eitli^e ®efinnungen in ©tabt unb ßano ju Dcrbreitcn, 
SRan !ennt ben ?ßrofeffor ^ofmann , toefd^er felbft Cuftine gegen* 
über bie ©elbftänbigteit bed 6(ubd ju toa^xen mugte. 9(ß 
^riDatfecretär be« frangöfifc^en ®enerafö tritt ber frühere cDange* 
Itfc^e 2::^eologe ®eorg 3BiII^. SBö^mer auf *. (Sotta ani Strasburg 
lieg ein ©c^riftd^en erfd^einen: äEBie gut ei je^t bad l6oIt am 

^ Gemeint ift bie „<5ummatif(^e ä^orlegung*. 

* aSgl. übet tl^n SUgemeine beutfd^e eiomapffie, V, 6. 361 f. unb fe^ 
oudfül^lid^ ftlein, ®ef(i^. bon Tlain^ 6. 289 ff. 

* dbenba ©. 157 ff. 

* ^Ug. beutfc^ i^iogtapl^ic III, S. 75 f. 



3ur QkWö^it franaöfifd^ ^rrfd^aft am 9t^n 1792. 1793. 313 

;ein unb an ber a^Jofel ^aben fönnte ^ '^ctpe, ein meftp^äßfc^er 
Senebtctinermönd^ unb früher ^ofeffor ja SBonn, gab einen Stud^ 
jug bei franjöftfd^en Sonftitution ^rauiS. SBeibe ©c^riftc^en 
mürben maffenn^eife unteriS Soß ^ebrad^t. (Sd war bie Stbftd^t, 
inbem man SSa^Ien ju einem r^eintf^^^beutfcl^en Sonbente nac^ 
SKatnj audfc^rteb, alled Sanb jwtfc^en ^Bingen unb Sanbau, fjaivpU 
\&dßa) alfo bie brei el^emaligen Sidt^ämer Waxni, @peier, äBormd 
unb eine ^nja^I bajmifc^en gelegener fleinerer ^rrfdbaften mit Slud« 
no^me ber ^urpfäljif^en ©ebiete, bie man bamald aud ®rünben 
ber ®i|jlomatie fc^onte, — in bie franjöfifc^e SRepublif einjuoer? 
leiben. 3)iefe SBa^Ien mürben burc^ ©imon unb ®t6goire, welche 
t)on $ari$ an^ aU ätegierungd^Sommiffäre ber DoQjie^enben ©e- 
malt ber frangöfifc^en älepublit nac^ Tlaiwi entfenbet Sorben 
maren, auf ben 24. gebruar 1793 feftgefe^t. Qn JBeginn beffelben 
3a^red maren augerbem bei ber ^rmee Suftined ^^einarmee) 
brei SoIföre))räf entanten , SDlJerlin an^ X^ionüiQe, membett au^ 
Solmar, fpäter 9RitgIieb bed 2)irectoriumd ju $arid, unb ^an^ 
mann aud @traPurg, angelangt, meiere bie Stepublicanifierung gu 
beförbern bie befte Abfielet Ratten. ®« mag hierbei ertoä^nt »er- 
ben , bag f obalb irgenb eine f rangöfifc^e ^Regierung mit beutfc^en ' 
^öllerfci^aften ober Regierungen ju t^un betam, fie fic^ mit Sor« 
liebe ber Slfäffer unb Sot^ringer a(^ 9}ermitt(er bebiente. 

3forfter, ber unglüdüidbe gorftcr, meld&er an gebrod^enem 
^erjen 1794 in ^ari« ftarb % »urbe burc^ Euftine ebenfalls oer^ 
anlagt, in bie aDgemeine Sbminiftration )u iD^ainj gu treten. @r 
ift ber Serfaffer beS „Unterrid^tÄ für bie ®emeinbet)erfammlungeu 
unb bie in ben @täbten einguric^tenben Urüerfammlungen nebft 
einem 8n^ang üon ben Serri(|tungen ber 9RunicipaIitäten u. f. ko. 
)um ^ebroudpe ber Sinmo^ner ber @egenben smifd^en bem 9l^in 
unb ber 9Rofel. SKainj 1793 im. jroeiten Satixt ber gfranfenre^^ 
publik''. SOent^alben mar bie iBegeifterung für biefe Sßa^Ien 
je^r gering, felbft in ber ©tabt 3Rainj*, mo überhaupt bie ange« 
feffene 93ärgerfc^aft an bem treiben ber Sacobiner, meldte meift 
^rembe mareil, feinen 9(nt^ei( na^m. 2)ie JBet^eiligung an ben 
SBa^Ien mar aud^ üon ben 3acobinem felbft erf^mert morben 
baburc^, baß niemanb {umstimmen jugelaffen merben foOte, ber 
nic^t Dörfer ben C^ib ber Orrei^eit uno ®(eic^^eit ge(eiftet unb 
aOen Privilegien unb Sorrec^ten, bie er bid ba^in genoffen ^aben 
möd^te, entfagt l^abe. Stm 16. ^ebruar üerfägte Suftine, ba| 
biefed innerhalb 4 Xagen feiteni» aOer Sbligen, ®eift(ic^en unb 



^ %VL^n^ bei $ert]^, ^oüt ^uftdnbe unb !Perfonen in ^eutWanb j)ut 
3eit bcT ftana5fifd&«tt ßmfd^aft I, 106. Sgl. «ttg. b. »iogt. IV, ©. 518 f. 

• SBgl. ?ett^d q. a. O. ®. 117 ff. «Ufl. b. »iogt. VII, iS. 172 ff. 

» %l. Älein, a. q. O. ®. 484 ff. 

« (Sbenba ®. 425. 436. 442. SCugctbem SHemlinar ^ie Sl^inpfala 
u. f. to. I, 208. 



314 ». doede, 

üormaligen ^Beamten in aOen ^tüifd^en Sanbau, ber äRofel, itnb 
bem Steine gelegenen Ortf^aften ju gefc^e^en ^ait\ 

X)en @ioeS« unb SBa^Ibebrängntffen in biefen fo bebro^ten 
gebieten mibmet ber ©efc^id^töfc^reiber ber $fa(2 mfi^renb bet 
^eüoIutiond}eit , 9iemling , einge^enbe JBe^anblung. (£l$ lagt fu^ 
inbeffen noc^ einiges ß^arafteriftif^e nachtragen. 3forfter er* 
festen am 20. genannten 9)?onatd mit einigen ©ubiften in ftird^- 
l^m^SBoIanben. ^ad) bem ISeric^t bed ©tabtfc^utt^eigen ^raubt 

Sab eis bafelbft ^reunbe ber f^ranjofen, Patrioten, bie ^ufammeiu 
infte l^ielten. @r jä^It beren 28 auf, meiere i^m ald ßauptfran« 
^öfifc^e Sonftitütiondagenten belannt n^aren; barunter befanb ftc^ 
fogar ber 9iat^dbürgermeifter ftalbfug, toelc^er bie 3Rait^er 
Sc^mä^fd^riften unb 3^itungen lad. f^orfter machte bem t^erfam« 
melten ©tabtgerid^t feine SBorfc^Iäge, unterftüfet burc^ ein 3>eta(^e* 
ment SaoaQerie, n^elc^ed im ^errf i^af tlic^en ©c^Ioggarten, üor bem 
Siat^^aulS unb in bem SBerfammlungdfaale felbft poftiert toax. 
9Kd^tÄbeftott)eniger mad^te feine SRebc fo gut toic feinen ©nbrutf. 
(Sr mugte einen Xag Sluffc^ub bemiQigcn. 3njn)ifcl^en gab S)raubt 
bem bamaliS in iD?ann^eim meilenben ©e^eimen fRatf) Don ®agent 
^eimlic^ Stac^ric^t üon biefem SSorgange, lieg (Siegel unb Süegi« 
ftratur bed SCmted in @ic^er^eit bringen unb bur^ ben ©tabt- 
toad^tmeifter ©iegfrieb Saud^arbt bie JBürgerfdjaft bearbeiten, fo-- 
ba§ fie feft entfc^Ioffen toar, ben Sib nic^t ;;u leiften. SRid^t üid 
anberd ging eiS bem Sommiffar ^äfelin in ©öQ^eim am 22. %c* 
bruar. SRac^bem ^ier bie ®emeinbe jufammenberufen »ar, »urben 
i^r fe^r üerfü^rerifc^ bie SBort^eile bed neuen Softem« gepriefen: 
aQe bisherigen Slbgaben mürben aufE^ören; mer aber ben Sib 
toeigere, toürbe gebunben feinen Helfershelfern, b. f). ben ^eugen, 
jugefd^idCt. SlucQ ^ier mugte man einen Xag Suffc^ub )ur Heber« 
legung gen^äl^ren. ^er ©erid^tSmann ^einric^ 3ii^>nenii<^nn ju 
©öO^eim entwarf f|ierauf eine an bie fränfif^en Sommifföre ge* 
richtete Srflärung, meiere am folgenben 3:age fotoo^l Don ben 
Vertretern ber @tabt förc^^eim als aud^ Don fämmtli^en foge« 
nannten SmtSortfc^aften unterjeid^net n^urbe, unb^ toeld^e i^rer 
SD^ann^aftigfeit unb Derftänbigeu ®efinnung megen h^o^I Derbient 
^ier ganj mitget^eilt ju h^erben: 

„2)aS, h^aS uns im 9tamen ber f^rfinlifd^en Sflepublif bun^ 
Sie ift Dorgetragen Sorben, erfennen h^ir jmar als ein geneigtes 
SBo^toollen , beffen unS eine fo groge Station toürbigen mill. 
SOetn bie iüage ber ®a^e ift noc^ nid^t fo befc^affen, bog toir in 
ber fo furj anberaumten Mt leinen ®b ablegen fönnen, inbem 
£anbleute n)ie n^ir eine ^erfaffung in einem Xa^ fo gefc^mtnb 
nid^t begreifen lönnen. 933ir finb Derfic^ert, baß etne groge 9?a- 

^ 9letnlin$ a. a. C. S. 225. 

* 91q(!^ ben bieten beS Gtaattetd^tbd au SBicSBaben VI, 92affau*netIEttr9 
12, 4)enf(^afteii Ättd^^im «. Stoitff i. Generalis VII, c. 18. 



3ur &t^xä)te fianaöjtfd^er ^ertfd^ft am Jt^in 1792. 1793. 315 

tion, bie immer grog ^anbelt, (eine Seute unalficflic^ mad^en toiD, 
aber tufirben toxx nic^t bte unglüctlif^ften ÜKenfcl^en fein, menn 
fxd) nunmehr ädern Snfd^ein nac^ ber Jtriegdfc^au))(a^ in unfere 
@egenb öffnen, unb ber SH^errfc^er , ber oQein bad ®Iü(f ber 
SSaffen in ^änben ffat, folc^ed auf ber teutfd^en ®eite menben 
toftrbe, — mürbe fi^ bann nid^t unfer Unglüd offenbar Dorfel^en 
laffen. SSBenn ein ^riebendf 4(u6 bie ^ranfen«9iepub(it aü Seft^^nn 
Wefer ®egenb beftimmt, f o moCien ttjir bie erften fein, bie ben (Sib 
ber Ireue mit großem (Sifer aWegen merbcn. Unb nod^ me^r, toir 
^aben ja foüiel Siac^baren, befonber« SJiainj, SBorm«, ©peier unb 
bie ®raffc^aft galfenftein ' , ttjo man fc^on e^er bie ©runbfö^e 
ber fjrei^eit unb ©leic^^eit befannter alÄ Wer gemad^t ffat, unb 
biefe ftnb nod^ nic^t unfere ©orgänger getoefen. SBir getröften 
unö bergrei^eit, baß man un§ bi«'ba^in 3^'* ^^ff^" *^^^^ 
ben ©c^ritt oon SEBid^tigf eit , fo man unö anfinnet, nä^er einju^ 
feben unb ju begreifen". 

3)ie SBeilburgifd^e SRegierung ^atte 9ftcd^t, toenn fie mit J8e* 
jug auf biefe Srllärung in ber öfter an^egogenen „©ummarifd^en 
Sorlegung" bemerfte: „SJemünftiger, billiger unb pflidbtmfifeiger 
tonnte man ftd^ nun »o^I nid^t erHären. &Uxditoof)l fanben e« 
bte Sommtffarien , bie bo^ felbft einmal leutfcbe maren, unbe* 
greiflic^, bag aße Klaffen o^ne ?lu8na^me i^ren dürften treu 
bleiben wollten, — gingen jebod^ nebft bem (Kommanbo in ber 
9laiit t)om 25 — 26. o^nüerrid^teter 2)tnge ab unb (amen au^ 
in ber golge nic^t »ieber". Snbeffen ad|t läge barauf erfd^ien 
ber «olferei?räfentant aWerlin mit unaefä^ 2000 STOann, franjö* 
ftfc^er Snfanterie, Eaüallerie unb 2 Äanonen, um bie treugeblie* 
benen ®öfl^eimer ju jwingen, i^rem dürften abjufagen. Alle gro- 
jsen jperren t^om Aaifer m ju bem @eringften herunter mürben 
i^nen burd^ ben ^ofeffor ^ofmann, welcher ba« ©rob be8 ffiur* 
ffirften Srt^al üon 9Kainj gegeffen ^atte , d« Serbred^er ^inge* 
jteBt. (8« mürbe mit ber ärgjten Slünberung gebro^t, menn fie 
ben Sib nod^ femer meigerten. »ue Wieben ftiu, felbft ate $of« 
mann ben Sib brei WS Dier mal lanafam üorfprad^. 9hm mürbe 
nocö ffird^terlic^er gebro^t, ber Ort foßte auf 100 Sa^re ruiniert 
merben u. f. m. (Sinige l^ätten je^t mafd^inenmägig nad^aefürod^en, 
anbere fid^ jur 2:^ür ^inauÄgebrüdt , — berichtet berfeloe 3iwi* 
mermann, meld^er bie obige (SrHärung k^erfa^t ^at Zacfi barauf 
erfd^ienen anbere ßommiff are , ber ©eneralfecretär ber allgemeinen 
Sbminiftration }u SRain) SBle^ann, ein gebürtiger (Söttinaer, unb 
ber litularratl^ 3Ro«borf üon ©rünftabt, ^auptort ber (STraffc^aft 
Seiningen, beren ®rafen üon ben git'önjofen gefangen genommen 
tDoren unb i^en oI« ©eifteln bienten. Auf bte grage ber Com^^ 
miffare, ob aJDte gefd^moren ^Stten, fei nun ^um Umftänbe )u Der« 
meiben'' uon aßen mit Sa geantmortet morben. Sä foßten bar^ 



»16 % ©oecfe, 

auf bic Dorgefd^ricbencn SBa^Icn ftattfinbcn. 3)icfc bcftonben uit^t 
nur in bcr SBa^I eine« fficputirtcn für ben r^inifc^ « beutf d^ 
(Sonüent, fonbem and) in ber üorgängigen 3Ba^( einer äRunicipa^ 
litöt in franjöfifd^em @inne. S(rgn>ö^nifc^, n^ie ber beutfd^e Sauer 
tft, tarn i^m je^t ber ®ebanfe, ba^ er and) DieDeic^t au franjöfi« 
fc^en SRilitärbienftcn l^erangejogen »erben fönnte, uno bie ®öfl* 
Reimer toeigerten fic^ bie Maijl ^u üoQ}ie^en , bi^ fie hierüber 
Älar^cit Mtten. ®er SJoIte * JRepräfentant 3»erlin ertbeiltc i^nen 
biefelbe fcpriftlic^, inbem er bie JBerfic^erung gab, bap nieraanb 
als @oIbat einge^oaen merben foQte. de|t mürbe aOerbingd ein 
SRatre, ein ©emetnoeprocurator unb atoei ffl?unicipalcn „gewählt''. 
2)ie &ewäi)iten n^etgerten fid^ aber Die Remter anjunei^men unb 
mußten tE^atfäc^Iic^ bur^ ä)2erlin ))erfönlic^ unb 25 (S^affeurS mit 
bIo|em ©eitengen^e^r unter 9lrreftbebro{;ungen ^ieju gejh^ungen 
werben. @o em|)fänglic^ mar bamate bai fomel Derlämnbete 
beutfd^e SBoIf beö linfen 9lf;einuferg für bie fraujöfifc^en Sßcuerun? 
gen. ^n ber $(ufri^tung beS ^rett|eitdbaunted unb ben \\äf an^ 
fd^Iießenbcn geftlid^f eiten , »elc^e nun folgten, na^m „fein (Soll* 
Reimer Untert^an i^eil, alg ein betrunfener gu^rmann". 

t^ür bie ^ai)i eines 3)e)7utierten iura Sonbent in SKainj ^atte 
man ac^t Sage Äuffd^ub erl^alten. Ätö biefelben oerfloffen waren, 
toim^lit man jum @^ein ben Pfarrer @c^aefer, welcher ablehnte. 
@eitenS beS SituIarrat^S SKoSborf mar fein SoKege Slegmann 
ate Ganbibat üor^efc^Iagcn morben, aber biefen lebnte bic ®e* 
meinbe, nun Don t^rem freien SBa^Ired^t ©ebrauc^ mac^enb, ab. 
Wlan erlangte fo mieber ad^t 2:age Sluffd^ub, bis enblid^ auf 
wicber^olte öefe^Ie ein gemiffer ?ßeter SRö^rig aM ®öll^eim ge- 
m&I^It mürbe. Sie aDgemeine ^Ibminiftration in 3){ainj ^atte 
nämlid) am 23. iD/ärj gegen bie fäumigen ®emeinben — unb 
bereu mar fe^r üiele — im iWamen beS fouöeränen SBolteS fol* 
genbedSdfret erlaffen: „ba§ fie am uämlid^en Xage nod^, mo i^ 
neu biefer JBefc^Iufe gufommt, biefc SBa^I üonte^men, unb am an* 
bem Zage ben ®emä^Iten gum Sonuent abfc^icfen, bei SBermeibung 
einer ©träfe üon foüiel ©ulben, afö JBürger in ber @cmcinbc finb. 
SEBenn ber deputierte gemä^It, aber fic^ nic^t auf feinen Soften 
begeben ^at, fo foQ ibm für ben S^ag, mo biefer ^efd^tup ipm )U 
Rauben fommt, eine ©träfe üon 5 ®ulben anerfannt fein". 

Sbenfo mie in ®öDbeim mürben in ben ®emeinben fierjen» 
l^eim unb @ifenberg bie @ib^ unb Sßal^toerl^anblungen üon ben 
fflürgem abfi^tli^ in bie Sänge gebogen. Am 12. äRärj fanb 
in beiben Orten bie (Sibablegu'ng ftatt, mobei fömmtlid^e Stn« 
mo^ner, meldte 21 da^re unb barüber alt maren, „einfc^Itejsßc^ 
bcr Suben", erfti^einen mußten. Sacob SlitterSbad^er, meieren ber 
©d^ult^eiß bed Crted ein fc^IecbteS ©ubjcct nennt, mürbe in fter^ 
jenl^eim, ^eter SDätlg in ©fenberg als S)eputicrter für ben 9?a^ 
tional * Conüent gemäl^It, am 28." SKärj reiften beibe in ®emein« 
f(^aft mit ?peter Slö^rig axi^ ©öH^eim nad^ SWainj. Ueber biefe 



3ut (^\(i)iä^U fxanaöfifc^er {>m{(^ft am m^in 1792. 1793. 317 

^Deputierten , luel^e bie S93etI6urgifd^e 9{egierung nad) ber Sefreu 
ung üon äKattt} burc^ bte ^eugen im 3uli 1793 ^ in äJer^aft 
nehmen Ite^, bemerft bad fönigltc^ $reugifd^e ^elboberanbitoriat, 
Hauptquartier 3)ür(f^eim, am 13. 9[uguft^ aud fpecieüem ünla^ 
etned aufgegriffenen 3)eputirten ©ermanniS, toeld)et in bem ütu 
ningfc^en fttrc^^eim am Sc! aetnä^lt inorben mar: „^ie ^epu^ 
tirten ber Ortfc^aften finb naq ber burd^ üielfac^e Unterfu^ungen 
b^ löniglic^en ^elboberaubitoriatd rid^ti^ gemad^ten Semerfung 
oft bie rec^tfd^affenften iKänner, vorauf etne gange Xorff^aft il^r 
3utrauen gefegt, unb beren ©efc^Sft bloi^ barin befte^t, alled bro^» 
^enbe Ungliid, aHmüiel «verlangte ^^^^ungen ober Lieferungen 
oon jenem 2)orfe abgun^enben. (llnterj.:) üon ©uionneau, t?on 
»eljig". 

dngloifc^en I^atte ber 9{ationaU(Sonüent }u SRainj fein furgeS 
^afein burd^ eine Steige ebenfo un^eilooller n^ie mic^tiger SBefc^Iüffe 
aefennjeic^net. Stur aud 64 ^awn befte^enb, ^atte er im „SDeut* 
fc^en |>aufe" am 17. SKärj feine ©ij^ungen eröffnet, §ofmann' 
jum Sräfibenten unb gorfter jum Sicepräfibenten beftellt. 5;ag» 
barauf tonrbe (8rt. 1.) bcfc^ioffen: ber ganje ©trid^ fianbcd oon 
Sonbau bid 99ingen, U^elc^er ^epntirte ju btefem (Sonüent fc^icft, 
foO t^ou je^t ab einen freien unab^änatoen, uniertrennlic^en ©taot 
ausmachen , ber gemeinf d^aftlid^en auf ^rei^eit unb ©(eic^^eit qp: 
arünbeten ©efeften ge^orc^t. Ärtifel 3 beftimmte, bafe ber Äur* 
fürft öon SRainj, ber Sif^of Oon SBormö, ber Sif^of oon ©peier, 
bie gfirften üon 5Raffau=aBeiIburg unb Ufingen, ber afearfgraf üon 
Saben, ber @raf oon ©alm, bie SBilbs unb SR^cingrafen , ber 
fjilrft üon fietningen^S)ürcf ^eim , ber @raf oon 2einingen=ffiefter« 
bitrg, ^ac^i&burg unb ®unterSblum, oiele anbere @rafen unb 

terren, tt^elc^e reid^dunmittelbare SBeft|ungen in ben angebeuteten 
renken Ratten, fonrie bie reii^dft&btifc^en ©emalten ju Sßormd 
utü) ^peier, toie auc^ ade mit ber äJoKdfouoeränetät unoerträg« 
Itd^ toeltlid^en unb aeiftlid^en Sörperfc^aften i^rer ^(nfprüd^e auf 
Wefen Staat ober beffen Ibeife oerluftig erflärt finb. «rtifel 4 
f^tc bie a4)be8ftrafe für alle biefe gürften unb Ferren unb i^re 
^Iferdl^elfer feft, faQd fie ftd^ in genannten fiänbern betreten 
liegm*. 

2)ad toax nun lotegorifd^ 9f""0' "^^ mod^te n^o^I ^ie unb 
ba unter ben fianbbewo^nem guw^t ergeuaen. J)rei läge bar* 
auf bcfci&Io§ ,,ba« r^einif c^ ^ beutf ^e freie SBoB'\ b. ^. bie ißro^^ 
fefforeit ^ofmann, (^orfter unb einige ©d^m&rmer, burd^ ^cdama^ 
tion bie (Sint^erleibung in bie fränfifi^e "SRtpnbül Unb am 30. 
SRärj erfd^ienen k^or ber ©d^ranle beS Sonüentd gu $ari9 brei 

1 akiQl. Alein a. o. O. G. 574ff. 

» 3n ben «cten b. 6toot#ard^. gÖteSboben a. o. O. XIV, o. 4. 
« Älein a, a. O. 6. 454 ff. «ufeetbem tjfll. «Ha. beutfd^e 5Btoflta|)^ie 
XII, 625 f. unb 9leuter, dtinneruna an 9lnbt. a[of. ^otmann. flDielb. 1884. 
* «fll. Älfin a. a. D. ®. 459 ff. ' 



318 fft. (&oedt, 

Xbgeotbnete au^ ^airti, ^^orfter, ber Kaufmann ^otodi unb Slbam 
Su£, to^läiex nac^mald für S^arlotte Sorbo^ ftarb \ um ein üoD« 
ftänbtg beutfc^ei^ fiatib an fj^anhretc^ ju üerfd^enfen. 20 Beine 
Iljranncnt^rone jertrümmert ju ^abcn, berit^mten fi^ bic|c Wan^ 
net, unb fie fd^enften fie ben „®efe^gebem üon fjf^anfrei^ unb 
balb gang (Sutoj)a". 

@d qatte ^tn unb toieber, mie u^ir oben gehört l^aben, auc^ 
im 9mte SCird^^eim Zeuie gegeben, meiere ftd^ ber fransöfifc^en 
Semegung anfc^loffen. 3n ber ©tabt Äird^^eim « ©olanbenjjtoor 
fjatitn t^ bie franjöfifc^ @efinnten t)orge)ogen, \xdi), ba bie äKajo« 
rität treu blieb, berfelben unterijuorbnen. Aber in Heinem Drten 
tt7ie Slbi^l^eim unb Wla}r(f)e\m traten einige SBerfü^rer offener auf, 
unb tourben, nad^bem bie g^anjofen im Äpril 1793 aud ber 
^falj Eiatten jurüdmeid^en mäffen unb a)?ainj burc^ bie $reuBen 
feft eingefd^Ioffen »urbe, üon ber 3?affoHif(^en ^Regierung jur ©er- 
antmortung gejogen^. @d mar Dot allen ein @^ulmeifter afleu- 
fenberger, ttjcl^er fd^on t)or 9[nfunft ber ©c&iüör^Sommiffarii fi(^ 
aufrü^rerifd^er 5Rebeni^arten befliffen ^aben foHte. begreiflich, in 
bicfem gebrürftcn ©taube mod^te baS „neue fiid^t" uerffil^rerifc^ 
leuchten. S)ie SBauem üerftänben e^ nur nic^t, meinte ber arme. 
S)er großen SWad^t ber ^^onten fei nic^t ju toiberfte^en, bie 9laf^ 
fauer feien bisber toie ©claücn be^anbelt »orben. 3)ie granfcn 
bejal^Iten am beften unb fönnten bed^alb me^r audrid^ten. S)en 

Srofeen ^erren ftel^e e« freiließ nic^t an, baß man i^nen ben 
Jratcn entgic^e unb bloS SRinbfleifc^ laffe. 2)er ^arrer üon 
^axm t)abt kniete ©d^ulben gemad^t, an 80 ÜRillionen, morauf 
er befertiert fei. 2Rit biefem ?ßfarrer meinte Steufenberger ben 
^rfürften unb fügte ^ingu, einen fold^en ^arrer tyihe man nic^t 
nöt^ia. 3^ fü^re biefe SReben be« ©c^ulmeifter« ^ier an, »eil 
tro^ Der niebrigen ©teQiing bed äRanned bie ^Bauern iffm boc^ 
met^rent^etfö me^r Sinfid^t unb ^enntniß atö fid^ felbft jutrauten. 
^nd) fann man nid^t leugnen , bag bei Slnmefen^eit bed fran^öfi' 
fd^en SommiffärS ©tumme ju S(lbi^E)eim er bemfelben bie Der« 
nünftige 93or{;aItung mad^te, baß mit ber ^roclamation beiS ®^ 
nerafö Euftine oom 16. gebruar jut)iel geeilt »ürbe, biefelbe fei 
ben Säuern gang fremb, unb fie Derftänben fie nid^t. SEBenn fie 
biefelbe fo gut toie er, ber ©^ulmeifter, üerftänben, tofirben fie 
ftc^ nic^t lange befinnen. 2)ie 93auem Ratten hierauf nur bie 
Snttoort, bag nod^ nid^t entfd^ieben fei, ob SlbiiS^eim frangöfifc^ 
toerbe. fijerauf ber ©d^ulmeifter : baß fo bie SBeiber rebeten. 

3n URarn^eim, einer anbem ®emeinbe be« Amt« ftirc^^eim, 
toar e« ein reformierter Pfarrer SRamen« |)ilgarb, »eld^er bie re* 



^ SBgt Chiron de Villiers, Gharl. Corday @. 413 ff. unb 9% 
beutfd^e SStogt. XIX, ®. 724 ff. 
' ffütin Q. a. €>, 6. 466 ff. 
' 9H)l. Kcttn be« Stoattotd^. 9Bie9Baben a.a.O. XIV, o. 3. faic.Ttt.IT. 



< 



3ur (^efd)t(^te ftanaöftfd^ex ^errfc^afi am Sll^n 1792. 1793. 319 

üolutioitäre Agitation betrieb, ©^on im Jni^ja^ beö 3al^re« 

1792, e^e bte ^rangofen ind üavb tarnen, ^atte er mit feinen 

Äinbcm öffentlich bic breifarbige Socorbe getrogen, mar bann 

fpäter ben Xxnppen perföntic^ entgegengegangen. Sr erflärte bie 

frangöfifc^en ^rodamationen bem äJoIfe unb ermal^nte bied jur (Sib« 

ablegung. 6r felbft moBte ber erfte franjöfifd^e SBürger merben. 

(Sr glaubte fogar bad fiocal ber (ut^erifc^en Äird^e in äRarn^eim 

für bie äBa^toerfammlung em)7fe^Ien }u bürfen, inbem feine eigne 

Äirc^e gu bunfel fei. ^i^ Reifte je^t: ffloQel friß' ober ftirb'. 

SBiberftanb fei nic^t m5glic^. S93er fic^ ni^t bagu bequemen 

wolle gu fc^mören, merbe au^ bem Sanbe gejagt unb merbe um 

^b unb ®ut tommen, aud^ Seib unb Seben; ber (Suftine fpage 

ni^t u. f. m. 2)er 92ationaI«Sonüent in Wlam^ fei nun foDiel mie 

bie ätegierung in SBei(bnrg. „Ratten bie 3acobiner mehrere fold^er 

Sottecteur^ gehabt, toie Pfarrer ßilgarb getoefen, i^r äufruf gur 

»frei^eit unb @m))örung an alle l^ölfer mürbe o^nfel^(bar beffere 

^irfung ^et^an ^aben'', — ift bie ©c^Iug^äReinung bed hierüber 

an ®ereniffimum erftatteten 93eri(^tiS. 99ei ben unterfuc^ungS« 

acten über biefe einem 2:^eil bed %mti^ ^rc^^eim gur Saft fallen« 

ben l^ergel^ungen finbet fic^ noc^ folgenber gebrutfter Qettel, totU 

c^er bie Popularität genannten $farrerd in feiner ©emeinbe feit 

feinem Snfc^Iug an bie frangöftfd^e Sieüolution in einem etmad 

fragmilrbigen Sic^t erfci^einen Iä|t. 3)erfelbe ift überfc^rieben : 

„^i^eibeit, &kxdji)t\t, ©c^mefterlieb ! " unb ^at folgenben lejt: 

„®ir SBeiböIeut ber reformierten Oemeinbe SKarn^eim mamen ibn, 

benn einem SWenfc^en mie biefer ift foOen mir unfere Äinber, oie 

und fo fauer morben finb, anvertrauen? ^ied gefc^ie^t nimmermehr, 

bafnr opfern mir unfer ®ut unb ÜBIut auf. $ommt er je^t, fo 

mu§ er fid^ ben SluSgang gefallen laffen". S)ie Unterfd^rift öon 

30 garten Rauben gierte angebli^ \>a^ Original biefed @(i^rift[tüdtd. 

3)te 92affauifc^e Stegierung be^anbe(te ben ^errn fomie ben ^ä)nU 

meifter SReufenberger fe^r fd^onenb, inbem fie beibe nur airö bem 

Amt entfernte unb für unfähig ertlärte, ein anberei^ Amt in i^rem 

Sienfte gu beKeiben. 92adbmald fe^te fie fogar ber unglücfli^en 

3fömilie be« (gjpfaner« eine Seibrente aui^. — gälle ber Un* 

treue gegen ben SanbeS^erm an anbem Orten maren fe^r feiten. 

Sin iBauer in @ifenberg mar auf ben ®ebanlen ^efommen, fic^ für 

ebenfolc^en „fierl" gu l^alten mie ber ßuftine, mbem er bie f|err^ 

fc^aftlic^e SBiefe erobert ^ätte, mieiener ba« Sanb. Ein apo* 

^efer in älfeng ^atte fic^ um eine SKunicipalftelle bemorben, unb 

ft(^ baburc^ fo öerl^afet itmaift, baß er fein Quartier me^r am 

Orte befommen fonnte. 

SUfeng mar ^mtd^auptort bed gleichnamigen Smted; norb« 
meftlic^ üon fiirc^^eim gelegen, feit mitte be« 18. 3a^rt)unbert» 
9Zaffauifc^, früher Palg^ämeibrücfifc^. (gg mar, nac^ ©üfc^ing \ 

1 SBqI. a. a. C. S. 226 unb ou(| ;ÖummoTtf(^e SBorleQunQ'. 



32U 5K. «uccfc, 

ein anfeljnlic^cr g^ecfen, unb gab e§ ©tcmfo^len im Amt, xoAijt 
aber bamolS nid^t aebant tourben. (S« jä^Ite 1412 Seelen. 6« 
ipurbeu ^ier frül) onrc^ einen Dbrift S^ampeanj; biefelben müi' 
tärifc^en gorberungen geftellt iüic in ffiird^tjeim. @8 mufete man= 
c^evlei geliefert mefben, o^ne bofe beja^It tourbe. ®aburc^ tm- 
barben e« meift bie granjofen üon Dom herein mit ber Seüölfc^ 
rang , toelc^cr fie Don ber grei^eit üicüeidjt nur biejenioe bcö 
TOc^tbega^lenS beutlid} jn ma^en üerftanben ^aben. 3n wjug 
auf bie ÄuSfüfjrung beö 3)efretg üom 15. 2)eccmber 1792 ^at 
ba§ SlmtSllfenj bie „fd^ttjerfte Anfechtung" au^^c^alten, fic^ aber, 
nac^ bem S^^fl^^iffc f^in^^ ^Regierung, babei „mit einer Ireue nnb 
©tanb^af tigfeit benommen , n?eld^e il^m bie Webe be« 5^^*^^^ ^^^ 
ä^tung feiner altem JBrüber (b, ij. »ol^l ber anbem ?RaffauiWen 
8emter) unb jebei^ ed^ten leutfc^en auf immer ücrftd^cm". SM 
Wlal ift bie ©emeinbe big jum 16. SRärj Dergeblid&f jur ©be^ 
leiftung aufgeforbert toorben. ©ie erffärte, ba§ fic fiq bei i^rcr 
bi^^erigen Serfaffung glüdlid^ befänbe, gegen i^rc SaubeS^m 
fd^aft leine 95efd)iDerDc, fomit audb !einc Ürfat^c ^abe, eine 9Jeiie* 
rung ju roünfc^en, unb ba§ bie ©emeinbemitgliebcr folc^em na^ 
ben il^rer SanbeStjerrfc^aft geleifteten Sib ber Irene — ed möge 
anäi erfolgen , toa^ ba ttjoue — ni^t bred^en würben. S)a bie 
granjofen' nad^ ben für fie ungünftigen treffen bei ffircujnac^ 
unb aSalbalgeg^eim am 27. 3Kärj unb bei SBingen am 28.S&iät} 
bie gauje @egenb fdffleunigft üerlaffen mußten , ift in Älfenj bie 
Häaijl eines S)eputierten für ben aWainjcr ©onüent t^atfäd^lic^ nic^t 
u ©tanbe gefommen *. Die brci ^Deputierten ber Äirc^^eimer Drt* 
d^aften finb am 11. Äuguft gefaßt nnb auf bie geftung S^ren- 
breitenftein gefe|it, i^r Vermögen mit SBefc^Iag genommen ttjorben. 
©ie l^aben in feiner SBeifc an ben JBefd^Iüffen genannten ßonöent« 
nad^n^eiölid^en Äntl^eil genommen. 

Vorläufig toar ber fo feierlich an fj^anfreid^ üerfc^enfte neue 
beutfd^e ©taat jttjifd^en JBingen unb fianbau toieberum in bie 
§änbe feiner redjtmäfeigen Ferren jurüdEgefaUen. 5!lber ba« Ärieg** 
glüd fd^njanfte ^in* unb l^erüber. ©eit 1795* toaren bie grati- 
jofen jum jmeiten SKale bie factifc^en JBefifeer biefeS SanbeS unb 
Keßen eS nic^t loS, bilbeten üielmebr 1798' ba« SJcpartement 
t)t^ S)onnergberg§ baraug, toeld^eS bi« jum Sa^re 1813 befiehlt 
blieb, ^ofmann ttjurbe Receveur g6n6ral in biefem SJc^parte- 
ment. — 

SBir fiaben gefe^en, auf tt?ie lünftlid^em JBobcn bie Agitation 
für ben Stnf^Iuß an ^ranfreid^ fotoo^I in ben elfa64ot^ringifc^€]n 
als in ben ^jfälgif^en fleinen Territorien fic^ bctoegte, baß bie 
ein^eimif^e JBeüöIferung ben SReüoIutionSibeen fo gut toie gar 
leine ©^mpatl^icn entgegenbrad^te, unb baß eö Äuf^efeer an« bem 

,1. 9temltng a. a. £). I, S. 282 ff. 
nbo 0. a. D. II, 6. 187 ff. » (Sbetiba ®. 482 ff. 



I 




3ur «ef(i^irf)te frattiöftfd^t .^fttWoft Qjrt IR^in 1792. 1793. 1797. 321 

frangöfifc^en ßonüent ober fold^c btc ba^er einen ©olb bejogen, 
getüefen finb, toelt^e btefe Sanbe^t^eile bcr iWepublif jujufü^ren 
berfud^t hoben nnb, toa^ ©aamerben betrifft, and) fel^r balb ju* 
gffübrt paben. ®ie öftere genannten ?ßrof eff oren , §ofmann ge« 
bfirtig a\\^ SBürjbnrg, 5*^^Pfi^ gebürtig an^ ber Umgegenb oon 
3)an}tg, 8öl|mer gebürtig aud @öttitigen, biefe äJJänner finb ed 
^auptfäc^Iid^ gett?efen, totlije, üon bieffeit^ be« Slbeineö fomnienb, 
geglanbt ^aben , boS r^einifc^ = bentfc^e SJoIf einer neuen SBeftim^^ 
mung entgegenfül^ren gn muffen, ©d^on ^. üon ©ijbel t)at oon 
©öl^rner na^getoiefen , i>a% biefer äWann ein ©nobengefc^enf oon 
6000 «. mis'^ariÄ em^)fing'. 

Sen übrigen äJ^ainger ^epiiblifanern aber, toelc^e fpäter nad^ 
^ariö famen, rourben nur geringe lageSgelber bort felbft ouöge* 
gefegt*. SBö^mer n?ar nac^ berSroberung oon SJfaiuj ben ^reu* 
Ben in bie ßänbe gefallen ; 1795 mieber frei gelaffen, agitierte er 
mif8 neue für ben 8nfc^(u§ beg ganjen linfen Äl^einuferS an 
granfreid). |)ofmann tnig ftd^ auf Anregung beö franjöfifd^cn 
2)irectoriuntd mit bem @eoanIen einer cidr^enanifd^en SRepubUI, 
5Dorf(^ führte biefe Qbee Leiter au^ in ber ©c^rift: "Quelques 
r^fiexions sur r^tablissement de la r^publique cisrh^nane, 1797. 
Son au^en finb bie re^nblicanifc^en Sbeen an bie 9{^einlänber 
herangebracht toorben; fie ^aben unter ben beutfc^en gütfteu im* 
mer gut beutfc^e @efinnungen gegeigt, bamali^ n^ie ^eute. 



IL 

Heber Hi ^rojett einer ^tdr^eintfc^en WefiiiMtl im ^la^re 
1797 nnb feine 9ufna!|me in ben @täbten 8onn nnb SSIn* 

©(fton bie SJarfteHungen ipüffer«" unb oon ©^bett* laffen 
erfennen, mie fc^n?anfenb man in ^arid im ©c^oge bed ^irec^ 
torium« mä^renb bti grü^jal^rö unb ©ommerÄ bc« 3a^re« 1797 
über bie grage war, ob man ba« feit bem Dctober 1794 befeftte 
Itnfe JR^einufev für bie frangöfifc^e Mepubli! bauemb in Änfprud^ 
nehmen foHte ober nic^t. 9n bem erften öanbe ber btplomatifc^en 
©orrefponbengen gtt?ifd^en ^reufeen unb J^anlreid^, welche Dr. 
Saißeu in SBerlin *aU eine ber ?ßublicationen ber prcufeifc^en 8r^ 
d^iooerioaltung ^erauSgibt, finben fid^ neue urlunblid^e Selege für 
biefen ©a^oerbalt mitget^eilt. ©o unter bem 3)atum beS 25. 
IJebruar 1791 ein Söerid^t bed ?ßrpu§ifd^en ®efanbten" ©anbogt 

* SBqI. 0. 0. O. II, ©. 24. 

* !BqI., fotoie Qud^ für bad Sfolgenbe, bie @e:))aTaibiogta)):^ien in b. %U^ 
b. SBiogt. 

' S^iplomotifd^e fBerbanblungen avA ber 3eit bet ftamöftfc6en 9ie))oIu« 
tipn, Oeftetretd^ unb $teu|en, f&b. l, @. 227 f. 241 ff. 

* feef^id^te bet »etolutioit^aeit, «b. IV, fe. 508 f. 529 f. 



322 9i. (»oedfe, 

SRoßin an feine SRegtexung beS Sn^alt«, ba§ bie größere Partei 
bcÄ 3)irectorium^ ju anbern 3been in JBejug auf ba§ ©Jjftcm be^ 
linfen SR^einuferä gefommen fei, fie gäbe ie|t ebenfotDenig auf 
eine ^Bereinigung biefer fiänbcr mit |?ranfreit^, atö fie oor aifi 
Jagen jä^e Daran feftgefialten ^ätte. aWan »oHc fic^ mit SBelgien 
unb öollanb nat^ biefer ©eite begnügen. 

Sm 1. SRai ^cißt eö: „Sil ifabe JRewbeH fe^r fc^toanfenb 
über bie Oreujen beö linfen SJ^einuferÄ gefunben. SDie großen 
(Srfolge ber ?lrmee (unter Stopoleou Sonaparte gegen Cefterreic^) 
^aben i^n geblenbet unb il^n ba^in gefä^rt, Eroberungen ju mfim 
fd^en ; glüolic^ermeife t^eilen brei feiner Soßcgen nic^t feine 3beeti, 
unb eg gab geftern frü^ felir lebhafte SJebatten im SDirectorium 
über biefen ®egenftanb; aber ^tn 9flen?beß ift ^artlöpfig unb 
be§l)otijdj in feinen SWeinungen". 8lm 15. äßai, nac^bem bie 
griebenöpräliminarien gu Seoben befannt gcioorben ttjaren, bc* 
rid^tet ©anboj^SRoflin, baß enbli^ bag linfe m^einufer pofitiü bem 
SReid^ reftituiert lüerben ttjürbe mit SluSna^me beffen, wa8 fc^on 
mit granfreirf) bereinigt fei unb de teile peilte lisi^re qui ser- 
virait peüt etre ä assurer ses frontiferes. JBartl^6Iem^, »eichet 
nebft ©arnot am 18. gructibor burc^ bie Partei SRemben-Sarra^« 
£a « 9i6)7eiOi^re aud bem ^irectorium audgeftoßen mürbe, tnat 
^auptfä(^Ii(^ bem ^ßroject ber (Sinüerleibung entgegen. 9?o^ bem 
Sluöbrud be8 preußifdjen ©efanbten ^ättc S. gemeint, fie »firb« 
ju nichts anberm bienen, als ben ^rieben^abf^Iuß ju erfc^meren 
unb precär ju machen unb jeben Einfluß auf ^eutf^Ianb ^u üer^ 
nid)ten (Serld^t üom 10. 3uni). SBie Senebelj, SRepublifaner 
am allein, @. 260 f., au«fü|rt, bemühte ftd^ atettjbeQ burc^ S5e^ 
fanntfc^aften, meiere er üon ber Seit feiner Sommiffton alÄ S5oIför^ 
präfentant bei ber «rmee Süftine« üor 3»ainj 1792—1793 ^otte, 
befonberS burc^ ben ^rofeffor ßofmann, einen äWann oon ^öcfeft 
jacobinifd^er ®efinnung \ bag rf einifd^e Solf aufwiegeln gu laffen, 
baffelbe ju felbftänbigen ÜReinungSäußcrungen in Söegug auf fein 
©djidfal JU öeranlaffen ; bann fönne nad^ republifanifc^en ®runb* 
fä^en granfrei^ bemfelben beiftel|en. Unb in einem Sirculat 
biefeg ßofmann üom 25. ^rairial 1797 an feine ©efinnungöge* 
noff en findet fic^ anfd|einenb juerft ber Äu^brud : Repubüque 
cisrh^nane. @d fei ein mouvement quelconque ber Patrioten 
nöt^ig für Sereinigung mit granfreid^ ober für eine felbftänbige 
SRepublil. darüber toar man fid^ nic^t flar, toa^ man »oute: 
a^r 9{ficflel^r ju ben alten S^^änben moßte man ni^t, tpenig- 
ftenS ni^t in biefen Äreifen, meiere anfänglich bcfonberS in Soblenj, 
aber überhaupt nic^t fel^r ja^Ireidö, öertreten gemefen finb, mie fett 
ber SarfteHung Don 5ßertI}eÄ, ^clitifc^e3"ftänbe unb^erfoncn jur 
Seit ber franjöpfc^en ^enfc^aft 93b. I, ®. 248 ff., befannt tft. 

2)er ®cneral en chef ber Waa^^ unb ©ambrearmcc ^oc^e 

* ®9l. ben büxanftel^ben «uffofc. 



3ut ®efd)irf)tc froiMöfif(^'t .^crrfd^oft am fRl^iit 1707. 823 

toüx bontols iugleid^ SiDtl^ouDemeur ber eroberten Sanbe. (Er 
toai formen mit ber Administration g^n^rale des Pays conquis 
d'entre Meuse et Rhin beauftragt: fo lautete ttömli^ bie offi« 
ciclle öejeic^nung für ben un« geläufigem (geogrop^ifc^eit) öegriff 
bed linlen 9tl^einuferi^. ^er @eneral $o^e ^atte am 21. SRärj 
be« Sa^re« 1797, im ffiinflang mit ber bamate ^errfc^enben Sbee 
biefe i^anbe jurüctju^eben , bie alten 2;erritoriaI'9{egierungen unb 
bie ehemaligen 3Ragtftrate ber @täbte unter ber Oberaufftc^t ber 
in 8onn eingelegten 3ntermebiär-(£ommiffion U^ieber^ergefteOt. Stö 
nun bie ci^r^enanif^e SBü^Ierei im geheimen fid^ toeiter aui^ju^ 
breiten begann, fanb fic^ auc^ $oc^e üerantafit ju i^r @teQung 
}u nehmen , unb man l^at i^n für feine ^erfon n^ol^I für einen 
augaef|>rod^enen Segünfti^er biefer Sbee gehalten, inbem il^n ber 
SRu^m Sonaparte^ unb bie @rünbung ber cidalpinif(^en 9{epubli! 
burd^ benfelben nid^t ^ätte fd^Iafen laffen. ®d gibt in ben Äu^en 
bemofratif^er ©efd^id^ti^fc^reiber ber frü^ erbleid&ten ^elbenfttm 
biefe« JReüoIutionSgeneraig , beffen ©ebeine bie Sl^einproüinj auf* 
beloa^rt, einen bejonbem ©d^immer, ba% er ber grün-toeig^rot^en 
Zricotore einer r^einifd^en diepublif mit n7armer ©^mpat^ie fic^ 
jugetoanbt ffaUn foß. SJcnebe^ (©. 273) ti^eilt ben SBortlaut 
einei^ @d^reiben§ mit, n^onac^ ^oc^e einen ^rofeffor SSeaur^ and 
Coblenj, toeld^er ber geheimen SJerbinbung ber ,,ci8r^enanifd^en 
Sonfflberation" angehörte, um bie äRitte äuguft 1797 ju ft4 nad^ 
SBefelar ju einer Ünterrebung entboten tfaie, unb burd^ i^n mit 
ben Eiör^enanen in naivere Jöejie^ung ^etreteti fei. 6« ift toal^r- 
f^einlic^, ba§ in Sonfemienj Ijktoon bte alten äRagiftrate in ben 
©täbten (Sötn, !6onn, ^oblenj unb anbern n^ieber befeitigt, jum 
3;^eil getooltfam entfernt, gefangen genommen unb burd^ ^x^xfjc^ 
nanen erfefet tourben. 2)er unmittelbare Änt^eil ®örre8' an ber 
ci^r^enanifd^en SBetoegung fc^eint, na^ ben Acten beg ©üffefc 
borfer ©taatSarc^io« , nic^t fo grog gen?efen ju fein, )oie ^ert^eiS 
a. a. D. @. 249 annimmt. 

Am 15. ©eptember (29 fructidor an V) erließ bie Qnter^ 
mebiär*6ommiffion ju SBonn, an beren ©pifee ber Sriänber ©]^6c 
ftanb, eine 5ßrocIamation , in ttjeld^er üerfd^iebener SBeric^te öon 
iinlSr^einifc^en ©emeinben an ben ®eneral en chef in S3ejug auf 
beren SBunfd^ nad^ republicanifc^en Sinrid^tungen gebac^t mirb. 
gemer toirb barin ein ©rief beÄ Dbergenerate $0(^e ertoäfint, 
toeld^en biefer an bie SKittel = Sommiffion unterm 27. fructidor, 
alfo ju^ei Xage oor^er, über biefen ®egenftanb gertd^tet ^atte. 
3n ®rtt}ägung beffen, Reifet e8 nun, bef^Iog bie oenannte ßom- 
miffion, Slrt. 1 : „S)ie (Semeinben ber fünf erften SJejirfe ber er= 
oberten Sftnber auf bem linfen ^einufer, tocld^e ben grei^eitS* 
bäum errichtet unb förmlid^ ben SBunfd^ geäußert fiaben, bie Sie* 

fjierunggform, Worunter fie öor Änhinft ber franjöfif^en Armeen 
tauben, ju üeränbem unb baffir eine r^ublicanifd^e JBerfaffung 
unter bem ?Ramen ber (Sigr^enanifd^en mepu bltf einsnfilbren, 

XXV. 22 



324 9L &otdt, 

foQen l7om 1. Vend^miaire bed fed^ften dolores an Don aOett 
(^euboUafien vatb Sefjutm gönjltd^ befreit fein. 

9(rt. 2. 2)ie @intD0^ner obiger @emeinben, totKSje fic^ }ur 
jübifd^en SReligion befennen, finb t7om fogenannten 3uben3oO frei 
(droit de pied fourchu). 

Art. 3. Um biefe ^yreifieiten ju genießen, foQen bie cr^ 
toasten @emeinben unüerjäglid^ eine aut^ent^d^e (SrKäruna, ba| 
fie eine republicanifd^e SSerfaffung anjune^men h^iüend ftno, an 
bie 3ntennebiär=6ommiffion einfc^itfen" *. 

Sd ift belannt, uub f d^on $üffer in feinem 9uffa| : „St^einifd^- 
SBeftfälifc^e guftänbe" , in bem 26.-27. §eft ber «nnalen be8 
9Keberr^einifc^en ©ef^id^ti^üereinS @. 103, lägt ed ben e^emaliaen 
S^urlölnifd^en ©e^eimen 8iat^ ö. 5ßelfter mit greube bemetfen, 
bag bie @timmena}0ecteurd für bie ciiSrl^enanif^e "StepnUit, auf 
biefe 5ßrocIamation ^in, ^ier unb ba eine änthjort mit bem „%ai* 
renfd^tpanj'', b. 1^. eine recbt beutlic^e ablel^nenbe, erhalten ^aben. 
Sä) felbft f)aie im 40. ßeft berfelben Seitfd^rift ©. 164 ff. einige 
folqer Stnttuorten mitget|ei(t. 

S)ie ^ol^I ber ©^toärmer für bie ge))Iante toeftrl^einifc^e SRe« 
publif fc^eint oud^ in Söln unb 99onn nic^t fe^r grog gemefen 
»t fein. SlQerbingd ti^urbe in dähx, nod^bem ber (Ute fRat^ in^ 
©efängnig nad^SBonn l^otte manbern muffen, unb bie neueäKuni' 
dj)aUtät unter bem ^rafibenten t}on ^empid fid^ ber ciiSr^enant^ 
fdgen ©ewegung angcfc^Ioffen , am 17. September bie Unab^än* 
igfeit berStabt proctamiert; ed tDurbe bie $f(an}ung eines neuen 
^rei^eitöbaumeg unb bie oftbefc^riebenc Äomöbie mit ber Um^- 
tragung bed 3üIi(^Io)}fed auf einem ©ammetfiffen vorgenommen ^ 
anq am 22. September (bem 1. Vend6miaire be8 3a^re8 VI) 
unter Leitung beS ©enerafö 3acob6 »^ S^rign^ ber iReujal^dtag ber 
franjöfif^en ©d^toefterrepublif befonber« feierlid^ beaangen. 3» 
einem im ©tabtard^iü ber ©tabt Söln erhaltenen Slctenfai^cifel, 
toel^eiJ ic^ für biefen Qtoed einfel^en fonnte, finbet fic^ ber 6c* 
rid^tung emeS f ogenannten SSaterlanbdaltari^ in ber @bene i^on äKe^ 
taten oebad^t, um n^elc^en fid^ bie ^xt)xU unb 3Ri(itärbel^0rben an 
jenem S^age feierlici^ gruppierten. Auf biefem SHtar toaren folaenbe 
Snfc^riften angebracht: „©ed^fteä 3a^r ber franjöfifd^en mepu- 
blil. ^afe bem Rönigt^um unb ber I^rannei. Siebe, Ireuc unb An* 
^änglic^feit ber 9iepublif . S)anf ben braoen ^irectoren unb ®efe^ 

Sebtxn, totläjt bad 93ater(anb gerettet l^aben. Sld^tung ben 3Ranen 
er Ärieger, loeld^e auf bem gelbe ber ®^re geftorben finb". 
Unter biefen Kriegern n^ar aud^ ^od^e, obti)o^I feiner nW 

^ SBqI. ^Daniels, ^anbbut^ bet (S^efe^e, SBeroibnungen unb iReaterung^ 
fd^lüffc für bie ül^einprobins VI. SBb., @. 434 f. 

« Sei $ett^ Q. a. O. @. 258. — (gnneit, 3eitbtlber ouS bet neuetin 
a»ef(|id^te ber ®tabt (Sö(n @. 198 f. — Set ^üffer, $eter 3ofepl| Soo^^ 
unb bie Stabt Sonn uniei ftana- i)enfd^Qft, $[nnalen 18. |)eft, ®. 124. — 
Senebet) o. a. D, <B. 286 f. SBemet ^eRe, ©cfd^id^tc ber 8tabtSomi u. f.». 



Snx ©efd^idftic fxanjöpfd&et .^errfd^aft am ^ITjctn 1797. S25 

namentßd^ gebadet tpirb; er toax am 18. (September geftorben, 
brei Xage naö) jener ^oclamation ber aKtttel^Somnttffion, tuel^e 
[einer nod^ df^ lebenb ern^ä^nt^ ®i^ fd^eint in berS^^^at, atö ob 
Der Zoh $od^ed fofort einen Siüdfd^Iaa auf bie cii^r^enanifc^e 
3bee sur ^^olge gehabt i)aU; benn tpä^renb loir an jenem ^eft 
am 17. in &öln , mo bie fd^n^ere ^anE^eit ^oc^ed gen^i^ nod^ 
faum belannt toar, eine Wct offtcieüer ©etJ^eiliaung an ben ©c^toär^ 
mereien ber meftr^einifd^en fjrei^eitöfreunbe oemerfen, ift bei bem 
officieHen f^eft am 22. üon einer cidr^enani[c^en Stepublil nic^t 
me^r, fonbern nur oon ber frangöfifc^en bie Siebe. SRac^ bem 
t)om @eneral Xrign^ felbft unterjeiqneten t^eftprotocoK feien Stufe 
mie: @d lebe bie mepnU\t, e§ leben aOe ber ®adjt ber ^rei^eit 
treu gebliebenen fjrtanjofen! erllungen. WUt ben (entern tuaren 
ougenfc^einlid^ biejenigen gemeint, ttjelc^e fid^ ben fiegenben S)irec^ 
toren 99arrad unb Sonf orten gegen bie anbem angefc^loffen litten ; 
ed mar überhaupt mel^r ein |jf^t fär bie in (Söm fte^enben fran^ 
jöfifd^en Zxuppen; mä^renb ^erti^e« a. a. O. ©. 262 ber ättei* 
nung ift , ed tfobt fic^ um bie ^tiet einer unabhängigen SRepublit 
65In gebanbelt. — äBie menig bad eigentlid^e S^fllner uioü, \peüeü 
ber Jpanbmerferftanb ci^rl^anifc^ ober aud^ nur franjöfifd^ ge* 
finnt mar, ergiebt ftc^, mie fc^on ?ßertl^Ä ©. 156 unb anbere an* 
fähren, fokoo^I aud ber allgemeinen able^nenben Saltung ber SBe:^ 
t^fllferung, aü and) au^ ber äßeigeruna, bai^ ©tabtbanner }u einem 
btefer tiefte l^erjulei^en , aus ber äSeigerung ber @(6retner unb 
äRoIer ber @tabt, an ber Erbauung bei^ SSaterlanbi^^WtarS mit^ 
tmrfen ju tooQen, fobag fie jn^angdmeife baju angehalten merben 
mußten. @obann aa^ ber gerabeju exorbitanten ^orberung bed 
@eneratö Sacob^^Xrign^, ba| jeber SJürijer jmangiSmeife fein $aui^ 
am abenb ben 22. September illuminieren folle bei ©träfe üon 
40 fiii^red pro ^erfon. £e|tered toax felbft bem cidrl^enanifc^en 
aßagiftrat (an beffen ©pi|e nad^ n^enigen Xagen Quxf)ot)tn an 
©teile k)on ^empii^ getreten toax) ju ftan, unb e& gelang, au8 
öffentlid^en ©elbem eine Illumination l^ergurid^ten , bie nad^ bem 
^rotocoQ S^rigm^d fid^ aUerbingd nur auf bie place de la mai- 
son commune, ben SRat^^aui^marf t , befd^rttnft ju l^aben fd^eint. 
Xa% aa6) fonft biefer umgefc^affene SWagiftrat nic^t aßen (Srtoar* 
tungen ber Patrioten mi\pxad), erfie^t man aud einem ©d^reiben 
bt» ^ränfifd^en ©ubftitut:^(£ommiffar§ 9iet^el bei ber ©tabt (£01n, 
»orin er Kagt, ba§ „e8 in JBerge^ gelommen jU fein fd^iene, jur 
JBer^errlic^una bc« l^eutigen gefte» Die ®IodEen läuten ju taffen". 
S)ie^röfte ciiSr^enanifd^e S^unbgebung fanb aber überhaupt 
nic^t in 6öln, fonbern in ^onn ftatt; benn fBtmn toar bamald 
niiftt nur ©i| ber 3ntermebiär*(£ommHfion, fonbern aud^ ber unter 
berfelben fte^enben Siegierung bei^ Sölnifc^en fianbei^. S)er erfte 

' ^o(|e fiatB au SBe^Iat im ^^etaofilid^en ßauS' , too je^t no(| basi 
€ierbe3tmme¥ gezeigt )9trb. ^a^ einet • jyrtltd^en Stobitton foU et tietc^iftrt 
tootben eilt 

22* 



326 % i»ütäe, 

ciiSrl^enanifd^e Oftei^^ttöb^um mar in WjAvIbaä) Qufge)7f(anjt toor^ 
ben, tpeld^ed mm äJtajsfiab für bie ganje S3emegiinq in ber me^ 
fad^ citiertcn ^odamation bcr Sntcrmcbiär^Commiffion Dom 15. 
@e|)t. angenommen n^ar. (£i^ fanbte }um 22. ©eptember SJertretec 
na^ 93onn, n)o jugletc^ auc^ fold^e Don Soblen} unb bie Sölner 
3)c|)utation mit bcm 3üIid^8lo|>f erf^icn. ®a« geft bafelbft Vjt 
jnlebt oon SBerner §cffe, ®cfc^i(i^te bcr ©tabt SBonn ®. 160 ff., 
bef d^rieben. S)er alte Bonner @tabtrat^ n7ar Xagd jnoor befeitigt ; 
ein toüt^enber (Sidrl^enane , ber Obertribunaföric^ter (Sfc^weiler 
n^ar utm ^räftbenten ber neuen äRunici)7aIität etngefefet morben. 

3n ®egentt?art beffelben fotoie ber äWitglieber ber aWittelfom* 
miffion, alfo ber ^öc^ften SReaierun^öbe^örbe ber eroberten Sänber, 
^idt &aU, $rofeffor an ber Damaligen 99onner Unioerfität, toeld^er 
ate ©pred^er bed bortigen toeftr^etnifd^en @onföberationiSbüreaud 
begeid^net n)irb, eine fd^toungDoüe 9tebe \ bie aber fe^r entfernt ift 
Don pxahx\6)m JBorft^Iägen , tote ettoa bie JBerfaffung oeÄ fftr 
„frei" erllärten linfen SR^einufer^ fid^ geftalten foDe. 5Diefe Siebe 
tnüp^ fogar in )7^antaftif^ unbeftimmter SSeife an ben alten 
rl^einifc^en @täbtebunb an, inbem eg l^eigt : „®eib und toiDfominen, 
btebere SBunbeSgenoffen , 3^r )8ürger Don &öln, 9i^eimbac^ unb 
Sobleng. Sänge ift er Dergeffen ber @täbtebunb am SR^eine. SBir 
erneuern i^n^eute; er foD fid^ Dcrgrö^ern unbetoig, etoigbefte^en". 

S)ie Stnttoort bed ^räftbenten ber 3ntermä)iär :> Sommiffion 
auf biefe Siebe fül^lte ben (Snt&ufiadmud ®aOd ettoad a'b. & 
geftanb bie SBetoiQigungen ber ourd^ bie ^roclamation Dom 16. 
September juaefa^ten Steilheiten ju. „ÄUein", ful^rerfort, „beDor 
bie übrigen ^metnben ber eroberten Sauber i^ren 99eitritt ju ber 
Don (Sud9 )u grttnbenben Ste^ublif nid^t erftärt ^aben, ift ed nö< 
t^ig, )ur Slufred^ter^altung ber Orbnung unb jur 83er|^f(eguiig 
ber Krmee bie gegentoärtige ^ertoaltung oiefed Sanbed einfttoeilen 
unb unter getoiffen Stbänberungen , toeld^e bie Umftänbe im Saufe 
ISurer SRcDoIution erforbem toerben, beijube^alten. — 3Me 3fntcr* 
mebiär * Sommiffion f ann ben Setoo^nem btef er ©egenben leinen 
überjeugenbcren ©etociö i^rer ©orgf alt für ilir SBo^I geben, ald ba= 
burdQ, bajs fie 3^uen ein Dernüuftiged unb gemä^igted ^Betrogen 
^egen biejenigen empfie^U, beren poütifd^e Sßetnung Don ber 9Ka« 
jorität Derfd^ieben ift ; unb toir befehlen ber öffentUdben ®etoalt auf« 
ftrengfte barauf ju feigen, ba^ niemanb toegen feiner politifd^ 
ober religiöfen SBeinung Derfolgt toerbe*'. 

Die Söwfte Don Sonn Ratten biefer Derfd^iebenen politif^en 
äReinung am fclben 2;age furj Dor JBeginn beS S^fte« in einer 
(bei äBemer ^effe gebrudten) ge^arnifd^tcn äbreffe an bie SKittet« 
Sommiffion beuttid^en SluiSbrua gegeben. Slm 24. unb 26. ®ep9 
tember gaben bie ^aufmannfd^aft unb bad äßünfterftift ä^tdid^e 
®rflärungen ab. 3n einem Slctcn^eft beg Äöniglic^en ©taatd^ 
orc^iDö JU SJüffelborf (Administration des pays conquis, Ar- 

* 9lebe unb ^aittoott Wi t)on 2)anicld, a. a. O. in bet ^Cnmerfung. 



3ut &tW^k fcanjdfffd^ «mfd^aft am ^^m 1797. 827 

rondissement Bonn , ^ot?. 9h:. 893) befmben fid^ Sbfd^riften 
bieget brei (Singaben, tocldft auf bad befttmmtefte bie Slbneigung 
faft ber ganjen 8)urgerf(l^aft ju erlennen geben, t>a% fte mit bec 
üon einem „Seinen (£om))Iot" geforberten Sidrl^nanifd^en ^rei^eit 
nid^tö ju t^un ^aben n^olle uno i^re alte ©taat^üerfaffung unter 
bem @(l^u|e ber frangöfifd^en 9}e)7ubli{ fo lange begatten tt7oUe, 
^biS üon Ben Iriegfü^renben SRädbten burd^ ben (Snbfriebendfd^IuS 
ein anbered toirb beftimmt lueroen''. %nä) mfinfd^te unb Der« 
langte man bie SBiebereinfe|ung bed alten äßagiftratd. ^te 3nter« 
mebiär«(Sommiffion erfiärte fid^ }ur S9eantn)ortung biefer Kbreffen 
irid^t fär }uftänbig, unb vermied biefelbe an bie il^r untergebene 
B^gence du pays de Cologne, ebenfaDs }u SBonn. fie^tere aab 
ben Sflemonftranten unterm 27. bed 9)2onati& ben audmeid^enben 
93efd^eib, „ba§ ber ^iefige äßagiftrat na^ bem iBeif^iel bed SöI« 
nif^en unb anberer )ur Schonung bed ftäbtifc^en SlerariumS auf 
eine minbere Slnjal^I Don ber 3ntermebiär^6ommiffton rebuciert 
tuorben fei, fibrigeni^ fei ber 9tegierung nic^t befannt, ba^ nod^ 
sur Qtxt in ber Sonftitution bei^ Sanbed Sbänberungen borgen 
nommen »orben feien". 

hierauf erfolgte eine nod^malige „Offenbarung ber toal^ren 
®efinnung'' ber S)e^utierten ber fünfte unb ber jtaufmannf^aft 
ber @tabt ®onn. @iS l^eigt barin: 

„S)ad ^erfonale bed ©tabtrat^d befte^t auS 6 Sßit^Iiebem 
unb 2 Sefretärd, bie aUerbingd ^inreic^en, bie n^enn gtetc^ je|t 
häufigem ®efd^äfte ber ©tabt ju beforgen. Slber bereite bor 
mel^reren SRonaten l^atte bie ^Regierung einen Sudfd^uB Don eben^ 
faQd 5 äßitgliebem gur SBeforauna ber jhiegdgefd^äfte ernannt. 
2)a nur biefe ®^alt bej^ogen, fo ift burd^ bie neuere Sinrid^tung 
für bad ftäbtif^e Seranum nid^td gen^onnen; ed kofirbe aber ba- 
bei Derlieren, toemt bie {Rat^dglieber , toie ed Derlautet, eine Qn^ 
läge erhalten foQten. — (Sd n^ürbe fd^n^er galten ju glauben, ba^ 
bt^e (Entlaffung butd^ ein bIo|ed Ungef&^r juft in ben 3rit|>unft 
gefallen fei, ba man mit CMc^tung bed ^rei^eitdbaumd befd^äf« 
tt^t toar. — Slber ber ©tabtrat^ ift au$ nidbt blod auf eine 
mmbere Vinißffi rebuciert, er ift umgefc^affen unb feine Serfaffung 
ge&nbert n^orben. -~ S)od^ mir n^oQen und bei biefem fünfte 
nid^t länger aufhalten unb über einen anbem nod^ mid^tigem un^ 
fere freimfttl^igen ®eban&n eröffnen. 

dfn bem angefü^en SBefd^eib l^ei^t ed femer: 

„„tlebrigend ift ber 9tegierung nid^t bdEannt, ba% nod^ }ur 
3eit in ber Sonftitution bed £anbed %[enberungen Dorgenommen 
tDori>en feien"*". 

2)a| nod^ )ur3^t auf eine red^tmä|ige Srt feine SSer« 
änberung in ber Sonftitution Dorgenommen n^orben, ift au^er 
3toeifeI, tDeil biefed felbft nad^ ben @runbfä^en, bie man proda- 
miert l^at, nur burd^ unfere unb ber fianbedbeioo^er SinmiOigung 
gefd^el^en barf, bie fid^ aber fon^ie koir bagegen erH&ren; aber an 



328 91. (Koetfe, 

beul ^iUeu, felbft gegen unfern äBtUen eine 93eränbentng }u be^ 
tütrfen, f)at ed ntd^t gefehlt. OeffentUd^ ift t^ aufgerufen unb in 
bie 3^tungen gerücEt Sorben, bag 99onn fid^ unabhängig erfläre, 
unabhängig ernärt ^abe, ba^ biei^ ber SBiQe ber 9Rajotität fei. 
3)ied ift aefc^el^en, bie^ ift gefagt U^orben, obgleid^ ben Xag dop 
l^er ade 3^^!*^ einl^eQig eine förmlid^e ?ßroteftation einlegten, ob- 
gleid^ ber (alte) @tabtrat^ Don ben ®eftnnungen ber Sinmo^ner 
überjeugt mit teutfc^em greimntl^ erflärte, baß er bem beöorftc^ 
lenben ^^fte nid^t beitoo^nen n^erbe, unb obgleich am ^ge ber 
jeierlid^feit baö feltne ^Betragen ber Sfirgerfd^aft beutlid^ genug 
il^ren UntoiDen bliden lieg. 3nbem alfo bie fc^önen äßorte Don 
t^rei^eit unb äRenfd^enred^t um und tönten , n^urbe unfre ^rei^eit 
unb unfer erftei^ äRenfd^enre^t nid^t geachtet; inbem man bie 
Unab^ängigteit audrief, betrad^tete man unl^ mie Sb^ängige, Un- 
münbige, bie leinen eignen äSiiQen ^aben, unb bie i^r ißormunb, 
ber aber boc^ ^ieiu einen Stuftrag Iiaben mn%, wadf Gefallen 
lenlt unb treibt. äBir n^urben nic^t einmal gefragt. 3lnx bie 
3urüftungen, bie man jum feftlic^en ^age mad^te, unb bie unbe- 
fugte Slufforberung eined @aU unb Slnfc^el (Srgt in Sonn), bie 
ate ®^re^er einer und unbetannten Sonföberation auftraten, 
länbiote und an, n^ad in unferm tarnen gefd^e^en follte. 

2)ied ift nic^t ber SBiQe ber franjöfifc^en Siegiening, fo meinte 
ed nic^t i^r Dberf elb^crr , unb bie Sntermebiär * ©ommiffton ^at 
öffentlid^e SBetoeife gegeben, bag fie Don ganj anberer ©eftnnung 
befeelt ift. S^^r ?ßräftbent fagte in feiner bei Srric^tung bed gr^ei- 
^eitdbaumed ge^altnen iRebe, bag bie SRajorität ber Bürger [id) 
unabl^ängig erlläret. äRan mu| alfo annehmen, ed märe Selet^ 
bigung, anberd au benfen, ba^ bie 3ntermebiär-&ommiffion nur in 
jener feften Ueberj^eugun^ bie (Srrid^tung bed ^ei^eitdbaumd er^ 
laubt l^abe, bag fie ed nte pgeaeben ^aben tt^ärbe, n^enn fie Dom 
©egent^eil fiberjeugt gen^efen fei. @d foU au^ nur ju geioi^ 
fein, ba6 ber ^err 5ßräfibent, nad^bem i^m bie Mn^t iffte ^xo- 
teftation überreid^t Ratten , bie SBeif un^ gegeben qabe , bie Dorl^a' 
benbe ^eierlid^Ieit einjuftellen. @ie gtng oennod^ Dor fic^, koeil 
ber Sommiffion, n^ie ed ^ei§t, gefagt n^orben, ber danbeldftanb 
mad^e ben größten H^eil ber ©tabt aud, unb biefer fei ganj (m- 
berer SBeinung ald bie fünfte. 

2)er ^anoeldftanb l^at auc^ einmüt^ig bad ©egent^eil erfiort 
(freilid^ nad^träglic^) , unb bennod^ ftel^t er nod^ ba, ber toiber 
ben allgemeinen Spillen errid^tete Saum, ber, toeit entfernt ein 
@innbi(b unfrer ^ei^eit ju fein, und tä^tic^ unb unaufhörlich 
mal^net, load man gegen bie einhellige ©ttmme ber Sürgerfd^afk 
unternommen, bag man mit Serac^tuna i^rer 9led^te, in i^rem 
Ängefid&t, unb in i^rem 91amen eine mepnhlxt prociamiert ffabt, 
toDDon i^r nid^td befannt war. ®r ma^nt und unaufl^örlid^, bafe 
in eben bem 3ett<}unfte , ba man gegen ben 35edpotidmud eiferte, 
unfrer grei^ett gef^jottct ttjurbe. 



3ut (Sefd^td^tc fran^öftfci^eY ^ettfc^afi am 9tf^in 1797. 329 

Scjfrettettb i^ e8 für nni, bag bte SanbeSregteruna bie ganje 
^onbluns ffir nichtig uttb alfo ntd^t gefd^e^en betraqitet , inbem 
^e in intern SBefc^eibe auSbrfidütd^ fagt, bog nod^ jur Qeit in ber 
^onfüttttion leine SBeränberung t7orgenomnten n^orben. SBäre fie 
nid^t innigft fibmeugt, bag bie vorgenommene ^anblung ungfiltig 
fei unb unferm med^te ni(|ts üerfd^Ioge, fo toütht fte ftd^ nid^t 
fo beftimmt auSgebrüdCt ^aben, ba ed am Xage liegt, ia% man bai& 
@egent^I gemout unb fiffentitdb befannt gemad^t f)at. 

fEkm aber in ber äJerfaffung noc^ nid^tö geänbert n)orben, 
tooiu bann ein ßeic^en auf öffentlichem fOlaxttt, ate fei toirHid^ 
eine Umtt^oljung ber üorigen Orbnung gefd^e^en''! 

©d^lieglic^ faffen bie 9$etenten i^re SBorfteUung in ber 93itte 
jufammen, ben t^origen @tabtrat^ lieber ein}ufefeen, ben ^i^eitd« 
Daum n^egiunel^men unb „ben je^igen ©tabtrat^ über bie 3)ienft« 
entfe^ungen, bie er fid^ erlaubt, gur S^erantmortung ju ixtf)m, 
unb jtoar um fo el^er, ba bad ganje Serbred^en einiger in nid^td 
anbrem befte^en foll, aU tom fte feine ciSrl^enamfd^e ftofdrbe 
tragen, kuai^ nod^ nid^t einmal burd^ ein ®efe^ geboten ift". 

S(m 6. October anttoortele bie Stegterung bed Sölnifc^en fianbed 
fämmtlid^en fünften unb ber Jtaufmannfd^aft ju Sonn ^olgenbed : 

„2)a in einem eroberten Sanbe bie oberfte ®etomt unb bie 
bamit öerbunbene SefuQniß, bie ^ßerfonen ber öffentlid^cn Sertoalter 
ai^ unb anbere ^intoteberum angufteOen, bem @ieger ober ben 
tyon i^m baju befteOten 2)e(egierten einjig jufte^et, ba femer biefe 
einem jeben freigefteQt ^aben, fic^ ffir eine i^m gef&Dige Ste^ie- 
run^Sform ju entären, mit bem öffentlichen SBebeuten, bag jebe 
äReinung rqpectiert unb leine J^artei ber anbem bed^alb S3om)örfe 
^u mad^en fid^ unterftel^en fotle, ba in biefer ^inftd^t bie Se- 
]d)totxbe ber 9iemonftranten biefer SBerorbnung ^rabe jun)iber« 
läuft, unb eine Snfulte geaen bie äßeinung oei^jenigen Xl^eitö, 
tüeld^er eine entgegen^efe|te Sefinnung geäußert l^at, an Zag legt, 
ntitl^tn afö rul^eftörenfc^ angefe^en tt^erben bfirfte, fo l^at bte me- 
tierung befd^Ioffen , bie unterm heutigen 2)atum t7on ben ^iefigen 
)unft8be))utierten fibergebene SSorfteuung (im Soncept ^atte ge- 
, tauben : unge}iemenbe SorfteUung) nid^t ju ben Steten ju nehmen, 
fonbem fold^e ben Stemonftranten mit Der äBamung gurfidt}ugeben, 
ba^ bei tt)eiterer Ueberreidbung berlei auf bie untergebene ©adbe 
SBejug l^abenber ©c^riften oie ^Regierung in bie unangenehme ^lotp- 
toenbtgfeit üerfefct n^irb, bie SBetf affer unb ©timmenfammter in 
ber @tabt ber dntermebiär^Sommiffion anguieigen, unb biefer ju 
überlaffen, gegen biefelbe }u inquirieren unb fie ol^ öffentliqe 
SluMörer bem aßilit&rgeri^t gur 83eftrafung }u übergeben". 

«m 24. Dctober erlie§ bie 9?egierung ein burd^ Irommel^ 
fc^Iag befannt gemad^tei^ ^ublicanbum, n^onn fte nod^ einmal t)or 
^Agitationen gegen bie ciSr^enanifd^e 9le))ubßf loamt unb t)tx^ 
bietet „fid^ alS iRid^ter öffentlt^er unb freier O|)inionen unberufen 
oufoufteaen". 



330 31. öJoecfc, 3ut «^efd^id^te ftan^öftfd^ct .g)enjd^aft nm Ä^cin 1797. 

dagegen tjctfid^crt pe ben Ocgncrn bcr genannten 9itpiiU\l, 
hQ% nid^t geftattet werben fo0e, il^nen oon jemanb, n^er e^ aud) 
fei, eine tl^ren ®mnbfä|en miberfpred^enbe SJieinung auf jubrinaen, 
fonbern bafe fie t)ielnic|r bei i^rer bürgerlichen mu^e mit auem 
97ac^brud ge^anbl^abt n^erben foUen. 

aRan fie^t , eine fd^manfenbe unHare Haltung ber ^Regierung 
ge^t avi^ biefen ^unbgebungen ^ed7or. 3^^^!^^^^ \^^^ \^^ 9^' 
tt)ünfd^t, ba§ bie ci^t^enanifc^e JBemegung einen erfolgreid^eren 8er= 
lauf genommen ; ba e^ n\i)t ber gau ttJar , f d^ü^te fie etnftoeilen 
t^re Sn^änget, o^ne inbeffen fräftige 3^<in9dmitte( ankoenben }u 
tvollen ober aud^ ju fönnen. i^eiber finb bie Scten beö franjöft- 
f d^en S)irectoriumd, toeld^e mo^I n&^ered hierüber enthalten tonnten, 
nod^ an feiner ©teile gebrudEt. 

S)er griebe üon dampo ^ormio (17. Dct. 1797) l^attc granf^ 
reid^ bad linfe 9l^einufer abmärtiS bis jur 92ette, einem Reinen 
glüBd^en, ba« füMid^ bei «nbcmad^ in ben SR^ein fließt, gett)ä^r= 
leiftet, ni^t ettoa abgetreten, benn barttber ^atte nid^t ber ^ad^ 
Cent Defterreidb, fonbern nur ba8 aicid^ ju üerfügen \ SBo^l fi^t 
man bal^er, oa| ^Öffnungen bei ben frül^em Sanbed^erren ber 
aui^brädnid^ üon einer 9(nnq:ion auSgefc^Ioffenen linldr^einifc^en 
®ebiet§tl^eiie, ^äuptfftc^Iid^ S^urcölnd unb Preußen, koieber in ben 
öefife berfelben ju gelangen rege Werben; unb fo ift aud^ in bem 
obenoejogenen ^ubhcanbum üom 24. Oct. bie Kebe k7on „bem 
^rumtragen untergefd^obener S)riefe au« ©egenben, toeld^e üon 
ben t^an}ofen nid^t occupiert finb'', toa^ ald Sanbedüerrot^ be^ 
^ei^net mirb; — e« beutet biefe« auf bie (Srtoartung l^in, ba§ 
Der S^urffirft Wlajc ^ranj nac^ Sonn jurfidRe^ren n^erbe, tocS 
toxi augerbem fd^on an^ ben iSBriefen be« ®el^eimen 9lat^d %\l^ 
man ü. ^el|er miffen. 

@« tjt n^o^I ju Derfte^en, baß angefid^t« einer foldben Süen- 
tuaUtät bie Abneigung gegen bie cidr^enanifd^e Umfc^affimg fid^ 
f d^ärf er auSfprad^ , al« Die« üieHeic^t f onft gefd^e^en toäre ; aber 
für bie graniofen toax e« nur eine Staupe auf i^rem ©roberunaS* 
koege; gelang e« nic^t auf moratifd^em SBege bie Stntt^o^ner fflr 
republicanifd^e Sbcen }u gewinnen , fo füllte e« auf bem SSertoafc 
tunadh7ege gefc^e^en; uno mit bem @rfd^einen Slugereou« old 
9la(^foIger §od^e« in Sonn am 26. Ort. ^atte bie ciör^enanifd^c 
ftomöbie n^efentlid^ audgefpielt. ^er ©ouüemementdcommiffar 
SluMer begann balb barauf fein SBerf ber SBÜbuna öon t)ier fron- 
göfifc^en S)e^)artement8 ^ au« bem ganjen tinlen SR^einufer , unbe^ 
flimmert um bie im ^rieben üon Qxxmpo ^Jormio oorgefe^enc unb 
garantierte ©renjlinie an ber 9lette. 



» ©Ol. Mffet, 2)tpl. Sktl^. I, 6. 
kH}(uttondaett IV, @. 686. 



471 f., unb t)on Bijbtl, ®efd^. b. ffttx 



* SpQt. ©oedfc, «itnalen b. ^ift. akteinS f. b. «Rieben^in, 42, ©cft, 
G. 122. 



jlleinete S^ittf^eilun^en. 



3n ©netfeiiatid ^an einer ^reafltft^en ü^egton 1809. 

93on 8L Soettter. 



3n bcr öorrcbc ju Sb. I (@. vi) feine« ficben be8 fjelb^ 
ntarfd^atts ©rafen SReit^arbt üon ®ncifenau befla^t 5ßer|, bafe e« 
i^m nid^t gelungen fei, jur ©infid^t ber JBer^anblungen ®neifenau8 
mit ber cnglifd^en SRegierung in ben Solaren 1809 unb 1812 in 
ben Sonboner Ärd^iüen bie Srmäcl^tigung gu erl^altcn. S)en ein* 
leitenben ©d^ritt, ju toeldtfem ©neifenau bei Äugbrud^ be« ÄriegcS 
jttjif^en Defterrei^ unb g^anlreid^ int Sa^re 1809 fid^ entfc^Iog, 
enthüllt bas unter I folgenbe ©d^reiben an ben ©efanbten ©rafcn 

fiarbenberg ju Sßien. (SiS liegt bem (Sonjepte ber 9tetation beS 
enteren an ben ®rafen SRünfter üom 22. april bei. färben* 
berg fanbte Sttbfd^rift beffetben an ben ®rafen 2Rünfter cm, um 
cttoaigen Drberi^ in biefer Slngelegenl^eit entge^enjufe^en. 3n ber 
Slote 2Rfinfter8 an ^arbenberg üom 19. 3um 1809, toeld^e ben 
©ngang ber Slelation öom 22. a^jril crtoä^nt, n?irb auf ®neis 
fcnaug Singabe nid^t öejug genommen, unb leiber fd^einen »eitere 
biefen ®egenftanb betreffenbe SHtenftürfe im ^annoüerfd^en Ärc^iü 
itid^t erhalten ju fein. Slud^ ift eiS burd^au« ernärlic^, bag®nei* 
fenau« Seife nad^ ®nglanb im Suli be« 3a^re8 1809 r$erfe I, 
©. 559 ff.) feinen planen eine SBcnbung gab, toeld^e bie SSermitt* 
lung be8 ®efanbten ju ©ien entbe!^rli$ mad^te. Äud^ in biefer 
fragnientarifd^en ®eftalt mag bad ©d^reiben ald ©rgänjung bed 
(Slaufetüilfd^en $IaneiS ($erg ©. 492) ^ier k)eröffentlid^t toethm. 



I. 

Sttftfenau an ben hanitotierfiben CefanMen (trafen Harbenbtrs fu 

«Uten. ma%, 1809 Hfirtl 2. 

^od^gebomer , 

^od^juüerel^renber $ea ®raf. 

3n ber SSoraudf e^ung , ba§ (Sm. ^od^geboren nad^ )e}t aM^ 

gebrod&encn Ärieae jtoifd^en Defterreid^ unb granfteid^ bie bipfo= 

matifd^en ®efd^äfte am äBiener $ofe ffir bai» brittifd^e fiabinet 



334 2^ocBner, 

leiten, nel^me id^ mir bie ^reil^eit, mic^ an ^od^biefelben gn tt)en^ 
bcn, um üor ßttj. ßoc^geborcn eine Angelegenheit )u bringen, bie 
für mid^ üon ber p^ften SBid^tigfeit ift unb üon ber i* ^offe, 
ba§ fie bie ante ©ad^e wenigften« einigermaaftcn förbem bürftc. 

SBä^reno bei^ lejten unglücflic^en jlriegei^ itoifc^en ^eugen 
unb granfreid^ erhielt ic^ im 3a^re 1807 ben Dberbefel^l ju 6ot 
berg. 3^ fanb bie Sert^eibigungömittel biefe« Drte« in einer 
traurigen Serfaffung. ®urd^ Sie grogmüt^ige Unterftü|ung be« 
iDKntfterd Canning erl^ielt td^ SBoffen unb aßunition, unb fo ^atte 
xä) ia^ ®lüd, eine ^eftung }u erhalten, bie o^ne biefe ^ülfc un* 
abtoenblid^ gefallen toäre. 

@eitbem an bie äRitüerh^altung ber äRUitairgefd^afte berufen, 
l^abe ic^ ni^t aufgehört, ba^in ju mirfen, bag ber SBett)affnunßd« 
ftanb unferei^ Sanoei^ vorbereitet unb unfere gebemfit^igte Station 
auf ben ^aü eintretenber günftiger ^onjunfturen in bie ^äojfxdi^ 
feit gefegt n^erbe, i^re politifd^e Unabl^ängigfeit unb i^re äßilttait^ 
el^re n^ieber ju erfänU7fen. 3d^ l^atte mit Unentfd^Ioffen^eit ber 
äRenfd^en, f^urc^tfamleit, @d^(aff^eit, SSenalität unb Serrät^ri 
[U tSanp^en. ®te üeru^orfene 2)enlungi^art fo üieler bebeutenben 
Jcrfonen fejte meinen SBemül^ungen große ^inbemiffe entgegen, 
f^ fd^eute yii^ti unb fagte meinem äRonard^en unb fiemi 
münblid^ unb in S)enlfd^riften in jtoar ehrerbietiger jeboq ba 
fräftigften ©prad^e, toa^ }u feinem ^eil gu t^un fei, unb toäd)t& 
@d^i(fa( feiner marte, tpenn er ed unterlaffe. 

^aft aber fürd^te id^, bag meine S3emü^ungen nebft benen 
einiger anberer mit mir gleid^gcftnnter SRänner üerloren finb. 
ältangel an (£ntfd^Ioffenl^eit, Sinfiüfterungen feigl^er»ger 9tat^geber 
unb eine frembe $otitif legen uni& t^ffeln an uno ^inbem und, 
für SEBiebererobentng unferer Unabl^&ngigfeit bie äBo^en gu er- 
greifen in einem SfugenblidE, too ed baS ^d^ilfal üon 9uxopa gilt. 

2)iefe Unt^tigfeit n^iß id^ nid^t länger teilen, unb ic^ 
töünfd^e, bei ben geaen i^anfreid^ fed^tenben Wmtm gu bienen. 
SRein $Ian ift folgenber. 

SKel^ere braue Cffigiere ber |)reugif(^en Slrmee brennen tMn: 
IBegierbe, fid^ gu räd^en unb n^entgfteniS üon fi^ bie ©c^mac^ lu 
vertilgen, bie bem preußifd^en ^^al^men auflebt. 2)ur(^ meine ga^I« 
reid^en S9elanntfd^aften unb ate ÜRitglieb ber gu Königsberg an- 
oeorbneten 3mmebiat«Unterfud^ung8^ßommiffion bin id; auf bem 
Stanb|7un!te , gu beurt^eilen, toeldbeS bie braud^barften Offigiere 
unferer 9[rmee finb. 3d^ ^abe überbieS viele gf^eunbe in ben 
preugifdben ©taaten , unb ed foQ mir nid^t fd^toer toerben , eine 
)7reu|ifdQe Segion gegen f^ranfreid^ gu errid^ten, bie fid^ unter 
gemiffen Soraui^fe^ungen fe^r vergrößern fönnte. 2)ie organifd^en 
iBebingungen bagu n>firen folgenbe: 

1. S)ie Stofien ber %uSrüftung biefer Segion mürbe @roB^ 
brittonnnien tragen unb Oefterretd^ bie SBoffen bagu für ben ^a» 
btlfation»{nreiß ablaffen; 



3tt~ ttnetfcitQU§ $lAn cinrt pteugtfd^n i^t^ion 1809. 335 

2. fie tDürbe unter öfterreid^ifc^en ^a^nen unb 2f^n)}ei^en 
feilten ; 

3. ftc^ bem redeten gluflcl ber öftcrrcid^ifc^en Armeen in 
3)eutf^Ianb onfd^Iiejsen unb e^ fic^ jur &)xt red^nen, }u ben 
gefä^ritdbften Unternehmungen gebraucht gu merben; 

4. fobalb ate $reu^en bem ^ege gegen %tapXm6) beitritt, 
in bie Z)ienfte i^red alten $erm jurücEIe^ren. 

5. Stämme aber $reu^en feinen X^eil an biefem Kriege, fo 
bel^filt nac^ (Snbigung beffelben eine biefer beiben äRäc^te, ®rog* 
brittanien ober Oefterreic^, biefe fiegion fär ben euro^äifd^en ^ienft 
bei, n)enn anberd fie gut gefoc^ten ^at. 

S)ied n^&ren bie $au}7tmomente jur tM^^^^^S ^^^ ^^"^ 
traqed ^u biefem Qtoede. @inige anbere mürben üon minberet 
SSefenl^ett \e\)n. 3)er £auf bed Sirieged tpirb bie äBerbeörter be^ 
ftimmen. 9>ie ©egenben bei^ linlen Slbuferi», ^raufen unb Z^n^ 
ringen, tt;o i(^ Serbinbungen l^abe, überhaupt bte meftlid^e ©ränge 
beS ))reugifd^en @taated mürben [id^ fe^r fc^iKid^ boju l^rgeben, 
unb id) barf hoffen, bag nad^ ben mir (fo!) gebac^ten Stnridl^tungen 
in biefer Segion bie legten 9{efte bed preugif dgen @eifted eine e^ren^ 
üoUe Sa^^^^ finben tonnten. 

Sie üon mir nid^t laufmännifc^ bered^neten iSofteit ber ^M^ 
rfiftung mürben eine für ©rogbrittanien unbebeutenbe @umme 
betragen, unb ba^ id^ ben guten SBi0en ^abe, üon ben mir ge« 
reidbten JtriegiSmitteln Iräftigen ®ebraud^ gu machen , meig 3^r 

Sroler Staatsmann @anning. @d ift oieUeid^t nid^t unnüg m 
emerten , bag id^ fd^on früher Snglanb gebient fjaie , n&mlxd) xn 
9torbamerita , unb mit ber ®pxad)t unb Literatur bed brittif^en 
Sollet bdannt bin. 

ftönnen ba^er Sm. ßo^geboren gur SSermirftid^ung biefed 
$Ianed etmad beitragen, ]o tl^un @ie ed um ber guten @ad^e 
millen, ^u bereu görberung man ytidftö unterlaffen mug, fei eS 
aud^ no^ fo unbebeutenb. 

S)ie etma auf biefen meinen Antrag gu ric^tenbe Sntmort 
bitte i^ $o^biefeIoen bieder gu fenben, üon mo aud ber ®raf 
t)on @oe|en fie an mic^ aelangen laffen mirb, faQd ic^ in ^kn\U 
gef^öften abmefenb fe^n follte. 

@ene^migen @m. hochgeboren bie SSerfid^erung ber t^oHfom^ 
menften ^od^ad^tung, momit id^ gu fe^n bie dl^re i^obt 

^oc^bero 

gang ge^orfamfter 2)iener 

9?. t). ©neifenau 

St. Sreujs. Obriftlieutenant, 

Sommanoeur bed Sugenieurforf^d unb 

3nfpelteur fämmtlid^er toreufeifcßer geftungen, 

@Ia| b. 2ten Wpxil 1809. 



336 91. 2)0 ebnet, 3u @neifenau§ Pan einet ))reu^tfd^n Segion 1809. 

n. 

|lii0 Hatbenbem Helattoti an itn •rafen ft&ntn dd. Witn, 

1809 JliirU 22. 

Je viens de recevoir une lettre d'un Lieut. Gol. Gnei- 
senau, Commandeur du Corps de genie et Inspecteur des 
forteresses au Service de Prusse. C'est un Officier du plus 
grand merite et qui dans la derniere guerre de la Prusse 
s'est distingu^ par sa belle defense de Colberg. Ses merites 
reconnus m'engagent ä joindre ici, quoique sans signature, 
une copie de sa lettre, pour la porter a la connoissance du 
Gouvernement Britannique, afin que s'il trouvoit bon d'em- 
ployer les Services du dit Lieut. Col., je puisse lui faire 
passer les ordres qui me parviendroient. 



9loüi einmal inx ftatfettta^I Karte Y. 

Sott 8otti0 Ktttilabt. 



^ür bie ©efc^t^te ber fBiai)l ßarfö {um beutfc^en ^aifer 
^abett bic „gorf (jungen" bereit« tne^rere toert^tjoUe ^Beiträge 
urhittbltd^er mt gebracht, erft le^^in t)on diejel, unb noc^ intiuer 
tft bie ^orfc^uttg tti^t am (Sttbe. 2)Qd liegt ebett baran, bag ju 
ber ÄaiJertt?a^I öott 1519 fo üiele fjaftoren mitgett?irft ^abett, ba§ 
bejüglic^ ber eitlen äBal^Iftitnine , berjenigett bed untnünbigett ^ö« 
ttigd t^ott SSö^tnett, bie @titfcl^eibung lan^e gefc^tuatift tjat, h}elc^er 
toott ben brei fic^ um @tittttnabgabe ftreitenben ^arteiett bie ^ur^ 
fürfteti beti Sorjug geben »firben. SBefanntlic^ fiel ber JBefc^Iug 
bei^ SoQegiumd ju®unften ber bö^mifc^en ©efanbten aud. 9lic^td^ 
befton^entger ^aben bie ©efanbten bed ^önigi^ ©igii^munb t}on 
$oIen, bed O^etmd unb 9}ormunbed bed jungen Submig, fokuie 
ber aWarfgraf @eorg tjon Sranbenburg, fein 6rjieBer, unfer 3n* 
tereffe, toeil fie fi^ bid jur Sntfd^etbung aber Die Streitfrage 
i^ren (Sinflug auf bie 993a^lt7er^anblun0en bemal^rt ^aben. fie^terer 
toar mit audgebe^nten SoQmac^ten femed ßönigd tn f^ranlfurt er^ 
fd^tenen, tndbefonbere gemeinfam mit ben polnifd^en ©efanbten 
auf bie SBö^men eingutpirten (üg(. @. 339 «Ibf . 6 u. 340 «bf. 1). 

2)te folgenben 92otijen entpQen uni^ manche bi^Iomatifqe 
Serb^icf elungen , ki^elci^e ftd^ baraud ergeben baben. @ie rühren 
jum Sü^eil )7on ber $anb bed äRarf^rafen felbft ^er unb finb ba« 
rum t^on be[onberer SEBid^tigleit. ®te umfaffen gmei ^olioblätter, 
toeld^e id^ tm ©ommer teerigen Sa^red unter ber ^laffenburger 
©ammluuQ bed (Berliner föniglid^en Saudard^it)« t}orfanb (42 
A 1). ©le pnb mit mehreren anberen viotijenMättem be« JBran^ 
benburgerd in ein $eft jufammengebunben iporben. S)ie beiben 
genannten 83Iätter finb j[e|t mit fol. 5 unb 6 begeid^net, bad erfte 
enthält bie eigen^änbigen 9{oti}en ®eorgi^, bai^ gu^eite leitet mit 
ber Semerfun^: addantur ad alia, que scripsit dominus mar- 
chio commomcanda com Polonis, bie i^anb eineS Stnbern, tücä)u 
f^einlic^ feines ©ecretärS ein. 8luS ben legten SBorten ift ju^ 
gleich erftd^tlidb, für toeld^e ^erfonen fid^ ber äWarfgraf bie 3co* 
tuen gemacht ifat, ium Qtoed einer mfinblid^en ober fd^rif flicken 
äRitt^eilung an bie polnifd^en ®efanbten, meldte er mel^rfac^ auf 



338 8. 9?euftnbt, 

bem 93(atte mit ber gtpeiteu ^erfon anrebet. 2>te Sufjdd^nuna 
iTt nod) öor ber SBal^I erfolgt, ba ber ©d^reiber auf bicfelbc noc§ 
@influ| üben toxU, uttb auc^ üor ber Sntfc^etbung ber ^rfür= 
ften ju ®unften ber f8öi)mm, ha er bie ^^age no^ ald ftreitig 
erad^tet. 9(uffaIIenb ift bie eigentl^ümlid^e Orthographie, toel^e 
ber fränüfd^en äu^fprad^e folgt, j. S. fobis ftatt vobis, femer 
figore, instruckcione Ludobici, atjufare, reix, eixspecktabo. 

©leic^faUg bie SBaI|Ifrage be^anbeln jtoei anbere ©tücfe üon 
ber jpanb beS äRarfgrafen. @ie beleuchten bie SBa^tumtriebe ber 
®egner Äarte. 2)aS eine ftel^t unter mand^erlei eigen^änbigen Stto* 
tigen eined ÜJiemorioIg, n^eld^eiS toal^rfd^einlid^ bem 3a^re 1535 
angehört. 3)aS anbere l)aU ic^ einem SSriefe entnommen, »etc^en 
ber äRarfgraf ®eorg üon Sranbenburg am 28. ?lpriri519 üon 
Ofen aui^ an feinen SBntber ^aftmir gefd^rieben ^at. 



I. 

Keber eine yerflSnbtgung {»tfilien bem iHarkgrofen Seors non 
Pranbenburg unb itn polnifdien (Sefanbten. 

fol. 5^ Dabo litteras credencionales Palanis etc. se- 
cundo curare simul cum Bohemis et Bolonis illa, qne sunt 
scripta in instruckcione Bohemomm, principaliter , ut reix 
Lndobicus sit creatus etc., si fideant fundamentum. 

Si non sit fundamentum pro Ludobico etc., detur Ca- 
rolo fotum unite vel separatim per oratores Ludobici et re- 
fps Polonie et nulli alten nisi Carolo ob causas contenta (!) in 
instructione cum condicionibus etc. in omni casu. Preterea si 
tempus daret, ego haberem commissionem pro Mosqnis et 
*juribus Mediolani pro juribus in regno Napolitano et matri- 
monium cum filia regis Polanie cum Feridinando, si Carolus 
ducat Annam, sicuti ero lacius informatus ab fobis. 

Si autem tempus non patitur, quot denique eleckcio 
propterea non turbetur, quia denique onmia at bonnm finem 
deducentur, sicuti eciam fiat propter Annam, quot ex ana 
parte reix Polonie ut patruus Ludobici figore bulle aurie 
pretendit jus dandi fotum, et Ludobicns non fult contra fe- 
nire, imo atjufare, etBohemi ilut negant et fellent soIi dare 
fotum, me et Polonis eixclusis, ego habeo comissionem labo- 
randi cum Polonis et Bohemis pro concordandis omnibus etc. 

fol. 5^. Ego fui cum Bohemis et satis dixi responsom 
Aiit etc. eixspecktabo resolucionem et secundum illa me gu- 
bemabo cum bono consilio festero. 

Reix meus dedit mihi, comtnissionem, quot fos haberetis 
comissionem conformandi fos comissioni mee circa anck eleck- 
.eionem modo supra dickto. 



%)d^ einmal aut l^aifertami^l SiaxU V. 339 

Rogo ita faciatis et dicatis mihi, sicut ego facio et fos 
faciatis et pro eo, quot tangit regem festnmiy faciam non 
solurn ob commissionem , quam habeo ab rege meo, set fa- 
ciamftanqaam affinia et Berfitor. 

fol. 6\ Addantnr ad alia, que scripsit dominus marchio 
communicanda cum Polonis. 

Bohemi nullomodo volunt admittere me, ut sim cum eis. 
Requiram eos juxta commissionem meam, ut omnino sint con- 
formes vobis, oratoribus Polonis, in dando voto Regi Carolo 
et nuUi alteri, et dicameis, ne istudsit firma voluntas regis 
mei et ita mandavit dicere ipsis Bohemis. 

Habeo eciam commissionem, ne, in casu Bohemi noUent 
pati nee me nee vos, ne ego debeo (!) credere, ut soli dent Vo- 
tum Carolo, et hortaii vos, ut pro bono publico et pro pri- 
vato regum nostrorum vos eciam ad illud inclinetis. Et 
cavere omnino, ne Bohemi devenirent ad alienas protesta- 
ciones et inconvenienciam. 

Quod si Bohemi non obstantibus istis incli- 
nacionibus vestram et meam vellent transgredi 
commissionem regis mei in dando voto Carolo, 
habeo opportunas vias dandi illud votum simul 
vobiscum nomine patrui et nepotis regum nostro- 
rum, sed prius debemns omnia ista attentare, utego et vos 
simus admissi simul cum ipsis Bohemis. Et ita rogo vos 
in Omnibus mecum bone conveniatis, sicuti ego faciam vobis- 
cum et amittamus scandala. quantum possimus. 

Habeo eciam commissionem iaborare pro rehabendis 
castris oppignoratis Cesari post mortem regis Mathie, maxime 
cum summa pecuniae etc. fuit solutum jam ex proventibüs. 

(ISerlin. Slöniglic^ed |)auSarcl^iD. Paffenburger Srd^io 42 
A no. 1 fol. 5 u. 6). 



n. 

Wallittiiitrtebf to frankfutt« 

Bes ich auf kaserlicher majesteat beol zo Frangkfort 
hab gedean unt mir fan k. mt. oratomn unt dem Frantzossen 
fersprechnis gehabt funt mein fetter marggraf Jochim mich 
gemn beret haedt) ^ bey pefaltzsgraf Friderich, Lvtteig, Nas- 
sav und ander der bevrgea beol beissen*. 

(Sinen Sommentar ^terju bietet eine anbete )7erf))renate 9{oti) : 
Item Mgf. Georg ist an stat kunig Ludwig zu Frankfurt 

1 %ai in ^aten^efe Stelle ifl im Original hvaMdS^ 

* Sebeuiet bem ftAtdtfd^en ^^iaIefi(Sleota8 entf^ncii^enb: .unb anbm bet 

iSfitoen too^l toiffm'; mit'Lytieig* tft ber^f^of tumSfittic^ fiemehti, 'bey* 

s= irmttd^', toie qdnftg, ebenfo mir = wir. 

XXY. 23 



840 S. 9teu|labt, 

gewest und d«i Kaiser Carotam erwelt, onaBgeseben das im 
ander kaben XLtaasend ft. haba woDeii geben. 

(WH&ttäim. Mnigf. mam. fUidfiatdfio. Sioib. CCVm, 
12 fol. 9. »erltn. ßänigl. ^ou««!^. P10U2). 



m. 

1619 «tml 28 Ofen. 

Freuntlicher lieber broder, ich las dich wissen, 

das mich mein her auf jeczgehalten reichstag geeen Franck- 
fort schicken wnrdt, wiewol ich es in dem erst in dein schrei- 
ben abgesclüagen hab , aber nachrolget sein konigs Car^ 
ret kommen und mein herren omb sein election gebeten, die 
im dan versprochen, haben soUich rete ko^ mf^ gebeten mich 
in s. g. sach zu schicken, dan die Beheim gern immg dar- 
innen thon wolten, auf solches haben mich dieselben orato- 
res vast hoch ermant nnd gebeten von konig Carels wegen 
zu ziehen, das ich dann nit wol abschlagen hab mögen, hof 
es soll nnserm haus zu gut kommen, dan ich wnrd ein 
haimblich gewalt hahen, ob die Behaim jhe nit 
recht handeln wolten, damit ich des konigs 
stimb allain geben mag, und das ist die ursach, das 
die oratores khainen sonst darüber vertrauben haben wollen, 
als mir thun. 

Der Franzos sticht fluchs mit gelt umb sich, betten 
sorg, wo man ander wurdt schicken, sie liesen sich stechen 
und holtens in ein grossen gehaim. 

£s werden mich auch konig Carls factores mit zerung 
selbst versehen, dann auf die Ungerisch zerung wer ich hart 
zagen, und will mein weff auf Anspach zue nemen. 

Item des Franzosen Dotschaft ist nach solchem beschlus 
kommen und auch begert meines hern election und verspricht 
vil 1000 gld. und ganz silbere und gulde berg, als sein ge- 
wonheit ist, wurd aber nichts nit mögen schaffen, hat mit 
allen hern practicirt, aber mit mir gar nichts. So betten 
etlich gern gewendt, haben vor mir nit gemogt, dan es vor 
zugesagt war worden; wenn du es gelesen, so zureis den 
brief. 

Meins hern sach steen wie vor, hat kein hofnung dan 
auf konig Carl , der wurt im wider auf die fues müssen 
helfen, es ist sunst umbnin sonst. Ich will deinem rat vol- 
gen und mich ein zeit leiden. 

Item meiner gueter halben ist noch nichts für sich 
gangen, hab aber guete hofnung, dan ich veier nit, hof es 



^lo^ etitmnl ,)Ut l^aifcrloaT)! ^atli V. 341 

sol uns das gluck beden auch kommen, wie du dann auch 
schreibst. 

Aach schreibst mir, das dich der kaiser gar nichts nit 
hat bedacht, höre ich nit gern, und waist, das ich alweg 
sorg hab gehabt, noch in seinem leben, er werd dich nit 
bedenken, als dan geschehen ist, hof doch, Carel werd uns 
alle dinst, mue und arbeit ansehen, die unser eitern und wir 

vormals gethan haben und noch thun wollen 

.... Jeczt auf dem rackusch ' will ich wol sehen , was für 
ein rumaur wurdt und ward destlenger terziehen müssen 
mit meinem hinaufziehen. So wais ich der fursten gewon- 
heit wol, sie eilen auch nit seer 

Item wie der babst selczam stuck gebrauch, konig 
Carln zu hindern, hab ich verstanden, helt sich auf die welsch 
art. Der Behemen halben wil ich vleis ankeren, als vil mir 
maglich ist, damit sie im nit zuziehen 

Datam Ofen, donnerstag nach ostern anno XYIUI^"^ iar, 

(Sbtö einem Sriefe bed ^avtgrafen ®eorg üon Sronbenburg 
an feinen 99ruber ftaftmir. ^ai) einer Sopie tft^ Serltner fönig« 
It<j^en ^udarc^iDd B. E. I, 2204 fol. 13 ff.). 



i 



' (Skamtd ifi hn R&kos, bn ungatifd^ Sleid^taQ, Benannt nad^ bem 
leidbnamiaen ?^Ibe Bei Ofen, auf bem ex aBge^alien toucBe. l>tt 6t. (Steorgd« 
Iti^ia^ m^affc^ 1519 gel^ött, tote fd^on bet Qrieffd^teibet anbeutet, ju 
ben om metfhn flütntifd^en untzt bem iungen Stbm^ £ubtoip IL t^uftegenb 
toiidEte bie Siegelung bet SBonnunbfd^ftSfrage unb ber petfSnhd^en 8et^Itntffe 
beS Mnigd, bexen Rammet Don bem ^av^afeu (oben 6. 840, aibfa| M be> 
tül^ toiä. Sie tum iBm in biefem Gd^retben etboffte 9[b^fllfe butq iraifex 
itaxi iß ebenfotoenig etngetteten, koie bie (in W>]a^ 6 u. 7 b. SdpibenS) 
feBnlid^fl üon biefex Seite exkoünfd^te Seffexung feinet gfinan^en 2)te unga« 
tifd^ (Bfitetmof^ (BcotgS blieben toeitex toon 3&pottoa gettgtbet, bet SBefit^t 
fal^ ftd^ genMl^gt fte aUmd^lid^ an bet&ufiexn. ^Citid^ (ein imtbet Aaftmit V>tte 
baS (cexe 9lad^ie^n. Sie bexfpxod^ne $enf!on ^t et nie t)om Ihiifet ex< 
^Iten. gfüx bie Seuxtl^eilung bex Stellung bed ^aufed S^xanbenbuxg in bex 
äBa^Ifxage fhtb bie mitgeteilten 6tüdk iebenfaOS fel^ lel^id^. 



28 



ginonjteSe 9}at])fd|I5ge an« ber Bett mhitäft fLi^m. 



Unter ben fogenanntcn „iperrf^aftüc^cn Süd^cm'' bc^ 9Jünt* 
bcrflcr ärd^iüä ift ba§ 17. (ober nad^ alter Sä^Iung 21.) fc^on 
me^rfac^ benu|t tporben. Sefonberi^ au^fübrlic^ f)at barüber ae- 
l^nbelt fßoael, m ben S(ufgetd^nungen SubtDtaiS üon &)h üoer 
baÄ fatferlicnc Sanbgeric^t be§ SBurggraft^umi^ SRürnberg (Srlangen 
1867). Sef. ©. 34 ff. Sor i^m ^atte and) fd^on ftotelmamt 
in ben Sluffä^en ttber bie ^inanjen Stlbred^t Std^tQiS im 3. SBanbe 
ber S^itfd^rift für preufe. ^efc^. (1866) mand^eg SKaterial barauS 
entnommen. 3nbeffen erfc^öpft ift ber reiche Snl^att biefcS ©anu 
melbanbed bamit nod^ feine§meg£. S)ie ^norbnung ber äRaterioIien 
betoeift fc^on bie öielfeitige 2:i^äti^feit beö Urhebers nnb feine 
äbfid^ten. an ber ©pifee fte^t bie SBemerfung: Anno Domini 
1492 am suntag nach sant Matheistag [26. ^ebruar] ist die 
Ordnung und handelung gesehriben aus hem Ludwig von 
Eyb rytter buch der herschaflFt zu Brandenburg zu gut, 
®ann folgen juerft finanzielle Ältenftüde, barauf juriftifd^e, enb* 
lid^ mititärifd^e, ben brei ^auptrid^tungen, in benen äubn^ig r)on 
Söb ber Äeltere feine S^ätigfeit entfaltete, entfpred^enb. 3)enn 
auerbingiS n^ar er ebenfo tü^tig als @oIbat n^ie ali Si^lomot, 
ebcnfo getoanbt ate'3nrift toie afö ginanjmann. — 

Unter ben für bie JJinanjen »ic^tigen Sftenftüdfen finb bie 
beiben erften 8lnf daläge, toie ber ^of^alt in Änäbac^ einjurid^ten 
fei, fd^on üon ßotelmann jiemlid^ eingebenb berüdEfid^tigt Sorben, 
3)ad britte ba^egen, mel^ed eine Steige bemerlen^n^ert^er dlaüf^ 
fd^Iäge über bte @inrid^tung unb Orbnung ber ^inanjen im ad- 

Semeinen umfafet, ift fo gut toie gar nid&t in feinen oben ermähnten 
[uffä|en herangezogen, unb boc^ bietet eiS in me^rfac^er ^e^ie« 
l^ung man^e« Sntereffantc. SS belücift, tuie unter bem ftnrffirften 
aibred^t «döitteg — benn unjtoeifel^aft finb biefe JRatljfdjIäge 
Subttjigg t?on (Stjb nii^t rein t^eoretifi^er 3?atur, fonbern an« ber 
"JrajiS feines furfürftlid^en §erm abftra^iert — eine big in8 
SIeinftc georbnete SBud^fü^mng unb eine genaue Kontrolle fonio^I 
ber Äaffenbeamteu loie be» fiüd^enmeiftev» , ÄeDermeifterS , BSm> 



gtnaitjteire fRat^fd^Md« ml bet 3eti «tBted^t ^d^tllS. 343 

mercr» unb Jfuttermciftcr» , eine berftänbige ©ntl^ctlung ber ©it^ 
fünfte unb SSorrät^e fid^ eingebürgert Ratten, ©etoiffe ©mnbfäfee 
ber f5inana|)0littf ^aben fid^ bereit» enttoicfelt: bieÄüc^e fott nic|t 
me^r Äuggaben üerurfac^en al8 ber fteHer ; ber gürft foH nic^t 
toittfürlid^ in bie Äaffenüertooltung eingreifen unb anä) JBorrät^e 
Quf feinen aUeifen im Sanbe nid^t üor ber aied^nungSaMegung an^ 
greifen, toeil eine georbnete Äbred^nung baburd& fcl^r erfc^toert 
toiro; ben JBertoaltem ber ®etreibeüorrätl^e foU nid^t geflattet 
toerben förmlid^ ju ft)efulieren unb ^o^e ober niebrigc betreibe* 
greife für fld^ auSjunuften; ©tunbung ber fäDigen Abgaben ift 
unter leinen Umftänoen ju geftatten, ba fonft bie o^ne^in fd^weren 
Saften ganj unerf(^tt)ingli(!^e merben. S)ie ©nlünfte finb in brei 
2:^eilc «i fonbem: ein ©rittet ift für ^ofl^alt unb 8anbeSt>erttjaI= 
tung, ba« jtoelte gur Ämortifation ber ©c^ulben }u üertoenben, 
ba^ le^te bient gur Änfantmlung eined ©d^a|ed für unüorl^erge^ 
fe^ene ^&tlt, ftriege u. bgl. — Sefonberi^ toid^tig ift baö jum 
@d^(u^ l^ingugefügte f^ormular für bie (Sinfünfte unb Aufgaben. 
(Sd jeigt, mie ber^filtnidmägi^ gering bie baaren Sinnal^men bel^ 
SWan^rafen toaren, unb toic richtig e« ift, toenn Älbred^t Äd^iDefi 
an feinen ©ruber, ben fturfürften griebrid^ 11., im 3. 1470 
f^reibt': als e. 1. under andern meldt der nutzung halben, 
mercken wir, das ir nit vil gerechent habt; dann wann wir 
unser nutzung nit rechnen solten, sohetten wir, ausserhalben 
angelt, Steuer und feile, über und anderhalb des gepürgs, 
das wir wol nichts nennen dörfften. — 

2)ie ^a^(en für bie einzelnen Sbfc^nitte ftammen aUerbingS 
üon einer fpäteren §anb ^er, finb aber ber Ueberftd^tKd^leit toegen 
beibel^atten n^orben. 

1. Item so soll im der herr selbst einrechnung machen 
oder machen lassen, was er auff sie selbst und sein gemahell 
haben mues, als zerung aber landt, amptleutten, castnem, 
diennem etc. und sold im hauß, auch was er sunst ausser- 
halb des anschlags haben mueß. Rechet man die bayde zu 
hauffen, so man die jarrechnung thut, so findt der herr, was 
er das jar an hat geworden ^ ; wue es zu vill ist , so mag 
man darein sehen und das myndem. 

2. Item so soll der herr wissen, was im das jar von 
allem seinem gefeil gefallen mag. So las er im ausziehen 
aller castner und amptleut rechnung, ydes gefell sunderlich 
darch alle rechnung aus, als sunderlich kom, den habem, 
dan eyn ydes getreyt insunderhayt ; desgleichen yglichs sun- 
derlich, aus walpurgzins, michelszins, weyhenachtzins, was von 
aOen galten gevelt, zehent, halbpau, heu von wisen, holtzer, 

* Riedel Codex dipl. Brandenb. III, 1, 6. 528. 



344 {¥• 'Bagnet, 

weyern, steur, ungelt, zoll, glayt verspreehgelt, puss, gericht- 
fei, hantion, y«den fall durch aus und ans, wie der heracbafit 
das zakoiopt im jar. So fint der herr alle jar, Wifts im ge- 
feit , und an welichem stuck im das jar myn^erqng kum^ ; 
darnach hat er zu fragen ; sein die reth schuldig , die die 
landredmung desselben jars geoomen haben , im des under- 
richtung zu geben, woran sich das gemyndert hab; des- 
gleichen sollen die reth den h^m berichten, so sich die na- 
tzung bessert, wovon das kömpt. 

8. Item desgleichen sol man das ausgeben und den 
abgang auch auffschreyben , was man das jar ausgeben hat 
oder {Umgangen ist, von yedem stuck snnderlich, wie die in 
der recäiung komen; in dem fint der herr auch, was sein 
ausgeben ist; woran es sich gemert oder gemindert hab, 
spili^ in dy reth berichten. Darzu schiecht man dy sum 
der haußhaitung und die stuck des gebrauchs anssertiaib 
der haushaltung des hern, wie die eins teyls vor angezeigt 
sind und komen mögen. Sollich einnemen und ausgeben 
gegen einander abgezogen, so wirt der herr bericht, was als 
sein ekinemen ist, desgleichen was sein onwerden ist. Indem 
hat sich der herr zu erkunden, solichs zu meren und zu 
myndem nach seinem willen. Er find auch darinnen, was im 
in der richtung vorstet, es sei an gelt, gedret, wein, fisch, 
figisch und ander, das im an der rechnung vorstet. Der 
rechnung nympt im der herr der sum ir yedes ein auszog 
in sein beheltnuß; so das ander jor kompt und man die jar- 
recbnung thut , so schlecht man den alte» vorrat zu dem 
neuen; wo man darin griffen hat, dem heiT) sonderlich rech- 
nung darumb zu thun. 

4. {tem so die jarrechnung aus ist, so wer gut, das 
der herr selbst mit den retten ubersess und sech darein, 
was das jar verpraucht und ausgeben sey; das fint man ans 
diser rechnung; waes dann nit recht gehandelt ist, das mag 
man wenden mit verendrung der amptleut, wie man den 
handel findet; und das der her und die ret idsdan ein an- 
.schlag auf ein ander jar wider machen in di^ haushaltung 
und den auf&chreiben , denselben anschlag in yedes ampt 
v^rzaieht geben, wo er das sein, das man in sein ampt 
paucfaen soll, nem und bey wem ^ und ub^ das nicht fener 
in die ampt greyff on des herrn wissen. 

5. Item nemlich dem keiner, das im sein wein durch 
die clöst^ in das haus geantwurt werdtm, wes er des vor 
im haus nicht hat, zwischen sant Michels und Mertenstag. 
Desgleichen sol man dam hoflmaister und eamermaieter im 
haus verzaichen, was getraids der peck des jars bedarff, wo 

* wem ^d. 



Stnanaieae Slat^fd^tä^e avß bet Seit mbtt^t %^iUi, 345 

er das nem und bei wem. Desgleichen dem fattermaister, 
wo er sein futterung nem und bei wem nnd wie vüi, und 
auch nit weyter greifen. Desgleichen der anschlag in die 
kachen dem knchenmaister. Desgleichen dem camerer in 
die silbercamer: ir jedem, wo er das sein nympt, bey wem 
nnd wie yill, und auch nit weytter greyffen on des hem 
wissen, so hat der herr albeg ein mitwissen, was er an yet- 
treyt hat, an gelt, [an tredt (sie)'] wein, an Vorrat hat in 
sein schlössen. 

6. Item desgleichen sol man dem camerschreiber oder 
camermaister, der das gelt in die haoshaltang ausgibt, alle 
cotember ' das gelt geben oder verweysen, wo er das nympt. 
Das soll man im nit anff ein mall geben , das man anff die 
haoshaltang geschlagen hat. Dan so das gelt da vorhanden 
ligt, so greyft man leycht darein. Derselb camermeister sol 
dem knchenmaister zn teglich pranch an gelt auch nicht 
mer geben, dan was er wnchentlich bedarch (sie), nnd sol 
dem knchenmaister das gross fich zu der hanshaltang za 
zway maln des jar in das haos achten, nendich am herbst 
und am frueling; desgleichen die fisch, schmaltz, saltz, 
wurtz umb pfingsten, so fint man es am basfaylsten, wie 
vomen von den stucken auch gemelt ist ; und was der knchen- 
maister sunst von teglichem geprauch in die kttchen kaitfen 
lest durch den eintrager, das sol demselben bezalt werden 
durch den camerschreiber, und ir yeder das in sein register 
schreyben und zu der wuchenrechnung aus ir beyder register 
gerechet werden. 

7. Item das unschlit von dem fich sol mit wissen des 
küchenmaisters in die silbercamer geantwurt werden. Des- 
gleichen sollen die heut von fich in die silbercamer verkaufit 
werden, davon wurtz und leywat in die haushaltung kaufit 
werden soll. Das sol der knchenmaister und silberer came- 
rer gegen einander auffschreyben und in der rechnung ver- 
rechnen. 

8. Item die dienstknecht im haus sol man all cotember 
ir dinstgelt geben. 

9. Item es ist eins hem nutz, wo er das verfugen kau, 
das er in verrat, casten und keller, auch die zinsgnlt bey 
den castnem nicht eingreiff, bis die jarrechnung kompt. So 
weis er bey einem beileichen (beilftu^g), was im gevallen sol; 
desgleichen sol er noch die reth kein zerung bey den cast- 
nem und amptleutten auifschlagen ; dann wann das jar hin- 



' Qualember {van btefe ^t\i toutben bie 9^]g^ obet ^nenainfen Uß 
aajblt) fönen auf aRitloodb itad^ Lncie ^eaemBet, 9Kit)9o4 nad) Invooavit» 



346 ^. SBagnet^. 

uuib kuiupt, so geben sie im zettel daran; so wart der her 
Seins wissens irrig zu der jarrechnong. 

10. Item welicher her das fugen kunt, das er sein nu- 
tznng mid gefel, so im das jar vorstet, in drey tail teyllet: 
den ein tayl za geprauch seins hoifs und zu versehen seiner 
ampt, den andern tayl geb an sein schuld, den dritten tayl 
legt hin hinter, zu eim Vorrat dem ungluck, so krieg oder 
anders entstunden, das er den wuchern, was er lang gelost 
het, umb halb gelt wider verkauffen oder verpfenden müst. 
Wol der her in dem mas nichts hin hinterlegen, so teyl er 
sein gut in zway tayll : das ein tayll zu geprauch seins hofis 
und versehung seiner ampt, den andern teyllleg zu bezalung 
seiner schuld. On das mag kein wesenlich regement ge- 
halten werden oder zu haimen gepracht zu bezalung der 
schuld, so man allenthalb darein greifit; dann der halbteyl 
der nutzung muss also geacht werden, als ob man des nit 
het, oder wer (sie) so vill verpfendt wer, das man sich nit 
darnach zu senen het darein zu greiffen, so rieht man sich 
mit allem wesen darnach, das man mit dem andern halben 
tayll auskompt. 

11. Item den vorgemelten 4 ampten, als küch, keler, 
silbercamer und marstall, den sol man ir anzaygung geben, 
den anschlag der haushaltung, wie sich ir yeder in seinem 
ampt halten sol. So mögen sie sich nit entschuldigen, sie 
haben sich nit gewest. Mit der antwurt hat der herr den 
schaden, so das jar hinumb kompt; das ist zu verkomen in 
der ersten wuchen, so man dye wuchenrechnung nympt. 

12. Item der futtermaister sol füttern, als er von dem 
hoümaister oder marschalck beschiden wurt, und derselb 
futtermaister all wuchen, wie vill er pferdt die wuchen ge- 
futtert hab, an dem sampstag vor den retten berechnen; das 
sol man einschreyben in das wuchenbuch ; und derselb futter- 
maister sol alle nacht den hem hofimaister oder marschalck 
die sum der pfert auff ein cleins zettelein schreyben und 
das antwurten; bedünckt sie dann, die futterung sei zu vill, 
so mag man die futterzettel nach der leng ansehen, was 
dann zu vill ist, die hat man abzuschaffen. Der futtermaister 
sol auch bey seinem ayd verplBicht, das er ein auffsehen hab, 
auff die er futtern sol, das sie am hoff sein, die er fätter: 
das sie nit zwyfach gefuttert werden gen den, die nicht am 
hoff sein , und wo der futtermaister der einen erfert , das 
man den darumb straff, und das man solich omung und 
straff dem hoffgesind verkünde. 

18. Item in der futterung mag der futtermaister sein 
vorteyl haben, wenn er will, das, so er in der futterung aus- 
mist (mi^t) und nit gibt, das er geben sol, oder die pfert 
anschreibt gefutdert, die zu der zeit nicht im hofi sein. So 



SinattaielCe ^ai^]^mqt auS bet Seit mbtt^i 9^ta§. 347 

8ol man die futterang mit im nnd dem castner oder dem, 
der das fdtter formist , all fiertayl jars abrechen ; das sol 
man in das wachenbuch schreiben und sehen, was er forge- 
messens an der rynnen hab; mit dem macht man in irrig, 
ond so das jar mnbkompt, so nem man die rechnmig von 
im in beywesen des castners, des knechts, der im die fatte- 
rong forgemessen hat und des wuchenbuchs, auch der zettel, 
die man all nacht den hoffmaister oder marschalck gibt ; mit 
dem macht man in auch irrig, so sich eins mit dem andern 
vergleichen muss. 

14. Item desgleichen sol man dem kuchenmaister an- 
zaygen, wo und bey wem er sein geprauch nympt, und wie 
yill. derselb kuchenmaister sol all wuchen in der rechnung 
anzeygen, was er die wuchen kaufift hat, wie hoch ein yedes 
und von wem, der er mit namen beschreybt ; desgleichen der 
camerschreyber , der es stuck weyß bezalt, was er die 
wuchen an hab geworden an vorratt, flaisch, fisch, saltz, 
schmaltz, wurtz und all ander kuchen speiß, wie vill ein 
yedes gewesen sey bey eim baylichen, und was an großen 
stucken an vorratt kaufit ist. Zeucht man das onworden 
ist die wuchen her hab (sie), mit dem weyß man alwegen, 
was man an vorratt hat im hauß; dan der metzler sol das 
geschlagen fich dem kuchenmaister wegen, das er wiß, was 
er fiaisch die wuchen onwerd; das schreibt man all wuchen 
in das wuchenbuch, und wan es dieselben wuchen uberschlecht, 
das es nicht bey einer gemeinen wuchen lefit, so fragt man, 
woromb das sey. Des gibt der kuchenmaister bescheid, was 
zufals im hauß gewesen sei: als der fursten gastung, hofi*- 

Sericht, gereysiges zeuffs oder anders, das nit hoffgesind ist ; 
enselben zufall schreibt man auch in das wuchenbuch ; des- 
gleichen so die wuch mynder und der herr nicht im hauß 
ist, oder das hoffjgesind heim reyt zu hauß; das schreibt 
man auch auff in das wuchenbuch; wann man dann die jar- 
rechnung mit dem kuchenmaister thut, so fint man, was die 
kuch gestett ; das ist vor alles in das wuchenbuch geschriben : 
das dem hoffinaister oder wem man das buch bevücht ver- 
schlossen ligt. In dem kan der kuchenmaister sein vorteyl 
nicht wol suchen; kumpt aus dem, das man allen sein ban- 
den der kuchin vor hat im kuchinbuch, e er dy jarrechnung 
mit im selbs beschleust. 

15. Item desgleichen sol man rechen mit dem keller, 
was er all wuchen verspeist hat an brot und an wein. Des 
sol der keiner sein visierer haben, der im all vaß visier 
und Überschlag, wie vill er fuder oder aymer weins dy 
wuchen verspeyst hab. Desgleichen gibt im der hofipeck 
das schon- und speys brot an die kerben in* den keiner. 
Desgleichen sol der peck ein gegenkerben behalten, wie vill 



348 %. SB^a%ntx, 

er die wuchen verspeist hat; das schreibt man alspaid ycr 
den retten in das wuchenpach. lefit es aber die gemeyn 
wachen, des maß er beschid geben, wieder kachenmaister; 
so das jar omb kompt and man die jarrechnong von im 
nympt , so fint man aas seiner wachenrechnong , aach dem 
wachenbuch, visirer and dem pecken, die all bey der rech- 
nang sein sollen , zn hören , was er an wein imd an prot 
verspeist hat. Dem keiner zerrynt nichts an weyn; das er 
mit gelimpff vor den retten bestet an seinem darschlagen, 
das that das zagiessen, das der kachenmaister nit kan. 
Doch so sollen koch and keiner am hoff gemeinlich bey ein- 
ander zosamen laaffen, so das jar hinamb kampt. 

16. Item so schlecht man den za vill in das haaB von 
den gesten, hoffgerichten and anders, die nicht in das haoß 
benent seind, gegen dem, das der herr and das hoffgesind 
im jar nicht im hoff mit der angeschlagen zall in dem hoff 
seind. 

17. Item desgleichen reicht man mit dem silberctme- 
rer knecht, was er das jar an beleichtang, confect, leywat 
and anders in der camer aasgeben hat. Desgleichen mit 
allen andern knechten and hantwerckleatten , die in dem 
praach der haashaltang aasgeben and gearbeyt haben. Aach 
mit dem camermaister and camerschreiber , was sie an ein 
yedes end geben haben darch gehaiß des hem. So man 
das za haai^n zacht and reicht eins dem andern die band, 
ans dem mag im der herr ein wissen nemen, was sein hand- 
lang in den ampten ist. 

18. Item es ist natz, so man die pfisterey ' in eim schloft 
gehaben mag and ist gat für poß anfechtnng. Dann der 
castner gibt dem pecken den waytzen and das kom an die 
kerben, das wissen die rett im haaß, was er aas eim sa- 
meri packen sol; mit dem mass der peck ein anffsehen ha- 
ben gegen dem castner and malner, als wer es sein gat, als 
wie es im von dem castner in der müU, da dem (sie) in die 
pfisterei geantwart werde, and was er also aas einem Bt- 
meri gepachen (sie) mag, schreibt man in das wachenpach; 
wie vill im metzen cleyen an eim sümeri aberlaaffen, schreibt 
naum ein. Das prot gibt er dem keiner an die kerben, and 
that der peck aach alle wachen rechnnng mit dem keiner 
vor den retten , was er im an prot die wachen geantwort 
hab and wan das jar hinamb kampt. 

19. Item so die jarrechnnng kompt and man die that, 
so fragen dy rett den castner, was er an getrayd dem pecken 
geben hab. So sagt der peck in gegenwertigkeyt des cast- 
ners mit sein gegenkerben, was er an getrayd enpfangen 

* S&detet. 



SftnanateKe ^ai^Wtic^t auS bet 3eti Wbttä^i ^m. 849 

hBtj und was er an brot in gegenwftrtigkett des kelners dem 
keiner geantwnrt hab; so fint sich an eynnemen and ausge- 
ben mit dem pecken, keiner and castner und anff anzeigen 
des wncfaenbactas, was gehandelt ist in solichem protpachen. 
Fint man in der jarrechnunff ein nberschnss, dan die pecken 
in ander wacfaenrechnung oder sonst, so man zn dem fiertel- 
jars mit im rechnen wolt, das inn zerrynnen solt (daromb 
ist dy pfisterey nutz im hofi), mit dem behelt man den uber- 
Bchoß im hans; und der keiner im das protpachens, die im 
d^ pfister in den keller antwnrt, ein müster von dem pecken 
nemen mit wissen der rett; so er sieht, das der peck sein 
mfister zu dein peckt, das sol der keiner an dy rett im 
hanß pringen; die sollen dem pecken das andersagen. 

20. Item der peck sol ob der schweinmastang sein and 
sein knecht, die er darzu beschaidt, wucbenlich die cleyen 
farmessen and des kerben mit einander nemen; so die 
mastang abgestochen wirt, so sollen dieselben knecht mit- 
sampt dem pecken die kleyen nach weyssnng irer kerben 
vor den retten abrechnen, and der metzler, der sie siecht, 
s^ den retten sagen, wie gut die schwein gewest sein in 
der mastang. So sagt der camerschreiber, wie er sie aoff 
den stall hat lassen kanffen. Aas dem fint man, was die 
mastang fartregt, ob gewin oder verlast daran sey. Man 
fint aber merertayls alwegen daran verlast dan gewin. 
Wann cUe mastang wardet von den peckenknechten zn hoff 
nicht als wol versehen als bey den pecken, die zn haaB 
sitzen, da firaan and man selbs za irer mastang sehen; san- 
derlich wo man die cleyen mit ratt verkaanen mag, als 
sonderlich in steten wol gesehen mag; wo man aber dy 
cleyen mit rat nit verkaoffen mag, so tregt dy mastong 
dester er gewin ; ond was oberig cleyen ober dy mastang 
verbanden sein, die sol der peck mit wissen des camermai- 
sters verkaoffen, ond solich cleyen des verkaofens der camer- 
meister ond peck ihr kerben gegen einander nemen, ond so 
die jarrechnong kompt, soUichs mit einander in die pfisterey 
verrechnet werden. 

21. Item man sol all fiertel jars sollich haoArechnong 
oberscUagen lassen aoft dem wochenboch; gestet es bey 
dem anschlag, so lest man es dabey besten ; laimt es darober, 
so hat man darein zo sehen ond an den amptleoten zo er- 
faren, waran das sey; hat er redlich orsach, das es die an- 
der kothember wider in den anschlag komen mag, so lest 
man es besten; wolt es aber nit sein, so mögen die rett 
darein greyffen, damit es bey dem anschlag laoff zo der jar- 
rechnonff; so weist der her alweg bey eim beyllichen, wo« 
mit er des jars in der haoshaltong aoskomen mag. 

22. Item so das jar in der haoshaltong vergangen ist. 



850 5- SSBagnct, 

80 sollen des berrn rett (wen der her selbs dobey mag sein, 
wer beser) rechnung nehmen von den vier ampten knechten, 
kuchin, keller, camerer, futerung, was ir yeder das jar ver- 
praucht und in die wuchenrechnung geschriben ist, einne- 
men und ausgeben ist; aus dem allen hat man gruntlich 
abzunemen, was die haushaltung das jar im hauß und über- 
land, da der her auch hauß gehalten, gestanden hat das 
jar; gemaine zerung sunst überlaut wurt nicht hierein gezo- 
gen; findet sich dann ichts ubrigs vorhanden in der haas- 
halt an allen enden, dar er haus gehalten hat, das schlag 
man an, wie es kaufft sey, das zeucht man an derselben 
haushaltung herab, und man gibt es fiirder in das ander jar 
des anschlags; aus dem findet man, was bey dem hoffinai- 
ster, camerschreiber oder den haushaltung bevolhen gewest 
ist, was uberig bestet oder zerrint; des sol der her ein 
wissen haben. 

23. ^ Item will ein herr wissen haben bey einem beil- 
lichen Überschlag, so er über land zeucht, was er zu tag 
und nacht auff die, so er mit ihm fürt, zu zerung haben 
muß, wie lang er acht, das er aus sein werd, gelt darauflf 
mit ihm zu nehmen, acht man ein gemeine rechnung im land 
ausserhalb des Reinstroms in den reichstetten und dergleich 
stete 5 oder 6 pfert tag und nacht für 1 gülden für alle 
sach, stalmiet, letz, spilleut und huffschlag ; ist man aber auff 
dem land in gemein hem stetten, merckten oder dorffem, so 
bringt man 7 oder 8 pfert für 1 gülden hin; ye mer pfert 
und volcks, ye bas man in den anschlag damit auskomen; 
wan sollichs ist an einer yeden statt pald zu überschlagen, 
nachdem es theur oder wolfeyl ist; wie vill man pfert tag 
und nacht für 1 gülden hinbringen mag, fint man wol in der 
ersten nachtzerung; die rechen man; darnach man sich zu 
richten, man lig lang oder kurtz. 

24. Item so man über land zeucht, sol man in der 
rechnung ein auffsehen haben mit der kuchin, keller ; welichs 
über das ander in die zerung lauffk, demselben mag man 
zusprechen, er sey ob seynem ampt nit fleißig gewesen; 
dann man es zu Francken helt, das kuchin und keler bey 
einander in der rechnung lauffen sollen, und so man sie also 
darumb bedattigt, so müssen sie darumb sunder antwurt ge- 
ben, wardurch und warumb ein ampt vor dem andern lauff: 
aus dem nemen sie ein sorgveltigkayt furder mit vleyß darob 
zu sein. Also das ir yeder gegen seym herm und dem der 
die rechnung nympt , der gern mit gelympff bestund ; dann 
wo das nit oeschicht , so will im ein yeder in der kuchen 
und keler uberig freuntschafit und geselschafft mit der herm 

^ 3n margine bon beS üattaletS fßoVttt fyoihi Nö nberland. 



SfittanateUe ^aiffiäjli&^t att^ bet 3eii fOM^t ^^m. 351 

gat machen, das in solichem aufsehen die gemelten rech- 
nong von in vermitten ward. 

25. Item es wer nützlich und gut, wo ein herr sein 
haoßhalt nicht an einem ende halten wolt, wo er dann aus 
dem hauß zug, das daselbst die haushaltung in kuchin, 
keller und futerung gantz abgeschlagen wurde. Were nberig 
menschen in demselben schloß, als thorwarten, wechter, 
thumer, die dingt man zu einem castner; der muss nemen 
was man wollt ; das alles hat man wol zu thun, und das der 
hoffmaister, oder wer ob dem regiment ist, alweg mit seinem 
hem in der haushält ziehe und darob sey. Ist er 8 tag 
aus der haushält, so hat man 14 wider zu schicken, das er 
es wider in Ordnung bringt. Desgleichen helt man stets 
an einem end hauß, so kan der, der das regiment im hauB 
bat, nicht nutzers geschicken, man las in dan stetigs darob 
bleyben. 

26. Item so der herr über lant aus seiner kostung 
kompt und zeren muss , so sol der hofmaister oder camer- 
schreiber zu stund vor den retten, so er wider heim kompt, 
rechnung thun, was man verzert hat, dieweyl es in gedecht- 
nus ist dem hermund retten, wie man gezert hat, von dem 
der das gelt ausgeben hat nach weyssung der register der 
amptknecht von (sie) zu stücken in die ampt gekaufft und 
verpraucht ist. Aus dem fint man, was man dem hem 
wider ffeben sol an den gelt, das der herr dem camerschrey- 
ber geoen hat, oder was der herr darüber schuldig sey ; so- 
Ucher rechnung sol man dem herrn auff das Inirtzst ein 
auszug furhalten, des eyn wissen zu haben. 

27.^ Item gar nutz und gut ist der herschaut, das 
man drey jarrechnungen halt: nemlich eine auff pfingsten, 
eine nach Michaelis, eine nach weyhenachten. Gedret, ze- 
hent und halbpaw zu den dreyen zeyten wurdt alle jar galt 
wol eingepracht, und so man die rechnung mit den castnem 
und amptleutten auf eyn yegliche zeit thut, so sol man kein 
von der rechnung hein (sie) lassen bey straff des thurns, 
er hab dann der herrn seiner pfenniggult entricht. So man 
sie darzu helt, so wurt dy gult dem hem einpracht, und 
verderben die armen leut mynder, dan so man in die gult 
auff gult anlest sten. Und so dy rechnung geschieht, so sol 
man umbreyten von casten zu casten und besehen, ob sie 
das gedrett auff dem casten haben. Wo man im gesiebt 
des gedreyts mangel findet, so sol man es umbschlagen. 
Was man es nit findet, sol der castner, e die geschickten 
von dan reitten, die armen leutte besenden, das sie des ge- 
drets, das auff dem casten mangelt, bekenüich sein, und dem 

* 3n margine Don ä^oDetd ^anb: No castnerrecbnoog. 



352 



8f. Slagnev. 



castHer bey rtraff entsetzong seines ampts oder des tttras, 
das er solich getreyd aoff £e casten bring, daani wo das 
nieht gescMeht, so treilen» die castner irea fvkanff damit 
gegen armen leattett; so es thewr ist, so sagen sk, dfie sr^ 
men lentt sein es schuldig and er bab es rät künden mih 
bringen; so es wolfeyl mt, so kaofft er es wideromb za dem 
bannen. 

28. Item die vi^den reehnong so man thim umb sant 
Peters tag kathedra; das haist die jarrechnmig, iareki rechet 
man all handel, der das ganz jar gehandelt nt, die hanft- 
haltnng, snnst ansserhalb des hans, alles einnemen und aus- 
geben gegen einander abgezogen. So fint der herr, was das 
jar in seinem regeraent gehandelt ist, ob er schuldig wosden 
ist oder sein schuld gemyndert hat, und ob im was vericniafit 
^^ S^lt, gedrett und wein; desselben nympt der kein: ein 
recess in sein laden, so das jar wider kumpt , so wurt der 
recess und das kunfftig jar aber gegen einander angesehen ; 
mit dem hat der herr seine guts imd regiments alwege» ein 
mitwissen. 

29. Item das der herr alweg ein mitwissen müg haben, 
was er zu den dreyen rechnungen bey einem billiehen mog 
auffheben, so las der her bey den castnem kein zerung anf- 
schlagen, sunder man bezales (sie) aus des hem camar. So 
fint er all rechnung, was er bey dem castner hatt ; waa man 
das nit thut, so geoen im die castner zu der rechnung zettel 
darfur. 



Einnemen 



Bumm» 



summa 



korn[er] ffultl 
haber galt j 
weytaen galt 

genten galt 
in galt 
linsen golt 
hanff galt 
Pfennig gnlt Walp^J „„^ 

wayhenach golt \ 
herbst hfiner I 
Tassnacht hemien > samma 
kess ajer und an-| 
der klein gult } 
tel, püfls, glait 
weg 8oU > somma 

gsosi soll 



yerkaafft wissmat 

verkaafft holtz 

zins von ratheasern 

handlon 

versprechgelt 

ajgenleatt 

gross und olein zehentten 

weinzebetten 

wein galt 

verkaafft fisch 

judenziiie 

jadenvell and -pass 

verkaoiffte sohofF 
» wolle 
Yon zeydel wayden 
▼on ayoheln 
von verkaafiEt getreyd, 
von allerley gemein savellea 
einnemen von schefferey 
als waydgeit» kest und myleh 



^^snini&a 



somma 



Stnonaielte Stai^d^Ififie aui bet 3eit ^llked^i fld^Ud. 



353 



Ausgeben 



summa 



^flumma 



'somma 



abgang \ 

amptleotten l 

zinaem 1 

leipgediogem/ 

kneoht Ion das seind 

oastoer, thumer, forster 

Wächter und ander knechti 

in ampten ausserhalb des 
hause 

auff halb pen zu traschen 

zeheten zu samein und 
wissmat 

zu meen und zu hawen 

weiagart arbayt 

fischsetzling zu kauffen 

wolffi» ass zu kauffen 

castner serung 

gemein zernag der ge- 
schickten ksecht 

messlon \ 

badenzins' > summa 

pdttnerlohn ) 

▼on sohedigen lernten hinzu richten 



summa 



auff schefferey zu überlegen 
die peu yeld und wissmat 
gepeu und weyhem 
gepeu an schlossern und 

heussem 
herrn zerung] 
rett zerung ( 
jeger zerung ( ■^™™* 
der rett sold/ 
Überlegung und abgang 

der wein 
bezahlung der schuld 
coetung der haushält über 

hoff 
hoffgewand schenckuog 
trinckgeld ausloeung den 

gesten in der herberig 
spilleutten , trumetern , 

pt'eiffern 
schaden pfert die costnng 
des hem und fraun zu iren 

leyben, hingelihen gelt 
Bunderiich gemein ausgeben 

und zufel hierin nicht 

benant 



^summa 



^summa 



«umma 



Item die gemelten stuck in einnemen und ausgeben, so 
die ausgezogen werden aus der castner rechnung yeder sun- 
derlieh, so fint der her, was sich an einnemen gemert oder 
gemyndert hat; desgleichen an dem ausgeben, was sich an 
eiflfim yeden stuck gemert oder gemindert hat ; an welichem 
Stade er mangel hat, darein mag er reden und das wenden; 
so Bian das alles einnemen und ausgeben zu hauffen schlecht, 
so fint der herr , was er an gelt , an wein oder an gedreyt 
vor im hat; das mag er im der sum ir jedes in ein kurtze 
¥erzaichnu8 nemen; so das jar hinumb kompt, so fint man, 
was die neu jargult zu vill sein, so man den recess des alten 
Vorrats ; voa dem allen zeucht man herab, was das vergangen 
jar ausgeben und verbraucht ist; mit dem hat der herr alle 
jar ein wissen, was im vorstett, und das im nicht register 
und Zettel für das sein geben werden; dan er hat das re- 
cesa und register in seiner laden ligen ab er will. 



SBsL &iimtttt»Qx9mmarai 1, 208. 



2)er Xxatüt übtt bit tpa^ftttaHI M ^ffiti 1159. 



3m crftcn ®anbc üon ©ubcnborf« 8lcgiftrum* finbct ftc^ 
ein Xraltat, tueld^er feiner Ueberfc^rift naä) Übet hai ®d^x9ma 
jtDtfc^en $a)7ft Sbrian IV. unb Öctaüian fotpte über badientge 
itütfd^en bem (enteren unb 9D[e;ranber ni. ober, \o\c fie ^ier ge« 
nannt werben, ituifd^en Stctor IV. unb bem ftangler moiavb ^<m^ 
belt. 2)te Sb^anblung foll, n^ie im (Singanoe bemerit kpirb, im 
Huftrage bed ftaiferS unb ber m einem Sonett üerfammdten 
Säter oerfagt toorben fein; i^re aufgäbe mirb bal^in befttmmt, 
bag fie ben Hergang ber ^apftloa^I t)om Soif)Tt 1159 barle^eit 
foDe; fte befd^ränlt ftd^ aber nid^t j^terauf, fonbem ffigt noc^ eine 
8}orgefd^id^te berfelben ^inju. @ie ift fibrigend unüoDftfinbig 
unb bricbt mitten in ber ©d^ilbening ber SBa^I felbft af>. 

tiefer Xraftat nun ift t)on SDßet^er^ in feiner Hb^anbluitg 
über bie SBal^I SlesanberS m. für eine @tttübung erff&rt toor^ 
ben, tDd6)t entfd^ieben einer f|)äteren QAt al8 bem iioölften 3a^r« 
^unbert angehöre, unb toof)l in f^olge beffen ^aben tt^eber Snt( 
noc^ (Siefebred^t i^n in i^ren Sarfteuungen ber Slegierung ^e» 
brid^i^ I. weiter berücffid^tt^t. 

Sie ®rünbe jebo^ , bte iDZe^er für biefe feine 9tnfic^t beige« 
bracht, ftnb burmauS nid^t über}eugenb. 3n SEBa^rl^t f)Qt er 
nic^ti^ Leiter anjufü^ren gen^u^t, als einjelne fic^ mieber^olenbe 
SBenbungen, eine ^in unb n^ieber berüortretenbe SBorliebe für bib^ 
lifd^e Sitate fon^ie eine gen^iffe ^üue' bed @tUS, toaf^ aDed ju ber 
bamaligen QAt in ben t)fm einer ^ca^^ auS^el^enben ©d^rift« 
ftüdCen nid^t gebräud^Iid^ gen^efen fei. ät^dgen btefe iBemerfungen 
aegrünbet fein ober nid^t (unb an einen fanjieimägtgen Urfprung 
Der üorliegenbcn ©d^rift ift in ber ^at tanm ju benfen), fo ift 
bod^ bamit binfic^tlid^ ber (Sd^t^eit berfelben, bie ftd^ felbft burc^« 
aus (einen ojfiiiellen, fonbem ^öc^ftenS, n^enn man fo fagen fonn, 
einen offuibfen C^aralter beilegt, nodb nid^t baS ®erinajte auSge« 
mad^t. £tefe (Sd^t^eit to>ürben toir erft bann }u bejkpeifeln in ber 

» Jtc. XXIII, 6. 62 ff. 

* mm'xi mtttn : 5Die SBal^l 9Ie^nbetl» III. unb äHdoiS IIL «t» 
iingeit 1871. 



tn Xtaitüi übet bic fln>)ftnjn!)r beS Snlftte«^ 1159. 355 

Sage fein, tpenn Sn^etd^en üottägeit, bie uttS jtoängen bte Vb\a\:> 
jung bei^ Siraftatö in eine Jpätere 3^t gu verlegen ober bem üon 
i^m äßit^et^ilten allen feloftönbigen SSert^ ab}uf^re(^en. ä){e^er 
meint fretlid^ aUed in biefer ©^rift Snt^oltene auf bie äßitt^ei« 
lunaen uni^ betannter üueQen jurildtfübren xu föitnen. Sber bied 
ift fo njenig jutreffenb , bag mir in berfeloen t^erfc^iebene ^aU 
fa(|en bezeugt finben, bie und üon feiner anbem Seite ^er belannt 
fino, tt)obei ed üorläufig noc^ gleichgültig bleibt, ob biefe $(nga^ 
ben fid^ ald richtig bekoa^rl^eiten ober nic^t 9a, auc^ ba, mo 
eine SBerü^rung mit anbem uni^ oorliegenben Duellen erfennbar ift, 
lä^t fid^ oon einer Priorität ber le^teren telnedU^ejgd immer reben. 
3n einem f^olle, mie bem üorliegenben, mo ein biref tei^ S^ug^ 
ni^ baffir, ba| eine ©c^rift ntit ben oon i^r bargefteUten Srei^- 
niffen gleid^jeitig fei, ni^t oor^anben ift, mirb ber befte JBemetd 
für eben biefe ^leid^jeiti^teit tt^ol^I ber fein, toenn biefelbe ^n^ 

Siben entl^t, bie in btefer f^orm und in leiner ber erl^altenen 
ueQen beoejjnen, aber burd^ oen S^f^ntmenl^ang mit anbem und 
betanntm Si^atfac^en atö ber SEBobr^eit entfpred^enb ftc^ ermeifen. 
SBenigftmd gilt bied für ben fjfau, bag bie ©c^rift und fonft tei^ 
nen nvla% giebt i^re Sbfaffung einem 3^^9^^ff^n "^^ iW^"" 
troum. ®erabe fold^e Angaben aber toerben totr in ber %t)at 
bier finben. Qm&di^t tovdb ed unfere Stuf gäbe fein, bie einzelnen 
Vlad^ric^ten, toeld^e ber Xraltat mitt^eilt, auf il^e ©laubmürbigleit 
bin ju {prüfen, fott)te und nadb etn^a benu|ten OueQen für biefet 
ben umsufe^en, refp. )u unterfud^en, ob il^r felber ettoa anbere und 
befonnte OueQen k)orgeIegm ^abm. 

®Ieid^ bie Ueberfd^rif t ^ toirb t}on SRet^er old ben @tmpd 
ber Uned^tbeit an fidb tra^enb angegriffen, unb fie l^at in ber 
Xl^at etn^ad SuffaQenbed, tnbem fie nid^t nur toon bem @(^idma 
jtoifd^en ben beiben belannten (Segen^äj^ften , fonbem and) üon 
einem jurifd^en Octaoian unb Sbrian \pndtt 9hm fann man oon 
einem foldben im eigentlid^en @inne aUerbingd gett^tg nid^t reben, 
too^I aber in uneigentlid^em, ba in SQSal^rl^eit ein tiefae^enber ®e« 
genfafe jtoifi^en beiben beftanb unb Octaüian gen^ifferma^en ber 
üom ^aifer befignirte 92ad^foIger Slbriand mar. Seibed mirb in 
unferer ©d^rift felbft freUi^ burd^aud nid^t meiter berührt (nid^t 
flbrian, fonbem ber j^amler 9toIanb erfd^eint burd^toeg ald bie 
'©eele ber antilaiferlid^en $oIitit), unb mürbe fid^ ein auc^ nur 
offijiöfed ©ofummt mo^I faum einer berarttgen ungenauen fße^ 
^eic^nung bebient ^aben. 3)ie SBa^rfd^einli^Ieit ^pnd)t alfo bafür, 
oafi bie lleberfd^rift f)7&ter jugefe^t fei, unb baffelbe gilt bon bem 
barauf folgenben Eingang ^. 

3n ber Einleitung giebt fic^ bie ©c^rift ald im auftrage 

> De •chiimate inter Adriannm et Ootayiannm, qui deinde Victor 
dicitnr, item mortuo Adriano inter enndem Yictorem et Born, oancel- 
larium R. Wilh. 8ioalo astrictom. 

' Inoipit hie tractatas* 

XXV. 24 



356 m tRiBbeif, 

bei^ ftaiferS unb ber mm Soncil üetfammelten SAter üerfa§t, um 
ben Hergang ber äSBa^I bargulegen; ju toeld^em Qtotdt fie ettooS 
küeiter aui^^olt. äRe^er fie^t in btefer ®teDe einen SnRang an 
bad üon bem ^aoefer Soncil in S3etreff bed @d)Xima^ erlaf« 
jene 9{unbf einreiben , bie fo^en. epistola concilii. SHefer 9n« 
Kong befielt aber nur bann^ bag in beiben ©d^riftfHitfen bie 
üerfammelten Säter atö congregati begeic^net »erben unb t>m 
ber qualitas ber SSBa^I aerebet n^irb, bei ber (Sebr&uc^Ud^teit bei« 
ber Segeid^nungen getüif !ein SBetueii^ ^r etmaige (htilebnung *. 
S)ie eigentliche 9[udeinanberfe|ung beginnt mit einem 93erid9te 
ttber ben Sonftanjer äSertrag. Stucb bter fc^Iiegt Tltt)tt üoreitig 
auf eine SSenu^ung ber äJertrag^urninbe , bloi^ loeil ^ier n^ie in 
biefer üon treuga unb pax bie 9iebe ift. S>ie ^[ngabe , ba% boS 
ertt7ä^nte foedus ein scriptis ntriusque partis firmatom et 
ntriusque principis sigillo signatum, juramentis hinc inde cor- 
roboratum, cbirographatum et coUaudatum fei, fann jtDar ben 
Sbtfd^ein ertpeden, ald ^abe bem 93erfaffer ber ÖJertrag felbft Dot* 
gelegen, aber bad l^ier ä)}itget^eitte ftimmt mit bem 3nl^alt bed 
mirflid^en ISertrag^ in mel^reren fünften nic^t überein. @o Jim 
ben mir ^ier bie vlotxi, ba| ber $a^ft fid^ audbrücflic^ üertTffiptet 
haU, mit 9tömem unb 9?ormannen o^ne ^uftimmuna bed ftaiferS 
leinen fj^ieben }u fd^Iie^en, eine 3lf)i^, bie fid^ auc^ bei S^incenj 
Don $rag finbet ^ bie aber im mirHic^en SJertrage, nic^t nur bem 
urfjprünglid^en, Don Sugen in. gefd^Ioffenen, fonbent aud^ bem Don 
^abrian lY. erneuerten, nic^t ^eftanben ^aben !ann^ @obann 
n^irb betont, i)a% ber $apft bte @egner beiS Steic^ed nac^ brei« 
maliger Dergeblic^er (Srmabnung ju bannen ffaie, to&fjtttib im 
SSertrage nur Don einer ©rma^nung fiber^au|)t bie Siebe ift. 
@oI(^e Ermahnungen (übertreibenber SBeife mirb fogar Don 103 
gefpro^en) foden nad) bem Xraftat ben ä)}ailänbem gegenüber 
mirllid^ ftattgefunben ^aben, o^ne bag jebod^ ber 83ann barauf 
folgtet ^ierju ftimmt, ba% mie loir an^ bem^otofoO bd^$a^ 

^ IBel^fS genauerer S^ergleid^uttg mb%vx bte beiben ©teilen nebeneinanber 
aufgtfül^ toerben 



Tractatas 



Epistola ooncilii 
(Kahewin IV, 80) 
HOB, qui — Papiae fnimaB con* 
gregati, qualitatem caasae mo* 
dnmque negocii et sacri concilii 
dispensationem — duximos inti* 
mandum. 



placnit— principi — et — doniinis 
ac patribuB in n. d. oonf^regatis, 
nt qnalitatem et ordmem elec- 
tioAis B. pontificis in medium 
proponamuB. 

' M. G. SS. XVn, 666 : quod BomanoB et regem Siciliae — sine 
consensa et voluntate domini papae nee e converso d. papa sine con- 
silio et Toluntate d. imperatoris in gratiam eos reciperet 9krgL ben 
%xa!tiai: ut neutra istarum partium sine alteriuB partis consensa et 
▼oluntate — amicitiam vel pacem Tel treugam oomponeret. 

» »erfli. 8Ö. IRibbed, Sfriebric^ I. 6. 8 ff. 

* manifostos imperii hostes Mediolanenses post temam et cente« 
simam commoniciouem non excommunioavit. 



tn txattai übet bic !pa|)f»tDal^l bcs 3al^re« 1159. 357 

üefer SoncilS * tptffen , Sarbinat Octat^ian bte äRaU&nber toiülxdf 
bannen tooQte , ber $apft biefelben aber anmied, fid^ ni^t baran 
ju fe^en. Z)te eben ermö^nten Unri^tigleiten finb too^I au8 
tenbengiöfer Slbfic^t au eiüören, um ben SSertrag t>on SBeneoent 
atö einen 9}ru4 bei» Sonftanjer barfteOen ju fönnen unb babei 
fann ber eigentü^e 93ortIaut bem SBerfaffer gonj gut befannt ge^ 
mefen fein. 

&d folat bie (Sriä^Iung Don bem Sbfd^Iug bed S8enek>enter 
8}ertrage8, ber übereinftimmenb mit ben B^tfl^^'^ff^ ^^ birette 
)6erle|ung bed mit bem ftaifer gefc^Ioffenen aufgefaßt n^irb. S>ie 
^ertragdurfunbe felbft ift nic^t üenu|t, nirgenbd jeigt fi^ toört^ 
lid^er SnRan^, ja ed finben fidb me|rfacl^e materielle %bn;ei(j^un« 
gen. @o tt>trb nac^ bem Xraftat König äBU^elm mit bem du- 
catus Apoliae et Calabriae belehnt, n^äl^renb gemäg bemSSort- 
laut bei» Ißertraged nur bie Selel^nuna mit bem ducatus Apoliae 
ftattfanb. Ser Xraftat bel^nt bie Seftimmungen, bag in ©icilien 
nur mit ®enel^migung bed ^Snigi» an ben $a)7ft a^^eUirt kuerben 
bürfe, fon^ie bafi mdi @icilien |)äpftlidbe fiegaten nur mit Qu^ 
ftimmuna bed ftönigd gefanbt merben bürften, auf ha^ gan^e 
iperrfd^aftdgebiet ber 92ormannen ani. (Sbenfo mad)t er bte 
^a^len ber ©eiftlic^en nit^t nur Don ber ^uftimmung, fonbem 
au^ t)on bem audbrädlic^en @el^eig bed ftOnigd abl^än^ig. S)ie 
iBeftimmun^ bei» SSertragei», baß bie fiegaten bie Kr^It^en iSe^ 
ft|ungen md^t branbfc^a^en foQten, fäl^rt er nä^er an&, inbem er 
berichtet, bag i^nen lönigßd^e 99riefe mitzugeben feien, meldte 
fDla^ unb SBefc^affen^eit ber i^nen ju liefemben fiebendmittel be« 
ftimmten. 8De biefe Slbtoeid^ungen loffen bie gcmeinfame lenbenj 
erfennen , bie ^ugeftänbniffe an ben 9?ormannenfürften afö nod^ 
größer ^insufteuen, ald fie in ber 2^at n^aren, unb fie f o mit bem 
Serfal^rcn gegen ben Äaifer in ncc^ fd^ärferen Sontraft gu fe|en. 
5Rur bie juleftt ermähnte Angabe, obtt?o^I im Vertrage Jelber 
gleid^faQd nic^t enthalten, fc^eint mir i^rer betaiQirten Sudfü^rung 
halber nid^t ^ang gu üertoerfen; üieQeid^t giebt fte bad faltifd^e 
äerf al^ren toxtbtt, bai» in 3<^Ige bei» SBertraged Pa| gegriffen batte. 

^ann berid^tet ber 2;raftat üon jener ©efanbtfd^aft bed Kang- 
(eri» SRotanb, beren (Ergebnis ber belannte auftritt üon 93efanQon 
tt^ar, beffen fammt feinen unmittelbaren ?)foIgen l^ier übrigens nur 
flä^tig aebad^t n^irb. 9?eu ift in biefer 2)arfteO[ung , baß ber 
ftangler fid^ ^u biefer Steife gebrängt l^aben foUe, um bei biefer 
Gelegenheit bte t^ürften ©aQiend bem ^aifer abn^enbtg gu mac^n. 
Se^nlid^ed finbet ftd^ nur in ben @taber Snnalen, Die aber, tt)ie 
f))ater gegeilt tt)eri)en foQ, ben Straftat benu^t ^aben. %iA in 
biefer Scac^nc^t tritt bie gegen ben üer^aßten ®egenpa)7ft gertd^tete 
Xenbeng beutltd^ berüor. 

2)arattf ergäp unfere ©d^rift übereinftimmenb mit bem, toai 

« Rahewin IV, 77. 

24* 



358 



9S. 9ltBBe(f, 



tott f^on fonft tpiffen , unb namentttd^ im Sßorflaut eng an bie 
jog. epistola concilii unb gipar an bie neuefte bei SBatteric^^ 
mitgct^ciltc Qfaffung bcrfclbcn fid^ ante^nenb*, üon ber SBerfd&toö* 
rung ber Sarbinäle mit SWailänbern unb Slonnannen, tt?obei fie 
übngend ben 8(nt^ei( S(briani^ t^erfd^meigt unb nur bie X^ötigfeit 
Sffaolanbd ^erüor^ebt. SRit ber gefälfd^ten epistola concilii (II) 
ift i^r ferner bie Slngabe gemein, bag biefe SBerfc^mörung burc^ 
bie äRail&nber unb bie Sßttüerfc^n^orenen felber üerrat^en n^orben 
fei*. SebtereiR »iffen toir bereits burd^ ®erl^o^, ber berid^tet*, 
bag bie beiben Slid^&n^er Dctat^iand bie Sjrifteng iener Vk^äftoä^ 
rung, beren ©enoffen fte felber gen^efen, bezeugt Ratten. VnK&nge 
an Die Raffung biefer 9lac^rid^t , toit fie ber a;raftat f)at , finben 
fid^ in etnem »riefe ^Qp\t »ictorS IV. ^ 5Bie «ngabe, bafe auc% 



> Vitae Pontifioam II, 6. 483. 

* Tractatas. 

Benovata inter se conjaratiooe 
cum Mediolanensibtts et Siculo sub 
jarejurando foedu« composait, ut 
altera pars sine altera com impe- 
rio naBquam pacexn teneret; qaod, 
si Interim Adrianum mori contin- 

feret, secta illa cancellarii ex de- 
ito jnramenti unnm ex bis in pa- 
pam eligeret, qni jam dicto jara- 
mento Mediolanenaibiu et Siculo 
tenebantnr, et electus eodem jora- 
mento teneretur. 

* Tractatas. 

Haec conjaratio ab ipsis Medio- 
lanis et a quibusdam ipsius scele- 
ris juratoribus deprehensa et ma- 
nifeste comperta. 



Epistola concilii. 
(Watter. H. 6. 485). 
Cnjas conjurationis tenor et con* 
tinentia talis erat (biefeI6en Sind« 
ht^dt Btaud^t bet Straftat bom Son- 
{langet iDertroge) : ut nunqnam alter 
sine altero cum Romano imperio 
pacem teneret, et si interim papam 
Adrianum mori contingeret, unum 
de illis cardinalibus et non alium 
in papam eligerent, qui eadem con- 
juratione teneretur. 



Epistola« 
conjurationem — cum Mediola« 
nensibus et Siculo — et per ipBoe 
conjuratores et per litteras Kol* 
landi Mediolanensibus directas äe^ 
prehendimus et cognovünus. 



^ De inv. Anticbr. c. 57, ®. 116: Factae autem ejusmodi oon- 
spirationis etiam se ipsos testes proferunt duo illi cardinales, qui O. 
partis sunt, utpote qui, siout ipsi fatentur, conspirationis socii exstite- 
rint et participes illius male datae et acceptae pecimiae. Sgt au^ 
ep. ad Card. @. 369. 



» Ep. Victoris. I 

(Liyerani, Spicilegium €. 763). 
* Nos — ad eornm conjurationem 
roultotiens ab ipsis primum inyi- 
tati et sollicitati — quemadmo- 
dum per intrusionem ipsius Bo- 
landi eridenter apparuit et ho- 
dieper conjuratores et per scripta 
ab eis de eadem conjuratione con- 
fecta manifestissime perclarescit. 

Wem betgleid^c no$ folgenbe 9litfl&nge: 



Tractatus« 

et sunt quidam ex nostris car- 
dinalibus, qui ad conjurandum 
fuerunt inritati, ut schisma ec- 
desiae faodie evidenter ostendil 



/ 



2)er ttattai über bie $at>fl)oa^l be§ Saf^xti 1159. 359 

burd^ bie äRaS&nber bie 9itt^dfto6xm^ üerratl^en fei, ift jtoeibeutig, 
ba fte ebenfo aut 6d)euten fann, btefe l^ätten bie ©ad^e auSae« 
pbiubert, ate jte fei bei i^nen (ettoa bntä) aufgefangene 93tiefe) 
entbectt tt)orben, toai bie epistola concilii (11) er}ä^(t. Wafii^ 
fd^einlid^ ift immer, ba% an beiben @teDen Don einem unb bem^ 
felben (Ereignig bie 9iebe ift. Uebri^end fte^t bie tleuBerung beS 
Xrattatei», lene Octaüianifd^en Sarbtnäle Ratten an bem fqmä^ 
liefen ®eminn ber anbem (ber 9)efte^ung burd^ bi